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Veröffentlicht am 14.04.2024

Über Neuanfänge und Familienbande

Zeit der Schwestern
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"Apfelblütentage" ist der Auftaktband einer Trilogie um die Schwestern Carolin, Romy und Veronika. Im ersten Band ist Carolin, die mittlere der drei Frauen, die Hauptprotagonistin. Nach dem Biologiestudium ...

"Apfelblütentage" ist der Auftaktband einer Trilogie um die Schwestern Carolin, Romy und Veronika. Im ersten Band ist Carolin, die mittlere der drei Frauen, die Hauptprotagonistin. Nach dem Biologiestudium hat die Weltenbummlerin nichts mehr in der Heimat gehalten und reist seitdem in der Weltgeschichte herum. Im Moment lebt am anderen Ende der Welt, in Neuseeland. Zum 70. Geburtstag ihrer Mutter Lotte reist sie nach vier Jahren wieder in ihre alte Heimat Überlingen am Bodensee. Im Garten unter blühenden Apfelbäumen soll die Feier stattfinden. Carolin freut sich auf die zwei Wochen Urlaub zuhause, die sie mit ihrer Familie verbringen möchte. Doch das Geburtstagsfest endet nach einem Vorfall früher als erwartet, denn Lotte hat für ihre Gäste eine unerwartet Neuigkeit. Während Carolin versucht ihre Eltern, sowie ihre beiden Schwestern - insbesonders die alleinerziehende und chaotische Romy mit ihren zwei Kindern - zu unterstützen, trifft sie auf einen alten Studienkollegen. Dieser lässt ihr Herz schneller schlagen, während ihre unverbindliche Affäre Jacob in Christchurch auf ihre Heimkehr wartet.

Tanja Huthmacher hat einen amüsanten und atmosphärischen Roman geschaffen, der manchmal etwas vorhersehbar ist, aber auch so einige Überraschungen birgt. Die Geschichte behandelt aber auch tiefgehende Probleme, wobei es hauptsächlich um Familienbande, Liebe und einen Neuanfang im Alter geht.
Die Charaktere sind bis hin in zu den Nebenfiguren wunderbar vielschichtig und peppen die Geschichte wirklich auf.

Carolin ist Schmetterlingsforscherin und Naturfotografin. Sie ist eine rastlose junge Frau, die sich weder beruflich, noch privat binden möchte. Sie braucht immer wieder etwas Neues und Abwechslung.

Romy ist alleinerziehend und mit ihrer Cateringfirma und ihren beiden Kindern etwas überfordert. Sie liebt es zu kochen und neue Köstlichkeiten zu kreieren. Ihr Sohn Vincent und ihre Tochter Luna sind von zwei verschiedenen Vätern. Sie ist herzlich und temperamentvoll.

Veronika, die ältere Schwester, ist das genaue Gegenteil von Romy. Sie ist die Konservativste der drei Schwestern. Veri ist begeisterte Winzerin und betreibt gemeinsam mit ihrem Mann ein Weingut. Die Beiden haben eine sechzehnjährige Tochter, Rosalie.

Die Autorin hat mit ihren bildhaften Beschreibungen rund um den Bodensee und der Blumeninsel Mainau ein tolles Ambiente geschaffen.
Umso beeindruckender war es für mich, dass passend zur Lektüre, die Apfelbäume auch bei mir zuhause geblüht haben.
Auf den letzten Seiten befinden sich noch ein paar Rezepte zum Nachmachen.

Ich habe mich beim Lesen sehr wohlgefühlt und werde auf jeden Fall auch noch die beiden Folgebände um Romy und Veronika lesen.

Fazit:
Ein sehr atmosphärischer und netter Auftakt dieser Trilogie um drei sehr unterschiedliche Schwestern. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und freue mich auf die weiteren Geschichten.

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Veröffentlicht am 09.04.2024

Schwere Zeiten

Blankenese - Zwei Familien
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Der zweite Band der Reihe schließt nahtlos an den Vorgänger an. Wir sind im Jahr 1939 und obwohl Band eins schon eine Weile her ist, war ich sehr schnell wieder in der Geschichte und hatte die einzelnen ...

Der zweite Band der Reihe schließt nahtlos an den Vorgänger an. Wir sind im Jahr 1939 und obwohl Band eins schon eine Weile her ist, war ich sehr schnell wieder in der Geschichte und hatte die einzelnen Charaktere sofort präsent.
Ich empfehle auf jeden Fall den ersten Band zuerst zu lesen, denn man bekommt dadurch mehr Bezug zu den einzelnen Figuren und kann das Geschehen besser einordnen.

Die Situation in Deutschland spitzt sich immer mehr zu. Die Familien Casparius und Jacobson einigen sich darauf, die Kinder nach Großbritannien zu verschicken. Max, der bereits Anfeindungen in der Schule erfährt, ist sofort damit einverstanden, während seine Zwillingsschwester Sonja in Hamburg bleiben möchte. Der erst zweijährige Michael bleibt indessen bei seiner Mutter Felicitas, während Schwester Charlotte ebenfalls mit dem Kindertransport nach London gebracht wird.

Gemeinsam mit Max und Charlotte macht sich auch Kurt Jacobson schweren Herzens auf die Reise, denn seine große Liebe Fanni hat keine jüdischen Wurzeln und arbeitet weiterhin als Kinderkrankenschwester. Dabei ist sie Kinderarzt Otto Casparius bald unabkömmlich, für den Fanni schon lange heimlich schwärmt.

Nach der Ankunft in London findet Charlotte bei einer vermögenden Familie ein neues Zuhause, währendessen werden Max und Kurt in einem Kinderheim untergebracht. Nach der Bombardierung Londons werden die beiden Jungen jedoch getrennt.
Kurt muss sich in England neuen Herausforderungen stellen und wächst bald über sich selbst hinaus. Seine Charakterentwicklung hat mir sehr gut gefallen und ich habe oft mit ihm mitgefiebert, wenn er in luftigen Höhen unterwegs war. Von Max und Charlotte erfährt man im Zuge des Romans leider kaum mehr etwas, was sich sehr schade fand.

Aber auch Sonja steht vor schweren Entscheidungen. Sie möchte die Reederei weiterführen, doch der normale Schiffsverkehr kommt während des Krieges bald zu erliegen und es kommt zu Zwangsenteignungen durch das NS-Regime. Um die Reederei halten zu können, muss Sonja einige Kompromisse eingehen...

Mehr möchte ich gar nicht verraten, denn es passiert noch so unglaublich viel in diesem zweiten Band, dass man oftmals kaum zum Luft holen kommt.

Der Schreibstil der Autorin ist wieder wunderbar bildhaft und lebendig. Das damalige Zeitgeschehen ist perfekt eingefangen. Man merkt, wie viel Michaela Grünig recherchiert haben muss, um authentische historische Begebenheiten miteinbeziehen zu können. Überraschende Wendungen lassen die Leser:innen auf den mehr als 500 Seiten kaum Luft holen.
Die Charakterentwicklung ist absolut gelungen. Man fühlt mit den Figuren mit. Besonders gut hat mir diesmal Kurt gefallen, der vom kleinen Jungen zu einem charakterstarken Mann wird, der vor großen Entscheidungen gestellt wird...

Einige Handlungsstränge haben großes Potential für den kommenden dritten Band, auf dem ich mich schon freue.

Fazit:
Eine packende Fortsetzung, die bereits Vorfreude auf den dritten Teil auslöst. Wieder eine gelungene Familiensaga mit historischen Hintergrund.

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 31.03.2024

Wahre Freundschaft

Freundinnen bleiben wir immer
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Judith und Eva sind seit Kindesbeinen an beste Freundinnen. Einmal im Jahr treffen sie sich für ein gemeinsames Mädelswochenende. Dieses Jahr ist Eva an der Reihe den Kurzurlaub zu planen. Judith freut ...

Judith und Eva sind seit Kindesbeinen an beste Freundinnen. Einmal im Jahr treffen sie sich für ein gemeinsames Mädelswochenende. Dieses Jahr ist Eva an der Reihe den Kurzurlaub zu planen. Judith freut sich auf einen aufregenden Städtetrip mit Kulturprogramm, doch Eva vergisst diesmal wegen einigen privaten Umständen diese ganz besonderen Tage vorzubereiten. Kurzentschlossen landen die beiden Frauen dann an der niederländischen Küste im Ferienhaus von Evas momentaner Affäre Timo. Endlich haben sie wieder Zeit ungestört miteinander zu plaudern und sich auszutauschen. Die Annahme, dass es "am Ende der Welt"etwas ruhiger zugehen wird, als im Kulturrausch in einer Stadt, entpuppt sich bald als falsch. Beide Frauen stecken in einer persönlichen Krise: Judith fragt sich, ob ihre Ehe noch Sinn macht und Eva ist erstmals so richtig verliebt und hat Angst vor einer festen Beziehung. Noch dazu ist ihr Auserwählter geschieden und hat zwei Töchter.
Obwohl sich hier vieles um die Beziehung zu ihren Männern dreht, steht die Freundschaft zwischen Judith und Eva im Vordergrund. Trotz ihrer Gegensätzlichkeit ergänzen sich die Beiden sehr gut und fangen sich gegenseitig auf.

Diese ganz besondere Frauenfreundschaft haben Heike Abidi und Ursi Breidenbach ganz wunderbar dargestellt. Judith und Eva erzählen im Wechsel aus ihrer Sicht. Dabei werden die Emotionen und Gefühle sehr authentisch beschrieben.
Die Charaktere sind - bis hin zu den Nebenfiguren - sehr lebendig dargestellt. Ich hatte das Gefühl alle selbst zu kennen und mitten in der Geschichte zu sein.

Die sehr stimmungsvollen Beschreibungen der Landschaft mochte ich ganz besonders. Die blühenden Tulpenfelder, die Dünenlandschaft, das Meer......alles wird sehr bildhaft dargestellt und hat mein Kopfkino angeregt. Am liebsten hätte ich sofort den Koffer gepackt und wäre Richtung Norden aufgebrochen.

Fazit:
Ein unterhaltsamer und berührender Roman über wahre Freundschaft, der in die Tiefe geht und mit einem tollen Setting punktet.

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Veröffentlicht am 18.03.2024

Temporeiches Katz- und Mausspiel

Zero Days
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Ruth Ware habe ich schon lange ins Auge gefasst. "Hinter diesen Türen" habe ich auf den SuB, aber immer wieder kommen andere Bücher dazwischen....ihr kennt das sicher auch.
Deshalb habe ich mir in der ...

Ruth Ware habe ich schon lange ins Auge gefasst. "Hinter diesen Türen" habe ich auf den SuB, aber immer wieder kommen andere Bücher dazwischen....ihr kennt das sicher auch.
Deshalb habe ich mir in der Bücherei den neuen Thriller "Zero Days" geschnappt, obwohl mir der Klappentext nicht zu 100% Prozent angesprochen hat.

Der Beginn hat mich allerdings sofort gefesselt. Wir begleiten Jacintha Cross, genannt Jack, bei einem Einbruch. Im Ohr hat sie ihren Ehemann Gabe, der ihr Hinweise gibt, falls Gefahr in Verzug ist. Er ist der Mann im Hintergrund, der die Sicherheitssysteme bei diversen Unternehmen infiltriert. Doch als Jack das Gebäude verlässt, wird sie festgenommen. Jack und Gabe sind sogenannte Pentester. Sie überprüfen Sicherheitssysteme gegen physische und psychische Angriffe auf Lücken. Doch bis Jack am Polizeirevier beweisen kann, dass sie nur ihren Job gemacht hat, dauert es diesmal sehr lange. Als sie völlig übermüdet nach Hause kommt, findet sie Gabe ermordet vor. Völlig verstört und fassungslos ruft sie die Polizei, erkennt jedoch bald, dass sie als Hauptverdächtige gilt. Es beginnt ein rasantes Katz- und Maus-Spiel, bei dem Jack an ihre Grenzen geht...

Wow! Das war ein richtiger Pageturner! Ich bin nur so durch den Thriller gerast. Das hohe Tempo und der rasante Schreibstil haben noch zusätzlich dazu beigetragen. Von Beginn an kommt man kaum Luft holen und man begibt sich mit Jack auf die Flucht. Sie geht auf Mörderjagd und möchte sich dabei selbst entlasten. Sehr hilfreich sind dabei ihre Fitness und ihre beruflichen Fähigkeiten.

Der Thriller wird aus der Sicht von Jack erzählt. Wir erhalten dabei Rückblenden in die Vergangenheit, die uns helfen Jack näher kennenzulernen und auch ihre familiäre Situation widerspiegelt.
Die Charakterdarstellung wirkt sehr authentisch, auch wenn Jack ab und zu überreagiert. Aber ich kann wirklich nicht sagen, wie ich selbst in dieser auswegslosen Situation handeln würde. Man fühlt und leidet die ganzen 384 Seiten mit ihr.
Die technischen Details sind verständlich und trotzdem unfassbar spannend und detailliert dargestellt. Als Laie konnte ich auch der der Handlung gut folgen.

Ruth Ware versteht es meisterhaft, in "Zero Days" Misstrauen und Zweifel zu säen und falsche Fährten zu legen. Trotzdem hatte ich bald einen Verdacht, der sich auch als richtig herausstellen sollte. Das hat der Spannung jedoch keinen Abbruch getan, denn das Motiv war mir noch immer ein Rätsel.
Auch wenn einiges ein bisschen zu sehr konstruiert erscheint, hat mir dieser Thriller richtig Spaß gemacht.


Fazit:
Ein temporeicher und actionreicher Thriller, der von Beginn an fesselnd erzählt wird. Das ist mit Sicherheit nicht mein letztes Buch der Autorin! Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.03.2024

Spannende deutsch-französische Geschichte

Töchter des Aufbruchs
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Maria W. Peter, die hier unter dem Pseudonym Marie Pierre schreibt, versteht es großartig, die Region Lothringen und das Saarland zur Zeit der Deutsch-Französischen Kriege zu beschreiben. Die Autorin hat ...

Maria W. Peter, die hier unter dem Pseudonym Marie Pierre schreibt, versteht es großartig, die Region Lothringen und das Saarland zur Zeit der Deutsch-Französischen Kriege zu beschreiben. Die Autorin hat selbst Familien auf beiden Seiten. Ich durfte bereits zwei ihrer historischen Romane lesen, die ebenfalls die deutsch-französische Geschichte beinhalten.

Diesmal befinden wir uns im Jahr 1910 im Reichsland Elsaß-Lothringen, dem heutigen Frankreich. Zu dieser Zeit ist die Bevölkerung bunt gemischt, jedoch gibt es einen Stützpunkt des preußischen Militärs in Thionville/Diedenhofen.

Die junge und engagierte Pauline Martin leitet in der Stadt eine höherer Töchterschule. Den größtenteils deutschstämmigen Einwohnern ist das Mädchenpensionat ein Dorn im Auge, denn Pauline lehrt auch französische Literatur. Außerdem ist sie eine gebildete und hübsche Frau, die nicht nur Wert auf gute Umgangsformen, sondern auch auf ein adrettes Aussehen achtet.
Als sich eines der Mädchen eines Nachts aus dem Pensionat schleicht, um einen deutschen Soldaten zu treffen, schrammt Pauline nur wenig an einem Skandal vorbei. Suzette, ihre aufmüpfige Nichte, lässt sich nämlich nichts gefallen und sieht durch ihre rosarote Brille nur den adretten Offizier, aber nicht die Gefahr, in die sie sich begibt. Als sie eines Morgens nicht auffindbar ist, wendet sich Pauline an Hauptmann Erich von Pliesnitz. Dieser ist alles andere als ein Frauenfreund, jedoch ist ihm ebenfalls an dem guten Ruf seiner Einheit gelegen und steht ihr bei. Langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden.
Als Leser nehmen wir auch am Leben im Mädchenpensionat Teil und erleben einige anregende Diskussionen in der Literaturstunde über Victor Hugos "Die Elenden".
Aber nicht nur Suzette bringt Pauline und das Pensionat immer wieder in Aufruhr. Suzettes Mitschülerin Louise hütet ein Geheimnis, genauso wie der undurchsichtige Gärtner Vincent Lehmann, der eine ganz bestimmte Rolle in der Geschichhte innezuhaben scheint.
Als Leser spekuliert man von Beginn an, warum er ausgerechnet bei Pauline im Mädchenpensionat Arbeit sucht. Erst am Ende wird sein Geheimnis gelüftet, was für einen guten Spannungsaufbau sorgt.

Der Schreibstil ist der damaligen Zeit angepasst und lässt sich trotzdem flüssig lesen. Die sehr lebendigen Beschreibungen der Charaktere und der Landschaft lassen das Kopfkino sofort anlaufen.

Maria W. Peter schafft es wieder mich von Beginn an zu fesseln. Neben den spannenden Plot schafft es die Autorin die geschichtlichen Hintergründe der Grenzregion anschaulich und informativ miteinzubinden. Sie hat sehr gründlich recherchiert und hat mir nebenher die Region sehr nahe gebracht. Als Österreicherin weiß man nicht sehr viel über diesen Landstrich und die ewigen Kämpfe zwischen Frankreich und Deutschland, wenn man sich vorher nicht schon mehr damit befasst hat.

Hier erlebt man Geschichtsunterricht auf abwechslungsreiche Weise!

Fazit
Marie Pierre alias Maria W. Peter lädt uns auf eine spannende Reise nach Lothringen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Ein absolut gelungener Reihenauftakt ihrer "Pensionat an der Mosel" Trilogie.

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