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Veröffentlicht am 27.03.2024

Gefangen auf Java

Und Großvater atmete mit den Wellen
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„Ich tue, was ich tun muss, ertrage, was ich ertragen muss, und vergesse, was ich vergessen muss, um durchhalten zu können.“ (Ärztin Dr. Melrose, kindle, Pos. 1585)

1943, weitab von Heimat und Krieg sind ...

„Ich tue, was ich tun muss, ertrage, was ich ertragen muss, und vergesse, was ich vergessen muss, um durchhalten zu können.“ (Ärztin Dr. Melrose, kindle, Pos. 1585)

1943, weitab von Heimat und Krieg sind die norwegischen Brüder Konrad und Sverre im Indischen Ozean an Bord der Anitra mit 13000 Tonnen Dieselöl unterwegs. Doch als die USA Japan den Krieg erklären, sind sie plötzlich auch hier in Gefahr. Nach einem Angriff auf das Schiff verlieren sie einander aus den Augen. Was erwartet die jungen Männer in der Nähe von Java, wie geht es in den hiesigen Krankenhäusern und japanischen Gefangenenlagern zu? Nach Teklas Geschichte in „Als Großmutter im Regen tanzte“ erfahren wir nun, wie es Großvater Konrad während der Kriegsjahre ergangen ist.

Juni Bjerke setzt sich nach dem Tod ihrer Mutter Lilla mit dem Schicksal ihrer Großeltern auseinander und erzählt im vorliegenden Roman über die schrecklichen Zeiten, welche ihr Großvater Konrad durchstehen musste, aber auch von Lichtblicken und von Momenten der Zuversicht, ohne die man kaum überleben konnte. Viele Dokumente und Berichte von Zeitzeugen untermauern die Kriegsgräuel, von denen hier zu lesen ist. Auch wenn die Handlung rund um Konrad und Sverre fiktiv ist, so liegen dieser doch wahre Begebenheiten zugrunde. Trude Teige versteht es, erschütternde Szenen zu schildern, und dort, wo es nötig ist, nur auf Andeutungen zurückzugreifen, ohne dem Leser allzu brutale Details zuzumuten. Viele Bücher handeln vom Zweiten Weltkrieg in Europa, Java unter japanischer Besatzung als Schauplatz ist eher unbekannt und daher besonders fesselnd und erschütternd ob der barbarischen Zustände, welchen die Gefangenen hier ausgesetzt sind. Bei ihrer sorgfältigen Recherche stößt die Autorin aber auch auf Hilfsbereitschaft, Kameradschaft und Hoffnung, an die sich die Internierten trotz aller Widrigkeiten klammern, um eines Tages wieder einfach nur frei zu sein.

Hervorragend schafft es Trude Teige, Realität und Fiktion zu einem bewegenden Roman zu verquicken, spürbare Emotionen und lebendige Figuren ziehen den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann. Bestimmt ist es extrem schmerzhaft, sich mit der Vergangenheit seiner eigenen Familie zu beschäftigen, insbesondere, wenn es so einschneidende und dramatische Zeiten betrifft wie hier bei Konrad. All das Erlebte hat ja auch immer Auswirkungen auf die jeweiligen Nachkommen. Umso mehr danke ich Trude Teige dafür, die beiden Bücher über Großmutter und Großvater verfasst zu haben und das zusammengetragene Wissen mit sehr vielen Lesern zu teilen. Mir bleibt nur, eine Empfehlung aus tiefstem Herzen auszusprechen für beide Romane, welche mich sehr berührt haben.

Veröffentlicht am 21.03.2024

Eine Pastorin auf Föhr

Liebe von Meer zu Meer
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Pastorin Paula Ahmling ist eine früh verwitwete Alleinerzieherin von drei Kindern. Als sich die Gelegenheit ergibt, mietet sie für ein Jahr lang eine Doppelhaushälfte auf der Insel Föhr, um die reetgedeckte ...

Pastorin Paula Ahmling ist eine früh verwitwete Alleinerzieherin von drei Kindern. Als sich die Gelegenheit ergibt, mietet sie für ein Jahr lang eine Doppelhaushälfte auf der Insel Föhr, um die reetgedeckte Kate am Meer zu suchen, in der ihr verstorbener Ehemann Tom glückliche Stunden bei seiner Oma Margrethe verbracht hat. Ob sie das Häuschen finden wird und was Föhr sonst noch alles zu bieten hat? Auf in den Norden mit der sympathischen Paula, ihren Kindern Marie, Mats und Lisbeth, sowie Hund Boomer, Kater Mr. Stringer und Ratte Ratatouille!

Wunderbare Landschaftsbilder von Föhr untermalen diesen wunderbaren Roman von Heike Denzau, welche nicht nur fesselnde Krimis zu Papier bringt, sondern auch warmherzige Geschichten wie diese, die einem einfach nahe gehen und das Gute im Menschen in den Vordergrund rücken. Humorvolle Szenen mit lebhaften Kindern und feldwebelähnlichen Nachbarn, wehmütige Episoden im Gedenken an den verstorbenen Ehemann und Vater, hoffnungsvolle Momente auf dem Weg zu Toms Kindheit im reetgedeckten weißen Friesenhäuschen – abwechslungsreich und voller unterschiedlicher Facetten aufgrund der mitunter recht gegensätzlichen Figuren präsentiert sich dieser neue Roman aus der Feder Heike Denzaus und lädt ein an den schönen Nordseestrand im Verlauf der Jahreszeiten. Man spürt die Verbundenheit der Autorin zu diesem Landstrich, fühlt sich schnell wohl in der Umgebung und mit den meisten Personen, welche bestens vorstellbar in die Handlung eingeflochten sind. Besonders gut gefällt mir Hauptfigur Paula, die stets bemüht ist, wohlwollend über ihre Mitmenschen zu denken und mit ihren Gedichtzitaten und Sprüchen auch schwierigen Situationen positive Aspekte abgewinnen kann.

Überraschungen erwarten den Leser ebenso wie ein sehr stimmiges Ende dieser überaus liebenswerten Geschichte. Einige Ohrwürmer (That´s Amore, Que sera, Que sera, whatever will be, will be,... oder Unchained Melody) werden mich wohl noch länger begleiten. Ich hatte eine wunderbar unterhaltsame Lesezeit und empfehle „Liebe von Meer zu Meer“ sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 18.03.2024

Lili auf Mörderjagd

Mord in der Wiener Werkstätte
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Im Jahre 1906 in Wien lebt Liliane, Lili, Feigl gemeinsam mit ihrem Vater am heruntergekommenen Magdalenengrund, auch Ratzengrund genannt, und erwirtschaftet ihr karges Leben mit gefälschten Dokumenten ...

Im Jahre 1906 in Wien lebt Liliane, Lili, Feigl gemeinsam mit ihrem Vater am heruntergekommenen Magdalenengrund, auch Ratzengrund genannt, und erwirtschaftet ihr karges Leben mit gefälschten Dokumenten und kleinen Diebstählen. Als sie von Kommissar Max von Krause am Naschmarkt erwischt wird, lässt dieser die im Grunde recht sympathische junge Dame laufen, unter der Bedingung, dass sie sich eine „anständige Arbeit“ sucht. So landet sie durch einen glücklichen Zufall als Putzfrau in der Wiener Werkstätte, wo sich allerdings nur wenige Tage später ein Mord ereignet. Und wieder taucht Max von Krause auf und wundert sich über Lilis Anwesenheit neben der Leiche.

Ein wunderbares Ambiente aus historischen Plätzen in Wien und der Kunst aus der bekannten Wiener Werkstäte liefert die Kulisse zu diesem phantastischen neuen Krimi aus Beate Malys Feder. Hinter dem wunderschönen Titelbild verbirgt sich ein ebenso fesselnder wie unterhaltsamer Ermittlungsfall mit exzellent ausgearbeiteten Figuren. Wie gewohnt, besticht Maly durch einen recht einnehmenden Schreibstil und bildhafte Szenen, wer lässt sich da nicht gerne an historische Schauplätze entführen, an den Naschmarkt mit seinen Düften und Marktstandlern, ins Café Griensteidl, das aktuell Reil heißt oder in die Wiener Werkstätte, wo auch zahlreiche Frauen Kunst entwerfen dürfen. Dass ausgerechnet eine Taschendiebin in einen Mordfall verwickelt wird und dann noch an dessen Aufklärung mitwirkt, passt perfekt ins Konzept. Die Dialoge gestalten sich spritzig und rücken auch die Polizei in ein etwas humorvolles Licht. Die Handlung ist gut durchdacht und lädt ein zum Miträtseln, die Aufklärung ist schlüssig und lässt keine Wünsche offen, außer, dass man vielleicht Spaß hätte an einer Fortsetzung mit Lili und Krause.

Hervorragende Unterhaltung bietet Beate Maly auch mit diesem Buch, lebendige Wien-Szenen und interessante Mordermittlungen sorgen für kurzweilige Lesestunden. Eine klare Empfehlung für Freunde des historischen Kriminalromans!

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Veröffentlicht am 18.03.2024

Die nächste Generation

Für immer, dein August (Mühlbach-Saga 2)
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Nach Ende des Ersten Weltkriegs heiraten die Freunde aus Kindertagen, Lotte und August, und gründen eine Familie. Obwohl sie beide Außenseiter in Mühlbach in der Pfalz sind, genießen sie ihr Glück, bis ...

Nach Ende des Ersten Weltkriegs heiraten die Freunde aus Kindertagen, Lotte und August, und gründen eine Familie. Obwohl sie beide Außenseiter in Mühlbach in der Pfalz sind, genießen sie ihr Glück, bis der nächste Weltkrieg seine Schatten vorauswirft. Ein grandioser zweiter Teil der Mühlbach-Saga nimmt seine Leser gefangen …

Mit dem achtzehnjährigen August, der 1918 in England als Musikant in Gefangenschaft gerät, knüpft Band Zwei direkt an seinen Vorgänger, „In Liebe, deine Lina“ an. Auch diesmal beeindruckt Autorin Barbara Leciejewski mit ihrer empathischen, warmherzigen Schreibweise und schildert einfühlsam die Erlebnisse ihrer Vorfahren. Teilweise werden Briefe und andere Quellen wörtlich in den Text übernommen, teils lehnt sich die Geschichte an an Erzählungen aus der Verwandtschaft - insbesondere von Mutter Martha, teils werden natürlich auch einige fiktive Szenen eingeflochten. So gelingt es Leciejewski, einen durchgehend hohen Spannungsbogen zu erzeugen und den Leser auch auf den letzten Seiten noch zu überraschen. Schreckliche Bilder aus den Kriegen, derer Lottes Vater Kurt drei erleben musste, finden ebenso Eingang in die Erinnerungen, wie auch schöne Details von Hochzeiten und Geburten und der steten Hoffnung auf eine friedvolle Welt, in der alle Menschen gleich und gleichberechtigt sind. Sehr fein arbeitet die Autorin ihre Figuren heraus und lässt Bilder aus längst vergangenen Jahrzehnten wieder wach werden, die zarte Liebe zwischen Lotte und August ebenso wie den immer weiter um sich greifenden Nationalsozialismus. Ohne Schönfärberei werden Tatsachen zu Papier gebracht, gefühlvoll, aber keineswegs klischeehaft werden Momente eingefangen, die es wert sind, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Auch dieser Teil der Mühlbach-Saga überzeugt auf ganzer Linie, sprachgewandt, detailgetreu, traurig und hoffnungsvoll schildert Barbara Leciejewski, wie es damals war, wie es ihrer Großmutter als „Bankert“ ergangen ist, wie ihre Mutter als Städterin aus Bremen ihre Schwierigkeiten hatte, im kleinen Mühlbach wieder Fuß zu fassen. Ich empfehle dieses Buch von Herzen gerne weiter, nach Möglichkeit sollte man „In Liebe, deine Lina“ noch davor lesen.

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Veröffentlicht am 11.03.2024

Alte Knochen

Lügendorf
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Am Bachufer in ihrer Mühlviertler Heimatgemeinde geht Diana spazieren, als ein paar Kinder aufgeregt einen sonderbaren Fund vermelden: tatsächlich sind hier die alten Knochen eines menschlichen Skelettes ...

Am Bachufer in ihrer Mühlviertler Heimatgemeinde geht Diana spazieren, als ein paar Kinder aufgeregt einen sonderbaren Fund vermelden: tatsächlich sind hier die alten Knochen eines menschlichen Skelettes durch den Regen freigespült worden. Es handelt sich um die Überreste der vor vierzehn Jahren verschwundenen Stefanie, welche von daheim weglaufen wollte. Nun fühlt die Polizei allen damaligen Mitgliedern der Jugendclique sehr genau auf den Zahn, zunehmend geraten Diana und ihre beste Freundin Nora unter Verdacht.

Kurzweilig geht es zu in diesem dritten Teil der Serie „Diana Heller“, wer – so wie ich – erst jetzt neu einsteigt, hat vielleicht da und dort etwas aus Dianas Privatleben verpasst, für die aktuellen Mordermittlungen allerdings wird genug aus der Vergangenheit wiederholt, sodass man sich schnell sehr gut zurechtfindet. Einige Dialoge im Dialekt und Grias di als Gruß bringen Lokalkolorit ins Geschehen, Mühlviertler Spezialitäten am Tisch sorgen für die passende kulinarische Note. Daneben gibt es allerhand Verdächtige, die etwas mit dem Tod von Steffi zu tun haben könnten, mysteriöse Ereignisse in Dianas altem Bauernhaus sorgen für eine entsprechende gruselige Atmosphäre. Wirklich arg zum Fürchten wird es aber dann zum Glück doch nicht, auch wenn gegen Ende zu einige Szenen den Leser den Atem anhalten lassen. Erwähnenswert ist auch eine schwarz-weiße Katze namens Hedwig, welche Diana in einsamen Stunden Gesellschaft leistet und für allerlei Vermutungen Anlass gibt. So entsteht aus verschiedensten Puzzleteilen ein gelungenes Ganzes, am Ende bleiben auch im logisch aufgebauten Kriminallfall keinerlei Fragen offen.

Eva Reichls beschwingter Schreibstil entführt den Leser für spannende Stunden ins schöne Oberösterreich, die Ermittlungen aus Dianas Sicht zu verfolgen, hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn die Reihenfolge nicht korrekt ist, so bin ich nun doch auch neugierig, was zuvor geschehen ist. Lügendorf kann ich schon einmal weiterempfehlen!