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Veröffentlicht am 07.10.2017

Lilli macht sich für Tiere stark!

Liliane Susewind – Giraffen übersieht man nicht
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Zum 10. Geburtstag von Liliane Susewind erscheint dieser 12. Band zum Selberlesen ab 8 Jahren mit richtig süßen Stickern.
Es sind Ferien und die Familien Susewind und Sturmwagner treten nun endlich die ...

Zum 10. Geburtstag von Liliane Susewind erscheint dieser 12. Band zum Selberlesen ab 8 Jahren mit richtig süßen Stickern.
Es sind Ferien und die Familien Susewind und Sturmwagner treten nun endlich die Reise zu Jesajahs Afrikanischen Großeltern auf der Dandelion Farm in Namibia an. Es ist Ende der Regenzeit und Lilli, Jesajah und die Tiere sind ziemlich aufgeregt, es könnte richtig toll werden, wären da nicht ständig die Erwartungen und Ermahnungen ihrer Eltern. Lilli soll nach Willen ihrer Mutter auf gar keinen Fall mit den wilden Tieren sprechen, wer weiß wie diese reagieren mögen und ob die wilden Raubtiere Lilli nicht noch angreifen würden und Jesajah soll Namibia unbedingt so wahrnehmen, wie sein Vater es ihm vorgibt. Zudem soll er schnell noch ein paar Worte auf Afrikaans lernen, und dass er Nasenbluten von der trockenen Luft bekommt, das geht ja schon mal überhaupt nicht! Doch so springt man nicht mit Lilli und Jesajah um, die stets nach ihren eigenen Überzeugungen zum Wohle der Tiere handeln. Als sie dann doch, trotz der Warnungen von Lillis Mutter an einer Safari teilnehmen, merken die zwei schnell, dass auf der Farm etwas nicht stimmt und die Tiere ihre Hilfe brauchen.
Meine Töchter (10 und 8 Jahren) haben sich gleich auf den ersten Seiten wieder über Hund Bonsai und die werte Katzendame Frau von Schmidt kaputt gelacht. Aber natürlich ist auch dieses Abenteuer nicht nur witzig und spannend, sondern widmet sich wieder dem wichtigen Thema Tier- und Artenschutz. Hier geht es um die wirtschaftlichen Sorgen der Farmer in Namibia, sowie die wirtschaftlich bedeutsame Trophäenjagd. Gerade aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Jagd gefiel es mir sehr gut, daß beide Seiten ihre Argumente vorbringen dürfen. In Namibia gibt es strenge, reglementierende Gesetze, die die Trophäenjagd unter naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten erlaubt, aber die Jagd innerhalb des erlaubten Bereichs ist vielen zu langweilig und wenn Geld keine Rolle spielt, meinen sie auch sich über Gesetze hinweg setzen zu dürfen. Das diese Regeln für alle gelten, und kein Geld der Welt es akzeptabel macht das Leittier einer Herde zu schießen, nur weil diese Trophäe besonders prachtvoll ist, wird Kindern wirklich sehr verständlich nahe gebracht. Dabei ist auch sehr schön, daß Lilli Vegetarierin ist, im Gegensatz zu Jesajah z.B. dadurch wird die Möglichkeit vorgestellt, ohne andere Lebensweisen zu verdammen. Aber keine Sorge, dieser Band ist kein Bekennerbuch zur Bekehrung zu einer vegetarischen Lebensweise. Es ist ein Kinderbuch, das auffordert seinem Gewissen zu folgen, um das Richtige zu tun. Neben der Trophäenjagd lernt Lilli auch den Stamm der Himba kennen, seltene besonders wirksame Heilpflanzen und die Gefahren einer Nacht in der Savanne. Denn ganz ehrlich, Lilli und Jesajah handeln bisweilen ganz schön blauäugig und kommen aber dank der tierischen Unterstützung stets heil aus brenzligen Situationen heraus. Auch Timo der Himbajunge, zeigt den Lesern auf, dass Kinder in fremden Ländern bisweilen völlig anders leben und lange Schulwege zu Fuß (ja, man muß nicht von Mama oder Papa bis in den Klassenraum gefahren werden!) zurücklegen um in den Genuss von Bildung zu kommen. Neben dem Respekt vor dem Leben vermittelt dieser Band auch wieder den Respekt vor Kindern. Denn jedes Mal fällt uns auf, daß Lillis Mutter und Jesajahs Vater Vertrauen in ihre Kinder vermissen lassen und ihnen stets ihre Meinung und ihre Verhaltensweisen aufdrücken wollen, dabei haben sich Lilli und Jesajah in der Vergangenheit als durchaus vertrauenswürdig erwiesen.
Die Illustrationen und Vignetten von Eva Schöffmann-Davidov sind wieder herzallerliebst, wie man bereits an dem Cover erkennt. Die Schrift ist schön groß (aber kleiner als für Anfänger) und der Wortschatz dem Alter angemessen. Dabei kommen immer wieder Wortschöpfungen der Autorin vor, die man nur verstehen kann, wenn man sie richtig, Silbe für Silbe liest. Das finde ich eigentlich ganz gut, weil es zum sorgfältigen Lesen zwingt. Huscht man nur so über die Seiten, wird es kniffelig. Bisweilen ist es ganz schön spannend, da kommt man leicht in Versuchung ein wenig schludriger zu lesen, aber dann stolpert man über eine Wortschöpfung, oder eine Tierart mit besonderer Ausdrucksweise und schon muß man besonders hinsehen. Auch wenn sich dieser Band eigentlich den Giraffen widmet, sind die heimlichen Stars die Erdmännchenjungtiere Schnick, Schnack und Schnuck mit ihrer lustigen, comichaften Ausdrucksweise.
Was Johanna und Franziska am besten gefiel: Alles!
Bei so viel Begeisterung wird Lilli wohl noch einige weitere Abenteuer erleben, denn wir geben wieder verdiente 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 19.05.2026

Niedliche Geschichte mit viel Meereswissen!

Soffi von Seenadel sucht ihre Geschwister
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Soffi von Seenadel ist ein kleines Seepferdchen, das ganz alleine im großen Meer lebt. Natürlich hat sie Freunde, sehr gute sogar, aber sie vermisst ihre Geschwister, von denen sie kurz nach der Geburt ...

Soffi von Seenadel ist ein kleines Seepferdchen, das ganz alleine im großen Meer lebt. Natürlich hat sie Freunde, sehr gute sogar, aber sie vermisst ihre Geschwister, von denen sie kurz nach der Geburt getrennt wurde. Da Seepferdchen niemals Einzelkinder sind, sondern stets Tausende auf einmal aus dem Bauch ihrer Väter geschleudert werden, ist sie traurig, dass nicht ein einziger Bruder oder Schwester in der Nähe ist. Mutig entschließt sie sich, nach ihnen zu suchen und ihr bester Freund Fezi, der Fetzenfisch will ihr dabei helfen. Sie bitten die freundliche Meeresschildkröte Oma Molli um Hilfe, da Seepferdchen und Fetzenfische keine schnellen Schwimmer sind und Oma Molli nicht nur weise und hilfsbereit ist, sondern auch schneller schwimmen kann. Sie ahnt, dass es die kleine Seepferdchen in die Tiefsee verschlagen haben könnte und bringt die Freunde zum Tiefsee-Fahrstuhl.

Eine wirklich süße und informative Geschichte über Tiere, die nicht so oft im Mittelpunkt stehen und über die wir hier auch echt noch viel Interessantes lernen. So sind Seepferdchen die einzigen Lebewesen, bei denen die Männchen die Tiere austragen. Allerdings müssen sie sie nicht mühsam auf die Welt pressen, sondern sie werden zu tausenden aus dem Bauch geschleudert. Ob das schmerzt ist wohl nicht bekannt, es klingt aber zumindest sehr schnell ;) Die Meeresbewohner gehen sehr liebevoll und behutsam miteinander um. Allerdings finde ich es nicht so ganz logisch. Seepferdchen sind eigentlich keine Tiefsee-Wesen. Wenn Soffi und Fetzi ganz einfach mit dem Tiefsee-Fahrstuhl zu ihnen gelangten, hätten ihre Geschwister ebenso einfach diesem dunklen, kalten und für Seepferdchen sehr unwirtlichen Ort verlassen können. So ist aber Oma Molli auf die schlaue Idee gekommen und natürlich sind am Ende alle glücklich über das Wiederfinden!

Die Illustrationen von Irwan Burger finde ich wunderschön und die Farbgestaltung richtig ansprechend. Das Meer ist beruhigend grün-blau und die kleinen Tiere scheinen darin zu leuchten. Die Tiefsee ist so tief, dass man für die Abbildung des Fahrstuhls, das Buch drehen und Hochkant nehmen muss, damit man sich die ganze Pracht anschauen kann. Das finde ich eine wirklich anschauliche Umsetzung, die Kinder lieben werden. Die Bilder sind herrlich detailreich und es gibt jede Menge zu entdecken und bestaunen!.

Sprachlich sind die Texte etwas länger und somit interessant vor allem für Kinder, die gerne auch länger zuhören und schon Vorlese-Erfahren sind. Empfohlen wir die Geschichte ab 3 Jahren, aufgrund des Textumfangs finde ich das noch etwas zu früh, ich würde eher 4-5 Jahre empfehlen. Allerdings fördert das länger Zuhören mit gleichzeitigem Betrachten die detailreichen Bilder auch die Konzentration.

Richtig gut gefallen mir die Info-Kästchen mit weiterem vertiefenden Wissen über die Seepferdchen, die Tiefsee, Korallen, Plastikverschmutzung der Meere und ihre Gefahren und ähnliches in der vorderen und hinteren Buchklappe. Diese können die Vorlesenden selbst lesen und die Kinder erzählen, oder ihnen auch einfach vorlesen. Natürlich sind auch immer wieder kleine erstaunliche Infos in die Geschichte eingestreut, da es allerdings ein Bilderbuch über Familie, Freundschaft und Sehnsucht nach Gemeinschaft ist, wird es nicht vertieft. Um diese Möglichkeit dennoch zu bieten, finde ich die Info-Kästchen auf dem harmonisch gestalteten Ton-In-Ton Meereshintergrund eine super Idee!

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Veröffentlicht am 16.05.2026

Hörbuch-Rezi

Die Reisenden der Hankyu-Bahn
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Zwischen Kyoto und Osaka in Japan bringt die nostalgische Hankyu-Bahn mit ihren dunkelroten Regionalzügen ihre Passagiere regelmäßig und zuverlässig ans Ziel, auch wenn sie bisweilen stark überfüllt ist. ...

Zwischen Kyoto und Osaka in Japan bringt die nostalgische Hankyu-Bahn mit ihren dunkelroten Regionalzügen ihre Passagiere regelmäßig und zuverlässig ans Ziel, auch wenn sie bisweilen stark überfüllt ist. Hier ereignen sich Schicksale und es kreuzen sich die Wege der Reisenden, wodurch sie erstaunliche Wendungen nehmen können. Ein Reisender entdeckt die junge Frau, die eigentlich voll sein Typ ist, ihm aber immer seine Lieblingsbücher in der Bibliothek vor der Nase weg schnappt, wieder und sie schafft es, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Eine sitzen gelassene, wunder schöne Braut, kommt gerade von der Hochzeitsfeier ihres Ex mit ihrer Ex-Freundin zurück, in einem eleganten weißen Kleid und einer edlen Hochsteckfrisur... War es diesen Aufwand wert, um sich zu rächen? Eine junge Studentin wagt es ihrem ebenfalls studierenden Freund zu belehren, was ihn wütend und aggressiv macht. Eine ältere Mitreisende ist entsetzt und tituliert ihn als Nichtsnutz... ein Denkanstoß für das Selbstwertgefühl der jungen Studentin. Eine Witwe beschließt ihrer Enkelin und sich eine Freude zu machen, die ihr Mann ihr nicht gewährt hätte und auch ihr Sohn und seine Frau ihrer Tochter nicht erlauben würden, doch sie, sie hat als verwitwete Rentnerin doch alle Freiheiten, was hindert sie daran, sich noch mal einen Wunsch zu erfüllen. Kleine scheinbar flüchtige Momente, die jedoch lange nachhallen, wie ihre gemeinsame Rückfahrt 6 Monate später zeigt....
Der Roman ist in Japan bereits vor 20 Jahren erschienen und seither ein Bestseller, kein Wunder, denn er verströmt absolute Wohlfühl-Vibes, Alle Menschen steigen eigentlich nur für eine Fahrt in diese Bahn. Es wird in der ersten Hälfte ihre Hinreise beschrieben, was die Leute dazu bringt, hier und jetzt diese Bahn zu nehmen. Wir lernen ihr aktuellen Sorgen und Nöte kennen und in welcher Verfassung sie einsteigen. Doch diese Fahrt wird keine der geschilderten Personen beenden, wie er oder sie sie begann. Diese Fahrt ist für sie wie der Aufbruch in ein neues besseres Leben oder eine neue, bessere Version ihrer selbst. In der Mitte der Geschichte sind dann 6 Monate vergangen und wir erfahren, wie sich das Leben dieser Zufallsbekanntschafen, in deren Seelen wir für kurze Augenblicke schauen konnten, und die uns für einen kurzen Moment an ihre Leben teilhaben ließen, verändert hat. Für sie war die Hinfahrt ein wichtiger Impuls und auf der Rückfahrt dürfen wir erleben, wie sehr sie ihn genutzt haben und was sie aus sich und ihrer Situation gemacht haben. Unsere Alltagsheldinnen und -helden von der Hinfahrt sind nun deutlich glücklicher und blicken zuversichtlich in die Zukunft.
Diese Geschichte hat mich wegen all der japanischen Namen und Orte anfangs etwas überfordert, denn ich hatte null Chance, sie mir wirklich zu merken. Aber ihre Geschichten waren so prägnant und von Hiro Arikawa so geschickt erzählt, dass sobald ich mich darauf einließ, es für mich kein Problem mehr den einzelnen Schicksalssträngen zu folgen. Sie bei der Rückfahrt alle wieder korrekt zu identifizieren war das etwas schwieriger, weil sie sich ja auch verändert hatten, aber auch das klappte beim genauen Zuhören, weil die Autorin auch immer wieder auf die Schlüsselerlebnisse zu sprechen kam. Sie fängt kleine feine Momente ein, die auch Denkanstöße für uns unsere Ziele, aber auch unser Benehmen in der Öffentlichkeit (im Zug) gibt und uns auch zeigt, wie Kleinigkeiten, wie die Rücksichtnahme sowohl auf Reisende, als auch auf Schwalben, einen Unterschied machen können. Kein Detail ist zu unwichtig, alles ist irgendwie von Bedeutung.
Diese kleinen Episoden sind einfach schön und machen sowohl glücklich, als auch Hoffnung und die eine oder andere, besonders die der jungen Frauen, die Kraft und Mut haben ihr Schicksal zu wenden, haben mich zum Schmunzeln gebracht.
Rubina Nath liest diese Geschichten mit viel Einfühlungsvermögen und schafft damit beim Hören ein noch stärkeres Wohlgefühl, als es wohl beim Lesen aufkäme. Ihre Aussprache all dieser japanischen Namen und Worte gelingt ihr sehr flüssig und für mich klingt es einfach super japanisch ;) aber was heißt das schon. Auf jeden Fall, klingen sie weich und angenehm, als würde man über dämpfende Kirschblütenblätter laufen.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

Hörbuch-Rezi

Die Schwestern
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Als ihr Vater plötzlich stirbt, ist die jüngste Schwester Montse erst 5 Jahre alt und ihre Mutter traut sich die Erziehung der Mädchen so alleine ohne Arbeit nicht zu. Obwohl ihre jüngere Schwester Julia ...

Als ihr Vater plötzlich stirbt, ist die jüngste Schwester Montse erst 5 Jahre alt und ihre Mutter traut sich die Erziehung der Mädchen so alleine ohne Arbeit nicht zu. Obwohl ihre jüngere Schwester Julia unverheiratet ist und in einem eigenen Haus in den Pyrenäen lebt, beschließt sie mit den 3 Mädchen nach Argentinien auszuwandern und dort Verwandte um Hilfe zu bitten. Doch die Verwandten haben genug mit sich selbst zu tun und so ist es eine katalanische Nonne, die bezaubert von Nurias guten Benehmen und Charme und ihrem katalanischen Akzent, den Mutter eine Arbeit besorgt und den Mädchen Stipendien für die private Ordensschule. Während Nuria, die Älteste, alles dran setzt sich einzuleben und die gesellschaftliche Leiter empor zu steigen, gelingt es ihren jüngeren Schwestern nicht und sie entfremden sich immer mehr. Conxita arbeitet nach der Schule als Gesellschafterin einer feinen Dame und ihrer zarten Tochter und Motse wird gezwungen, die Schule vorzeitig mit 16 Jahren zu verlassen, um die Stelle der Mutter zu übernehmen, um für sich selbst zu sorgen, weil Nuria mit ihrer Eheschließung, ihre Mutter zu ihrer Unterstützung angeblich benötigt. So entfremden sich die drei immer mehr, bis Motse einen Brief von Tante Julias Anwalt aus Spanien erhält, der ihr mitteilt, dass sie drei das Haus ihrer Tante in den Pyrenäen geerbt haben. Sie beschließen, dorthin zu reisen...
Also, ich bin ja eigentlich kein Gegner vom Kürzen. Ich würde so manche Geschichte hier und da ganz gerne straffen, aber diese hier, hätte tatsächlich gerne noch etwas länger werden können. Das Ende war nicht ganz so offen, wie es bei Literatur bisweilen populär ist und Motses raffinierter Kniff hat mich schmunzeln lassen und ich bin daher ganz zuversichtlich, dass es schon alles gut werden wird. Dieser Kurzroman, ist nicht gekürzt, aber ich hätte gerne noch mehr über diese drei Schwestern erfahren… Besonders Motse und Conchita sind mir ans Herz gewachsen, während mit Nurias anmaßende Art schon echt auf die Palme gebracht hat. Die beiden Jüngeren Motse und Conxita werden nur allzu leicht unterschätzt, aber nach und nach merkt man, dass sie es eigentlich faustdick hinter den Ohren haben.
Colm Toibin erzählt diese Geschichte von diesen drei absolut unterschiedlichen und entfremdeten Schwestern mit viel Blick und Liebe für kleine feine Details. Diese bleiben auch wirklich im Gedächtnis haften, weil sie die Geschichte so einzigartig machen. Schon den Einstieg in die Erzählung fand ich bemerkenswert. Gut, bei mir als Krimifan stirbt meistens jemand zu Beginn, dass ist hier nicht so, aber man wird wirklich mittenrein in Szenen des Lebens der Schwestern geworfen und muss erst mal für sich sortieren, wer sind sie? Wo und wann spielt das Ganze…? und dann zündet sie. Denn eigentlich ist der Beginn ganz herrlich absurd, auch wenn er mich anfangs irritierte, ließ er mich später schmunzeln.
 
Colm Toibin trifft den richtigen Ton um diese seltsame Dynamik zwischen den Schwestern zu beschreiben und er macht es uns eigentlich unmöglich, die Älteste, die nach Außen hin die Erfolgreichste zu sein scheint, wirklich zu mögen. Sie ist ziemlich skrupellos beim Verfolgen ihrer eigenen Ziele. Er beobachtet sie nur zu genau und schonungslos. So wie er uns ihre Entfremdung schildert, bringt er sie einander auch wieder näher, aber doch nicht ganz. Am Ende bleibt die Hoffnung, darauf dass alles für sie und zwischen ihnen wieder gut wird. Wie dies geschehen könnte, deutet er an, überlässt aber die Details unserer Fantasie und so hatte ich meine wahre Freude daran mir vorzustellen, wie Montse Chef wohl reagierte, als er merkte, dass sie sich verabschiedet hat und wie.

Olga Thormeyer liest sensibel und doch abwechslungsreich. Sie schafft es stimmlich fast drei ganze Leben zu umspannen und all ihre Sorgen und Nöte, Kniffe und Tricks uns zu schildern. Einiges werde ich wohl selbst mal versuchen müssen. Die Telefonstrategie der Mutter hat mich wirklich amüsiert! Eine ruhige Erzählung dennoch voller Emotionen und Überraschungen.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Spannend mit Pfiff!

Monsieur le Comte und die Kunst der Entführung
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Dies ist bereits der 3. Band der Monsieur le Comte Reihe, doch auch ohne Vorkenntnisse kann man ihn genießen: Lucien, Comte de Chacarasse, Mitte 30 lebt an der Côte d'Azur und ist Inhaber eines ebenso ...

Dies ist bereits der 3. Band der Monsieur le Comte Reihe, doch auch ohne Vorkenntnisse kann man ihn genießen: Lucien, Comte de Chacarasse, Mitte 30 lebt an der Côte d'Azur und ist Inhaber eines ebenso erlesenen wie exklusiven Restaurants. Das gefällt ihm sehr, im Gegensatz zu dem Erbe, dass er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters antreten musste, da er es ihm auf dem Sterbebett versprach: er würde die Tradition der Chacarasse als Assasine, also Auftragskiller fortsetzen. Der Standardtarif ist 1 Mio. Euro je erfolgreich abgeschlossenen Auftrag. Die Aufträge zieht sein verhasster Onkel Eduard, über dunkle Kanäle an Land und kassiert dafür 40 % der Prämie, was ihn zu einem eifrigen Auftragsbeschaffer macht, sehr zu Luciens Leidwesen, der auf das Geld nicht angewiesen ist. Außer ihnen ist noch Francine, die letzte Geliebte seines Vaters eingeweiht. Die ebenso schöne, wie elegante und clevere junge Frau übernimmt nicht nur Recherchearbeiten für Lucien, sondern hat ihm auch das Versprechen abgenommen, seine Zielobjekte nicht selbst zu töten. Bislang hat er sich daran gehalten. Doch der neue Auftrag hat es in sich: er soll einen reichen Argentinier und Lebemann auf Sardinien vor dem Ableben dessen deutlich älterer Ehefrau aus dem Leben scheiden lassen. Bisher ist dieser damit beschäftigt, ihr immenses Vermögen durchzubringen, während sie in einem Heim lebt und nur von ihren Kindern und Enkeln aus 1. Ehe besucht wird.

Um sein Vertrauen zu erschleichen, täuscht Lucien die Entführung seiner Zielperson vor, die er in letzter Sekunde rettet. Der dankbare Salazar engagiert ihn daraufhin als Leibwächter und Lucien muss in so viele schwarze Abgründe seines Opfers blicken, dass er es fast schaffen würde, ihn selbst zu töten...

Der Fall ist entspannt, nicht nur aufgrund seiner herrlichen Settings an den verführerischste Urlaubsorten der Reichen und Schönen, er ist auch elegant, raffiniert und immer wieder spannend, denn Lucien erhält natürlich von Eduard mehr als nur den einen Auftrag. Auch wenn Lucien diesen ebenso kreativ wie erfolgreich löst, ist sein Onkel unzufrieden, weil man es auch schneller hätte erledigen können... Der alte Giftzwerg im Rollstuhl muss sich aber auch nicht selbst die Finger schmutzig machen. Die Figuren sind sehr liebevoll entwickelt und ausgearbeitet. Trotz der zweifelhaften Tradition muss man den jungen Grafen, seine etwas schrullige Haushälterin Rosalie und Francine seine Komplizin mögen, ebenso wie Paul, den Enkel von Rosalie, Oberkellner von Lucien und bisweilen Mann für gewisse knifflige Extra-Aufgaben.

Die Geschichte entwickelt sich elegant, wenn ich auch nicht weiß, was z.B. die zwei Däninnen mit ihrer Bootspanne sollen. Sie nehmen für meinen Geschmack zu viel Raum ein, der nur zu verzeihen ist, sollten sie im 4. Band wieder auftauchen.

Obwohl Lucien der letzte Spross einer aristokratischen Killer-Dynastie ist, hat er seinen moralischen Kompass und kann auch noch von dem Ausmaß an charakterlicher Verdorbenheit einige seiner „Opfer“ erschüttert werden. So bringt er uns immer wieder ins Grübeln über Gut und Böse.

Auch wenn Wolfram Koch deutlich älter als Mitte 30 ist, verkörpert er absolut überzeugend, den jungen, dynamischen Bon-Vivant, mit Eleganz und Klasse. Man spürt beim Hören schon, wieviel Freude er an seinen „Mordplänen“ hat, die jedoch andere für ihn ausführen sollen. Sein Französisch ist meistens richtig gut, nur mit wenigen kleineren Fehlern, was hinsichtlich der Menge an Französisch wirkich beachtlich ist. Ich finde es erstaunlich, dass in diesem Krimi wirklich viel Französisch gesprochen wird, das anschließend oft nebenbei nicht unbedingt wörtlich übersetzt, sondern eher im Zusammenhang erklärt wird. Das erhöht noch mehr das Frankreich-Feeling, ich kann mir aber auch vorstellen, dass es für Hörer, die mit Frankreich gar nichts am Hut haben, abschreckend sein könnte.
Hinter Pierre Martin steckt der Autor der beliebten Madame le Commissaire Reihe, die ich nach einem Band nicht weiter verfolgt habe, weil mir zu viele Frankreich-Fehler darin enthalten waren... Dies ist hier deutlich besser. Das Ende ist rasant und mit überraschenden Pannen, die dann im letzten Moment noch zum guten, tödlichen Ende gewendet werden können.

Diese Reihe werde ich definitiv weiter verfolgen, entspannt, originell und doch auch spannend.

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