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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2024

Krähenmorde

Krähentage
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Jakob Krogh und Mila Weiss sind die Ermittlungsleiter der neu formierten Gruppe Vier. Das Ermittlerduo steht direkt vor einem Rätsel, denn ein scheinbar einfacher Fall führt sie zu der Leiche einer älteren ...

Jakob Krogh und Mila Weiss sind die Ermittlungsleiter der neu formierten Gruppe Vier. Das Ermittlerduo steht direkt vor einem Rätsel, denn ein scheinbar einfacher Fall führt sie zu der Leiche einer älteren Dame, deren Tod viele Fragen aufwirft, denn Nachbarn wollen sie nach ihrem Tod noch gesehen haben. Auch der beliebte Student Ben wird nach seinem Tod noch gesehen und an beiden Tatorten befinden sich ausgehungerte Krähen. Wieso wurden die beiden Opfer eines Serienkillers?

Krähentage von Benjamin Cors überzeugt mit einem durchdachten Schreibstil und verschiedenen Perspektiven, besonders die Perspektive des Serienkillers konnte mich überzeugen. Denn im Gegensatz zum Klappentext, der ihn als „hochintelligent“ tituliert, ist er mehr als das. Seine Intelligenz kann ich nicht einschätzen, aber seine Eigenschaften sind so ambivalent, dass daraus ein interessanter Charakter entsteht. Gefangen zwischen den eigenen Gefühlen, Selbstüberschätzung und dem Selbsterhaltungstrieb.

Die Ermittlergruppe 4 ist ein zusammengewürfelter Haufen, der unterschiedlicher kaum sein könnte, dadurch aber auch eine gewisse Spannung erzeugt. Geführt wird diese Gruppe durch Mila Weiss und Jakob Krogh, die beide ein Geheimnis mitbringen. Ein Geheimnis, das gerade im Fall Mila sehr häufig angesprochen, aber bis zum Schluss nicht aufgeklärt wird. Das häufige Ansprechen ging mir bereits während des Lesens auf die Nerven, dass dann noch nichtmal eine Auflösung folgt, finde ich schwierig. Jakobs Geheimnis wird hingegen gelüftet, jedoch wird auch das sehr kurz abgehandelt.

Der Fall selbst ist spannend. Durch die Täterperspektive ist das Miträtseln nicht möglich, jedoch bleibt bis zum Schluss die Frage nach dem Warum offen und auch gewisse Zusammenhänge können nicht erahnt werden, was zu Überraschungen führt und für Spannung sorgt. Manche Auflösungen sind genial, andere konnten mich weniger überzeugen und manche Fragen bleiben komplett unbeantwortet, was mich am Ende eher enttäuscht zurücklässt.

Leider konnte mich vor allem das Ende von Krähentage nicht abholen, denn zu viele aufgeworfenen Fragen blieben unbeantwortet und einige Antworten wirken zu aufgebauscht.

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Geschichten, die nur der Fußball schreibt

Nachspielzeiten
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Was haben Otto Rehhagel, Mehmet Scholl, Tim Wiese, Franz Beckenbauer, Paul Gascoigne, Christian Fährmann und die fußballtalentierten Dschungelcampbewohner gemeinsam? Ihnen allen hat Lucas Vogelsang in ...

Was haben Otto Rehhagel, Mehmet Scholl, Tim Wiese, Franz Beckenbauer, Paul Gascoigne, Christian Fährmann und die fußballtalentierten Dschungelcampbewohner gemeinsam? Ihnen allen hat Lucas Vogelsang in seinem Buch Nachspielzeiten ein Kapitel gewidmet.

Ich muss gestehen, die dezente Anmerkung ‚Sachbuch‘ habe ich bis zuletzt gekonnt überlesen, deswegen habe ich aufgrund des Klappentextes und der ausgewählten Persönlichkeiten ein emotionales Werk, mit lustigen Anekdoten und ‚Kabinengesprächen‘ erwartet. Der Prolog hat dem komplett entsprochen, der Autor hat es hier geschafft die Magie dieses simplen, aber wunderschönen Sports zu übertragen und die Emotionen eines Fußballfans auszudrücken.

Dieser emotionale Schreibstil hat sich dann in den Geschichten verloren, was erstmal den Anschein erwecken könnte, dass nun das Sachbuch zum Vorschein kommt. Die einzelnen Kapiteln sind sicherlich mit Informationen und Wissen versehen, das man als Sachbuch werten könnte, dennoch liest es sich aufgrund des Schreibstils nicht als solches. Es ist durchweg eher oberflächlich und mit Metaphern geschrieben, sodass der Lesefluss unterbrochen wird und ich nach einem Kapitel auch erstmal eine Pause brauchte.

Ich konnte aus Nachspielzeiten neues Wissen mitnehmen, etwa die Bedeutung des Co-Trainers Ioannis Topalidis beim Gewinn der Europameisterschaft 2004. Dennoch hat mir vor allem das Kapitel gezeigt, dass meine Erwartungen nicht erfüllt werden konnte, denn die damalige Europameisterschaft war für mich das Turnier, an dem viele Erinnerungen und Emotionen hingen, die durch das Buch nicht erweckt wurden.

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Veröffentlicht am 04.05.2024

Second Chance Tour?

The Breakup Tour – Der Sound unserer Liebe
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Riley Wynn verarbeitet ihr Leben mit ihren Songs, mit ihrem neusten Album „The Breakup Record“ setzt sie sich mit ihrem Trennungsschmerz auseinander und widmet jeden Song einem ihrer Verflossenen. Ausgerechnet ...

Riley Wynn verarbeitet ihr Leben mit ihren Songs, mit ihrem neusten Album „The Breakup Record“ setzt sie sich mit ihrem Trennungsschmerz auseinander und widmet jeden Song einem ihrer Verflossenen. Ausgerechnet Rileys Herzschmerz sorgt dafür, dass sie über Nacht zum Superstar wird und sie vor einer großen Tour steht. Ihr Ex-Mann möchte auch etwas vom großen Ruhm abbekommen und stellt sich als Inspiration für den Erfolgssong des Albums hin. Riley möchte ihre Fans aufklären, wer ihre wahre Inspiration war und kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um Max wiederzutreffen. Max ist nur bereit sich als einstige große Liebe zu outen, wenn Riley ihn mit auf Tour nimmt und so spielen die beiden ihre erste gemeinsame Tour.

The Breakup Tour von Emily Wibberley und Austin Siegemund-Broka ist eine musikalische Lovestory, zwischen der Sängerin Riley und dem Keyboarder Max. Die Story selbst ist eher oberflächlich gehalten, den Protagonisten fehlt die Tiefe und auch Riley wirkte auf mich eher unnahbar, sodass auch die Gefühle der beiden mich nicht komplett einholen konnte und ich das Geschehene eher hinnahm und nicht mitgefühlt habe.

Dennoch gefiel mir das Setting der Tour, das Vorfreude auf den nächsten Sommer mit Konzerten und warmen Sommerabenden weckt und das Verarbeiten über Songs, die eine gewisse Tiefgründigkeit besaßen, und der lockere Schreibstil der Autoren sehr gut.

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Veröffentlicht am 24.04.2024

Von der Klasse zum Team?

Die Pausenkicker – Anpfiff auf dem Schulhof
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Alex, Shahid und Lina lieben es in den Schulhofpausen Fußball zu spielen und sind im ersten Moment begeistert, als sie vom Fußballprojekt hören. Doch dann erfahren sie, dass sich das Pausenturnier nicht ...

Alex, Shahid und Lina lieben es in den Schulhofpausen Fußball zu spielen und sind im ersten Moment begeistert, als sie vom Fußballprojekt hören. Doch dann erfahren sie, dass sich das Pausenturnier nicht nur an die Kicker unter ihnen richtet, sondern die ganze Klasse inkludiert werden muss. Wie können sie ihre Klassenkameraden vom Fußball überzeugen und wie können Nicht-Fußballer ihnen überhaupt hilfreich sein? Das Projekt droht zu scheitern, wenn aus der 4a kein Team wird.

Anpfiff auf dem Schulhof von Andreas Schlüter ist der erste Band der Pausenkicker-Reihe für Kinder ab 9 Jahren.

Der Beginn der Geschichte liest sich aus pädagogischer Sicht eher schwierig, das liegt an stereotypischen und überspitzten Figurendarstellungen und dem Verhalten ihnen gegenüber. Ein Beispiel: ‚der Dicke‘, der ständig isst und auch beim Sport eine absolute Niete ist und dementsprechend auch immer als letzter gewählt wird.
Diese Figur ist schwierig, weil es immer Kinder gibt, die darin gesehen werden können und die sich darin sehen, weil sie einem Attribut entsprechen:
- das Kind, das immer isst
- das Kind, das Übergewicht hat
- das Kind, das immer als letztes gewählt wird
Hier hat mir ein Gegenspieler gefehlt, der das Verhalten der anderen aufbricht und sich für dieses Kind einsetzt, um das Mobbing zu unterbinden.

Im späteren Verlauf der Geschichte wird das Mobbing zwar nicht komplett aufgelöst, aber die Entwicklung stimmt hier positiv. Die Kinder erkennen, dass sie in einer Mannschaft nicht auf die Schwächen eines Einzelnen achten müssen, sondern die Stärken herausarbeiten und für sich zu Nutzen wissen. Diese Entwicklung und die Liebe zum Fußball konnten mich dann noch von Die Pausenkicker überzeugen.

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Veröffentlicht am 20.03.2024

Mehr Schein als Sein

Die Auszeit
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Die Influencerin Vikotria Kaplan möchte den nächsten Meilenstein ihres Accounts feiern, denn sie steht kurz davor eine Millionen Follower zu erreichen. Für die Feierlichkeiten lädt Viktoria fünf Freunde ...

Die Influencerin Vikotria Kaplan möchte den nächsten Meilenstein ihres Accounts feiern, denn sie steht kurz davor eine Millionen Follower zu erreichen. Für die Feierlichkeiten lädt Viktoria fünf Freunde zu einem Wochenende in ein luxuriöses Retreat in den Bergen ein. Doch anstatt einer großen Feier des Scheins, wird es eine Offenbarung des Seins und ein Mord erschüttert das Retreat.

Die Auszeit von Emily Rudolf ist das viel umworbene Debüt der Autorin. Der Klappentext las sich vielversprechend und spannend, besonders der Blick auf das Schein und Sein stellte ich mir spannend vor. Erzählt bekommen wir die Geschichte aus vier Perspektiven, wobei nur eine das Thrillerelement fördert und nur sehr selten zum Einsatz kommt. Außerdem gibt es zwei verschiedene Zeitebenen.

Die Umsetzung konnte mich dann leider nicht von sich überzeugen. Dreiviertel des Buches las sich das nicht wie ein Thriller, sondern wie ein Drama zwischen Jugendlichen, das mir zwischenzeitlich auf die Nerven ging. Gegen Ende geht es inhaltlich eher Richtung Thriller, doch die Spannung blieb dennoch aus. Der Täter war keine Überraschung, das Motiv hingegen für meinen Geschmack nicht stark genug ausgearbeitet, um es als solches wirklich annehmen zu können.

Gut ausgearbeitet empfand ich das Wechselspiel zwischen Schein und Sein, die Gefahren des Internets und der Welt, die nur das zeigt, was andere wirklich preisgeben wollen. Etwas, das viele bestimmt dazu anregen wird, die Instagram-Welt zu hinterfragen.

Mit den Erwartungen eines spannenden Thrillers, war es für mich jedoch leider eine Enttäuschung. Möglicherweise ist es für Thrillerneulinge eher etwas oder für alle, deren Erwartungen sich eher an einen (Spannungs-)Roman wie „One of the Girls“ orientieren.

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