Profilbild von c-bird

c-bird

Lesejury Star
offline

c-bird ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit c-bird über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Melodie des Todes

Totenlied
0

Jane Rizzoli? Maura Isles? Nein, die beiden werden Sie in diesem Buch nicht finden. Dennoch ist es eine ebenso spannende wie mysteriöse Geschichte,

Doch worum geht es eigentlich?
Die amerikanische Violinistin ...

Jane Rizzoli? Maura Isles? Nein, die beiden werden Sie in diesem Buch nicht finden. Dennoch ist es eine ebenso spannende wie mysteriöse Geschichte,

Doch worum geht es eigentlich?
Die amerikanische Violinistin Julia Ansdell bringt von einer Romreise ein altes Notenbuch mit Zigeunerweisen mit. Darin enthalten ist ein sehr komplizierter Walzer, den Julia zuhause nachspielen will. „ Incendio“ – „das Feuer“, so lautet der Titel. Doch dann geschieht etwas Unfassbares. Die sonst so friedfertige dreijährige Tochter Lily scheint sich beim Klang der Melodie zu verändern und attackiert sogar ihre Mutter. Geht von dem Lied etwas Bösartiges aus?
Ärzte und Psychologen sind ratlos. Doch Julia will dem Ursprung des Liedes ergründen und reist erneut nach Italien…

„Totenlied“ ist ja nicht der erste stand-alone außerhalb der Rizzoli/Isles-Reihe. Doch hier schlägt Tess Gerritsen eine völlig neue Richtung ein.

Das Buch besteht eigentlich aus zwei Handlungssträngen. Zum einen wird die Geschichte Julias in der Gegenwart erzählt, während der zweite uns die Geschichte von Lorenzo und seiner Familie näherbringt. Lorenzos Geschichte geht weit zurück bis zum ersten Weltkrieg, der Hauptteil jedoch spielt während des zweiten Weltkriegs.
Lorenzo ist ein hochbegabter Violinist. Er probt ein gemeinsames Duett mit Laura, der Tochter von Professor Balboni, der ein Freund seines Großvaters ist. Die beiden ergänzen sich nicht nur in der Musik prächtig und so entwickelt sich eine kleine Liebesgeschichte. Doch leider kommt alles anders…
Die Geschichte ist sehr fesselnd geschrieben und durch den ständigen Wechsel der Erzählperspektiven zwischen Julia und Lorenz knistert es ganz gewaltig. Aber die Geschichte ist auch eine traurige Geschichte, die das Leben einer Familie aufzeigt.

Tess Gerritsen ist eine begnadete Erzählerin. Und auch die Bezeichnung Thriller ist absolut berechtigt. Ich habe das Buch in einem Stück durchgelesen, da ich so fasziniert war von der Geschichte. Eine Geschichte, die mich sehr berührt hat und die mir noch lange nachgehen wird. Dieses Buch vergisst man nicht so leicht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Bilder an der Wand

Baumgartner kann nicht vergessen
0

Ein LKW in einem Schotterteich. Der Inhalt: schockierend und erschreckend zugleich. Fünf Leichen, die Identität unbekannt. Die Opfer müssen schon 3 – 4 Wochen in dem Fahrzeug gelegen haben. Zudem sind ...

Ein LKW in einem Schotterteich. Der Inhalt: schockierend und erschreckend zugleich. Fünf Leichen, die Identität unbekannt. Die Opfer müssen schon 3 – 4 Wochen in dem Fahrzeug gelegen haben. Zudem sind Todeszeitpunkt und auch die Todesarten verschieden. Ein großes Rätsel vor dem die Grazer Mordgruppe steht. Wer sind die Toten? Handelt es sich etwa um Flüchtlinge?

Es ist bereits der dritte Fall für den kauzigen, aber genialen Ermittler Franz Baumgartner. Es ist jedoch nicht zwingend notwendig die Vorgängerbände gelesen zu haben, da jeder Fall für sich geschlossen ist. Dieses Mal ist Caroline Meier von der Grazer Mordgruppe jedoch ziemlich auf sich allein gestellt, da Franz Baumgartner immer noch wegen seines Alkoholkonsums suspendiert ist. Zur Verstärkung rückt Kevin Hiebler nach. Der sympathische 30jährige ist eine echte Bereicherung für die Grazer Mordkommission.
Währenddessen macht sich Franz Baumgartner auf die Suche nach einem Freund aus Kindheitstag. Paul, der schon immer eine dunkle Seite in sich trug und vom Tod fasziniert war. Und tatsächlich wird Baumgartner fündig – doch er ahnt Schreckliches…
Parallel dazu erfährt man etwas über eine kleine Gruppe von Menschen, die eingesperrt in einem Raum sind. Wird ihnen die Flucht gelingen?
Geschickt gelingt es dem Autor nach und nach die drei Handlungsstränge miteinander zu verbinden. Die Kapitel sind angenehm kurz und die Perspektiven wechseln ständig. Ein durchweg spannender Krimi, der sehr gut erzählt ist.
Gut gefallen hat mir auch, dass einige offene Punkte aus den Vorgänger hier nochmals aufgegriffen und geklärt wurden.
Ein brandaktuelles Thema, das leider von der Realität schon längst eingeholt wurde.
Mittlerweile ist mir das Team der Grazer Mordgruppe schon richtig ans Herz gewachsen und so hoffe ich auf eine baldige Fortsetzung.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Sumpf von Intrigen und Korruption

Totenvogel
0

Wien in den frühen Morgenstunden. Ein Toter wird zwischen zwei geparkten Autos gefunden. Es handelt sich um keinen Geringeren als den Innenminister. Österreich ist schockiert. Den Fall übernimmt Oberst ...

Wien in den frühen Morgenstunden. Ein Toter wird zwischen zwei geparkten Autos gefunden. Es handelt sich um keinen Geringeren als den Innenminister. Österreich ist schockiert. Den Fall übernimmt Oberst Radek Kubica. Er ist gerade erst wieder nach einer Verletzungspause zum Leiter der Mordkommission Wien ernannt worden. Seine Ermittlungen fördern jede Menge Dreck zu Tage. Innenminister Liebermann war involviert in ein Geflecht aus Korruption, Machtmissbrauch, Sex und Gier. Da mangelt es nicht an potentiellen Tätern…

Es ist bereits der zweite Fall für Oberst Radek Kubica. Den Vorgänger „Donauwölfe“ kannte ich leider nicht. Dadurch hatte ich anfänglich Probleme mit der Vielzahl der Figuren, die mir nicht vertraut waren. Doch mit ein paar Notizen ging es dann und sobald die Charaktere gefestigt waren, wollte mich die Geschichte gar nicht mehr loslassen und ich mochte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Der Spannungsbogen lag die ganze Zeit hoch.

Der Prolog beginnt mit dem Auffinden der Leiche im Mai. Danach springt die Geschichte ein halbes Jahr zurück und zeichnet die Ereignisse auf, die sich vor dem Tod Liebermanns ereigneten. Liebermann log und betrog wo es nur ging, Intrigen wohin man nur schaute. Doch die Obrigkeiten halten auch nach seinem Tod noch die schützende Hand über ihn, schließlich sind auch die anderen darin verwickelt. Kubica bekommt so manchen Stein in den Weg gelegt.

Auch privat läuft es nicht gerade rund für Kubica. Mit seiner Freundin Margot liegt er im Dauerclinch. Hinzu kommen noch ständige Telefonate mit seiner Ex Anne, die mit dem gemeinsamen Sohn in London lebt.
Ein wirklich gelungener Wien-Krimi. Nicht nur die Figuren waren gut ausgearbeitet und wirkten sehr authentisch, zudem hat der Autor auch jede Menge Lokalkolorit einfließen lassen.

Sehr angenehm und kurz fand ich die Kapitel. 134 Kapitel auf 286 Seiten sprechen für sich. Dadurch wechselte nicht nur ständig die Perspektive, sondern man fühlt sich selbst angetrieben noch ein weiteres Kapitel zu lesen.

Wer also eintauchen will in einen Sumpf von Machtmissbrauch, Affären und Gier, dem sei dieser Krimi dringend ans Herz gelegt. Unterhaltung vom Feinsten, einfach zurücklegen und genießen. Für das nächste Jahr ist ein weiterer Kubica angekündigt. Ich werde mich solange mit dem Vorgänger über Wasser halten.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Spannend bis zur letzten Seite

Die Strömung
0

wegen eines Anrufs ins Haus gegangen war, wurde dem Mädchen auf brutale Weise das Genick gebrochen. Kurze Zeit später wird ein weiteres Kind, der kleine Aram in der Nähe von Stockholm auf dieselbe Weise ...

wegen eines Anrufs ins Haus gegangen war, wurde dem Mädchen auf brutale Weise das Genick gebrochen. Kurze Zeit später wird ein weiteres Kind, der kleine Aram in der Nähe von Stockholm auf dieselbe Weise ermordet. Olivia Rönning vermutet einen rassistischen Hintergrund. Emilie war adoptiert und stammte aus Ghana, während die Mutter des Jungen aus dem Iran kam. Zudem finden sich in der Region um Höganäs viele Anhänger des „Schwedisch-Arischen Widerstands“ einer rechtsgerichteten Vereinigung, die den Hass auf Ausländer schürt. Beide Eltern wurden im Vorfeld bedroht.

Zeitgleich rollt Tom Stilton einen alten Fall wieder auf. Der ehemalige Kriminalkommissar bekommt neues Material zu einem Mord an einer Prostituierten vor acht Jahren. Ein Fall, der er damals nicht lösen konnte und ihn schließlich zum Ausstieg aus seinem Beruf zwang. Und nun scheinen sich die Fälle zu kreuzen…

Es ist bereits der dritte Fall für Olivia Rönning und Tom Stilton. Nachdem ich bereits „Die Springflut“ und „Die dritte Stimme“ mit Begeisterung gelesen habe, konnte auch „Die Strömung“ mich voll und ganz überzeugen. Sicher ist es möglich auch ohne Vorkenntnisse das Buch zu lesen, das Einhalten der richtigen Reihenfolge ist jedoch empfehlenswert.

Die Handlung springt zwischen verschiedenen Erzählsträngen hin und her. Cliffhanger und eine äußerst flüssige Erzählweise halten die Spannung permanent auf einem äußerst hohen Niveau. Auch die Figuren sind einfach nur brillant. Herausragend vor allem Tom Stilton. Vom ehemaligen Kriminalkommissar zum Ex-Obdachlosen, der wieder zurück ins Leben gefunden hat. Und natürlich Olivia, die zweite Protagonisten, die sich gegen ihre Kollegen behaupten muss. Ebenso gibt es ein Wiedersehen mit Mette Olsäter und auch Abbas ist wieder mit dabei. Es sind zwar über 500 Seiten, doch man möchte nicht eine davon missen. Irgendwie schafft es das Autoren-Duo den Leser von Beginn an in den Bann zu ziehen und die Seiten fliegen nur so dahin.

Ganz klar Leseempfehlung für alle Liebhaber von Skandinavien-Krimis. Ich freue mich schon jetzt auf den vierten Fall!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Viel mehr als nur ein Familienporträt

Was ich euch nicht erzählte
0

Lydia ist tot. Der Beginn des Romans und auch gleichzeitig eine unumstößliche Tatsache mit der man als Leser gleich zu Beginn des Buches konfrontiert wird. Doch wer war Lydia? Lydia Lee war die 16jährige ...

Lydia ist tot. Der Beginn des Romans und auch gleichzeitig eine unumstößliche Tatsache mit der man als Leser gleich zu Beginn des Buches konfrontiert wird. Doch wer war Lydia? Lydia Lee war die 16jährige Tochter einer amerikanisch-chinesischen Familie. Der Vater James, chinesischer Einwanderer der zweiten Generation, die Mutter Marilyn eine Amerikanerin. Dazu noch zwei Geschwister: Nathan und Hannah. Doch Lydia war das Lieblingskind der Eltern, umso größer nun die Tragödie. Wie konnte es nur zu dem frühen Tod kommen? Was war geschehen?

Und dies ist auch die eigentlich zentrale Frage. Wer jetzt allerdings einen spannenden Krimi oder Thriller erwartet liegt falsch. Es ist vielmehr ein Porträt einer Familie, die zwar versuchte einander zu kommunizieren und zu verstehen, letztendlich aber daran gescheitert ist. Doch dieser Roman ist nicht minder spannend und weiß auf seine Art zu fesseln.
Es ist das Jahr 1977 als Lydia stirbt. In Rückblicken erzählt die Autorin wie sich die Familie entwickelt hat. Als James und Marilyn in den 50er Jahren heiraten, ist eine binationale Ehe noch sehr außergewöhnlich. Obwohl James als Professor für amerikanische Geschichte an der Uni unterrichtet, ist er auf der Straße immer noch ein Außenseiter und wird befremdet angesehen. Er versucht sich so gut wie möglich anzupassen und so zu sein wie all die anderen. Auch die Kinder leiden durch in andersartiges Aussehen und sind allerlei Demütigungen ausgesetzt. Die Mutter Marilyn hingegen versucht anders zu sein, aufzufallen. Ihren großen Traum Ärztin zu werden gibt sie jedoch für die Familie auf.
Die Perspektiven wechseln und so bekommt man durch die verschiedenen Sichtweisen ein gutes Bild von der Familie und weiß eigentlich mehr als die Protagonisten an sich.
Das Buch zeichnet jedoch nicht nur auf spannende Weise ein Familienporträt, sondern setzt sich mit Themen wie Rassismus und Integration auseinander. Aber auch die Frage, wie viel Eltern über ihre Kinder wissen und umgekehrt und wie schnell ein völlig falsches Bild entsteht, wird geklärt.
Was ich euch nicht erzählte ist der erste Roman von Celeste Ng. Er ist jedoch so gut gelungen, dass ich mich jetzt schon auf weitere Werke freue.