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Veröffentlicht am 28.10.2024

Faszinierend und befremdlich

Die Mitford Schwestern
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“Die Mitford Schwestern” ist das sechste Buch von Marie Benedicts Reihe “Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte”, die bei Kiepenheuer & Witsch erscheint. Ins Deutsche übersetzt wurde es von Karen ...

“Die Mitford Schwestern” ist das sechste Buch von Marie Benedicts Reihe “Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte”, die bei Kiepenheuer & Witsch erscheint. Ins Deutsche übersetzt wurde es von Karen Gerwig und Marieke Heimburger.

Benedict entführt die Leser:innen in die englische Highsociety der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Mitford Schwestern, Töchter einer Adelsfamilie in der finanziellen Abwärtsspirale, beschäftigen die gesellschaftliche, politische und literarische Szene Englands, während der Faschismus sich in Europa ausbreitet und schliesslich der Zweite Weltkrieg ausbricht. Die Autorin beleuchtet die Schriftstellerin Nancy aus der Ich-Perspektive, während sie den Weg der Schwestern Unity und Diana in die Arme des Faschismus in drittpersonal verfassten Kapiteln beschreibt. Mir persönlich hat diese stilistische Form sehr zugesagt, denn die kurzen Kapitel eröffnen einen intensiven, persönlichen und zugleich multiperspektivischen Blick auf ein Ereignis und/oder Thema im Verlauf einer mehrere Jahre umfassenden Geschichte. Besonders faszinierend fand ich Benedicts Geschick dabei, jeder der drei Schwestern eine eigene Erzählstimme zu verleihen. Und dadurch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten auch im Rhythmus und Ton der jeweiligen Kapitel abzubilden.
Auch inhaltlich hat sich dieser multiperspektivische Stil meiner Meinung nach ausgezahlt. Ich gebe gerne zu, dass die Glorifizierung der faschistischen Anführer, insbesondere Hitlers, durch die Augen der beiden jüngeren Mitford Schwestern mitunter befremdlich zu lesen war. Die schnellen Kapitelwechsel, die Distanz durch die dritte Person und die Relativierung durch die Nähe zur kritisch(er)en Nancy haben das unangenehme Gefühl von Scham abgemildert und das Lesen, wenn schon nicht genussvoll, dann doch zumindest sehr interessant gemacht. Für mich hat die Geschichte und der Stil jedenfalls einen enormen Sog entwickelt, der mich nur so durch das Buch hat fliegen lassen. Die immer wieder aufblitzende Tendenz zur Wiederholung hat mein Leseerlebnis nur am Rande und punktuell beeinträchtigt.
Etwas unschlüssig bin ich hinsichtlich der inhaltlichen Tiefe bezüglich der Beweggründe der beiden faschistischen Schwestern. Unity wird vor allem als eine Art Fangirl dargestellt, das dem Charisma Hitlers und dem Personenkult um ihn verfallen scheint. Und obwohl immer wieder erwähnt wird, dass sie seit langem eine glühende Faschistin sei, erhält diese Feststellung nie sehr viel mehr Substanz. Dianas Beweggründe erhalten zwar einerseits mehr Erklärung und ihre Motive für ihr Engagement werden klar, fussen aber schlussendlich immer in einer befremdlichen Ergebenheit männlichen Charismas. Ob dieses persönliche und etwas unbehagliche Gefühl von Unvollständigkeit am Buch selbst und der Autorin liegt oder ob es ein grundsätzliches Unvermögen ist, den damals herrschenden Zeitgeist mit meiner “modernen” Sozialisation vollends zu erfassen, vermag ich nicht abschliessend zu beurteilen. Ich tendiere aber zur Vermutung, dass mehr möglich gewesen wäre.

Abschliessend und grundsätzlich kann ich festhalten, dass “Die Mitford Schwestern” für mich eine sehr spannende Lektüre war, die mich inhaltlich zu fesseln und stilistisch zu überzeugen vermochte. Marie Benedict hat mir Personen näher gebracht, die ich bisher noch nicht einmal dem Namen nach kannte, mir eine Welt gezeigt, mit der ich mich noch selten auseinander gesetzt habe und mich in einen Zeitgeist abtauchen lassen, der trotz oder gerade wegen seiner Befremdlichkeit neugierige Faszination und viel Reflexion bei mir ausgelöst hat.

Herzlichen Dank an den Verlag und das Team Vorablesen für das Rezensionsexemplar! Meine Meinung bleibt - wie immer - trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 16.08.2024

Gute Unterhaltung

Jezebel Files - Wenn der Golem zweimal klingelt
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“Wenn der Golem zweimal klingelt” ist der erste Teil der vierbändigen “Jezebel Files” von Debora Wilde, übersetzt von Julia Schwenk und erschienen beim Second Chances Verlag. Vielen Dank an den Verlag ...

“Wenn der Golem zweimal klingelt” ist der erste Teil der vierbändigen “Jezebel Files” von Debora Wilde, übersetzt von Julia Schwenk und erschienen beim Second Chances Verlag. Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar - meine Meinung gehört natürlich trotzdem mir.

Ashira Cohen ist eine weltliche Privatdetektivin. Jedenfalls glaubte sie das. Ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf setzt aber in mehrfacher Hinsicht unmögliche Fähigkeiten frei. Und dann sind da diese Schatten, die Nefesh - magisch begabte Menschen - befallen und töten. Wenn Ash die verschwundene Meryem finden will, bleibt ihr unter diesen Umständen gar nichts anderes übrig, als mit ihrer Nemesis aus Jugendtagen, Levi Montefiore, zusammenzuarbeiten.

Dieser Urban Fantasy Krimi war nicht nur aufgrund der überschaubaren Seitenzahl schnell weggelesen. Die Handlung schreitet zügig voran, das Worldbuilding erschliesst sich mit Fortschreiten der Geschichte und befeuert damit die Neugier der Leser*innen. Sprachlich ist die Erzählstimme dem Charakter der erzählenden Protagonistin angepasst - ironisch, sarkastisch. Das sorgt für einen flotten Fluss und Humor - obwohl für mich dabei auch mal die Grenze zur unlustigen Übertreibung angekratzt bis überschritten wird. Ash ist eine interessante, initiative Protagonistin, die mit charakterlichen Facetten, einer stringenten Backstory und Cleverness überzeugt. Der Plot bleibt durchgehend spannend, wobei ich als Leserin aber auch mal von den Ereignissen - und den nicht immer ganz ausformulierten Schlussfolgerungen der Protagonistin - abgehängt wurde und gedanklich erst später aufholen konnte. Der romantische Subplot war annehmbar, zumal die beiden Betroffenen wohl eine gemeinsame Geschichte verbindet - die spice Szenen waren hingegen eher awkward (ja, dazu fällt mir kein passendes deutsches Wort ein).

Insgesamt war “Jezebel Files - Wenn der Golem zweimal klingelt” gute Unterhaltung für zwischendurch. Und bei Gelegenheit werde ich mir auch gerne die anderen Bände zu Gemüte führen - auch wenn das keine Eile hat.

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Veröffentlicht am 03.04.2024

Spannend, aber nicht mein Thema

Die falsche Schwester - Verschließ die Augen vor der Lüge
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“Die falsche Schwester” ist der dritte Band der Reihe “Wem vertraust du? Psychologische Thriller von Rose Klay”. Es scheint sich dabei aber eher um eine thematische Reihe zu handeln, denn dieser Band ist ...

“Die falsche Schwester” ist der dritte Band der Reihe “Wem vertraust du? Psychologische Thriller von Rose Klay”. Es scheint sich dabei aber eher um eine thematische Reihe zu handeln, denn dieser Band ist ein abgeschlossener Einzelband, der keinerlei Vorkenntnisse der anderen Bücher erfordert. Erschienen ist das Buch bei beTHRILLED - vielen Dank an den Verlag und das Team von Lesejury für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung ist natürlich trotzdem meine eigene.

Vor 25 Jahren ist Mila verschwunden - die älteste Tochter der Boskamps, einer schwerreichen Unternehmerfamilie. Obwohl keine Kosten und Mühen gescheut wurden, blieb das Mädchen verschwunden und die Familie traumatisiert zurück. Als es nun endlich einen neuen Hinweis zu geben scheint, verschwindet wieder ein Kind der Familie. Effies Tochter Lulu wird aus dem Kindergarten entführt. Das kann einfach kein Zufall sein! Und Effie ist überzeugt: Will sie Lulu wiederbekommen, muss sie herausfinden, was damals mit ihrer älteren Schwester Mila passiert ist. Und dabei öffnet sich mehr als nur ein dunkler Abgrund.

“Die falsche Schwester” lebt natürlich hauptsächlich von der Spannung zweier verschwundener Kinder. Obwohl die erste Entführung schon so lange her ist, ist der Verlust von Mila sowohl in der Familie als auch durch Effies Nachforschungen sehr präsent und aufwühlend. Hinzu kommt eine Sammlung interessanter Charaktere, die mit der Zeit an Tiefe und Facetten gewinnen. Und immer dubioser werden. Und ja, das trifft auch auf die Ich-erzählende Hauptfigur zu. Eine Vielzahl neuer Spuren und scheinbar unscheinbarer Nebenschauplätze und Auftritte halten die Spannung zusätzlich hoch und laden zum fiebrigen Miträtseln ein. Der Plot ist auf jeden Fall gut konstruiert und wurde von der Autorin ebenso geschickt wie sprachlich mitreissend umgesetzt. Der grosse Showdown und die Auflösung zum Schluss waren für mich dann allerdings etwas zu konstruiert und zu viel des Guten. Hat meinem Gesamteindruck des Buches aber nicht erheblich geschadet.

Weniger gefallen hat mir die thematische Richtung, die das Buch nach einer Weile einschlägt. Trotz der umsichtigen und dezenten Umsetzung konnte ich die Lektüre immer weniger geniessen. Und einige Kapitel und Enthüllungen waren für mich wirklich schwierig zu lesen. Da bin ich einfach sehr empfindlich. Und doch etwas ärgerlich war die unschöne Häufung von Schreibpatzern, die dem Lektorat offenbar entgangen sind.

Insgesamt war “Die falsche Schwester” für mich eindeutig ein Pageturner, der alle Elemente eines guten psychologischen Thrillers aufweist und der dazu nach meinem Geschmack gut geschrieben ist. Allerdings haben mich gewisse Entwicklungen in meinem Leseeifer dann doch etwas ausgebremst und meine Freude am Buch nachhaltig geschmälert.

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Veröffentlicht am 29.02.2024

Eine Abenteuerreise ins Reich der Fabelwesen

Fast verschwundene Fabelwesen. Die sagenhafte Expedition des Konstantin O. Boldt
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“Fast verschwundene Fabelwesen - Die sagenhafte Reise des Konstantin O. Boldt” stammt aus der Feder von Florian Schäfer und wurde von Elif Siebenpfeiffer illustriert. Es handelt sich um das Expeditionstagebuch ...

“Fast verschwundene Fabelwesen - Die sagenhafte Reise des Konstantin O. Boldt” stammt aus der Feder von Florian Schäfer und wurde von Elif Siebenpfeiffer illustriert. Es handelt sich um das Expeditionstagebuch des Naturforschers Konstantin O. Bolt, der 1862 mit einer wagemutigen Truppe aus Mythozoologen und -Ethnologen, einem Magier und einer Nonne zur legendären und abenteuerlichen Letho Expedition aufbricht, um dem Schwinden der Fabelwesen auf die Spur zu kommen. Das Buch ist damit ein (fiktives) Zeitzeugnis einer alternative History.

Die Geschichte wird in Form von Tagebucheinträgen erzählt. Ergänzend dazu ist jede Seite mit Bildern, Zeichnungen, Skizzen, Feldnotizen, Zeitungsausschnitten und/oder Brieffragmenten illustriert. Nicht fehlen dürfen natürlich die Beschreibungen der Fabelwesen, der die Expedition auf ihrer zweijährigen Reise durch Europa begegnet. Auf jeder liebevoll gestalteten Seite gibt es viel zu entdecken - auch wenn die Handnotizen und die altdeutsche Schrift der angefügten Dokumente nicht immer einfach zu entziffern sind.
Die Expedition führt durch ganz Europa und folgt dabei lokalen Märchen, Legenden und eben Fabelwesen. Viele von ihnen sind im Verschwinden begriffen - nicht zuletzt durch die aggressive Expansion des Menschen, dessen exzessive Nutzung verfügbarer Ressourcen und seiner Kriegstreiberei. Damit hält das Buch auch gleich einige politische und philosophische Denkanstösse bereit. Grundsätzlich geht es aber um die Erforschung und Katalogisierung dieser Wesen und darum, einige Exemplare für ein Refugium zu fangen. Die Handlung wird gewürzt durch gefährliche Begegnungen mit Fabelwesen und Menschen - Verluste inklusive. Trotz kleinerer Flauten fand ich die Geschichte dann doch überraschend mitreissend und sogar spannend.

Die Fabelwesen sind teils etwas enttäuschend “banal” - jedenfalls im Vergleich zu den Fantastischen Tierwesen aus dem Potteruniversum. Dafür sind sie sehr authentisch, denn der Autor hat ja tatsächlich folkloristische Sagen und Wesen aufgegriffen. Überhaupt wirkte die Atmosphäre und die mythozoologische Theorie auf mich sehr “authentisch”, um nicht zu sagen real.

Ich habe die Lektüre von “Fast vergessene Fabelwesen” grösstenteils sehr genossen und fand es sowohl folkloristisch lehrreich als auch belletristisch unterhaltsam. Mir scheint dieses doch eher ungewöhnliche Format in diesem Fall sehr gelungen und reizvoll. Vor allem für Liebhaber von Fabelwesen und Abenteuerromanen im 19. Jahrhundert. Und fürs Auge ist's auch noch was.

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Veröffentlicht am 22.02.2024

Die Wissenschaft, die Frauen und die Männer...

Das verborgene Genie
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In “Das verborgene Genie” erzählt Marie Benedict die Geschichte von Rosalin Franklin, einer brillanten Wissenschaftlerin, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts das Geheimnis des Lebens lüftete. Anerkennung ...

In “Das verborgene Genie” erzählt Marie Benedict die Geschichte von Rosalin Franklin, einer brillanten Wissenschaftlerin, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts das Geheimnis des Lebens lüftete. Anerkennung dafür erhielt sie aber erst postum, während sie zu Lebzeiten von den patriarchalen Strukturen der Wissenschaft und wissenschaftlichen Politik zu einer Randerscheinung degradiert wurde. Die Autorin Marie Benedict lässt Rosalind Franklin- wie schon viele andere vergessene weibliche Pionierinnen - in einer literarischen Hommage erneut aufleben. Und zeichnet das Bild einer Wissenschaftlerin durch die Augen von Freunden und Familie, das so ganz anders anmutet als jenes, das ihre Konkurrenten propagierten. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an das Team von Vorablesen und dem Verlag Kiepenheuer&Witsch für das Rezensionsexemplar und damit die Möglichkeit, diese bemerkenswerte Frau und ihre Geschichte kennen zu lernen. Meine Meinung ist natürlich trotzdem meine eigene.

Kleine Vorgeschichte: Mir waren die Grundzüge der Höhepunkte vorab der Lektüre durchaus bekannt. Ich wusste also, dass und wie Rosalind Franklin von ihren männlichen Konkurrenten im Wettlauf um die Enträtselung der menschlichen DNA ausgestochen wurde. Ich wusste um ihr persönliches Schicksal. Und ich kannte das Bild, das James Watson von ihr geprägt hatte. Es war für mich also ersteinmal spannend, dass die Geschichte nicht etwa am Kings College in England, sondern in Paris begann. Und dazu sehr überraschend, dass ich einen Roman im Ich-Präsens vor mir hatte. Natürlich ermöglicht diese Form ein sehr tiefes Abtauchen in eine Figur - und bedeutet damit einen radikalen Perspektivwechsel vom Aussen ins Innen. Das mag den inhaltlichen Umständen und dem thematischen Ziel der Autorin dienen. Ich-Perspektiven bei historischen Figuren fühlen sich für mich jedoch tendenziell anmassend an. Und irgendwie falsch.
Nichtsdestotrotz konnte ich mich durchaus darauf einlassen - vor allem, weil mich die Geschichte sehr gepackt hat. Die Autorin erschafft eine für mich authentisch wirkende Atmosphäre und lässt den Zeitgeist lebendig auferstehen. Ausserdem schafft es Marie Benedict einerseits, die persönliche Geschichte einer faszinierenden und vielschichtigen jungen Frau interessant zu erzählen. Und andererseits die wissenschaftlichen Methoden, Erkenntnisse und Zusammenhänge trotz ihrer Komplexität und interessanter Tiefe verständlich und organisch in die Handlung einzubeziehen. Die Lektüre war für mich somit sowohl inhaltlich spannend, als auch lehrreich und hat bei mir zu einem tieferen Verständnis davon geführt, was und wie Rosalind Franklin eigentlich genau getan hat.
Obwohl ich die von Benedict portraitierte Wissenschaftlerin und Frau äusserst spannend und faszinierend finde, konnte ich mich mit der stilistischen Darstellung - vor allem der Gedankenwelt - eher weniger anfreunden. Das mag an der Erzählperspektive oder dem Stil der Autorin allgemein liegen. Jedenfalls wirkten die Gedanken und Selbstwahrnehmung der Protagonistin für mich seltsam überreflektiert und zugleich schockierend naiv. Diese Mischung führte oft dazu, dass der Charakter von Rosalind (von ihr selbst) analytisch erzählt wurde. Und eben nicht durch die Handlungen und Interaktionen gezeigt. Gerade ihre schroffe und brüske Art, ihre unüberlegten und voreiligen verbalen Erwiderungen - all das, was mitunter zu ihrem Anecken und zu Ablehnung führte - blieb für mich somit irgendwie nicht erfahrbar. Und Rosalinds entsprechende Gedanken schienen mir seltsam unpassend.

“Das verborgene Genie” trifft stilistisch nicht ganz meinen Geschmack. Inhaltlich hat mich aber sowohl der wissenschaftliche Krimiaspekt, als auch die persönliche Geschichte der brillanten, ehrgeizigen und von einer Männerwelt missverstandenen Rosalind Franklin sehr fasziniert. Ich glaube, dass es eine ehrenwerte und wichtige Aufgabe ist, derer sich Marie Benedict in ihren Romanen annimmt: Den Verdienst der vergessenen und übergangenen Frauen an unserer Welt und Geschichte in das ihnen gebührende Rampenlicht zu rücken. “Das verborgene Genie” schafft nicht nur das, sondern ist eben auch ein empfehlenswertes Portrait einer jener starken Frauen, die uns Folgenden den Weg geebnet haben.

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