Profilbild von Jumari

Jumari

Lesejury Star
offline

Jumari ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jumari über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2024

Voller Liebe und Mut

Der Blick einer Frau
0

Ich lese gern Romane, die sich auf historische Personen und Ereignisse beziehen. Hier geht es um das (Kriegs-)Fotografenpaar Gerda Taro und Robert Capa und vorrangig um deren Engagement im Spanischen Bürgerkrieg. ...

Ich lese gern Romane, die sich auf historische Personen und Ereignisse beziehen. Hier geht es um das (Kriegs-)Fotografenpaar Gerda Taro und Robert Capa und vorrangig um deren Engagement im Spanischen Bürgerkrieg. Meine Kenntnisse über diesen Krieg sind nicht besonders ausgeprägt, aber doch so gefestigt, dass ich auch über die Rolle der beiden Fotografen bereits seit Jahren viel erfahren, besonders gelesen habe. Schon 1994 veröffentlichte Irme Schaber, die auch im Nachwort erwähnt wird, die erste große Biografie über Gerda Taro, 2013 erschien eine Neuauflage, die den Fund, der hier im Roman eine Hauptrolle spielenden 800 Taro-Fotos beinhaltete. Jetzt, 2024, erscheint von Schaber bei Hentrich & Hentrich „Freiheit im Fokus“ über die beiden Fotografen in Leipzig. Das ist eine interessante Parallele, denn Gerda Taro floh 1933 aus Leipzig vor den Nazis nach Paris. Es gibt unzählige Zeitschriftenbeiträge, Fotobücher, es gab berühmte Ausstellungen, besonders die in New York. Taro und Capa waren und bleiben ikonische Figuren der Fotografiegeschichte. Taro und Capa waren mir also keine Unbekannten. Belletristische Werke über beide sind aber eher selten. Hier füllt nun Caroline Bernard eine Lücke. Diese Autorin hat sich auch bisher sehr der weiblichen Seite der Geschichte zugewendet, seien es die Malerin Frida Kahlo, die Schriftstellerin Simone de Beauvoir, oder zuletzt auch die Fluchthelferin Lisa Fittko in „Die Wagemutige“. Immer stellt sie die feministische und zugleich aktive und mutige Seite der Frauen in den Mittelpunkt ihrer Romane.
Dieses Buch und das Buch über Lisa Fittko heben sich übrigens durch ein eher realistisches Fotocover von den anderen Romanen der Autorin ab. Bei so romantisierten Covern, wie sie für die Reihe Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe verwendet wurden, hätte ich wahrscheinlich gar nicht zugegriffen.
Bernard fixiert ihre Romane – wie hier über Gerda Taro – sehr auf das ganz Private, Persönliche und Intime ihrer Protagonistinnen. Damit erreicht sie wahrscheinlich auch ein Publikum, das ansonsten Biografien aus dem Sachbuchgenre nicht so sehr mag. Bernard identifiziert sich total mit ihrer Heldin, steht auf ihrer Seite und verteidigt sie gegen Kritik (auch im übertragenen Sinne). Wer sich mehr für die rein biografischen, knallharten, belegten Fakten interessiert, wird aber auch hier im Buch recht gut versorgt, auch wenn die Geschichte teilweise zur Liebesromanze oder -tragödie tendiert. Insbesondere auch die historischen Informationen zum Spanischen Bürgerkrieg sind aufschlussreich, bleiben aber natürlich begrenzt.
Der Roman umfasst die Jahre 1931 bis 1937, 1933 wird Gerta Pohorylle von der Gestapo in Leipzig in Schutzhaft genommen und entkommt nach der Entlassung über die Grenze nach Frankreich, sucht wie die meisten jüdischen und nichtjüdischen Flüchtlinge in Paris nach einer neuen Bleibe. Die Situation der Flüchtlinge beschreibt die Autorin sehr lebensecht und es hinterlässt bei mir einen bitteren Nachgeschmack, wie herabwürdigend die Situation für Menschen wie Gerta war. Aber sie gibt nicht auf und beißt sich jeden Tag aufs Neue durch. Das Geschick, noch aus weniger als nichts etwas zu machen, durchzieht das ganze Buch. Als sie Endre Friedmann, auch Flüchtling, auch jüdisch, kennenlernt, da entbrennt eine große Liebe, deren Feuer bis zur letzten Seite des Romans nicht enden wird. Beide ändern ihre Vornamen gleich nach der Ankunft, weil die Namen in Frankreich so ungewöhnlich klingen, sie sind zusammen: Gerda und André. Gerda wird bei André das Fotografieren lernen, und sie wird ihn später beinahe in den Schatten stellen.
Der zweite Handlungsstrang ist eine fiktive Erzählung über eine mexikanische Fotografin, die ihren Lebensunterhalt u. a. mit dem Entrümpeln von Wohnungen bestreitet. Als sie auf einen Koffer mit Hunderten Fotos stößt, ist ihr Spürsinn gefragt und sie begibt sich auf einen Weg, der die Wahrheit über die Fotos, aber auch über die ihrer Mutter und Familie preisgeben wird.
Der Schreibstil ist manchmal etwas langatmig, sich wiederholende Sequenzen von Gedanken, die Gerda durch den Kopf gehen, und auch die Geschichte der Mexikanerin Christina wirken ein wenig gewollt. Die Charaktere werden aber recht anschaulich beschrieben, auch die Nebendarsteller sind interessant gestaltet, sei es Willy Brandt oder Hemingway, spanische Kraftfahrer oder französische Kinder, alle werden gekonnt skizziert.
Gerda Taro wird als die „Erfinderin“ von Robert Capa gerühmt, zuerst aber wählt sie ihren eigenen Künstlernamen „Taro“, dann fällt ihr spontan der „Robert Capa“ ein, dem sie auch gleich noch eine neue Biografie verpasst. Dass sich André bisweilen beschwert, dass sie Robert lieber mag als ihn, kann nicht verwundern, denn mit dem neuen Namen gibt sie ihm auch einen anderen äußeren Anstrich, vom Landstreicher zum Gentleman. André, der ein paar Jahre jünger ist als Gerda, ist aus meiner Sicht zu Recht etwas ungehalten über die Veränderung seines Selbst. Auch wenn sie ihm geschäftlich sehr guttut.
Ich will nicht zu viel vom Inhalt preisgeben, die Fakten kann jeder bei Wikipedia etc. im Internet googeln, wie die Autorin die Geschehnisse und insbesondere die Erlebnisse im Spanischen Bürgerkrieg beschreibt, das geht aber mehr unter die Haut, als es die puren Fakten tun. Dass die Erlebnisse, die Gerda als Kriegsfotografin hat, schrecklich und ernüchternd sind, ist wohl jedem klar. Dass eine Frau sich dem freiwillig und mit Enthusiasmus und Todesmut aussetzt, das ist für uns Heutige schwer nachzuvollziehen.
Empfehlenswert ist das Nachwort, dass einige Unklarheiten beseitigt.
Dieser Roman über Gerda Taro hat es mir sehr angetan, auch wenn der Feminismus manchmal etwas dick aufgetragen wird. Ich gebe gern vier Sterne und eine Leseempfehlung.

DerBlickeinerFrau

NetGalleyDE

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.06.2024

Vergangenheit ist der Ursprung der Gegenwart

zusammen bleiben
0

Sylvia Schmieder beweist in ihrem zweiten Roman einmal mehr, wie sehr sich die Vergangenheit, die eigene, die der Heimat, die der Vorfahren auf die Gegenwart auswirkt. Nicht immer sind die Einflüsse so ...

Sylvia Schmieder beweist in ihrem zweiten Roman einmal mehr, wie sehr sich die Vergangenheit, die eigene, die der Heimat, die der Vorfahren auf die Gegenwart auswirkt. Nicht immer sind die Einflüsse so positiv wie die Erinnerung an einen verwunschenen Garten oder ein Lieblingsgericht.
Dem Leser wird eine große, weit verzweigte und sehr unterschiedliche Familie vorgestellt. Im Fokus steht Mari, die Großmutter, aber Claudia, ihre Enkelin, ist diejenige, die als autofiktionale Person prägend ist für das Schreiben dieser Familiengeschichte. Die Herkunft von Mari, der Frau aus dem Dreiländereck Österreich – Ungarn – Slowakei mit ihrem nicht ganz hundertprozentigen Deutsch, heiratet Ludwig, den Deutschen, mit dem sie bald drei, vier, später sogar fünf Kinder hat und mit dem sie versucht, Freud und Leid zu teilen, bis dass der Tod sie scheidet. So hat sie es bei der Trauung wohl versprochen, davon wird sie nichts und niemand abbringen. Sie folgt also Ludwig in jungen Jahren hoffnungsvoll nach Deutschland, in die Stadt Frankfurt, wo sie ein Haus kaufen, das sie sogar bis zum Ende der Geschichte bewohnen werden. Dass ihnen ihr Familienglück durch den zweiten Weltkrieg gestört, ja fast zerstört wird, ahnt man ab der ersten Seite. Ludwig meldet sich freiwillig zur Waffen-SS und Mari muss zuerst drei, dann vier Kinder – denn es kommt noch Heinerle, das Fronturlaubskind, hinzu, – vor Hunger, Krankheiten, Bomben und anderem Unheil schützen. Die drei Großen sind Rudolf, Dieter und Klara, die im Roman später die Mutter von Claudia wird. Die Kinder sind sehr unterschiedlich, trotzdem halten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Mari flieht im Krieg zeitweise zu den Verwandten in die Slowakei, aber der Ausflug wir jäh abgebrochen und das Kriegsende müssen alle in Frankfurt erleben. Ich will nicht zu viel preisgeben von der Geschichte, aber eines will ich doch noch beschreiben. Klara will nach dem Krieg von ihrem Onkel Peter, dem Bruder von Mari, mehr über das KZ Mauthausen erfahren, in das er wegen defätistischer Artikel eingesperrt wurde. Dass Klara nur wenige Sätze reichen, um ihren Wissensdurst jäh zu stoppen, weil die Geschichte, die Peter erzählt, zu grausam ist, um sie zu ertragen, das hat mich sehr bewegt. Gerade dieses Wegschauen, das ihre Brüder mit stoischem Schweigen über die Kriegseindrücke auch versuchen, das muss auch heute noch immer wieder ins Gegenteil verkehrt werden. Das versucht dieses Buch und schafft es, meine Distanziertheit zu der Familie Wachholz doch etwas aufzubrechen. Täter-Opfer-Sichten verwandeln sich manchmal ins Gegenteil. Und Sylvia Schmieder gelingt es, jeden ihrer Protagonisten lebendig darzustellen, zu charakterisieren, auch wenn das manchmal nur kurz ausfällt, wie beispielsweise das Verhalten von Ludwig, als er plötzlich wieder zurück ist aus der Gefangenschaft. Denn es ist nicht nur für ihn typisch, sondern für einen Großteil der Weltkriegsteilnehmer. Sie leben mit ihren Traumata, ihren Ängsten und ihrer Schuld, nichts davon wird ihnen genommen. Der Gang zum Therapeuten auf die Couch war nach Kriegsende keine Option, so mussten die Familien die Dramen ertragen und konnten froh sein, wenn der Vater, Großvater, Bruder überhaupt lebendig geblieben war.
Claudia wächst in den 1960er, 1970er Jahren heran und trägt das Trauma des Krieges noch in der zweiten Generation auf ihren Schultern und ihrer Seele. Dass sie, trotzdem oder gerade, weil man es ihr so schwer machte, ihre Ziele erreicht hat, ist umso schöner.
Der Ausklang des Romans versucht, alles vorher Geschriebene in einer perlenbunten Traumwelt zu verarbeiten. Doch Träume enden und die Wirklichkeit bleibt, jeder ist seines Glückes Schmied, dem einen gelingt ein filigranes Kunstwerk, der andere schmiedet ein Hufeisen.
Da ich den Nationalsozialismus, den zweiten Weltkrieg und den Holocaust vorrangig, bedingt durch meine eigene Familiengeschichte, aus der Rolle der Opfer betrachte, empfand ich den Roman als Bereicherung, was meine Kenntnisse und Erkenntnisse über das Leben und die Rolle der Mitläufer oder Täter anbelangt. So ließ die Erzählung über die Aneignung von arisiertem Eigentum bei mir natürlich alle Alarmglocken schellen. Selbst wenn später „Wiedergutmachung“ geleistet wurde, die ermordeten Juden hat es nicht wieder lebendig gemacht.
Der Roman hat sich nicht ganz flüssig gelesen, viele Namen, Orte, unterschiedliche Schreibweisen, man geriet leicht aufs falsche Gleis, wenn man nicht aufmerksam war. Nicht alles war wegen abrupter gedanklicher Richtungsänderungen oder ungewöhnlicher Formulierungen sofort verständlich. Wie gesagt, das Buch fordert die komplette Aufmerksamkeit, Ablenkungen sollte man vermeiden. Mir hätte tatsächlich eine Familienübersicht oder ein Stammbaum das Ganze etwas erleichtert.
Zum Buch, zur Gestaltung: Die kleine Schrift ist (für mich als Brillenträger) sehr anstrengend zu lesen, fast hätte ich kapituliert. Leider gibt es kein E-Book, das in Hinsicht auf die Schriftgröße wesentlich komfortabler wäre. Gleiches gilt für das Aufsuchen von bestimmten Textstellen, so bleiben nur ein Bleistift und bunte Klebemarker, wenn man sich etwas notieren will. Warum das Inhaltsverzeichnis am Ende steht, weiß ich nicht, ich glaube es wäre am Anfang besser platziert. Das Cover gefällt mir recht gut, der Titel „zusammenbleiben“ passt zu dem, was ich zu Beginn schrieb.
Fazit: Eine lesenswerte, nicht alltäglich Familiengeschichte, die Einblicke gewährt in das Leben und Überleben, und nicht wegschaut, wenn es hart und unmenschlich zugeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.06.2024

Beziehungsstress zwischen Long Island und Irland

Long Island
0

Colm Tóibín hat mit "Long Island" den Folgeband von "Brooklyn" als eigenständiges Buch herausgebracht, aber ich glaube, das Lesen von Band Eins wäre hilfreich gewesen. Es wird doch recht viel auf vergangene ...

Colm Tóibín hat mit "Long Island" den Folgeband von "Brooklyn" als eigenständiges Buch herausgebracht, aber ich glaube, das Lesen von Band Eins wäre hilfreich gewesen. Es wird doch recht viel auf vergangene Ereignisse eingegangen.

Hauptperson ist Eilis, gebürtige Irin, 20 Jahre in Amerika verheiratet mit einem Italiener und der italienischen Großfamilie. Als sie erfährt, dass ihr Ehemann Tony ganz nebenbei ein Kind mit einer seiner Kundinnen gezeugt hat und der gehörnte Ehemann ihr droht, das Kind vor die Tür zu legen, wenn es geboren ist, rastet sie aus. Für sie ist dieses Kind aus meiner Sicht nur ein willkommener Anlass, für geraume Zeit zu ihrer Mutter nach Irland zu reisen. Dass sich in der alten Heimat einiges getan hat und immer noch tut, muss sie mit Erstaunen zu Kenntnis nehmen. Die Verwicklungen, die sich anbahnen sind nicht minder brisant, als die in ihrem Zuhause auf Long Island.

Colm Tóibín versucht, all seine Protagonisten ausführlich vorzustellen, aber gerade was die innere Zerrissenheit und Verwirrtheit anbelangt, zeichnet er recht holzschnittartige Charaktere. Die da sind: Nancy, ehemalige Schulfreundin, Jim, der ehemalige Freund und Kurzzeitgeliebte, Eilis' Mutter und Geschwister, auch der in Amerika gebliebene Ehemann Tony und auch die beiden fast erwachsenen Kinder. Ich habe das Hörbuch in recht kurzer Zeit gehört und war vom letzten und 7. Kapitel wirklich überrascht. Eine Fortsetzung könnte ich mir auf jeden Fall vorstellen.

Moral von der Geschichte ist für mich, man kann nicht alles im Leben haben oder erzwingen, aber ab und zu sollte man auch zu Entscheidungen kommen und das Leben selbst in die Hand nehmen. Ob es hilfreich ist, weiß man sowieso erst hinterher.

Fazit: unterhaltsame Stunden, gut gelesen von Katja Danowski, die ich aber schon intensiver erlebt habe (Zum Beispiel bei Nachts ist man am besten wach). Gute vier Sterne!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2024

Ein ganz ungewöhnlicher Krimi

Ein Toter lag im Treppenhaus
0

Ein ganz ungewöhnlicher Krimi, den Andreas Neuenkirchen hier geschrieben hat. Ich kenne den Autor bisher nur von dem sehr ernsthaften, historischen Buch über den Japaner Sempo (Chiune Siguhara). Jetzt ...

Ein ganz ungewöhnlicher Krimi, den Andreas Neuenkirchen hier geschrieben hat. Ich kenne den Autor bisher nur von dem sehr ernsthaften, historischen Buch über den Japaner Sempo (Chiune Siguhara). Jetzt reizt er mich schon tagelang zum Lachen. Ja, es ist ein Krimi, aber ein fröhlicher, abgedrehter. Was man mit einem Baby vorm Bauch als junger Schriftsteller und Vater so alles erleben kann, das sucht schon seinesgleichen.
Neuenkirchen übertreibt es manchmal ein wenig, dann ufert das Geschehen etwas aus und wird langatmig. Aber mit jedem neuen Abschnitt kommt dann auch wieder "Leben in die Bude". Das Charakterisieren seiner ungewöhnlichen Protagonistenhorde gelingt dem Autor richtig gut. Am Anfang gibt es einen Toten, das Ende verrate ich natürlich nicht.
Für mich hat das Buch eine gute Abwechslung von zeitgeschichtlichen und schicksalhaften Büchern gebracht, ich kann es als Unterhaltung vorbehaltlos empfehlen.

EinToterlagimTreppenhaus

NetGalleyDE

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2024

Besser Texten will gelernt sein

Einfach können - Gute Texte
0

Der Titel "Einfach können - Gute Texte" ist vielleicht etwas irreführend. So einfach ist es leider nicht, wirklich gute und lesbare Texte zu verfassen. Das kleine Büchlein will auf jeden Fall dabei helfen, ...

Der Titel "Einfach können - Gute Texte" ist vielleicht etwas irreführend. So einfach ist es leider nicht, wirklich gute und lesbare Texte zu verfassen. Das kleine Büchlein will auf jeden Fall dabei helfen, auch oder besonders ins Denken vor dem Schreibprozess Struktur zu bringen. Gegliedert in vier Hauptkapitel findet sich jeder Interessierte schnell zurecht, wenn er Spezielles sucht. Man kann es natürlich auch wie ich machen und das ganze Buch lesen. Interessant fand ich von Anfang an die "Schreibstimme", das ist etwas, was man ja unbewusst hat. Wenn man es aber ins Bewusstsein holt, bemerkt man auch, dass diese Schreibstimme nicht immer stimmt.

Ganz wichtige einzelne Elemente des Ratgebers möchte ich aufzählen: die Frage nach dem Ziel/der Zielperson, nach dem Kerngedanken des Textes und nach der endgültigen, passenden Formulierung.

Ich habe diverse Anregungen bekommen, über manches macht man sich nach vielen Jahren Redaktionsarbeit tatsächlich überhaupt keine Gedanken mehr. Aber immer zu schreiben, wie einem die Gedanken gerade in die Feder oder Tastatur fließen, ist offenbar auch nicht ideal.

Ich empfehle das Buch jedoch eher für den beruflichen Alltag. Aber auch, wer privat schreibt, findet jede Menge gute Ideen und Tipps.

Obwohl das Buch nur knapp 100 Seiten hat, habe ich doch eine ganze Weile darin gelesen. Immer wieder habe ich hin und her geblättert, mir die Textverweise noch einmal angeschaut und versucht, die vielen Tipps mit meinem eigenen Schreibstil zu vergleichen. Nicht mit allem bin ich "schreibtechnisch" einverstanden, aber besonders das konkrete Benennen von Fakten und die schnörkelfreien Beispielsätze ohne "Schmus" sind anregend!

Die allgemeinen Schreibtipps und am Schluss die 9 goldenen Regeln für gute Texte nehme ich gern gedanklich auf.

Einzig die vielen "Lesenden" und die "Schreibenden" im Ratgeber störten meinen Lesefluss. Ich kann mich mit dieser Art geschlechtergerechter Sprache nicht anfreunden. Das hat aber keinen Einfluss auf meine Sterne-Bewertung!

Fazit: das Buch gibt viele Anregungen, nicht nur fürs Schreiben sondern auch fürs Denken!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung