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Veröffentlicht am 06.07.2018

Bücher und Menschen müssen reisen

Das Mädchen, das in der Metro las
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Als ich dieses Büchlein entdeckt habe, war ich spontan verliebt. Es ist klein und mit weniger als 200 Seiten auch sehr dünn, aber das Cover ist liebevoll gezeichnet und lädt zum Stöbern ein, wie Bücherregal ...

Als ich dieses Büchlein entdeckt habe, war ich spontan verliebt. Es ist klein und mit weniger als 200 Seiten auch sehr dünn, aber das Cover ist liebevoll gezeichnet und lädt zum Stöbern ein, wie Bücherregal in einer fremden Wohnung. Es ist ein Buch über Bücher, eine philosophische Betrachtung für Bücherliebhaber.

Die Geschichte beginnt mit Juliette, die Tag für Tag mit der Metro zur Arbeit fährt. Dabei sieht sie Menschen mit Büchern, nicht alle lesen auch wirklich darin. Sie selbst liebt Bücher, aber sie verbringt weniger Zeit mit dem Lesen, als ich vermutet hätte. Dabei denkt sie eher über die Bücher und ihre Besitzer nach, versucht Geschichten um sie herum zu spinnen.

"Manche Bücher waren wie stürmische Pferde, die mit einem davongaloppierten, während man sich klopfenden Herzens an ihre Mähne klammerte. Andere glichen Booten, die Nachts friedlich bei Vollmond über einen See glitten. Wieder andere waren wie Gefängnisse."

Juliette ist von ihrer Arbeit gelangweilt und wie durch schicksalhafte Fügung lernt sie Soliman kennen. Er ist verrückt nach Büchern und lebt in seiner eigenen Welt. Um ihn herum sind hunderte, aber er will sie nicht lesen, er will sie weitergeben. An dieser Stelle wird es etwas handfester, denn Soliman erklärt das Prinzip Bookcrossing: Bookcrossing bedeutet, Bücher mit einer Nummer (ID) zu registrieren, um ihren Weg verfolgen zu können. Dann lässt man sie frei oder gibt sie weiter. Man kann sie einem Fremden in die Hand drücken, sie auf einer Parkbank oder in der U-Bahn zurücklassen... der Phantasie sind auch hier keine Grenzen gesetzt. Nähere Infos hierzu auf www.bookcrossing.com. Aber zurück zum Buch, denn Soliman gibt Juliette den Auftrag, die Bücher zu verteilen. Dabei soll sie nicht wahllos vorgehen, denn laut Soliman hat jedes Buch die Macht, ein Leben zu verändern. Wenn es nur an die richtige Person gegeben wird.

"Jedes Buch ist wie ein Porträt und hat mindestens zwei Gesichter. Das Gesicht von der Person die es weiter gibt. Und das Gesicht von der Person die es empfängt."

Juliette freundet sich mit dem sonderbaren Soliman und seiner kleinen Tochter Zaide an. Mit der Freundschaft und dem Vertrauen Solimans steigt auch ihre Verantwortung. Sie möchte etwas in ihrem Leben ändern.

Den Platz wechseln. Mich mal ganz woanders hinsetzen. Ein Muss, und zwar nicht nur in der Metro.

Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, denn es handelt von Büchern, die man weggibt um anderen eine Freude zu machen. Und zwar so, dass man die Freude gar nicht mehr erlebt, wie Juliette feststellt.

"Ihr fehlten auch die Unbekannten, denen sie Bücher geschenkt hatte [...] Sie hätte sie gern wiedergetroffen [...] um sie zu betrachten, an ihren Gesichtern Anzeichen für Veränderung abzulesen, für gesteigertes Wohlbefinden, jede noch so kleine Freude. Vielleicht war das naiv."

Um genau das geht es bei Bookcrossing, also musste ich es als begeisterte Bookcrosserin lesen! Aber auch für alle anderen, die gern Bücher verschenken, ist es eine schönes Buch, das vielleicht auch nachdenklich macht.

Veröffentlicht am 03.05.2018

Science-Fiction-Genremix mit Humor und Action

Hologrammatica
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Schon das Cover hebt sich ab und verrät, dass es sich hier um keinen normalen Thriller handelt. Vielmehr würde ich das Buch unter Science-Fiction einordnen.
Hauptfigur ist Galahad Singh, der im Jahr 2088 ...

Schon das Cover hebt sich ab und verrät, dass es sich hier um keinen normalen Thriller handelt. Vielmehr würde ich das Buch unter Science-Fiction einordnen.
Hauptfigur ist Galahad Singh, der im Jahr 2088 in London lebt und arbeitet. Sein Job ist mit einem Privatdetektiv zu vergleichen, allerdings hat er sich auf das Aufspüren vermisster Personen spezialisiert. Das ist in der Zukunft nicht mehr so einfach, denn Menschen können ihr Aussehen verändern und sich einen neuen Namen aussuchen. Der Klimawandel hat großen Schaden angerichtet und die technologische Entwicklung schreitet weiter voran.

„Im Tal des Todes haben sie eine neue Rekordtemperatur gemessen, einundsiebzig Grad Celsius. Ein Streik droht, den Spacelift in New Albion lahmzulegen. In der Nähe von Jakutsk sind zwei neue Siedlungen eingeweiht worden ...“

In dieser neuen Welt ist es möglich, die eigenen Erinnerungen zu digitalisieren, zu speichern und sogar in andere (mit entsprechender Technik ausgestattete) Körper zu laden. Dabei scheinen die Möglichkeiten zunächst unbegrenzt, Männer werden zu Frauen, Körper können getötet werden, ohne das ein Mensch stirbt und man weiß nie, wen man eigentlich vor sich hat.
Aber es gibt noch Grenzen und Probleme, die auch die besten Wissenschaftler nicht erklären können.

„Wenn die Funktionsweise des menschlichen Gehirns so simpel wäre, dass wir sie verstehen könnten, wären wir so simpel, dass wir sie nicht verstehen könnten.“

Aber auch die physische Umgebung, wie Häuser oder Straßen sind nicht immer das, wonach sie aussehen. Das Holonet umspannt die Welt und ermöglicht holographische Effekte, die für jeden sichtbar sind. So wirken Straßen immer sauber und Häuser immer frisch verputzt. Singh verstrickt sich immer mehr in die Wirklichkeit, die darunter liegt.

Der Autor baut eine Zukunft auf, die mich in ihren Bann gezogen hat. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, weil ich einfach mehr über diese schöne, neue Welt erfahren wollte. Tom Hillenbrand beschreibt so detailgetreu und bildhaft, dass ich das Gefühl hatte neben Singh herzulaufen. Geholfen hat sicherlich auch, dass die Hauptfigur etwas ganz besonderes ist ohne darum Aufsehen gemacht wird. Galahad Singh ist Inder, was für einen coolen Privatdetektiv vielleicht eher selten ist, dazu ist er auch noch schwul. Also ganz anders, als die austauschbaren Typen, die in anderen Werken auftauchen.

Am Ende musste ich mich dann aber ganz schön konzentrieren, um nicht den Anschluss zu verpassen. Es wird kompliziert und vielleicht auch nicht ganz schlüssig. Natürlich habe ich mir eine einfache Erklärung gewünscht, aber das kann es in dieser Zukunft voller KI, Computer und Technik gar nicht geben.

Leseempfehlung für alle Science-Fiction-Nerds mit Humor.

Veröffentlicht am 24.10.2017

Wie erkennst du die Wirklichkeit?

Boy in a White Room
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Karl Olsberg ist bekannt für packende Geschichten rund um künstliche Intelligenz oder auch das Reich der Computerspiele. Dieses Mal hat er ein Jugendbuch geschrieben, bei lange nicht klar ist, warum es ...

Karl Olsberg ist bekannt für packende Geschichten rund um künstliche Intelligenz oder auch das Reich der Computerspiele. Dieses Mal hat er ein Jugendbuch geschrieben, bei lange nicht klar ist, warum es nun wirklich geht.

Protagonist Manuel wacht in einem weißen Raum auf, dieser ist nur eine virtuelle Realität, wie ihm eine Computerstimme erklärt. Aber wenn dies virtuell ist, was ist dann real? Diese Frage wird scheinbar schnell beantwortet, aber genauso schnell fängt Manuel an zu zweifeln. Wem kann er vertrauen und was ist echt? Immer wieder werden dabei Parallelen zu „Alice im Wunderland“ gezogen, die ebenso wie Manuel in einer Welt gefangen ist, in der alles möglich zu sein scheint. Gleichzeitig fragen sich beide, wer sie eigentlich sind.


„Vielmehr weiß ich , wer ich heut früh war, als ich aufstand; aber ich glaube ich muss seitdem ein paar Mal verwechselt worden sein.“ (Alice im Wunderland, aus Boy in a white room)


Für Manuel bleibt die Frage nach der eigenen Identität aber nicht rein philosophisch, sondern wird zu einer gefährlichen Mission, die ihn leicht das Leben kosten kann. Natürlich wird das die nächste Frage sein: Was bedeutet Leben, was ist Mensch, was virtuelle Intelligenz?


Wer nun denkt, dieses Buch mit all seinen Gedankenanstößen und Anspielungen sein trocken oder langweilig zu lesen, wird überrascht. Olsberg hat einen packenden Thriller für Jugendliche geschrieben, der einfach lesenswert ist. Spannung und Action kommen nicht zu kurz und der Umfang ist mit ca. 280 Seiten überschaubar. Wer sich für künstliche Intelligenz interessiert, kommt am Autor Karl Olsberg längst nicht mehr vorbei, egal ob erwachsen oder noch nicht ganz. Deshalb eine Empfehlung an alle, die gern über ein Buch nachdenken wollen ohne zu schwerer literarischer Kost greifen zu müssen.

Veröffentlicht am 06.10.2017

Gut gemachter Politthriller

Oxen. Das erste Opfer
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Der etwas ungewöhnliche Titel des (Hör-)Buches geht auf die Hauptfigur Niels Oxen zurück. Sein Name ist selten und so erinnern sich die Menschen meist sofort an ihn: Niels Oxen, der höchstdekorierte Elitesoldat ...

Der etwas ungewöhnliche Titel des (Hör-)Buches geht auf die Hauptfigur Niels Oxen zurück. Sein Name ist selten und so erinnern sich die Menschen meist sofort an ihn: Niels Oxen, der höchstdekorierte Elitesoldat in der Geschichte Dänemarks. Und genau dieser Niels Oxen hat sich komplett zurückgezogen, er zieht lebt sogar im Wald um seine Ruhe zu haben. Sein treuer Begleiter ist der Hund Mr. White mit dem er nachts umherstreift. Bei einem dieser Spaziergänge macht Oxen merkwürdige Beobachtungen und wird schließlich in einen Mordfall verwickelt. Für die Polizei erscheint er verdächtig, gleichzeitig erkennen die Ermittler die Chance die sich ihnen bietet. Denn wer könnte besser geeignet sein als Oxen selbst um den Mord aufzuklären?

Der Autor Jens Henrik Jensen hat hier auf den ersten Blick bewährte Elemente zusammengemischt: Der einsame Wolf Oxen, abgehalftert und verdreckt, aber mit einer guten Seele. Das Klischee von der rauen Schale mit weichem Kern ist hier voll erfüllt. Im Laufe der Geschichte gibt es außerdem eine weibliche Hauptrolle, mehr wird aber nicht verraten! Außerdem natürlich Morde, die irgendwie zusammenhängen ohne, dass man die Motive kennt.

Auf den zweiten Blick ist die Geschichte aber nicht so einfach. Denn Oxen ist zwar ein Kriegsheld, aber er ist auch traumatisiert. Die Szenen, die seine Zeit in Kriegsgebieten beschreiben sind teilweise nur schwer auszuhalten.Trotzdem oder gerade deshalb sind sie wichtig und gehören zu diesem Buch. Denn es bleibt nicht bei der Lösung eines Mordfalls, sondern stellt auch (fiktive) politische Machtverhältnisse dar. Passend zur Verstrickung wird es rasanter, brutaler und zu einem echten Thriller.

Dreh- und Angelpunkt bleibt aber Oxen, der Held und Verlierer gleichzeitig ist. Sein Charakter ist interessant und dabei wird nicht einmal das ganze Potential ausgeschöpft. Fast, als wolle sich der Autor noch etwas aufheben für einen zweiten Band. Auch wenn man dies am Ende nicht glauben mag, denn Oxen verändert sich nicht, es findet keine Wunderheilung statt. Dass dieser Mensch Teil eines Teams wird, sich einfügt und auf andere Rücksicht nimmt ist nur schwer vorstellbar. Es handelt sich allerdings um eine Trilogie und somit folgen noch zwei Bücher mit Niels Oxen.

Erwähnt sein noch, dass der Originaltitel „De haengte hunde“ ist. Ja, es kommen Tier zu Schaden, auch das war für mich schwerer zu ertragen als ein toter Politiker. Es ist ein Thriller, in den auch Blut fließt und Unschuldige zu Opfern werden können. Einiges wird mir noch eine Weile schwer im Magen liegen, der Autor hat hier fast nebenbei auf Verbrechen aufmerksam gemacht, die täglich begangen werden. Das muss man aushalten können, dafür wird man mit einer guten Story belohnt, die auch ein Stück dänische Geschichte enthält.

Gesprochen wird das Hörbuch von Dietmar Wunder, der auch die Synchronstimme von Hollywoodgrößen wie Adam Sandler, Jude Law und vor alle Daniel Craig als James Bond ist. Trotzdem hat man das Gefühl, Wunder spricht hier nur für Oxen und versetzt sich voll in die Geschichte um den Soldaten hinein. Seine Stimme passt gut und so kann man ihm über die Dauer von etwa 13,5 Stunden gebannt zuhören.


Ein zurecht gefeiertes Buch, dass natürlich auch einige Schwächen hat. Über diese kann man aber gut hinwegsehen, daher eine uneingeschränkte Empfehlung für alle, die ein wenig Blut vertragen können.

Veröffentlicht am 07.09.2017

Wie es zu einem Mord kommt

Am Ende des Schweigens
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Worum geht’s?

Der Prolog beginnt damit, dass in einem Ferienhaus mehrere Bewohner tot aufgefunden werden. So blutig das Buch beginnt, so beschaulich geht es dann erst einmal weiter: Die Freunde, die jedes ...

Worum geht’s?

Der Prolog beginnt damit, dass in einem Ferienhaus mehrere Bewohner tot aufgefunden werden. So blutig das Buch beginnt, so beschaulich geht es dann erst einmal weiter: Die Freunde, die jedes Jahr nach „Stanbure House“ fahren werden vorgestellt und langsam lernt der Leser ihre Sorgen und Geheimnisse kennen. Es handelt sich um drei Paare, bei denen die Männer schon seit Jugendtagen befreundet sind. Patricia und Leon sind wohlhabend, ihnen gehört das Anwesen und sie reisen mit ihren verwöhnten Töchtern an. Tim und Evelin sind nach außen auch ein Traumpaar, allerdings sind Kinder ausgeblieben und auch finanziell stehen sie nicht gut dar. Alexander ist geschieden und fährt mit Tochter Ricarda ins Ferienhaus - und seiner neuen Freundin Jessica. Wir sehen das meiste aus Jessicas Sicht, sie ist das erste Mal mit den Freunden unterwegs und nimmt viele negative Zwischentöne wahr.

Die Situation eskaliert, als ein Mann auftaucht, der behauptet einen Erbanspruch auf das Haus zu haben...

Meine Meinung:

Das Buch lebt von der Ausarbeitung der Figuren, nicht von der Jagd nach einem Täter. Man taucht vollkommen in die Welt der Freunde an, die unter der schillernden Fassade alle ihre Probleme haben. Wie tief diese teilweise gehen, wird natürlich erst im Laufe des Buches klar. Auch wer genau ermordet wurde ist nicht von Anfang an klar und bis zum Schluss bleibt es spannend. Denn je besser man die Menschen kennen lernt, desto mehr Motive sind möglich und am Ende könnte es jeder getan haben.

In der Zwischenzeit erleben wir Urlaub und Alltag, so wird Jessica trotz aller Bemühungen nicht von Alexanders Tochter akzeptiert. Diese ist gerade mitten in der Pubertät und findet in Stanbury House ihre erste große Liebe.

Ein schönes Buch, aber nichts für Leser, die nur schnell ein Verbrechen aufklären möchten.