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Veröffentlicht am 09.07.2024

Tolle Fortführung mit Powercouple

Coldhart - Deep & Shallow
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Meine Meinung:
Dank Lena Kiefers flüssigem Schreibstil ist man schnell wieder in der Geschichte drin und verfolgt die Protagonisten jeweils aus (fast immer) abwechselnden POVs. Nach dem Cut aus Band 1 ...

Meine Meinung:
Dank Lena Kiefers flüssigem Schreibstil ist man schnell wieder in der Geschichte drin und verfolgt die Protagonisten jeweils aus (fast immer) abwechselnden POVs. Nach dem Cut aus Band 1 ist Eli zu Anfang dieses Buches gar nicht in New York und arbeitet stattdessen als eine Art Detektiv – an seinem eigenen Verbrechen. Und da geht es tatsächlich Schlag auf Schlag. Er verfolgt Spuren, lässt uns gebannt miterleben, wie er jemanden verfolgt usw. Schon hier kann man also sehen, welch kriminalistischen Einschlag das Buch und generell die ganze Reihe hat. Im Vergleich zu WestWell (wenn man diesen denn ziehen möchte) wissen wir hier aber schon, wer der Übeltäter ist und das eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Felicity dagegen bleibt nichts anderes übrig, als ihr Leben einfach weiterzuleben. Auch, wenn ihr sämtliche Lebensfreude abhandengekommen scheint. Das Tolle aber an ihr ist, dass sie nicht mit Gram an Elijah denkt, sondern nach einer vernünftigen Erklärung sucht. So verrennt sie sich nicht in irgendwas und kann noch bedingt logisch denken. Das hat die Geschichte immer wieder sehr gut vorangebracht und ihr letztlich auch die Schärfe genommen, die wir bei einem Paar wie Felicity und Eli gar nicht brauchen. Denn eins sollte in Band 1 deutlich geworden sein: Die beiden lieben sich. Und dann braucht es schon mehr, als ein paar Lügen, um dies zu durchbrechen. Auf künstliche Dramatik wird hier also verzichtet, was ich immer sehr gutheiße.

Der Spannungverlauf ist trotz dessen zu Anfang etwas schwach. Ich habe circa ein Drittel des Buches gebraucht, um sagen zu können: jetzt zieht es richtig. Das lag wohl am meisten mit daran, dass die beiden ziemlich lange getrennt voneinander agieren. Sobald dann das erste richtige Gespräch wieder stattfindet, ist auch die Spannung sofort da und ich habe richtig mitgefiebert.

Obwohl die Grundidee die von Romeo und Julia ist, wird darauf nicht so lange rumgeritten. Die beiden sind sehr daran interessiert, ihren „Fall“ aufzuklären und die Ereignisse kommen Schlag auf Schlag. So geschieht das Annähern beinahe nebenbei und in winzig kleinen Schritten, was ich super fand. Die große Unsicherheit in dem allen ist wohl Felicity, denn sie wurde verletzt und muss nun entscheiden: Kann sie ihm verzeihen? Hättet ihr das Buch jetzt schon gelesen, wüsstet ihr, dass meine Frage nicht ganz unschuldig ist. So aber kann ich euch sagen, dass die beiden in alle Richtungen argumentieren, Verständnis füreinander aufbringen, Eli es keineswegs auf die leichte Schulter nimmt und Felicity sich von allen Seiten viel anhören muss, sie sich aber letztlich für ihren Weg entscheiden. Dafür, was sie fühlen und wie sie sich damit fühlen. Das ist so typisch Eli und Felicity, dass ich es nur loben kann. Ich fand es super, dass sie ihren eigenen Charakter bekommen haben und die Antwort auf einige Fragen einfach lautet: solange es ein Wir gibt. Und nein, von blauäugig kann hier keine Rede sein. Seid unbesorgt!

Ein wesentlicher Unterschied zu WestWell (sorry, ich muss das hier jetzt erwähnen, weil es einige von euch überzeugen wird) ist, dass die beiden schneller ehrlich zueinander sind. Ich habe echt den ersten Teil des Buches die Luft angehalten und gebetet, dass es jetzt nicht ewig so weiter geht. Geht es zum Glück nicht. Und auch die anderen Protagonisten (Helena und Jess, Trish und Logan, Elis Freunde usw.) bekommen ihren Platz in der Handlung. Das Universum „Coldwell“ ist mittlerweile so groß und sie alle sind hier präsent und zeigen uns ihre Beteiligung an dem Leben der anderen. Ihr könnt euch sicher denken, dass ich das großartig fand und nur begrüßen kann.

Und dann sind wir jetzt auch schon am Ende angelangt, denn wenn ich noch mehr schreibe, spoilere ich euch letztlich noch. Also: Das Ende kommt unerwartet. So viel kann ich sagen. Kein riesiger Cliffhänger, aber auch keine easy Regenbogensituation. Der Übergang zu Band 3 wird aller Voraussicht nach flüssig sein und ich bin schon sehr gespannt. Denn ähnlich wie bei Actionenfilmen, in denen der Verbrecher bekannt ist, sieht man manchmal anfangs nicht alles, was hinter diesem steht bzw. was er noch in petto hat. Also wird da wahrscheinlich noch so einiges kommen und auch Eli und Felicity haben noch viel aufzuräumen. Can’t wait!

Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung, die zwar etwas brauchte, um mich wieder vollkommen in ihren Bann zu reißen, dann aber wieder mit seinen Protagonisten und der kriminalistisch angehauchten Story punkten konnte. Ich fand es super, dass es nicht ganz so viel hin und her ging und man als Leser:in dadurch fix an ein Vorankommen gelang und nicht so viel auf der Stelle trat. Loved it!

4 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 09.06.2024

Fantasy hätte noch mehr sein können

Divine Rivals
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Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich wirklich schön. Er war geradezu poetisch, was sich besonders in den Briefen zeigte, die sich die Protagonisten hin und her schicken. Sie hat es sehr schön ...

Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich wirklich schön. Er war geradezu poetisch, was sich besonders in den Briefen zeigte, die sich die Protagonisten hin und her schicken. Sie hat es sehr schön geschafft, die düstere Atmosphäre einer Welt aufzugreifen, die von einem Krieg bedroht wird. So hatte man stets die Endgültigkeit einiger Situationen und Handlungen auch erzählerisch vor Augen. Alles scheint gewichtiger, viele heftige Themen integrieren sich scheinbar mühelos und Gefühle wiegen ganz anders.

Zur Geschichte allgemein:
FIGUREN – Ich war überrascht, wie ruhig die Geschichte startet und auch bleibt. Iris ist eine leise Protagonistin, die sich vornehmlich von der Liebe zu ihrem Bruder leiten lässt. Ansonsten ist sie eher unwissend und lebt von einem Tag in den anderen. Ich fand sie etwas flach in ihren Handlungen, da sie zwar durch die Settingwechsel und die Handlungen um sie herum zum Handeln gezwungen wurde, von ihr selbst aber nicht ganz so viel kam.

Roman ist ein wenig anders. Er ist anfangs auch sehr ruhig und beinahe gemütlich in seiner Bubble, entwickelt sich aber geradezu in einen Actionhelden. Er begibt sich in Gefahren, kämpft für das, was er liebt und ist im Gegensatz zu Iris etwas weitsichtiger. So fand ich seine Entwicklung über den Handlungsverlauf hinweg ganz gut gelungen.

LOVESTORY – Die Beziehung zwischen den beiden funktioniert beinahe andersherum. Erst aufregend, dann etwas langsamer. Es ist zunächst eine Rivals-to-Lovers Story, die dann in ein Slow Burn übergeht. Das hatte natürlich jeweils seine ganz eigenen Vor- und Nachteile. An dem Anfang mochte ich besonders, dass die beiden sich gegenseitig herausfordern und sich dabei immer wieder überraschen. Denn Iris Bild von Roman ist ziemlich schwarz-weiß und festgefahren. Ohne das Geheimnis der Schreibmaschinen hätte sich da wohl nichts bilden können.

HANDLUNG – Und da ist es auch schon, dass erste Magieelement: die Schreibmaschinen. Was ich etwas schade fand war, dass wir Leser:innen gleich wussten, wer Iris die Briefe schickt. Ich hätte es glaube ich schöner gefunden, wenn dort etwas Spannung aufgekommen wäre oder wenn noch jemand drittes mitgeschrieben hätte, schließlich gibt es ja drei.
Auf weitere Magie müssen wir dann erst einmal warten. Es wird zwar geradezu gemunkelt, dass es Götter gibt und diese einen Krieg ausgelöst haben/auslösen könnten, aber so ganz erklärt wird einem die Welt erst nach und nach und auch dann hatte ich bis zum Ende nicht das Gefühl, dass ich wirklich verstanden hätte, was es mit all dem auf sich hat. Die Handlung beschränkt sich sehr lange auf Iris‘ und Romans Gedankenwelt. Aus ihrer Liebelei, die erst einmal auch nicht viel mehr ist. Mir hat der Fantasyaspekt daher lange Zeit ziemlich gefehlt. Es wirkte in erster Linie historisch und hat sich erst auf den letzten Seiten einer Fantasyerzählung genähert. Das kollidiert natürlich etwas mit der Erwartung, die man beim Genre „Romantasy“ an das Buch hat.

Der historische Teil ist dafür sehr atmosphärisch und nahbar. Roman wie auch Iris treten dem Krieg eher blind entgegen. Das fand ich aber sehr authentisch, denn in ihrem Zuhause kriegt man tatsächlich nicht so viel davon mit und es scheint auch nicht wirklich jemand zurückzukehren, der berichten könnte. Und genau das ist auch ein thematisiertes Problem. Denn was berichtet wird, scheint beeinflusst bzw. entspricht nicht der ungetrübten Wahrheit. Mein kleines Amateurjournalistenherz hat dabei höher geschlagen, denn genau wie Roman und Iris wollte ich die Wahrheit ergründen. Und die scheint ja geradezu magisch. Hier hoffte ich dann wieder darauf, ein wenig mehr von den Fantasymomenten mitzubekommen, aber das blieb weitgehend aus.

Durch diese historische Herangehensweise wird die Lovestory aber auch auf ihre Art ganz besonders. Denn in dieser vergangenen Realität, ist man nicht einfach zusammen, liebt sich offen und hat Sex. In dieser vergangenen Realität gibt man sich ein Küsschen, wenn man ganz sicher ist, hat man Sex, wenn die Heirat im Raum steht und heiratet, wenn man Sex haben will. Also fernab von dem, was man in den heutigen Romance-Büchern so als „normal“ ansieht. So sind auch Iris und Roman ganz anders süß zusammen, wenn ihr versteht, was ich meine. Es geht gefühlvoll zu, gewichtige Worte werden getauscht, Gefahren für den anderen auf sich genommen und im Kontext der Rahmenhandlung auch viel Schmerz, der die Liebe zwischenzeitlich bittersüß werden lässt. Das fand ich wirklich toll an der Geschichte und hat mich sehr mitgerissen, auch, wenn der Umschwung von Rivalen zu Liebenden nach meinem Geschmack etwas zu ruckartig passiert.

Das ENDE war absehbar. Das erste Mal werden aber direkte Andeutungen zu den magischen Umständen gemacht, was auf den letzten Seiten nochmal viele offene Fragen aufgeworfen hat. Das ist natürlich super, weil man diese gerne durch den zweiten Band beantwortet haben möchte. Generell passiert auf den letzten Seiten super viel und super schnell. Ich war geradezu überrumpelt, weil vorher so wenig passiert. Es hätte mir glaube ich besser gefallen, wenn es ein bisschen verteilter gewesen wäre, sodass man auch im groben Handlungsverlauf mehr Spannung gehabt hätte. So wirkte es ein wenig, als versuche man noch schnell Neugier auf den nächsten Band zu erzeugen und gleichzeitig alle Erzählstränge zusammenzuführen, damit nichts lose bleibt.

Fazit:
Für mich war die Geschichte eine durchmischte Angelegenheit. Ich mochte die süße Liebesgeschichte, den kompletten Kontext und die Thematiken, die angedeutet und teilweise umgesetzt wurden. Die Idee hat auf jeden Fall Potential und wurde super schön erzählt, sodass man das Buch super flüssig lesen konnte. Ich fand es etwas schade, dass die Geschehnisse nicht so richtig auf den Handlungsverlauf verteilt schienen. Am Ende war sehr viel, in der Mitte fast gar nichts. Dadurch verlor es manchmal etwas an Spannung. Ich bin gespannt, wie der zweite Band wird, da dort dann eigentlich jetzt der richtige Fantasypart anfangen müsste, der hier noch etwas fehlte.

4 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 24.05.2024

Sehr unterhaltsam, etwas dramatisch

Yours Truly
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Schreibstil:
Das Buch ließ sich super flüssig und schnell lesen. Der Schreibstil war sehr locker und leicht, sodass die ersten hundert Seiten sich wie zehn anfühlten und ich gar nicht aufhören wollte, ...

Schreibstil:
Das Buch ließ sich super flüssig und schnell lesen. Der Schreibstil war sehr locker und leicht, sodass die ersten hundert Seiten sich wie zehn anfühlten und ich gar nicht aufhören wollte, zu lesen. Ich mochte die große Portion Humor, die auf fast jeder Seite mitschwang und die ernsten Themen der Geschichte etwas abmilderte. Alles in allem werdet ihr aber durch das Buch fliegen!

Zur Geschichte allgemein:
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Erstere ist Briana Ortiz — lebensfrohe Ärztin, die von allen Seiten gemocht wird, aber familiär einiges durchzustehen hat. So wird sie einem jedenfalls gleich zu Anfang vorgestellt. Ich habe mit ihr gut in die Geschichte reingefunden. Die Seiten begannen bereits jetzt durch den lockeren Schreibstil und die zügig voranschreitende Handlung zu fliegen. Was mir allerdings schwer fiel, war, Briana zu durchschauen. Ziemlich lange hatte ich das Gefühl, dass mir zwar gesagt wird, wie sie ist und warum man sie mag, aber es wurde mir nicht begreiflich gemacht. Das Gefühl für sie hat zunächst gefehlt.
Ganz anders war das bei Jacob. Er tappt zunächst etwas sehr unbeholfen durch die Geschichte, aber man kann gar nicht anders, als sich in ihn zu verlieben. Er ist super süß, aufmerksam und lieb und hat im Vergleich zu Briana keine gefestigten Strukturen. Dadurch erlebt man die Handlung aus seiner Sicht nochmal ganz anders und lernt auch Briana ganz anders kennen.

Die Handlung nimmt dann schnell Fahrt dadurch auf, dass die beiden Protagonisten sich durch eine Begegnung auf dem falschen Fuße erstmal nicht so gerne mögen. Bzw. ist Briana abgeneigt, während Jacob eher verzaubert ist;) Das führt dazu, dass sie sich Briefe schreiben. Wer jetzt Angst hat, auf einen Briefroman zu treffen – diese kann ich euch nehmen. Das mit dem Briefeschreiben hört wieder auf, aber so am Anfang war es eine super Abwechslung und hat die Geschichte ganz unkompliziert fix voran gebracht. Das Besondere an den schön und humorvoll geschriebenen Briefen ist nämlich, dass sowohl Jacob als auch Briana darin ausgesprochen ehrlich sind. So lernen sie sich sehr unbefangen näher kennen und können das ursprüngliche Missverständnis schnell hinter sich lassen.
Generell ist die Erzählung lange Zeit sehr ehrlich. Vor allem Briana nimmt kein Blatt vor den Mund und prescht oft genug lieber vor, als zu zögern. Das hat mir super gefallen.
Leider wird es dann nach der Hälfte des Buches circa etwas komplizierter. Die Ehrlichkeit geht verloren und das Drama nimmt Überhand. Teilweise etwas zu viel, was meiner Euphorie über das Buch einen kleinen Dämpfer verpasst hat.

Um das näher zu erklären, muss ich etwas ausholen. Bei der Lovestory hier handelt es sich um Slow Burn mit vielen Faktoren, die sie sehr special machen. Einer davon ist das Thema Fake-Beziehung, aber auch Jacobs antisoziale Störung (das ist definitiv nicht das richtige Wort dafür, aber er kommt auf jeden Fall nicht so gut mit fremden und vielen Menschen klar und fokussiert sich lieber auf gewohntes und kontrollierbares.) spielt da mit rein.
Ich war tatsächlich sehr überrascht darüber, wie lange das mit der Fake-Beziehung andauert. Aber was sie ganz natürlich mitbringt, ist natürlich eine gezwungene Nähe, die zu echter Zuneigung werden kann. So ist es auch bei Jacob und Briana, wobei sie es langsam angehen lassen und auch erst einmal Freunde werden. Beide sind eher unsicher, wenn es um Beziehungen geht, und wollen sichergehen, dass sie nichts falsch verstehen. Das ist teilweise echt süß anzusehen gewesen und es entstehen viele lustige Szenen, in denen man unter anderem auch die wundervollen Nebencharaktere der Geschichte kennenlernt. Sowohl Brianas Freundin Alexa wie auch Jacobs crazy Family inklusive Kettenraucher-Opa und Papagei sind einfach zu cool und haben mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.

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Jacob hat dazu aber noch mit einer anderen Schwierigkeit zu kämpfen, bzw. muss er mit ihr umgehen: er hat eine Störung, die es ihm schwer macht, sich in ungewohnten Situationen und mit fremden Menschen zurechtzufinden. Für mich war es das erste Mal, dass ich von einer Figur mit dieser Störung gelesen habe und deshalb konnte ich es erst auch so gar nicht fassen. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen und die Beschreibungen waren dann zunächst etwas gering. Nach und nach fand ich aber, konnte man das immer besser greifen. Es kamen mehr Situationen dazu, in denen die Störung Thema wurde, in denen Briana darauf Rücksicht nahm und letztlich nahm sie dann auch Einfluss auf das Ende. Für mich war das eine runde Sache mit einer schönen persönlichen Entwicklung. Nicht in dem Sinne, dass Jacob am Ende geheilt ist oder so, sondern dass er da völlig offen und vertraut mit Briana und seinem Umfeld mit umgeht und sich dadurch gar nicht mehr so einschränken muss.

Die Beziehung zwischen den beiden war ein Auf und Ab. Mal dachte ich: Okay, auf der nächsten Seite küssen sie sich, fünf Seiten später habe ich mich gefreut, wenn sie nur nett miteinander gesprochen haben. Aber es war ein sehr amüsantes und unterhaltendes Auf und Ab. Es ist süß, wie sie sich kabbeln, unsicher umeinander herumschleichen, gleichzeitig überraschend offen sind und dann wieder in völlig abstrusen Situationen voreinander stehen und plötzlich alles glasklar scheint. Noch besser wurde es, als ich nach und nach mehr Zugang zu beiden erhielt. Durch die unterschiedlichen Perspektiven konnte man den jeweils anderen immer durch die Augen des anderen beobachten und so direkt miterleben, wie sie sich in ihre Eigenarten und Charakterzüge verlieben.

Schade fand ich etwas, dass es relativ wenig Krankenhauscontent gab. Wer hier eine Story a la Greys Anatomy erwartet, der wird enttäuscht. Stattdessen kommt aber noch ein wichtiges medizinisches Thema hinzu, dass definitiv eine Moral der Geschichte bietet und hier in all seinen Facetten beschrieben wird. Es geht um das Thema Organspende. Die Abhängigkeitsbeziehung, die dadurch zwischen Spender:in und Empfänger:in entsteht (und womöglich auch zwischen anderen Angehörigen) hat mir erst ziemlich Bauchschmerzen bereitet. Ich finde sowas als Basis für eine Liebesbeziehung nicht gerade unbedenklich. Zum Glück wurde die Problematik eher umschifft bzw. anders aufgebaut, sodass es nicht so sehr auf diese Weise in den Fokus rückte.
Schön fand ich weiter, dass die Autorin in ihrem Nachwort einen Bezug zu diesem Thema herstellte. Es wirkte dadurch sehr persönlich und authentisch und stößt bestimmt den ein oder anderen Leser:in zum Nachdenken an.

Zum groben Handlungsverlauf möchte ich noch sagen, dass es flott vorwärts ging und die bereits erwähnten positiven Punkte definitiv dem Lesevergnügen beimaßen. Die Geschichte kratzt aber vermehrt in der Mitte und auch später noch manchmal etwas zu sehr an der Überdramatisierung. Da hätte man sich meiner Meinung nach lieber etwas mehr Zeit für einige Szenen nehmen können oder auch die Briefe nochmal wieder zum Gegenstand werden lassen können, um mehr Tiefe zu erzeugen.

Das Ende überzeugt aber dennoch durch seine passende Zusammenführung aller Handlungsstränge und einem Happy End, wie man ihm anfangs entgegenfieberte.

Fazit:
Eine wirklich unterhaltsame Geschichte mit vielen liebevollen Details, humorvollen Szenen und Figuren, die zudem noch wichtige Themen integriert. Mir hat es manchmal etwas an der Tiefe gemangelt, stattdessen wurde dann oft in die Dramatikkiste gegriffen. Das war für mich aber nicht so dramatisch, dass ich deshalb in meinem Lesefluss gestört worden wäre. Es ließ sich super lesen und hat einfach Spaß gemacht!

4 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Alle Facetten der Trauer in einer Liebesgeschichte

Somebody to Love – Northern-Hearts-Reihe, Band 1 (Dein SPIEGEL-Bestseller)
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Zum Schreibstil:
Die Autorin schreibt sehr schön flüssig und locker. Was ich besonders schön fand, war, dass sie sich die Zeit nimmt, Sätzen Ausdruck zu verleihen. So nutzt sie ein paar mehr Wörter als ...

Zum Schreibstil:
Die Autorin schreibt sehr schön flüssig und locker. Was ich besonders schön fand, war, dass sie sich die Zeit nimmt, Sätzen Ausdruck zu verleihen. So nutzt sie ein paar mehr Wörter als unbedingt nötig. Mir hat es gefallen, ich kann mir aber auch vorstellen, dass es anderen nicht so sehr gefällt, weil so sehr viel Ruhe in die Geschichte kommt. Es ist nicht ganz so peppig.

Zur Geschichte allgemein:
Die Geschichte wird ungefähr abwechselnd aus den Sichten von Emil und Freya erzählt. Zunächst beginnt es aber mit einem Fakt, der quasi die Grundlage von Allem ist: Hendrik ist tot. Für uns Leser:innen ist das erstmal etwas, was wir hinnehmen, aber nicht fühlen können. Ab da kommen dann die anderen Figuren in Spiel und lassen uns an ihrer Trauer teilhaben.

Die weibliche Hauptprotagonistin ist Freya, die ich gleich sympathisch fand, die es einem aber manchmal nicht ganz so leicht gemacht hat, in sie zu blicken. Sie war Hendriks Freundin und trauert, während die Welt um sie herum sich weiterzudrehen scheint. Irgendwo ist da natürlich eine Lethargie, aber Freya tritt zunächst eher stark auf und befreit sich daraus. Sie lebt ihr Leben weiter und will Hendrik in guter Erinnerung behalten.

Das ist aber gar nicht so leicht, denn Hendrik wird von der Presse eher als Krimineller abgetan und so glauben das auch viele Leute. Die Suche nach der Wahrheit und Hendriks Verteidigung post mortem ist dann quasi das, was die Geschichte hauptsächlich ausmacht.

Die damit verbundene Spannung kommt in Aufwallungen würde ich sagen. Teilweise wird recht seicht erzählt, ohne, dass etwas Großartiges passiert, dann aber entsteht ein Cliffhänger zwischen den Kapiteln und schon nimmt die Story wieder an Spannung auf. So hat sie mich gut durch das Buch gezogen, hat es aber auch nicht so spannend gemacht, dass ich nun keine Minute von dem Buch lassen konnte.

Die Storyline war dafür recht interessant. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen die Perspektiven aufeinanderprallen und die Frage nach der „richtigen“ Art zu trauern aufkommt. Diese Momente fand ich besonders schön und auch bezeichnend für das Buch: die Trauer aller findet hier in all ihren Facetten ihren Ausdruck. Egal ob zum Tode betrübt, munter weitermachend, verleugnend, wütend oder gar ablehnend – in jeder der Figuren findet man eine Facette der Trauer wieder und liest in einem sehr authentischen Stil davon, wie diese Menschen mit ihrer Art umgehen, sich auf andere Menschen auswirken oder auch schlicht Freya in ihrem Tun und Denken beeinflussen. So waren die Nebenprotagonisten erstaunlich stark, weil sie in ihrer Facette total aufgingen und bei uns Leser:innen für Emotionen sorgten, die über Freya und Emil allein nicht aufgekommen wären. Am besten haben mir da Lene und der Vater gefallen.

Denn natürlich ist es keine leichte Situation, denn Freya trauert nicht nur, es gibt da auch noch Emil, den männlichen Hauptprotagonisten. Er ist Hendriks Bruder und damit für Freya nicht nur eine wichtige Stütze, sondern auch Tabu, oder? Die Geschichte nimmt sich viel Zeit dafür, um die beiden in der Rahmenhandlung der Wahrheitsfindung zueinander finden zu lassen. Es ist Slow Burn, definitiv. Aber das vor allem, weil da eben diese vermeintlichen Hürden der Gesellschaft sind, die bei allen immer wieder zu Blockaden führen. In ihrer kleinen Bubble aber lesen wir Leser:innen wie die beiden ganz zart Gefühle füreinander entwickeln und sich dazu viele Gedanken darum machen, was nun darf oder nicht. Dadurch war die ganze Situation als Leser:in auch gar nicht komisch oder merkwürdig. Die Liebe in den Zeilen kam bei uns an und das war eine große Stärke dieses Buches: die Authentizität.

Was ich allerdings etwas schade fand, war, dass wir zwar Freyas Trauer spüren, ihre vorherige Beziehung aber gar nicht so fassbar war. Zwischendurch gibt es immer wieder kleinere Kapitel, die die Geschichte der Drillinge über die Jahre erzählt. Das fand ich super, um das Band der drei Geschwister deutlich zu machen. Vielleicht hätte sowas aber auch in Bezug auf Freya und Hendrik als Paar nicht geschadet, damit man einfach noch mehr in den Zwiespalt zwischen die beiden Brüder gerät. Gut für mich natürlich, weil es so nicht ganz so dramatisch war, aber manchmal tut es auch gut, Drama zuzulassen.

Weiter mochte ich die Location der Story total gerne. Drammen und seine verwunschene Fjorde, dazu passend Freyas Hobby das Schnitzen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass das noch ein bisschen mehr aufgegriffen worden wäre. Allerdings war das Buch so schon lang, noch mehr Seiten hätte es wohl nicht gebraucht.

Cool fand ich außerdem, dass man zwar Vermutungen anstellen konnte, die Auflösung dann aber einfach nochmal etwas anders und sehr einfallsreich war, ohne übertrieben zu wirken. So hat auch das Ende für mich sehr gut zum Rest des Buches gepasst und ich freue mich schon auf den nächsten Band, denn es gibt einiges an Potential, das da noch aufgegriffen werden kann.

Fazit:
Ein wirklich sehr schönes, ruhiges Buch mit einer wohligen Location und einer Slow Burn Liebesgeschichte, die in ihren Emotionen zu mir dringen konnte. Ich mochte vor allem, wie hier mit Trauer umgegangen wird und wie viel Wert auf die Authentizität und das Facettenreichtum gelegt wurde. Zwischendurch war es vielleicht alles einen Tick zu seicht, aber das hat mich nicht wesentlich gestört.

4 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 08.03.2024

College-Romance zum Einsteigen

Lakestone Campus of Seattle, Band 1: What We Fear (SPIEGEL-Bestseller mit Lieblingssetting Seattle)
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Zum Schreibstil:
Die Autorin schreibt locker und sehr flüssig. Mir ist nichts Besonderes aufgefallen, sodass ihr auf jeden Fall beim Lesen den vollen Fokus auf die Geschichte an sich legen könnt. Positiv ...

Zum Schreibstil:
Die Autorin schreibt locker und sehr flüssig. Mir ist nichts Besonderes aufgefallen, sodass ihr auf jeden Fall beim Lesen den vollen Fokus auf die Geschichte an sich legen könnt. Positiv zu erwähnen ist aber auf jeden Fall, wie mit der Stummheit des Protagonisten auch hinsichtlich des geschriebenen Wortes verfahren wurde. Das wurde nämlich immer sehr gut durch kursiv oder fettgedruckte Buchstaben deutlich gemacht, sodass es gut erkennbar war.

Zur Geschichte allgemein:
Die Geschichte beginnt so klassisch und gleichzeitig so unklassisch wie es geht. Denn hier prallen zwei Welten aufeinander: Harlow, die kurz davor steht, ins Gefängnis zu kommen und dann die typische „Ich kipp Kaffee über dich“-Begegnung mit Zack. Das steht auch so ziemlich für den kompletten Verlauf der Handlung. Einerseits bleibt es sehr klassisch und unaufgeregt, auf der anderen Seite ist da Harlows dunkle Seite, die immer wieder interessante Facts in die Geschichte bringt und letztlich auch für Aufregung und Wendungen sorgt.

Aber fangen wir vorne an: Grundsätzlich bin ich kein Fan von Geschichten, die auf Lügenkonstrukten aufgebaut sind, weil es einfach zu vorhersehbar auffliegt. Harlow aber lüftet ihre Geheimnisse wie eine Matroschka und am Anfang ist diese fest verschlossen. Sie hat einiges für ihre Familie riskiert und ist ein wenig abgestumpft, was die Grenzen des Legalen betrifft. Dadurch kommt bei ihr zwar manchmal ein leichtes Unwohlsein auf, echte Panik oder Angst kommt aber nicht so richtig bei den Leser:innen an. Dafür gibt es dann ihr Umfeld, das die „normale“ Reaktion widerspiegelt. Das fand ich ganz gut gemacht.
Was ich an ihr allerdings nicht so gut fand, war, dass sie die Welten eigentlich bis zuletzt so stark voneinander trennt. Genau das wird auch zwischen ihr und Zack und ihr und ihren Freunden zum Thema und damit problematisiert, aber auch für mich als Leserin war es an einigen Stellen schwer zu verstehen, warum sie nicht einfach mit der Sprache rausrückt.
Ich glaube, dieses Unverständnis resultierte daraus, dass man ihr Opfer für ihre Familie und die Krankengeschichte ihres Bruders nur als kurze Information über die Vergangenheit vermittelt bekommt und damit keine Gefühle ihrerseits mitbekommt. Man konnte in dem Moment dann nicht die Panik fühlen, die eigentlich in ihr geherrscht haben muss.

Zack ist ganz anders als Harlow. Er „spricht“ direkt an, was ihn berührt und bringt dadurch die Beziehung auch recht schnell voran. Ich fand es großartig, wie er mit seiner Stummheit umging – nämlich ganz normal. Generell hat das Buch diese Einschränkung auf Ebene des Erzählens als nicht weiter außerordentlich hingenommen. Innerhalb der Geschichte wird es zum Thema und zwar auf sehr schöne und fortschrittliche Art und Weise. Der Umgang aller damit ist vorbildlich und integrativ.
Das ist vielleicht auch mein einziger Kritikpunkt an der ganzen Thematik: es verlief alles zu vorbildlich. Keine Schwierigkeiten, keine Anfeindungen, keine Einschränkungen für Zack. Das ist zwar toll und sollte definitiv so sein, ich denke aber schon, dass es realistischer wäre, zumindest zu erwähnen, dass ihm irgendwo die Stimme fehlt. Beispielsweise wenn er vor einem Hotel steht, angesprochen wird, ob er einchecken will und gerade keinen Zettel dabei hat. Nicht alle Menschen auf Erden verhalten sich dann logisch, es gibt bestimmt auch welche, die mit Emotionen reagieren und das fehlte mir ein wenig. Die Authentizität.

Der durch Harlow eingeflochtene Handlungsstrang des Hackens fand ich super spannend. Ich habe keine Ahnung von der Thematik, konnte mir aber durch die Schilderungen der Autorin viel drunter vorstellen. Es sorgt einfach für Spannung, ungeahnte Wendungen, Gedankenkarussels und auch Krisen in der Beziehung zwischen Zack und Harlow. Gut, fand ich außerdem, dass es so sehr mit ihrem Verbleib am Campus verbunden ist, sodass es immer um mehr ging.

Kommen wie also zu den Krisen. Tatsächlich war es nur eine einzige Krise: Du sagst mir nicht alles von dir. Das wurde immer wieder zum Thema und hat mich dann immer nur so halb mitgenommen, weil es bei jedem Mal nicht so richtig explodierte, sondern sich eher im Sande verlief. Sie haben kurz nicht mehr geredet, dann ist der eine auf den anderen zugegangen und es ging weiter. Dabei öffnen sie sich natürlich immer weiter und lernen sich besser kennen, mir fehlte aber gleichzeitig ein wenig die Detailarbeit in ihrer Beziehung. Das Dazwischen hatte wenig Inhalt. Es beschränkte sich eigentlich nur auf die App und das Lernen für die Prüfungen. Gerade im Hinblick auf Zacks Panikattacken, die zwar vernünftig ausgearbeitet aber danach quasi vergessen werde, seinen Zwiespalt bezüglich seines Studiums und auch Harlows Bruder und ihrer Liebe zu ihrer Familie. Vielleicht auch Zacks Eltern als Gegenstand eines Gesprächs. Da hätte meiner Meinung nach einfach noch viel kommen können, was zugunsten der Hackergeschichte liegen geblieben ist.

So geht es oft ums Lenen, ums Schweigen und um das Hacken und ich muss gestehen, dass ich nicht immer im Lesefluss war, sondern mich manchmal auch zwingen musste, weiterzulesen.

Das Ende war dann ganz gut, blieb aber weiterhin auf dem Level der restlichen Geschichte. Süß und locker leicht, happy und mit ein paar Leerstellen. Die Panik in Bezug auf Zacks Verbleib zum Beispiel konnte ich gar nicht richtig nachempfinden.

Positiv betonen muss ich zum Schluss noch die anderen Protagonisten. Sie alle sind super sympathisch und bekommen Zeit, sie selbst zu sein. Das macht natürlich neugierig auf mehr.

Fazit:
Mir hat die Geschichte vor allem in Hinblick auf die Stummheit des Protagonisten gefallen. Die Protagonisten an sich sind sehr zart und fein gezeichnet und harmonieren super miteinander. Generell ist auf dem Lakestone Campus das Gemeinschaftsgefühl gut spürbar und es war leicht, sich fallen zu lassen. Die Hackerthematik hat für Spannung und interessante Wendungen gesorgt, konnte mich aber letztlich nicht ganz an das Buch fesseln. Für mich war es ein gelungener Auftakt mit kleineren Schwächen in der Detailverliebtheit. Zudem ist es recht klassisch gehalten.

4 von 5 Sterne von mir.

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