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Veröffentlicht am 10.08.2025

Das glückliche Leben

Das glückliche Leben
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"Das glückliche Leben" von David Foenkinos hat mich aus einer Leseflaute geholt und das obwohl Foenkinos eigentlich eine relativ typische Geschichte erzählt - eine Geschichte von einer lebensverändernden ...

"Das glückliche Leben" von David Foenkinos hat mich aus einer Leseflaute geholt und das obwohl Foenkinos eigentlich eine relativ typische Geschichte erzählt - eine Geschichte von einer lebensverändernden Beobachtung, die zu einem Neuanfang ermutigt und davon, dass es für so einen Neuanfang nie zu spät ist.

Obwohl diese Prämisse grundsätzlich dazu einlädt, kitschig zu sein, trifft diese Beschreibung auf "Das glückliche Leben" meiner Meinung nach gar nicht. Für mich glich die Lektüre eher einem französischen Großstadtfilm zwischen Melancholie und Humor. Es geht nicht nur darum, einen neuen Blick auf das Leben zu bekommen, sondern auch darum, der Vergangenheit rückblickend einen Sinn zu geben.

Zwei verlorene Menschen begegnen sich durch eine Verkettung vieler Zufälle wieder und versuchen, ihr Leben neu zu ordnen. Der Eine nach einem Moment radikaler Selbstbegegnung, die Andere nachdem sie nicht mehr nur stille Mitspielerin ihres Lebens sein will. Die beiden Hauptfiguren Éric und Amélie bieten einem dabei sehr viel Potenzial, sich in ihnen selbst wiederzuerkennen. Sie sind in ihrem Denken und Handeln so nervig neurotisch, dass man mit ihnen mitfühlen muss und hofft, dass sich die Ereignisse für sie zum Guten wenden.

Foenkinos Schreibstil mochte ich ebenfalls schon immer: feinfühlig, aber direkt und nicht zu blumig. Auch der Übersetzer Christian Kolb hat hier einen hervorragenden Job gemacht.

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Veröffentlicht am 30.05.2024

Ein Buch wie eine Umarmung

Bücher und Barbaren
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Ich habe vor der Lektüre schon viel von Travis Baldree gehört, mich aber zunächst nie an seine Bücher gewagt, weil ich nicht wusste, ob mir das "Cozy Fantasy"-Genre so zusagt. Das hat sich nach "Bücher ...

Ich habe vor der Lektüre schon viel von Travis Baldree gehört, mich aber zunächst nie an seine Bücher gewagt, weil ich nicht wusste, ob mir das "Cozy Fantasy"-Genre so zusagt. Das hat sich nach "Bücher und Barbaren" definitiv geändert.

Zwar hat es ein paar Seiten gedauert, bis ich mich so richtig in die Geschichte hineingefunden habe, aber einmal drin, lernt man die diversen Charaktere, ihre Dynamik und Beziehungen untereinander, und ganz besonders das Setting einfach schnell zu lieben. Die Geschichte um die Ork-Kriegerin Viv (endlich mal ein Ork als Hauptcharakter!), die sich darum kümmert, einen alten Buchladen wieder auf Vordermann zu bringen, war nicht nur herzerwärmend schön und unterhaltsam geschrieben, sondern hat mich auch dazu gebracht, noch vor dem Beenden "Magie und Milchschaum" zu bestellen (das Buch, dessen Vorgeschichte in "Bücher und Barbaren" erzählt wird) und direkt im Anschluss zu lesen. Und das hat mir sogar noch mehr gefallen! Einfach eine wirklich tolle und empfehlenswerte Reihe.

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Veröffentlicht am 26.04.2024

Atmosphärisches Debüt

Die Tage des Wals
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"Die Tage des Wals" ist ein historischer Roman, der auf einer abgelegenen Insel vor der walisischen Küste kurz vor dem Zweiten Weltkrieg spielt. Die Geschichte ist mehr oder weniger das Coming-of-Age einer ...

"Die Tage des Wals" ist ein historischer Roman, der auf einer abgelegenen Insel vor der walisischen Küste kurz vor dem Zweiten Weltkrieg spielt. Die Geschichte ist mehr oder weniger das Coming-of-Age einer jungen Frau namens Manod. Sie lebt mit ihrem Vater, einem Hummerfischer, und ihrer jüngeren Schwester Llinos zusammen ein Leben, das vor allem geprägt ist von Arbeit und den Begrenzungen der kleinen Insel - dem rauen Wetter, der geringen Anzahl an Bewohnern und der Entfernung zum Festland. Doch als ein Wal auf der Insel strandet, bringt er nicht nur sein eigenes kleines Ökosystem mit sich, das die Inselpopulation - Mensch wie Tier - beschäftigt, sondern auch zwei Ethnografen aus Oxford. Joan und Edward, die auf die Insel gekommen sind, um ihre Menschen und Bräuche zu studieren, sind es wiederum, die in Manod tiefsitzende Sehnsüchte befeuern.

Schon nach wenigen Seiten habe ich mich in Elizabeth O'Connors Worte verliebt, die mir Salz auf die Lippen zauberten und den Geruch von Fisch in meine Nase aufstiegen ließen. Zwar begegnet mir das Thema der abgelegenen Insel und dem monotonen Dasein in der Literatur in letzter Zeit häufiger, doch gerade vor diesem etwas anderen geschichtlichen Hintergrund schwingt bei diesem Roman permanent eine eindringliche, manchmal gar unheimliche Atmosphäre beim Lesen mit, obwohl alles sehr ruhig ist. "Die Tage des Wals" mag nicht unbedingt ein Unterhaltungsroman sein, ist aber ein faszinierend geschriebener Ausschnitt eines Lebens, der uns Ungleichheit und Ungerechtigkeit vor Augen führt, aber gleichzeitig auch sehr viel Raum für Interpretation und Gedanken lässt, zur eigenen Introspektion anregt und der daher nicht nur durch seine Kunstfertigkeit besticht, sondern auch noch eine Weile nachklingt. Ich bin mehr als gespannt auf weitere Werke der Autorin, die hier für mich auf jeden Fall bereits ein großes Talent unter Beweis gestellt hat.

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Veröffentlicht am 24.03.2024

Wo Worte verbinden und Fantasie die Realität heilt

Die Vermesserin der Worte
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Die junge Autorin Ida Hermann hat ihre Worte verloren; sie kann nicht mehr schreiben, ihr Kopf ist wie leergefegt. Schließlich muss sie einen Job als Haushaltshilfe annehmen, um sich über Wasser ...

Die junge Autorin Ida Hermann hat ihre Worte verloren; sie kann nicht mehr schreiben, ihr Kopf ist wie leergefegt. Schließlich muss sie einen Job als Haushaltshilfe annehmen, um sich über Wasser halten zu können. Eine Annonce, die ihr Postbote ihr aus Gutmütigkeit vorbeibringt, führt sie zu einem Anwesen, dessen Herrin eine verschroben anmutende, ältere Dame ist. Während diese ihre früheren Haushaltshilfen allesamt vergrault hat spürt Ida eine Verbindung, über die sie Frau Selig zu erreichen scheint. Die gemeinsame Leidenschaft für Worte. Und gleichzeitig sind es die Worte, die beiden irgendwie abhanden gekommen zu sein scheinen.

Die Art und Weise, wie Ida die einzelnen Seiten von Frau Seligs Lebensgeschichte zu einer Geschichte zusammenfügt, neu schreibt, und damit Stücke von sich selbst findet, hat mich ein kleines bisschen an „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid, die Idee selbst ein wenig an „Das Lavendelzimmer“ von Nina George erinnert.

Man muss aber Katharina Secks Schreibstil mögen. Er ist besonders, fantasievoll und sehr bildhaft - einige würden ihn aber möglicherweise als schwurbelig beschreiben, was er vielleicht auch stellenweise ist. Für mich sind die Bilder, die Katharina Seck mit ihren Worten malt, nichtsdestotrotz eine willkommene Abwechslung zum aktuellen TikTok-Mainstream, der unterhaltsam ist, aber zum Teil einfach etwas charakterlos wirkt. Secks Hauptcharaktere sind keine überzeichnete Version ihrer selbst. Häufig müssen sie sich neu kennenlernen, mit prägenden Ereignissen umgehen, mühevoll verlorene Stücke ihrer Identität zurückerobern, Ängste überwinden, mutig sein.

Wer Katharina Seck mag, wird daher auch "Die Vermesserin der Worte" schätzen. Eine berührende Geschichte voller Menschlichkeit.

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Veröffentlicht am 16.07.2024

Persönliche Anekdoten über strukturelle Probleme

Potenziell furchtbare Tage
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Mir fällt es sehr schwer, eine richtige Rezension zu „Potenziell furchtbare Tage“ von Bianca Jankovska zu schreiben und zusammenzufassen, ob und wem ich dieses Buch empfehlen würde. Für mich ist es interessantes ...

Mir fällt es sehr schwer, eine richtige Rezension zu „Potenziell furchtbare Tage“ von Bianca Jankovska zu schreiben und zusammenzufassen, ob und wem ich dieses Buch empfehlen würde. Für mich ist es interessantes Werk, das viele spannende Themen anspricht und den Leser:innen interessante Ansätze und Gedankenexperimente, vor allem zu den Themen Arbeit/Anti-Work und Menstrual Health aufzeigt. Es ist aber auch in der Hauptsache ein sehr persönliches Buch, nur an manchen Stellen gibt es dann wieder sehr viele Zahlen und Fakten - für mich war das leider nicht immer eine gelungene Mischung (vermutlich, weil es meinen Erwartungen, die ich aufgrund des Titels und des Klappentextes hatte, nicht gerecht wurde). Wer ein reines Sachbuch erwartet, wird mit diesem Buch vermutlich nicht glücklich und für mich las es sich auch mehr wie ein Blog oder Newsletter. Naturgemäß haben mich natürlich auch einige der Themen etwas weniger interessiert als andere und manches hätte ich mir gern ausführlicher gewünscht. Ich mag aber die Art und Weise, wie die Autorin schreibt und ich finde auch ihre ehrliche und authentische Herangehensweise beim Schreiben dieses Buches, die Aufklärung und das Umdenken inspirierend. Selbst wenn ich mit manchen Positionen nicht übereinstimme, so finde ich mehr Vielstimmigkeit in Diskussionen, gerade wenn es um unsere Gesundheit in der Arbeitswelt geht, sehr sehr wichtig.

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