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Venatrix

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Veröffentlicht am 02.04.2024

Endlich ein sachliches Buch zur Klimadebatte

Im Namen des Klimas
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Endlich ein intelligentes Buch zur Klimadebatte, das sachlich mit diesem komplexen Thema umgeht! Für mein persönliches Empfinden gibt es nämlich viel zu wenig politische Sachbücher, die von Frauen verfasst ...

Endlich ein intelligentes Buch zur Klimadebatte, das sachlich mit diesem komplexen Thema umgeht! Für mein persönliches Empfinden gibt es nämlich viel zu wenig politische Sachbücher, die von Frauen verfasst sind. Bücher, die sich sachlich mit jenen Themen, die jeden von uns betreffen, auseinandersetzen, abseits von populistischen und polemischen Geschrei und Geschwurbel.

Dieses neue Buch von Elisabeth Zehetner ist mutig, sinnvoll und notwendig zugleich. Mutig, weil es dem Trend des demonstrativen „Dagegenseins“ widerspricht, notwendig, weil es eine Menge Informationen bereithält und sinnvoll, weil es ein Thema behandelt, bei dem es um viel geht und wir alle betroffen sind. Elisabeth Zehetner setzt sich in ihrem Buch mit der Instrumentalisierung von Medien und Institutionen durch den Klima-Aktivismus bewusst differenziert auseinander. Die aktuelle Ausgangslage und Zukunftsszenarien werden sachlich dargestellt. Zahlreiche Abbildungen ergänzen den Text.

Elisabeth Zehetner ist Geschäftsführerin von „oecolution austria“ und zeigt, in welche Sackgassen einseitiger Klimaaktivismus führen kann und blendet auch die Argumente der Leugner des Klimawandels nicht aus.
In insgesamt neun Thesen zeigt sie in ihrer konstruktiven Streitschrift, wie der Fokus wieder auf die sachliche Ebene zurückgeführt werden kann. Unbestritten ist, dass weltweit Maßnahmen gesetzt werden müssen.

Zu vernünftigem Klimaschutz gibt es keine Alternative - zu Panik sehr wohl
Die Endzeitstimmung in der Klimadebatte schadet der Sache
Die extremen Positionen der Klimaaktivisten sind eine Gefahr für die Demokratie
Die Ideologisierung von Klimaschutz fördert Technologiefeindlichkeit
Die Instrumentalisierung von Gerichten und Medien durch die Klimaaktivisten ist ein Problem
Klimaschutz braucht die Mitte der Gesellschaft und alle Generationen
Wirtschaftliches Wachstum ist die Grundlage für den Klimaschutz - nicht Schrumpfung
Technologien sind unser mächtigster Hebel für eine bessere Klimazukunft
Der Klimaschutz ist EIN wichtiges Ziel für Österreichs Zukunft

Elisabeth Zehetner nennt sich selbst „Öko-Optimistin“ - eine Wortschöpfung, die mit gut gefällt - und erklärt, was sie darunter versteht. Sie lädt ein, dem Thema Klimaschutz mit Offenheit, Zuversicht und Vertrauen statt mit aggressiver Ignoranz und lähmender Panikmache entgegenzutreten. Beim Thema Klimaschutz gibt es kein schwarz oder weiß, kein Allheilmittel. Es ist notwendig, alle erlernten Kulturtechniken einzusetzen, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.

Elisabeth Zehetner liegt es ganz besonders am Herzen, dass sich die Politik von radikalisierten Klimaaktivisten nicht erpressen lässt, wie es in der Stadt Hannover bereits passiert ist. Einige dieser radikalen Klimaaktivisten haben autoritäres Gedankengut, das die Demokratie aushebeln könnte. Mit einem autoritären Staat ist für den Klimaschutz nicht gewonnen. Es würde nur eine kleine elitäre Gruppe oder gar ein Einzelner über Wohl oder Weh entscheiden.

Die Gestaltung der Zukunft ist ein äußerst komplexes Thema, das sich sich nicht ausschließlich auf den Klimaschutz fokussieren kann.

„Während Klimaaktivisten sich nur auf das eine Ziel ‚Klimaschutz‘ konzentrieren, müssen wir für eine gute und sichere Zukunft Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Nachhaltigkeit gemeinsam verwirklichen. Das erfordert ein Mindset in Politik und Gesellschaft, das auf Vernunft und Machbarkeit setzt“ (S. 144)

Um unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft bieten zu können, bedarf es wirtschaftlicher Vernunft, intelligente neue Technologien sowie ein gemeinschaftliches Zusammenarbeiten aller Gesellschaftsschichten und aller Generationen. Extremismus, egal ob links oder rechts oder religiös motiviert, hat hier keinen Platz.

„Wir stehen Umweltproblemen nicht machtlos gegenüber. Wir können sie lösen - mit vernünftigen Maßnahmen.“

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem intelligenten Buch, das sich einerseits kritisch mit dem Aktionismus, der sich in Sachen Klimaschutz breit gemacht auseinandersetzt und andererseits dafür plädiert, mit mehr Vernunft der Zukunft entgegenzugehen, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 28.03.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Glück in Bad Ischl
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Chefinspektor Martin Glück flüchtet vor dem Glück, seiner Jugendliebe Rosemarie bei den Hochzeitsvorbereitungen helfen zu müssen. Für beide ist es die zweite Ehe und dennoch sieht er dieser Wiederholung ...

Chefinspektor Martin Glück flüchtet vor dem Glück, seiner Jugendliebe Rosemarie bei den Hochzeitsvorbereitungen helfen zu müssen. Für beide ist es die zweite Ehe und dennoch sieht er dieser Wiederholung mit gemischten Gefühlen entgegen. Da kommt ihm der drängende Wunsch seiner alten Kärntner Freundin Romana, nach Bad Ischl zu reisen, um sich der Drohbriefe, die Mike Hansen, ihr Ex-Lover erhält, der nun mit einer reichen Erbin verheiratet ist und in Ischl ein Hotel führt, anzunehmen, gerade recht. Martin Glück findet die Ausrede elegant, ja beinahe grenzgenial, und überlässt das Feld der Hochzeitsvorbereitungen seiner Braut und seiner Mutter.

Nach einer nicht ganz unkomplizierten Fahrt in einem E-Auto in Bad Ischl angekommen, geht er es einmal ruhig an und hängt seinen eigenen Gedanken nach, genießt den berühmten Zauner-Stollen in der gleichnamigen Konditorei. Wenig später gibt es die erste Leiche. Mozart liegt tot im Garten. Glück stochert zunächst inkognito ein wenig herum und hört sich bei Petra, Elisabeths Freundin um.

Das Hotelier-Ehepaar hat mit dem üblichen Sisi-und-Franzl-Gedöns, pardon mit der k.und k.Tradition, wenig am Hut und daher ein Stress mit den Obmännern der Traditionsvereine. Und dass Mike die „Metallica“ für ein Konzert als modernen Beitrag für das Jahr der Kulturhauptstadt vorschlägt, sorgt für Aufruhr. Dass Mike kein Guter ist, erfahren die Leser vor Martin Glück, der allerdings deutlich sieht, wie es sein kann, wenn die Ehefrau vermögend und der Ehemann ein armer Schlucker ist. Ob ihm mit Rosie ähnliches blüht?

Noch während er noch über den Sinn der Ehe nachdenkt, trifft die Nachricht ein, dass Elisabeth Hansen bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist.

Jedenfalls hört Martin Glück genau hin, als die vor kurzem in Ischl angekommene Romana über Mikes Kindheit und ihre gemeinsame Vergangenheit erzählt. Als sich herausstellt, dass die Bremsen von Mikes Auto manipuliert worden sind und daher ein Mord vorliegt, ersucht die örtliche Polizei Martin, sie zu unterstützen, zumal gerade ein tödlicher Bergunfall gemeldet wird. Doch, dass Martin ermitteln soll, stößt nicht unbedingt auf Gegenliebe bei den Ischlern:

„Ich mag keine Wiener. Ich mag keine Polizisten. Und Wiener Polizisten mag ich schon gar nicht.“

Sollte wirklich Elisabeth sterben, oder hat der Anschlag eher Mike gegolten? Immerhin wird er ein paar Tage später am Golfplatz von einer Drohen attackiert. Aber, ist es wirklich so einfach?

Meine Meinung:

Dieser siebente Krimi mit Chefinspektor Martin Glück wirkt ein wenig nachdenklich, fast schon melancholisch auf mich. Es ist keine Kleinigkeit, Ehemann einer steinreichen Witwe nach einem russischen Oligarchen zu werden. Prinzgemahl sozusagen, ein ähnliches Schicksal wie Prinz Philipp, der immer zwei Schritte hinter seiner Lilibeth, pardon Queen Elizabeth, hinterher dackeln musste. Seinen Beruf müsste er auch aufgeben, will er das? Kein leichte Entscheidung, doch die ist nun wieder einmal ein bisschen hinausgeschoben.

Mir gefallen die leisen Töne, die das Autorinnen-Duo anschlägt, dennoch ist auch dieser Krimi spannend. Das komplizierte Geflecht der Beziehungen in einer Kleinstadt, in der man sich ständig über den Weg läuft, mitunter verwandt, verschwägert oder sonst irgendwie verbandelt ist, bietet eine interessante Kulisse.

Wie wir es von den Autorinnen schon kennen, sind einfache Auflösungen ihre Sache nicht. Und so kommt es doch anders, als vermutet.

Fazit:

Auch der siebente Krimi mit Chefinspektor Martin Glück hat mir gut gefallen, weshalb er 5 Sterne von mir erhält.

Veröffentlicht am 28.03.2024

Kein Urlaub für KHK Pia Korritki

Ostseefinsternis
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In diesem, ihren 19. Fall will Pia Korittki nichts anderes, als gemeinsam mit ihrem Sohn Felix und Lebenspartner Marten die Ferien an der Ostsee verbringen. Wieder einmal wird nichts draus, denn auf Grund ...

In diesem, ihren 19. Fall will Pia Korittki nichts anderes, als gemeinsam mit ihrem Sohn Felix und Lebenspartner Marten die Ferien an der Ostsee verbringen. Wieder einmal wird nichts draus, denn auf Grund der Personalnot muss Pia in den Nachbarort, an dem sich ein unklarer Todesfall ereignet hat, Nachschau halten.

Der geneigte Leser weiß, was nun folgen wird: Statt mit ihren Männern die Ostsee zu genießen, muss Korittki ermitteln, denn es stellt sich heraus, dass der Tote, Benno Hagendorf, vergiftet worden ist. Sofort werden von den Dorfbewohnern die Mitglieder der Familie Böttcher als mögliche Täter präsentiert, liegen doch erstens die Familien Hagendorf und Böttcher seit Generationen im Clinch und andererseits wurde Stella Böttcher erst vor kurzem überfallen. Pikanterweise haben Benno und Stella eine Liebschaft, was von keiner der Familien gut geheißen wird, zumal Benno verheiratet ist.

Gemeinsam mit ihrem alten Kollegen Broders versucht Pia Korittki die Wahrheit herauszufinden. Doch nach jeder Vernehmung scheint die Anzahl der Verdächtigen zuzunehmen.

Als sich dann noch herausstellt, dass Felix gemeinsam mit den Töchtern eines verdächtigen Paars einen Schwimmkurs besucht, bekommt ihre latente Angst um Felix wieder neue Nahrung. Natürlich hängt auch der Haussegen ein wenig schief.

Meine Meinung:

Dieser Krimi schließt ziemlich nahtlos an den Vorgänger („Ostseenebel-18“) an. Pia und Marten probieren das Zusammenleben, zumal jetzt endgültig klar ist, dass Felix ihr gemeinsamer Sohn ist. Das weiß er allerdings noch nicht. Diese Ferienwoche soll so etwas wie ein „Beschnuppern“ im Alltag sein. Pia macht sich natürlich große Sorgen, doch die sind, wie man sehen wird, unbegründet.

Und Pia ist nicht die einzige, die private Probleme wälzt, auch ihr alter Kollege Broders, der mit einem Mann zusammenlebt, hat so seine Sorgen, wenn auch der anderen Art.

Der mühsame Alltag der Ermittler wird recht authentisch geschildert. Nicht wilde Verfolgungsjagden prägen die Arbeit, sondern mühevolle Kleinarbeit mit schweigsamen, lügenden oder auch aggressiv auftretenden Familienmitgliedern, ist eher die Regel.

Erst recht spät wird der Grund der Familienfehde enthüllt, der wieder beweist, dass der gefährlichste Ort für Mädchen und jungen Frauen die eigene Familie ist.

Eva Almstädt legt wieder zahlreiche Spuren, die vielfach in Sackgassen münden. Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt flüssig und locker, leicht zu lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 19. Fall für Pia Korittki 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.03.2024

Eine Meuterei im Kontext der Geschichte

Meuterei im Paradies
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Wer „Bounty“ sagt und nicht den gleichnamigen Schokoriegel meint, denkt unwillkürlich an den Hollywoodfilm aus 1962 mit Marlon Brando als Fletcher Christian, jenen charismatischen Anführer jener Besatzungsmitglieder, ...

Wer „Bounty“ sagt und nicht den gleichnamigen Schokoriegel meint, denkt unwillkürlich an den Hollywoodfilm aus 1962 mit Marlon Brando als Fletcher Christian, jenen charismatischen Anführer jener Besatzungsmitglieder, die sich gegen den Leute schindenden Kapitän William Bligh, auflehnten. Doch was als Stoff für Hollywood und andere Verfilmungen gedient hat und noch immer dient, entspricht nicht immer den Tatsachen.

Die Meuterei, wie sie in Filmen und Romanen beschrieben worden ist, hat es so nicht gegeben. Simon Fürchtenschnieder rekonstruiert an Hand von Briefen, Log- und Tagebüchern sowie den Akten aus dem Prozess um Kapitän William Bligh die Geschichte, die hinter den Abenteuerromanen steckt.

Der Autor schildert die Reise der Bounty, die Meuterei und das Schicksal der Besatzungsmitglieder sowie jenes von Kapitän Bligh und den anderen achtzehn, die in einem kleinen Beiboot ausgesetzt werden.

Und genau hier setzt das Buch ein: William Bligh, der Seekarten und andere wichtige Unterlagen sowie wenigen nautischen Instrumente und Waffen, ausgestattet ist, gelingt das Husarenstück nach 3.618 Seemeilen (rund 6.700 km) und 28 Tagen, am 14. Juni 1789, in Osttimor anzulegen. Nicht alle Gefährten haben überlebt. Bereits 1791 macht Blight sich auf, den eigentlichen Auftrag der „Bounty“, nämlich Brotfruchtbäume von Tahiti auf die Westindischen Inseln zu bringen, zu erfüllen. Diese Bäume sollen die Sklaven in den Zuckerrohrplantagen billig ernähren.

Genau einen Monat nach Blighs Ankunft in Osttimor, also am 14. Juli wird in in Paris die Bastille von der hungernden Bevölkerung gestürmt: Startschuss für eine Revolution, die nicht nur König und Königin die Köpfe kostet, sondern einen mehr als 25-jährigen Krieg entfesselt, der erst 1815 beendet werden kann.

Der Autor geht der Frage nach, ob zwischen der Meuterei und der Revolution ein Zusammenhang stehen könnte. Hier wie dort werden durch eine kleine Gruppe streng hierarchische (Macht)Strukturen ausgehebelt.

Anhand von weiteren Beispielen erzählt Simon Fürchtenschnieder, dass Meutereien auf Schiffen keine Seltenheit waren. Er beleuchtet die Rolle der Royal Navy bei wissenschaftlichen Expeditionen, die auch gleichzeitig bislang unbekannte Territorien für die Krone in Besitz nahm, sowie deren Interesse an Stützpunkten, die sowohl Handels- als auch militärischen Interessen dienten.

Wir erfahren einiges über die Betriebsformen von Zuckerrohrplantagen, das Leben der Sklaven sowie die Handelsschifffahrt. Simon Fürchtenschnieder ist Anglist und Geschichtswissenschaftler, der sich ganz der britischen Seefahrtsgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts verschrieben hat. In diesem Buch kann er aus dem Vollen schöpfen.

Jede These ist wissenschaftlich fundiert dargelegt, was auch die mehr als 150 Seiten von Quellen, weiterführender Literatur sowie zahlreichen Abbildungen belegen.

Sprachlich ist das dann nicht ganz so perfekt. Immer wieder gibt es Redundanzen. Allerdings ist das Buch im Gegensatz zu anderen Bücher über die „Meuterei auf der Bounty“ kein Abenteuerroman.

Ach ja, Kapitän Bligh ist in einem Prozess vor dem Seegericht übrigens vom Vorwurf der Leuteschinderei frei gesprochen worden. Ohne Disziplin und Hierarchie kann der Alltag an Bord nicht funktionieren.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem informationsreichen Buch, das einen interessanten Einblick in eine spannende Epoche bietet, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.03.2024

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Kriminalistinnen. Acht Schüsse im Schnee
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Man schreibt den März im Jahre 1970. Die sechs Aspirantinnen für den Kriminaldienst durchlaufen die verschiedenen Abteilungen. Nach wie vor werden sie als „Experiment“ geführt und manche der Vorgesetzten ...

Man schreibt den März im Jahre 1970. Die sechs Aspirantinnen für den Kriminaldienst durchlaufen die verschiedenen Abteilungen. Nach wie vor werden sie als „Experiment“ geführt und manche der Vorgesetzten sehen mit skeptischen Blicken auf die jungen Damen, die aus unterschiedlichen Gründen bei der Polizei angeheuert haben. Die Bewährungsprobe ist dann der Mord an Millionär Theo Ellerbeck, der vor seiner Villa mit acht Schüssen getötet wird. Lucia Specht, derzeit gerade der Sitte zugeteilt, wird in das Mordermittlerteam eingebunden, da sie am Tag zuvor Ellerbecks minderjährige Tochter Michaela bei einer Razzia in einer Disco mit einem gefälschten Ausweis aufgegriffen hat. Das Mädchen will nur mit Lucia sprechen. Michaela gibt an, den Mord vom Küchenfenster gesehen haben zu wollen.

Die Ermittlungen laufen im Düsseldorfer Polizeipräsidium auf Hochtouren, war doch Ellerbeck ein Mann mit großen Einfluss. Feinde, so sagen die Menschen in seinem Umfeld, hatte er keine. Warum also, wurde er dann regelrecht hingerichtet? Wer profitiert von seinem Tod? Je tiefer Lucia Specht und ihre KollegInnen in den Fall eindringen, desto mehr Widersprüche kommen zum Vorschein.

Meine Meinung:

Dieser zweite Krimi rund um die sechs ersten weiblichen Kriminalbeamten für die Bereiche Gewaltverbrechen in Deutschland ist an ein wahres Verbrechen angelehnt. Bisher werden Polizistinnen eher für Recherchearbeit oder bei der Sitte oder zur Unterstützung der Fürsorge eingesetzt.

Ich kenne den ersten Fall „Der Tod des Blumenmädchens“ leider nicht und habe den schon bestellt. Es gibt zwar einige Rückblenden, was die Herkunft und die Motivation der jungen Frauen in den Kriminaldienst einzutreten betrifft. Im vorliegenden Fall ist Lucia Specht quasi die Hauptperson. Sie will den mysteriösen Tod ihre Mutter aufklären und nützt dafür den Polizeiapparat.

Mir hat dieser zweite Krimi aus dieser Reihe, die hoffentlich noch einige Fortsetzungen haben wird, sehr gut gefallen, vor allem auch deswegen, weil er uns die Zeit von 1970 näherbringt. Ehefrauen dürfen nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Ehemanns arbeiten, was bei Petra, die mit einem Staatsanwalt verheiratet ist und von einem Team, das gemeinsam Verbrecher jagt träumt, mit häuslicher Gewalt endet.

Andererseits sind die Frauen ständig sexuellen Belästigungen durch Kollegen und Vorgesetzte ausgesetzt. Das Abweisen von Avancen mündet häufig in Versetzung in das sprichwörtliche „Besenkammerl“ und schlechter Beurteilung. Wie sich die Frauen gegen diese Übergriffe wehren, ist unterschiedlich. Lilly nimmt seit einiger Zeit an einem Boxtraining teil, während Lucia es bislang geschafft hat, ihre Widersacher verbal niederzuringen.

Daneben sind noch zahlreiche Kollegen wie Müller, die schon während der NS-Zeit bei der Polizei waren und ihre Ansichten über Frauen und Homosexuelle nicht geändert haben. Einige der Männer fühlen sich quasi kastriert, wenn nun auch weibliche Kriminalbeamte Waffen tragen dürfen. Also eine Gemengelage, die es in sich hat.

Die Charaktere sind sorgfältig und ziemlich authentisch dargestellt. Die Frauen zeichnen sich durch den Zusammenhalt in ihrer Gruppe aus und stellen Fragen, die Männer so nicht in den Sinn gekommen wären. Das liest sich dann so:

»Ich habe da einen Gedanken«, sagte sie laut, »hört mal bitte zu.«
Menden blieb stehen. Wir sahen Mieze aufmerksam an.

»In meiner Zeit bei der Vermisstenabteilung habe ich eines gelernt: Wenn Menschen freiwillig verschwinden, ist es so, dass sie sich an Orten aufhalten, an denen sie sich sicher fühlen. Orte, die anonym sind oder die sie aus ihrer Vergangenheit kennen, die positiv belegt sind für sie oder einen Sehnsuchtsort darstellen. Ich dachte mir gerade: Was ist, wenn es bei Michaela anders ist? Wenn für sie der beste Ort, um sich zu verstecken, der wäre, an dem sie niemand vermutet? Ein Ort, den sie selbst furchtbar findet. Denn dort würden wir nicht suchen.«

Mieze sah uns erwartungsvoll an. Menden drehte sich langsam um die eigene Achse. Er straffte die Schultern und sah zu Lenzian.

»Warum kommst du nicht auf solche Ideen?«, sagte er zu ihm.

Der Kriminal Theo Ellerbeck ist komplex und führt sowohl Ermittler als auch uns Leser in so manche Sackgasse. Die Auflösung ist für mich nicht ganz überraschend, aber schlüssig.

Der Cliffhanger auf den letzten Seiten ist echt fies!

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der uns in das Jahr 1970 und in die Anfänge der weiblichen Kriminalpolizei zurückführt, 5 Sterne.