Empfehlenswert
Das Wunder vom Little BighornBevor ich zur eigentlichen Rezension komme, möchte ich anmerken, dass ich durchweg den Begriff „First Nation“ verwenden werde. Ich weiß, dass er vorwiegend in Kanada gebraucht wird und nicht von allen ...
Bevor ich zur eigentlichen Rezension komme, möchte ich anmerken, dass ich durchweg den Begriff „First Nation“ verwenden werde. Ich weiß, dass er vorwiegend in Kanada gebraucht wird und nicht von allen akzeptiert wird. Doch ich empfinde es bei der Rezension einfacher und verständlicher, wenn ich nur einen Begriff verwende, statt zwischen Dakota/Lakota/Sioux usw. zu wechseln.
Mir war der Autor des Buches vorher völlig unbekannt. Ich bin mit den Büchern von Liselotte Welskopf-Henrich aufgewachsen und habe sich auch als Erwachsener nochmals gelesen. Erst hier im Vorwort wurde mir klar, wie Welskopf-Henrich den Namen des Autors verwendet und auch verschiedene von ihm aufgezeichnete Begebenheiten in ihren Büchern eingearbeitet hat, so dass sein Vermächtnis auf moderne Art weitergeben wird.
Das Buch ist in verschiedene Abschnitte aufgeteilt. So geht es um die Anfänge der First Nation, einigen ihrer Regeln oder um die Heilige Pfeife des Weißen Büffelskalbs. Es geht um das Aufzeigen der Veränderungen, die mit dem Auftauchen des weißen Mannes und dem Bruch vieler Verträge einhergingen.
Die jeweilige aufgeschriebene Geschichte über diverse Rituale und Überlieferungen erhalten oft noch eine anschließende Erklärung und Ergänzung aus Sicht des Autors.
Mit dem Kurzroman „Maiden Chief“ konnte ich nicht so wirklich viel anfangen. Es ist eine interessante Geschichte, die vom Stil her allerdings sehr idealisiert, teilweise schwülstig bis kitschig ist und am Ende sogar stark an Karl May (Zuwendung zur christlichen Religion) erinnert. Trotzdem ist es gut, dass sie veröffentlicht und bekannt gemacht wird. Denn das für mich Interessante an der Geschichte ist, dass dort detailliert die Sitten und Bräuche speziell der Sioux aufgeführt werden und man so aus erster Hand viel Wissenswertes erfährt, das unbedingt erhalten werden muss. So kann man über die in meinen Augen stilistischen „Mängel“ (immerhin ist der Kurzroman rund 100 Jahre alt) hinweglesen.
Die auf die Geschichte folgenden kurzen Kapitel - sei es über die Büffel, den Ursprung der First Nation oder verschiedene andere Fakten - sind dann wieder eher sachlich und vermitteln sehr viele Details.
Heraus sticht natürlich die Schlacht am Little Bighorn. Bisher wurde sie fast ausschließlich aus Sicht der Sieger (auch wenn die Armee die Schlacht verloren hat, am Ende war sie der Sieger) beschrieben. Hier kommt endlich die andere Seite zu Wort und so kommen auch andere Fakten zutage.
Alles im allem kann ich das Buch wirklich sehr empfehlen. Es gibt Einsichten in das wirkliche Leben, es macht einen unbekannten Autor bekannt – und ich hoffe auf einen großen Leserkreis. Vor allem verklärt es weder noch idealisiert (bis auf den Kurzroman).
Besonders erwähnen möchte ich die für meine Begriffe außerordentlich gute Übersetzung, die dem modernen Leseempfinden sehr entgegenkommt, aber gleichzeitig die Poesie des Originals erhält.