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Veröffentlicht am 08.03.2024

Selbstverwirklichung und Liebe - beides geht auch zusammen

Sturmjahre
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„Die Melodie der Freiheit“ ist der dritte Band aus der Reihe „Sturmjahre“ und spielt in dem fiktiven Dörfchen Foxgirth in der Nähe von Edinburgh. Es geht um die Familie Dennon mit ihren erwachsenen Kindern. ...

„Die Melodie der Freiheit“ ist der dritte Band aus der Reihe „Sturmjahre“ und spielt in dem fiktiven Dörfchen Foxgirth in der Nähe von Edinburgh. Es geht um die Familie Dennon mit ihren erwachsenen Kindern. Jedem der Söhne und Töchter wird ein Band gewidmet und ein Teil ihres Lebens geschildert.

In diesem Band geht es um Keillan, der kürzlich aus dem 1. Weltkrieg in Frankreich und Flandern heimgekehrt ist. Trotz körperlicher Unversehrtheit plagen ihn die Erinnerungen und Verluste, die er in dieser Zeit hinnehmen musste. Unerwartet lernt er Isabella Mac Conallta kennen, die Tochter des mächtigen Bosses der Edinburgher Unterwelt. Sie ist auf der Flucht vor ihrer Familie, denn sie soll an einen Viscount zwangsverheiratet werden. Sie ist eine sehr freiheitsliebende junge Dame, die gerne etwas Sinnvolles aus ihrem Leben machen würde. Keillan gibt ihr sein Ehrenwort, ihr zu helfen und sie in Sicherheit zu bringen.

Ein Ehrenwort hatte unter Soldaten und Anfang des 20. Jh. noch einen ganz anderen Stellenwert als das heute der Fall wäre. Und Keillan ist ein äußerst korrekter junger Mann, der sich aber natürlich dem Reiz von Isabella nicht entziehen kann. In der Einsamkeit eines Bauernhofes weit weg von Edinburgh kommen sie sich allmählich näher und Isabella lernt viel von ihm und seiner Familie. Vor allem, wie man mit dem mit krummen Geschäften erworbenen Geld doch noch etwas Gutes tun kann.

Das Buch ist fesselnd geschrieben und die Beschreibungen von der Farm „Whispering Acre“ sind so, dass man am liebsten gleich dorthin aufbrechen möchte. Die Autorin versteht es, die Spannung aufrecht zu halten, sie driftet nicht ab ins Schwülstige, ihre Charaktere sind glaubhaft dargestellt. Und ganz oft kann man sich auch ein Lachen nicht verkneifen, wenn z. B. Isabellas erste Versuche in der Hausarbeit beschrieben werden.

Es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen und ich kann es gerne empfehlen.

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Veröffentlicht am 07.03.2024

Was bedeutet Familie?

Schwestern in einem anderen Leben
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Christiane Wünsche hat mit „Schwestern in einem anderen Leben“ ein nachdenkliches Buch geschrieben. Kurz und sehr oberflächlich zusammengefasst geht es um eine Jugendliche, die in einem frühen Stadium ...

Christiane Wünsche hat mit „Schwestern in einem anderen Leben“ ein nachdenkliches Buch geschrieben. Kurz und sehr oberflächlich zusammengefasst geht es um eine Jugendliche, die in einem frühen Stadium der Schwangerschaft eines Nachts aus ihrem Elternhaus verschwindet und für Jahrzehnte verschwunden bleibt. Wie geht die Familie damit um? Spricht man darüber? Hat man Schuldgefühle, macht sich deshalb jemand Vorwürfe? Wie fühlt sich die Betreffende selbst dabei, hat sie Heimweh? Gelingt es ihr, in einer zweiten Persönlichkeit heimisch zu werden? Wie entwickelt sich nach einer solchen Katastrophe das Verhältnis zu den Nachbarn und Freunden?

Alle diese Fragen werden anhand der Geschichte von Rebekka aufgeworfen und müssen sehr differenziert beantwortet werden, denn jeder reagiert anders.

Die Handlung beginnt in den 70er Jahren, als Moral noch einen ganz anderen Stellenwert hatte. Die Elterngeneration ist von Religion und strengen moralischen Maßstäben geprägt und will diese auch an die nächste Generation weitergeben. Doch es gab nicht umsonst eine 68er Revolte. Die Jungen wollten Freiheit und oft genug schlug das ins andere Extrem um. Ihre Rebellion zeigte sich in der Kleidung, an langen Haaren der Jungs, an radikalen politischen Ideen, am musikalischen Geschmack und in der freien Liebe, die damals aber noch oft auch Folgen haben konnte.

Wir folgen Rebekka und Personen ihrer Familie über fast 50 Jahre hinweg. Rebekka/ Rosi hat die Lebensdaten einer früheren Freundin ihrer Schwester, die nach Kanada ausgewandert war, übernommen und hat die Extreme ihrer Generation kennengelernt, zunächst in einer Kommune, später im Zusammenleben mit einem Punk. Sie hat schon auf einem Biohof gearbeitet, als das für die Mehrheit der Bevölkerung noch kaum ein Thema war. Als ihr Leben durch die Ehe mit einem Anwalt in ruhigere Bahnen eintritt, denkt sie auch immer öfter an ihr ursprüngliches Zuhause.

Miriam, Rebekkas jüngere Schwester, war 10, als die Ältere verschwand. Sie ist diejenige, die davon überzeugt ist, dass Rebekka noch lebt und sie versucht auch in den folgenden Jahrzehnten, das zu beweisen.
Ruth ist diejenige, die sich die meisten Vorwürfe macht. Sie hatte Rebekkas Schwangerschaft an die Eltern verraten und sie in die Situation gebracht, aus der sie dann keinen anderen Ausweg mehr sah, als die Flucht. Sie reagiert mit starken psychischen Problemen, zunächst in Form von Bulimie, später durch starke Medikamenteneinnahme und eine Veränderung ihrer Persönlichkeit. Sie entscheidet sich für ein Leben in einem Heim, wo sie sich behütet fühlt.

Mutter Hilde kann erst loslassen, als in den Niederlanden die Leiche einer jungen Frau mit den äußeren Merkmalen ihrer Tochter gefunden wird. Sie ist der festen Überzeugung, dass es sich dabei um Rebekka handelt. Mit einem Grab, das sie aufsuchen kann, geht es ihr besser.

Vater Rainer hingegen frisst zuhause alles in sich hinein. Nach außen hin engagiert er sich weiterhin in der Kirchengemeinde und im Schützenverein und gibt sich jovial, zuhause weist er alle Schuld seiner Frau zu. Das verschärft sich noch nach einem Schlaganfall.

Gezeigt wird, wie sehr das Leben von einem solchen Ereignis geprägt werden kann, sei es das Leben der Geflüchteten oder das Leben der Hinterbliebenen.


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Veröffentlicht am 29.02.2024

Nicht nur ein Krimi sondern auch eine Auseinandersetzung mit dem Altern

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt (Die Mordclub-Serie 4)
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Joanna, Joyces Tochter, hatte ihrer Mutter zu Weihnachten eine Thermoskanne mit dem Aufdruck "Auf ein Jahr ohne Morde" geschenkt, doch schon Tage später wird ein Bekannter des Donnerstagsmordclubs, der ...

Joanna, Joyces Tochter, hatte ihrer Mutter zu Weihnachten eine Thermoskanne mit dem Aufdruck "Auf ein Jahr ohne Morde" geschenkt, doch schon Tage später wird ein Bekannter des Donnerstagsmordclubs, der Antiquitätenhändler Kuldesh Shamar erschossen. Wie es scheint, war er in ein Drogengeschäft verwickelt. Vom Paket fehlt allerdings jede Spur. Nicht nur Elizabeth, Ron, Ibrahim und Joyce suchen danach, da sind ganz andere Kaliber hinter dem Heroin her.

Rahmenhandlung des 4. Falles für den Donnerstagsmordclub ist dieses Mal das Rauschgiftgeschäft. Aber tatsächlich geht es in diesem Buch um sehr viel tiefgreifendere Themen. Es geht um das Älterwerden, den Umgang mit Krankheiten, die keine Besserung erwarten lassen und schließlich auch um die Entscheidung, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. Das Fortschreiten der Demenz von Stephen nimmt sehr viel Raum im Buch ein, daher steht bei der Lösung des Falles Elisabeth nicht so zur Verfügung, wie die Gruppe das gewohnt ist. Aber Joyce hat sich an ihr ein Beispiel genommen und vertritt sie gut.

Ich finde es gut, dass in einem Buch mit betagten Ermittlern auch einmal auf diese Themen eingegangen wird, auch wenn die Spannung natürlich darunter leidet.

Aber das typisch Englische kommt nicht zu kurz, da blitzt ganz oft der feine englische Humor durch die die Gespräche und lässt den Leser zumindest schmunzeln. Wem es nicht in allererster Linie auf die Spannung ankommt, der ist mit diesem Buch gut bedient.

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Veröffentlicht am 23.02.2024

Schöner Krimi für den nächsten Urlaub in der Toskana

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 1: Das vergiftete Fest
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Fontenaia ist ein kleines Dorf in der malerischen Toskana. Dort hat Anna das verfallene Haus ihrer Oma geerbt. Es hängen schöne Kindheitserinnerungen daran und deswegen möchte sie es auf jeden Fall erhalten. ...

Fontenaia ist ein kleines Dorf in der malerischen Toskana. Dort hat Anna das verfallene Haus ihrer Oma geerbt. Es hängen schöne Kindheitserinnerungen daran und deswegen möchte sie es auf jeden Fall erhalten. Allerdings wird das teuer und Anna hat wenig Geld.

Ihr neuer Job als Kellnerin beschert ihr schon in den ersten Tagen gleich zwei Todesfälle. Dummerweise hatte sie die tödlichen Cocktails gemischt und gerät daher unter Mordverdacht. Zeitgleich wird im Wald ein menschliches Skelett gefunden und auch hier ist von einem lange zurückliegenden Mord auszugehen.

Mit der Aufklärung beauftragt wird Commissario Vico Martinelli, zunächst einmal eher unwillig bei der Sache. Hier lastet die „Ruhe und Beschaulichkeit wie ein zu schweres Betttuch auf Vico, seit er in die Pampa strafversetzt worden war“. Er tut das Naheliegendste und verdächtigt die Kellnerin Anna und ihre Kollegin Chiara.

Das kann Anna nicht auf sich sitzenlassen, sie startet ihre eigenen Ermittlungen und tritt in so manches Fettnäpfchen.

Der Krimi ist zunächst einmal das, was er zu sein vorgibt, nämlich ein Cozy Crime. Das kleine Dorf Fontenaia ersteht vor unseren Augen, wir können uns vorstellen, wie der kleine Tameo und sein Hund durch die Hecken aufs Grundstück krabbeln und auch der marode Zustand des Hauses wird so geschildert, dass jeder Leser meint, in einer Bruchbude zu stehen. Allerdings einer Bruchbude, die gerettet werden kann.

Was mir an Cozy Crimes gefällt, ist, dass sie nicht grausam oder blutrünstig sind, den Leser aber trotzdem an der Lösung eines Kriminalfalles mitwirken lassen. Und den beiden Autoren ist es hier gelungen, mich lange im Unklaren zu lassen. Das Ganze gewürzt mit einer Prise Humor ergibt einen gut zu lesenden Krimi für den nächsten Urlaub in der Toskana.

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Veröffentlicht am 22.02.2024

Ladies, wir haben nicht nur Abendessen gemacht, wir haben Geschichte geschrieben!

Eine Frage der Chemie
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Elisabeth Zott ist Wissenschaftlerin, sie ist Chemikerin und liebt ihren Beruf. Sie lebt in den 60er Jahren in den Vereinigten Staaten, es könnte aber auch Europa gewesen sein. Sie hätte liebend gerne ...

Elisabeth Zott ist Wissenschaftlerin, sie ist Chemikerin und liebt ihren Beruf. Sie lebt in den 60er Jahren in den Vereinigten Staaten, es könnte aber auch Europa gewesen sein. Sie hätte liebend gerne promoviert, das hatte ihr Doktorvater ihr vereitelt. Mittlerweile arbeitet sie an einem Institut im Süden von Kalifornien und erfährt von Vorgesetzten und Kollegen nicht die Unterstützung oder Kollegialität, die ihr eigentlich zusteht. Ganz im Gegenteil!

Elisabeth ist keine durchschnittliche Frau. Sie fordert ihr Recht ein und stößt damit mehr als einmal auf unüberwindliche Hindernisse. Aber sie hat auch einmal Glück, denn sie lernt den berühmtesten Wissenschaftler des Instituts, Calvin Evans, kennen und lieben. Evans wurde nicht nur schon mehrere Male für den Nobelpreis vorgeschlagen, er ist auch jemand, der Vorurteile nicht zu kennen scheint. Für ihn ist Elisabeth die beste Partnerin, die er sich vorstellen kann. „Wenn Beziehungen ein Puzzle sind, dann war ihres von Anfang an vollständig“.

Zwei Jahre lang sind die beiden glücklich, dann beendet ein Unglück diesen wunderbaren Zustand und Elisabeth muss feststellen, dass sie schwanger ist. Sie ist nicht verheiratet und erwartet ein uneheliches Kind, in den 60er Jahren ein Kündigungsgrund und der Beginn des sozialen Abstiegs.

Der reine Zufall verschafft ihr nach der Geburt ihrer Tochter den Job einer „Fernsehköchin“ bei einem regionalen Sender. Sie macht daraus eine Chemie-Lehrstunde und eine Nachhilfestunde in Selbstwertschätzung für die Frauen vor den Bildschirmen, zunächst nur in Kalifornien, später im ganzen Land. Und sie straft damit alle Männer Lügen, die ihr diesen Erfolg neiden und nicht zugetraut haben, allen voran den Direktor des Senders. Auch wenn es Fiktion ist, selbst der spätere Präsident der USA lobte sie mit den Worten: „Diese Zott, das ist eine patente Frau!“

Elisabeth Zott ist stur, sie kann nicht verstehen, dass eine vernünftige Position sich nicht durchsetzt, dass die Hälfte der Bevölkerung in Unwissenheit und ihre Arbeit für minderwertig gehalten wird, dass selbst Frauen manipuliert werden, ihr feindlich gegenüberzustehen und ihr das Leben schwerzumachen. Miss Frask, die selbst von Promotion und Aufstieg träumte, war bereit, ihr in einem ihrer schwersten Momente im Leben in den Rücken zu fallen. Erst als sie selbst abserviert wird und merkt, dass man sich ihrer nur bedient hat, schließt sie sich mit Elisabeth zusammen.

Man hat oft das Gefühl, man liest die Biografie einer außergewöhnlichen Frau, die ihren Weg nach vielen Hindernissen doch noch fand. Dabei ist alles Fiktion. Aber es könnte genau so gewesen sein. Elisabeths Vorbild, ihr Herangehen an Herausforderungen, ihr Starrsinn waren notwendig, um ein Umdenken in den Köpfen zu erzwingen.

Es war ihre Unerbittlichkeit, gepaart mit der Einsicht, dass man Freunde braucht und manchmal auch kooperieren muss, die ihr letztendlich zum Erfolg verhalf.


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