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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.04.2024

Gelungene Adaption

James
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Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huck Finn haben auch mich durch meine Jugend begleitet. Nun hat Percival Everett die Abenteuer am Mississippi genommen und erzählt die Geschichte aus der Perspektive des ...

Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huck Finn haben auch mich durch meine Jugend begleitet. Nun hat Percival Everett die Abenteuer am Mississippi genommen und erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Sklaven Jim. Das gelingt ihm nicht nur ganz hervorragend, die Geschichte bewahrt sich absolut ihren Abenteuer-Charakter, gleichzeitig wird das Leben der Sklaven facettenreich beleuchtet und in den Vordergrund gestellt. Sollte man unbedingt lesen.

Zum Inhalt: Jim ist ein Sklave seit seiner Geburt. Schon seine Eltern waren Sklaven, seine Frau ist eine Slavin und auch seine Tochter. Zu ihrem Schutz stellen sie sich dumm, fügen sich in ihr Leben und versuchen sich klein und unsichtbar zu machen. Als man Jim verkaufen will, flieht er von der Farm. Am Mississippi trifft er auf Huck, der ebenfalls von zu Hause und seinem gewalttätigen Vater weggelaufen ist. Gemeinsam schlagen sie sich entlang des Mississippi durch, während Jim überlegt, wie er auch seine Familie retten kann.

Ich finde es total gut umgesetzt wie in dieser Geschichte durch die Begegnungen und Weggefährten ganz viele verschiedene Eindrücke erzeugt werden und die Geschichte dadurch sehr facettenreich und durchweg mitreißend und spannend ist. Das Buch hat dadurch nicht nur einen aufklärenden Charakter, da es die Augen des Lesers für die Umstände der Sklaverei öffnet, sondern es hat sich auch diesen gewagten Charme von Abenteuergeschichten bewahrt, da sich Huck und Jim immer wieder in die Bredouille bringen.

Der Autor arbeitet wirklich sehr gekonnt mit Sprache, schafft einerseits mit wenigen Worten große Bilder und tiefgreifende Eindrücke und gleichzeitig ist sagt er sehr viel zwischen den Zeilen aus. Das hat die Lektüre für mich nochmal bedeutsamer gemacht und ich habe versucht auch gezielt auf Wortwahlen zu achten. Dass hier viel mit dem Südstaaten-Slang der Sklaven gearbeitet wird, war für mich ein weiteres sehr gelungenes Stilmittel. Am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig zu lesen, aber ich finde, dass es den Text an sich einfach großartig ergänzt hat. Ich mochte auch den eher nüchternen Erzählton, die im krassen Gegensatz zu meinen eigenen Empfindungen während des Lesens stand, als würde Jim sich von seiner eigenen Situation distanzieren, während ich immer tiefer hineingezogen wurde.

Das Buch macht auch Lust das Original nochmal zu lesen, um zu erfahren, wie Huck während dieser Odyssee empfunden hat und welchen Stellenwert Jim in der Originalerzählung einnimmt. Ich bin nicht unbedingt Fan von Nacherzählungen und Adaptionen, aber diese hier finde ich absolut gelungen. Ein Buch, das man lesen sollte.

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Veröffentlicht am 14.04.2024

Hinreißend witzig und so so süß

Yours Truly
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Hach, ich schmachte immer noch über dieses Buch, es ist eigentlich die perfekte Sommerromance- locker, leicht, mit einem witzigen Vibe und zwei charmanten Protagonisten, die sich nicht scheuen, sich auch ...

Hach, ich schmachte immer noch über dieses Buch, es ist eigentlich die perfekte Sommerromance- locker, leicht, mit einem witzigen Vibe und zwei charmanten Protagonisten, die sich nicht scheuen, sich auch mal zu Ei zu machen. Liebs, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Zum Inhalt: eigentlich stand für Briana ihre nähere Zukunft schon fest: sie würde die Leitung der Notaufnahme übernehmen, ihre Scheidung würde endlich rechtskräftig werden und dann würde sie den Männern abschwören und sich auf ihr Karriere konzentrieren und darauf, sich um ihren kranken Bruder zu kümmern. Womit sie nicht gerechnet hat war Jacob, der nicht nur reichlich Chaos in ihr Leben bringt, sondern auch Gefühle in ihr weckt.

Die beiden Protagonisten sind personifiziertes Chaos, aber auch die charmante Art. Damit haben sie mich wahnsinnig oft zum Lachen gebracht, was nicht nur an ihren abstrusen Konversationsthemen lag, sondern auch an den skurrilen, teils klischeehaften Situationen, in die sie sich hineinmanövrieren. Besonders Jacob ist mir dabei sehr ans Herz gewachsen.

Ich sags wies ist: der Miscommunication Trope ist stark in diesem Buch und das obwohl die Protas viel und auf diversen Wegen (diese Briefe!) miteinander kommunizieren. Hätte meinen Kopf beim Lesen manchmal gerne vor Frustration gegen die Tischplatte geschlagen. Aufgrund der wechselnden Perspektiven bekommt der Leser natürlich detaillierte Einblicke in das Gefühlsleben von Brian und Jacob, die recht offen und ehrlich zu sich selbst sind, miteinander aber wie auf rohen Eiern gehen. Kann das dem Buch auch nur verzeihen, weil es einfach urkomisch ist.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich, dass das Krankenhaus-Setting nach einem starken Start dann sehr kurz kam. Dabei ging es da super vielversprechend los, verlief sich dann aber irgendwie in der Resthandlung. Das ist aber meckern auf sehr hohem Niveau. Ich habe trotzdem jede Seite genossen, schallend gelacht und fand das Buch ganz fabelhaft.

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Veröffentlicht am 07.04.2024

Brisant, perfide, spannend

Gestehe
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Für mich ist „Gestehe“ das erste Buch von Henri Faber, aber da ich zuletzt viel positives, besonders über dieses Buch gehört habe, bin ich neugierig geworden. Und kann bestätigen, dass dieses Buch ein ...

Für mich ist „Gestehe“ das erste Buch von Henri Faber, aber da ich zuletzt viel positives, besonders über dieses Buch gehört habe, bin ich neugierig geworden. Und kann bestätigen, dass dieses Buch ein echter Pageturner ist, rasant, brutal und spannend bis zum Schluss.

Zum Inhalt: ein brutaler Mord an einer Maklerin der Wiener High Society erschüttert die Stadt. Der Fall hätte für Polizist Mo die die Chance sein können, endlich hinter seinem Schreibtisch hervorzukommen und sich im aktiven Dienst einen Namen zu machen. Doch Star-Ermittler, Volksheld und Autor Johann Winkler kommt ihm zuvor. Bis er das Opfer sieht und ihm die Szene seltsam vertraut vorkommt.

Ich mochte die Idee vom Buch im Buch sehr gerne und besonders die „Er“ Perspektive, entnommen aus dem Buch und gleichzeitig bitterböse Realität hat mir wahnsinnig gut gefallen und war ein hervorragendes Stilmittel um Stimmung zu erzeugen. Die Morde sind ganz schön brutal und es gibt detaillierte Beschreibungen der Opfer.

Jacket ist ein klassischer Antiheld, ein Feigling und Blender. Im Bestreben das Richtige zu tun, ohne sich selbst zu entlarven, bringt er sich immer mehr in die Bredouille. Das Buch watet mit unerwarteten Wendungen auf und hat es geschafft, mich absolut an der Nase herumzuführen- großartig konstruiert und inszeniert.

Das Thema selbst finde ich aktuell und brisant und das Buch legt ein ordentliches Tempo vor. Finde den Fall durchweg spannend und interessant geplattet. Neben Jackett hat mir vor allem auch Mo als Gegenstück/ Gegenspieler zu Jackett gefallen, der auch mehr Diversität in die Geschichte bringt.

Insgesamt ein starker Thriller, der mir gut gefallen und mir keine Ruhe gelassen hat.

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Veröffentlicht am 07.04.2024

Wow

Wären wir Vögel am Himmel
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Ganz ehrlich, ich finde die historische Vorbemerkung großartig, nicht nur um die Geschichte an sich besser einordnen zu können und ihre Umstände zu verstehen, sondern auch, weil die Autorin direkten Bezug ...

Ganz ehrlich, ich finde die historische Vorbemerkung großartig, nicht nur um die Geschichte an sich besser einordnen zu können und ihre Umstände zu verstehen, sondern auch, weil die Autorin direkten Bezug zu ihrer eigenen Familie schafft. Dass diese Geschichte auf wahren Erlebnissen beruht, macht die Schrecken noch greifbarer und gleichzeitig die kleinen, hoffnungsvollen Momente noch kostbarer. Ein wunderschönes, schmerzlich berührendes Buch.

Zum Inhalt: 1941 rücken die Deutschen in die von den Russen besetzte Ukraine vor. Was zuerst unter der Bevölkerung für Hoffnung sorgte, wird schnell zum neuen Schrecken, denn auch die deutschen brauchen Zwangsarbeiter. Und so werden Lilija, die eigentlich von einem Studium an der Universität träumte und ihr Cousin Slavko mach Leipzig deportiert. Was sie am Leben hält, ist die Hoffnung auf Flucht und ein Wiedersehen mit ihrer Familie.

Was ich unglaublich plastisch geschildert fand, waren die Zwistigkeiten innerhalb der Bevölkerung von Wolhynien, die auf ihren unterschiedlichen Abstammungen beruhten und darauf, dass immer eine andere Besatzungsmacht das Land und die Menschen ausbeutete. Hier werden Realität und Fiktion gut miteinander verwoben und ergeben ein sehr stimmiges Bild.

Familienbande stehen im Zentrum dieser Geschichte und mir ist schier das Herz gebrochen, wie hier Familien auseinandergerissen wurden. Ich fand auch Vika einfach unglaublich beeindruckend, wie sie die Suche nach ihren Kindern nicht aufgeben wollte. Es ist eine Geschichte von mutigen, starken Menschen, die nicht aufgeben und allem, was ihnen entgegengesetzt wird, standhalten. Das hat mich mich tief berührt und nachhaltig beeindruckt.

Die Geschichte ist natürlich sehr fokussiert auf Einzelschicksale, das große Drumherum bleibt eher schwammig, was mich aber nicht gestört hat, es handelt sich schließlich um kein Geschichtsbuch.
Die Autorin hat eine angenehme Erzählweise gewählt, die Kapitel sind nicht zu lang und legen einen emotionalen Fokus.

Ich habe das Schicksal der Familie gespannt verfolgt, mit ihnen gebangt und gehofft. Mich hat das Buch gut abgeholt und mitgerissen.

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Veröffentlicht am 07.04.2024

Packender Thriller

Die Dämmerung (Art Mayer-Serie 2)
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Die Dämmerung ist der zweite Fall für den Berliner Polizisten Art Mayer. Nachdem ich schon Band 1 wirklich stark geplottet fand, habe ich mich sehr auf diese Fortsetzung gefreut. Nicht zuletzt, weil ich ...

Die Dämmerung ist der zweite Fall für den Berliner Polizisten Art Mayer. Nachdem ich schon Band 1 wirklich stark geplottet fand, habe ich mich sehr auf diese Fortsetzung gefreut. Nicht zuletzt, weil ich auch die persönlichen Verstrickungen von Art Mayer total interessant fand. Wieder stark konstruiert und spannend bis zur letzten Seite hat mich auch dieser Band wieder begeistert.

Zum Inhalt: die zur Schau gestellte Leiche von Philantropin und Society Lady Charlotte Tempel gibt den Ermittlern Rätsel auf. Nicht zuletzt, weil man sie mit einem Geweih arrangiert auffindet- ein Wink auf die bestehende Preisverleihung, bei der Charlotte für ihre Wohltätigkeitsarbeit ausgezeichnet werden sollte? Und schnell gerät ihre eigene Tochter in das Visier der Ermittler, die sich nicht gerade kooperativ zeigt.

Also zuerst mal muss ich ja sagen, dass ich es total genial finde, dass auch dieser Fall wieder Verbindungen zu Art selbst und seinem Umfeld hat. Das macht auch Art selbst irgendwie plastischer und gibt ihm mehr Tiefe. Generell liebe ich das an ihm total, dass er einfach nicht wegsehen/ weggehen kann, sondern sich immer mitten ins Chaos stürzt. Aber nicht nur ihn, auch seine Kollegin Nele und Milla habe ich seit Band 1 sehr ins Herz geschlossen und besonders Milla ist auch in diesem Band wieder sehr präsent und wird zu einem festen Bestanteil ins Arts Leben.

Dass man durch die Bandaufzeichnungen quasi eine Geschichte in der Geschichte hat, hat mir als Stilelement richtig gut gefallen und ich habe immer total auf den nächsten „Audioabschnitt“ hingefiebert, um die Identitäten von Bo und Bell zu lüften. Das wurde wirklich packend und interessant inszeniert und gibt der Geschichte eine geheimnisdurchzogene Brisanz.

Am Ende werden alle losen Fäden bekommt miteinander verknüpft, sodass der Fall zu einem schlüssigen Abschluss gebracht werden kann. Ein paar Fragen bleiben bewusst offen, was ich aber sehr authentisch finde.

Wieder ein packender Fall, mit gutem Erzähltempo und interessantem Background. Hat mir richtig gut gefallen, ich konnte das Buch nicht weglegen.

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