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Veröffentlicht am 08.10.2017

Leider sehr langatmig

Ungeschehen
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Emily versucht einfach nur ihre Vergangenheit zu vergessen. Sie verlässt die Stadt, ihr Haus und ihre Familie um in London unter ihrem bürgerlichen Namen ein neues Leben anzufangen. Niemand weiß wohin ...

Emily versucht einfach nur ihre Vergangenheit zu vergessen. Sie verlässt die Stadt, ihr Haus und ihre Familie um in London unter ihrem bürgerlichen Namen ein neues Leben anzufangen. Niemand weiß wohin sie weggelaufen ist und sie möchte keinesfalls gefunden werden. Schnell lernt Emily neue Menschen kennen, kommt anfangs sogar sehr gut zurecht und doch drehen sich schon bald ihre Gedanken immer öfter um ihr altes Leben, sodass sie radikalere Wege einschlägt um das Ganze verdrängen zu können. Doch welches Ereignis war ausschlaggebend für den Entschluss neu anzufangen?

Meine Meinung:

Ich würde diesen Roman nicht unbedingt in die Thriller oder Krimi Kategorie einordnen, da er am ehesten einem Familiendrama nahe kommt.

Es ist ein gut geschriebenes Debüt, das vor allem durch die Rückblenden lebt, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt sind und die hinzu von verschiedenen Ereignissen handeln. So bekommt man einen guten Einblick in die tiefen Abgründe von Emilys Familienmitgliedern, darunter die ganzen Probleme zwischen ihren Eltern, das Leben ihrer kaputten Zwillingsschwester Caroline und man erfährt auch einiges über die Vergangenheit von Angel, ihrer neuen Freundin in London. Keiner von den Protagonisten –mal von Ben abgesehen- scheint auch nur annähernd perfekt zu sein, jeder hat sein Päckchen zu tragen. Und auch wenn die Rückblenden größtenteils interessant sind um mehr zu erfahren, da Emily es vermeidet an die Vergangenheit zu denken, sind sie zum Teil auch sehr verwirrend, weil sie ganz plötzlich kommen und manchmal ist es auch nicht direkt ersichtlich aus welcher Sicht und zu welcher Zeit es sich abspielt. Außerdem wirken einige Abschnitte, die die aufkommende Spannung zunichte machen, viel zu langatmig und im Nachhinein auch teilweise sinnlos.

Man versucht als Leser alle Teilstücke, die man bekommt zusammenzusetzen um herauszufinden was der Grund für Emily’s Verschwinden sein könnte. Die Autorin Tina Seskis legt gekonnt falsche Fährten aus und weiß genau wie man den Leser ans Buch fesselt. Man stellt sich die Frage was Emily zu dem Entschluss sich ein neues Leben aufzubauen bewogen hat, was sie Schreckliches erlebt hat und ob vielleicht sogar ihr Mann Ben und Charlie in Gefahr sind, sodass es ihre einzige Möglichkeit war wegzulaufen. Nur dadurch, dass man unbedingt wissen möchte was vorgefallen ist, wird Spannung erzeugt, denn erst gegen Ende wird die Auflösung preisgegeben.

Schon am Anfang werden wir mitten in die Geschichte geworfen und dürfen miterleben wie sich Emily ihren Ehering auf der Bahnhofstoilette liegen lässt und mit dem nächsten Zug nach London fährt. Es klingt faszinierend wie eine Frau einen Neuanfang wagen möchte und obwohl sie zu Beginn sehr gefasst wirkt, wird mit der Zeit deutlich wie sehr ein gewisses Ereignis sie in der Vergangenheit getroffen hat. Es ist schwer ihre Emotionen und Handlungen nachvollziehen zu können, wenn man nicht weiß womit sie zusammenhängen und genauso schwer ist es eine Verbindung zu ihr herzustellen. Obwohl sie eine Anwältin war, kann man in ihrem Verhalten davon nichts wiedererkennen. Sie ist unsicher, lässt sich schnell zu etwas verleiten und trifft folgenschwere Entscheidungen über die man nur mit dem Kopf schütteln kann. Wie kann eine Frau, die scheinbar ein tolles Leben geführt hat alles zurücklassen? Die Auflösung ist bewegend und doch hätte ich mir ein ausführlicheres Ende gewünscht, weil es auf den letzen Seiten viel zu schnell abgehandelt wurde und mich leider auch nicht ganz überzeugen konnte. Da hätte man von mir aus gerne ein paar Einkürzungen im Mittelteil machen können aber doch nicht dann wenn es darum geht endlich ein paar Antworten zu bekommen. Auch wenn es eine überraschende Wendung gab mit der ich nie gerechnet hätte, blieb ich etwas unzufrieden zurück.

Fazit:

Ein gut geschriebenes Debüt mit neuer Idee und interessanten Wendungen, das mir zeitweise jedoch zu langatmig war und bei dem ich mir mehr Spannung gewünscht hätte. Wer Familiendramen mag ist hier auf jeden Fall genau richtig. Ich vergebe 3 Sterne, denn auch wenn mich der Roman gut unterhalten hat kann ich die negativen Aspekte nicht ignorieren.

Veröffentlicht am 08.10.2017

Habe mir mehr erhofft

Forever 21
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Ava ist 21 als sie nach einem Ereignis von einem Fluch belegt wird, sie wird zur Seelenwanderin und hüpft von nun an von einem Körper in den nächsten, durch verschiedene Epochen mit nur einer Aufgabe: ...

Ava ist 21 als sie nach einem Ereignis von einem Fluch belegt wird, sie wird zur Seelenwanderin und hüpft von nun an von einem Körper in den nächsten, durch verschiedene Epochen mit nur einer Aufgabe: sie muss zwei Seelenverwandte zusammenbringen. Und dies auch noch unter Zeitdruck, denn je länger sie braucht, desto mehr höllische Schmerzen empfindet sie. Als sie bei einem ihrer Sprünge auf Kyran trifft wird alles umso komplizierter für sie. Denn wie könnte sie überhaupt mit ihm zusammen sein?

Wenn das mal nicht absolut verlockend klingt oder?
Ich mochte den Beginn, der Schreibstil lässt einen nur so durch die Seiten fliegen und es ist interessant Ava direkt nach einem Sprung in einen neuen Körper zu begleiten. Man ist sofort mitten im Geschehen und kann sich schnell einen Überblick davon verschaffen, was Ava tun muss und wie sie überhaupt weiß welche zwei Menschen sie zusammenbringen muss. Vor allem hat es mich auch zum Lächeln gebracht zu sehen wie sie sich in der neuen Situation zurecht finden muss und wie sie dabei unweigerlich in einige Fettnäpfchen tritt. Ava meckert nicht oder schwimmt in Selbstmitleid, sie tut einfach das wozu sie hergebracht wurde und gibt ihr Bestes um ihre Aufgabe schnell zu erledigen.
Die Grundidee klingt so überaus ansprechend und gerade der Anfang hat mir Freude beim Lesen bereitet, weil mir unter anderem auch die ersten zwei Seelenverwandte gefallen haben. Doch schon bald wird deutlich, dass die Aufgaben ganz schön schnell und problemlos erledigt werden, man keinen größeren Bezug zu den anderen Charakteren aufbauen kann und man einfach nur von einer Geschichte in die nächste hüpft ohne dass es einen wirklich Wert für die Erzählung selbst hat. Es scheint als würde man versuchen das Buch mit Nichtigkeiten zu füllen. Man darf nur kurz in die verschiedenen Epochen eintauchen und wenn mal Probleme auftauchen, werden sie in Rekordzeit durch glückliche Zufälle gelöst. Und von dieser Art von Zufällen gibt es reichlich.
Ein weiteres Problem waren für mich die Protagonisten zu denen ich keine Verbindung aufbauen konnte. Ava war mir teilweise viel zu oberflächlich, ist es wirklich wichtig wie die Frau dessen Körper sie kurzzeitig übernimmt aussieht? Muss man jeden Makel anderer Menschen ansprechen? Irgendwann wurde es einfach zu viel auch wenn sie sich Mühe gibt und nett ist kommt ihre oberflächliche Art immer wieder durch. Hinzu kommt, dass man nicht viel über Ava erfährt, ihre Vergangenheit ist größtenteils ein einziges Fragezeichen. Selbst über den Fluch erfährt man weder von wem er stammt noch weshalb Ava damit belegt wurde. Es bleiben am Ende viel zu viele Fragen unbeantwortet. Und die Sache mit Kyran ist einiges nur nicht romantisch wenn ich ehrlich sein soll. Ich kann die Verbindung nur teilweise verstehen und wenn es nach mir gehen würde, würde zwischen ihnen nichts sein, weil es einfach nicht passt. Wenn sie beieinander sind fühle ich nichts und gerade Kyran konnte ich des öfteren nicht verstehen, die Entscheidungen, die er manchmal trifft sind zum Kopfschütteln.

Trotz allem war es ein unterhaltsames, schnell zu lesendes Buch mit einem ganz fiesen Cliffhanger, der schon etwas die Neugier auf den zweiten Band weckt . Ich würde gerne sehen ob die Autorin aus der wundervollen Idee noch etwas rausholt, der Geschichte und den Charakteren Tiefe verleihen kann und ob ich mich doch noch mit Ava und Kyran anfreunden kann.

Veröffentlicht am 16.10.2017

Roman oder doch ein Ratgeber?

Die Verseflüsterin
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Marcus ist in einem Alltagstrott gefangen. Er arbeitet in einer IT-Firma und führt mit seiner Frau Isabelle eine Beziehung, die vom tagtäglichen Einerlei besteht. Jeden Tag erlebt er dasselbe und ist nicht ...

Marcus ist in einem Alltagstrott gefangen. Er arbeitet in einer IT-Firma und führt mit seiner Frau Isabelle eine Beziehung, die vom tagtäglichen Einerlei besteht. Jeden Tag erlebt er dasselbe und ist nicht so recht glücklich. Als er einen Zettel mit einer Botschaft an seiner Windschutzscheibe findet fängt er an sein Leben langsam aber sicher zu verändern.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie ich dieses Buch einordnen soll, denn nach dem eher interessanten Einstieg entwickelt es sich schnell und sehr deutlich in einen Lebensratgeber, der als Roman verkleidet ist. Es ist nicht das was ich mir erhofft habe und geht mir wirklich zu sehr in die Richtung eines Sachbuchs, auch wenn vieles ziemlich interessant ist. Es wird ein Problem erkannt, Marcus bekommt Hilfestellung dabei was er machen könnte und nachdem er es auch tut wird alles gut. In dieser Geschichte sind viele Tipps zur Selbstfindung, Kommunikation sowie Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken zu finden, die man natürlich auf das eigene Leben anwenden kann. Schnell sieht man Marcus eine Veränderung an und auch seiner Frau gefällt es, die beiden kommen mehr aus sich heraus, verbringen mehr Zeit miteinander und finden wieder zu sich. Und als man sich endlich an diesen Handlungsstrang gewöhnt hat, kommt auf den letzten 80 Seiten nochmal eine andere Handlung hinzu, es nimmt einen dramatischen Zug an und es geht mehr um Schuld, Vergebung und das Leben seiner Mutter.
Insgesamt wirken die Dialoge, Personen und auch die Geschichte sehr konstruiert. Als hätte man die Handlung um die ganzen Lebenstipps aufgebaut. Vielleicht hilft es einigen Lesern aber dafür hätte man es noch etwas ausführlicher machen sollen, denn es hüpft doch sehr von einem Geschehen ins nächste. Ich konnte keinen richtigen Bezug zu den Charakteren oder der Handlung aufbauen, teilweise habe ich sogar Zeilen übersprungen ohne irgendwas zu verpassen.
Und dennoch war es ein leicht zu lesendes Buch mit einer einfachen Sprache und manchmal poetischen Ansätzen. Man hätte aber vielleicht etwas mehr aus den Charakteren machen müssen, denn so ist es weder ein richtiger Roman noch ein Ratgeber. Eher eine Mischung die beidem nicht wirklich gerecht wird.

Veröffentlicht am 08.10.2017

Kann man lesen, muss man aber nicht

Untreue
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Die 31jährige Journalistin Linda hat ein Leben von dem andere nur träumen können. Mit ihrem wunderbaren Ehemann, der zu den 300 reichsten der Schweiz gehört und ihren zwei Söhnen scheint ihr auf den ersten ...

Die 31jährige Journalistin Linda hat ein Leben von dem andere nur träumen können. Mit ihrem wunderbaren Ehemann, der zu den 300 reichsten der Schweiz gehört und ihren zwei Söhnen scheint ihr auf den ersten Blick an nichts zu fehlen. Doch Linda ist keinesfalls glücklich, sie möchte vor dem Alltag flüchten, endlich mal was erleben und sich nicht fragen müssen ob es denn schon alles sei, was das Leben für sie zu bieten hat.

Meine Meinung:
Das Buch ist zwar sehr gut zu lesen und die Seiten fliegen nur so dahin, doch habe ich mir von meinem ersten Coelho eindeutig mehr versprochen. Untreue hat mich an sich ziemlich schnell angesprochen, es wurde etwas Interessantes versprochen, doch scheitert es gnadenlos an der Umsetzung. Dieser Roman hat nichts Fesselndes an sich oder etwas, an das man sich auch im Nachhinein gerne erinnern würde, stattdessen war ich eher froh als ich endlich mit dem Buch fertig war. Es gab einige Stellen, bei denen ich mich anstrengen musste konzentriert zu bleiben, weil mir viele der Monologe zu weit hergeholt, von der Handlung ablenkend und unpassend erschienen. Hatte manchmal sogar das Gefühl, man wolle mich belehren. Muss jedoch auch sagen, dass es Abschnitte gab, die es geschafft haben mich zu überzeugen.
Eine wichtige Information, die meines Erachtens nirgendwo erwähnt wurde ist, dass Linda an einer Depression leidet. Und dabei weiß ich nicht einmal ob man es so benennen kann, denn das wird in diesem Roman nicht unbedingt behandelt, eher nur immer wieder erwähnt. Man hat als Leser schnell den Eindruck bekommen, dass mit Linda etwas nicht stimmt und auch ihre Gedanken kreisen immer wieder um ihren Zustand ohne, dass etwas Sinnvolles daraus entsteht und sie sich viel mehr die ganze Zeit über gedanklich im Kreis dreht.
Mir ist es trotz der Ich-Perspektive nicht gelungen eine Verbindung zu Linda aufzubauen, weil mir ihre Handlungen und Gedanken, teilweise durch die Krankheit bedingt, größtenteils sehr unlogisch erschienen und sie mir generell sehr unsympathisch war. Weder der Ehemann noch die Söhne werden namentlich genannt, von den Söhnen ist sogar im gesamten Buch vielleicht nur an die fünf Mal die Rede. Hätte man sie nach der ersten Seite nicht mehr erwähnt, wäre es ein leichtes gewesen zu vergessen, dass es sie überhaupt gibt. Über Jacob König, ihre Affäre, erfährt man deutlich mehr als über ihre Familie, doch auch dieser konnte mich nicht für sich einnehmen. Die Nebencharaktere wurden eben nur oberflächlich dargestellt, sodass ich ihnen gegenüber gar keine Gefühle hegte.
Das Ende ist für mich das Ausschlaggebende für die zwei Sterne. Es kam viel zu abgehakt ohne einen Sinn zu ergeben, als hätte der Autor die maximale Seitenanzahl erreicht und müsste nun schnell eine Lösung für die Probleme finden. Zufriedenstellend war es keinesfalls und ich hätte wenigstens an diesem Punkt etwas mehr erwartet.

Fazit:
Ein Buch, das man lesen kann aber nicht unbedingt muss. Man würde eindeutig nichts verpassen.

Da ich aber schon gelesen habe, dass auch einige Coelho Fans von diesem Buch nicht begeistert sind, werde ich mir mal eins seiner früheren Werke durchlesen.