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Veröffentlicht am 18.08.2024

Ende gut, aber nicht alles gut

Finster
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Die hier erzählten Ereignisse beginnen vor 38 Jahren und entführen uns in das fiktive ländliche Katzenbrunn im Odenwald. Dieser trostlose Ort besteht aus achtzehneinhalb Häusern mit 50 dort lebenden Seelen. ...

Die hier erzählten Ereignisse beginnen vor 38 Jahren und entführen uns in das fiktive ländliche Katzenbrunn im Odenwald. Dieser trostlose Ort besteht aus achtzehneinhalb Häusern mit 50 dort lebenden Seelen. Das »berühmteste« Gebäude ist das Haus »Waldfrieden«, eine psychiatrische Klinik.

Damals haben die Uhren noch anders getickt. Das digitale Zeitalter war noch nicht eingeläutet. Um sich dieser Zeit anzupassen, benutzt der Autor Begriffe wie Kolonialwaren. Krankenschwestern beschreibt er ihrem Äußeren nach mit weißen Häubchen auf dem Kopf. Die gute alte D-Mark ist noch Zahlungsmittel. Das ist alles so weit in Ordnung und passt auch zu dieser Zeitrechnung.

Vier Jungen verschwinden nacheinander in unregelmäßigen Abständen spurlos und sind nie wieder aufgetaucht. Kriminalhauptkommissar Hans Jörg Stahl hat damals die Ermittlungen geleitet. Nach einem schlimmen Autounfall wurde er vorzeitig pensioniert. Sein Nachfolger Kleist hat die vermissten Jungen als ungelöste Kriminalfälle zu den Akten gelegt. Als zehn Jahre später der dreizehnjährige Nikolaus Kämmerer verschwindet, kehrt Stahl an diesen Ort zurück. Als Pensionär nimmt er wieder die Ermittlungen auf und möchte neben dem aktuellen Vermisstenfall unbedingt die Cold Cases von damals lösen. Keiner von den aktuellen Ermittlern weiß darüber Bescheid.

Merkwürdige Personen wohnen in dem kleinen Ort. Hier leben psychisch kranke Menschen außerhalb der Klinik, sowie Selbstmörder und Mörder. Der Autor hat sie so beschrieben, dass man sich gut ein Bild von ihnen machen kann. Gleich mehrere Personen kommen als Entführer der Jungs infrage. Jeder misstraut hier jedem. In diesem Punkt hat Menger vieles richtig gemacht, um die Spannung hochzuhalten.

Dass das Kaff eine düstere Stimmung offenbart, kommt gut herüber. Menger gelingt es mit der Beschreibung der einzelnen Dorfbewohner, dass man eine Abneigung gegen die meisten von Ihnen aufbaut. Gekonnt legt er verschiedene Spuren aus, die sich dann aber als Sackgasse erweisen. Die Figur des Hauptkommissars a.D. Stahl ist vielschichtig angelegt. Nicht alles davon hat mir gefallen.

Wir erfahren etwas über die Beweggründe des Täters, warum er die Kinder entführt hat. In den Kapiteln, die bspw. mit »Der Greifer«, »Oskar« oder »Tommi« überschrieben sind, wird das Leben dieser Figuren geschildert. Dabei erzählt »Oskar« in der Ich-Form.

Nach etwas mehr als der Hälfte wird deutlich, wer der Gesuchte, der sogenannte »Greifer« ist. Das nimmt der Handlung die Spannung weg. Es geht ab da nur noch darum, ob und wie man den Täter überführen kann.

Einiges war für mich zu klischeehaft. Die Wirtin des Landgasthofes »Zur Krone« ermittelt plötzlich an der Seite des ehemaligen Kommissars Stahl und beide kommen sich dabei menschlich näher.

Fazit:

Nachdem ich bereits »Angst« von dem Autor gelesen habe, stelle ich nun fest, dass »Finster« einen anderen Ansatz hat. Das finde ich mutig, da viele Autoren und Autorinnen nicht von einem einmal eingeschlagenen Stil abweichen.
Schreibstil und Plot konnte ich allerdings nicht mit dem Begriff Thriller in Einklang bringen. Für mich war es eher ein Kriminalroman, was aber keiner Negation entspricht.
Das Buch liest sich leicht und flüssig. Die kurzen Kapitel habe ich als angenehm empfunden.
Die Handlungsstränge haben auf mich konstruiert gewirkt. Positiv sollte man allerdings erwähnen, dass zum Ende hin alles ineinanderfließt.
Wie jemand schreibt und was er schreibt, ist immer auch eine Frage des Geschmacks. Leider hat das Buch meine Erwartungen nur teilweise erfüllt. Ich würde mir wünschen, dass Menger wieder zu seinem bisherigen Stil zurückkehrt. Ich vergebe drei Sterne.

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Veröffentlicht am 21.05.2024

Eine verschmähte Liebe

Die Sehenden und die Toten
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Kriminalkommissarin Clara Seidel hat sich vor zwei Jahren vom Morddezernat in Hamburg zur Polizeistation Dannenberg ins beschauliche Wendland versetzen lassen. Sie hat dort ein Fachwerkhaus gekauft und ...

Kriminalkommissarin Clara Seidel hat sich vor zwei Jahren vom Morddezernat in Hamburg zur Polizeistation Dannenberg ins beschauliche Wendland versetzen lassen. Sie hat dort ein Fachwerkhaus gekauft und ist zusammen mit ihrer siebzehnjährigen Tochter Lana eingezogen.

Es muss in der Vergangenheit etwas in ihrem privaten Bereich passiert sein, das Clara zu diesem Schritt bewogen hat. Sowohl Mutter als auch Tochter versuchen das Geschehene zu verarbeiten – es ist aber mehr ein Verdrängen. Clara hat ein Alkoholproblem und sie leidet hin und wieder an Panikattacken. Ist sie unter diesen Umständen noch für den Polizeidienst tauglich? Lana möchte nur Kontakt mit ihrer Mutter haben und interessiert sich sehr für die Arbeit ihrer Mutter. Beide verbindet die Erinnerung an die Vergangenheit und sie sind auch sonst ein gut eingespieltes Team.

Man kann sich nicht daran erinnern, wann die Polizeistation Dannenberg ein Tötungsdelikt aufzuklären hatte. Aber genau das ist jetzt der Fall. Es geschieht ein Mord an einem achtzehnjährigen Jungen. Justus Libermann wird tot in den Elbtalauen gefunden. Seine Augäpfel wurden entfernt und durch Spiegelscherben ersetzt. Was will uns der Täter mitteilen? Ist es ein möglicher Hinweis auf einen Fetisch, haben wir es mit einem Psychopathen oder einem perversen Mörder zu tun?

Clara Seidel ist für die Polizeistation Dannenberg überqualifiziert und die anderen Mitarbeiter zunächst mit dem aktuellen Fall überfordert. Es fehlen die richtigen Ansätze für die Ermittlungen. Eine Soko wird zusammengestellt. Die Leitung übernimmt Kai Wächter vom Staatsschutz in Hannover. Warum wurde dieser Beamte nach Dannenberg versetzt? Gibt es dafür einen Grund?

Wächter sowie Alexander Libermann, der Vater des Opfers haben einen fiesen Charakter. Wächter ist arrogant und herablassend seinen Mitarbeitern gegenüber. Spannungen zwischen Wächter und Seidel sind unübersehbar. Der Tod seines Sohnes Justus lässt Libermann offensichtlich kalt.

Mit Clara Seidel und deren Tochter Lana habe ich während des Lesens in gewisser Weise Mitgefühl entwickelt. Von Beginn an wird ein Spannungsfeld aufgebaut, das nicht abebbt, aber auch im weiteren Verlauf nicht zunimmt. Während der Erzählung legt die Autorin immer wieder neue Spuren bzw. Hinweise zu Ereignissen und möglichen Tätern aus, um den Leser in die Irre zu führen. Ist ein neuer Verdacht aufgekommen, erweist er sich schnell wieder als haltlos.

Gerade zum Ende hin hätte ich mir aber gewünscht, dass etwas Unvorhersehbares geschieht. So kam es lediglich zu einem anonymen Anruf mit einem Glückwunsch zum Erfolg, den Clara Seidel schaudern lässt. Ein »Woweffekt« ist bei mir nicht eingetreten.

Fazit:

Dieser Kriminalroman ist atmosphärisch und kommt ohne Klischees aus. Schon nach wenigen Seiten kommt man leicht in diesen Plot hinein.
Die Kapitel sind relativ kurzgehalten, was das Lesen positiv beeinflusst. Manche Kapitel enden mit einem Cliffhanger, bei anderen Kapiteln wird die Handlung im darauffolgenden Kapitel fortgesetzt.
Die Autorin beschreibt die einzelnen Charaktere so, dass man sich gut in die Figuren und deren Verhalten hineinversetzen kann. Sie dringt dabei tief in deren Psyche ein. Dafür scheint Piontek ein »Händchen« zu haben.
Als Einstieg in die Kriminalliteratur nicht schlecht, obwohl noch einiges an Luft nach oben bleibt. Von mir gibt es drei Sterne.

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Veröffentlicht am 22.03.2024

Angst und Schrecken in der Wiener Oper

Wiener Totenlieder (Ein Carlotta-Fiore-Krimi 1)
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In dem vorliegenden Kriminalroman versetzt ein Mörder das Ensemble und die übrigen Angestellten der weltberühmten Wiener Oper in Angst und Schrecken. Die Morde geschehen ausschließlich innerhalb des Hauses. ...

In dem vorliegenden Kriminalroman versetzt ein Mörder das Ensemble und die übrigen Angestellten der weltberühmten Wiener Oper in Angst und Schrecken. Die Morde geschehen ausschließlich innerhalb des Hauses. Trotzdem sieht die Direktorin Susanne (Susu) Superitsch keine Veranlassung für eine Sperrung bis zur Aufklärung der Fälle.

Das Opernhaus schreibt rote Zahlen, die Vorstellungen sind nicht ausverkauft. Das ändert sich schnell mit den Morden. Die Verkaufszahlen steigen schlagartig, selbst die Abonnentenzahlen nehmen zu. Könnte das ein Hinweis darauf sein, dass die Direktorin Superitsch mit den Morden etwas zu tun hat?

Keines der Tötungsdelikte ähnelt dem anderen. Besonders perfide ist der Mord mit einer Liebeskugel, die als Geschenk getarnt ist. Nach meinem Wissen tötet ein Serienmörder immer nach dem gleichen Muster – oder ist der Täter besonders gerissen? Es ist eher unwahrscheinlich, dass es mehrere Täter gibt.

Die Polizei kommt bei ihren Ermittlungen nicht voran und Kommissar Hannes Fischer hat daher die Idee, zwei Personen als Statisten in die Oper einzuschleusen. Dabei fällt ihm zum einem der Clown Foxi ein. Der heißt mit bürgerlichem Namen Konrad Fürst und war vor über 20 Jahren bei der Mordkommission, bis seine Tochter spurlos verschwand. Nach einem Ermittlungsfehler wurde er entlassen. Fürst glaubt daran, dass seine Tochter noch lebt. Als Clown tritt er deshalb hauptsächlich in Veranstaltungen mit vielen Kindern auf und erhofft sich so eine Spur zu finden.

Zum anderen denkt Fischer dabei an Carlotta (Lotta) Fiore, die aktuell als Kaufhausdetektivin arbeitet. Lotta ist die Protagonistin in diesem Kriminalroman. Sie ist die Tochter der weltberühmten, aber leider schon verstorbenen Sopranistin Maria Fiore. Auf Wunsch ihrer Mutter sollte Lotta ebenfalls eine Ausbildung zur Opernsängerin machen. Da ihr dafür das Talent fehlt, hat sie sich bei der Polizei beworben. Beim Eignungstest hat sie einen Selbstmordversuch verschwiegen und wurde deshalb nicht in den Polizeidienst übernommen.

Prammer beschreibt den facettenreichen Charakter der Lotta sehr ausführlich. Lotta hat nicht nur ein Alkoholproblem, sie ist auch süchtig nach Männerbekanntschaften. Diese beiden Dinge werden häufig thematisiert. Und was bedeuten die Vergleiche, die Lotta anstellt, wenn sie bestimmte Figuren charakterisiert (bspw. »Anthrazitgrau, Risotto mit Fisch und 60»)?

In unregelmäßigen Abständen erscheinen Kapitel, die mit »Das Mädchen» überschrieben sind. Dort erfahren wir etwas über ein Mädchen, dass in seinen Alpträumen immer Kontakt zu einem weiteren Mädchen hat, dessen Gesicht es nicht sehen kann. Meines Erachtens stehen diese Flashbacks nicht im Zusammenhang mit den Taten. Will T. Prammer hier vielleicht eine falsche Fährte auslegen?

Das Ende ist dann aber eher unvorhersehbar. Ich war doch etwas über die Auflösung überrascht und enttäuscht zugleich. Mir haben einfach die Spannungsmomente gefehlt.

Fazit:

Die Liebe der Autorin zur Bühne ist in diesem Krimi unverkennbar. Sie hat sich beim Schreiben mehr auf das Geschehen vor und hinter der Bühne fokussiert als auf die kriminalspezifischen Ermittlungen.
Die Fahndung nach dem Täter oder der Täterin geraten dabei in den Hintergrund. Vordergründig werden die Proben und Inszenierungen verschiedener Operetten beleuchtet.
Mit Ausnahme von Konrad Fürst (Clown Foxi) und dem Kriminalkommissar Hannes Fischer kommt keine der Figuren bei mir sympathisch rüber. Insbesondere die Protagonistin Carlotta (Lotta) Fiore ist niemand, den man mögen muss.
Das Buch ist leicht zu lesen, aber das Setting hat mich nicht überzeugt. Aus meiner Sicht gibt es beim Schreiben von weiteren Büchern noch Luft nach oben. Von mir daher nur drei Sterne.

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Veröffentlicht am 22.11.2023

Höllentrip in die Alpen

Die Einladung
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Die Rezension zu diesem Buch war für mich nicht ganz einfach. Wie meistens bei den Thrillern von Fitzek haben viele Leser überwiegend positiv darüber geschrieben. Da ich diese Meinungen nur bedingt teilen ...

Die Rezension zu diesem Buch war für mich nicht ganz einfach. Wie meistens bei den Thrillern von Fitzek haben viele Leser überwiegend positiv darüber geschrieben. Da ich diese Meinungen nur bedingt teilen kann, musste ich länger überlegen, was meine Rezension beinhalten soll.

Die Idee ist nicht neu. Ein gemeinsames Treffen in einer abgelegenen Berghütte hat u.a. auch schon Arno Strobel als Grundlage für seinen Psychothriller »Offline« gewählt.

Ort der Handlung ist eine einsam gelegene Berghütte in Bayern oberhalb von Kaltenbrunn, eines der höchstgelegenen Dörfer in den Alpen nahe der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Wer sich zu diesem Chalet begibt, ist mehr oder weniger auf sich selbst angewiesen. Es gibt nur eine einzige Verbindung mit einem Bus hinauf zu dieser Hütte und auch wieder hinunter ins Tal. Der Bus fährt nur bei Bedarf und wenn die Wetterverhältnisse es zulassen.

Diese Hütte wird auch gerne als Nebelhütte bezeichnet, da sie meist wegen Nebel unsichtbar ist. Hier kommt es zu einem Jahrgangstreffen von ehemaligen Abiturienten. Amadeus, Paulina, Jeremy, Grete, Rebekka und Simon werden mit identischen Einladungskarten zu diesem Treffen eingeladen. Wer die Einladungen versendet hat bleibt diffus. Marla Lindberg, um die es in erster Linie in diesem Thriller geht, wird mit einer gesonderten Karte eingeladen mit dem Hinweis »Kilian kommt auch«. Marla war in der Klasse eher eine Außenseiterin und isoliert. Sie hatte eigentlich nur mit Kilian Kontakt, zu dem sie sich hingezogen fühlte. Marla entschließt sich aufgrund dieses Hinweises, zu dem Treffen zu fahren.

Bestand die Klasse nur aus sieben Personen, oder warum wurden gerade diese eingeladen? Hat das etwas zu bedeuten? Die Figuren werden im Laufe der Erzählung näher charakterisiert, damit man einen besseren Eindruck gewinnt. Das hat mir gut gefallen.

In der Hütte angekommen, findet Marla diese zunächst leer vor. Lediglich die vorhandenen Sachen deuten darauf hin, dass hier jemand wohnt. Als die übrigen Bewohner auftauchen (wo waren sie vorher?), misstrauen sie Marla und beschuldigen sie, einen Drohbrief verfasst zu haben (jetzt oder früher? Wann?). Im weiteren Verlauf wird jeder jedem misstrauen. Die Lage spitzt sich zu und eskaliert schließlich. Es geschehen schreckliche Dinge. Sogenannte »Gutmenschen« wird man in diesem Buch vergeblich suchen.

Cliffhanger sind eigentlich ein gutes Stilelement. Die werden hier zwar oft genutzt, jedoch hat mir dann die Auflösung gefehlt (Bsp.: Bei einem gemeinsamen Saunagang wurde es immer heißer in der Kabine. Ein paar Seiten später wird beiläufig erwähnt, dass irgendjemand eine Vergiftung durch einen toxischen Aufguss geplant hat. Aber wer? Die Frage bleibt unbeantwortet! Dann ist plötzlich von K.-o.-Tropfen die Rede, die jemand den einzelnen Personen verabreicht haben soll. Wer ist hierfür verantwortlich? Auch hierzu erfolgt keine Aufklärung.

Der Autor setzt immer wieder Twists ein, die Spannung erzeugen. Hierzu weise ich auf zwei Beispiele hin:
1. Wie ist es zu verstehen, dass die LKA-Beamtin Kristin Vogelsang Kontakt zu dem seltsamen Gottfried in Kaltenbrunn hat? Dieser wollte Marla bei deren Ankunft darin hindern, dass sie hinauf zur Hütte fährt.
2. Paulina Rogall aus der Gruppe ist eine angehende Schriftstellerin und hat als Debütroman einen Plot gewählt, dessen Inhalt »Der Einladung» entspricht. Was soll dem Leser/der Leserin damit gesagt werden?

Einiges erscheint mir zu sehr konstruiert und nicht nachvollziehbar. Insgesamt fand ich vieles diffus.

Im direkten Vergleich mit anderen Psychothrillern von anderen Autoren bzw. Autorinnen muss ich bei diesem Buch Abstriche machen.

Fazit:

Kurzgehaltene Kapitel sind immer ein gutes Stilelement. Den Schreibstil hat der Autor mit unterschiedlichen Schrifttypen angereichert, um auf etwas bestimmtes hinzuweisen. Meist kurze Sätze, die nicht verschachtelt sind, sorgen für einen positiven Lesefluss. Die Handlung springt in Bezug auf Ort und Zeit hin und her. Durch die Cliffhanger wird man angeregt weiterzulesen. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die auch eine Aufklärung finden, was nicht immer der Fall ist. Manchmal folgen den Kapitel-Nummern Unterüberschriften (z.B. »Vier Jahre später – Fünf Jahre vor der Entscheidung« oder »Die Befragung – Gegenwart – Zwei Wochen nach der Entscheidung«) haben mich eher verwirrt, als dass sie mir Klarheit verschafft haben. In seinem Nachwort erläutert Fitzek, wie er sein Buch »Die Einladung« verstanden haben will.
Da mich das Setting insgesamt nicht überzeugt hat, kann ich nur drei Sterne vergeben.

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Veröffentlicht am 14.10.2023

Hänschen klein, ging allein …

Deep Sleep, Band 1 - Codename: White Knight
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Geheimagenten von der CIA wollen mit der Operation DEEP SLEEP das nach ihrer Meinung verkommene amerikanische System in Chaos und Anarchie stürzen. Dazu planen sie Attentate auf Politiker, Spitzenmanager ...

Geheimagenten von der CIA wollen mit der Operation DEEP SLEEP das nach ihrer Meinung verkommene amerikanische System in Chaos und Anarchie stürzen. Dazu planen sie Attentate auf Politiker, Spitzenmanager und sonstige Wirtschaftsgrößen der Vereinigten Staaten von Amerika.

Dafür trennen Mitglieder des geheimen Regierungsprogramms DEEP SLEEP elternlose Kinder und Jugendliche von ihren Pflege- bzw. Adoptiveltern und setzen sie unter psychoaktive Drogen. Sie werden ausgebildet, um Terroranschläge zu verüben. Diese Ausbildung ist mit einem Navy SEAL (Anm.: die härteste Spezialeinheit der U.S. Navy) vergleichbar. Anschließend erhalten Sie einen Codenamen und kehren als Schläfer wieder zu ihren Pflegeeltern zurück.

Sie leben weiter wie bisher bei ihren Pflegeeltern und warten auf ihren Einsatz. Was machen die Pflegeeltern in der Zwischenzeit - suchen sie nicht nach ihren "Schützlingen" oder schalten sie nicht die Polizei ein? Und was denken sie, als die Kinder plötzlich wieder auftauchen? Das alles bleibt unbeantwortet.

Einer von ihnen ist Ian Brown, der Protagonist dieses Plots. Der 17-jährige Star seines Footballteams lebt bei seinen Adoptiveltern Linda und Gerald. Nach einem herausragenden Sieg seines Teams bekommt er in der Umkleidekabine einen Anruf auf sein Handy. Nach der Annahme ertönt die Melodie des Kinderliedes »Hänschen klein, ging allein …«. Das ist der Weckruf für die Schläfer und Ian tippt seinen Codenamen WIGHT KNIGHT ein. Ab sofort ist er nicht mehr Ian Brown.

Was er zu diesem Zeitpunkt nicht weiß ist die Tatsache, dass der Code gehackt wurde, um ihn umzudrehen, damit geplante Anschläge verhindert werden.

Aber schon sein erster Einsatz verläuft nicht planmäßig. Ein Attentat auf die Luxus-Yacht von Yorik Van Sand, Vorstand des Technologieunternehmens New Dimension kann er nicht verhindern und eine Explosion schaltet ihn aus.

Danach erfolgt ein Cut und ein Wechsel zu einem Jahrmarkt. Ein gewisser John hilft Big Fly (mit richtigem Namen James McMasterson, ehemals bei den US-Marines und Drogenfahnder von New York) bei der Unterhaltung seines Kettenkarussells. John wurde von Big Fly aufgenommen und so genannt, weil der sich nicht an seine Vergangenheit erinnern kann, die mehr als drei Monate zurückliegt. Alles ist wie ausgelöscht. Man wird jedoch auch schon hier die Vermutung nicht los, um wen es sich in Wahrheit handeln könnte.

Die Handlung nimmt wieder Fahrt auf, viele actiongeladene Momente folgen. Allerdings habe ich im weiteren Verlauf Twists vermisst, die Handlungsabläufe waren mir zu vorhersehbar. Und noch eine Sache, die mir nicht gefallen hat: Man hat zuweilen den Eindruck, dass die Figur des John Superman gleicht. Bei jeder Aktion gegen ihn oder seine neuen Freunde hat er sofort eine Lösung parat und er ist immer derjenige, dem man fast nichts anhaben kann.

Plötzlich ist ein Flashback bei John da. Kann er sich erinnern? Wie es weitergeht, erfährt man in den Folgebänden 2 und 3, die im April bzw. Oktober 2024 erscheinen sollen.

Fazit:

Das Buch lässt sich flüssig lesen. Ein Spannungsbogen ist vorhanden und der Plot hat mich unterhalten, aber nicht überzeugt.
Die Kapitel springen immer zwischen den »Guten« und »Bösen« hin und her. Dazu tragen die unterschiedlichen Stilelemente von Normal- und Kursivschrift bei. Manchmal hatte ich allerdings den Eindruck, dass dies der Autor nicht konsequent umgesetzt hat.
Die Figurenzeichnungen und die einzelnen Charaktere sind solide beschrieben, aber eben nicht herausragend.
Ich kann mich jetzt noch nicht festlegen, ob ich die Bände 2 und 3 aus dieser Reihe nach deren Erscheinen lesen werde. Von mir gibt es drei Sterne.

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