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Veröffentlicht am 20.05.2024

Anders als erwartet

Das Gegenteil von Erfolg
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“Das Gegenteil von Erfolg” von Eleanor Elliott Thomas erzählt die Geschichte von Lorrie und wie ihr Leben innerhalb eines Tages komplett aus dem Ruder zu geraten droht. Lorrie ist glücklich verheiratet, ...

“Das Gegenteil von Erfolg” von Eleanor Elliott Thomas erzählt die Geschichte von Lorrie und wie ihr Leben innerhalb eines Tages komplett aus dem Ruder zu geraten droht. Lorrie ist glücklich verheiratet, zweifache Mutter, arbeitet bei der Stadtverwaltung und soll nun das Projekt vorstellen, an dem sie monatelang gearbeitet hat. Nachdem sie eine Beförderung nicht erhält, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch, der im Laufe der Geschichte und in Kombination mit Alkohol in einer Katastrophe endet, die ich nicht kommen gesehen habe.

Der Schreibstil der Autorin hat mir grundsätzlich gut gefallen, auch wenn die Erzählweise recht langsam und beschreibend ist. Dies muss man definitiv mögen. Außerdem lesen wir abwechselnd aus Lorries und Alex’ Perspektive, Lorries bester Freundin. Dadurch habe ich beim Lesen sehr lange auf den eigentlichen Hauptteil der Geschichte warten müssen.

Was mir sehr gut gefallen hat, sind Themen wie Feminismus, Klimakrise und Umwelt- und Naturschutz, Aktivismus, Freundschaft und die Frage, wie viel ein Mensch, insbesondere eine Frau, in unserer Gesellschaft leisten muss, um wertgeschätzt und anerkannt zu werden.

Das Buch hatte für mich durch die Grundthematik ein großes Highlight-Potenzial, welches es für meinen Geschmack durch die Umsetzung leider nicht voll ausschöpfen konnte. Zum Ende hin steigert sich die Geschichte in eine Folge absurdester Ereignisse, die ich leider weder unterhaltsam noch glaubwürdig fand. Auch die Handlungen der Protagonistin waren für mich zunehmend unauthentisch und unangenehm zu lesen, auch wenn ich Teile ihrer Gedanken sehr gut nachvollziehen konnte. Für mich ist das Buch letzten Endes wohl am meisten Bestätigung dafür, dass Alkohol, besonders in Krisensituationen, kein Mittel der Wahl sein sollte.

Trotzdem kann ich “Das Gegenteil von Erfolg” grundsätzlich empfehlen, da ich mir auch einige schöne Zitate und Gedanken markiert habe und gut unterhalten wurde.

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Veröffentlicht am 11.04.2024

Verwebung dreier tragischer Frauenschicksale

Der Sommer, in dem alles begann
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“Der Sommer, in dem alles begann” von Claire Léost erzählt die tragische Geschichte von drei Frauen auf verschiedenen Zeitebenen, die sich 1994 in einem kleinen Dorf im Landesinneren der Bretagne begegnen. ...

“Der Sommer, in dem alles begann” von Claire Léost erzählt die tragische Geschichte von drei Frauen auf verschiedenen Zeitebenen, die sich 1994 in einem kleinen Dorf im Landesinneren der Bretagne begegnen.
Das Buch zeigt einen authentischen, ungeschönten Einblick, der eigentlich keine der Figuren wirklich positiv dastehen lässt, mit Ausnahme vielleicht von Hélène, und steuert mit fortschreitender Geschichte auf eine Tragödie zu, die mich noch längere Zeit nachdenklich zurückgelassen hat.

Der Schreibstil ist erzählend, nüchtern und hat mir sehr gefallen, da er die Geschichte und Stimmung gut transportiert hat. Allerdings vermittelt die Autorin in meinen Augen keinen allzu guten Eindruck von der Bretagne der 1990er. Für mich klingt das gesamte Werk nach einer persönlichen Abrechnung mit ihrer Kindheit/Jugend in der Bretagne und einer möglichen Versöhnung im Heute.
Es werden Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Radikalisierung und Gewaltbereitschaft, Grooming, sexueller Missbrauch und fehlende Kommunikation behandelt, in meinen Augen werden diese Themen allerdings nicht kritisch genug beleuchtet.
Aber auch die geschichtlichen Hintergründe, atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen, regionalen Eigenheiten und das Festhalten an der bretonischen Sprache und Kultur werden hier thematisiert. Diese Einblicke fand ich sehr spannend.

Ich bin an der ein oder anderen Stelle leider sehr unzufrieden mit der Verwendung, dem Vergleich oder der Nebeneinanderstellung von speziellen Worten und Attributen. Auch wenn dies in das Denken der Zeit passt, in der der Großteil der Geschichte spielt, hätte man dies meiner Meinung nach heutzutage entweder umgehen oder kritischer einordnen müssen. Auch ein entsprechendes Vorwort hätte mir damit ein besseres Gefühl gegeben. Außerdem hätte das Buch definitiv Content Notes oder eine Triggerwarnung gut gebrauchen können, da viele schwierige Themen behandelt werden.

Insgesamt hat mir die Geschichte gut gefallen und ich würde diese mit 4 Sternen bewerten, da etwas zu viele Themen für knapp 240 Seiten enthalten, die alle eher oberflächlich behandelt wurden. Abzüglich meiner oben genannten Kritikpunkte bekommt das Buch eine Gesamtbewertung von 3,5 Sternen. Eine Empfehlung würde ich aussprechen, wenn man sich dieser vor dem Lesen bewusst ist und Interesse daran hat, einen eher ungewöhnlichen Blick auf die Bretagne zu erleben.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Gib mir mehr von der Magie

Empire of Whispers and Shadows
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Empire of Whispers and Shadows ist der Auftakt einer Dilogie von Ursa Jaumann, der in einem an Japan angelehnten Setting spielt. Wir begleiten die verfeindeten Protagonist*innen Saya und Teno aus wechselnder ...

Empire of Whispers and Shadows ist der Auftakt einer Dilogie von Ursa Jaumann, der in einem an Japan angelehnten Setting spielt. Wir begleiten die verfeindeten Protagonist*innen Saya und Teno aus wechselnder Perspektive, die ihre Assassinen-Prüfung ablegen und dabei zusammenarbeiten müssen.

Ich bin aufgrund der Japan-Thematik, der Enemies-to-Lovers Romance und dem sehr vielversprechenden Einstieg - der Prolog hat mich vor Vorfreude und Erwartung auf ein komplexes und tiefgründiges Magiesystem ganz kribbelig gemacht - sehr euphorisch in die Geschichte reingegangen.

Saya handelt getrieben von Rache, da sie mit ihren 18 Jahren schon viele schlimme Erfahrungen machen musste. Dazu hat sie eine Todesliste, die sie abarbeiten möchte, und Teno führt diese an erster Stelle an. Ihre schlagfertige Art hat mir sehr gefallen und ein gutes Maß Humor in die Geschichte reingebracht.
Teno konnte ich dagegen schwerer einordnen. Er nimmt Saya gegenüber die Beschützerrolle ein, was meiner Meinung nach zum Teil problematische Züge annimmt. Es gab aber auch viele süße Momente, in denen er Saya echte Wertschätzung entgegenbringen konnte.
Die Slowburn Enemies-to-Lovers-Dynamik konnte ich dadurch trotzdem nicht gänzlich an mich ranlassen, wodurch mir die emotionale Ebene eher verschlossen blieb.

Den Schreibstil fand ich leider an vielen Stellen holprig, was mich immer wieder aus dem Lesefluss gebracht hat. Außerdem fehlte mir ein Roter Faden, wodurch ich mich auch in der Handlung oft verloren fühlte. Es gab einige massive Zeitsprünge in einer zeitlich eigentlich stark limitierten Prüfungssituation und abrupte Szenenwechsel, die zum Teil willkürlich aneinandergereiht wirkten.

Die Magie kam mir leider etwas zu kurz. Das aufgeregte Kribbelige, was ich im Prolog gespürt habe, war im Verlauf der Geschichte kaum Thema mehr. Und auch die Fähigkeiten von Saya und Teno als Assassine, die bereits fertig ausgebildet sind und nur noch die Prüfung ablegen müssen, fand ich enttäuschend.

Positiv hervorheben möchte ich zum Schluss noch die Wasserkobolde, die durch die Geschichte hinweg immer wieder auftauchen. Sie haben eine ganz eigene, beinahe unschuldige Art an sich, die mich fasziniert hat und die ich gerne weiter studiert hätte.

Insgesamt bin ich leider enttäuscht vom ersten Band. Nach dem Ende bin ich aber trotzdem noch neugierig auf das Finale, wobei ich mir erhoffe, dass darin dieser magische Funke aus dem Prolog wieder eingefangen werden kann.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Grausamkeiten

Medea
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Medea von Rosie Hewlett ist ein Retelling der gleichnamigen Sagenfigur aus der griechischen Mythologie. Dabei begleiten wir Medea durch die verschiedenen Phasen ihres Lebens. Da Medea eine mächtige Hexe ...

Medea von Rosie Hewlett ist ein Retelling der gleichnamigen Sagenfigur aus der griechischen Mythologie. Dabei begleiten wir Medea durch die verschiedenen Phasen ihres Lebens. Da Medea eine mächtige Hexe ist, wird sie gefürchtet, verachtet, aber auch begehrt. Um ihrem gewalttätigen Vater zu entkommen, verbündet sie sich mit dem jungen Helden Jason, in den sie sich verliebt. Doch was macht Gewalt mit einer jungen Frau, die eigentlich nur die Hoffnung auf Freiheit in sich trägt?

Der Sage um Medea war mir zwar nicht gänzlich, aber in ihren Details eher unbekannt. Dementsprechend konnte ich unvoreingenommen ins Geschehen eintauchen und die Geschichte auf mich wirken lassen. Hätte ich mal besser vorher gewusst, worauf ich mich einlasse…

Medea erlebt an unterschiedlichen Stationen ihres Lebens verschiedene Formen von Gewalt. Ein Schicksal, dem sie nicht entkommen kann und dem sie irgendwann anfängt, mit ihrer eigenen Gewalt zu antworten. Ich lese gerne Bücher mit Female Rage, aber Medea treibt diese so weit auf die Spitze, dass ich es kaum ertragen konnte. Besonders tragisch finde ich, dass ihr die Frauen in der Geschichte immer wieder die Hände reichen und einen Ausweg bieten. Doch Medea ist nur auf ihre Wut und die Männer fixiert, die für diese verantwortlich sind.

Ich fand das Buch aufgrund der kontinuierlichen Grausamkeit sehr anstrengend zu lesen. Es gab keine Pausen, kein Aufatmen. Ich hatte bis zuletzt Hoffnung, dass sich irgendetwas zum Guten wendet, aber die blieb unerfüllt.
Das Buch hat kein Happy End. Im Gegenteil: das Buch zeigt eindrücklich, wie Gewalt Gewalt hervorbringt. Bis zu unvorstellbarer Grausamkeit. Und doch zeigt es eine Perspektive, die Medeas Handeln verständlich, wenn auch nicht verzeihbar macht.
Wer die Medea-Sage besser kennt oder sich der Grausamkeit dieser bewusst macht, kann das Buch sicherlich mehr genießen. Das Retelling an sich finde ich gut gelungen und Medeas Perspektive nachvollziehbar umgesetzt.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Gewollt anstrengend

Half His Age
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Half His Age von Jennette McCurdy hat mich beim Lesen und auch danach erstmal ratlos zurückgelassen. Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir die Geschichte aus mehreren Gründen nicht sonderlich gut gefallen ...

Half His Age von Jennette McCurdy hat mich beim Lesen und auch danach erstmal ratlos zurückgelassen. Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir die Geschichte aus mehreren Gründen nicht sonderlich gut gefallen hat. Ich mochte die Protagonistin Waldo und ihren Lehrer Mr. Korgy gar nicht. Die Handlung fand ich zusammen mit der schnörkellosen, zum Teil derben Sprache eher anstrengend zu lesen und ich musste das Buch nach kurzen Passagen immer wieder zur Seite legen. Lesefreude hatte ich bis zum Ende nicht und auch dieses konnte mich letztendlich nicht zufriedenstellen oder positiv stimmen.

Und doch erkenne ich in der Thematik, die das Buch behandelt, durchaus einen gesellschaftlichen Wert, der auch in mir etwas angestoßen hat und Raum für Diskussionen bietet. Diese werde ich hier in Teilen aufmachen und einige Aspekte ansprechen, wodurch die Rezension durchaus spoilern könnte.
Denn Half His Age behandelt die Beziehung zwischen einer 17-jährigen Schülerin und ihrem mehr als doppelt so alten Lehrer. Vom Kennenlernen, der Entstehung der Beziehung, den Aufs-und-Abs bis schließlich zur Trennung. Die Beziehung weist aufgrund des Altersunterschieds, Waldos Minderjährigkeit und der Lehrer-Schülerin-Beziehung ein riesiges Machtgefälle auf und ist natürlich absolut problematisch. Dazu kommen dann noch Themen wie eine komplizierte, toxische Mutter-Tochter-Beziehung und als Bewältigungsstrategie übertriebenes Konsumverhalten.

Im ersten Moment, in dem ich die Geschichte reflektiert habe, dachte ich, dass hier eine eher untypische Dynamik dieser Beziehung zwischen Lehrer und seiner Schülerin beschrieben wird. Denn das Interesse, Fantasien und erste Annäherungsversuche gehen von Waldo aus. Dabei überschreitet sie auch mehrfach Mr. Korgys Grenzen, die er wiederholt kommuniziert und zunächst auch einhält. Allerdings weichen diese Grenzen nach und nach auf und er missbraucht Waldos Interesse und ihr verzweifeltes Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe.
Was für mich zunächst nach einem Twist einer solchen Geschichte klang, habe ich auf den zweiten Blick in Frage gestellt. Vielmehr bildet diese Geschichte beispielhaft einen Teil der Bandbreite an individuellen Erfahrungen solcher Beziehungen ab. Denn in Waldos Verhalten liegt keinerlei Rechtfertigung dafür, dass sich Mr. Korgy letztendlich auf sie einlässt und damit seine Machtposition missbraucht. Auch nicht, dass sie "besonders reif für ihr Alter ist". Eine lahme vermeintliche Rechtfertigung von Männern, warum sie auf junge Frauen, zum Teil minderjährige Mädchen, stehen oder gar Beziehungen mit ihnen führen.

Abschließend fällt es mir sehr schwer, das Buch jetzt bewerten zu müssen. Habe ich das Buch gerne gelesen? Leider nein. Sollte mensch das Buch gelesen haben? Nicht unbedingt, ich konnte wenig bis nichts Neues aus der Geschichte ziehen. Diese beispielhafte Geschichte ist dafür - tragischerweise - zu alltäglich. Bietet der Roman dennoch eine Erinnerung, sich unter anderem mit dem Thema Machtmissbrauch in Lehrer-Schülerin-Beziehungen auseinanderzusetzen und schafft dafür einen Raum für Diskussionen? Definitiv! Besonders, da McCurdy eine gewisse Reichweite mitbringt und viele, die solch eine Thematik nie gelesen hätten, schon alleine ihres Namens wegen zu dem Buch greifen werden.

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