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Veröffentlicht am 27.06.2022

Spannung um Körper-Kunst

Kalte Körper
3

Er ist von sich eingenommen und schroff, intelligent und messerscharf im Beobachten - Hagedorn hat‘s drauf. Wer den Profiler, er würde Fallanalytiker bevorzugen, noch nicht kennt, der hat was verpasst. ...

Er ist von sich eingenommen und schroff, intelligent und messerscharf im Beobachten - Hagedorn hat‘s drauf. Wer den Profiler, er würde Fallanalytiker bevorzugen, noch nicht kennt, der hat was verpasst. Im dritten Teil um den außergewöhnlichen Charakter lernt man ihn an einem Tiefpunkt kennen. Der Verlust der geliebten Tochter hat dazu geführt, dass er sich eingeigelt und von der Außenwelt abgekapselt hat. Ruhe findet er nicht, sodass er nachts samt Hund stundenlang unterwegs ist - und dabei prompt auf eine Leiche stößt.

Es ist der Auftakt einer ganzen Serie von aufgefundenen Leichen, spektakulär inszeniert und öffentlich zur Schau gestellt. Und mit deren Auftauchen treten auch ein paar der ganz großen Fragen in den Mittelpunkt, die über das Lesevergnügen hinaus zum Nachdenken anregen: Was ist Kunst? Wer darf beurteilen, ob es noch Kunst oder schon ethisch anstößig ist? Und was sagt das über den Künstler aus, der im Laufe seines Dasein zwangsläufig mit dem Bedeutungsverlust konfrontiert ist? Diese und weitere Fragen, wie etwa auch die nach den Gründen für Menschen zum Suizid, werden dabei so gekonnt in die Handlung eingewebt, dass sie nicht zuletzt darum, noch lange nachwirken.

Dass der Leser trotz der detailliert geschilderten Vorgänge bei der Haltbarmachung von Leichen dennoch nicht um seinen Nachtschlaf gebracht wird, ist dem unaufgeregten Erzählstil geschuldet. Hagedorn ist nämlich nicht allein, sondern gewinnt sein Profil auch durch sein mit viel Sympathie gezeichnetes Umfeld, insbesondere sein Side-Kick Bannert und Kripo-Chefin Adler. Inklusive überraschendem Ausgang. Und „Kalte Körper“ ist nicht nur spannend, gut zu lesen und leicht verständlich, es ist auch informativ selbst für Krimi-Leser, in deren Bücherregal schon jede Tötungsart ein Plätzchen beansprucht. Ich werde hier gern noch mehr Platz freischaufeln - Hagedorn ist gekommen, um zu bleiben!

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Veröffentlicht am 16.03.2024

Dreifachmord vor Urlaubskulisse

Mörderisches La Rochelle
1

Lust auf einen mörderischen Kurztip an die französische Atlantikküste? Dann sind Sie mit „Mörderisches La Rochelle“ sehr gut beraten. Teil 2 des Romans von Jean-Claude Vinet um den sympathischen Kommissar ...

Lust auf einen mörderischen Kurztip an die französische Atlantikküste? Dann sind Sie mit „Mörderisches La Rochelle“ sehr gut beraten. Teil 2 des Romans von Jean-Claude Vinet um den sympathischen Kommissar Chevalier besticht dabei auf mehreren Ebenen. Auch wer Teil 1 nicht gelesen hat, findet schnell hinein in die Lebens- und Arbeitswelt der Hauptfigur. Das liegt vor allem daran, dass es der Autor gekonnt versteht, die persönlichen Verhältnisse Chevaliers, die wunderbar beschriebene Landschaft, eben das „Savoir vivre“ des Settings, und ein brutales Verbrechen miteinander zu verweben. Dass eben jener Dreifachmord vor solch idyllischer Kulisse stattfindet, ist keine literarische Seltenheit. Aber man muss es eben auch überzeugend machen. Und das macht Vinet! Er liefert nicht nur einen spannenden und komplexen Fall, an dem sich Hobbyschnüffler die Zähne ausbeißen und der - das darf verraten werden - auf den letzten Metern noch eine Überraschung bereithält. Er versteht es auch, viel Lokalkolorit und überraschende Entwicklungen einzubauen, was insgesamt zu bester Unterhaltung und sogar Neuem Wissen beiträgt. Und der Krimi plätschert auch nicht so dahin, wie man das Krimis mit Urlaubsflair so gern nachsagt, sondern man muss sich schon angesichts eines großen Pools an Verdächtigen (und ihren französischen Namen) ordentlich konzentrieren.

Insgesamt ein lesenswerter Krimi, der mir nicht nur wegen der französischen Leckereien im Gedächtnis bleiben wird. Empfehlenswert für kalte Winterabende zum Wegträumen oder für sonnige Sommerwochenende - egal wann, hier liest man gern mehr!

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Veröffentlicht am 30.08.2023

Downton Abbey meets Hercule Poirot

Die Dreitagemordgesellschaft
1

Wer hat in einem herrschaftlichen Haus den Überblick? Na klar, die Haushälterin! Kein Wunder also, dass Autorin Colleen Cambridge, gerade weil es sich um das Haus von Agatha Christie handelt, die allwissende ...

Wer hat in einem herrschaftlichen Haus den Überblick? Na klar, die Haushälterin! Kein Wunder also, dass Autorin Colleen Cambridge, gerade weil es sich um das Haus von Agatha Christie handelt, die allwissende Phyllida Bright ins Rennen um die Aufklärung eines Mordes schickt. Aber nicht nur, dass sie das tut, vor allem das Wie beschert Lesern ein besonderes Vergnügen. Denn diese Phyllida ist das absolute Gegenteil dessen, was man sich unter einer Haushälterin vorstellt: jung, rothaarig, neugierig, frech, selbstbewusst, loyal, wagemutig und eine Spur burschikos, und dennoch standes- und verantwortungsbewusst. Sie ist der absolute Mittelpunkt des Buches, dem es nicht an Figuren und Verdächtigen mangelt. Der Leser tappt dabei lange Zeit ob des Täters im Dunkeln, wird aber mit detailreichen Schilderungen von Hausangestellten und Gästen und ihren Beziehungen untereinander unterhalten. Hier braucht‘s eine Extraportion Konzentration, um den Überblick nicht zu verlieren. Entschädigt wird der Leser aber immer wieder mit viel Charme, der die Zeilen durchdringt, und einem Erzählstil, der so herrlich antiquiert wirkt und gerade deshalb zum großen Plus des Buches zählt. Und wer sich fragt, was eigentlich die Polizei zur Aufklärung der Verbrechen beiträgt, dem kann man gleich vorweg sagen: nichts. Und auch weil die „Profis“ so inkompetent wirken, scheint Phyllida umso strahlender. Übrigens: Die Liebe kommt etwas kurz, aber da liegt was in der Luft - und das ist fast schöner, als wenn Phyllida gleich auch noch das große Glück gefunden hätte.

Mein Fazit: Bei der „Dreitagemordgesellschaft“ treffen Downton Abbey und Poirot in weiblicher Ausführung zu einem unterhaltsamen Lesespass zusammen. Cosy Crime at its best - Teil 2 sollte nicht zu lange auf sich warten lassen!

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Sommerlektüre mit einem Hauch Spannung

Stralsund ermittelt - Tote Dichter schreiben nicht
0

Rein in den Strandkorb, die Beine hoch, eine Hand am kühlen Getränk - und jetzt „Stralsund ermittelt“ vor die Nase! Krimi-Fans dürfen sich auf einen unterhaltsamen Cozy-Krimi freuen, in dem es nach einem ...

Rein in den Strandkorb, die Beine hoch, eine Hand am kühlen Getränk - und jetzt „Stralsund ermittelt“ vor die Nase! Krimi-Fans dürfen sich auf einen unterhaltsamen Cozy-Krimi freuen, in dem es nach einem beschaulichen Start und dem Kennenlernen der Figuren natürlich um (mehr als einen) Mord geht. Vor allem diejenigen, die es weniger blutig mögen, kommen dabei auf ihre Kosten, denn bei der Auflösung steht das Rätseln und mühsame Aufdröseln der Hintergründe im Vordergrund. Aber eben nicht nur das: Was den Roman ausmacht, ist vor allem das sympathische Ermittler-Trio, das Team Weingold. Jeder einzelne von ihnen, allen voran Nele, wird mit seinen Eigenarten und den dazugehörigen zwischenmenschlichen Verwicklungen (ja, auch in Liebesdingen prickelt’s etwas) vorgestellt - nett, aber noch mit Luft nach oben. Die Autorin hat Mut zur Lücke und löst eben nicht alle Rätsel vollends auf. Alle, die Band 1 von „Stralsund ermittelt“ nicht kennen, werden zwar dennoch ihren Spaß haben. Es drängt sich mir aber der Eindruck auf, dass noch viele Fragen offen sind, deren kreative Beantwortung den Figuren und damit der Reihe mehr Tiefe verleihen würden. Was hat es zum Beispiel mit der rätselhaften Birdie auf sich, der wunderbar angelegten Nachbarin, der unbedingt mehr Raum gegeben werden sollte. Ein bisschen mehr Tiefgang, sowohl was Figuren als auch die Ereignisse rund um den Kriminalfall angehen, wäre wünschenswert. Und dennoch: Der 2. Band von „Stralsund ermittelt“ ist gut zu lesen - ein leichter Sommer-Krimi, der ohne zu viel geistige Aufregung und in bester Urlaubsstimmung genossen werden kann!

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Veröffentlicht am 30.03.2022

Frischer Wind am Hobbydetektivinnen-Himmel

Mörderische Brise
2

Eine Portion Seemannsgarn, eine Prise Historie, eine Pastorin mit Detektivsinn, die den Neubeginn in der alten, neuen Heimat wagt - das sind die Zutaten des Krimis Mörderische Brise“. Der titelgebende ...

Eine Portion Seemannsgarn, eine Prise Historie, eine Pastorin mit Detektivsinn, die den Neubeginn in der alten, neuen Heimat wagt - das sind die Zutaten des Krimis Mörderische Brise“. Der titelgebende Wind ist ein handfester Sturm, in dessen Zuge ein Todesopfer zu beklagen ist. Die Polizei tappt im Dunkeln - und der Leser ist fast schon dankbar, dass sich die plötzlich zur Hobby-Miss-Marple avancierten Pastorin der Aufklärung annimmt. Doch auch sie ist wie ihr Publikum lange ratlos, welches der möglichen Motive, von denen die Verdächtigen sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld viele haben, ausschlaggebend für das Verbrechen sein könnte. Was dem Krimi aber wirklich den besonderen Pfiff gibt und ihn zu einer gut lesbaren und vergnüglichen Kost macht, das ist die überaus sympathische Figurenzeichnung. Ob es die Protagonistin selbst ist, ihre neuen Freundinnen und überhaupt alle Charaktere - sie alle sind derart einnehmend und charmant geschildert, das man sich wohlig zurücklehnt und sicher weiß, am Ende kommt die Wahrheit ans Licht, alle liebgewinnen Figuren bleiben unbeschadet, ein Wiedersehen bzw. - lesen ist möglich. Dabei kommt durchaus auch Spannung auf, aber sie bleibt im gut verträglichen Promille-Bereich. Mein Fazit: „Mörderische Brise“ ist ein wirklich unterhaltsamer Krimi, der vor allem für alle geeignet ist, die sich weniger für die blutigen Details und die psychologischen Beweggründe des Täters interessieren, sondern vielmehr am Zwischenmenschlichen der Figuren vor herrlicher Kulisse interessiert sind. Fortsetzung gewünscht? Auf jeden Fall, die Pastorin wird sicher jetzt erst so richtig zur Höchstform auflaufen. Und das will ich keinesfalls verpassen!

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