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Veröffentlicht am 07.09.2025

Vom Sehen und gesehen werden in romantisch düsterer Atmosphäre ....

The Knight and the Moth
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The Knight and the Moth von Rachel Gillig

Huhu liebe Lesende. Sehen und gesehen werden? Nun. Klingt fast wie eine Anweisung für Stars, Sternchen und VIP’s und die Glamourwelt aus Schein und Sein, hinter ...

The Knight and the Moth von Rachel Gillig

Huhu liebe Lesende. Sehen und gesehen werden? Nun. Klingt fast wie eine Anweisung für Stars, Sternchen und VIP’s und die Glamourwelt aus Schein und Sein, hinter der sich manchmal so Einiges verbirgt. Doch wer genau hinsieht wird erkennen, dass sich unter dieser Floskel so viel mehr versteckt und verbirgt. Eventuell auch die Aufforderung genau hinzusehen, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und hinter die Dinge zu schauen. Ebenso wie hinter die Fassaden von Menschen. Seien sie selbst gebaut, von anderen vorgegeben oder einfach so, wie die Welt uns sieht, und in welche Schublade sie uns steckt. Gesehen werden kann so viel mehr bedeuten, wenn jemand hinter unsere Schleier blickt. Zu sehen kann so viel mehr sein als nur oberflächliches Sehen. Es kann tiefer gehen, es kann Geheimnisse entlarven, es kann dazu führen, dass wir uns unwiderruflich zu Menschen hingezogen fühlen, wenn wir mehr beachten, als die Oberflächlichkeit, die uns gegeben wird. Und das hat tatsächlich mit dem Buch zu tun.

Das was uns die Geschichte zeigt, was wir darin sehen:

Sybil Delling ist zusammen mit 5 anderen Mädchen seit Jahren Weissagerin in der Kathedrale von Aisling. Kurz bevor der Dienst nach 10 Jahren für alle endet, wird das Haus der Götter für eine Weissagung vom Knabenkönig und seiner Ritterschaft aufgesucht. Unter ihnen Ritter Rodrick, genannt Rory. Der glaubt nicht an Weissagung und Visionen, und trotzdem sieht Sybil in einem Traum ein Omen für ihn und sein Schicksal voraus, das alles ändert, denn sie kann es nicht deuten. Doch das Omen bewahrheitet sich, und kurze Zeit später verschwinden die 5 anderen Mädchen, Sybils Schwestern. Um diese zu finden wendet sich Sybil an Rory. Denn auch wenn er mit den Gottheiten und Omen der Kathedrale nichts anfangen kann, so hat sie im Gefühl, dass er der Einzige ist, der ihr dabei helfen kann die Anderen zu finden. Und so nimmt das Schicksal um Omen und Visionen und Götter seinen Lauf, ebenso wie die Geschichte. Denn unter dem Schicksal der Wahrsagungen liegt oft die Wahrheit. Und die ist oftmals ganz anders, und versteckt sich hinter einem Schleier aus Dingen, die man oftmals erst sieht, wenn es zu spät ist. Wie genau alles weitergeht, solltet ihr unbedingt in der Geschichte nachlesen. Denn die ist so vielschichtig, dass Worte allein sie gar nicht so gut beschreiben können. Versuchen tu ich es trotzdem :)

Cover und Titel:

Das Cover des Buches ist wieder eines der wunderschönen Sorte. Passend zu Rachel Gillig. Schön düster und mythisch, so wie die Geschichte sich im Schreibstil spiegelt. Schätze, das hat sie als Autorin einfach drauf, und die Cover passen wirklich immer wundervoll zur Geschichte und andersrum.

Ich mag den Bezug des Titels auf die Geschichte, weil wir das mit der Motte schon am Anfang erklärt bekommen, es aber trotzdem noch ein wenig unter dem Tuch des Geheimnisses schwebt, und man noch nicht genau sehen kann, was es damit auf sich hat. Und genau dieses Tuch, das Geheimnisvolle, spiegelt sich im Cover wider als Szenerie der Weissagung. Traumhaft eben, im wahrsten Sinne des Wortes für einen Weissagungstraum, und eine Buchwelt namens Traum.

Fazit und Gedankenallerlei der Sicht auf die Dinge:

Rachel Gillig hat es einfach wieder getan. Und sie hat es wieder geschafft mit ihrer Sicht auf die Dinge meine Sicht auf ihre Geschichten mit Begeisterung zu entflammen. Wie eine Ballade aus alten Zeiten mit dem Sprachstil von heute kommt die Geschichte daher. Und doch erscheint alles märchenhaft mythisch, wie eine Erzählung, die beides in sich trägt. Vergangenheit und Gegenwart vereint. Beide Dinge gemeinsam, weil man durchaus zwei und mehrere Dinge in sich vereinen kann.

Da ist wieder dieses dunkel Atmosphärische, dieses Mythische, beinahe Folkloristische, das seine Finger nach uns ausstreckt, uns greift, und irgendwie während der Lektüre nicht mehr loslässt. Gefangen in einem Kokon aus einfach nur genialer Geschichte, einem World-Building das wirklich sehr besonders ist, Düsternis, Hoffnung, Hoffnung in der Düsternis, Dunkelheit aber auch Licht, von dem Motten ja angezogen werden. Erstmal bin ich ins Buch super reingekommen, weil es sich diesmal schon in der Leseprobe abgezeichnet hat, dass ich diese Geschichte und den Schreibstil sehr mögen werde. Ich durfte von Rachel Gillig schon die Shepherd-King Dilogie lesen, die mich restlos begeistert hat, und eines meiner Lesehighlights war. Und ja, auch hier glänzt die Autorin wieder mit diesem magischen Schreibstil, der einen sofort in den Bann zieht, und dessen Worte einen schwer wieder loslassen. Genau so kam es dann auch. Die Geschichte hat einen eingesogen und man war sofort nicht nur im Setting gefangen, sondern auch in der atmosphärischen Düsternis und Dunkelheit, die aber so wunderbar zur Geschichte selbst passt. Ich mag mittlerweile die gesamte Atmosphäre nicht einfach nur, sondern habe gelernt sie und den Schreibstil zu lieben. Da ist diese Dunkelheit die von Aisling, der Kathedrale, ausgestrahlt wird.

Dieses merkwürdige Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt, dass sich mehr hinter allem verbirgt, hatte man von Anfang an beim Lesen. Klar ist, dass es darum geht, was richtig und was falsch ist, wie in vielen Geschichten, was hier aber wunderschön herausgearbeitet wurde, denn auch hier gibt es Masken, Schleier und den Hauch von morally grey, dem Guten, welches sich unter anfänglichen Zweifeln und bösen Blicken versteckt, und das Böse, das eventuell auch nicht sofort ersichtlich ist, weil man nicht richtig hinsieht und versteht. Aber darum muss man das Buch ja unbedingt lesen. Denn gibt es einen Cliffhanger? Unbedingtes Ja. Denn auch hier handelt es sich um eine Dilogie, und man fiebert Band 2 nur so entgegen. Und überhaupt, diese Welt kommt einem dann eh so vor, als ob man sich beim Lesen direkt darin befinden würde.

Das Buch geht in die Tiefe des Sehens. Wie oben erwähnt: Sehen und gesehen werden. Die Geschichte wird nicht oberflächlich abgehandelt. Genauso wenig wie die Charaktere im Buch. Sybil sieht schon immer, aber sieht plötzlich so viel mehr. Und Rory wird von ihr gesehen, genauso wie Sybil ebenfalls von Rory. Im Inneren, und so viel tiefer als beiderlei Äußeres der Welt von sich zeigt. Die Geschichte birgt auch zweierlei Wahrheit in sich, dass man sowohl das Eine und Andere durchaus zusammen sein und in sich haben kann. In einer Welt voller Kartierungen und Schubladen in die wir gesteckt werden, zeigt die Geschichte uns den Ausweg aus dieser heraus, und dass wir manchmal so viel mehr sind, als das, was die Welt in uns sieht, als was sie uns sieht und als was sie uns unbedingt sehen will, obwohl wir gar nicht so sind. Deswegen ist für mich das Sehen an sich, eine der wichtigsten Thematiken des Buches. Und das symbolisch für eine Seherin, die In Omen Dinge sieht und weissagt, und dafür ihr ganzes Leben eine Augenbinde trägt.

Die Geschichte zeigt, dass es kein Widerspruch in sich selbst ist, wenn man sowohl das Eine, als auch das andere ist. Und das gefällt mir ungemein gut und ist so wunderschön zu lesen und erleben. Ist es doch oftmals so, dass Menschen und als dies oder Jenes sehen, und Schattierungen unseres Seins gar nicht mitbekommen, und sich dann wundern, dass wir auch noch eine andere Seite in uns verbergen, die nur geborgen werden will. Dass wir uns der Welt zeigen wollen, damit andere sehen, wer man wirklich ist, wenn die Leute nur das sehen, was sie von einem erwarten, wenn sie unser Abbild anschauen. Der Schleier auf den Augen der Weissagerinnen von Aisling ist ein Symbol durch die ganze Geschichte. Um Augen zu haben, die sehen, ohne zu sehen, und zu sehen trotz Schleier. Um den Schleier vor den Augen wegzureißen und zu erkennen, symbolisch und real im wahrsten Sinne des Wortes. Der Blick auf die Welt hinter Schleiern. Aber auch der Blick in Augen und die Welt, die diese in sich bergen.

Die Weissagungen als Symbol für die Religion des Settings oder die Ritterlichkeit und das Gute in Form von Rory und den anderen Rittern finde ich grandios. Das System aus König, seiner loyalen Ritterschaft und Weissagungen, quasi Herrscher und Religion, mutet als Setting erst mal sehr mittelalterlich an. Und das meine ich gar nicht böse, weil ich es liebe. Es ist ähnlich wie bei One Dark Window, das in meinem Kopf eine mittelalterliche Welt voller Mythen entstanden ist, die in ihrer Sprache eben doch recht modern scheint. Denn ….. Was ich unheimlich mochte war die Dynamik zwischen Sybil und Rory, wenn sie miteinander reden und agieren. Auch diese kleinen Nuancen die immer wieder im Text erscheinen mag ich total, weil es Hinweise sind, dass mehr hinter Rory, aber auch Sybil steckt. Sie ist die einzige Wahrsagerin, die nicht verschwindet.

Finde, dass der Sidekick des Gargoyles unheimlich gut gelungen ist. Da ist Situationskomik den er an den Tag legt, weil er nicht weiß, wie er auf Menschen wirkt, weil er seine eigene Sicht von sich selbst hat. Er avanciert tatsächlich zu einer Figur, deren Szenen ich als meine Lieblingsstellen im Buch markieren würde, weil ich fast immer lache über das, was er sagt. Kein böses lachen, sondern ein nettes Mitlachen :). Wir müssen bitte über den Fledermaus Gargoyle reden, der im Buch vorkommt, und ebenfalls ein Bewohner Aislings, und später Sybils und Rorys Begleiter auf der Suche ist? ---> Totale Liebe. Er bringt in jede seiner Szenen etwas Lustiges, obwohl die Grundstimmung düster ist. Gerade seine Antworten sind es (und dass er ein wenig der tollpatschige Sidekick ist, der in sich aber viel mehr sieht und sich aufplustert auf liebe Art und Weise und dadurch total lustige Dinge von sich gibt), die wieder mehr in sich bergen, als man anfänglich denkt. Durchdrungen von Lustigkeit, aber auch einer tiefen Weisheit, die man erst auf den zweiten Blick bemerkt. Diese Atmosphäre der lustigen Unterhaltungen, Gespräche und der Konversation, bemerkt man übrigens auch bei Sybil und Rory. Anfangs dynamisch und gegnerisch neckend, mündet das Ganze später in ……. Etwas viel Schöneres und Großes mit einer gegenseitigen Bedeutung, die man irgendwie beim Lesen fühlt.

Und können wir ebenfalls bitte darüber reden und erwähnen wie toll dieser Vibe und die Chemie zwischen Rory und Sybil die ganze Zeit ist? Man spürt was zwischen den Beiden. Einfach sehr gut hinbekommen im Schreiben. Überhaupt Rory als Charakter: Ein Ritter der Ritterlichkeit. Vielleicht nicht auf die alte Art und Weise von Rittern und ihren Regeln. Er erscheint wie ein „moderner Ritter“, ist irgendwie total eine Green-Flag, und würde damit auch in unserer Zeit als „Ritter“ passen. Mit neuen Regeln und Werten. Vor allem den Werten. Er hält sich nicht an die festgestampften Regeln, und das ist auch gut so, weil er impulsiv, aber meist richtig handelt, und den richtigen Weg einschlägt, und das Richtige tut. Weil er sieht. Den Durchblick hat. Finde diese Symbolik auch hier wieder unheimlich toll umgesetzt, dass er als derjenige, der eigentlich kein Ritter sein sollte, weil er nicht adlig ist, dann der ritterlichste Kerl von allen ist, den man eben problemlos in unsere heutige Zeit einsetzen könnte. Vielleicht ist er aber auch erst so geworden durch Sybil? Anfangs grumpy, aber doch viel mehr dahinter? Kann gut sein, und sollte immer dazu anstiften, hinter Menschenfassaden zu schauen. Hinter die Augenbinden. Hinter die Geschichten. Hinter die Träume und Weissagungen. Symbolismus pur darüber was „dahinter“ liegt und die Wahrheit ist.

Die Augen hinter der Binde sind eine echt schöne Symbolik, die das ganze Buch widerspiegelt. Dieses „Was steckt dahinter?“, die Selbstaufgabe, das „Alle Weissagerinnen sind gleich, keine ist individuell“ und dann die Sicht von Rory, dass sie sich trotzdem alle unterscheiden, weil jeder Mensch ein Individuum ist. Auf alle Fälle war die Geschichte so wie in meiner Vorstellung, ohne dass ich es habe kommen sehen. Widersprüchlich? Nein. Wir haben ja gelernt, dass zweierlei möglich ist, und hinter Vielem mehr steckt :). Rachel Gillig hat es echt drauf, so zu schreiben, dass sich eine Menge Theorien im Kopf bilden, und so ist es nun auch wieder gewesen. Die Atmosphäre ist ähnlich der in One Dark Window, aber natürlich ist alles eine völlig neue und eigenständige Geschichte die einem erzählt wird. Trotzdem ist es, als ob man sich gerade beim Schreibstil fallen lassen kann, weil es einem vertraut vorkommt. Nicht zu vergleichen. Aber vertraut zum Fallenlassen in Geschichte und Schreibstil. Und vor allen Dingen für die Bewegungen in der eigenen Gedankenwelt.

Man gleitet direkt in dieses Düstere rein, was die ganze Atmosphäre des Buches ausmacht. Es gibt unaufgedeckte Unwahrheiten, die das ganze Leben da waren, und das in einem Ausmaß, das groß ist, weil es um Macht und Geld geht, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung. Erschreckend, aber nichts Neues. Wer Macht und Geld hat will mehr Macht und Geld und die die nichts haben ………. Müssen drunter leiden. Puh. Zum Glück gibt es da einen Augenöffner, und das ist jetzt wirklich im Buch wahrhaftig verknüpft, mit den vor der Welt verschlossenen Augen, die eigentlich nur genauer hinsehen sollten, was hinter der realen Welt steht. Vielleicht auch eine Falschheit des Glaubens aufzudecken oder zu hinterfragen. Der Schreibstil selbst, den ich ja schon bei One Dark Window und Fortsetzung kennenlernen durfte, ist wieder so, dass man sofort in der Geschichte ist und in ihr hängenbleibt. Man wird sofort eingezogen in diese mystische und dunkle Stimmung, und will mal wieder einfach genau dort bleiben, und die reale Welt um sich herum vergessen. Was man dann auch irgendwie tut.

Selbstfindung. Was man ist. Identität. Ein Individuum und besonders sein. Das eigene Sein und die Existenz. Freiheit. Vorherbestimmung oder freier Wille seine Zukunft selbst zu gestalten. Machtwünsche. Geheimnisse. Entdeckungen. Emotionaler Missbrauch. Alles wird thematisiert. Aber genau für diese dunklen Geschichten und fast schon Folklore Märchen mag ich die Autorin. Und die Weissagungen? Was soll ich sagen? Solche Geschichten reißen mit, weil es Geheimnisse aufzudecken und zu entdecken gibt, und das damit wieder eines der Bücher ist, für das ich tausend Theorien gesponnen habe. Scheint dann vielleicht so eine Tradition zu werden bei Rachel Gilligs Büchern, die mich bis jetzt alle mitgerissen haben.

Heutiges Rezensionslied? Ich musste eines nehmen das Dunkelheit, Träume, Wahrheit und Sehen enthält:

„There ain't language for the things I've seen, yeah. And the truth is stranger than my own worst dreams. The truth is stranger than all my dreams. Oh, the darkness got a hold on me.“




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Veröffentlicht am 10.04.2025

Eine zerbrechliche Verzauberung kann einen manchmal auch ganz machen.

A Fragile Enchantment
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A Fragile Enchantment von Allison Saft

Huhu liebe Lesende. Ihr kennt sie: Diese Geschichten, die davon handeln, dass Menschen etwas verbindet, die so auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen. Doch ...

A Fragile Enchantment von Allison Saft

Huhu liebe Lesende. Ihr kennt sie: Diese Geschichten, die davon handeln, dass Menschen etwas verbindet, die so auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen. Doch was bedeutet das überhaupt, dieses Zusammenpassen? Muss man unweigerlich aus derselben Gegend stammen, darf man sich nicht verlieben, wenn man reich ist, und die oder der Auserwählte arm? Passt es zusammen, wenn man berühmt ist, und sich in Jemanden verliebt, der völlig außerhalb der Starbbubble lebt? Passt es zusammen, wenn man eher ruhig und still ist, und sich zu Jemandem hingezogen fühlt, der sehr laut uns extrovertiert ist? Sportlich und unsportlich? Bücher liebend, und mit Literatur nichts anfangen könnend? Ich finde ja. Dinge passen, auch wenn die Welt um einen herum das manchmal nicht anerkennen und sehen möchte. Und wenn just diese Welt dann versucht zusammenzubringen, was nicht zusammengehört, nur, weil sie denkt es passt, dann wird es wirklich schlimm. Weil Gefühle eben doch wichtig sind. Und ja, das alles hat mit vorliegender Geschichte zu tun.

Was uns das die Geschichte im Buch erzählt:

Niamh schneidert Kleidung, und zwar mit Magie. Denn sie kann gute und negative Emotionen und Erinnerungen in Kleidungsstücke einbringen. Als ein Mädchen aus ihrem Heimatland mit einer ihrer Kreationen die Menschen im Nachbarkönigreich Avaland beeindruckt, ist Niamh plötzlich in aller Munde bei Hofe. Denn auf einmal möchte der Herrscher der Avaländer sie als Schneiderin für die Hochzeit seines Bruders Kit, dem Prinzen. Anfangs lehnt er sie ab, doch nach und nach schaut Niamh nicht nur hinter Kits Fassade, und die Maskeraden am Hof, sondern auch hinter den Klatsch und Tratsch der feinen Gesellschaft. Bis sie und Kit selbst zum Gesprächsthema werden.

Titel und Cover:

Das Cover ist traumhaft. Zart und fragil, wie im Titel gesagt mutet es fast wie der Tanz in einer zerbrechlichen Traumszenerie an. Und wer das Buch und seine Geschichte liest wird mehr dahinter erkennen. Der Titel erzählt uns von einer fragilen Verzauberung und auch dahintersteckt so viel mehr, was einem im Laufe der Lektüre klar wird. Denn es geht um Magie, um Verzauberung, und fragile Dinge, in vielerlei Hinsicht.

Fazit und Gedankenallerlei:

Das Rezept des Buches? Ihr bekommt nicht wirklich viel Spice, aber gerade dieses zarte und fragile, das nicht explizit und auf den Punkt und mit allen Einzelheiten erwähnt wird, macht die Geschichte umso schöner. Ihr bekommt viele Geheimnisse, eine kleine Prise Intrigen, dieses Gefühl einer anderen Zeitepoche, die unserer doch so sehr ähnelt, einen Spritzer Weltpolitik und viele Tröpfelchen unausgesprochener Worte, für die euer Kopf und eure eigene Fantasie bei der Lektüre das Ruder übernehmen müssen, weil sie nicht ausgesprochen werden, aber fühlbar sind. Alles mit Liebe zubereitet, denn die übernimmt eine wichtige Rolle im Buch. Und wem das noch zu wenig ist, der bekommt noch eine gute unterschwellige Würzung von Selfcare und Selbstliebe in Zeiten des Regency. Das Buch trifft unterschwellig genau auf einen Nerv bei mir, an dem es zieht, nämlich Gerechtigkeit, bzw. die Ungerechtigkeit an sich: Im sozialen Bereich, im vorverurteilten Bereich, Die Ungerechtigkeit darüber, was andere über dich denken, weil du aus einem bestimmten Land kommst. Die Ungerechtigkeit darüber, weil du kein „adliges“ (oder hier „magisches“) Blut hast, und deshalb etwas Geringeres bist. Die Ungerechtigkeit, dass man Menschen ausnutzen darf, selbst wenn es ihr Leben kosten könnte. Ja, viel Ungerechtigkeit. Und sein wir mal ehrlich: So ganz so schön ist es ja auch nicht, immer dieses Pflichtgefühl in sich haben zu müssen, sich zu „opfern“, im Sinne davon, dass man all seine eigenen Wünsche über den Haufen wirft, dass man heiratet (ich meine, es ist eine Hochzeit, und die sollte aus Liebe sein), nur um Bündnisse zu schließen. Dass man seine Magie für andere aufopfert, obwohl man damit seine eigene Lebenszeit verkleinert. Ich denke, ihr wisst was ich meine. Das Buch zeigt so viele Facetten von Aufopferung, Ungerechtigkeiten und Dingen die faul im Staat sind, dass es einen unweigerlich nachdenklich macht weil …………. Es solche Dinge ja auch heute auf der Welt gibt, egal wie weit wir gekommen sind, und wie gerecht wir sein wollen. Kommen wir also zu den schönen Dingen: Niamh und Kit. So zart, fast zerbrechlich, seufz. Ich fand schön, dass man bei Kit nicht die vielen Worte gebraucht hat, im Grunde genommen fast gar keine. Man selbst, und Niamh sicher auch, hat trotzdem gemerkt, dass er so eben seine Gefühle ausdrückt. Finde das hat die Autorin sehr schön erschaffen, weil es ja am Anfang das war, was mich etwas irritiert hat. Dieses „Wie soll ich wissen, was er von mir denkt, wenn er mir nicht sagt, was er von mir denkt?“. Man hat durch Gesten und Erröten, und den wenigen ausgesprochenen Worten gefühlt.

Fragil wie im Titel besagt, ist auch die Geschichte in all ihren Einzelteilen: Fragile Beziehungen, fragile Gefühle, fragiles Leben, fragile Familien, fragiles Königreich, fragile Zauberei und Magie. Die Langsamkeit, slow burn, ist erkennbar, aber gar nicht so fragil und zerbrechlich. Ganz in der Langsamkeit geht die Geschichte voran und entwickelt sich, entfaltet sich genauso wie ihre Figuren und ihr Innenleben., und das gar ohne Magie. Es gibt viele Stellen, die sagen so viel mehr aus, als zu viel gesagte Worte, die nicht ehrlich gemeint sind. Gerade Kit als Protagonist betreffend. Er ist ehrlich, wenn auch ohne viele Worte. Man versteht das Buch und die Geschichte, und es bedarf keiner vielen Worte, denn die, die wir lesen sind wahrhaft gemeint, und zeigen uns ihr Inneres. Dies ist der Punkt, der mich veranlasst hat dem Buch nur für diesen Bereich der Buchcharaktere 4,5 Sterne zu geben (dem Rest aber 5). Weil ich jemand bin der Worte braucht um zu verstehen. Und weil ich an einigen Stellen mehr Worte von Kit gebraucht habe. Wie gesagt, weil ich so bin wie ich bin :). Denn ja: Vielleicht erscheint die Geschichte zwischen Niamh und Kit auch gerade so wunderschön fragil, zart und zerbrechlich, weil sie genau so ist wie sie ist. Manchmal gar ohne Hoffnung, und weil man Jeden so nehmen sollte, wie er ist. Ohne Vorurteile. Denn auch die begegnen uns im Buch ja oft genug. Deshalb habe ich die Geschichte nicht weniger geliebt.

Die Einsamkeit von Niamh und Kit, jeder auf seine eigene Art, ist sehr gut nachzuempfinden, und eigentlich geben sich Beide genau das, was der jeweils andere braucht und benötigt. Wäre da nicht die Gesellschaft und der unterschiedliche Stand der beiden in genau dieser. Denn hier geht es um Pflicht und Ansehen, darum den Schein frei von Skandalen zu wahren, sein eigenes Glück für das Leben und Glück anderer zu opfern, sich überhaupt zu opfern, um Ehre, Pflichtgefühl und – bewusstsein, und um gegenseitige Aufopferung. Es geht aber auch darum, sich selbst wichtig zu nehmen und sein eigenes Ich nicht unterdrücken lassen und für andere zu opfern. Darum, den eigenen Platz in der Welt zu finden, die eigenen Wünsche voranzustellen, sich selbst und sein eigenes Ich wichtig zu nehmen und sich nicht unterdrücken zu lassen und zu aufopferungsvoll zu sein. Es geht darum freundlich zu sein, aber sich wegen dieser nicht ausnutzen zu lassen.

Die Mischung der Geschichte macht’s: Da ist dieser Vibe von Bridgerton, nicht nur zeitmäßig, sondern durch Lovelace als Buchcharakter kommt auch ein Hauch Lady Whistledown ins Buch. Die Zeitepoche scheint auch zu ähneln, die Welt selbst ist eine ausgedachte Fantasywelt mit Magie, deren Idee ich total spannend finde. Manchmal spüre ich Mr. Darcy Vibes aus Stolz und Vorurteil, dann wieder Verschwörungen wie in so mancher Fantasygeschichte. Und dann sind da ja noch die Geheimnisse, und natürlich slow slow ganz slow, was man erst noch nicht als Burn, aber als aufkeimendes Flämmchen erkennen kann. Ja, irgendwie kann man nicht alles miteinander vergleichen, aber es ist so ein Vibe, der durch die Geschichte weht. Und es ist ja definitiv kein schlechter Vibe, weil ich Bridgerton und auch Fantasy liebe. Überhaupt, diese Art der Magie: Es sind alles nur Illusionen, wenn auch schöne, sind Erinnerungen, Gefühle, Schatten dessen, was uns einst glücklich gemacht hat, was wir ersehnen und vermissen. Und trotzdem bringen diese Schatten, diese Magie von Niamh, so viel Glück und andere Emotionen in die Geschichte, dass es Spaß macht diese Art der Magie kennenzulernen.

Ich mag Niamh als Protagonistin und Kit als Person war interessant. Eigentlich mag ich es, wenn es Perspektivwechsel gibt, was hier nicht der Fall war. Bedeutet Kit ist wirklich SEHR undurchsichtig. Und meine Denkweise ist tatsächlich in real ähnlich der von Niamh und, deshalb kann ich verstehen, dass sie Kit manchmal nicht durchschaut, was gleichzeitig den Reiz des Buches ausmacht, mich aber auch total „grrrrr“ zurückgelassen hat. Also ein grrr während des Lesens eben, wie nur wir Buchmenschen es können. Kit ist speziell, kann Gefühle nicht so wirklich zeigen, und zeigt in genau diesen Gefühlen Unsicherheiten, auch wenn er Niamh gegenübertritt, was mich eben dazu veranlasst hat, zu denken, dass er sie toll findet, sie ihn fasziniert, weil sie ganz anders ist, als die Leute am Hof. Und weil sie ihm zuhört, mit ihm redet (was kein anderer tut, weil alle über seine Meinung hinwegsehen). Kit hat eben seine ganz eigene grummelige Art und Weise, die mir immer sympathischer wurde. Nach ein paar Tagen Gedankenherumkreiselei hatte ich akzeptiert, dass Kit wohl total auf Niamh steht, und eben seine Gefühle nicht so ganz ausdrücken kann, und es hinter Wut und Zorn versteckt. Immerhin erkennt er, dass sie die Einzige ist, die wirklich Interesse daran hat, wie es ihm geht, und sowas verbindet ja auch. Und vielleicht sieht er in ihr auch Licht in seiner Dunkelheit, in der Menschen über seine Zukunft bestimmen. Denn natürlich geht es auch um Hochzeiten aus Pflichtgefühl, weil Geld zu Geld muss, ohne Liebe. Für mich ist das Buch nämlich tatsächlich an die Regency Zeit angelehnt, auch von der Sprache her, wo so etwas ja oft vorkam. Kits Art ist symbolisch sozusagen das, was in seinem Kopf vorgeht. So wie im realen Leben, wo wir auch nicht immer erfahren, was in den Köpfen der Leute vorgeht, sondern damit klarkommen müssen, auf welche Art sie es uns sagen möchten (oder eben auch nicht). Ich finde es als Element tatsächlich auch interessant, wie sich in einem Buch etwas entfaltet, was man sonst quasi offen als Gedankenwelt vorgelegt bekommt. Dabei bevorzuge ich das Eine hier mal gar nicht mehr als das andere. Es ist auf alle Fälle neu. Nicht, dass man nicht in den Kopf des andren schauen kann, da gibt es schon auch andere Geschichten. Aber dieses richtige Grumpy, was Kit ausmacht, unter dem man doch den Zug der Sorge um Niamh entdeckt. Wie früher in der Schule, wenn man geärgert wurde, und einem gesagt wurde, dass derjenige total auf einen steht.

Man spürt die Intrigen und Ungerechtigkeiten die unterschwellig im Buch sind, und uns auch Probleme in unserer Welt erkennen lassen. Dieses „Adlige und Reiche sind besser als „Gewöhnliche“, „Reich beutet Arm aus“, „Bloß nicht zu viel Politik für das adlige Volk, weil Klatsch und Tratsch der gehobenen Klasse besser gefällt“. Manchmal gab es „Vorurteile incoming …..“, es gab Schlechtmachen, so als ob manche Menschen weniger wert sind als andere, weil sie zum Beispiel aus einem anderen Land kommen, und das schon zum Verurteilen reicht. Das fand ich als Spiegel gut, der zwischen den Textzeilen uns Lesern vorgehalten wurde. Denn im Buch wird man verurteilt für WAS man ist, WER man ist, Woher man ist, WIE man ist. In einer geschaffenen Welt aus Schein und Sein, sollte man immer hinter die Fassaden schauen, weil nicht immer alles so ist, wie es oberflächlich aussieht. Vielleicht will die Person Lovelace auch den Menschen die Augen öffnen, für das, was sie nicht sehen wollen, und tut es auf eine Art, nämlich Klatsch und Tratsch, den die Menschen lieben. Tatsache ist, dass die Autorin es so hingebogen hat, dass jeder suspekt ist, und damit Lovelace sein könnte. Und trotzdem: Das Zusammenspiel der Gruppe der Charaktere im Buch aus Niamh, Kit, Sinclair, Rosa und Miriam hat mir super gut gefallen, obwohl, oder gerade weil alle auf ihre eigene Art verschieden waren. Tatsächlich hat es die Geschichte geschafft, mich emotional mitzunehmen, nachzudenken, und mit den Figuren mitzufühlen. Und zwar allen.

Und sonst sei noch gesagt, dass mir das Buch richtig gut gefallen hat. Gerade diese Mischung aus Historie, Fantasy und Romance mit Slow Burn, mit Magie und politisch angesprochenen Welt-Themen, die tatsächlich hochaktuell scheinen, wenn man die Weltpolitik verfolgt. Und dann wären da noch die Figuren, denen ich mich erst annähern musste, gerade zum Beispiel bei Kit, den ich am Ende aber ganz hinreißend fand. Da sind die Bridgerton Vibes. Und da sind Charaktere, die ich alle sehr gut nachempfinden konnte, und von es niemanden gab, den ich wirklich nicht mochte. Tatsächlich habe ich das am Ende nicht mal bei Jack, Kits Bruder, getan.

Ihr bekommt mächtige gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, Gesellschaftskritik in Form von Klatsch und Tratsch, Kritik an einem Arbeitssystem ohne gute Bezahlung für Leute, die wertvolle Arbeit tun. Ihr bekommt Beleidigungen, weil Menschen sich ein Urteil geschaffen haben, ohne jemanden zu kennen. Ihr bekommt Menschen, die ihre Augen vor der Wahrheit verschließen, weil sie unangenehm sein könnte. Ihr bekommt die Denkweise, nicht gut genug zu sein, sich für alles entschuldigen zu wollen, für andere da zu sein und an alle anderen mehr zu denken, als an sich selbst. Es geht darum, was die Familie von einem verlangt, was man selbst will und was man vom Leben erwartet. Dass man nicht immer das bekommt, was man möchte, obwohl es so sein sollte, weil es ja um das eigene Leben geht. Denn im Buch ist auch Sehnsucht an das Leben, bevor die Pflichten kamen, die uns zwingen, Dinge zu tun, die jenseits des eigenen Glückes liegen. Und ihr bekommt zu sehen, wohin Stress und Überbelastung führen kann, wenn man darüber hinaus es allen recht machen zu wollen, sich selbst verliert. Ihr bekommt soziale Ungerechtigkeit, und Standesunterschiede. Ich finde sehr viele Fantasygeschichten (und andere) tragen Realität und politische Ereignisse in sich, überdeckt vom Mantel der Fantasy, aber doch immer auch deutlich erkennbar. Deswegen gibt es ja auch immer wieder Bücher, die in anderen Ländern verboten werden, weil sich manche machtgierigen Kerle wohl darin zu gut erkennen, und die Leute nach der Lektüre ja darüber nachdenken könnten, und das den Typen dann gefährlich werden könnte. Gut so, denn solche Geschichten mag ich immer wieder gerne :).

Heutiges Rezensionslied? Finde ich passend, weil es diese Hoffnungslosigkeit beschreibt, wenn man nicht zusammen sein kann, obwohl man doch will:

„You know I want you. It's not a secret I try to hide.
But I can't have you. We're bound to break and my hands are tied.“























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Veröffentlicht am 05.04.2025

Sehnsuchtsträume im Traumland Schottland

The Anatomy of Dreams: Die Auserwählte (New Adult Romantasy)
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The Anatomy of Dreams – Die Auserwählte – Band 1 von Charlotte Macallan

Träume. Mit diesem Thema muss ich beginnen, weil es ein so umfangreiches ist. Träume können oberflächlich sein, aber auch tiefgehend. ...

The Anatomy of Dreams – Die Auserwählte – Band 1 von Charlotte Macallan

Träume. Mit diesem Thema muss ich beginnen, weil es ein so umfangreiches ist. Träume können oberflächlich sein, aber auch tiefgehend. Sie können vorausschauend sein, gruselig, traurig, und den Weg weisen, manchmal in die Zukunft schauen. Sie können uns ängstlich zurücklassen, völlig in Schwarz und Weiß vor unserem inneren Auge ablaufen, aber auch in vollkommen bunten Farben und mit Fantasie. Träume, und ihre Deutung können so unendlich und grenzenlos sein, wie Träume selbst. Denn in Träumen kann alles passieren. Oftmals finden wir Dinge traumhaft, reden von Traumfrauen und – männern, dem Traumurlaub oder anderen Dingen, die wir mit Traumworten verbinden. Doch Träume gehen tiefer, wie schon erwähnt. Auf einer ganz anderen und emotionalen Ebene, die nichts mit der oberflächlichen Nutzung des Wortes „Traum“ zu tun hat, das wir oftmals inflationär benutzen. Denn wir oft sagen wir, dass ein Traum wahr geworden ist, obwohl wir von genau dieser Situation nie geträumt haben? Ihr seht, ich könnte mich grenzenlos ins Thema Träume hineinträumen, und euch davon erzählen. Da dies aber eine Buchrezension ist, sollte ich erstmal davon erzählen, dass vorliegendes Buch ein bisschen das Thema Träume beinhaltet, es sogar einen gar nicht mal so kleinen Teil einnimmt. Genauer gesagt geht es um die Anatomie der Träume. Und was das nun wieder genau ist, und dass es nicht einfach nur so daher gesagt und ein geflügeltes Wort ist, das erfahrt ihr in der Geschichte, die euch in „The Anatomy of Dreams“ erzählt wird. Denn oftmals, können Träume einfach wahr werden. Nicht inflationär oberflächlich, sondern wirklich und wahrhaftig.

Die Geschichte die das Buch uns erzählt:

Maisie als Hauptprotagonistin studiert Medizin in Edinburgh. Der Tutor, der ihr im Anatomiekurs zugeteilt wird, heißt Philip. Und ist ein Traummann. Also …. Zumindest Maisies. Denn obwohl sie Philipp nicht kennt, sieht er dem geheimnisvollen und unbekannten Schotten zum Verwechseln ähnlich, der Maisie seit einiger Zeit in ihren Träumen besucht und eine wahrlich traumhafte Anziehungskraft auf sie ausübt. Doch Maisie will sich auf ihr Studium konzentrieren, selbst, wenn das leichter gesagt als getan ist. Denn nicht nur Philipp, und ihr Traumschotte machen ihr da einen Strich durch die Rechnung. Denn da ist noch Kommilitone Chris, der Normalität in Maisies Leben außerhalb der Träume bringt, und der ebenfalls mehr von Maisie will. Wären da nur nicht diese verwirrenden Gedanken über Philipp und Maisies Träume, die sie immer wieder weg von der Realität schleifen wollen. Was es mit dem Ganzen auf sich hat, dürft ihr gerne selbst erfahren, denn die Geschichte schwebt z wischen Traum und Wirklichkeit, und nimmt uns genau dahin mit.

Titel und Cover:

Der Titel gefällt mir unheimlich gut, weil er mit der Bedeutung der Träume spielt. Die Anatomie von Träumen kann man nie genau und wissenschaftlich erklären, weil Träume eine Wissenschaft für sich sind, die nicht faktisch entsteht, sondern durch das Unterbewusstsein, das eine höchst emotionale Sache und Ebene ist. Gleichzeitig ist der Titel ein Hinweis darauf was Maisie, unsere Hauptprotagonistin, in ihrem Leben anstellt, studiert, und was ihr wichtig ist. Der Anatomiesaal ist ihr als Medizinstudentin nämlich nicht fremd. Und der Tutor in genau diesem Anatomiesaal auch nicht. Und auch das Cover liebe ich, weil es zum Träumen einlädt, indem es uns wiederum einlädt, hinter die Wolken des Traumes auf dem Cover zu schauen. Denn hinter jedem Traum verbirgt sich etwas. Und was sich im Buch verbirgt ist etwas richtig Gutes. Diese Traumebene im Nebel ist richtig schön gelungen.

Fazit und Gedankenallerlei:

Rein zu den Fakten: Dies ist Band 1 einer Buchdilogie. Es gibt also noch einen zweiten Teil, und auf genau diesen freue ich mich tatsächlich als Leserin sehr. Denn in Band 1 werdet ihr verwickelt in so viele Traumgeheimnisse, so dass ihr einfach die Auflösungen für alle wollt. Werden diese kommen? Das weiß ich selbst nicht. Aber es wäre ein Traum meinerseits ;). Das Schöne an der Geschichte ist, dass es bis in Band 2 geschafft wird, sich selbst Theorien auszudenken, die nicht aufgelöst werden. Gibt es also einen Cliffhanger? Ich sag jetzt einfach mal so ….. ja!



Die Geschichte hatte eine Sogwirkung auf mich. Kaum hat man angefangen zu lesen, fühlte es sich an wie in einem Traum gefangen, eingesogen und mittendrin dabei. Und das meine ich wirklich so. Die Atmosphäre, die durch Worte geschaffen wurde, gab einem beim Lesen das Gefühl, direkt in Maisies Träumen zu sein (was man tatsächlich und unweigerlich auch war). Viel besser noch: Man dachte man befindet sich in seinen eigenen Träumen, und diese waren eben gleichzusetzen mit denen von Maisie, weil man sich für die Zeit der Lektüre sehr mit ihr verbunden gefühlt hat.

Genau diese Atmosphäre der Geschichte ist es, die einen dann auch selbst anzieht. Sie ist dunkel, düster, aber auch geheimnisvoll. Chris steht für das Licht, das Hoffnungsvolle und Normale in Maisies Leben. Philipp für die Sehnsucht, das Dunkle, aber auch unweigerlich Anziehende. Und ja, hier kommt morally grey dann zum Tragen, denn was war hier los? Auch ich habe mich wohl angezogen gefühlt. Habe verstanden, warum diese Anziehungskraft da ist, weil ich versucht habe durch den Nebel von Philipps Wesen zu sehen, wie durch einen Traumschleier. Wer in der Geschichte gut, und wer böse ist, wer die Dunkelheit ins Leben von Maisie bringt, und wer das Licht, ist alles hinter Schatten verborgen, und wir erfahren erst mit der Lektüre, was es alles auf sich hat. Beziehungsweise tun wir das tatsächlich nicht so ganz, und uns wird ein klein wenig der geheimnisvollen Dinge mitgegeben für unsere Traum-Reise in Band 2. Und dort gibt es dann hoffentlich jede Menge herauszufinden und aufzulösen.

Man schwebt im Buch von Theorie zu Theorie und kann gar nicht anders, als mit purer Aufregung und Freude diese im Kopf zu bewahren, sich zu freuen, wenn eine Theorie bestätigt wird, sich zu wundern, denn etwas ganz anders geschieht, und vom Buch sofort in die nächsten Theorien wie in einem Traum mit eingesogen zu werden. Was unheimlich spannend erscheint ist die Geschichte und das Geheimnis, das Philip umgibt, und zu dem ich nun gar nicht so viel sagen kann, weil ich Niemanden spoilern will, und weil es einfach so viel Spaß macht es selbst herauszufinden und auf seine eigene Reise während der Lektüre zu gehen.

Wir sind oft in Maisies Kopf, in ihren Träumen, und erleben mit ihr diese intimen Momente, die eigentlich einzig und allein dem Menschen vorbehalten sind, der sie gerade träumt und somit auch erlebt. Schön ist es trotzdem, auch auf diese Traumreise mitgenommen zu werden, denn es sorgt dafür, dass wir den Charakteren im Buch sehr nahekommen, und mitempfinden und – fühlen können. So offen wie die Träume und die Gedankenwelt sind, so verschlossen erscheint Philip manchmal. Aus gutem Grund. Das erfahren wir dann während der Fortsetzung des Lesens. Aber auch so ist er nicht gerade ein Mann der großen Worte. Ein Traummann, wohl wahr! Aber Worte?! Philip agiert mit dem Element im Buch, das mir sehr viel Spaß bereitet hat, weil es auch mir sehr wichtig im Leben ist: Die Musik. Dieses Element taucht im Buch immer wieder auf als Konversation zwischen Maisie und Philip. Weil er nie gelernt hat, mit Worten umzugehen und sie auszusprechen, aber sehr wohl der Bedeutung von Worten weiß, und sie so in Liedern nutzt, um Maisie seine Gefühle und Gemütszustände mitzuteilen. Schon allein für diese Idee lohnt sich die Geschichte, weil Musikmenschen darin genau das sehen, was Musik sein sollte: Geschichten und Botschaften, die uns erzählt werden. Eben in Form von Liedern.

Ein weiterer Punkt der im Buch verarbeitet wird ist die keltische Mythologie, was sehr interessant, aber auch intensiv erscheint. Denn diese ist es, die sich in die Träume mit reinmischt, die Symbole deutet und die sich in die Geschichte so mit reinschleicht, dass wir sie nicht unerwähnt lassen dürfen. Denn auch das ist die Anatomie eines Traumes: Symbolik, etwas als real wahrnehmen, und manchmal vielleicht auch die Erkenntnis, dass es wirklich wahr sein kann oder könnte. Hey es sind Träume, da kann alles passieren ;).

Da es sich um Urban Fantasy handelt, haben wir zwar keine Fantasywelt, in die wir eintreten, aber wir haben die Magie, haben die Traumwelt und den verhüllenden Vorhang zwischen Traum und Wachzustand, der die ganze Geschichte umhüllt und verdeckt, und sie so auch mysteriös macht, aber ebenso einzigartig geheimnisvoll und eben sehr spannend. Und dann befinden wir uns ja auch noch in einem Traumsetting: Denn Schottland als Sehnsuchtsort und als Setting war einfach so wundervoll umschrieben, dass man sich mittendrin gewähnt hat. Denn ja, da ist noch diese eine Sache im Buch, die Diejenigen verstehen, die einem Land genauso verfallen sind, wie einer Frau oder einem Mann. Ein Traumland eben. Schottland als Setting durchdringt immer wieder die Geschichte, die uns erzählt wird. Schottland ist da und ist allgegenwertig. Die Magie des Landes selbst, seiner Mythologie, und die Magie der Natur. Die Ortsbeschreibungen laden ein zum Träumen ….. im Fall des Buches sogar zum Dabeisein und Miterleben. Man fühlt die Landschaften regelrecht beim Lesen, wähnt sich in ihnen, und wenn man die Augen schließt steht man auf so manchem Hügel und in so manchem Schloss darauf.

Die Geschichte hat mich glücklich gemacht, obwohl sie gar nicht mal durchgehend hoffnungsfroh und lichtdurchflutet war. Sie war dunkel, hat mich aber mitgezogen in ihre dunklen Träume mitten in die Zwischenwelt aus Realität und Traum, und hat mich Philip sehen und fühlen lassen (äh, es ist nicht so wie es klingt! :P). Während der Traumszenerien hat das Ganze fast schon eine mystische Atmosphäre, die auch davon herrühren mag, dass man sich im sagenumwobenen Schottland mitten in der mystischen Landschaft wähnt. Atmosphärisch ist die Geschichte aber auch in der Normalität der Realität, außerhalb der Träume. Vielleicht auch, weil alles wie durch einen Traumnebel geträumt erscheint, und sich die Realität gerne mit den Träumen vermischt. Diese Brücke zwischen beidem schlägt Philipp, der ein ganz besonderer Charakter ist. Denn wie in jedem guten Traum muss man sich auf ihn einlassen, muss ihn erst kennenlernen, ihn erkennen und durch seine Maske alias Traumnebelschleier hindurchsehen.

Was ist sonst noch wichtig? Ach ja. Ihr bekommt spicy Szenen. Nicht im absoluten Übermaß, es ist also total in Ordnung, weil sie für mich sogar wichtig für den Lauf der Geschichte sind, und ganz ohne würde ein Teil des Puzzles der Geschichte fehlen. Wäre ja auch schade, wenn man Traummänner nicht berühren dürfte, richtig? So einen Traummann haben wir hier im wahrsten Sinne des Wortes: Einen Mann, der in Träumen erscheint, und nach dem man sich aus irgendeinem Grund verzehrt. Und jetzt sagt mir nicht, solche Träume hattet ihr noch nie :D

Was ihr im Buch bekommt sind Träume, eine Menge davon. Ein Traumsetting, ein Traumland, ein Traumsetting, Traummusik, einen Traumkerl mit Traumgeschwistern, eine Traummitbewohnerin, tatsächlich Traumeltern, aber auch ein wenig moralisches Grau im Hinblick auf Dinge, die getan werden, und natürlich die Gewissheit, dass alles das so traumhaft erscheint auch düstere Seiten enthüllen kann. Ihr bekommt reale Träume, reales Leben, Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, Herzschmerz (ja autsch!), Tränen, Lachen, Melancholie, eine gewisse Bittersüße und Geheimnisse. Drum lasst euch in weiche Kissen fallen, und träumt während der Lektüre gerne mit offenen Augen. Denn ich mag, dass Träume sich nicht nur in Musik und die Popkultur geschlichen haben, sondern auch in dieses Buch.

Und am Ende lasst es euch gesagt sein: Für all diejenigen, die sich bis hierher in einem Traum (oder Alptraum) einer Rezension befunden haben nun mit klaren faktischen Worten: Dies ist eine unbedingte Leseempfehlung meinerseits für alle, die hinter Träume und Symboliken schauen wollen, die mysteriöse Geschichten mögen, die Schottland lieben und …. Ja ich sag‘s mal so ……. Einem wirklich ziemlich heißen schottischen Kerl begegnen möchten.

Und das heutige Rezensionslied? Kann ja nur eines über Träume sein ;):

„Another night, another dream, but always you.
It's like a vision of love that seems to be true.
Another night, another dream, but always you.
In the night I dream of love so true.“

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Veröffentlicht am 12.07.2024

Hab acht vor dem Buch, vor dem Buch hab acht.

One Dark Window - Die Schatten zwischen uns
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Es war einst ein Mädchen, belesen und gut. Sie lebte mit Büchern in der Stille Hut. Dort saß sie in einem Zimmer und las, fernab von der Welt, die sie vergaß. Es war dieses Mädchen, Claudia genannt. Sie ...

Es war einst ein Mädchen, belesen und gut. Sie lebte mit Büchern in der Stille Hut. Dort saß sie in einem Zimmer und las, fernab von der Welt, die sie vergaß. Es war dieses Mädchen, Claudia genannt. Sie las dieses Buch, und ihr Herz ward entbrannt. Elspeth, der Nachtmahr, ans Schicksal, gebunden. Sie hat die Geschichte nie überwunden. Und so ist sie bis heute gefangen. Die Geschichte im Kopf nimmer mehr gegangen. Es werden die zwei, es ist wie es scheint, das Mädchen, das Buch, für immer vereint.

Die erzählte und bleibende Geschichte:

Das Königreich Blunder ist voller Magie und von der Welt abgeschnitten und in Nebel verhüllt. Elspeth Spindle, eine junge Frau, trägt nach einer Infektion als Kind, wie viele andere, Magie in sich. Magie, so einzigartig wie ihr Träger. Doch Magie aufgrund der Infektion muss samt Magieträger, meist Kinder, vernichtet werden. Die einzige Magie, die im Königreich erlaubt ist, sind die sogenannten Vorsehungskarten, die jede für sich eine andere Art Magie in sich birgt, und ihrem Besitzer die Macht darüber verleiht. Sie befinden sich in den Reihen der Familien mit Rang und Namen, auch der Königsfamilie, und sind wertvoll, sogar sehr, und vereint die einzige Möglichkeit den Nebel um Blunder zu lichten, und die infizierten Kinder zu heilen. Doch wer nun denkt, die Macht der Karten wird für das Gute genutzt, der irrt. Denn jeder verfolgt seine eigenen Ziele. Mehrere Karten müssen erst noch gefunden werden. Und Elspeth? Ist niemals alleine. Denn ihre Magie ist der Nachtmahr in ihrem Kopf, der ihre Gedanken immer mehr in Besitz nimmt. Hinzukommt die königliche Garde mit Anführer Ravyn, der eigentliche Feind von Elspeth. Aber wer ist hier Feind, wer nicht, was ist Gut und Böse? Das gilt es in der Geschichte herauszufinden, zusätzlich zum Auffinden und der Vervollständigung der Vorsehungskarten.

Cover und Buchtitel:

Ich liebe das Cover, weil es mit der Geschichte und der Liebe zur Natur verwoben ist, die im Buch eine ganz zentrale Rolle einnimmt. Auch das dunkle Fenster des Titels ist etwas, das man diesmal eher in seiner Bedeutung erahnt, als dass man die Lösung gleich bekommt, was das Ganze noch geheimnisvoller macht. Fenster zur Seele? Fenster in eine andere Welt? Ich fürchte fast, die richtige Deutung muss bis Band 2 warten.

Fazit und Gedankenallerlei:

Seltsam berührend und melancholisch still kommt die Geschichte ohne viel Getöse daher und besticht durch Spannung auf leisen Pfoten, sich auf Krallen anpirschend ohne Vorahnung und Vorankündigung. Elspeth, Nachtmahr … eure Geschichten haben mich zutiefst berührt. Jede eigene für sich, und die eures gemeinsam verwobenen Schicksals. Die Geschichte könnte fast mit einem „Es war einmal…“ beginnen, und tatsächlich kommt gen Ende eine ähnliche Wortwahl vor, die meine liebste Szene im Buch markiert, doch erzählt das Buch seine Geschichte in eigenen Reimen, und erstrahlt als düster magisch mit hoffnungsvoll hellen Momenten, aber auch märchenhaft geheimnisvoll. Man wird sofort in das Königreich Blunder hineingezogen, in seine alten Sagen, und die Geschichte des Alten Buches der Erlen, die einen regelrecht aufsaugt.

Was hatte ich nach diesem Buch für ein Gedankenwirrwarr?! Da ist etwas, das einen schon nach der Leseprobe festhält, und nicht mehr loslässt. Eine Neugier auf die Geschichte und ihren Fortgang. Ein Mitgefühl mit den Figuren, das einen bis zum Ende nicht mehr loslässt um gleich darauf festzustellen, dass es noch ein wenig hin ist bis Band 2 der Dilogie erscheint.

Die Atmosphäre die im Buch geschaffen wurde ist einmalig. Hier ein paar Stichworte: Gänsehaut. Sogwirkung. Jahreshighlight? Nein irgendwie schon Lebenslesehighlight. Schafft Gänsehautmomente. Lädt ein zum Theoriespinnen. Dies ist nämlich eines dieser tollen Fantasybücher, die eine Welt erschaffen, in der man als Leserin und Leser davorsitzt, und gar nicht anders kann, als von Theorie zu Theorie zu schweifen, nachzudenken, und mit freudiger Erwartung Band 2 zu erwarten. Ein Buch mit der Sorte von Geschichte, an die man sich erinnert und eines Tages sagen wird: „Weißt du noch…?!“. Und wenn man das Buch mit Leuten gemeinsam liest, erscheint es als ob man zusammen am Lagerfeuer in einem düsteren Wald sitzt, sich Theorien und Geschichten zuflüstert, auf das Knacken der Äste zu wartet, die lauernden Nebel näherkommen sieht, und die Stimme des Nachtmahrs in einem selbst zu hören.

Eine uralte und ursprüngliche Magie der Wälder und Natur ist im Buch allgegenwärtig und zeigt sich schon in der Wahl der Familiennamen, die gewählt wurden. Irgendwie ist es auch eine Geschichte über Vertrauen und Masken, was sich hinter allem verbirgt, dass man Dinge erst ergründen kann, wenn man hinter die Kulissen schaut, und dass oftmals hinter allem viel mehr steckt als das Offensichtliche. Und eine Geschichte darüber, eine eigene Stimme zu haben, sein eigenes Selbst zu sein. Die Symbolik der Pflanzen zeugt von einer ganz großes Naturliebe. Familie ist ebenfalls ein Thema. Wie man als Familie zueinandersteht, wie man zueinander hält, wie man sich gegenseitig behandelt, wer wen hintergeht, wer nur auf Eigennutz aus ist, wer einen nimmt, wie man ist, wer einem Liebe entgegenbringt, wer wem gegenüber loyal ist und wer in einer Familie absolut loyal zueinandersteht. Und wer einen verrät. Der Zusammenhalt von Tante Cousine und Elspeth ist sagenhaft schön beschrieben, zumindest anfänglich. Man wird fast ein wenig wehmütig, wenn man darauf schaut, und die Konstellationen in unserem eigenen Heute ansehen muss. ODER wie einen Menschen, denen man vertraut verraten können, selbst wenn sie zur eigenen Familie gehören. Hier hat alles mehrere Seiten. Wir lernen viele Arten von Gefängnissen kennen. Die, die man sich selbst macht, die in die man unverschuldet kommt, und die schicksalshaften, auf der die ganze Last der Jahrhunderte lastet. Menschengemachte, eigens gemachte, Magie gemachte. Und ja, irgendwie setzt sich die Geschichte fest. Sie fährt ihre Krallen aus und verankert sich im Kopf, lässt nicht mehr los, und bleibt darin stecken und gefangen.

Was unheimlich interessant ist, ist das Magiesystem der Vorhersehungskarten, die es schafft mit ihrer Magie in den Bann zu ziehen, und so manche Unsicherheit im Menschen preisgibt, die durch die Geschichte getarnt werden. Doch noch mehr in seinen Bann zieht einen die wilde und unkontrollierte Magie der Infizierten des Nebels, weil sie so unberechenbar ist, eben unkontrolliert, und immer zu überraschen weiß. Und dann ist da der Nachtmahr. Er ist Bedrohung, aber auch Trost, wie ein Schutz, ein alter Freund, die Stimme in einem selbst, die einem sagt weiterzumachen. Das Ganze hat eine Sanftheit in seiner Grausamkeit, und andersrum, was man sowohl auf Nachtmahr, als auch auf die Geschichte an sich beziehen kann. Der Nachtmahr, für mich fast die wichtigste Figur im Buch, hat einen ganz besonderen trockenen schwarzen Humor, leicht ironisch, leicht sarkastisch, fast immer in Reimen sprechend, und das färbt irgendwie im Laufe der Lektüre auf einen ab. Also Vorsicht ist geboten: Es könnte sein, dass der Nachtmahr sich in eure Gehirnwindungen festsetzt, und sich dort für immer festkrallt. Und am Ende ist es genau das, was ihr wollt. Eine Geschichte, die einen nicht mehr loslässt. Jede Szene, in der er Elspeths Geist übernimmt, ist spannend und macht süchtig, so wird irgendwie auch unser eigener Geist übernommen. Der Nachtmahr ist Verbündeter, Ratgeber, Der Einzige der von sich selbst weiß, und dadurch offen und ehrlich, auf seine eigene finstere Nachtmahr Art ist. Er ist Halt, Schutz, aber auch Bedrohung, doch nicht aus Eigennutz, ist das Gute im augenscheinlich Bösen. Und das offensichtlich Böse in Gestalt mit der Denkweise des Guten. Morally Grey par excellence, das hier eine ganz neue und andere Bedeutung bekommt. Der Nachtmahr, böses Ungeheuer und Stimme in Elspeths Kopf, wird mit seinen Kommentaren, Reimen und Erzählungen schnell zu einem Wesen, einer Stimme, nein eigentlich einem Freund, mit dem man sympathisiert. Er entwickelt eine Verbindung zum Lesenden, so als ob man beim Lesen seinen eigenen düster schwarz humorigen Nachtmahr bei sich im Kopf hat.

Jede Zeile, jeder Reim hat eine tiefe Bedeutung, auf die man hören sollte. Ein 500 Jahre altes Erbe. Prophezeiungen im Geist von Elspeth, die nur sie versteht (und manchmal eben auch nicht). Magisch Zauberhaft in Sprache und Erzählstil bilden sich Bilder im Kopf, abgelegt vom Nachtmahr der beim Lesen in unseren Köpfen wohnt, und sie dort für uns hinterlässt. Er leitet uns durch die Geschichte des Buches, beschützt, behütet, und wird doch als Monster angesehen. Wir sind in Elspeths Kopf, und so ist sie Jemand, der uns unheimlich nah als Person ist. Fast schon intimerscheint das, weil man sich im Kopf und der Gedankenwelt eines anderen befindet. Doch da sind auch Masken hinter denen sich das eigene Gesicht verbirgt, ja verbergen muss, zum eigenen Schutz, und diese Masken kommen häufiger vor. Die Gedichte, seufz und wow. Sie nehmen uns mit, die Reime erzählen uns von Vergangenem, von fernen Zeiten, sie wispern und flüstern uns beim Lesen alles zu, das wir wissen, und doch erstmal verstehen müssen. Alles liegt auf dem Präsentierteller, und ist doch wie durch einen Nebel des Nichterkennens geschützt, der sich am Ende des Buches teilweise lichtet, aber auch einige Geheimnisse mit in Band 2 nimmt. Heißt: Cliffhangeralarm!

Ach so, da war ja noch was neben den Reimen :D. Ich liebe Romantasy, und nehme in Kauf, dass bei einigen Geschichten eben mehr und bei manchen weniger geschwärmt wird (wobei wir alle wissen, dass es meistens etwas mehr ist). Aber hier ist es schön, dass Elspeth keine der Frauen ist, die sofort in die Knie gezwungen wird vor lauter Coolness und gutem Aussehen, sondern eigentlich ihr Wesen und auch ihre Stärke behält. Und Ravyn besticht auch damit, dass nicht in jedem Satz geschrieben wird WIE toll er aussieht. Es ist Fühlen und Gefühl der Attraktivität, die auch daher rückt, dass nicht in jedem Satz erwähnt wird, dass die Mädchen auf den Festen ihm hinterher sehen, und er DER Mann schlechthin ist, den alle begehren, und an ihrer Seite haben wollen. Hinzukommt seine Zurückhaltung und Schüchternheit, die ich sehr schätze.

Auf alle Fälle hat mich der Schreibstil schon mal gefangen gehalten, weil es sich einfach anfühlt wie ein Märchen, und zwar eines der düsteren Sorte. Man konnte schwer aufhören, und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Auch mag ich das Symbolische der Pflanzen der Wälder, und dass jede Familie einer anderen Pflanze entspricht. Das unterstreicht die Anbetung der Natur. Das Ganze Buch spielt mit der Thematik von Schwarz und Weiß, was Gut und was Böse ist. Der Nachtmahr ist natürlich ein Ungeheuer, aber wir wissen ja, dass man nie vom Aussehen auf etwas schließen soll, was im Inneren steckt. Heißt: Der Nachtmahr hat sich einen Lieblingsplatz in meinem Herz gesichert. Sein Humor, so lustig wie düster. Was ich liebe ist fast jede Szene, wenn der Nachtmahr im Kopf sich zu Wort meldet. Die Reime sind einfach nur Kunst.

Und ich beim Lesen: „Notier deine Theorien, vielleicht stimmen ja einige“. Das endete oftmals in einer Gedankenachterbahn. Da sind so viele Einzelszenen, die ich total wichtig fand, die sehr intensiv in ihrem ganzen Sein waren. Aber es ist eben eine vollkommen intensive Geschichte. Es ist, als ob jeder beim Lesen seine eigenen Theorien aufstellt, und an jeder haftet ein Stückchen Wahrheit, so als ob alles wahr, doch nicht vollständig, aber in die richtige Richtung zielt. Und DAS ist ja quasi genau die Gestalt aus der alte Mythen gemacht werden, wenn eine Geschichte 500 Jahre alt ist, und sie von Mensch zu Mensch immer weitergetragen wird, und bei jedem nur ein kleines Stück Veränderung vorhanden ist. Ich finde das unglaublich spannend am Buch und der Geschichte. Das Buch bringt uns bei, hinter die Dinge zu schauen. Der Nachtmahr ist offensichtlich ein "Monster", aber nein, für mich ist er der interessanteste Charakter überhaupt, bei dem man wissen will, was passiert ist. Ich finde im ganzen Buch sind es nicht die Tatsachen, dass jemand so ist wie er ist, sondern eher die, die einem zu dem gemacht haben, was man nun der Welt von sich zeigt und darstellt. Es zieht sich durchs ganze Buch, dieses „WAS hat mich zu diesem und jenem werden lassen“, und nicht dieses „Ich war schon immer so“. Ich glaube da ist eine tolle Metapher im Buch für die Unzufriedenheit von vielen Menschen. Man will oftmals eben das sein, was man nicht ist, und was andere haben. Wer hat nicht schon mal im Leben sowas gesagt wie: "Ach, ich wäre lieber wie diese oder jene, weil ich so und so bin, und das an mir nicht mag". Ein zweischneidiges Schwert, bei dem wir im Grau wandeln, weil es kein Schwarz und kein reines Weiß gibt. Das ist fast so, als ob das Buch die Vorsehungskarte ist, und wir der Nachtmahr, der von der Geschichte eingesaugt wird, zumindest ein kleiner Teil unserer Seele :). Das Buch ist magisch, verzaubert einen, nimmt einen in seinen Bann und bietet ein Gefangensein in der Geschichte, das man gerne hinnimmt. Ein absolutes Highlight voller Düsternis, Schicksal, Prophezeiung, Magie, Reimen und einem Knistern, das magisch ist, sich aber nicht auf die Magie bezieht, sondern gewisse Charaktere. Während man die Geschichte liest, entfaltet sie ihre Sogwirkung. Man wird mitgerissen, hineingezogen, fast als ob man selbst dabei ist, fernab der Realität, mitten im Königreich Blunder zwischen dem Nebel und der Düsternis der Wälder gefangen. Da kommen dunkelneblig düstere Märchenvibes an. Aschenputtel? Die Schöne und das Biest? Rapunzel? Nein, was ganz Eigenes! Man verliert sich in der Geschichte, seiner Vergangenheit, dem Schreibstil und den Reimen. Fast als ob die Geschichte des Buches sich auf uns überträgt, uns gefangen nimmt. Und ganz im Sinne der Buchwidmung am Anfang fühlt man sich als stilles Mädchen mit eigenen Geschichten im Kopf auf einmal besonders, weil es eben im Buch so wichtig ist, was man im Kopf hat, welche eigenen Gedanken man fühlt, und wie einzigartig das bei jedem ist. Das Buch dringt in euren Kopf ein, lässt euch reimen, und nachdenken. In diesem Sinne: Hab acht vor dem Buche, vor dem Buche hab acht. Lies wohl mit Bedacht, wenn der Nachtmahr erwacht. Er wird dich mit seinen Worten fangen, dein Herz wird brechen, so ist es jedem ergangen. Drum lies und versteh, die Worte so weise, wenn Bäume im Nebel wispern ganz leise, und erzählen Geschichten der Vergangenheit, der Zukunft, Gegenwart und einer holden Maid. Hab acht vor dem Buche, vor dem Buche hab acht.

Dies ist eines der Bücher wo man eines Tages zurückblicken wird, und sich erinnert. Ein Highlight im Kopf hängenbleibt. Das bleibt, und nicht mehr geht. Magisch, märchenhaft, poetisch, mit zauberhaftem Märchenschreibstil. Die Geschichte hat sich mit ihren Krallen und gleichzeitig sanften Worten nicht nur in meinen Gehirnwindungen festgehakt, sondern auch in meinem Herzen. Dort ist sie nun, wirkt nach, lässt mich in meinen Gedanken reimen, ist fast wie ein Freund, mit dem man Konversation betreibt, wenn die Welt um einen dich vergisst. Wenn ich könnte, würde ich der Geschichte 10 von 5 Sternen geben, weil sie sich so mit meinem Kopf verwoben hat. Weil sie hängenbleibt. Weil sie so besonders ist. Weil sie nachdenklich und gleichzeitig melancholisch, traurig und glücklich macht. Und weil ich nur noch reimen kann, gibt es diesmal kein Rezensionslied, sondern noch ein Gedicht, das sich in meinem Kopf gebildet hat, und aufgeschrieben werden wollte:

„There once was a girl, Claudia her name, who through early years a reader became. She fell in love with a book, so fine. She lost her heart all through reading time. It is what it is, and so it began. The girl, the book, and the love that was then. So through then and now and eternity, the book will last, so the heart isn’t free. Cause there once was a girl, Claudia her name. One Dark Window the book, which in love she became. So listen to it, listen to me, the book tells the word for nothing is free.“

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Veröffentlicht am 03.04.2024

Ein Funke der Liebe im Zeitgeschehen kann zu allen Zeiten entfacht werden.

A Spark of Time - Rendezvous auf der Titanic
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A Spark of Time – Rendezvous auf der Titanic von Kira Licht

Hallo liebe Buchmenschen. Es gibt Dinge, die ich einfach liebe, oder für die ich mich unheimlich interessiere. Schöne Dinge, schreckliche Dinge. ...

A Spark of Time – Rendezvous auf der Titanic von Kira Licht

Hallo liebe Buchmenschen. Es gibt Dinge, die ich einfach liebe, oder für die ich mich unheimlich interessiere. Schöne Dinge, schreckliche Dinge. Zum einen ist da meine Affinität zu Zeitreisegeschichten. Ja, im Laufe meiner Buchlesekarriere, also fast mein ganzes Leben lang, habe ich schon immer Geschichten geliebt, in denen man durch die Zeiten reisen kann. Etwas, das uns Menschen eigentlich verwehrt geblieben ist. Bis jetzt. Doch dank Büchern, und ihren Geschichten, kommt es uns in der Lektüre manchmal genau so vor, als ob wir uns in der jeweiligen Zeit befinden, in der die Geschichte spielt. Zum anderen, und das könnt ihr nicht wissen, gibt es in just dieser Geschichte unserer Menschheit immer wieder Tragödien, die so schrecklich sind, dass sie uns auch nach Jahrhunderten nicht loslassen, und uns schlichtweg den Atem rauben. Auf die emotionale schreckliche Weise, die uns beim näheren Nachdenken immer wieder in unsere eigene Gedankenwelt bringt, und uns Fragen stellen lässt, wie wir damals reagiert hätten, was wir getan hätten …. Hätten wir genau zu diesen Zeiten gelebt. Eines dieser Ereignisse, uns das fand ich schon immer (auch vor dem Film), ist der Untergang der Titanic. Wie fühlen sich Menschen die erfrieren, die untergehen und ertrinken, die von Teilen des Schiffs erschlagen werden, oder schlimmeres im Augenblick ihres Todes erleben? Gewahr in ihren Köpfen, dass sie nun sterben werden, und dass es für die nun keine Rettung mehr geben wird, so dass der Ozean ihr Grab wird? Zu wissen, dass man zwar gerettet ist, aber auch mit dem Wissen, dass Teile der eigenen Familie vor den Augen ertrinken? Der eigene Mann, der eigene Sohn? Oder, dass ganze Familien gerade ausgelöscht werden? Ich will euch mit diesen Worten gar keine Angst machen. Aber wer den Titel des Buches liest, der sollte sich gewiss sein, dass die Titanic eine Rolle im Buch spielt. Doch nun komme ich erstmal dazu, worum es im Buch und seiner Geschichte geht.

Welche Geschichte das Buch uns erzählt:

Lilly deGray lebt mit ihrem Vater und einer Menge Geldsorgen alleine, und die beiden haben ein Antiquariat. Was die Welt nicht weiß ist, dass beide aus einer Familie von Zeitreisenden stammen, und somit die Exponate direkt aus den Zeitepochen besorgen. Das klappt immer, doch eines Tages wachsen dem Vater die Schulden über den Kopf, und da kommt der Auftrag eines Ehepaares gerade recht, die Kette einer Vorfahrin zu finden. Diese ist auf der Titanic mitgefahren. Lilly muss also nun in die Vergangenheit und ins Jahr 1912 reisen, und gibt sich als Dienstmädchen aus, tritt in die Dienste einer reichen Gräfin, und versucht an die Kette zu kommen. Doch die Zeit, die ihr sonst hilft und sie in andere Epochen bringt, ist hier gegen sie. Denn der Eisberg rückt immer näher. Und dann ist da noch ein Passagier der 1. Klasse, nämlich Ray, in den Lilly sich nach und nach verliebt. Die Frage ist, ob Lilly den Zeitreisekodex der Familie einhält, und alles so lässt, wie es ist, oder Ray retten wird. DAS … erfahrt ihr im Buch. Und bedenkt dabei immer: Zeit – Raum – Kontinuum und so ;)

Cover und Titel:

Das Cover, seufz. Ich mag die Farbgebung, weil sie so Vieles in sich vereint. Zum einen, dass es eine fantastische Geschichte der Zeitreise ist, zum anderen die im Titel genannten "Sparks", die das Meer preisgibt, weil alles eben funkelt, und damit der Funke bei mir übergesprungen ist. Und dann ist da natürlich die Farbgebung des Meeres an sich, auch wenn man es gar nicht direkt sieht. Aber wer Fantasie im Kopf hat, findet leicht eine Verbindung zum Meer und einer Sternennacht, in der eine Katastrophe passiert ist. Tatsächlich sieht das Cover fast so aus, als ob der Titel sich unter Wasser befindet, und hinab auf den Grund des Meeres sinken würde. Deswegen ist das Cover zum einen wirklich ein sehr schönes, aber auch eines, das melancholisch macht. Zumindest mich.

Fazit und Gedankenallerlei:

Es scheint so, als ob die Geschichte parallel zur Jungfernfahrt der Titanic verläuft. Erst ruhig und still, wie die See in der Nacht der Kollision. Zu still, so dass ein Eisberg nicht ersichtlich war, weil sich kein Wasser daran gebrochen hat. Später ist die Geschichte dann voller Panik, Chaos und Aufregung. So wie eine Masse von Menschen in absoluter Todesangst. Im Angesicht des Todes zeigt sich auch im Buch, wer sich selbst am nächsten ist. Die Geschichte birgt mehr in sich als man anfänglich sieht. Am Anfang scheint es fast so, als ob wir nur die Spitze des Eisbergs sehen würden. Doch mit der Zeit geht sie in die Tiefe, und wir erfahren, was sich unter der Oberfläche befindet. So wie der Eisberg unter der Wasseroberfläche. Alles nimmt gemächlich Fahrt auf. Und ab und an könnte man meinen, dass die Geschichte verknüpft ist mit ihrer Fortsetzung, dem 2. Band, der auch noch dieses Jahr er scheinen wird. Alles wirkt ein wenig wie die Vorbereitung auf etwas, das da kommt, etwas, das wir jetzt noch nicht sehen können. Und das finde ich ungemein spannend, auch wenn dadurch nicht ganz so viel Action im vorderen Teil des Buches vorkommt. Muss es auch gar nicht. Der letzte Teil entschädigt. Alles ist wie ein langsamer Aufbau der Geschichte. Wir bekommen übrigens gleichzeitig Slow-Burn, weil die Liebesgeschichte so zart und zurückhaltend beginnt, was eher der Zeit geschuldet ist. Überhaupt: Die Langsamkeit und Ruhe ist etwas, das erst im 2. Teil und zur Hälfte hin aufgewirbelt wird. Doch die Beschreibungen der Zeit sind sehr detailliert. Und was soll ich sagen? 1912 war nun einmal ein Jahr einer Zeitepoche, die für unsere heutige Schnelllebigkeit etwas langsam erscheint. Die Liebesgeschichte an sich nimmt nämlich gar nicht so schnell an Fahrt auf, andere Zeiten eben, und andere Geschwindigkeit. Was man verwechseln könnte ist dann aber, dass sie trotz der Zeit schnell an Intensität gewinnt. Etwas, das man versteht, wenn man die Charaktere beachtet und weiß, was ihnen im Leben fehlt. Denn die Räume zwischen Menschen und Gesellschaften, alles was zwischen uns steht, sei es auch die Zeit an sich, spielt natürlich eine ganz große Rolle im Buch. Sei es bei den Klassen der Gesellschaft auf dem Schiff, oder im Übrigen Umgang der Menschen im Miteinander.

Achtung: Hassmenschenalarm voraus! Euch werden einige hassenswerte Personen begegnen, und meine Vermutung ist, dass einer davon wahrscheinlich auch in Band 2 auftaucht. Ihr stoßt im Buch auf Intoleranz, Überlegenheitsdenken, Tyrannei, eine richtig mies ausgeprägte Zweiklassengesellschaft und viele Menschen, die sich für die Krone der Schöpfung halten, und die unter ihnen Stehenden genau das auch immer wieder spüren lassen. Leute mit der "Ich bin adelig und ein besserer Mensch als alle Angestellten"-Karte, die sie gerne ausspielen. Grausame Zeit im Hinblick darauf, wie Standesunterschiede waren (wobei ich ja finde, dass es in jeder Zeit Menschen gibt, die sich aufspielen, und sich für etwas Besseres halten, und die ärmeren Leute müssen dafür büßen). So, genug über die Zeiten gemeckert. Dass es Ungerechtigkeiten in unserer Welt gibt, brauche ich ja nicht zu erwähnen. Ich habe hier übrigens etwas, das ich nicht so häufig in Rezensionen habe. Nämlich, dass ich sehr wenig die Namen der Protagonistinnen und Protagonisten erwähne. Das ….. hat seinen Sinn. Glaubt mir. Aber das ist einer der Clous der Geschichte, und das sollte jeder selbst beim Lesen herausfinden. Nur so viel sei gesagt: Ihr bekommt 2 Erzählperspektiven. Lilly mag ich ungemein als Protagonistin. Sie ist nicht überheblich, aber auch nicht ganz zurückhaltend, und kann sich im Notfall wehren. Somit ist sie als Charakter sehr angenehm. Sie tut, was sie eben tun muss, und das imponiert. Auch dass sie oft den „Harten Weg“ nimmt, statt es sich leicht zu machen. Die eingeschworene Gemeinschaft zwischen Vater und Tochter finde ich sehr schön, weil sie ein Gefühl von Geborgenheit hinterlässt, und das trotz, dass Lillys Mutter vor nicht allzu langer Zeit gestorben ist.

Der Rahmen ist die Zeitreisegeschichte der Gegenwart, aber was uns immer wieder anzieht ist das Schicksal der Menschen auf der Titanic, und damit die Reise selbst in die Vergangenheit, und auf dem Schiff selbst. Wäre es eine reine Zeitreisegeschichte, würde es nicht so emotional mitnehmen. Der Rahmen ist gegeben, und er wurde gefüllt mit Drama und einer zarten Liebesgeschichte, die sich übrigens selbst auch noch beweisen muss :). Und auch, wenn das Ganze natürlich kein „Titanicbuch“ ist, sondern seine ganz eigene Geschichte erzählt, so nimmt das Unglück in seiner alles übersteigenden Dimension und Tragödie natürlich so viel Platz ein, dass man es fast doch als Buch über die Titanic durchgehen lassen könnte. Denn Kira Licht hat eines getan: Wirklich gut recherchiert. Und das, so scheint es, nicht nur aus dem Grund ein Buch über ein vergangenes Ereignis zu schreiben. Man spürt das Interesse und die Emotionalität, die der Untergang der Titanic noch heute in uns Menschen hervorruft. Denn da ist noch die Intensität des Untergangs an sich. Die Abschiede, die gemacht werden. Und an einer Stelle kamen dann wohl auch mir die Tränen, parallel zum Wasserstand der das Schiff immer mehr geflutet hat, weil es wirklich sehr emotional wurde. Weil gerade diese Thematik es ist, die uns immer wieder daran erinnert, wie schnell es vorbei sein kann, gerade auch WEIL es nur einen Moment (und einen Eisberg, der zu spät gesehen wurde) in der Zeit benötigt, der uns alles nehmen kann. Und Zeit ist etwas, das in dieser Zeitreise wirklich essenziell ist. Kann man sie ändern? Sollte man sie ändern? Will man sie ändern? Oder muss man am Ende alles so lassen, wie es passiert ist, um das Raum-Zeit-Kontinuum nicht zusammenbrechen zu lassen? Die alten Fragen der Zeitreisen eben. Zum Glück gibt es im Buch einen Kodex dafür. Die große Frage ist nur, ob dieser gebrochen wird, oder nicht. Und das muss jeder Lesende für sich selbst herausfinden.

Letztendlich, und das finde ich das Spannende am Buch, ist mal selbst froh am Leben zu sein. Wie ich das meine? Man war natürlich in keiner Gefahr beim Lesen, aber das Intensive der Geschichte und des Untergangs macht einem erst mal begreiflich, wie froh man in seinem eigenen Leben sein kann, niemals so ins Angesicht des Todes blicken zu müssen. Oder mit denen mitzufühlen, die es eben schon getan haben, gerade tun, und überlebt haben. Das ist eine schöne Lehre, und ändert so manche Sicht auf das Leben. Und dann ist da ja noch der lockere Schreibstil, der es schafft, die bedrückende Situation, von der wir alle wissen wie sie endet, etwas aufzulockern. Denn ab und an fühlt es sich ein wenig klaustrophobisch an, hat fast etwas von einem Sarg, in dem man eingeschlossen ist. Und sein wir ehrlich ----> Die Titanic und alles dort unten ist ein großes Grab. Und ich finde es gut, dass die Auflockerung des Schreibstils das nie heruntergespielt hat.

Die Idee der Zeitreise ist super umgesetzt. Natürlich findet man immer Ähnlichkeiten. Aber das macht mir persönlich gar nichts aus, weil die Geschichte ja trotzdem ihre eigene erzählt, und das Zeitreisesystem glaubhaft rüberkommen muss. Was es tut. Was ich mag ist, dass die Charaktere alle ihre Fehler haben, und dadurch realistischer rüberkommen. Dass das Geschäft von Lilly und ihrem Vater in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Dass er sich mit Kriminellen einlässt, weil er keinen Ausweg mehr findet. Dass Leute, die Geld haben immer auch versuchen noch mehr Macht und Geld zu bekommen, und dies durchsetzen, indem sie ihr Geld spielen lassen, und ausnutzen, dass andere Geld brauchen, und auch in Kauf nehmen andere finanziell zu ruinieren, und damit deren Leben. Aber ich schweife ab. Und man schweift in Gedanken ab, zumindest ich. Manche Namen zu lesen, von denen man genau weiß, dass sie in den Fluten des Ozeans beim Untergang gestorben sind, macht das Herz schwer. Dass man sie im Buch kennenlernt, und seien ihre letzten Tage auch nur erfunden, macht es persönlich. Was es noch so realistisch macht ist, dass man jede Beschreibung der Titanic im Kopf hat, wenn man sich mal Bilder angeschaut hat, in Ausstellungen war, oder eben einen bestimmten Film gesehen hat. Das macht das Kopfkino sehr realistisch. Gerade auch bei dem Cafe Parisienne, beim Rundgang im Gymnastikraum, den Kabinen und Räumen oder der großen Freitreppe.

Das Ende? Ein fantastischer Cliffhanger. Ich bin gespannt, wie es alle in die Regency Ära führen wird, und wie alles dort endet, weil…….. Band 2 ist ja Rendezvous mit Mr. Darcy und……äh…….. ich als Pemberley bin da natürlich ganz besonders hellhörig geworden! :). Natürlich wird es in Band 2 dann noch einige Schwierigkeiten geben! Oder? Hallo Kira Licht?! Naja, immerhin habe ich Mr. Dracy, yay! :). Der letzte Teil macht am meisten neugierig auf Band 2. Der 1. Teil war etwas langsamer, es ist wenig passiert, aber vielleicht ist das auch ein Merkmal der Zeit. Dass einfach nicht so viel passiert ist im Sinne davon, dass es für die Reichen eine endlose Aneinanderreihung von Essen und Bällen und Essen und Sich anziehen und hübsch machen und gesellschaftlichem Ansehen war. Und für die Bediensteten eben…..eine Zeit der dauerhaften Arbeit ohne Freizeit.

Und nochmal: Der Untergang der Titanic. Es gab ein paar bekannte Elemente, ABER…… ich finde es trotzdem gut, dass hier im wahren Rahmen geblieben wurde, also alles ungefähr so, wie es sich wirklich zugetragen haben muss, und keine wirklich großen Hinzudichtungen. Man hat auch nochmal gemerkt, wie emotional schwierig das Thema ist, allein von der Masse der Opfer. Der Ungerechtigkeiten, der Rettungen, wenn man weiß, wer überlebt hat, und wer nicht. Und einfach all das, was um die Katastrophe kreist. Ich gebe zu, bis heute, Titanic als Film nicht schauen zu können, ohne zu weinen. Jedes Mal. Obwohl ich weiß, was kommt. Es nimmt einen mit, und ich finde die Angst ist gut rübergekommen. Diese Beklemmung. Das Gefangensein in diesem, ich sag‘s nochmal, Sarg, der durch einen Eisberg dazu wurde, aus etwas, das vorher wunderschön und voller Leben war. Und dessen Faszination die Zeiten bis heute überdauert hat.

Heutiges Rezensionslied? Die Zeichen der Zeit haben es mir zugeflüstert, weil ich fand, dass der Text passt, und es nicht das ist, was wahrscheinlich viele beim Titanic-Thema erwartet haben: „Just stop your crying, it's a sign of the times. We gotta get away from here. We gotta get away from here. Just stop your crying, it'll be alright. They told me that the end is near. We gotta get away from here.“

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