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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2024

Jedoch der schrecklichste der Schrecken

Der Ausflug - Nur einer kehrt zurück
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Von tochteralice
Zwei Paare brechen auf zu einer Wanderung - die Langzeitverlobten Anna und Henrik mit ihrer langjährigen Freundin Milena sowie deren neuem Bekannten Jacob, der sogleich das Heft in die ...

Von tochteralice
Zwei Paare brechen auf zu einer Wanderung - die Langzeitverlobten Anna und Henrik mit ihrer langjährigen Freundin Milena sowie deren neuem Bekannten Jacob, der sogleich das Heft in die Hand nimmt und mal eben so die Wanderroute ändert.

Die drei anderen wandern seit langem jedes Jahr eine Woche zusammen im Norden Schwedens und der dominante Jacob fügt sich nicht gerade nahtlos in die bewährte Gruppe ein.

Dazu entpuppt sich der von ihm vorgeschlagene Weg als deutlich herausfordernder als die geplante Route, ein Wetterumschwung bringt zusätzlichen Zündstoff.

Der Leser tastet sich häppchenweise voran, Auszüge aus einem Vernehmungsprotokoll wechseln sich mit aktuellen Geschehnissen sowie Rückblicken ab.

Verschiedene Faktoren sind es, die die Situation bis an die Spitze treiben und das mit den einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Bestandteilen, nämlich Mensch und Natur.

Obwohl mir einige (wenige) Wendungen nicht ganz stimmig erschienen, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen und habe ganz ungeplant am Wochenende eine richtiggehende Lesenacht veranstaltet. Erst am Schluss, als aus meiner Sicht schon alles klar war, folgte die eigentliche Überraschung.

Veröffentlicht am 26.02.2024

Gelungener historischer Roman über eher Unbekanntes

Töchter des Aufbruchs
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Wozu die - einst deutsche, dann wieder französische Moselregion Elsaß-Lothringen zählt: 1910 gehörte sie zum Reichsland und unterstand dem deutschen Kaiser. Was nur wenige Franzosen guthießen, auch wenn ...

Wozu die - einst deutsche, dann wieder französische Moselregion Elsaß-Lothringen zählt: 1910 gehörte sie zum Reichsland und unterstand dem deutschen Kaiser. Was nur wenige Franzosen guthießen, auch wenn sie es nicht offen sagen durften.

So auch die junge Lehrerin Pauline Martin, gebürtig aus Metz, die das Pensionat für junge Mädchen von ihrer Tante im elsässischen Diedenhofen geerbt hat und dieses nach ihren eigenen Vorstellungen weiterführt. Zehn Mädchen hat sie in ihrer Obhut, aus allen Teilen des Reiches, auch aus entfernteren. Dazu eine junge Lehrerin aus dem protestantischen Teil Deutschlands, die beste Köchin der Stadt - und neuerdings auch einen etwas undurchsichtigen Gärtner.

Ach, es ist eine Freude, dieser ebenso spannenden wie lehrreichen Geschichte zu folgen: ich konnte das Buch bis zum Schluss nicht aus der Hand legen. Die kämpferische Pauline mit durchaus klaren Positionen ist eine wahre Sympathieträgerin, der man beim Lesen manchmal zurufen will: "Sei vorsichtig" oder "Lass es", auch wenn man sie nur zu gut versteht. Und letztendlich ist sie ja dann auch auf dem richtigen Weg, wenn auch nicht ohne fremde Hilfe

Ich kann diesen lebendigen Roman jedem/r Leser:in empfehlen, der/die auf unterhaltsame Weise mehr über diese einst zu Deutschland gehörenden französischen Provinzen erfahren möchte!

Veröffentlicht am 25.02.2024

Mord auf die entspannendste Art

Das Mörderarchiv
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...wird hier geschildert - nämlich als überaus gelungener Whodunnit mit jeder Menge humoristischen Einlagen, die - und das ist längst nicht immer so - wie die Faust aufs Auge passen.

Worum geht ...

...wird hier geschildert - nämlich als überaus gelungener Whodunnit mit jeder Menge humoristischen Einlagen, die - und das ist längst nicht immer so - wie die Faust aufs Auge passen.

Worum geht es? Großtante Frances ist eine - gelinde ausgedrückt - überaus eigenwillige Person. Ob das erst so wurde, als ihr im zarten Alter von 17 Jahren eine Wahrsagerin mitteilte, dass sie durch einen Mord von dieser Welt scheiden würde, oder ob das vorher schon der Fall war, vermag kaum jemand mehr zu sagen - ganz gewiss jedenfalls nicht ihre Großnichte Annie und deren Mutter Laura, bis vor kurzem noch Alleinerbin des nicht gerade kleinen Vermögens der alten Dame. Jetzt jedoch soll dieses auf Annie übergehen - oder doch nicht?

Jedenfalls wird Annie in den Heimatort der alten Dame, nämlich nach Castle Knoll beordert und ist schon ganz gespannt darauf, diese kennenzulernen - allerdings trifft sie nur noch auf deren Leichnam und muss nun, um an das Erbe zu kommen, den Mörder enttarnen.

Was ebenso spannend wie amüsant ist, denn dem Leser ist - gemeinsam mit Annie - nicht nur ein Blick, sondern mehrfache Lektüre in Frances`Tagebuch vergönnt, wo die - teilweise noch lebendige - Gesellschaft der 1960er Jahre im Detail beschrieben wird. Deren Nachfahren lernen wir zusammen mit Annie vor und während den Ermittlungen kennen - alle sind ganz wunderbar gezeichnet, so dass man sie - wie auch die Lokalitäten - förmlich vor Augen hat.

Normalerweise käme ich nicht auf die Idee, einen Krimi als warmherzig zu bezeichnen - hier jedoch fällt mir kein anderer Begriff ein!

Veröffentlicht am 09.02.2024

Kleine Nixe muss die Welt retten

Lily und der Herzenszauber
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Lily ist die einzige Nixe in ihrem Teich und fühlt sich dort pudelwohl. Denn sie kann allen helfen: den Kaulquappen, den Schnecken, den Fischen und allen anderen Teichbewohnern - sie ist immer ...

Lily ist die einzige Nixe in ihrem Teich und fühlt sich dort pudelwohl. Denn sie kann allen helfen: den Kaulquappen, den Schnecken, den Fischen und allen anderen Teichbewohnern - sie ist immer zur Stelle, wenn jemand Hilfe braucht, oft auch schon lange davor.

Doch eines Tages kracht es im wahrsten Sinne des Wortes - es tobt ein riesiger Sturm direkt über dem kleinen Teich und die Folgen sind dramatisch - vieles ist zerstört, es herrscht eine unglaubliche Unordnung. Wie soll Lily das nur hinbekommen, so ganz allein?

Doch dann trifft sie eine Entscheidung....

Ein Buch, in dem schon die Kleinen mit Situationen wie Belastung, Unsicherheit, Überforderung konfrontiert werden und zwar auf eine sehr warmherzige und liebevolle Art. Begleitet von schönen bunten Bildern, auf denen es ordentlich was zu schauen gibt. Das Buch könnte ohne weiteres zum Lieblingsbuch im Kinderzimmer aufsteigen! Zumal Lösungsmöglichkeiten geboten werden, die auch für KiTa-Kinder leicht zu verstehen und nachzuvollziehen sind!

Veröffentlicht am 06.01.2024

Wahlverwandtschaften

Das dritte Licht
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Ein Mädchen wird an ein kinderloses Ehepaar, die Kinsellas, abgegeben. Nicht für immer, nur bis ihre Mutter mit dem nächsten Kind niedergekommen und wieder halbwegs auf die Beine gekommen ist. Sie schildert ...



Ein Mädchen wird an ein kinderloses Ehepaar, die Kinsellas, abgegeben. Nicht für immer, nur bis ihre Mutter mit dem nächsten Kind niedergekommen und wieder halbwegs auf die Beine gekommen ist. Sie schildert das Geschehene aus ihrer Sicht.

Zunächst fühlt sie sich - wie kann es auch für ein Kind anders sein - fremd, weiß nicht so recht, wie sie sich verhalten soll. Doch bald erfährt sie etwas bisher nicht Gekanntes, nämlich persönliche Wertschätzung. Die Kinsellas freuen sich, dass sie bei ihnen ist, dass sie Zeit mit ihr verbringen dürfen. Mit ihr als Person, nicht mit irgendjemandem. Sie ist nicht mehr nur eine weitere Esserin, sondern jemand, den man gerne bei sich hat und den man das auch spüren lässt. Sie wird um ihrer selbst Willen geliebt und das kommunizieren die Kinsellas nicht nur ihr, sondern auch Außenstehenden gegenüber.

Und dann kommt der Tag, an dem es für sie zurück ins Elternhaus geht....

Was für ein Buch! Die irische Autorin Claire Keegan vermag es, auf wenigen Seiten ungeheuer viel auszudrückt: sowohl in dem, was sie schreibt, als auch in dem, was sie nicht schreibt. Was für eine ungeheure Kraft steckt in ihren Worten, den eher knappen Sätzen. Keegan bringt es im wahrsten Sinne des Wortes auf den Punkt. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese so besondere Autorin kennenlernen durfte, die zeigt, dass Warmherzigkeit nicht unbedingt vieler Worte bedarf. Ein außerordentliches Werk, dem jeder Preis der Welt gebührt und das ich jedem, der gerne liest, von Herzen empfehle!