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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2017

So spannend und gegen den herkömmlichen Strich erzählt, habe ich Weltgeschichte noch nicht wahrgenommen.

Die Geschichte der Welt
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Ewald Frie, Die Geschichte der Welt, C.H.Beck 2017, ISBN 978-3-406-71169-5

Ewald Frie, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Tübingen hat 2009 schon ein erstes historisches Buch unter dem ...

Ewald Frie, Die Geschichte der Welt, C.H.Beck 2017, ISBN 978-3-406-71169-5

Ewald Frie, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Tübingen hat 2009 schon ein erstes historisches Buch unter dem Titel „Das Schokoladenproblem“ vorgelegt, in dem er Kindern auf eine kindgerechte Weise die Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen erklärte und ihnen damit eine wunderbare Einführung in die Grundrechte bot und das, was eine Gesellschaft zusammenhält.

In seinem neuen hier vorliegenden, voluminösen, für Jugendliche und Erwachsene geeigneten und von Sophia Martinek hervorragend illustriertem Buch erzählt er die Geschichte der Welt erstmals ganz voraussetzungslos aus einer globalen Perspektive. Athen rückt so an den Rand, aber das traumhaft schöne Kilwa in Afrika wird niemand vergessen, der dieses mit wunderbarer Leichtigkeit geschriebene Buch gelesen hat.

Die Geschichte der Welt wird bis heute von Europa aus erzählt. Höchste Zeit für einen frischen Blick, dachte sich Frie. Denn Australien wurde vom Homo sapiens früher besiedelt als Europa. Menschen fuhren Tausende Kilometer über den offenen Pazifik, als die Römer noch ängstlich an der Küste entlangsegelten. Die Pyramiden und Städte Amerikas können es mit Babylon und Ägypten aufnehmen. Und während Westeuropa in der Neuzeit Glaubenskriege führte, erstreckte sich ein multikultureller Handelsraum von Ungarn bis Südindien. Aber natürlich geht es auch um die Barbaren im Abendland: Ewald Frie erzählt von ihren Entdeckungen und Eroberungen, ihren Revolutionen und Kriegen, die die Welt verändert haben. Seitdem wird unser Planet zu einer globalen Megacity, in der sich die Reichen von den Armen abschotten und trotzdem alle miteinander vernetzt sind.

So spannend und gegen den herkömmlichen Strich erzählt, habe ich Weltgeschichte noch nicht wahrgenommen.

Veröffentlicht am 11.10.2017

Ein wunderschönes Märchen, das aber nach Erklärungen der vorlesenden Erwachsenen verlangt.

Der selbstsüchtige Riese
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Oscar Wilde, Lisbeth Zwerger, Der selbstsüchtige Riese, minedition 2017, ISBN 978-3-86566-348-1

Für diese, nun in der Miniversion von Minedition erschienene Ausgabe von Oscar Wildes Kunstmärchen „Der ...

Oscar Wilde, Lisbeth Zwerger, Der selbstsüchtige Riese, minedition 2017, ISBN 978-3-86566-348-1

Für diese, nun in der Miniversion von Minedition erschienene Ausgabe von Oscar Wildes Kunstmärchen „Der selbstsüchtige Riese“ hat Lisbeth Zwerger schon 1984 bei seinem ersten Erscheinen mit bezaubernden Bildern genau die Stimmung geschaffen, in der sich diese berührende Geschichte abgespielt haben könnte.

Als dieser große Mann von einer langen Reise zurückkehrt, stellt er fest, dass sich fröhliche und spielende Kinder in großer Zahl in seinem Garten eingerichtet haben. Er jagt sie zornig weg und verbietet ihnen jeglichen weiteren Zutritt. Ein Schild an der Tür zum Garten droht jedem Zuwiderhandelnden Strafe an.

Als nach einigen Monaten der Frühling nach einem langen Winter kommt, wollen die Vögel in seinem Garten nicht singen und die Bäume nicht blühen. Doch eines Morgens, geweckt durch seltsame und liebliche Musik, entdeckt er aus seinem Fenster schauend in seinem Garten neben vielen anderen Kindern einen kleinen zarten Jungen, der ihn schlussendlich erkennen lässt, dass er mit dem Vertreiben der Kinder im letzten Sommer einen großen Fehler gemacht hat.

Christliche Anklänge (der kleine Junge hat Stigmata Christi an seinen Händen) machen den Tod des Riesen auch für die zuhörenden Kinder erträglich: Der Junge sagt zu dem Riesen: „Du ließest mich in deinem Garten spielen, heute sollst du mit mir in meine Garten kommen, welcher das Paradies ist.“

Ein wunderschönes Märchen, das aber nach Erklärungen der vorlesenden Erwachsenen verlangt.


Veröffentlicht am 04.10.2017

Ein schönes, warmherzig von Eve Tharlet illustriertes Bilderbuch, das Kindern und Eltern Mut macht, sich gegenseitig ernst zu nehmen.

Zu groß oder zu klein
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Catherine Leblanc, Eve Tharlet, Zu groß oder zu klein, minedition 2017, ISBN 978-3-86566-311-5

Der kleine Bär Martin macht mit seinen Eltern bei den verschiedensten Gelegenheiten die Erfahrung, dass sie ...

Catherine Leblanc, Eve Tharlet, Zu groß oder zu klein, minedition 2017, ISBN 978-3-86566-311-5

Der kleine Bär Martin macht mit seinen Eltern bei den verschiedensten Gelegenheiten die Erfahrung, dass sie ihn für manches zu klein und für wiederum anderes zu groß halten. Für die Babyflasche ist er zu groß, für das Essen mit Messer und Gabel zu klein. Für das Festhalten an seinem Kuscheltier ist er zu groß, für Papas Handy zu klein. Und so macht er viele Erfahrungen. Das macht ihn unglücklich und er beschließt, dass es so nicht weitergehen kann. Martin dreht den Spieß um.
Als sein Vater nicht an das oberste Regal seines Bücherschranks kommt, sagt er ihm, er sei zu klein. Und als er seine Mutter dabei beobachtet, wie sie einen Finger ins Marmeladenglas steckt um zu naschen, sagt er ihr, dafür sei sie doch nun wirklich zu groß.

Beide Eltern verstehen sofort, was ihr Kind ihnen damit sagen will und gemeinsam finden sie heraus, was sie gemeinsam machen können, und wofür niemand zu klein oder zu groß ist: sich kitzeln, sich Geschichten zu erzählen und gemeinsam Unfug und Quatsch zu machen.

Für gemeinsame Unternehmungen ist niemand zu klein oder zu groß. Ein schönes, warmherzig von Eve Tharlet illustriertes Bilderbuch, das Kindern und Eltern Mut macht, sich gegenseitig ernst zu nehmen.

Veröffentlicht am 04.10.2017

„Machen wir den Familientisch wieder zu einem zentralen Bestandteil unseres Familienlebens. Nicht jeden Tag wird das Familienglück mit am Tisch sitzen, aber ich glaube fest daran: Gemeinsam essen macht Familie stark.“

Essen kommen
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Jesper Juul, Essen kommen. Familientisch-Familienglück, Beltz 2017, ISBN 978-3-40786478-9

Der mittlerweile nach schwerer Krankheit seit längerer Zeit schon an den Rollstuhl gefesselte Jesper Juul hat ...

Jesper Juul, Essen kommen. Familientisch-Familienglück, Beltz 2017, ISBN 978-3-40786478-9

Der mittlerweile nach schwerer Krankheit seit längerer Zeit schon an den Rollstuhl gefesselte Jesper Juul hat ein neues Buch geschrieben über ein meiner Meinung nach zentrales Thema gelungenen Familienlebens und gelungener Erziehung von Kindern.

Es geht um die Wiederbelebung des Familientisches als Zentrum des Familienglücks. Gemeinsames Essen schon beim unter der Woche sicher kurz bleibenden Frühstück, ein längeres, vielleicht zusammen selbst gekochtes und zubereitetes Essen am Tag nach getaner Arbeit bzw. Schule identifiziert Juul als wichtiges Ritual nicht nur für die gemeinsame Nahrungsaufnahme, sondern auch als Forum für Gespräche, Austausch und Gemeinschaftspflege.

In vier Schritten, die er jeweils mit leckeren und leicht zuzubereitenden Rezepten abschließt, schreibt er einladend und werbend über die „Eltern als Gastgeber“, über das gemeinsame Essen als „Salz in der Suppe guter Beziehungen“, über „Tischmanieren“ und über „Konflikte rund um den Esstisch“.

In einem Nachwort ermutigt er alle seine Leser zu einer Art Neuanfang: „Machen wir den Familientisch wieder zu einem zentralen Bestandteil unseres Familienlebens. Nicht jeden Tag wird das Familienglück mit am Tisch sitzen, aber ich glaube fest daran: Gemeinsam essen macht Familie stark.“

Der Rezensent kann das seit 14 Jahren als Familienvater nur bestätigen.




Veröffentlicht am 04.10.2017

Eine romantische Liebesgeschichte voller wunderbarer Reminiszenzen an die beiden Städte, die immer wieder mit der Liebe in Verbindung gebracht werden: Paris und Venedig.

Das Café der kleinen Wunder
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Nicolas Barreau, Das Cafe der kleinen Wunder (tb), Piper 2017, ISBN 978-3-492-31053-6

Der neue Roman von Nicolas Barreau (mir ist es gleich, ob das ein Pseudonym ist oder nicht) erzählt wieder einmal ...

Nicolas Barreau, Das Cafe der kleinen Wunder (tb), Piper 2017, ISBN 978-3-492-31053-6

Der neue Roman von Nicolas Barreau (mir ist es gleich, ob das ein Pseudonym ist oder nicht) erzählt wieder einmal von einer jungen Frau, die durch viele Widrigkeiten hindurch ihre Angst und Zurückhaltung überwindet und nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihrer großen Liebe findet. Barreaus Romane sind für Leser großer „wertvoller“ Literatur sicher wenig geeignet. Aber wer sich, wie der Rezensent, zwischendurch gerne einmal von einem durchaus anspruchsvollen Liebesroman entführen und unterhalten lassen will, findet immer wieder großen Gefallen an ihnen.

Der neue Roman mit dem Titel „ Das Cafe der kleinen Wunder“ hat es mir schon von Anfang an angetan, weil Barreau seine Protagonistin, die Philosophiestudentin Nelly, sich mit den Theorien des Franzosen Paul Virilio beschäftigen lässt und sie dem Leser auch auf eine verständliche Weise nahe bringt.
In ihren Professor, ein Virilio-Spezialist, ist sie schon lange heimlich verliebt. Als sie ihre Masterarbeit über Virilio, seine Wissenschaft von der Dromologie und seine Theorie vom Rasenden Stillstand abgibt, will sie ihm seine Liebe gestehen. Doch noch bevor sie einen langen Brief übergibt, erzählt der ihr, dass er ihr die versprochene Stelle nicht geben könne, das er sich in eine italienische Kollegin verliebt habe und nach Italien gehe.

Nelly ist am Boden zerstört, kauft sich spontan die begehrte rote Handtasche, an der sie schon tausend Mal vorbeigelaufen ist und flieht in ihre Wohnung. Dort findet sie eine Kiste mit zahlreichen Büchern ihrer verstorbenen Großmutter. In einem der Bücher und auf einem Granatring, den ihr die Großmutter überlassen hat, findet sie eine Gravur, die sie berührt: Amor vincit omnia. Überzeugt davon, dass ihre Flugangst Schuld daran ist, das ihr Professor mit eben dieser italienischen Wissenschaftlerin nach New York geflogen ist, statt mit ihr, die zunächst eingeladen war, hebt sie ihr Erspartes ab, mietet sich über das Internet eine Wohnung in Venedig und begibt sich auf sie Suche nach den Spuren dieser Widmung.
Dort trifft sie durch Zufall den Italiener Valentino, der ihr mehrfach aus der Patsche hilft und sich sofort in Nelly verliebt. Doch die zögert und halt ihn für einen Gigolo.

Dennoch kommen sie sich näher, erst recht, als Nelly im Cafe von Valentinos Vater sich den Spuren ihrer Großmutter nähert und deren Liebesgeschichte.

Als sich Valentino fast zwei Wochen für Nelly ziemlich rar macht, um mit Hilfe von Freunden an einer Riesenüberraschung zu arbeiten, mit der er ihr seine Liebe gestehen will, glaubt Nelly schon das auch bei ihr keimende zarte Pflänzchen verloren. Doch dann muss sie sich ihrer größten Angst stellen…

Mit vielen Wendungen, die immer wieder neue Geheimnisse hervorbringen, die dem Leser erst allmählich deutlich werden, erzählt Barreau eine romantische Liebesgeschichte voller wunderbarer Reminiszenzen an die beiden Städte, die immer wieder mit der Liebe in Verbindung gebracht werden: Paris und Venedig.