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Veröffentlicht am 02.05.2024

Leider viel zu langatmig mit zwar liebenswerten, aber irgendwie ausdruckslosen Charakteren

Das Fenster zur Welt
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Ich habe das Buch ab der Hälfte nur noch quer gelesen - und ich kann an einer Hand abzählen, wie oft es mir schon so ergangen ist. Nach den ersten ca. 200 Seiten war ich auch ganz kurz davor, das Buch ...

Ich habe das Buch ab der Hälfte nur noch quer gelesen - und ich kann an einer Hand abzählen, wie oft es mir schon so ergangen ist. Nach den ersten ca. 200 Seiten war ich auch ganz kurz davor, das Buch abzubrechen, weil ich mich so sehr gelangweilt habe, dass ich regelrecht wütend wurde. Die Handlung wurde dann für mich aber zumindest noch etwas interessant, sodass ich es gern beenden wollte. Das ging für mich aus verschiedenen Gründen aber trotzdem nur noch mit Querlesen.

Zum einen finde ich das Buch sprachlich mehr als anstrengend. Diese poetische Sprache ist einfach gar nicht meins, aber auch abgesehen davon fand ich es schrecklich zu lesen. Gefühlt ewig währende Absätze, in denen die Perspektiven der Figuren ohne Vorwarnung einfach mittendrin wechseln?! Ein Hin und Her zwischen direkter und indirekter Rede - die Variante der englischen Originalausgabe, in der komplett auf direkte Rede verzichtet wurde, stelle ich mir noch furchtbarerer vor. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, aber die Dialoge finde ich überwiegend schlecht geschrieben.
Zum anderen sind die Figuren zwar schon wirklich liebenswert, aber irgendwie total flach. Es wird zwar über ihre Gefühle und Gedanken geschrieben, aber es bleibt auf dieser Ebene und erreicht mich emotional einfach gar nicht. In der zweiten Hälfte konnte ich abschnittsweise bei all den Schicksalsschlägen auch mal was fühlen, aber das ist mir bei dem Seitenumfang wirklich zu wenig. Ich mochte wiederum, dass die Figuren über etliche Ecken miteinander verbunden waren. Das war durch den langatmigen Schreibstil, der mich an einem kontinuierlichen Lesen gehindert hat, aber oft schwer zu greifen. Ich musste dann einige Male zurückblättern, um die Verbindung zu verstehen und sowas kann ich gar nicht leiden.

Und dann passiert auch einfach auf so vielen Seiten nichts? Der Klappentext versprach eine besondere Freundschaft, von Evelyn ist dann aber nach der initialen Begegnung einfach 150 Seiten lang nichts mehr zu lesen und auch generell habe ich eine Verbindung zwischen ihr und Ulysses erst ab der Hälfte gespürt. Da haben andere Beziehungen für mein Empfinden mehr Raum eingenommen. Das ist ja an sich auch kein Problem, aber da haben mir Klappentext und Anfang einfach etwas anderes versprochen. Wie sich die beiden jahrelang jeweils knapp verpassen hat mich kurz mitfiebern lassen, aber dann spielte die Freundschaft in meiner Wahrnehmung direkt wieder eine zu kleine Rolle.

Manche haben den Humor positiv erwähnt - so wirklich fühle ich auch den nicht. Einige Situationen sind zwar irgendwie absurd und damit lustig, aber dann kommt wieder eine gähnend langweilige Erzählung, die den Humor für mich zerstört. Ich war einfach überwiegend gelangweilt und phasenweise richtig sauer, weil ich nicht verstehe, wie hier gut 520 Seiten gefüllt werden mussten.

Insgesamt finde ich schon, dass die Geschichte Potenzial hat. Wer eine ausschweifende und poetische Sprache wirklich mag, hat vielleicht auch Freude mit dem Buch. Die Figuren fand ich nur sehr bedingt nahbar und das wiederum wirklich schade, weil auch sie grundlegend sehr interessant sind. Die kunstgeschichtlichen Ausführungen zwischendurch fand ich auch total langwierig, das Thema interessiert mich aber auch einfach nicht. Am Ende hätte ich mir wirklich noch deutlich mehr Hintergrund zu Evelyn gewünscht, denn im Laufe der Geschichte wurden ab und zu weitere Aspekte ihres Lebens angedeutet, die dann keinen Raum mehr bekommen haben.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Früher Abbruch und absolute Enttäuschung

I’m a Fan
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Ich habe mir hier wirklich so viel mehr erwartet: Ein gesellschaftskritisches Werk, das sich mit weißem Feminismus und Klassismus auseinandersetzt. Und in Anbetracht dessen könnte ich nicht enttäuschter ...

Ich habe mir hier wirklich so viel mehr erwartet: Ein gesellschaftskritisches Werk, das sich mit weißem Feminismus und Klassismus auseinandersetzt. Und in Anbetracht dessen könnte ich nicht enttäuschter sein.

Die Kapitel sind kurz und lassen sich flott lesen. Das ist aber in meinen Augen auch schon der einzige Pluspunkt. Dem gegenüber steht der größte Minuspunkt: die absolut unsympathische Protagonistin, die ohne jegliche Reife und Selbstreflektion auszukommen scheint. Sie stalkt diverse Menschen, romantisiert ihren toxischen sowie völlig respektlosen "Liebhaber" und bleibt zudem absolut oberflächlich. Ich empfand sie als kindisch und ehrlicherweise enorm schnell einfach nur nervig.

Das ein oder andere Element der erwarteten Gesellschaftskritik verschwindet hinter diesen Figuren einfach komplett, was das Werk für mich ungenießbar machte. Ich breche weniger als eine Handvoll Bücher im Jahr ab, aber das war eines davon.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein Text, der bei aller mystischer Andeutung die tatsächliche Handlung vergisst

Drei Wochen im August
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Von „Drei Wochen im August“ habe ich erwartet, dass ich ein tiefgründiges, vielschichtiges und psychologisch anspruchsvolles Werk über zwei Frauen bekomme. Ich wurde maßlos enttäuscht und habe ab der Hälfte ...

Von „Drei Wochen im August“ habe ich erwartet, dass ich ein tiefgründiges, vielschichtiges und psychologisch anspruchsvolles Werk über zwei Frauen bekomme. Ich wurde maßlos enttäuscht und habe ab der Hälfte nur noch quer gelesen, weil ich zumindest wissen wollte, ob die versprochene Spannung irgendwo noch eintritt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven von Elena und Eve erzählt. Beide Figuren blieben mir trotz dieses für mich eigentlich reizvollen Stilmittels aber bis zum Ende komplett fremd. Weil die beiden einfach kein Profil bekommen, verschwimmen sie zunehmend miteinander und ich hatte Schwierigkeiten, sie auseinanderzuhalten. Das mag gewollt sein, war für mich aber einfach nur verwirrend. Die Dialoge im Buch fühlen sich nur selten wie tatsächliche Dialoge an und viel öfter wie ein wilder Mix aus Fantasie, Gespräch und gedanklicher Abschweifung.

Elena scheint eventuell angstgestört zu sein, in jedem Fall ist sie aber einfach zutiefst misstrauisch. An anderen Stellen wirkt sie wiederum so, als müsste sie sich selbst einreden, dass sie ja eigentlich ganz entspannt sei. Eve wiederum hat eine andere Perspektive auf manche Situationen als Elena, was interessant hätte sein können, aber der Autorin meinen Augen einfach überhaupt nicht gelungen ist, weil sie sich in gezwungen mysteriösen Wirrungen verloren hat.

Die Situation und das Setting sind spannend: ein verlassen gelegenes Ferienhaus umringt von sich ausbreitenden Waldbränden. Eine bedrohliche Situation, ergänzt um etwas Unheimliches, das sich nie wirklich einordnen lässt. Dazu kommen dann auch spooky anmutende Figuren wie der Hausmeister Ilyas. So weit, so gut. Nur leider habe ich das Gefühl, dass der Text über alles Mystische hinaus einfach komplett vergisst, wohin er eigentlich möchte. Ständig hatte ich das Gefühl, dass Gedankengänge angestoßen, aber dann nicht fortgeführt werden, nur um ein verschwörerisches, geheimnisvolles Setting aufzubauen. Das mag ein nettes Stilmittel sein, reicht mir persönlich aber einfach überhaupt nicht, um eine Geschichte reizvoll zu machen.

Alles bleibt stattdessen oberflächlich zusammenhangslos und damit grundlegend langweilig. Das auf dem Klappentext angesprochene Verschwinden eines Mädchens ist einfach fast gar nicht relevant für die Handlung und tritt auch erst so spät ein, dass ich diese Inhaltsangabe einfach nur lachhaft finde. Nur dafür bin ich ab der Hälfte überhaupt noch drangeblieben und war zunehmend sauer.

Ich war sehr enttäuscht von diesem Roman und weiß auch nicht so wirklich, wem ich ihn empfehlen würde. Vielleicht Menschen, die fein damit sind, Figuren und ihre Beweggründe nicht grundlegend verstehen zu können und die Spaß an sehr viel mystischer Andeutung haben. Ich lese keine Thriller und mir scheint, dass dieser Roman das irgendwie versuchte zu sein, nur um ordentlich daran zu scheitern. Ungern bewerte ich so hart, aber ich kann nicht mehr als die Mindestbewertung rechtfertigen, weil ich am liebsten abgebrochen hätte.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Anstrengend und emotional distanziert

Griechischstunden
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Ich wollte gern etwas von der Literaturnobelpreisträgerin lesen und "Griechischstunden" wurde mir als Einstieg empfohlen. Das war scheinbar keine gute Wahl und ich verbleibe mit dem Entschluss, einfach ...

Ich wollte gern etwas von der Literaturnobelpreisträgerin lesen und "Griechischstunden" wurde mir als Einstieg empfohlen. Das war scheinbar keine gute Wahl und ich verbleibe mit dem Entschluss, einfach nichts mehr von Nobelpreisträger*innen zu lesen, insofern es mich nicht unabhängig davon interessiert. Vielleicht kann das auch nicht über einen Kamm geschert werden, aber ich denke, zu der Sprache, die in diesen Sphären ausgezeichnet wird, habe ich oft keinen Zugang.

Das Buch habe ich bei der Hälfte abgebrochen, weil es mich gelangweilt und streckenweise abgestoßen hat. Und ich möchte mich auch darin üben, Bücher abzubrechen. Ich muss sagen, besonders die Schilderungen der männlichen Figur fand ich sehr unangenehm. Er wirkte auf mich fast bessessen mit seinem love interest und gleichzeitig grenzüberschreitend.

Abgesehen davon habe ich emotional auch einfach gar nichts mitgenommen. Die Handlung schlingerte so vor sich hin, ohne dass ich eine Ahnung davon hatte, wo genau sie eigentlich hinmöchte. Ich konnte zwischen den Figuren auch keinerlei Verbindung spüren. Sprachlich war es mir zudem viel zu beobachtend. Das bedeutet nicht, dass für mich immer extrem viel passieren muss in Büchern, aber dann muss es mich wenigstens emotional berühren. Wenn beides fehlt, finde ich die Lektüre einfach anstrengend.

Vielleicht eine Liebeserklärung an Sprache, aber für mich bleibt sie nicht verständlich.

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Veröffentlicht am 21.06.2024

Inhaltlich wie charakterlich oberflächlich, dafür mit Verwendung rassistischer Begriffe

Sweet Valentine / Eine Freundschaft gefüllt mit Liebe
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Ich finde es sehr gut, dass es eine queere Story in der Reihe gibt, bin von der Umsetzung allerdings extrem enttäuscht.

Obwohl sich das Buch schnell liest, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, etwas sehr ...

Ich finde es sehr gut, dass es eine queere Story in der Reihe gibt, bin von der Umsetzung allerdings extrem enttäuscht.

Obwohl sich das Buch schnell liest, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, etwas sehr Oberflächliches vor mir zu haben. Über Jamie und Jenna erfahren wir eigentlich kaum etwas, außer dass die eine die andere unerwidert liebt und die andere einen hohen "Männerverschleiß" hat. Und genau diese beiden Punkte werden wieder und wieder aufgegriffen. Da fand ich manche Nebenfiguren interessanter und vielschichtiger. Der Handlungsaufbau kommt mir auch unglaubwürdig vor, ebenso fehlte mir die Spannung zwischen den beiden.

Ich hätte 2 Sterne gegeben, ziehe jedoch einen weiteren ab, da die rassistische Fremdbezeichnung für amerikanische Urweinwohner*innen wiederholt (!) verwendet wird. Die Handlung um die Wanderausstellung im Heimatmuseum erweckt den Anschein bzw. scheint den Anspruch zu haben, respektvoll mit der Kolonialgeschichte umgehen zu wollen. Da passt die Verwendung des I-Wortes schon dreimal nicht, aber auch abgesehen davon gibt es mittlerweile genügend frei verfügbares Wissen um dieses abwertende Wort. Auch Kolonialverbrechen werden maximal angedeutet, stattdessen ist von "Konflikten" zwischen Natives und "Einwandern" die Rede.

Für so etwas habe ich überhaupt kein Verständnis und es hat mir das Leseerleben weiter getrübt. Gar kein Buch für mich.

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