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Marielle_liest

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2024

Urlaubslektüre der anderen Art

Heim schwimmen
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Das Ehepaar Joe und Isabel verbringt gemeinsam mit ihrer Tochter Nina und einem befreundeten Ehepaar eine Sommerwoche in einem Ferienhaus an der Côte d‘Azur. Dann taucht Kitty Finch auf und wirbelt die ...

Das Ehepaar Joe und Isabel verbringt gemeinsam mit ihrer Tochter Nina und einem befreundeten Ehepaar eine Sommerwoche in einem Ferienhaus an der Côte d‘Azur. Dann taucht Kitty Finch auf und wirbelt die erholsamen Ferien ganz schön durcheinander. Die junge Frau bezieht ein übriges Zimmer im Ferienhaus und freundet sich mit Nina an. Und dann sind da noch all die Geheimnisse, die die Urlauber*innen verbergen…

💦👙☀️🪻

Hui, war das ein Ritt! Für einen ganz kurzen Moment dachte, das könnte ein entspannter Sommerferien-Roman werden. Aber dieses Gefühl hielt nicht lange an, denn ganz schnell haben Verwunderung, Skurrilität und bizarre Begebenheiten das Zepter übernommen.

Schon beim ersten Auftritt von Kitty Finch war ich nicht sicher, ob das gerade wirklich so passiert, wie es aus Sicht eines Ferienhausgasts erzählt wird. Wie alle Szenen war auch diese in lebhafter und schöner Sprache geschildert, sodass sich sofort bunte Bilder in meinem Kopf entwickelten. Doch die Bilder waren so merkwürdig, dass ich schmunzeln musste.

Dieses Schmunzeln hat mich während der kompletten Lektüre begleitet. Im Verlauf des Buchs gibt es durchaus auch ernste Momente, denn die Charaktere haben mit ihrer eigenen Vergangenheit oder mit ihren Lebensumständen zu kämpfen. Doch der Autorin gelingt es, jeder Figur einen schrulligen und sonderbaren Stempel aufzudrücken. So ist es einfach okay, dass sich alle ein wenig komisch benehmen, dass vielleicht manchmal die Fantasie übernimmt oder dass sie sich gelegentlich im Ton vergreifen.

Mir hat diese verrückte Ferienwoche gut gefallen und ich habe mich durchweg unterhalten gefühlt - vor allem von den kuriosen und interessanten Haupt- und Nebenfiguren. Besonders gelungen fand ich die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen und diese unterschwellige Schwere, die sich permanent auf die gesamte Szenerie gelegt hat. Einen Hauch weniger Verwirrung hätte ich mir in manchen Momenten gewünscht.

Veröffentlicht am 05.07.2024

Zwei Schwestern, die Liebe und der Bär

Cascadia
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Zwischen Seattle und Vancouver, zwischen den USA und Kanada, zwischen dem Pazifik und dem Festland liegt San Juan Island, wo Sam mit ihrer Schwester Elena und ihrer Mutter lebt. Die beiden jungen Frauen ...

Zwischen Seattle und Vancouver, zwischen den USA und Kanada, zwischen dem Pazifik und dem Festland liegt San Juan Island, wo Sam mit ihrer Schwester Elena und ihrer Mutter lebt. Die beiden jungen Frauen verdienen gerade genug, damit es zum Überleben reicht, denn nebenbei müssen sie ihre kranke Mutter pflegen, was einem weiteren Vollzeitjob gleicht. Doch sie haben einander – die Schwesternliebe, sie haben Pläne und Träume von einer sorglosen Zukunft. Als könnte ein Bär, als könnte die Liebe, als könnte irgendetwas diese Zukunft zerstören!?

🐻💜

Naivität, bedingungsloses Vertrauen, auch ein wenig Arglosigkeit. Das kommt mir in den Sinn, wenn ich an Sam denke. Sie vergöttert ihre Mutter und noch mehr vergöttert sie Elena. Abhängigkeit – wenn sich ein Leben nur um die Existenz eines anderen Leben dreht, dann bekomme ich ein ungutes Gefühl. Doch ich verstehe Sam so sehr. Mit all ihren Ecken und Kanten ist die Protagonistin, ihr Handeln und ihre Gedanken, für mich so glaubwürdig und authentisch. Selbstlosigkeit, Hingebung, Aufopferung – das Glück ihrer Schwester bedeutet ihr mehr, als ihr eigenes Glück.

Gleichzeitig tut es weh, zu sehen, wie sie wirklich alles aufgibt, um den gemeinsamen Traum zu erfüllen. Wie sehr sie in der Zukunft lebt und wie wenig im Heute. Wie sehr sie alle anderen Menschen ablehnt, wie blind sie dem Wort ihrer Schwester glaubt.

Elena ist für mich eine schwierige Figur, für welche ich anfangs ein wenig, nach dem ersten Drittel überhaupt keine Sympathie mehr empfinden konnte. Sie ist für mich so schwer zu greifen, ihr Handeln ist für mich nur selten nachvollziehbar. Im letzten Drittel bricht sie mir das Herz. Doch das ist ein rein subjektives Empfinden meinerseits.
Insgesamt ist „Cascadia“ unglaublich fesselnd. Die Autorin schreibt wunderschön und bis kurz vor Schluss war mir nicht klar, wie die Geschichte enden würde. Dass der Roman aus Sams Perspektive geschrieben ist, ist ein großer Gewinn für das Buch. Denn sie ist zwar speziell, aber für meinen Geschmack die Person, der ich lieber zuhören möchte. Ach und dann ist da ja noch der Bär – was es mit ihm auf sich hat, musst du aber selbst lesen. Das ist zu interessant und darf nicht gespoilert werden!

Eine Leseempfehlung für ein aufreibendes und durchaus berührendes Buch mit ganz viel Raum, um zwischen den Zeilen zu lesen, zum Nachdenken und Mitfühlen.

Veröffentlicht am 02.07.2024

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Die Hungrige
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Lydia ist eine junge Vampirin und wagt ihre ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben. Doch damit entstehen auch Herausforderungen, die sich vordergründig um ihre eigene Existenz drehen - sie muss ...

Lydia ist eine junge Vampirin und wagt ihre ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben. Doch damit entstehen auch Herausforderungen, die sich vordergründig um ihre eigene Existenz drehen - sie muss Nahrung finden. Nachdem sie zuvor von ihrer Mutter regelmäßig mit Schweineblut versorgt wurde, steht sie nun mit leeren Händen, leerem Magen und leeren Adern da. Doch eigentlich will Lydia keine Menschen essen.

Und dann sind da noch all die gesellschaftlichen Herausforderungen, die ihr neues Leben in einem Künstlerinnenloft und das Praktikum in einer Galerie mit sich bringen. Kann eine Vampirin einen Zugang zur ganz gewöhnlichen, menschlichen Welt finden?

🧛🏽‍♀️🧛🏽‍♀️🧛🏽‍♀️

Claire Kohda ist mit diesem Roman etwas gelungen, das mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen hat. Sie platziert eine Sagengestalt in eine Coming-of-Age-Story und lässt uns an den Problemen von Lydias Erwachsenwerden teilhaben.

Lydia kämpft mit dem Anderssein, mit den zwei Seelen in ihrer Brust, mit der Akzeptanz ihres inneren Dämons. Doch auch sehr menschliche Themen beschäftigen sie. Denn als junge Frau ist sie plötzlich mit S
xismus konfrontiert und mit japanischen und malaysischen Wurzeln erlebt sie Ausgrenzung nicht nur durch ihre unüblichen Essensgewohnheiten als Vampirin.

Überhaupt ist Lydia gezwungen, ihre wahre Identität geheimzuhalten, ihren Dämon zu verstecken, immer nur ihre menschliche Seite zu präsentieren. Gerade diese Passagen, die so viel von ihrer Seele zeigen, waren für mich am stärksten. Denn eigentlich ist der Wunsch doch so menschlich, sich nur von seiner guten Seite zu zeigen, sich anzupassen und sich in der Gesellschaft zurecht zu finden. Umso schöner war es schließlich, dass es ganz ohne Rebellion und ohne Durchbrechen der Grenzen nicht klappt. Denn Lydias wahres Ich hat mir am Ende am besten gefallen.

An einigen Stellen hätte ich gerne noch so viel mehr erfahren, sodass ich dafür ein Pünktchen abziehe. Durch ein oder zwei Fortsetzungen ließe sich das aber beheben. 😉

Veröffentlicht am 15.05.2024

Zwischen rauer Wildnis und dem Wunsch nach einem Ausweg

Die Tage des Wals
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Manod ist 18 Jahre alt und lebt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester und ihrem Vater auf einer Insel vor der walisischen Küste. Das Leben dort ist hart und ganz der Witterung ...

Manod ist 18 Jahre alt und lebt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester und ihrem Vater auf einer Insel vor der walisischen Küste. Das Leben dort ist hart und ganz der Witterung und den Naturgewalten ausgesetzt. Anpassung ist nötig und nur für das Einfachste bleibt Raum und Zeit. Doch Manod ist eine besondere junge Frau, die sich von den anderen Inselbewohner:innen deutlich unterscheidet. Durch ihre Neugier und ihr Interesse, das sich weit über die Grenzen der Insel erstreckt, durch ihre überdurchschnittlich gute Bildung und ihr Wissen, das sie sich sowohl in der Wildnis als auch in der Schule auf dem britischen Festland angeeignet hat, sticht sie heraus. Als die beiden Forschenden Joan und Edward vom Festland zur Insel kommen, um das dortige Leben zu dokumentieren, bemerken auch diese die besondere junge Frau und machen sie zu ihrer Assistentin. Und plötzlich eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten für Manod und vielleicht sind ihre Träume und Wünsche doch gar nicht so fern, wie sie ihr bisher schienen.

🐋🦭🦞

Ein Wal strandet gleich zu Beginn des Buchs am Strand der Insel, die Manods Heimat ist. Und dieser Wal begleitet uns während des kompletten Buchs durch seine unauffällige Anwesenheit. Ebbe und Flut lassen ihn auftauchen und wieder verschwinden, das Meer umspült ihn, bedeckt ihn und legt ihn wieder frei. Er verwest, wird zur Nahrungsquelle für andere Tiere und die Natur nimmt ihn wieder auf, macht ihn zum Teil eines Kreislaufes, eines Ökosystems. Doch auch die Menschen nutzen seinen Kadaver, allerdings vorwiegend die Menschen vom Festland. Bis er sich zum Schluss nun doch noch in ein bleibendes Denkmal für die Inselbewohner:innen verwandelt.

Der Wal durchläuft nach seinem Tod eine Entwicklung – einen Prozess, der sich eigentlich vollkommen im Hintergrund abspielt. Und trotzdem ist diese Entwicklung präsent, ebenso wie Manod eine Entwicklung durchläuft und am Ende auch die Insel und die ganze Welt. Denn gerade kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ist alles im Wandel, auch wenn es für die Handlung des Buches nur beiläufig auf der walisischen Insel zu spüren ist. Denn hier steht Manods Entwicklung im Vordergrund, die sich in meinen Augen von einem klugen Mädchen zu einer selbstbewussten und scharfsinnigen jungen Frau verwandelt.

Die Autorin erschafft mit Manod eine sehr sympatische Protagonistin, die so lebendig und wild ist, dass mir das Herz aufgeht. Durch die Verwendung einer wunderschönen poetischen Sprache strahlt Manods einzigartiges Wesen in die Welt hinaus. Sie ist so vielseitig und wissensdurstig, sie ist eine liebenswürdige und fürsorgliche große Schwester und sie ist naturverbunden und geerdet. Und natürlich macht sie Fehler, so wie wir alle, doch sie lernt daraus, zieht die richtigen Schlüsse und steckt neue Ziele. Ich finde Manod wirklich grandios.

Die Handlung von "Die Tage das Wals" ist sehr leise. Es passiert nicht besonders viel und so lebt der Roman vor allem durch seine bildgewaltige und poetische Atmosphäre und durch Naturbeschreibungen, die mich die raue Küste fühlen lassen. So ist diese Geschichte vor allem etwas zum Abtauchen, Genießen und Entschleunigen. Gespickt ist das Buch außerdem mit ungewöhnlichen Inseltraditionen, mit Bräuchen und Liedern und vor allem mit vielen Geheimnissen. Schließlich bleiben einige Lücken zurück, die wir als Leser:innen mit unseren eigenen Gedanken schließen dürfen.

Ich habe das Buch sehr gemocht und es kam für mich zur richtigen Zeit. Aktuell entdecke ich meine Liebe für den poetischen Sprachstil und der ist in diesem Buch wirklich hervorragend gelungen. Ein ruhiger Romane mit viel Platz für dich selbst, mit versteckten Informationen, die du zwischen den Zeilen findest und mit einer fantastischen und bewundernswerten Hauptdarstellerin. Eine Leseempfehlung von mir!

Veröffentlicht am 01.03.2024

Camping mal anders

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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Evelyn ist forensische Psychologin und wird zu einer schrecklichen Mordserie hinzugezogen, wobei regelmäßig Reisende auf verschiedenen Campingplätzen umgebracht werden. Doch Evelyn hat noch viel größere ...

Evelyn ist forensische Psychologin und wird zu einer schrecklichen Mordserie hinzugezogen, wobei regelmäßig Reisende auf verschiedenen Campingplätzen umgebracht werden. Doch Evelyn hat noch viel größere Sorgen, denn ihr Bruder Fabian kehrte vor 2 Jahren - ebenfalls von einem Camingtrip - nie wieder nach Hause zurück. Können diese Geschichten zusammenhängen? Und warum gerät Evelyns Leben plötzlich komplett aus den Fugen?


Da ich Roadtrips und das Vanlife sehr liebe, war ich super neugierig auf das Buch und habe mich mit diesem Psychothriller in fremdere Genre-Gefilde gewagt - außerdem erstmals als Hörbuch.

Demnach war es für mich auch das erste Buch von Arno Strobel. Es ist dem Autor jedoch ganz wunderbar gelungen, dass ich schon nach dem 1. Kapitel mittendrin war im Geschehen. Als wäre ich selbst Kommissarin habe ich mitgerätselt, analysiert und ermittelt. Besonders gut gefallen hat es mir, dass Evelyns Leben und das Lösen des Falls im Mittelpunkt standen und nicht unbedingt die schrecklichen Morde selbst. So hielten sich blutrünstige Szenen eher in Grenzen, was es für mich als genrefremde Leserin bzw. Hörerin super gut erträglich machte.

Besonders spannend fand ich die psychologischen Aspekte, die die Figuren zu ihren Handlungen bewegten und erst zum Ende komplett aufgeklärt wurden. So war ich mir nie ganz sicher, wer die Wahrheit sagt und ob ich nicht gerade hinters Licht geführt werde.

Ein Highlight war für mich das Ende, denn da wurde es nochmal so richtig fesselnd und eine für mich unerwartete Wendung löste die Anspannung mit einem großen Knall auf. Da Psychothriller, wie gesagt, nicht mein übliches Genre sind, fällt mir eine Bewertung für Thrillerfans etwas schwer. Aber für Lesende, die einen (Camping-)Ausflug in diese Lesewelt machen möchten, kann ich „Der Trip“ durchaus empfehlen.

TW: Gewalt / Mssbrauch u.a. ggü. Kindern; Alkoholmssbrauch; Selbstverl*tzung; psych. Manipulation