Profilbild von sommerlese

sommerlese

Lesejury Star
offline

sommerlese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sommerlese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2024

Schräge Unterhaltung, aber definitiv kein Krimi

Morden in der Menopause
0

Im Dumont Verlag erscheint Tine Dreyers Roman "Morden in der Menopause".

Die 48-jährige Liv arbeitet als Küchenplanerin, ist Ehefrau und Mutter von drei Teenagern und kümmert sich um ihre alten Schwiegereltern. ...

Im Dumont Verlag erscheint Tine Dreyers Roman "Morden in der Menopause".

Die 48-jährige Liv arbeitet als Küchenplanerin, ist Ehefrau und Mutter von drei Teenagern und kümmert sich um ihre alten Schwiegereltern. Bisher hat sie das alles noch wunderbar gewuppt, aber als die Menopause zuschlägt, gerät sie in einen Strudel von Problemen, sie schläft schlecht, bekommt Schweißausbrüche, ist vergesslich und ihre Nerven sind nicht mehr belastbar. So hatte sie sich die Wechseljahre nicht vorgestellt. Und dann kommt es sogar soweit, dass sie sich mit einem Drogendealer anlegt, der mit ihrem Sohn ins Geschäft kommen will. Im Übereifer des hormonellen Ungleichgewichts erschlägt sie den Mann und bringt sich damit in die größte Bredouille ihres Lebens.

Die Wechseljahre sorgen leider bei den meisten Frauen für unerwünschte Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schlafprobleme und Gefühlsschwankungen. Aber in Livs Fall wurde da überall noch einmal eine Schippe drauf gelegt. Ihre Welt sieht auf einmal nur noch schwarz aus, ihre Aufgaben werden ihr zuviel und sie tötet im Affekt einen Dealer. Danach muss sie versuchen, die Leiche möglichst unauffällig zu entsorgen. Ein schlechtes Gewissen hat sie nicht, denn zusätzlich zur hormonellen Problematik sprang ihr Mutterinstinkt an, mit dem sie ihren Sohn schützen wollte.

"Morden in der Menopause" ist eine unterhaltsame Story, die uns Livs Alltagsleben, ihre Eheprobleme und ihren Spagat zwischen Arbeit und Familie vor Augen führt. Dabei stellt diese Geschichte mit skurrilem Humor und einer Folge von Leichen keinen Krimi dar, sondern eine schräge Handlung über eine biedere Frau, die durch die Wechseljahre auf einmal mit Menschen aus dem Rotlichmilieu zu tun hat und mal eben zur Mörderin mutiert. Zugegeben, die Morde sind Affekttaten und es ist spannend zu verfolgen, wie sich Liv aus diesem Schlamassel wieder befreit.
Tine Dreyer beginnt jedes Kapitel mit Informationen über die Wirkung von Hormonen und den Folgen des Ungleichgewichts in den Wechseljahren. Damit wird um Verständnis für Livs Verhalten geworben, die scheinbar im hormonellen Wirrwarr nicht mehr Frau ihrer Lage ist.
So ungewohnt und übel die Menopause auch in der Realität sein mag, Livs Aktionen sind schon sehr überspitzt und bringen sie in die verrücktesten Situationen. Dieses Buch ist locker erzählt, die Figuren sind etwas klischeehaft, der Humor nicht so schwarzhumorig, wie ich es mir erhofft hatte, aber ich habe es belustigt gelesen. Einige Szenen wie die Mäuseplage sind überflüssig und andere einfach nur albern. Man bekommt eine leichte, humorvolle Unterhaltung geboten, die man einfach so weglesen kann und sich dabei freut, wie prima man selbst mit den Wechseljahren klar kommt.


Eine unterhaltsame Story über Hormonchaos mit mörderischen Folgen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2024

Schön gereimtes Bilderbuch zum Thema Achtsamkeit

Panther, Panther, sei entspannter
0

In Britta Sabbags Bilderbuch "Panther, Panther, sei entspannter" geht es darum, durch Achtsamkeit die innere Ruhe zu finden. Das Buch für Kinder ab 3 Jahren erscheint im Carlsen Verlag und enthält Illustrationen ...

In Britta Sabbags Bilderbuch "Panther, Panther, sei entspannter" geht es darum, durch Achtsamkeit die innere Ruhe zu finden. Das Buch für Kinder ab 3 Jahren erscheint im Carlsen Verlag und enthält Illustrationen von Igor Lange.

Jeder kennt es, wenn man unruhig und völlig angespannt ist und einfach nicht abschalten und einschlafen kann. Das geht auch dem Panther so und obwohl er richtig müde ist, findet er einfach keine Ruhe. Dabei bekommt er von den Regenwaldtieren viele gute Ratschläge von Tieryoga, bis Hundert zählen, eine Runde schwimmen gehen – nichts hilft!

Das Faultier hat schließlich den entscheidenden Tipp, er weiß, wie man innere Ruhe erreichen kann. Aber kann er dem Panther damit helfen?

Zitat vom Faultier:

"Langsamkeit bringt mich am schnellsten zum Ziel!
Ruhe find ich in mir, wenn ich es will."


Ein schön gereimter Text erzählt von den Schwierigkeiten des Panthers, endlich seine innere Unruhe abzustreifen. Aber welche Entspannungsübungen kann man da anwenden? Hilft es wirklich, bis Hundert zu zählen oder wie beim Chamäleon, einfach seine Farbe zu verändern? Die Aussage des Faultiers bringt alles genau auf den Punkt, wenn man in sich hinein horcht und einfach mal einen Gang runter schaltet, ist das Abschalten schon der richtige Weg. Jeder muss da sein eigenes Tempo finden und sollte sich nicht von anderen stressen lassen.

Igor Langes hübsche Illustrationen sind ausdruckstark und lassen die Gefühle und Regungen im Gesicht des Panthers sichtbar werden. Das Gefühl, nicht schlafen zu können, ist Kindern bekannt, aber vielleicht in diesem Alter noch nicht so bewusst.

Achtsamkeit ist wichtig, es wäre wünschenswert, wenn Kinder anhand dieses Buches etwas für sich mitnehmen können und deshalb hätte ich mir ein passendes, kindgerechtes Beispiel gewünscht.


Dieses hübsch illustrierte Bilderbuch lässt sich gut vorlesen und unterhält mit seinen gereimten Textenz. Ob das Thema Achtsamkeit nun kindgerecht ist, wage ich anzuzweifeln.

Veröffentlicht am 18.02.2024

Dunkle Spuren der Vergangenheit

Rügentod
0

Der Krimi "Rügentod" von Sylvia Frank erscheint im Aufbau Verlag. Der Name gehört dem Autorenehepaar Sylvia Vandermeer und Frank Meierewert.

Rügen in den zwanziger Jahren: Dorothee von Stresow ist erfolgreiche ...

Der Krimi "Rügentod" von Sylvia Frank erscheint im Aufbau Verlag. Der Name gehört dem Autorenehepaar Sylvia Vandermeer und Frank Meierewert.

Rügen in den zwanziger Jahren: Dorothee von Stresow ist erfolgreiche Krimiautorin und lebt in Berlin. Nun kehrt sie anlässlich einer Schulfeier zurück auf die Insel Rügen, seit dem Tod ihrer Eltern beim Brand auf ihrem Gutshof war Dorothee nicht mehr hier. Sie trifft ihre alte Schulfreundin Margarethe, die ihr am nächsten Tag neue Erkenntnisse über den damaligen Brand mitteilen möchte. Doch bevor es dazu kommt, stirbt Margarethe durch einen Anschlag. Hier möchte jemand verhindern, dass Dorothee etwas über die Brandnacht erfährt. Doch Dorothee lässt sich nicht einschüchtern und nimmt mit dem Tierarzt Albert Badrow die Ermittlungen auf. Dabei genießt sie die Zeit mit dem Sohn ihres früheren Verwalters, weil sie schon als Mädchen in ihn verliebt war.

Die Geschichte spielt in den 20er Jahren, damals war Rügen bereits ein mondänes Seebad und die Gesellschaft in unterschiedliche Klassen aufgeteilt. Dorothee ist eine selbstbewusste Frau mit einem klaren Verstand, sie fährt Auto und ist für ihre Zeit ziemlich emanzipiert. Nun möchte sie endlich das Rätsel um den Tod ihrer Eltern lösen dieser Verlust und die Unaufgeklärtheit der Umstände lasten ihr schon lange auf der Seele. Sie mischt sich ungefragt in die Ermittlungen, was der Kommissar häufig einfach so hinnimmt.

Der Erzählstil wirkte auf mich nicht sehr flüssig und die Dialoge recht steif, womit vielleicht versucht wurde, die Sprache der Zeit nachzuempfinden. Außerdem läuft die Handlung ohne große Überraschungen und mit häufigen Situationsbeschreibungen ab, wobei die Täterverfolgung etwas in den Hintergrund tritt und dem Krimi dadurch die Spannung nimmt.

Die Charaktere werden insgesamt recht grob beschrieben, aber Dorothee bekommt mehr Facetten und scheint als Frau weit ihrer Zeit voraus zu sein. Denn sie ist unverheiratet und recht forsch, fährt Auto und bringt die Ermittlungen auf eigene Faust voran, ohne irgendwo anzuecken. Das wirkt etwas übertrieben und sehr emanzipiert. Durch dieses Verhalten und den fehlenden Einblick in ihre Gedanken kam sie mir nicht sehr nahe.

Ich fand es ungewöhnlich, dass Handlungen der Jagd und etwas über Wölfe in die Story eingebunden wurden. Doch das hat die Geschichte für mich auch nicht spannender gemacht, ganz im Gegenteil. Die einzelnen Ermittlungsteile fügen sich am Ende stimmig zu einem Ganzen, aber mich konnte die Handlung nicht überzeugen.

Insgesamt eher ein durchwachsener Krimi, der mich nicht vollständig überzeugen konnte und von dem ich mehr Spannung erwartet habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2024

Mord zwischen Yoga und niederländischer Idylle

Tod in Zeeland
0

Im Emons Verlag erschien 2021 Carla Capellmanns Krimi "Tod in Zeeland".

Freddie möchte über die Beziehung zu ihrem Freund Jan nachdenken, und obwohl sie von Yoga nicht viel hält, nimmt sie mit Freundin ...

Im Emons Verlag erschien 2021 Carla Capellmanns Krimi "Tod in Zeeland".

Freddie möchte über die Beziehung zu ihrem Freund Jan nachdenken, und obwohl sie von Yoga nicht viel hält, nimmt sie mit Freundin Miriam an einem Yogaseminar in Zeeland teil. Aber schon am ersten Abend entdeckt Freddie höchstpersönlich eine Leiche, sie ist zufällig die Bekannte von Jan. Ist das nun Zufall oder Schicksal? Natürlich fällt der Verdacht schnell auf Jan und Freddie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Carla Capellmanns Erzählstil ist locker und mit Humor gewürzt, bildhaft beschreibend und lässt sich flüssig lesen. Die Handlung zeigt immer wieder Einblicke in diesen Landstrich und damit kann man sich das landlandschaftliche Setting gut vorstellen. Durch die eingebauten niederländischen Ausdrücke bekommt die Story einen regionalen Anstrich, was mir gut gefällt. Nebenbei gesagt, man muss hier kein Niederländisch sprechen können, denn die Begriffe werden im Anhang übersetzt.

Die Story wird sehr unterhaltsam aus Freddies Sicht erzählt, sie lässt uns an ihrer Recherche und ihren Überlegungen im Mordfall teilhaben und berichtet von ihrer Erkundung der Halbinsel Walcheren. Auch in Bezug auf die eingefleischten Yoganer und ihre Übungen macht sich Freddie immer wieder so ihre Gedanken und mit manchen Yoga-Ansichten hat sie mich zum Schmunzeln gebracht. Die häufigen Mantras fand ich dagegen dann doch etwas übertrieben. Auch mit Miriam wurde ich nicht so recht warm, ich hatte von ihr mehr Unterstützung gegenüber Freddie erwartet.

Die Krimistory fängt recht interessant an und ist nicht so leicht zu durchschauen, leider blieb die Spannung durch die recht häufig eingebauten Yoga-Übungen besonders im Mittelteil dann doch etwas auf der Strecke. Erst zum Ende legt die Story wieder an Tempo zu, leider hat mir der übergreifende Spannungsbogen doch sehr gefehlt.

Eine unterhaltsame Krimistory mit reichlich Yoga-Content und viel Zeeland-Flair, aber zu wenig Spannung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2024

Eine unterhaltsame Geschichte für zwischendurch

Die Eisfischerin vom Helgasjön
0

Frieda Lambertis Roman "Die Eisfischerin vom Helgasjön" erscheint im Harper Collins Verlag.

Rieke und Marco sind seit sieben Jahren ein Paar und machen zum ersten Mal getrennt Urlaub. Wegen einer Knieverletzung ...

Frieda Lambertis Roman "Die Eisfischerin vom Helgasjön" erscheint im Harper Collins Verlag.

Rieke und Marco sind seit sieben Jahren ein Paar und machen zum ersten Mal getrennt Urlaub. Wegen einer Knieverletzung kann Rieke den geplanten Skiurlaub nicht mitmachen, Marco fährt mit Freunden in die Berge. Doch durch einen glücklichen Zufall hat Rieke Glück im Unglück, sie erfüllt sich ihren Kindheitstraum und reist nach Lappland. Zufällig trifft sie dort auf ihren ehemaligen Studienkollegen Theo, was ihre Gefühle ins Wanken bringt. Hat die Beziehung mit Marco noch eine Zukunft?

Rieke reist nach Lappland, dem Ziel ihrer Kindheitsträume. Sie genießt die langschaftliche Schönheit und trifft unverhofft auf Theo, für den sie Gefühle entwickelt, aber sie muss trotzdem immer noch an Marco denken.

Mit Rieke wurde ich nicht so recht warm, weil ich ihre teilweise naive Art nicht so recht einschätzen konnte. Und Marco wird als Unsympath dargestellt, der Rieke nach der Verletzung im Stich lässt und allein wegfährt. Da habe ich mich schon gefragt, wenn er wirklich so mies ist, warum war Rieke dann so lange mit ihm zusammen. Natürlich ist Theo aus ganz anderem Holz geschnitzt, er umsorgt Rieke, sie entwickelt Gefühle für Theo, aber er hat Frau und Kinder und die Lappland Reise endet schneller als erwartet.

Der flüssige und unterhaltsame Erzählstil Frieda Lambertis hat Zugkraft und ich habe trotz einiger Vorahnungen den Roman gespannt bis zum auflösenden Ende gelesen. Doch die Handlung ist mir teilweise einfach nicht packend genug, es fehlt an Tiefgang und die Geheimnisse einiger Charaktere sind irgendwie zu konstruiert und für mich nicht so recht nachvollziehbar.

Angefixt vom Buchtitel hatte ich mich sehr auf das Leben in Lappland und speziell aufs Eisfischen gefreut. Leider erlebt Rieke diese Aktion nur ein einziges Mal. Warum sie gleich mehrere Fische angelt, aber keinen einzigen davon ausnehmen kann, hat mich enttäuscht. Das sollte man sich doch vorher überlegen. Dafür bin ich genüsslich in das Setting dieser schwedischen Landschaft eingetaucht und habe mir die Polarlichter beim Lesen vorgestellt.

Dieser Roman zeigt eine junge Frau in ihrer Selbstfindungsphase, es ist eine unterhaltsame Geschichte für zwischendurch mit ein wenig skandinavischem Flair.