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Veröffentlicht am 17.03.2026

lesenswert, mit kleinen Schwächen

Villa Rivolta
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Rezension zu „Villa Rivolta“ von Daniel Speck
In Villa Rivolta entführt Daniel Speck uns, wie schon in seinem ersten Roman „Bella Germania“ nach Italien. Wer schon einmal einen Roman von Daniel Speck gelesen ...

Rezension zu „Villa Rivolta“ von Daniel Speck
In Villa Rivolta entführt Daniel Speck uns, wie schon in seinem ersten Roman „Bella Germania“ nach Italien. Wer schon einmal einen Roman von Daniel Speck gelesen hat weiß, dass er eine tolle Ausdrucksweise hat. Er schafft es immer wieder einen authentischen, atmosphärischen Rahmen für seine Geschichten zu schaffen.
Villa Rivolta wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen erfahren wir, wie die Protagonisten Piero und Valeria sich kennenlernen, als sie Kinder waren. Wir begleiten sie beim Erwachsenwerden, sehen wie sie sich immer wieder entfernen und wieder annähern, können beobachten, wie sich ihre Freundschaft immer wieder verändert. Zum anderen lernen wir beide als Erwachsene kennen und miteinander kommunizieren. Valeria fährt mit ihrem Sohn Tonino zu Piero, der helfen soll, Toninos Schulverweis abzuwenden. Diese Zeitebene ist vor allem deshalb interessant, weil der Grund für Toninos drohenden Schulverweis ist, dass er ein Waffe mit in die Schule gebracht hat und man über die Gespräche in dieser Zeitebene herausfindet, wo diese überhaupt herkommt. Außerdem ist die Interaktion zwischen Piero und Valeria als Erwachsene spannend zu beobachten. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der älteren Zeitebene, die das Erwachsenwerden der beiden begleitet.
Den Rahmen der Geschichte bildet die Historie der Familie Rivolta, die es tatsächlich gibt. Ihr gehört die Firma Iso, die vor allem für ihre Autos bekannt war. Die Geschichte der Familie ist interessant, konnte mich jedoch nicht so mitreißen, wie die Geschichten in den vorherigen Büchern des Autors.
Insgesamt ist „Villa Rivolta“ sprachlich wieder sehr gelungen. Die Freundschaft zwischen Piero und Valeria ist ebenfalls interessant. Allerdings haben die Figuren mich etwas weniger mitgerissen, als ich es von dem Autor kenne. Das kann auch an der Rahmenhandlung an sich liegen. Zudem hat mich Valerias Zeit mit Flavio, dem Vater ihres Sohnes teilweise etwas genervt, weil ich ihn weniger verstehen konnte und am Ende Fragen offen blieben. Dennoch bleibt der Roman lesenswert.

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Veröffentlicht am 12.04.2024

Familie, Fremdbestimmung, Freiheit

Was das Meer verspricht
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Rezension zu „Was das Meer verspricht“ von Alexandra Blöchl
Alexandra Blöchl hat mit „Was das Meer verspricht“ einen atmosphärischen Roman über eine junge Frau geschrieben, die sich selbst verloren hat. ...

Rezension zu „Was das Meer verspricht“ von Alexandra Blöchl
Alexandra Blöchl hat mit „Was das Meer verspricht“ einen atmosphärischen Roman über eine junge Frau geschrieben, die sich selbst verloren hat. Gelungen ist das Nordseesetting. Die Protagonistin Vida lebt auf der kleinen Nordseeinsel N. Beim Lesen hat man schnell das Gefühl, sich einen Pullover überziehen zu müssen, so stürmisch und typisch nordisch wirkt die Insel an den meisten Tagen. Das passt hervorragend zur Geschichte. Vidas Leben scheint erstmal so, wie sie es sich vorgestellt hat. Doch als Marie in das Nachbarhaus einzieht, beginnt sie plötzlich an ihrem Leben zu zweifeln. Dunkle aber auch helle Momente begleiten sie von da an, bis alles seinen Höhepunkt findet. Genau jener Höhepunkt ist es allerdings, der mich nicht so überzeugt hat.
Die Figuren sind interessant gezeichnet. Lange mochte ich Vida und ihre Entwicklung. Zum Ende jedoch wurde die Situation, meiner Meinung nach, zu dramatisch und einfach zu viel.
Der Roman ist dennoch empfehlenswert, da die Geschichte ein interessantes Setting hat und zum Nachdenken anregt. Familienkonstellationen und -dynamiken kommen dabei genauso zum tragen wie die Frage wie vorbestimmt oder fremdbestimmt unser Leben sein kann durch die Umstände in denen wir aufwachsen. Der Roman besticht außerdem durch seinen schönen Stil und die kurzen Kapitel.

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Veröffentlicht am 13.11.2022

schön gestaltet

In 80 Büchern um die Welt
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Rezension zu „In 80 Büchern um die Welt“
In 80 Büchern um die Welt lässt Literatur entdecken, in der es um das Reisen geht.
Das Buch ist toll gestaltet. Die Bücher werden kurz inhaltlich vorgestellt. ...

Rezension zu „In 80 Büchern um die Welt“
In 80 Büchern um die Welt lässt Literatur entdecken, in der es um das Reisen geht.
Das Buch ist toll gestaltet. Die Bücher werden kurz inhaltlich vorgestellt. Ergänzend gibt es außerdem Informationen zum Autor und ggf. zur Entstehungsgeschichte des vorgestellten Werks. Begleitet wird der Text von zeitgenössischen Bildern oder Darstellungen, die an das Werk erinnern oder von ihm inspiriert sind. Das alles passt toll zusammen und macht „In 80 Tagen um die Welt“ zu einem angenehmen Buch zum Durchstöbern. Die vorgestellten Werke sind vielfältig, sodass man Neues entdecken und sich über Bekanntes freuen kann. Im dritten großen Kapitel wird das „Reisen“ eher abstrakt in dem Sinne, dass hauptsächlich Werke vorgestellt werden, in denen es um eine innere Reise geht. Dieser Teil war mir etwas zu weit ab von dem, was ich erwartet habe und gerne gelesen hätte. Für diesen Teil ist der Titel des Buches irreführend. Verwirrend ist außerdem, dass im Klappentext Jane Austen erwähnt wird, aber keines ihrer Werke im Buch aufgelistet ist.
Der letzte Teil ist wieder gelungen. Die Auswahl ist abwechslungsreich und eine Mischung aus freiwilligen Reisen und unfreiwilligen Reisen in Form von Migration.
Insgesamt ist das Buch, trotz Schwächen, ein schöner Schatz für das Bücherregal, den man immer wieder zur Hand nehmen kann. Es besticht dabei auch durch die schöne Gestaltung.

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Veröffentlicht am 17.03.2022

mal anstrengend, mal mitreißend: außergewöhnliche Geschichte

Unser wirkliches Leben
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Rezension zu „Unser wirkliches Leben“ von Imogen Crimp
Imogen Crimp erzählt in ihrem Roman „Unser wirkliches Leben“ die Geschichte der jungen Opernstudentin Anna. Dabei fällt zunächst die Schreibweise ...

Rezension zu „Unser wirkliches Leben“ von Imogen Crimp
Imogen Crimp erzählt in ihrem Roman „Unser wirkliches Leben“ die Geschichte der jungen Opernstudentin Anna. Dabei fällt zunächst die Schreibweise auf. Dialoge werden nicht mit Anführungszeichen gekennzeichnet. Nach kurzer Eingewöhnung stört dies den Lesefluss aber nicht. Die Autorin erzählt die Geschichte um Anna schnörkellos.
Interessant wird das Buch vor allem durch die Figuren. Die Protagonistin Anna ist ehrgeizig und arbeitet zielstrebig auf ihr Ziel, eine bekannte Opernsängerin zu werden hin. Sie ist freundlich, bodenständig und kämpft ich durchs Leben. Ihre Kommilitonen scheinen alle aus besseren Elternhäusern zu kommen, doch davon lässt sie sich nicht aufhalten. Dann trifft sie Max und ihr Leben verändert sich. Max ist ein reicher Geschäftsmann und einige Jahre älter als sie. Die Beziehung ist so konstruiert, dass man als Leser zu Beginn nicht weiß, was man davon halten soll. Ohne es zu merken wird man immer weiter in die Geschichte gezogen, die man so schlecht einschätzen kann. Genau das macht aber hier den Reiz aus. Nach und nach bekommt Max und die Beziehung zwischen ihm und Anna eine Kontur. Man hofft mit Anna bei Castings und sorgt sich um sie. Obwohl sich die Beziehung von Anna und Max beim Lesen komisch anfühlt, kann man nicht aufhören zu lesen, denn die Geschichte wirkt wie aus dem Leben gegriffen. Wie viele Menschen merken, dass sie nicht glücklich sind, aber schaffen es nicht, eine Änderung herbeizuführen? Wie viele befinden sich in Abhängigkeiten und können sich nicht daraus lösen? Zu viele. Anna ist viele dieser Menschen. Wie es ihr damit ergeht, muss schon jeder herausfinden. Das Ende hat mich zumindest überrascht, obwohl es so gut zum Roman passt.
Insgesamt ist der Roman also lesenswert, auch wenn man immer wieder mit dem Kopf schütteln muss und Anna hier und da gerne anschreien würde. Die Geschichte ist nicht überragend, aber die Figuren lassen einen auch nicht los. Wer gerne einen Roman lesen möchte, der keine klassische Liebesgeschichte beinhaltet, der sollte mal reinlesen.

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Veröffentlicht am 20.02.2021

Schöne Geschichte

Das Beste, was mir je passiert ist
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Rezension zu „Das Beste, was mir je passiert ist“ von Johanna Schreiber
Mit einem lockeren, flüssig lesbaren Schreibstil erzählt Johanna Schreiber die Geschichte dreier Frauen. Von Beginn an ist man als ...

Rezension zu „Das Beste, was mir je passiert ist“ von Johanna Schreiber
Mit einem lockeren, flüssig lesbaren Schreibstil erzählt Johanna Schreiber die Geschichte dreier Frauen. Von Beginn an ist man als Leser mitten drin und lernt die drei Frauen nach und nach kennen. Gelungen ist der Einstieg, in dem zunächst die Schicksale der drei Frauen rund um ihre Schwangerschaft erzählt wird. So hat man einen ersten Eindruck und kann die Verhaltensweisen der Frauen besser verstehen.
Alle drei sind sympathisch und bringen mit ihrer Geschichte den Leser dazu mit ihnen mitzuleiden und sich mitzufreuen.
Eine Stärke des Buches ist zudem, dass die drei ganz unterschiedlichen Probleme in ihrem Muttersein haben. Probleme, die weit verbreitet sind, aber oft nicht angesprochen werden, aus Angst, in der Gesellschaft als Versagerin zu gelten.
Es macht Spaß zu „beobachten“ wie Ermine, Freddie und Sigrid in Kontakt treten und sich näher kennenlernen, wo sie doch auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. Die Frauen müssen einstecken, überraschen, wachsen über sich hinaus, finden ihren Weg. Das zu verfolgen macht Spaß. Dieser Roman ist also eine schöne Lektüre, vor allem für diejenigen, die schon Mutter sind, oder bei denen es nicht in allzu ferner Zukunft so sein könnte. Der Roman inspiriert dazu, sich auf sich und seine Bedürfnisse zu konzentrieren und nicht auf die gesellschaftlich-kollektive Meinung, die vielleicht überhaupt nicht zu einem passt. Ein gelungener Roman!

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