Elsie ist 10 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater und ihrer älteren Schwester Desiree zusammen, ihre Mutter ist aus nicht näher genannten Gründen seit Kurzem „verschwunden“. Bei der Wohnungsauflösung eines ...
Elsie ist 10 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater und ihrer älteren Schwester Desiree zusammen, ihre Mutter ist aus nicht näher genannten Gründen seit Kurzem „verschwunden“. Bei der Wohnungsauflösung eines Bekannten der Familie, der ins Seniorenheim zieht, sucht sich Elsie den ausgestopften Karibukopf aus, der fortan an der Wand ihres Zimmers hängt und zu ihrer Überraschung mit ihr spricht. Als Elsie sich auf die Suche nach ihrer Mutter macht, steht ihr das Karibu mit Rat zur Seite.
Die Familiensituation wirkte von Anfang an sehr merkwürdig auf mich. Der Vater verschweigt, weshalb die Mutter „verschwunden“ ist, eine echte Kommunikation in der Familie findet nicht statt. Elsie sollte mit zehn Jahren alt genug sein, die Wahrheit zu verstehen, wenn sie ihr altersgerecht vermittelt wird. Die Figuren wirken allesamt sehr oberflächlich, so dass es mir schwerfiel, eine emotionale Beziehung zu ihnen aufzubauen. Elsie handelt derart naiv und unwissend, dass es für eine Zehnjährige äußerst unglaubwürdig wirkte und zunehmend nervig war. Sie wirkte auf mich wie eine Erstklässlerin. Mein Sohn, ebenfalls zehn Jahre alt, hat das Buch nach einem Drittel abgebrochen, da er Elsie zu „kindisch“ fand.
Leider wird nicht erklärt, warum das Karibu, das Elsie bereits seit Jahren kennt, plötzlich sprechen kann. Elsie nimmt das nach anfänglichem kurzem Erstaunen auch einfach so hin. Die Bemerkungen und Ratschläge des Karibus sind teilweise durchaus humorvoll formuliert, konnten die Geschichte letztendlich jedoch auch nicht retten.
Das Buch enthält einige schwarzweiße Zeichnungen, die leider ebenfalls nicht unseren Geschmack trafen. Sie wirken sehr flüchtig hingekritzelt und teilweise unpassend. So sieht der jugendliche Freund der Schwester wie ein Mann Mitte 40 aus.
Insgesamt hat das Buch unsere Erwartungen nicht erfüllt. Zehnjährige Kinder, die bereits an deutlich komplexere Geschichten mit intelligenten Charakteren und elaborierten Plots gewöhnt sind, werden mit diesem Buch leider deutlich unterfordert.
Anhand der Kurzbeschreibung hatte ich eine tiefgehende, stichhaltig begründete und differenzierte Analyse der Lebensrealität der Frauen in der Nachkriegszeit und deren Auswirkungen auf das Geschlechterverständnis ...
Anhand der Kurzbeschreibung hatte ich eine tiefgehende, stichhaltig begründete und differenzierte Analyse der Lebensrealität der Frauen in der Nachkriegszeit und deren Auswirkungen auf das Geschlechterverständnis erwartet. Leider wurde ich enttäuscht. Miriam Gebhardt räumt zwar mit dem Mythos der Trümmerfrauen auf (dies ist allerdings nicht neu), bleibt aber analytisch doch sehr an der Oberfläche. Es fehlt ein stringenter roter Faden, und vieles wiederholt sich in den Kapiteln, zum Teil sogar wortwörtlich. Dem wichtigen Aspekt der Schuldfrage bzw. dem Unschuldsmythos der deutschen Frauen widmet sie leider nur ein kurzes Kapitel. Hier hatte ich mir eine deutlich ausführlichere Auseinandersetzung erhofft.
Auch mit Miriam Gebhardts Herangehensweise konnte ich mich nicht anfreunden. Besonders stört mich, dass sie von der aktuellen Warte der Emanzipation heraus urteilend auf die Frauen der Nachkriegszeit blickt. Dies klingt teilweise herablassend und geht für mich an der damaligen Lebensrealität der normalen Bevölkerung unmittelbar nach Kriegsende vorbei: „Der Lohn der Frauen war nicht die Karriere, nicht einmal die gleiche Bezahlung, wenn sie arbeiten gingen, sondern die Würdigung als Überlebenskünstlerinnen. Sie ließen sich davon überzeugen, dass sie beim Einkochen, beim Feilschen auf dem Schwarzmarkt und bei ihren viele km langen Märschen mit schweren Rucksäcken Bedeutendes leisteten.“ Ich kann mir nicht vorstellen, dass etwa im Hungerwinter 1946/47 potentielle Karrieremöglichkeiten für die durchschnittliche Frau maßgeblich waren, und ich sehe ihre Leistung, die Familie unter widrigsten Umständen durchzubringen, durchaus als bedeutend an.
Einige Stellen klingen doch sehr bemüht feministisch, beispielweise wenn die Autorin den Umstand, dass zum Trümmerräumen Frauen vor allem dann zwangsverpflichtet wurden, wenn sie in der NSDAP oder anderen NS-Organisationen politisch aktiv waren, kommentiert mit: „Als müssten sie sich, weil sie sich vermeintlich männlich verhalten hatten, auch männlich im Ertragen der Sühnemaßnahme zeigen.“
Als wirklich ärgerlich empfinde ich, dass Gebhardt zur Unterstützung ihrer Thesen häufig einseitig argumentiert und dabei relativierende Fakten unter den Tisch fallen lässt. So schreibt sie beispielsweise: „Die jungen Frauen müssen die neuen Frauenpflichten, die das NS-Regime verordnet - wie den Reichsarbeitsdienst, den Sanitätsdienst oder Haushaltsausbildungen - in ihre Laufbahn einbauen.“ Hier suggeriert der Begriff „Frauenpflichten“ eine einseitige Belastung der Frauen, doch der Reichsarbeitsdienst ab 1935 galt für beide Geschlechter – er war für junge Männer verpflichtend und für Frauen bis 1939 freiwillig. An anderer Stelle heißt es: „Das Schicksal der oft vaterlos aufgewachsenen Frauen und der Kriegerwitwen, die meistens auf eine tragische Art und Weise miteinander verstrickt waren, stand den Babyboomern als Menetekel vor Augen. (…) Vor diesem Hintergrund – der Weitergabe von Einstellungen zwischen den Generationen – ist meines Erachtens die weltweit unvergleichlich hohe weibliche Teilzeitquote in Deutschland, sprich: die zögerliche Beteiligung der Frauen am Arbeitsleben, noch immer eine Folgeerscheinung der Nachkriegszeit.“ Hier bleibt unerwähnt, dass in Europa die weibliche Teilzeitquote heute in Österreich, den Niederlanden und der Schweiz deutlich höher ist als hierzulande. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der Neutralität der Schweiz im Zweiten Weltkrieg durchaus relevant, da es der These des Buches zuwiderzulaufen scheint. Ferner spielen für die „Beliebtheit“ der Teilzeitarbeit bei Frauen neben traditionellen Normen noch weitere Faktoren eine Rolle, etwa die konkrete Ausgestaltung des Arbeitsrechts, der Sozialversicherung und die Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Auch die Stundenzahl, die unter Vollzeit verstanden wird, variiert innerhalb Europas stark.
Ebenfalls deutliche Unstimmigkeiten weisen die Fallbeispiele im Buch auf. In Kapitel 5 bezieht sich Gebhardt auf ein Klassenbuch von Abiturientinnen aus dem Jahr 1932: Im Abschnitt „Hoch abgesprungen …“ schreibt sie zunächst, dass Ilse mit dem Tod ihres Mannes im Krieg fertigwerden musste. Später in „Verkäuferinnen“ steht jedoch, dass sich Ilse und ihr Mann nach dem Krieg aufgrund der langen Trennung auseinandergelebt hatten und sich dann trennten. Auch das Fallbeispiel um Bernhardine S. in Kapitel 9 weist bezüglich Alters- und Jahresangaben gleich drei Widersprüche auf. Diese Schludrigkeiten lassen bei mir Zweifel an der Sorgfalt der Quellenarbeit aufkommen. Ebenfalls sehr ärgerlich ist, dass in vielen Fallbeispielen die Quelle nicht wörtlich zitiert, sondern bereits zusammengefasst und interpretiert wiedergegeben wird. So kann ich mir als Leser*in kein eigenes Bild machen. In der Kurzbeschreibung ist davon die Rede, dass Gebhardt für dieses Buch „in bis dahin unerreichter Dichte Selbstzeugnisse von Frauen ausgewertet“ hat. Leider geht nirgendwo hervor, wie viele Quellen hierfür wirklich herangezogen wurden. Die Zahl der im Buch aufgeführten Fallbeispiele ist jedoch recht überschaubar.
Insgesamt bleibt das Buch weit hinter meinen Erwartungen zurück. Neue Erkenntnisse konnte ich kaum daraus gewinnen. Die Informationen zu den bekannten politisch prägenden Frauen wie Elisabeth Schwarzhaupt und den vier weiblichen Mitgliedern des Parlamentarischen Rates waren mir bereits bekannt. Aufgrund zahlreicher Unstimmigkeiten und vieler schwammiger und eher oberflächlicher Aussagen kann ich das Buch leider nicht empfehlen.
Die Leseprobe zu „Sorry, not sorry“ klang äußerst vielversprechend, und als Frau habe ich mich selbst schon oft genug über mich geärgert, wenn mir klar wurde, wie häufig ich mich vorauseilend für irgendetwas ...
Die Leseprobe zu „Sorry, not sorry“ klang äußerst vielversprechend, und als Frau habe ich mich selbst schon oft genug über mich geärgert, wenn mir klar wurde, wie häufig ich mich vorauseilend für irgendetwas entschuldige, mich schäme oder mich zurücknehme, um andere nicht zu verletzen oder die vermeintliche Harmonie nicht zu gefährden. In den letzten Jahren habe ich begonnen, ganz bewusst diese Verhaltensweisen abzulegen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ich hatte mir von diesem Buch tiefere Einblicke in die gesellschaftlichen, politischen, soziologischen und kulturellen Hintergründe erhofft, die diesem meist typisch weiblichen Verhalten zugrunde liegen, und auch konkrete Ansätze, dieses zu verändern. Leider bleibt Anika Landsteiner argumentativ doch sehr an der Oberfläche, und mir fehlt ein tiefgründiger, wissenschaftlich fundierter Ansatz, der zu einem höheren Erkenntnisgewinn führt. Stattdessen reiht sie Altbekanntes aneinander, setzt den Fokus auf bereits hinreichend durchgenudelte Themen wie Schönheitsideale, die Konsumindustrie oder die Darstellung klassischer Geschlechter- und Beziehungsrollen in Film und Fernsehen. Da ich quasi nie fernsehe, schon gar nicht die von ihr aufgeführten Reality-Formate oder Serien wie „Sex and the City“, waren diese Kapitel für mich komplett uninteressant. An vielen Stellen tritt die Thematik „Scham“ eher als Feigenblatt auf, um gegen die von ihr grundsätzlich als patriarchal eingestufte Kernfamilie ins Feld zu ziehen oder über Abtreibung zu schreiben. Auch das Thema Verhütung geht die Autorin erstaunlich oberflächlich an und verschenkt hier, gerade im Hinblick auf die Selbstermächtigung jüngerer Leser*innen, Potenzial. Wichtige Themenfelder wie gelebte Partnerschaft, Familie, Erziehung und Arbeitswelt, in denen falsche bzw. anerzogene Scham einen wichtigen Punkt darstellt, fehlen hingegen komplett. Insgesamt hatte ich mir von diesem Buch deutlich mehr Tiefgang und Substanz erwartet.
Die Kinderbuchautorin Sonja Kaiblinger hat mit „Ungeheuer lieb“ den Auftakt zu einer neuen Kinderbuchreihe ab 8 Jahren vorgelegt. Mein Sohn und ich waren gespannt auf die Abenteuer von Ludwig, seiner Schwester ...
Die Kinderbuchautorin Sonja Kaiblinger hat mit „Ungeheuer lieb“ den Auftakt zu einer neuen Kinderbuchreihe ab 8 Jahren vorgelegt. Mein Sohn und ich waren gespannt auf die Abenteuer von Ludwig, seiner Schwester Carla und dem geheimnisvollen Ungeheuer. Leider konnte uns beide die Geschichte nicht überzeugen. An vielen Stellen empfanden wir die Handlung als abstrus, die Charaktere als überzogen, uns fehlte der grundlegende Realitätsbezug und zuweilen auch die innere Logik, die auch in einer fantasievollen Geschichte gegeben sein sollte. Positiv war hingegen die Darstellung der Geschwisterbeziehung, denn Ludwig und Carla wurden im Laufe des Abenteuers ein eingespieltes Team, das fest zusammenhielt. Der comicartige Zeichenstil mit den übergroßen Kulleraugen traf auch nicht unseren Geschmack, zumal die Darstellungen manchmal nicht ganz zum Text passten, wie mein Sohn sofort bemerkte, und sich Bilder zum Teil wiederholen. Insgesamt wirkte das Buch etwas oberflächlich und lieblos gestrickt. Weniger gelungen fanden wir auch das allzu offene Ende – gerade ein Kinderbuch sollte meines Erachtens eine in sich abgeschlossene Kernhandlung besitzen. Dies ist hier nicht der Fall und zwingt dazu, auch den Folgeband zu kaufen. Wir werden diese Reihe dennoch nicht weiter verfolgen.
Bereits aus meiner eigenen Kindheit habe ich Ravensburger in guter Erinnerung, und auch unser Sohn hat einige wirklich informative Sachbücher dieses Verlages. Das „Lexikon der erstaunlichsten Fakten“ hat ...
Bereits aus meiner eigenen Kindheit habe ich Ravensburger in guter Erinnerung, und auch unser Sohn hat einige wirklich informative Sachbücher dieses Verlages. Das „Lexikon der erstaunlichsten Fakten“ hat uns hingegen leider enttäuscht.
Zunächst empfinde ich die Illustrationen für ein Lexikon, das sich an die Altersgruppe von 6-8 Jahren richtet, als zu kindlich und zu wenig detailliert. Gleich zu Beginn fällt der Rubinkolibri negativ auf, dessen Zeichnung kaum Ähnlichkeit mit dem echten Vogel hat. Zudem erfährt man lediglich, dass man das Männchen an der Gefiederfarbe erkennt, aber nicht, worin der Unterschied zum nicht abgebildeten (und in natura ebenfalls bunten) Weibchen besteht. Insgesamt wirkt das Buch sehr unstrukturiert und wenig durchdacht, was sich bereits am Inhaltsverzeichnis bemerkbar macht: Es gibt u.a. die Rubriken Tiere, Dinosaurier, Vögel, Ozeane und Krabbler, die sich immer wieder überschneiden. Zwischen die Kapitel mit den Lebewesen wird plötzlich das Kapitel Fahrzeuge eingeschoben, das besser gegen Ende bei den Robotern aufgehoben wäre. Insgesamt präsentiert das Buch über weite Strecken eher Allgemeinwissen als erstaunliche Fakten; so erfährt man beispielsweise, dass ein Polizeiauto „sehr schnell“ sein muss und über Funk und Bordcomputer verfügt – nichts, was uns groß erstaunen würde. Ähnlich einfach und schwammig sind auch viele weitere Fakten gehalten.
Die Aufmachung ist recht bunt und knallig, voller Ausrufezeichen, und ständig begegnet einem der Ausruf „Wow!“. Man merkt dem Buch sehr deutlich an, dass es ursprünglich für den amerikanischen Markt konzipiert wurde (Originaltitel: „Encyclopedia of Wow!“). Ebenfalls negativ fällt mir die Schreibung des Kleinbuchstaben „m“ auf, die nicht mit der hier üblichen übereinstimmt und eher wie ein verunglücktes großes M aussieht. Für Lese- und Schreibanfänger ist dies nicht optimal.
Fazit: Sowohl als Lexikon als auch als Sammlung skuriller Fakten eher dürftig. Das Ravensburger Grundschullexikon etwa ist wesentlich besser gelungen.