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silvia1981

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2017

Erschütternd, gefühlvoll, spannend und nachhallend…

Drei Tage und ein Leben
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… erzählt der Autor Pierre Lemaitre in seinem Roman „Drei Tage und ein Leben“ die Geschichte von Antoine, einem zwölfjährigen Jungen, der nicht sonderlich sympathisch wirkt, was allerdings auf Grund seiner ...

… erzählt der Autor Pierre Lemaitre in seinem Roman „Drei Tage und ein Leben“ die Geschichte von Antoine, einem zwölfjährigen Jungen, der nicht sonderlich sympathisch wirkt, was allerdings auf Grund seiner Lebensumstände auch nicht verwundert. Seine alleinerziehende Mutter ist streng mit ihm, zu seinem Vater hat er bis auf Geschenke keinen Kontakt, der Kontakt zu seinen Freunden ist durchwachsen, nachdem ihm seine Mutter die Treffen zum PlayStation spielen verboten hat und er alleine durch die Wälder streift. Dort errichtet er stolz ein Baumhaus, das von seiner heimlichen Liebe jedoch abschätzig bewertet wird. Sein einziger treuer Gefährte in dieser für ihn schweren Zeit ist der Nachbarshund, dessen Ermordung er mit eigenen Augen mit ansehen muss und davon traumatisiert ist. Aus seiner blinden Wut heraus schlägt er dem sechsjährigen Nachbarsjungen Rèmi mit einem Stock gegen die Schläfe, welcher daran sofort stirbt, und so verändert sich sein restliches Leben von heute auf morgen komplett.

Im Folgenden durchlebt der Leser mit Antoine die drei darauffolgenden Tage. Wie er sich selbst und seiner Mutter gegenüber fühlt, wie der Ort Beauval mit den Geschehnissen umgeht, welche Angst er hat, dass die Leiche gefunden wird, welche Verzweiflung er hegt und welche Pläne er versucht zu verfolgen, aber weder Flucht noch Selbstmord gelingen ihm. Ein schweres Unwetter lässt die an sich schon rasante Geschichte noch mehr aufleben, was mich zusätzlich sehr betroffen gemacht hat, zumal ein Unwetter ähnlichen Ausmaßes vor einem Jahr hier ganz in der Nähe gewütet hat und mir durch die Geschichte noch deutlicher wurde, wie die Leute gefühlt haben müssen. Das Unwetter verwüstet das Dorf und das Waldgebiet enorm, wodurch das Leid der gesamten Dorfbewohner in den Vordergrund und der verschwundene Rèmi in den Hintergrund tritt. Und Antoine beschließt, von Beauval fortzugehen.

Zwölf Jahre später nimmt der Autor die Geschichte wieder auf und man lernt den inzwischen Erwachsenen Antoine kennen, wie sich sein Leben für ihn positiv entwickelt hat, er sich phasenweise stark und allem überlegen fühlt, er allerdings nach wie vor auch sehr mit seiner Schuld zu kämpfen hat. Albträume verfolgen ihn immer wieder, mit niemandem jemals über den Vorfall sprechen zu können, quält ihn, Besuche in Beauval meidet er so gut es geht. Bei einem dieser Besuche begeht er einen weiteren folgeschweren Fehler, deren Konsequenzen seine positive Entwicklung wieder zum Einsturz bringen und er in weiterer Hinsicht eine Bestrafung erhält zum Preis seines ganzen Lebens. Nach einem weiteren Zeitsprung von vier Jahren erfährt der Leser seine aktuelle Lebenssituation, in der er sich mit den Tatsachen arrangiert hat, soweit es geht, und der Autor lässt am Ende eine weitere Bombe platzen, mit der der Leser nicht gerechnet hätte. Ob Rèmis Leiche je gefunden und Antoine als Täter überführt wurde, möchte ich hier natürlich nicht verraten!

In meinen Augen ist dies ein herausragender Roman. Beginnend beim sehr passenden Cover mit dem verschlossen wirkenden Jungen. Der Autor hat ein Thema gewählt, wie es mir noch in keinem Buch untergekommen ist und dies unglaublich gut umgesetzt, auch wenn man sich fragen muss, wie man auf die Idee kommt, als Autor solch eine Geschichte durchspielen zu wollen. Es wird einem vor Augen geführt, wie schnell eine unüberlegte Handlung das restliche Leben beeinflussen kann, dass die Zeit nicht alles vergisst und man nicht vor allem davonlaufen kann. Die Geschichte hallt noch stark in mir nach und wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben. Deswegen gibt es von mit definitiv fünf von fünf Sternen dafür!

Veröffentlicht am 21.10.2017

Begeistert ins 19. Jahrhundert zurück versetzt

Die zwei Leben der Florence Grace
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Ich habe schon lange keinen historischen Roman mehr gelesen, umso mehr habe ich mich gefreut, mit "Die zwei Leben der Florence Grace" von Tracy Rees eine willkommene Abwechslung zu meiner sonstigen Lesegewohnheit ...

Ich habe schon lange keinen historischen Roman mehr gelesen, umso mehr habe ich mich gefreut, mit "Die zwei Leben der Florence Grace" von Tracy Rees eine willkommene Abwechslung zu meiner sonstigen Lesegewohnheit zu bekommen, und ich wurde definitiv nicht enttäuscht. Schon das Cover hat mein Interesse an dem Roman geweckt. Es wirkt sehr ansprechend und frisch, so habe ich die Geschichte auch empfunden. Denn entgegen meiner Befürchtung war der Roman sehr angenehm und flüssig zu lesen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr bildlich, ich konnte mir alles gut vorstellen. Ebenso ist er sehr gefühlvoll und ich konnte mich problemlos in die Figuren, allen voran Florence, hinein versetzen und mitfühlen.

Unterschiedlicher könnten die zwei Leben von Florrie nicht sein. Bei der Geburt stirbt ihre Mutter, mit acht Jahren verliert sie ihren Vater. Fortan lebt sie alleine mit ihrer Großmutter in den weiten Mooren von Cornwall. Sie hat dort, abgesehen von den ärmlichen Verhältnissen und der harten Arbeit auf den Feldern, ein schönes Leben mit sehr viel Freiheit und liebt es, in den Mooren umher zu streifen. Sie hat zwei sehr gute Freunde, genießt Privatunterricht bei einer jungen Frau wo sie im Gegensatz zu den meisten anderen Kindern lesen und schreiben und Geschichte lernt. Außerdem unterrichtet sie die Alte Rilla, die ihr viel über Pflanzen und Heilmethoden lehrt. Außerdem hat sie wie Florrie übersinnliche Kräfte. Mit 15 Jahren muss auch ihre Großmutter von ihr gehen und weiht sie kurz vor ihrem Tod in ein Familiengeheimnis ein, das für Florrie von heute auf morgen ein komplett anderes Leben bedeutet und dieses neue Leben auch den Großteil der Geschichte ausmacht. Sie gehört plötzlich der Familie Grace an, eine früher sehr angesehene Familie in London, in der sie gar nicht glücklich ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als in die Moore zurück zu kehren. Sie hat von nun an Essen im Überschuss und prächtige Kleider, dafür keinerlei Freiheiten mehr und fühlt sich eingesperrt, unwohl und unwillkommen. Vor allem die weiblichen Mitglieder der Familie sind äußerst bösartig ihr gegenüber. Die männlichen Mitglieder haben noch eher Verständnis für sie und immerhin in ihrem Cousin Turlington findet sie einen Freund und über die Jahre entwickelt sich mehr, aber er hat dunkle Geheimnisse...

Ich mochte die Protagonistin Florrie bzw. Florence sehr, konnte mich sehr gut in die Zeit des 19. Jahrhunderts, die Orte und Personen hinein versetzen und möchte nun auf alle Fälle auch den Debütroman der Autorin lesen. Mich hat das Buch absolut überzeugt und ich vergebe sehr gerne fünf Sterne dafür.

Veröffentlicht am 21.10.2017

Eine beeindruckende Reise nach Afrika

Der Sandmaler
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Zum Glück ist es mir das Buch "Der Sandmaler" von Henning Mankell durch Zufall in die Hände gefallen, es wäre ansonsten schade um diese grandiose Geschichte gewesen, die für mich sehr beeindruckend war. ...

Zum Glück ist es mir das Buch "Der Sandmaler" von Henning Mankell durch Zufall in die Hände gefallen, es wäre ansonsten schade um diese grandiose Geschichte gewesen, die für mich sehr beeindruckend war. Das Cover passt sehr gut zum Titel bzw. Thema. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, die Geschichte, die im Jahr 1971 spielt, ist in sehr einfacher und gefühlvoller Sprache verfasst und hat meinen Horizont, was Afrika und Geschichte betrifft, erweitert. Den Zeitsprung in die Vergangenheit merkt man an kleinen Dingen, z.B. dass im Flugzeug geraucht werden darf oder die Protagonistin einen herkömmlichen Fotoapparat verwendet. Grundsätzlich wirkt die Geschichte jedoch keinesfalls veraltet.

Elisabeth, die aus einfachen Verhältnissen stammt, war für mich von Anfang an eine tolle Protagonistin. Im Gegensatz zu Stefan, Sohn reicher Eltern, der in mir keine Sympathie wecken konnte. Die Beiden haben Abitur gemacht, hatten eine flüchtige Beziehung und reisen beide zufällig im gleichen Flugzeug für zwei Wochen nach Afrika. Elisabeth möchte das Land verstehen, ebenso wie Sven, ein Lehrer, mit dem sie neben Stefan viel Zeit verbringt und der ihr historische Hintergründe näher bringt. Auch mit einem armen afrikanischen Jungen, Ndou, verbringt sie eine für sie sehr aufschlussreiche Zeit. Stefan dagegen ist rein auf Strandleben, Alkohol und Frauen aus.

Der Autor hat in der nur 156 Seiten langen Geschichte, die in meinen Augen noch viel mehr ausgeschmückt hätten werden dürfen, sehr viele gute Themen untergebracht. Er zeigt dem Leser die Schönheit des Landes, bringt ihm das Leben der Einheimischen, ihre Armut, Lebenskunst und ihre Bräuche näher, zeigt, wie weiße Touristen und der Kapitalismus sich an der Armut des Landes bedienen und welche Auswirkungen und Nachwirkungen der Kolonialismus für das Land hat. Dass dieses Land in gewisser Weise von den reichen Industriestaaten als Müllhalde benutzt wird und wie die Armen die Touristen sehen, als wären deren Heimatländer das Paradies auf Erden, wie perfekt und problemlos alles fort sei und die Menschen glauben dies nachahmen zu müssen, damit es ihnen gut geht und damit ihre Eigenart ablegen und sich in die Abhängigkeit von europäischen und amerikanischen Unternehmen treiben.

Elisabeth und Stefan machen einige beeindruckende Erfahrungen, sei es der Besuch eines großen Marktes, eines Fußballspieles in der Nationalarena des Landes, eines Friedhofes, in dem die Kolonialherren begraben liegen und eines Lepradorfes. Aber nur Elisabeth lernt aus diesen Erfahrungen, kommt ins Überlegen über ihr Leben und dem in Afrika, verändert sich und hat schließlich auch noch die Möglichkeit, Ndous Familie und die Bitte dessen Vater an sie, sowie deren Lebensumstände in einer Wellblechhütte in einem der ärmsten Viertel kennen zu lernen und erhält als Geschenk des Sandmalers neben einem Frauengesicht, das die Form Afrikas hat, auch ein Porträt von ihr in den Sand gemalt, ein Geschenk, das sie nicht mitnehmen kann, wie die Touristen es mit allem anderen machen. Diese Begegnung weckt in ihr neue Lebenslust und Freude darauf, ihre weitere Lebensplanung, die ihr bisher nicht klar war, in Angriff zu nehmen.

Ein Buch, das dem Leser so vieles an Informationen und Gefühlen gibt und dazu anregt, das eigene Leben zu überdenken. Ich vergebe hierfür sehr gerne fünf glänzende Sterne!

Veröffentlicht am 21.10.2017

Auch für mich "Ein wunderschöner, ein perfekter Text"

Betrunkene Bäume
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Der Roman "Betrunkene Bäume" von Ada Dorian hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Der Hardcovereinband mit Schutzumschlag und das Lesebändchen sind sehr hochwertig. Das Cover ist interessant gestaltet, ...

Der Roman "Betrunkene Bäume" von Ada Dorian hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Der Hardcovereinband mit Schutzumschlag und das Lesebändchen sind sehr hochwertig. Das Cover ist interessant gestaltet, vielleicht gerade wegen der "schrägen" Art nimmt man es in die Hand. Auch der Titel wirkt seltsam, dabei gibt es "betrunkene Bäume" tatsächlich, wie der Leser auf S. 139 erfährt. Es geht dabei um den Klimawandel, speziell um den Permafrostboden in Sibirien, durch dessen Schmelze Stämme an Halt verlieren und kippen, weil die Wurzeln den gewohnten Halt nicht mehr finden.

Die Geschichte beginnt mit drei Handlungssträngen, die nach und nach ineinander laufen. Dabei spielen drei Personen eine Hauptrolle:
- Wolodja, ein Obdachloser in Sibirien, von dem man lange nicht viel erfährt. Er hat Erich vor vielen Jahren durch die Taiga geführt. Diese lernte er wie seine Westentasche kennen, als er Waldarbeiter war und schließlich aus der Gefangenschaft floh. Seitdem besteht sein Leben nur aus Flucht.
- Erich, der als junger Wissenschaftler eine Expedition durch die Taiga unternahm. Nach der Rückkehr unterstützt er die Forschungsarbeit bis heute von Deutschland aus. Man liest Erinnerungen an frühere Zeiten von ihm und lernt den inzwischen über achtzig jährigen und gebrochenen Mann kennen, der zunehmend seine Unabhängigkeit verliert, sich fremdbestimmt und einsam fühlt. Seine Familie ist vor einigen Jahren zerbrochen, nur seine Tochter schaut ab und zu kurz nach ihm. Er ist mehr oder weniger gefangen in seiner Wohnung, die er eigenständig kaum noch verlassen kann. Seine einzige Freude ist die nach wie vor bestehende telefonische Verbindung nach Sibirien und sein Wald, den er im Schlafzimmer gepflanzt hat.
- Katharina, ein Teenager, deren Familie ebenfalls zerbrochen ist. Ihre Eltern leben schon lange aneinander vorbei, schließlich beschließt ihr Vater, nach Sibirien zu gehen um dort beim Bau einer Pipeline zu helfen. Katharina hängt sehr an ihm und reißt von zu Hause aus, geht nicht mehr zur Schule, bekommt über einen Bekannten eine schäbige Wohnung gegenüber der von Erich, und so beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden. Beide ziehen ihre Lehren daraus, aber leider nur für einen der Beiden enden sie glücklich...

Mir hat der Roman außerordentlich gut gefallen. Der Schreibstil der Autorin war sehr angenehm zu lesen, die Geschichte ließ mich gar nicht mehr los, so dass ich sie an nur einem Tag verschlungen habe. Die früheren Erlebnisse in der Taiga sind sehr interessant und spannend dargestellt, zumal es sich auch um einen Ort handelt, von dem man sonst nicht ließt. Die Szenen dort waren für mich sehr bildlich beschrieben, die ganze Geschichte ist sehr stimmig. Die Personen sind gut ausgearbeitet, allen voran Erich, mit dem ich sehr mitfühlen konnte. Die Themen Familie, Heimat, Entwurzelung und Schuld sind im Roman wichtige Bausteine, deren Umsetzung mir sehr gut gefallen hat. Für mich hätte die Autorin den Roman sogar noch mehr ausschmücken können und gerade was die Schuld, die Erich auf sich geladen hat, und warum er nicht nach Sibirien zurück kehren wollte, betrifft, wären noch ein paar Informationen mehr hilfreich gewesen. Trotzdem bin ich begeistert und kann mich der Meinung aus der Jury des Bachmann-Preises nur anschließen: "Ein wunderschöner, ein perfekter Text".

Veröffentlicht am 21.10.2017

Außerdem hast du ja immer noch mich

Schwestern bleiben wir immer
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Das Buch "Schwestern bleiben wir immer" von Barbara Kunrath habe ich an den letzten zwei Abenden wahrlich verschlungen. Ich lese gerne Familiengeschichten, auch gerade wenn es darum geht Geheimnisse aus ...

Das Buch "Schwestern bleiben wir immer" von Barbara Kunrath habe ich an den letzten zwei Abenden wahrlich verschlungen. Ich lese gerne Familiengeschichten, auch gerade wenn es darum geht Geheimnisse aus der Vergangenheit zu lüften. Und dies ist der Autorin in unsagbar spannender Form gelungen. Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm, das Buch war sehr flüssig zu lesen und es baute sich schnell immer mehr Spannung auf, die Erkenntnisse hervorbringt, die den Leser überraschen und sehr mitfühlen lassen. Dies wird auch verstärkt durch kursiv gedruckte Passagen, in denen so erzählt wird, als wäre man in der früheren Zeit. Das Ende der Geschichte fand ich ebenfalls sehr gelungen.

Die Geschichte handelt von den beiden Schwestern Alexa und Katja, beide grundverschieden, beide haben grundverschiedene Lebensumstände, in beider Leben läuft es alles andere als rund und beide hatten kein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter, die im Buch von ihnen Ines genannt wird. Ines hat nach ihrem Tod nur einen Koffer hinterlassen, den Alexa schließlich eines Tages öffnet und einen Brief findet, der nicht vollendet wurde, aber auf ein Geheimnis hindeutet. Alexa, die sympathischere der beiden Schwestern, will unbedingt nachforschen, was damals wirklich geschah, warum ihr Vater plötzlich ging, als sie noch klein waren, und warum Ines kein liebevolles Verhältnis zu ihren Töchtern aufbauen konnte. Katja, deren Lebenseinstellung, vor allem die Beziehung zu ihrem Sohn, ich die ganze Zeit über in keinster Weise nachvollziehen konnte, lässt sich schließlich überreden mitzukommen und so machen sie sich auf eine ungewisse Reise in ihre alte Heimat. Sie treffen dort zunächst auf viel Ablehnung, nehmen danach an einer Familienaufstellung teil, ein sehr interessantes Thema, das in dem Buch leider nur kurz angeschnitten wird, und sind daraufhin nur noch mehr angestachelt zu erfahren, was damals wirklich geschah. Schließlich erfahren sie auch die ganze Wahrheit, was ihr Bild zugrunde erschüttert, aber ihnen auch viel erklärt und auch positive Wendungen mit sich bringt.

Es ist eine rührende und deprimierende Geschichte, wenn man liest, welche schlimme Kindheit Alexa und Katja hatten und wie dies womöglich auch dazu geführt hat, wie sie sich selbst verhalten. Dazu kommt noch die tragische Geschichte um Alexas jüngste Tochter Clara, die behindert geboren wurde und mit acht Jahren erstickt ist. An den Umständen ist, so wie man es herauslesen kann, Alexa nicht unschuldig und hadert mit dem Schicksal ihrer Tochter. Auch wahrscheinlich in dessen Folge kriselt es in ihrer Ehe, die neben der Vergangenheitsforschung noch zu Grunde geht. Umso mehr überrascht und erfreut war ich aber dann um die Wendungen zum Ende der Geschichte, wie gestärkt Alexa und schließlich auch Katja aus allem hervorgehen konnten. Sehr gefallen hat mir auch, wie die Bindung der Schwestern dargestellt ist, auch wenn sie grundverschieden sind halten sie zusammen und helfen sich seit jeher gegenseitig so gut es geht, denn "außerdem hast du ja immer noch mich". Ich kann das Buch definitiv weiterempfehlen!