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Veröffentlicht am 18.04.2024

Der schmerzhafte Weg zur Selbstfindung

Was das Meer verspricht
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Trauriges, fast poetisches Buch über den schmerzhaften Weg der Selbstfindung und die erste große Liebe.

„Was das Meer verspricht“ ist so ganz anders als die Bücher, die ich normalerweise lese. Es nimmt ...

Trauriges, fast poetisches Buch über den schmerzhaften Weg der Selbstfindung und die erste große Liebe.

„Was das Meer verspricht“ ist so ganz anders als die Bücher, die ich normalerweise lese. Es nimmt sich Zeit die Handlung zu entwickeln und gibt doch immer wieder Hinweise, worauf es am Ende hinausläuft. Es ist kein Buch der Spannung und Geheimnisse aber eine eindringliche und traurige Geschichte über die junge Frau Vida.

Diese lebt ein Leben im Gewohnheitstrott - wie es von ihr erwartet wird - auf einer Nordseeinsel. Als eines Tages eine unbekannte „Meerjungfrau“ in das verwaiste Nachbarhaus zieht, verändert sich für Vida alles.

Erzählt aus der Ich-Perspektive erleben wir, wie Vida langsam nicht nur ihre Beziehung und bevorstehende Hochzeit, sondern ihren kompletten Lebensentwurf und die Beziehungen zu ihrem Bruder und ihrer Mutter in Frage stellt. Es ist ein schmerzhafter Prozess voller Zweifel, Schmerz, Hoffnung und überbordender Liebe.

Dabei hatte ich manchmal das Gefühl, dass sich die Gedanken wiederholen - aber irgendwie ist es auch gerade das, was die Geschichte so authentisch macht. Das innere Gedankenkarussell und die intensiven Überlegungen.

Vida ist ein Charakter, der sich im Verlauf der Handlung stark entwickelt und meiner Meinung nach wird das Buch konsequent zu Ende gebracht.

Der Schreibstil ist sehr schön und voller wundervoller Formulierungen. Die Kapitel sind sehr kurz, so dass man geradezu hindurch fliegt.

Eine wirklich schöne, wenn auch emotional traurige Geschichte.

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Veröffentlicht am 28.03.2024

Macht, Intrigen und düstere Familiengeheimnisse

Meeresfriedhof
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Dieses Buch hat mich mit seiner Komplexität - sowohl der Charaktere als auch der behandelten Themen - wirklich überrascht.

Es geht um eine mächtige, norwegische Familie mit zwei verfeindeten Linien. Als ...

Dieses Buch hat mich mit seiner Komplexität - sowohl der Charaktere als auch der behandelten Themen - wirklich überrascht.

Es geht um eine mächtige, norwegische Familie mit zwei verfeindeten Linien. Als die Familienälteste stirbt, bleibt das Testament verschollen und es zeigen sich Hinweise, dass sich in der Vergangenheit der Falcks einige dunkle Geheimnisse verbergen. Sascha fängt an zu recherchieren und mit ihr tauchen wir ein in die norwegische Vergangenheit des dritten Reiches, in den Kampf gegen den IS und in die Welt der Geheimdienste.

So behandelt das Buch einige historische Momente wie den Untergang des Hurtigrutenschiffes „Prinsesse Ragnhild“ 1940 sowie die zumindest für mich eher unbekannte Zeit der norwegischen Besatzung durch die deutsche Wehrmacht sowie die Widerstandsbewegung - sowohl auf Seiten der Sozialdemokraten als auch innerhalb der Deutschen Wehrmacht. Diese hat mich wirklich fasziniert und auch mit ein paar neuen Informationen versorgt.

Die Charaktere sind allesamt unheimlich vielschichtig und undurchschaubar. So treffen diese wiederholt Entscheidungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte und die so die Spannung aufrecht erhalten und meine Sympathien regelmäßig in Frage gestellt haben.

Das Ende dieses ersten Teils einer Trilogie ist gut gelungen und verspricht schon jetzt eine spannende Fortsetzung der Geschichte. Für mich definitiv ein gelungener Auftakt - ich freue mich bereits auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 19.03.2024

Starker Roman über die Macht der Worte

Malnata
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„Malnata“ ist ein wirklich starkes Debüt der italienischen Autorin Beatrice Salvioni. Im historischen Kontext des Faschismus der 1930er Jahre und des Abessinienkrieges schafft sie zwei gegensätzliche, ...

„Malnata“ ist ein wirklich starkes Debüt der italienischen Autorin Beatrice Salvioni. Im historischen Kontext des Faschismus der 1930er Jahre und des Abessinienkrieges schafft sie zwei gegensätzliche, sehr starke und facettenreiche Charaktere und ein Statement für die Selbstbestimmung der Frau.

Francesca kommt aus einem strengen und recht lieblosen Elternhaus, in dem der Status eines „braven Mädchens“, Etikette und Angepasstheit einen hohen Stellenwert haben, um nach Außen das perfekte Bild abzugeben. Sie trifft auf „Malnata“, die Unheilbringerin, und findet in ihr mehr als nur eine Freundin. Unangepasst, frech und wild weckt diese Sehnsüchte und den Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung in Francesca.

Es ist ein tolles Buch, dass einen mitnimmt in eine Zeit des Fachismus, in der die Kriegsstimmung lebendig wird - von der Angst bis zur Euphorie. Eine Zeit, in der von den Frauen erwartet wurde, dass sie geben ohne etwas dafür zu verlangen und in der die christliche Religion mit ihrem Bild von Gut und Böse, Gott und Teufel allerhand an Aberglaube und Ablehnung provoziert hat.

Die verschiedenen Charaktere sind sehr klar skizziert und stark in ihrer Persönlichkeit und Entwicklung - das betrifft vor allem die beiden Protagonistinnen aber auch die diversen Nebencharaktere, über die verschiedene Themen in das Buch einfließen.

„Malnata“ bezieht eine klare Position und ist in Zeiten der erstarkenden Rechten und der #MeToo Bewegung - wenn auch historisch angesiedelt - doch top aktuell. Absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.03.2024

Spannendes Jugendbuch über Freundschaft und Zusammenhalt

The Fort
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Ein spannendes Buch für Jugendliche, das wichtige Themen anspricht und viele Möglichkeiten zur Identifikation mit den Charakteren bietet.

Mir hat „The Fort“ ausgesprochen gut gefallen. Ich habe es an ...

Ein spannendes Buch für Jugendliche, das wichtige Themen anspricht und viele Möglichkeiten zur Identifikation mit den Charakteren bietet.

Mir hat „The Fort“ ausgesprochen gut gefallen. Ich habe es an einem Tag gelesen, da die Handlung absolut fesselnd war und die kurzen Kapitel und wechselnden Perspektiven mich geradezu durch das Buch getragen haben.

Im Zentrum des Buches stehen die fünf Jungen Mitchell, Evan, C.J., Jason und Ricky, die nach einem Hurricane einen alten Bunker im Wald finden, der durch den Sturm freigelegt wurde. Dieser Bunker ist mit allem ausgestattet, was das Herz begehrt und wird für die fünf geheimer Treffpunkt und Unterschlupf. Jeder der Jungen hat auf die ein oder andere Weise sein Päckchen zu tragen - ob Scheidung der Eltern, Abwesenheit der Eltern, Gewalterfahrungen, Umzug oder Zwangsstörungen - aus meiner Sicht kann sich sicherlich jeder jugendliche Leser in der ein oder anderen Figur ganz oder teilweise wieder finden. Das Buch bietet auf jeden Fall ausreichend Identifikationspotential.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich gezeichnet und jeder der fünf Jungen kommt als Ich-Erzähler zu Wort. In kurzen Kapiteln wechselt so immer wieder die Erzählerperspektive und erlaubt einem, noch näher an die Protagonisten heranzukommen und Einblick in die heimlichen Gedanken und Gefühle jedes einzelnen zu erhaschen. Die Handlung ist spannend, mit allerhand Herausforderungen für die Jungs und spitzt sich zum Ende hin schön zu.

Ein Buch über die Schwierigkeiten der Pubertät, über Familie und vor allem über Freundschaft und Zusammenhalt. Ein Buch mit der schönen und wichtigen Botschaft, dass man die Probleme, die das Leben für einen bereithält, nicht alleine bewältigen muss, sondern dass man sich Hilfe holen darf.

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Veröffentlicht am 11.03.2024

Über Recht und Gerechtigkeit

Zeit der Schuldigen
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True Crime vom Feinsten - ein spannendes und einfühlsames Buch, das unser Rechtssystem aus verschiedenen Perpektiven beleuchtet.

Das Buch „Zeit der Schuldigen“ hat mich wirklich begeistert. Es ist spannend, ...

True Crime vom Feinsten - ein spannendes und einfühlsames Buch, das unser Rechtssystem aus verschiedenen Perpektiven beleuchtet.

Das Buch „Zeit der Schuldigen“ hat mich wirklich begeistert. Es ist spannend, berührt und lässt einen dann doch irgendwie fassungslos zurück. Anhand eines wahren Falls geht es um die Fallstricke der Justiz und den rechtlichen Grundsatz „ne bis in idem“, das Verbot der Doppelbestrafung bzw. -Anklage.

Inspiriert wurde der Roman von dem wahren Mordfall an der 17 jährigen Frederike von Möhlmann in den frühen 1980er Jahren und den jahrzehntelangen Kampf ihres Vaters um Gerechtigkeit für seine Tochter.

Obwohl der zugrundeliegende Fall und die damit verbundenen Gerichtsverfahren sich an die Realität halten und damit bekannt sind bzw. sein können, schafft der Autor es mit einer fiktiven Rahmenhandlung, einen roten Faden der Spannung und Unvorhersehbarkeit durch die Erzählung zu ziehen.

Als praktizierender Jurist ist der Autor vom Fach wenn es um die diversen Gerichtsverhandlungen geht. Dabei schafft er es, ein Thema, das schnell trocken und zäh werden kann, unheimlich emotional aufzuladen und sehr menschlich zu machen. Mit seinem wunderschönen Erzählstil erweckt er den Gerichtssaal zum Leben und lenkt den Blick auf die Opfer bzw. deren Angehörige. Man kann richtig fühlen, wie zermürbend und anstrengend es für sie ist, diese Verhandlungen durchzustehen.

Als Leser ist die dargestellte Rechtssprechung ob ihrer offensichtlichen Ungerechtigkeit kaum auszuhalten. Insbesondere, wenn man im Hinterkopf hat, dass dieser Roman keine reine Fiktion ist. Dennoch versteht man auch, wie komplex das Thema ist und dass es zu allen rechtlichen Fragen auch immer ein Für und Wider und unterschiedliche Positionen gibt…. Auslegungssache..

Ein wirklich tolles Buch, dass einen noch eine Weile gedanklich beschäftigt. Für mich war das das erste und ganz sicher nicht das letzte Buch des Autors.

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