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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2017

Stark beworben, stark geschrieben, schwach herausgestellt

The Ending - Du wirst dich fürchten. Und du wirst nicht wissen, warum
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„The Ending“, in der broschierten Form recht schmal ausgefallen und somit definitiv keiner der Wälzer, der einem Vielleser auf dem Verkaufstisch sofort ins Auge stechen würde, weil „da habe ich dann ordentlich ...

„The Ending“, in der broschierten Form recht schmal ausgefallen und somit definitiv keiner der Wälzer, der einem Vielleser auf dem Verkaufstisch sofort ins Auge stechen würde, weil „da habe ich dann ordentlich viel dran zu lesen“, war als Rezensionsexemplar via der Vorablesen-website zu mir gekommen. Unbedingt hatte ich diesen abwechselnd als Psychothriller oder Psycho-Drama bezeichneten Roman lesen wollen; die im Vorfeld offerierte Leseprobe, die weitgehend dem „Blick ins Buch“ entsprach, aber noch vier weitere Seiten des Inhalts wiedergab, hatte mich vollauf fasziniert und nun war die gedruckte Ausgabe auch nochmals versehen mit dem bereits in der Kurzbeschreibung gebotenen Hinweis, „The Ending“ sei eine ideale Lektüre für Fans von Stephen King oder Alfred Hitchcock.

Dabei fand ich den Schreibstil, die Art der Erzählung und ohnehin diesen kurzen Auszug aus dem Inhalt bereits sehr verdächtig, sich letztlich auf eine ganz bestimmte Weise aufzulösen (die ich sogar schon nach dem Lesen der Leseprobe im daraufhin verfassten Leseeindruck so benannte). Die Erwähnung von King und Hitchcock verstärkte diesen Eindruck noch ebenso wie die Klassifizierung als Psychodrama. Meine Vermutung bezüglich des Endes bestätigte sich schließlich, wodurch ich den Roman zwar literarisch gut erzählt, aber eben doch auch sehr vorhersehbar bzw. einfach stereotypisch fand. An den „Überraschungs-Hit“ glaube ich selbst da auch nicht, da das Thema grad in den letzten Jahren durch diverse Bücher und Filme meiner Meinung nach schon sehr klassisch geworden ist.
Aber grad diese Lobhudeleien haben mich dann bei der Lektüre bleiben lassen: Für mich war, als ich den Roman nur halb ausgelesen hatte, längst klar, dass ich mit meiner Vermutung hinsichtlich der Auflösung völlig richtig liegen müsste und ich war durchaus kurz davor, an dieser Stelle einfach abzubrechen und zu einem anderen Buch zu greifen. Doch ich dachte mir, wenn die Geschichte doch so überraschend sein sollte, müsste sie nun noch auf einen krassen Plot Twist zusteuern und plötzlich völlig anders sein. Dem war aber leider nicht so und ich dachte letztlich, dass ich es mir doch auch hätte sparen können, noch den Rest der Geschichte zu lesen. Wenn diese story „kühn und originell“ ist, wie es die Chicago Tribune verlautbaren sollen lassen hat, dann hat man dort vermutlich bereits seit spätestens Anfang der 90er keinen einzigen Film mehr gesehen (abgesehen von denen, die ich tatsächlich geschaut habe, fallen mir spontan zwei weitere Blockbuster ein, die ich selbst noch nie gesehen habe, über die aber ebenso weithin geredet wurde und von denen bekannt ist, dass sie den Faden verfolgen, der auch in „The Ending“ nun erneut gesponnen wird) und auch in diesem Jahrhundert nun noch keinen Roman gelesen.

Die Auflösung, das Ende, das zentrale Thema ist für mich selbst nun einfach längst wieder „zu durch“ gewesen; ausgelutscht und ausgenudelt. Da hat der Fakt, dass „The Ending“ stilistisch eben mehr zur großen Literatur als zur reinen Unterhaltungsbelletristik neigte, das Ruder für mich leider auch nicht mehr herumreißen können. Sehr, sehr schade! Wenn mir zehn Leute in kurzer Zeit quasi bereits die gleiche Geschichte erzählt haben, ist es mir egal, dass der Elfte sich besser, schöner, gewiefter… ausdrücken kann: Zu diesem Zeitpunkt bin ich definitiv eher gelangweilt – und schließlich froh, dass es sich bei „The Ending“ um keinen dickeren Schmöker handelte.

Drei Sterne, weil ich den Hintergrund von Allem hier so 0815 fand und die gleiche Geschichte mir zuvor halt schon so oft erzählt wurde, weswegen für mich persönlich der Roman nun eigentlich eine Zwei-Sterne-Lektüre war, jedoch: „The Ending“ ist halt ganz anders und in einem erstklassigen Stil gehalten und wäre Ian Reid der Erste gewesen, der mir eine solche story vorgesetzt haben würde, hätte er mich durchaus überrascht. In jenem Fall wäre „The Ending“ für mich nun ein Vier-Sterne-Buch gewesen. Die volle Punktzahl hätte der Roman auch da nicht eingefahren, da ich sämtliche Figuren einfach sehr ermüdend fand und diesen doch sehr gleichgültig gegenüberstand. Wäre es der rote Faden nicht schon gewesen, wären die Charaktere für mich eben immer noch sehr austauschbar geblieben. Also entscheide ich mich einfach zugunsten der goldenen Mitte zwischen zwei und vier Sternen und lasse drei Bewertungssterne an dieser Stelle zurück.

!! Zielgruppe? Achtung – Es folgt ein indirekter Spoiler… (oder auch nicht) !!
Ich werde nicht deutlicher spoilern, diese persönliche Meinung aber mit freundlichen Grüßen in Richtung von M. Night Shyamalan und auch Chuck Palahniuk abschließen – und spätestens nun werden vermutlich bereits vielen einen „Ach so! Schon wieder so eine Nummer!“-Moment erleben, aber insbesondere wer nun tatsächlich noch völlig ahnungslos ist, ja, der kann sich mit „The Ending“ wohl wirklich an „Kühnem und Originellen“ erfreuen und zumindest in dieser Kombination empfehle ich die Lektüre auch sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 17.10.2017

Eine durchschnittliche Lebensgeschichte

Durch alle Zeiten
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„Durch alle Zeiten“ erinnerte mich ein wenig an „Herbstmilch“, die Bäuerinnen-Memoiren der Anna Wimschneider, zumal ich es in diesem Falle eh auch ein wenig unklar fand, in welcher Ära die Hauptperson ...

„Durch alle Zeiten“ erinnerte mich ein wenig an „Herbstmilch“, die Bäuerinnen-Memoiren der Anna Wimschneider, zumal ich es in diesem Falle eh auch ein wenig unklar fand, in welcher Ära die Hauptperson Elisabeth nun eigentlich aufgewachsen war, da ich ihr eigenes Geburtsjahr augenscheinlich überlesen hatte: Später wird als Geburtsjahr eines Nebencharakters, der ihrer Generation angehörte, 1939 benannt, was mich doch auch ein wenig überraschte. Eine meiner Großmütter ist 1919 geboren und ich hatte bis dahin nicht den Eindruck als sei Elisabeth überhaupt jünger als meine Oma gewesen, da ich Elisabeth trotz ihrer Unstetigkeit prinzipiell sogar als sehr viel altbackener empfunden hatte. Mit ihr wurde ich nicht grundsätzlich warm und ich habe sie auch nicht als starke Frau, sondern als recht stereotypisch empfunden, teils sogar als unangenehm fordernd und herablassend bis manipulativ: So heiratete sie ihren ersten Mann hauptsächlich, um kein uneheliches Kind (übrigens von einem anderen Mann) zu gebären. Eine außereheliche Affäre ihrerseits führt zur zweiten Schwangerschaft – und auch zur Scheidung, aber ihrem ersten Ehemann, der sich immer sehr um sie bemüht hat und prinzipiell eher der Prototyp eines tollen Gatten war, gegenüber scheint sie nun völlig gleichgültig zu sein, als habe er für sie einfach nur eine Pflicht erfüllt, die sie ihm erst zugestanden hat.
Der Klappentext spricht von einer Liebe, die sie nie losgelassen hat, ohne dass ich nach dem Lesen des Romans nun wüsste, wer damit eigentlich gemeint ist: der Vater des zweiten Kindes oder der Mann, der zum Schluss der Erzählung bei ihr weilt. Für mich war Elisabeth eine Frau, die sich bereitwillig und ohne zu überlegen und ohne zu reflektieren bzw. ohne sich über mögliche Konsequenzen Gedanken zu machen, auf jeden Mann einließ, dessen Augenaufschlag ihr just gefiel. „Durch alle Zeiten“ zeugt von sehr viel Doppelmoral, sehr viel ländlichem Spießbürgertum, und während mich Klappentext und auch Covermotiv noch ein rebellisches Countrygirl erwarten ließen, welches eine Balance zwischen dem „neuen“ Rock’n’Roll-Bewusstsein und der erzkonservativen Mentalität ihres Umfelds zu finden versucht, fand ich letztlich wohl eher das Mädel vom Lande, welches ihre Rebellionen allenfalls in Form von heimlichen Liebschaften auslebte und sich gleichzeitig lediglich einzureden versuchte, sie hebe sich tatsächlich vom moralinsauren Umfeld der Umgebung ab. Denn offiziell schien sie doch hauptsächlich das gefügige Heimchen am Herd zu mimen. Ich fand Elisabeth da doch reichlich uninteressant.

„Durch alle Zeiten“ war für mich da mehr Lebensbeichte einer deprimierten und nahezu von Anfang an desillusionierten Frau, die von ihrer Nachfahrenschaft sicherlich interessiert aufgefasst werden könnte, aber wirklich „besonders“ schien Elisabeth für mich als Außenstehende und eben Nicht-Angehörige nicht zu sein. Der einzige Aspekt, durch den sie für mich auffiel, war ihr Kuckuckskindergelege, aber selbst der ihr anhaftende schale Beigeschmack von einer „Geschiedenen“ wurde eher nur beiläufig erwähnt, so dass dieser Status auch nichts gewesen zu sein schien, weswegen sie sich besonders hätte durchsetzen müssen.

Ich fand „Durch alle Zeiten“ nicht schlecht zu lesen; kommt man nicht vom Land, mag die Schilderung des Landlebens leidlich interessant klingen. Gleiches gilt generell für die Darstellung der damaligen Lebensumstände, wie sie die Hauptfigur nun erlebt hat, wobei man so oder so hier nur einen Tunnelblick angedeiht bekommt: In „Durch alle Zeiten“ scheint es nicht viel außer Elisabeth und ihrem kargen Landleben zu geben. Als allgemein gültiges gesellschaftliches Abbild fungiert diese Erzählung da also nicht. Aber ich fand es auch nicht allzu interessant, die Figuren reizten mich nicht; mir fehlte das Einzigartige, ein klares Merkmal, was Elisabeths Leben für mich besonders außergewöhnlich und erzählenswert gemacht hätte. „Durch alle Zeiten“ soll ein echtes Leben erzählen; die Figur der Elisabeth ist angeblich stark an eine Freundin der Autorin angelehnt, welche deren Lebensgeschichte nur etwas verfremdet und mit einigen fiktiven Elementen versehen habe: Ja, die Lebensgeschichte klingt realistisch, aber eben auch nach einer Geschichte, wie man sie sich von den Bewohnern des Altenzentrums im Dorf mannigfach erzählen lassen könnte – und wo man ebenso auf alte Menschen mit noch sehr viel spannenderen Lebensberichten stoßen würde. Da ist „Durch alle Zeiten“ für mich irgendwie ein Buch für alle, die wissen möchten, wie das eigentlich beispielsweise damals auf dem Land so gewesen ist, die aber zu faul, zu schüchtern, zu gestresst, wie auch immer sind, um sich einfach mal einen Nachmittag mit alten Menschen zusammenzusetzen, um sich persönlich davon erzählen zu lassen. Persönlich würde ich Letzteres gegenüber dieser Lektüre deutlich vorziehen.

[Ein Rezensionsexemplar war mir unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Veröffentlicht am 20.01.2025

Manisch, aber ohne jedwede Romantik

Love Letters to a Serial Killer
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Dieses Buch hatte mich neugierig gemacht, weil es mit einer ähnlichen Prämisse startete wie „The Innocent Wife“ von Amy Lloyd: Frau verliebt sich in mutmaßlichen Mörder; zugegeben „The Innocent Wife“ war ...

Dieses Buch hatte mich neugierig gemacht, weil es mit einer ähnlichen Prämisse startete wie „The Innocent Wife“ von Amy Lloyd: Frau verliebt sich in mutmaßlichen Mörder; zugegeben „The Innocent Wife“ war da direkt ein wenig drastischer und konfrontierte das Lesepublikum sofort mit einer, „für ihre große Liebe“, emigrierenden Frau und einer angefochtenen Verurteilung, während sich „Love Letters to a Serial Killer“ rund um den ursprünglichen Prozess abspielte – so sehr mich die Ich-erzählende Protagonistin auch mehr und mehr nervte, war es doch interessiert, wie extrem hier deutlich wurde, dass sie sich, noch von vorherigem „Liebeskummer“ (in Anführungszeichen, weil der betreffende Mann sie wohl auch eher als Kurzzeit-Affäre denn als Ex bezeichnen würde) geprägt, in die Idee einer Beziehung verrannte und generell stark depressiv war. Zum Einen empfand sie als begeistertes Mitglied eines True-Crime-Forums die Vorstellung eines Verbrecherkontaktes von vornherein als emotionalen Kick und schien sich dabei bereits hinter dem Vorwand „ich wollte den Mörder angesichts seiner Taten nur wüst beschimpfen“ zu verstecken; kein Spoiler, denn nur schon der Titel verrät ja bereits, dass der Inhalt ihrer Schreiben eine romantische Richtung einschlägt. Zum Anderen gibt sie später, als es darum geht, den Prozess vor Ort als Zuschauerin zu verfolgen, kaum weniger als Lloyds weibliche Hauptfigur auf, ist dabei aber weiter eher von Williams Schuld als von seiner Unschuld überzeugt und weiß auch Nachfragen nicht zu beantworten, wie sie sich ihre Zukunft mit William denn weiter vorstellen würde, egal, ob er nun schuldig gesprochen (und dann vermutlich zum Tode verurteilt) oder eben nicht werden würde. Da gab es nie diese Überzeugung von seiner Unschuld und kein ausgemaltes „dann leben wir glücklich bis ans Ende unserer Tage“.

Tatsächlich habe ich die ganze Zeit damit gerechnet, dass irgendwer endlich mal auf Hannah und ihr obsessives Verhalten aufmerksam werden würde und (anstelle sie in ihrem Verhalten zu bestärken) auch die offizielleren Stellen rund um den Prozess informieren würde, denn sie gehörte ganz offensichtlich vor sich selbst beschützt – zumal sie später auf Indizien stößt, dass, sollte William unschuldig sein, vermutlich jemand aus dessen Familie der wahre Mörder ist, aber weil sie es auch für irgendwie möglich hält, dass die von ihr ansonsten verdächtigten Kerle einfach auch nur an Williams Unschuld glauben (wollen) und verzweifelt nach Beweisen hierfür suchen: natürlich sucht sie ganz demonstrativ deren Nähe und verbringt auch alleine und einzeln Zeit mit diesen, um in Gesprächen noch genau auf die von ihr gesammelten Indizien hinzuweisen, die dafür sprechen, dass man William diese Mordserie einfach nur in die Schuhe geschoben hat. Den, geschweige denn dessen Anwälte, setzte sie natürlich hingegen über nix davon in Kenntnis.

„Love Letters to a Serial Killer“ erzählt in meinen Augen da vornehmlich die Geschichte einer suizidalen Stalkerin; und auch das auf eine Art, die mich eher nervte. Mir war es, um ehrlich zu sein, sehr schnell völlig egal, ob William oder einer seiner Verwandten nun der Killer war: stattdessen hoffte ich, dass sich die Geschichte der Ich-Erzählerin möglichst bald dadurch erledigt haben würde, dass Hannah noch abgemurkst werden würde. Egal wie viele Seiten noch vor mir lagen: der Rest hätte ja auch noch auktorial erzählt werden können, oder personal vom Täter, aber Hannah als Erzählstimme war einfach viel zu sehr „oh, Honey“ (Gruß geht raus an die HIMYM-Drehbuchcrew).
Andererseits: ab dem Moment, an dem mich Hannahs Figur so sehr ermüdet hatte, gewann die Handlung für mich dann auch an Spannung, da ich bei jedem Einzelkontakt zu einem anderen Verdächtigen drauf wartete, dass er sie jetzt „harhar, haste mich erwischt – und jetzt Pech gehabt“ auch umbringen würde, aber da gab es wieder und wieder Treffen, bei denen nichts passierte und angesichts derer ich ständig dachte: „Hannah, du solltest vielleicht nicht allein mit einem mutmaßlichen Serienkiller da rumhängen und dem dabei alles anvertrauen, was dir grad so auffällt, dass es für dich wahrscheinlich macht, dass er ebenso gut wie William schuldig sein könnte.“

Ein Happy End habe ich für mich aufgrund Hannahs Auftreten schon von vornherein ausgeschlossen; wie erwähnt: sie war zu keinem Zeitpunkt absolut von Williams Unschuld überzeugt, verteidigte ihn nie vehement und hatte auch keine Vorstellung davon, wie ihre Romanze nach dem Prozess weitergehen sollte; immerhin da war sie reflektiert genug, dass es nicht für eine vertrauensvolle, ebenbürtige Beziehung spricht, so sehr am Partner zu zweifeln, als dass man dem bei dessen Freispruch noch geradeaus in die Augen blicken könnte – und bei einer Verurteilung hätte sich das mit dem von ihr ersehnten heilen Familienleben, um das sie ihre alten Freundinnen und Kolleginnen doch so beneidete, ebenso erledigt.
Wirklich überraschend fand ich das Ende dann auch nicht, aber auch das fiel für mich nun eher unter „konstruierte Dämlichkeit“; ich denke, so schnell will ich erstmal keine Romane mehr lesen, in denen Frauen sich in ihren Knast-Brieffreund verlieben, der vielleicht ein Mörder ist, vielleicht aber auch nicht, aber wer sich für einen solchen Trope interessiert, dem würde ich dann doch eher den Titel von Amy Lloyd anraten, was vor Allem daran liegt, dass dort die Figuren nicht allesamt so extrem farblos sind; in diesem Coryell-Roman gibt es auch insgesamt nicht einen Charakter, der irgendeinen Reiz ausübte; selbst Williams angebliches Charisma kam für mich gar nicht rüber und auch die ausgetauschten Briefe empfand ich eher klinisch-nüchtern. (Grade da hätte ich angesichts des gewählten Buchtitels doch sehr viel mehr Liebe drin erwartet.)

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Veröffentlicht am 16.06.2023

Laaaaaaaaangsam

Find mich da, wo Liebe ist
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Nachdem ich mich durch die ersten 39% des Romans entnervt hindurchgelangweilt gehabt hatte, habe ich das restliche Buch sehr lange vor mir hergeschoben, unschlüssig, ob ich es überhaupt noch zu Ende lesen ...

Nachdem ich mich durch die ersten 39% des Romans entnervt hindurchgelangweilt gehabt hatte, habe ich das restliche Buch sehr lange vor mir hergeschoben, unschlüssig, ob ich es überhaupt noch zu Ende lesen wollen würde: nun ja, die weiteren 61% haben weitgehend dem ersten Drittel entsprochen. Die Nebenfigur der Nadia war letztlich der einzige mich überzeugende Faktor hier; die Beziehung zu David war für mich von Anfang an eine einzige Farce, wobei ich das angesichts des Hinweises in der Buchbeschreibung, dass diese schon seit acht Jahren so läuft, schon fast erwartet hatte, dass sie eben NICHT "über alle Zweifel erhaben" ist. So entsprach die Beziehung im Buch für mich auch eher einer der unglückseligen Dreiecksgeschichten, in der der verheiratete Mann reichlich lässig zweigleisig fährt, während die Geliebte sich ewig vertrösten lässt und überzeugt bleibt, dass er "aber eigentlich nur sie will".
Ich habe nie so sehr wie hier bei einem Liebesroman darauf gehofft, dass der ursprünglich Angeschmachtete von der Protagonistin infolge eines Heureka-Moments noch abgesägt werden würde und sie anderweitig die große Liebe fände, zumal David hier über eine weite Strecke einfach völlig minder- bis gar nicht repräsentiert wurde: In der ersten Hälfte des Romans wuselt Grace hauptsächlich in ihrem kleinen Lädchen bzw. ihrer Werkstatt umher und denkt dabei ab und an mal sehnsüchtigst an David, aber für mich kam da gar nicht rüber, wieso sie sich mit ihm als so glücklich ansah - für mich hätte sie da ebenso gut für irgendeinen beliebigen Superstar schwärmen können: da hätte ich ziemlich genau denselben Eindruck wie von Davids und ihrer Beziehung gehabt. Wahrscheinlich sogar einen besseren, weil der unbekannte Superstar sie nicht schon jahrelang "in der Hinterhand behalten" hat.
Im Verlauf wird zwar zu erklären versucht, wieso Grace so wenig Selbstsicherheit besitzt, dass sie das Ganze schon seit Jahren so mitgemacht hat, aber für mich blieb es, grad angesichts der zeitlichen Länge, unglaubwürdig: mit all diesen Zweifeln wäre es doch weitaus wahrscheinlicher, dass sie schon nach weniger als einer Handvoll Jahren dieser Art von Beziehung gecrasht wäre. Da Grace in Bezug auf den Instrumentenbau aber so viel Wissen, Leidenschaft und Stolz besitzt, machte es für mich noch unverständlicher, dass sie im Liebesleben da so duckmäuserisch und schon fast einem Mann hörig gewesen sein sollte. Ich bin also auch mit der weiblichen Hauptfigur nicht wirklich klargekommen.

In meinen Augen hätte dies ein toller Roman werden können, wäre der Fokus von Anfang an darauf gelegt worden, dass Grace endlich all ihre Kräfte bündelt und sich aus einer verdrehten Pseudo-Partnerschaft löst, um endlich wirklich glücklich werden zu können; anstelle hatte ich das Gefühl, dass man mich erstmal dazu drängte, mich zu Grace auf ihre rosarote Zuckerwattewolke zu setzen, von der ich sie aber quasi schon ab der ersten Seite runterschubsen wollte.
Ich habe in diesem Fall echt darauf gelauert, dass "Find mich da, wo Liebe ist" einfach noch den Sparks machen und einen Teil des ursprünglichen Traumpaars, in diesem Fall dann also David, killen würde: es hätte den Roman meiner Meinung nach so viel besser gemacht, hätte Grace hier frühzeitig begonnen, anderweitig ihr Glück zu suchen. Was den versprochenen "Neuanfang" angeht, um den sich die Handlung doch drehen sollte, deutete über eine sehr weite Strecke nämlich absolut rein gar nichts daraufhin, dass hier demnächst irgendwas wirklich anders werden würde. Die zweite Buchhälfte war da zwar immerhin deutlich dynamischer, aber die erste Hälfte war so festgefahren, dass es mich nicht wundern würde, wenn es da außer mir noch zahlreiche; und in diesem Fall meine ich "zahlreich" definitiv wortwörtlich; Andere gibt, die über kaum mehr als das erste Viertel des Buchs hinauskommen, ehe sie die Flinte ins Korn werfen.

Veröffentlicht am 13.04.2023

Mau

Lass das mal den Opa machen! (Der Offline-Opa 2)
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Dem ersten Habicht-Band war ich letztlich eher mittelprächtig zugetan, da „Günter Habicht“ mir zu wenig originell und im Verlauf auch zu sehr gen Online-Omi Renate Bergmann konzentriert war, aber hatte ...

Dem ersten Habicht-Band war ich letztlich eher mittelprächtig zugetan, da „Günter Habicht“ mir zu wenig originell und im Verlauf auch zu sehr gen Online-Omi Renate Bergmann konzentriert war, aber hatte damals schon entschieden, einem zweiten Buch Günter Habichts doch auch noch eine Chance geben zu wollen, vornehmlich um herauszufinden, ob er sich doch selbst noch mehr als starke Hauptfigur etablieren würde können.
Nein, in meinen Augen hat er das absolut nicht geschafft; tatsächlich fand ich „Lass das mal den Opa machen“ nun noch etwas schwächer als „Wo kommen wir denn da hin“ und stufe diesen Band insgesamt aber als ungefähr gleichwertige Kann-man-muss-man-nicht-Drei-Sterne-Lektüre ein: Vor Allem zum Ende hin verfiel man wieder in die Unart, ständig auf Renate Bergmann zu verweisen, aber hatte man da im ersten Teil noch einige Anekdötchen beizutragen, die vor Allem dazu beitrugen, mal zu zeigen, wie die Online-Omi von ihrem Umfeld wahrgenommen wird, wurde hier eigentlich wieder und wieder zitiert, was die Online-Omi irgendwann mal in Bezug auf Kindererziehung (heute und früher) gesagt hatte, und kurioserweise war Renate Bergmann somit die Figur, die in diesem Buch am Meisten zu sagen schien, denn Günter Habicht ist absolut kein kommunikativer Mensch und selbst wenn er sich mit seiner Frau unterhielt, hatte das was häufig eher etwas von Wohngemeinschaft als von Familie. Und vor Allem in diesem Buch, in dem es doch um das Großvaterwerden geht, hat es mir echt an Herzlichkeit gefehlt (auch wenn Günter hier nun auffällig oft beiläufig betont hat, wie toll er seine Frau -noch immer- findet, aber auch diese kleinen Liebesbekundungen wirkten so konstruiert und übertrieben; wie jemand, der im Gespräch mit Dritten extralaut ist, damit es Erwähnte bloß auch mitbekommen, was er über sie zu sagen hat, denn Brigitte direkt gegenüber kam auch dem Günter eher keines dieser Komplimente über die Lippen); es geht im Übrigen tatsächlich fast ausschließlich darum, Großvater zu werden und nur wenig darum, Großvater zu sein: Da ist auch das Covermotiv missverständlich und es gibt auch nicht eine Szene, in der Günter Habicht tatsächlich selbst die Windeln des Enkels wechselt; allerdings endet das Buch auch bereits kurz nach der Geburt des Enkels. Beginnt das Buch mit dem zum ersten Mal auf den Enkel aufpassenden Günter, ist dies zugleich auch die Schlussszene: Hier erzählt Günter Habicht eigentlich nur, wie er die Schwangerschaft seiner Tochter erlebt hat und was er sich überlegt hat, wie das früher so alles war und was für ein Opa er nun gerne sein möchte.
Das „einzige Abenteuer mit Kinderwagen“, das Günter somit bisher erlebt, ist sein Gang ins Fachgeschäft, um einen Kinderwagen zu kaufen und mir war das Großvatersein letztlich hier viel zu theoretisch; vornehmen kann man sich da ja viel, und okay, eigentlich hat Günter Habicht auch nur wenig anderes getan als sich vorzunehmen, was er als Opa tun wollte, wenn das Kind überhaupt erst da wäre.

Ich habe die Lektüre zwar sehr schnell beenden können; der Schreibstil war wieder eher locker, aber was den Humor angeht, hat mir das Buch eher nur einige eher müde Lacher entlocken können; tatsächlich würde ich das Buch auch eher der leichten Unterhaltung zuordnen, aber definitiv nicht unter „Humor“ kategorisieren. Ich bin mir übrigens noch unsicher, ob ich dem echten Autor hinter Bergmann/Habicht dafür Respekt zolle, so krass unterschiedliche Hauptfiguren entworfen zu haben, oder doch Zweifel daran habe, dass derselbe Autor Bücher für beide Charaktere schreibt, weil sie eben auch in der Darstellung (Bergmann eher aktiv als vorpreschende Erzählerin, Habicht eher passiv der gedankenvolle Beobachter schreibend) so völlig anders sind.
Auf ein weiteres Habicht-Buch bin ich jetzt aber überhaupt nicht mehr neugierig; von mir aus kann dieses Spin-off getrost wieder eingestellt werden.