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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.11.2025

Spannend, skurril, unterhaltsam

Wackelkontakt
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Inhalt:
Franz Escher liebt Puzzles und Mafiageschichten, führt aber sonst ein eher langweiliges und geordnetes Leben als Trauerredner. Während er auf den Elektriker wartet, liest er eine Geschichte über ...

Inhalt:
Franz Escher liebt Puzzles und Mafiageschichten, führt aber sonst ein eher langweiliges und geordnetes Leben als Trauerredner. Während er auf den Elektriker wartet, liest er eine Geschichte über Elio Russo, der die Mafia dank eines Zeugenschutzprogramms verlassen und sich ein neues Leben aufbauen kann.
Elio Russo ist Kronzeuge in einem millionenschweren Mafiaprozess und wartet darauf, das Land und sein aktuelles Leben verlassen zu können. Er liest ein Buch über Franz Escher, der auf den Elektriker wartet. Was wie eine harmlose Erzählung zweier zufällig verbundener Leben beginnt, wird zu einem mitreissenden Strom, der sich wie Eschers Puzzles zusammenzufügen beginnt.

Meine Meinung:
Wie so viele von euch hat auch mich das Cover zuerst abgeschreckt und ich denke, dass ich nie zu dieser kurzen Geschichte gegriffen hätte, wenn ich das Buch nicht von einer Bekannten geliehen bekommen hätte. Ohne grosse Erwartungen - und ohne zu wissen, wovon die Geschichte handelt - stürzte ich mich ins Leseabenteuer und war innerhalb von kürzester Zeit komplett begeistert und überzeugt.
Mir hat gefallen, wie sich die Figuren Franz Escher und Elio Russo auf wenigen Seiten entwickeln, wie Nebenfiguren und Schauplätze mit einer grossen Leichtigkeit eingeflochten werden und wie sich nach und nach ein packender Sog entwickelt.

Schreibstil und Aufbau:
Die beiden Erzählstränge gehen stetig ineinander über. Greift Escher zum Buch, springt die Handlung sofort zu Russo und umgekehrt. Keine Kapitel, Überschriften und Absätze trennen die anfangs längeren und dann immer kürzer werdenden Szenen voneinander und trotzdem ist es problemlos möglich, den gekonnten Verstrickungen zu folgen.
Wolf Haas schreibt mit einer grossen Lust am Erzählen und Fantasieren und es ist ein riesiges Vergnügen, sich diesem atemlosen Schauspiel hinzugeben. Bis zum Ende habe ich mitgefiebert und auch wenn die Figuren durchaus ein wenig skurril daherkommen, habe ich sie gerne durch die Geschichte begleitet.

Meine Empfehlung:
"Wackelkontakt" ist mein erstes Buch von Wolf Haas, aber ich möchte definitiv noch mehr von ihm lesen und möchte euch diese durchdachte, gekonnt erzählte und spannende Geschichte unbedingt ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Sehr berührend und voller Überraschungen

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
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Inhalt:
Harold bestreitet mit seiner Frau Maureen einen einsamen und auch ein wenig traurigen Alltag. Schon seit Jahrzehnten sprechen die beiden nur noch das Nötigste miteinander und existieren still nebeneinander ...

Inhalt:
Harold bestreitet mit seiner Frau Maureen einen einsamen und auch ein wenig traurigen Alltag. Schon seit Jahrzehnten sprechen die beiden nur noch das Nötigste miteinander und existieren still nebeneinander her. War es das schon mit dem Leben? Als Harold einen Brief von einer ehemaligen Arbeitskollegin erhält, dessen Inhalt ihn tief erschüttert, will er eine Antwort verfassen und diese zum Briefkasten bringen. Aber er geht einfach weiter. Ohne Gepäck, ohne Handy, mit unpassendem Schuhwerk aber einem Herz voller Hoffnung.

Meine Meinung:
Die Geschichte hatte ich schon länger auf meiner Wunschliste und als ich sie in einem offenen Bücherschrank entdeckte, musste das Buch einfach mit. Ich wusste überhaupt nicht, worauf ich mich einlassen würde und wurde immer wieder überrascht von der Tiefe und Traurigkeit des Inhalts, aber auch von der Hoffnung und Liebe zum Leben, die sie immer wieder vermittelt.
Mir hat gefallen, wie Harold einen Fuss vor den anderen setzt, sich auf das Gehen und die Begegnungen unterwegs einlässt, wie er die Menschen nimmt, wie sie sind und wie er dabei auch im wahrsten Sinne des Wortes Schritt für Schritt lernt, seine eigene Vergangenheit zu akzeptieren.

Schreibstil und Aufbau:

"Die Menschen, denen er begegnete, die Orte, die er durchquerte, waren Schritte auf seiner Reise, und jedem einzelnen von ihnen räumte er einen Platz in seinem Herzen ein."

Mir hat sehr gut gefallen, wie ich durch Harolds innere Monologe immer besser verstanden habe, was Queenie ihm bedeutet hat und in welch tragischer Situation Maureen und Harold gefangen waren. Zwischen ihnen hat sich die Verbitterung breit gemacht und es ihnen verunmöglicht, liebevoll miteinander umzugehen. Dies war sehr realistisch und einfühlsam erzählt. Und ausserdem hat mir die Gesellschaftskritik gefallen, die im Buch versteckt ist. Es geht nämlich auch um Menschen, die sich den Ruhm und die Ideen anderer Menschen krallen, um Menschen, die vorschnell urteilen und um Menschen, die anderen nur Böses wollen.

Meine Empfehlung:
Diese langsam erzählte Geschichte überzeugt mit seinem sehr berührenden Inhalt und den liebevollen Beschreibungen der Figuren und der Landschaften, denen Harold begegnet. Zufällig habe ich gerade gesehen, dass es noch zwei Fortsetzungen gibt, die ich mir einmal vormerken werde. Auf jeden Fall empfehle ich euch das Buch sehr gerne weiter und die Autorin werde ich mir merken.

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Veröffentlicht am 10.10.2024

Gemütlich und herzerwärmend

Das Winterhotel
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Inhalt:
Hattie führt ein gut laufendes Hotel in Vermont und auf den ersten Blick sieht ihr gemütliches Inn aus, wie einem Märchen entsprungen. Aber nach dem Tod ihres Mannes ist sie alleine für das Hotel ...

Inhalt:
Hattie führt ein gut laufendes Hotel in Vermont und auf den ersten Blick sieht ihr gemütliches Inn aus, wie einem Märchen entsprungen. Aber nach dem Tod ihres Mannes ist sie alleine für das Hotel und ihr Kind verantwortlich und muss ausserdem noch gegen rebellierende Angestellte ankämpfen.
Auch der aus Erica, Claudia und Anna bestehende Buchclub, der sich eine Woche lang im Hotel einquartiert, bringt einige private und berufliche Turbulenzen mit sich und als Erica eine Bombe platzen lässt, die nicht nur ihr Leben auf den Kopf stellt, ist der Trubel um das nahende Weihnachtsfest die kleinste Aufregung, mit der sich die vier Frauen herumschlagen müssen.

Meine Meinung:
Sarah Morgans (Weihnachts-)Romane sind mittlerweile Kult und ich habe bereits einige davon sehr gerne gelesen. Vor einem Jahr habe ich mich mit Martina von Martinas Buchwelten zusammengetan und "Weihnachten kann kommen" in einer kleinen Leserunde genossen. In diesem Jahr haben wir uns wieder zusammengeschlossen und sind pünktlich zum ersten Schneefall in den Schweizer Bergen (so früh, wie in diesem Jahr, stand ich definitiv noch nie im Schnee) in den neusten Weihnachtsroman von Morgan eingetaucht.
Beendet habe ich das Buch im überaus warmen Toronto, wo es mir eine gemütliche Abkühlung und einige wunderschöne Lesestunden verschafft hat.

Schreibstil und Aufbau:
Es geht sehr lange, bis das Buch ein wenig Fahrt aufnimmt und sich die Buchclub-Frauen wirklich nach Vermont aufmachen. Auf den ersten hundert Seiten lernen wir sie dafür um so besser kennen. Die Figuren sind wieder äusserst detailliert ausgearbeitet, die vorweihnachtliche Stimmung ist einfach nur gemütlich und Sarah Morgan schafft es, viele leichte aber auch tiefgründige Themen sehr feinfühlig in ihrem Buch zu vereinen. Am liebsten würde ich alle Figuren noch einmal sehen und wäre sehr glücklich, wenn Morgan wieder einmal eine weihnachtliche Trilogie/Reihe schreiben würde, ich würde nämlich zu gerne erfahren, wie es bei allen Figuren weitergeht.

Meine Empfehlung:
"Das Winterhotel" hat mir noch sehr viel besser gefallen als "Weihnachten kann kommen" vor einem Jahr, weil es trotz vielen Handlungssträngen, Figuren und deren Schicksalen nie überladen oder verzettelt wirkt, sondern einfach nur schöne Vorweihnachtsstimmung und beste Unterhaltung bietet.

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Veröffentlicht am 07.05.2024

Spannend und tiefgründig

Das Nachtfräuleinspiel
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TW: Vergewaltigung, emotionale und körperliche Gewalt, auch an Kindern

Inhalt:
Liane van der Berg ist Vorzeigemutter und Ehefrau, gefeierte Psychologin und Familientherapeutin sowie erfolgreiche Buchautorin ...

TW: Vergewaltigung, emotionale und körperliche Gewalt, auch an Kindern

Inhalt:
Liane van der Berg ist Vorzeigemutter und Ehefrau, gefeierte Psychologin und Familientherapeutin sowie erfolgreiche Buchautorin und Fernsehfrau. Doch dies ist nur das Bild, das sie von sich in den Medien und in ihrem Umfeld abgeben will. Eines Tages erhält sie einen rätselhaften Brief und weitere Szenen aus ihrer Vergangenheit scheinen sich plötzlich wieder in ihr Leben zu schleichen. Jemand treibt ein böses Spiel mit ihr und sie muss dieser Person unbedingt auf die Schliche kommen, bevor alle ihre sorgsam gehüteten Geheimnisse ans Tageslicht kommen.

Meine Meinung:
Anja Jonuleit hat mich im April kontaktiert und weil ihre Nachricht so lieb und aufmerksam formuliert war, wollte ich ihre Bücher unbedingt kennenlernen und habe mir "Das Nachtfräuleinspiel" ausgesucht und dazu auch gleich noch ihren neusten Roman "Kaiserwald" bekommen.
Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, wie sehr ich die Protagonistin verabscheut und das Buch gleichzeitig gemocht habe, Jonuleit beweist hier wirklich ein Händchen für ihre Figuren, aber auch eine grossartige Recherchearbeit. Sie verknüpft geschickt eine Sage mit einem Karnevalsbrauch und einer tragischen Familiengeschichte. Vor allem im Bereich der Pädagogik hat sich die Autorin mit der viel kritisierten Festhaltetherapie und der Waldorfschule befasst und einige entsprechende Szenen in ihre Geschichte einfliessen lassen. Im Nachwort geht sie noch einmal ausführlich sowohl auf den Karnevalsbrauch als auch auf ihre Recherchen zur Pädagogik ein.

Schreibstil und Aufbau:
Während wir es anfangs mit einem rätselhaften Brief und einer vermeintlich harmlosen älteren Dame zu tun haben, tauchen wir mit jedem Kapitel tiefer in das Leben einer nach aussen hin glücklichen Familie ein und lüften Geheimnis um Geheimnis. Ausserdem wird die Geschichte immer spannender und bedrohlicher. Wer steckt hinter den böswilligen Anschlägen auf Liane van der Berg? Wo wird diese Geschichte noch hinführen? Vor allem am Ende konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen und auch wenn sich irgendwann abzeichnete, worauf alles hinauslaufen würde, hat mich auch der Schluss sehr überzeugt.

Meine Empfehlung:
"Das Nachtfräuleinspiel" hat mich mit seiner tiefgründigen Geschichte überrascht und gefesselt und ich bin froh, dass sich Anja Jonuleit bei mir gemeldet hat, ich werde sicher bald weitere Bücher der Autorin lesen und "Kaiserwald" liegt ja bereits schon hier. Herzliche Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.03.2024

Sehr unterhaltsam, liebevoll erzählt und berührend

Hummeln im Herzen
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Inhalt:
Gestern noch hat Lena sich mit der intensiven Hochzeitsplanung beschäftigt, heute steht sie als Single da und als wäre das nicht schon genug schlimm, verliert sie auch noch ihre Arbeit. Ohne Wohnung, ...

Inhalt:
Gestern noch hat Lena sich mit der intensiven Hochzeitsplanung beschäftigt, heute steht sie als Single da und als wäre das nicht schon genug schlimm, verliert sie auch noch ihre Arbeit. Ohne Wohnung, Job und Partner beschliesst sie, ein neuer Mensch zu werden und beginnt mit Hilfe ihrer besten Freundin und deren Mitbewohner an sich zu feilen. Um wenigstens ein paar Euros zu verdienen, tritt sie ausserdem einen Gelegenheitsjob an, der ihr Leben schon bald auf den Kopf stellen wird.

Meine Meinung:
"Hummeln im Herzen" habe ich im Herbst bei der Aktion Lesefreude Schweiz von Ex Libris entdeckt, weil ich schon lange einmal ein Buch von Petra Hülsmann lesen wollte. Sofort war ich mitten in der Geschichte und der leichte, äusserst unterhaltsame Schreibstil, die maximal tollpatschige Protagonistin (und ich kann leider nicht sagen, dass ich mich nicht komplett in ihr wiedererkannt habe, was das fröhliche Betreten sämtlicher Fettnäpfchen betrifft) sowie ein schrulliger Buchhändler, eine Freundschaft zum Pferdestehlen, ein paar schräge Dates und ein Taxifahrer, der mit Liebes- und Lebensweisheiten um sich wirft, machen den ganzen Charme dieser Geschichte aus. Ja, wahrscheinlich ist alles ein wenig überzogen dargestellt, aber die Figuren und ihre Ecken und Kanten habe ich sofort ins Herz geschlossen und das Ende des Buches hat mich zu Tränen gerührt, weil es Hülsmann gelungen ist, auch tiefgründigere Themen mit viel Fingerspitzengefühl in die sonst so leichte Geschichte zu integrieren und das Leben einfach spielen zu lassen. Ausserdem ist die (sehr nachvollziehbare) Liebe zu Hamburg in vielen Szenen spürbar, die wunderschöne, geschichtsträchtige Stadt wird nämlich immer wieder passend in Szene gesetzt, was mir sehr gut gefallen hat.

Meine Empfehlung:
"Hummeln im Herzen" hat mich wunderbar unterhalten, mit schöne, lustige, berührende Lesestunden geschenkt und mich neugierig auf die weiteren Bücher der Hamburg-Reihe gemacht, die man wohl auch unabhängig voneinander lesen kann.

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