Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2024

Bricht nach gutem Start völlig ein

Haunted Reign
0

Mona Kasten hatte aufgrund des riesigen Erfolgs der „Save Me“-Serienadaption ein bombastisches Jahr. Dazu schließt sie mit „Haunted Reign“ ihre Everfall Academy-Reihe ab, aber das würde ich leider eher ...

Mona Kasten hatte aufgrund des riesigen Erfolgs der „Save Me“-Serienadaption ein bombastisches Jahr. Dazu schließt sie mit „Haunted Reign“ ihre Everfall Academy-Reihe ab, aber das würde ich leider eher nicht zu den großen Erfolgen des Jahres zählen, leider.

Auch wenn „Fallen Princess“ nicht mein Jahreshighlight 2023 war, so hat es mir dennoch gefallen, Kasten erstmals im Fantasy-Genre zu erleben und ich fand es auch für einen Auftakt einer Reihe sehr angenehm, weil es nicht überladen an World Building war und dennoch sehr spannend gestaltet war. Dementsprechend war ich jetzt auch froh, in „Haunted Reign“ wieder eintauchen zu können. Der Einstieg ist mir auch trotz des vergangenen Jahres sehr leicht gefallen und ich fand auch, dass es auch so inhaltlich noch sehr vielversprechend wirkte. Dass Zoey sich so sehr nach emotionaler Abstumpfung gesehnt hat, das hat gut in die Geschichte gepasst und es hat ihr als Figur auch Raum gegeben, trotz Kenna und Murphy, dennoch auf ihre Art zu leiden, weil sie schlimm betrogen wurde. Das Verhältnis zu Dylan ist dann auch angemessen, aber es ist distanziert, aber genau im richtigen Abstand werden immer Szenen gegeben, die die Verbindung unterstreichen. Dementsprechend bin ich sehr optimistisch in das Buch gestartet und dann auch die Ankündigung des Turniers hat als Ausgangspunkt für den Schwerpunkt gepasst.

Mit den ersten beiden Prüfungen ist es auch gut weitergegangen. Ich fand sie in der Abwechslung gut gestaltet und man hat bei Zoey richtig gemerkt, wie bei ihr wieder etwas angefacht wurde. Dazu wurden die Beziehungen um sie herum auch weiter intensiviert und mir hat auch genauso gefallen, dass mal andere Figuren wie Lorcan und Georgina eine konkretere Rolle eingenommen haben. Aber dann passierte der Effekt, dass ich merkte, die Seitenzahlen laufen aus und da merkte ich dann auf einmal einen inneren Widerstand. Denn es ist noch kein dritter Band angekündigt. Vielleicht soll es das jetzt auch wirklich sein, aber egal wie, man hat einfach überdeutlich gemerkt, dass Kasten es auf einmal eilig hatte. Für die Liebesgeschichte war noch Raum genug. Okay, ist für die Zielgruppe natürlich auch wichtig, aber ich hätte tatsächlich sogar auf ein paar Szenen davon verzichtet, wenn ich dafür mehr inhaltliche Tiefe bekommen hätte. Denn alles rund um Zoeys Kräfte finde ich einfach schlecht ausgearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass sie im Grunde nur 30% vielleicht davon wirklich für sich schon angenommen hat. Auch der Kurs mit der Seelenführung. Er wurde immer wieder angesprochen und wie wichtig er sei. Wofür denn jetzt eigentlich?

Im letzten Fünftel habe ich dann richtig gemerkt, an wie vielen Ecken Kasten Neugier erweckt hat, nur um es jetzt krass abzukürzen und das finde ich einfach schade. Ich weiß nicht, ob sie für sich vielleicht auch erkannt hat, es ist doch nicht ihr Genre, weil ich diesen Kritikpunkt bei ihr auch noch nie so deutlich hatte, aber auch wenn, dann ist es vom Marketing auch bedauernd, weil es groß aufgezogen ist, aber es bietet dafür nur wenig an. Auch der erneute Showdown, er erinnerte mich zu sehr an Band 1 und mir ist wieder nicht so richtig deutlich geworden, was eigentlich das Anliegen der Sammlung der Gegenstände soll. Auch hier also wieder eine Abkürzung.

Fazit: „Haunted Reign“ startet eigentlich völlig okay und auf dem Niveau von Band 1. Erwartungen wurden sofort geformt und dann war leider nicht mehr zu übersehen, dass es auf einmal schnell gehen musste. Leider ist auch nicht bekannt, ob es noch weitergehen wird, das macht das ganz noch seltsamer. Aber klein für sich war die Handlung okay, in einer größer aufgezogenen Welt ist es aber massiv zu wenig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2024

Zu wenig Konsequenz in der Absicht

Für immer und ein Jahr
0

Das Gesamtpaket „Für immer und ein Jahr“ hat mich sehr an die diversen Bücher von Cecelia Ahern erinnert, die auch bei Fischer eine Heimat gefunden hat. Inzwischen habe ihre Bücher in den Neuauflagen ein ...

Das Gesamtpaket „Für immer und ein Jahr“ hat mich sehr an die diversen Bücher von Cecelia Ahern erinnert, die auch bei Fischer eine Heimat gefunden hat. Inzwischen habe ihre Bücher in den Neuauflagen ein ganz anderes Design, aber das Bläuliche in verschiedenen Variationen und dann die Stilistik der Titelwahl, da sind wir von Stefanie Hansen und „Für immer und ein Jahr“ nicht weit weg. Mit dem Klappentext speziell musste ich auch sofort an „P.S.: Ich liebe dich“ denken, weswegen ich sofort reinlesen wollte.

Mich hat die Idee mit dem Geburtstagskalender, den der Witwer ein Jahr lang für die Verstorbene mit Anrufen ausführen soll, gleich überzeugt, zumal im Nachwort auch erklärt wird, dass es auf einer wahren Geschichte beruht, für die eine Autorin gesucht wurde. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es für Hinterbliebene eine gute Gelegenheit ist, einen Halt zu haben und es so von Anruf zu Anruf auch einfacher wird. Dementsprechend habe ich mich emotional vorbereitet in die Lektüre gestürzt und muss leider doch sagen, dass ich sehr enttäuscht wurde. Unterm Strich glaube ich, dass das Buch überall sehr gute Ansätze hat, denn die Trauer ist sehr gegenwärtig und ihren verschiedenen Formen deutlich zu spüren. Ich fand es auch total löblich, wie die beiden Kinder, Finn und Lina, dargestellt wurden. Es war sehr altersentsprechend und es wurden auch jeweils unterschiedliche Trauerprozesse dargestellt. Ich mochte auch die weitere Mischung an Nebenfiguren, gerade die Großmütter waren doch zwei sehr spezielle Charaktere, aber es hat gut in diese Geschichte gepackt. Gerade weil sie ein Gegenmodell zueinander darstellten, in dem Jan seinen Weg mit seiner Familie finden muss. Auch das Ende ist für mich vollkommen in Ordnung gelungen, weil es alles in einem Rahmen erfolgt ist, den ich für ein Jahr als angemessen empfunden habe.

Aber inmitten dieser Ansätze habe ich vor allem Konsequenz vermisst. Es war zwar okay, dass Jan zum einen nicht der Telefonierer ist (bin ich auch nicht) und dass er sich gerade anfangs wegen der Trauer auch sehr schwer getan hat und einige Geburtstage hat ausfallen lassen, aber ich hatte es mir im Vorfeld als zentrales Momentum vorgestellt. Das kann man aber nicht wirklich behaupten. Ja, es gibt immer mal wieder Anrufe und einige führen auch zu interessanten Nebengeschichten, wie beispielsweise der Anruf bei der Trauerrednerin Tina, der wahrscheinlich auch der wichtigste des ganzen Buchs ist, aber die Handlung verliert das irgendwann fast völlig aus den Augen. Jan wächst auch so an seinen Aufgaben, das kann ich nicht leugnen, aber ich fand es auch als verbindendes Element zu Kaya schön und weil so viele Anrufe gar nicht stattgefunden haben, brach das auf eine Weise, die ich schade fand. Ein weiterer großer Kritikpunkt ist für mich auch, dass viele Handlungen mit dem Kapitel auf einmal abzubrechen scheinen. Da backt die Familie Kuchen, es gibt Schwierigkeiten, Cut und vorbei. Ich kann mir als Leserin denken, dass es in einer Katastrophe geendet ist, aber warum so vieles in der Luft hängen lassen? Das passiert nicht einmal, sondern dauernd. Ja, ich kann Lücken füllen, aber durch die Stilistik entstand bei mir verstärkt der Eindruck, dass Jan keinerlei Beziehungen führen kann, weil ihm schnell alles wieder egal schien. Vielleicht bin ich in dem Punkt auch zu weit von Jan weg, aber ich fühlte mich da mehrfach im Stich gelassen.

Ein letzter Punkt, der mich etwas zwiegespalten hinterlässt, das sind die Einschübe von Kaya, als Geist (?). Ich war beim ersten Auftauchen irritiert, habe dann aber auch diverse Gedanken darin gefunden, die für mich Kaya auch aktiv als Figur gestaltet haben und nicht nur die Erinnerungen durch die anderen. Gleichzeitig aber hatte ich den Eindruck, dass Kaya immer betont hat, nun wäre alles egal, weil menschliche Gefühle für sie keine Rolle mehr spielen, als wäre sie ein anderes Dasein. Aber in manchen Passagen hat sie sich dann doch wieder widersprochen. Das hat mir die Einschübe dann wieder verhagelt, denn auch hier, keine Konsequenz.

Fazit: Ich habe mir bei „Für immer und ein Jahr“ ein ganz anderes Buch vorgestellt, leider. Es gab sehr wichtige Ansätze und ich habe insgesamt alle Tendenzen und Entwicklungen auch verstanden und gut geheißen. Aber gerade auf der stilistischen Ebene war es wenig konsequent und wirkte für mich in zu vielen Aspekten wie zusammengewürfelt. Emotionen blieben dadurch viel zu oft auf der Strecke.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2024

Drama übertrifft Drama

From the Embers – Sie müssen erst alles verlieren, um einander zu finden
0

Nein, TikTok hat mich nicht dazu bewegt, „From the Embers“ lesen zu wollen. Für mich war es eher das wirklich sehr schöne Cover, das letztlich auch wirklich metaphorisch ideal zum Inhalt passt, und eben ...

Nein, TikTok hat mich nicht dazu bewegt, „From the Embers“ lesen zu wollen. Für mich war es eher das wirklich sehr schöne Cover, das letztlich auch wirklich metaphorisch ideal zum Inhalt passt, und eben der Klappentext, denn die Autorin sagte mir definitiv nichts. Aber ich hatte aufgrund der großen Tragödie, die die Handlung in Gang setzt, sofort angenommen, dass es eine tiefgründige Geschichte wird, und damit hat man mich leicht am Haken.

Letztlich weiß ich aber gar nicht so genau, wie ich „From the Embers“ bewerten soll. Fangen wir vielleicht erstmal mit dem Eindruck an, dass die Geschichte auf eine Weise qualitativ immer mehr nachgelassen hat, wenn das auch nicht ideal meine Wahrnehmung auf den Punkt bringt; aber es ist die passende Tendenz. Eigentlich fand ich es am Anfang anstrengend, Jessica zu erleben, weil ich sie gleich furchtbar fand, aber zum Glück (so böse das inhaltlich klingt) war es schnell vorbei. Aber dann fand ich richtig stark, wie die Nachwirkungen der Katastrophe beschrieben wurden. Easons Schuldgefühle, nicht seine Frau gerettet zu haben, und Bree vor der Herausforderung, dass ausgerechnet Eason übrig geblieben ist, der so viel Widerstand bei ihr hervorgerufen hat und natürlich auch die Herausforderungen mit der Firma und dann drei kleine Kinder groß ziehen zu müssen, wovon einer den Trauerprozess auch wirklich durch macht. Dieser Teil war sehr echt und hatte viele Herausforderungen und Gefühle, die ich sehr authentisch in der Darstellung empfand. Anschließend war auch der Zeitsprung von einem Jahr ideal, denn ansonsten hätte ich wahrscheinlich gemeckert, dass es sich unrealistisch schnell umgekehrt hat. Aber so haben wir immer noch eine Phase der Trauer, aber eine andere.

Nach diesem sehr intensiven Teil, klar, da geht die Tür für eine Liebesgeschichte auf, weil ansonsten hätten wir als Leser wohl nicht zugegriffen. Ich fand auch die Annäherung zwischen den beiden sehr nachvollziehbar. Das Tempo, die Art, aber gleichzeitig auch Schuldgefühle, bis dann eben so ein Bruch kommt, den ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so als gravierend empfunden haben. Aber Bree und Eason decken ein Geheimnis auf, dass die Handlung gravierend beeinflusst. Zunächst fand ich die Wendung noch ganz okay, denn so mittendrin ein Ausrufezeichen zu setzen, ist keinesfalls schlecht. Aber es war im Grunde eine von vielen weiteren Wendungen, wobei ich irgendwann das Gefühl hatte, es muss sich immer nochmal übertroffen werden. Deswegen sehe ich auch die erste Enthüllung des Geheimnisses im Nachgang kritischer, denn das hat das Tor zum Rest geöffnet. Denn eigentlich bin ich überzeugt, dass die Geschichte auch ohne das ganze Drama funktioniert hätte. Denn Bree und Eason hatten als Persönlichkeiten genug im Gepäck, um Drama zu erzeugen. Denn es ist oft genug betont worden, wie unterschiedlich sie sind und nicht umsonst war es ursprünglich eine Frenemy-Geschichte.

So aber ist die Geschichte nachher in einem Peng aufgegangen, bei dem ich immer noch den Kopf schüttle. Ich bin auch nochmal ein paar Sachen vom Anfang und der Mitte durchgegangen, und finde, dass nicht alle Enthüllungen zu dem Geschehen davor passen. Vielleicht war es auch die Übersetzung Schuld, aber ich war an vielen Stellen soweit, dass es für mich zu widersprüchlich war. Der Knall, der saß, aber nicht die Kongruenz im Gesamtkontext. Zumal für mich dadurch auch Aspekte auf der Strecke liegen blieben. Easons Weg zur Musik hin hätte noch mehr Zeit vertragen, genauso hätte es auch nicht geschadet, generell mehr Texte oder sonstige Ideen seiner Melodien einzubinden. So kam immer ein Einzeiler, worum es ging, fertig. Weil die Musik Eason so ausgemacht hat, da wäre doch mehr gegangen. Umgekehrt war es bei Bree nicht anders. Ich fand es zwar gut, dass sie klare Entscheidungen für sich getroffen hat und auch menschlich dahinter stand, aber es wirkte in sich in einigen Punkten als wäre sie von tough zum Hausmütterchen geworden.

Fazit: „From the Embers“ hat sich in der Wahl der dramatischen Twists einmal um die eigene Achse gedreht. Für mich hat das im Endeffekt bedeutet, dass eine stark startende Handlung sich immer mehr in Effekthascherei verloren hat. Die Ansätze top, aber über die Ziellinie wurde es für mich nicht gebracht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2024

Zähes Lesen mit immerhin gutem Ende

End of Story - Der Mörder unter uns
0

Unglaubliche sechs Jahre ist „The Woman in the Window“ nun schon wieder her. Das kam mir sicherlich nicht so lange vor, weil das Buch von A. J. Finn zum einen verfilmt worden ist und auch Netflix hat auch ...

Unglaubliche sechs Jahre ist „The Woman in the Window“ nun schon wieder her. Das kam mir sicherlich nicht so lange vor, weil das Buch von A. J. Finn zum einen verfilmt worden ist und auch Netflix hat auch eine Art Parodie in Serienform gemacht. Daher war dieses Buch für mich immer noch sehr präsent. Aber auch verdient, weil es damals schon am Anfang eines kleinen Trends stand, weil gewisse Inhalte immer in so Wellen kommen. Finn hat aber in der Zwischenzeit nichts mehr veröffentlicht, was ich so gar nicht wahrgenommen habe. Als ich dann aber „End of Story“ entdeckte und darauf auch geklebt der Hinweis, dass es vom „The Woman in the Window“-Autor ist, da rückte es für mich erst wieder in eine Perspektive. Wie ist also sein zweites Werk?

Vom Klappentext her war zu erkennen, dass es inhaltlich in eine ähnliche Richtung gehen könnte. Wir haben wieder eine Frau als Protagonistin, die in ein Geheimnis eintaucht. Hier war nur schnell offensichtlich, dass Nicky selbst sehr aktiv ist, dass sie von Mysterien offenbar angezogen wird. Dazu fand ich auch, dass es auch mehr in die Richtung von Whodunnit geht. Denn wir bekommen schnell einen Personenkreis präsentiert und es ist klar, davon verbergen welche Geheimnisse und die gilt es herauszufinden. Es war also schon ähnlich und doch anders. Was für mich „End of Story“ dann aber schnell völlig anders gemacht hat, das war der Schreibstil. Auf eine Art hat sich Finn da neu erfunden, was mir als Leserin aber nicht entgegenkam. Gerade im ersten Viertel fand ich es unwahrscheinlich schwierig, ins Geschehen hineinzufinden. Die Sprache war sperrig, weil sie voll von Anspielungen und Gedankensprüngen ist. Es war deutlich zu merken, dass Finn durch die gemeinsame Leidenschaft von Nicky und Sebastian für Literatur sich dann in einer Welt verloren hat, was ich aus leidenschaftlicher Perspektive heraus auch nachvollziehen kann, aber zum Lesen für jemanden, der dort nicht zuhause ist, war es doch zäh und auf eine Art und Weise auch distanzschaffend.

Die Schreibweise hat auch dafür gesorgt, dass ich manchmal komplett den Faden verloren haben. Wer ist gerade mit wem wo und ähnliche konfuse Situationen ergaben sich. Ich konnte mich immer wieder orientieren, aber es ist tatsächlich ein Umstand, den ich ungerne in meiner Lektüre habe, weil es total aufhält und keinen Lesefluss erzeugt. Mal vom Schreibstil abgesehen, wobei es hat eigentlich doch auch noch damit zu tun, ist die Charakterdarstellung schwierig. Es ist keine Figur, an die man sich sofort binden kann. Selbst Nicky nicht, die ich ursprünglich dafür vermutet hätte. Sie ist nicht unsympathisch, aber dafür, dass sie so neugierig dargestellt wird und auch als sehr intelligent, wunderte ich mich zwischendurch doch, warum sie da locker gelassen hat, wenn ich eigentlich das Gefühl hatte, wir sind etwas auf der Spur. Madeleine ist eine zweite Figur, die auch Kapitel aus ihrer Sicht bekommt. Aber sie ist tatsächlich als Figur sehr durcheinander und emotional angegriffen, weswegen sie in meinen Augen ein wenig das Pendant zu Anna aus „The Woman in the Window“ war. Ihre Kommunikation, die sie mit ihrem vermeintlichen Bruder war, das hätte ich zwischendurch gerne als komplett erfunden akzeptiert.

Zur Entwicklung der Handlung muss ich sagen, dass sich das Buch schon steigert. Natürlich habe ich mich auch an die Stilistik besser gewöhnt, so dass sich gerade im letzten Viertel nochmal ein Sog aufgebaut hat. Ich war auch richtig überrascht von den letztlichen Enthüllungen. Bei einer lag ich im Vorfeld richtig, der Rest kam aber aus dem Nichts. Wobei das klingt zu negativ, als sei es an den Haaren herbeigezogen gewesen. Das war es keinesfalls. Ich habe nur die Hinweise (möglicherweise auch wegen des Stils) völlig überlesen, so dass die Überraschung positiv war. Würde ich das Buch nochmal lesen, es wäre sicherlich mit ganz anderen Augen. Auch wenn die Erklärungen sich dann nochmal in sich selbst verloren haben, so bleibt das Ende doch eindeutig das Stärkste am Buch.

Fazit: „End of Story“ ist ein wirkliches zähes Ding. Ich habe unheimlich schwer herausgefunden und auch durch die Charakterentwicklung habe ich mich emotional nicht einfinden können. Das Ende bleibt als gut stehen, was angesichts des Titels dann auch irgendwie wieder passt. Als Fan von „The Woman in the Window“ war ich letztlich aber doch enttäuscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.05.2024

Eher abschreckender Reihenauftakt

A Fall to Forgive
0

Morgane Moncomble ist für deutsche Fans mit der neuen „Season“-Reihe zurück und eine so lange zusammenhängende Reihe war bislang noch nicht ihr Stil, weswegen ich doch sehr gespannt war, was uns nun erwartet ...

Morgane Moncomble ist für deutsche Fans mit der neuen „Season“-Reihe zurück und eine so lange zusammenhängende Reihe war bislang noch nicht ihr Stil, weswegen ich doch sehr gespannt war, was uns nun erwartet und die Benennung nach Jahreszeiten fand ich in jedem Fall sehr ansprechend.

Ich hatte mich wirklich unheimlich auf die Reihe gefreut und bin daher nach dem Herbst-Abenteuer nun etwas ernüchtert. Ich bin immer begeistert, wenn Autoren und Autorinnen mal etwas Neues wagen und ich finde auch, dass sich Moncomble bislang auch schon sehr ausgetobt hat. Immer andere Länder, andere Settings, auch unterschiedliche Stufen, was die Emotionalität geht. Man weiß also im Vorfeld wirklich nie, was man von der französischen Jungautorin wohl diesmal bekommt, aber eigentlich ist es immer Unterhaltung. „A Fall to Forgive“ war jetzt keinesfalls nicht unterhaltsam, aber es war auf eine Art und Weise doch schon wieder zu ungewöhnlich und dann auch in sich nicht konsequent genug, um mich von der Stilistik zu überzeugen. Mit dem Prolog war ich eigentlich noch voll in Ordnung, denn wir haben Einblicke in eine Vergangenheit, durch die klar wird, dass unsere Protagonistin Camelia Opfer von Mobbing geworden ist, weil sie Lou, der in den Fängen von Rory und seiner Clique war, zu nahe gekommen ist. Das war sicherlich mal ein interessanter Ausgang, aber danach kam alles ganz anders.

Ich find es auch nicht verkehrt, dass Moncomble aus dem Buch quasi eine Detektivgeschichte gemacht hat. Das war eigentlich auch das, was mich hat weiterlesen lassen, weil Krimis/Thriller bei mir hoch im Kurs stehen. Aber die ganze Ausgangssituation war mir einfach unsympathisch. Mit dem Zeitsprung stehen wir wieder bei Null und ich habe mich unfassbar schwer getan, Verbindungen zu den Figuren zu entdecken. Camelia wäre eigentlich so die gewesen, bei der ich ursprünglich gedacht hätte, dass sie mein Kompass in der Geschichte wird, aber dem war nicht so. Ich fand sie zwar nicht unsympathisch, aber sie war für mich überhaupt nicht wirklich ausgearbeitet. Da sich die ganze Reihe um die Blumenmädchen-Gruppe dreht, hätte ich es angemessen gefunden, wenn die Freundschaft der Mädels auch richtig ergründet wird. Wenn man so verteilt in der Welt lebt, muss einen doch etwas zueinander ziehen. Die Freundschaft einfach als gegeben hinnehmen, ist mir da zu wenig. Aber so willkürlich wie diese Beziehungen wirkten, so kam dann auch Carmelias ganzes Verhalten rüber. Mal war sie voller Hass und auf Krawall gebrüstet, dann wiederum war sie furchtbar naiv und leicht zu manipulieren. Eine Sache, die für sie und Lou auch gleichermaßen gilt, ist dazu, dass die Elternbeziehung jeweils als sehr schlecht dargestellt wird. Doch es gibt keinen direkten Kontakt, bei beiden Figuren nicht. Wenn ich solche Beziehungen habe, die meine Charaktere so nachhaltig geprägt haben, dann muss ich sie auch ergründen, sonst verstehe ich meine Figuren nicht.

Lou umgekehrt hat es für mich auch auf vielen Ebenen nicht besser gemacht. Seine Beziehung zu dem Freundeskreis im Allgemeinen ist schon suspekt, aber speziell diese seltsame Beziehung zu Rory… Ich fand das wirklich abstoßend und es ging auch das gesamte Buch eigentlich darum, wie viel sie geteilt haben und dass Lou zwar vielleicht nicht alles wusste, was Rory getan hat, aber mehr als genug und trotzdem hat er ihm quasi den Boden vor seinen Füßen geguckt. Diese kranke Beziehung dominierte die Handlung doch so sehr, dass ich das langsame Annähern von Carmelia und Lou gar nicht richtig wahrnehmen konnte. Da hat für mich nichts geprickelt, das war eher zäh und keine Liebesgeschichte, für die ich begeistert eine Fahne schwenken würde. Bei dem Detektiv-Anteil muss ich zwar sagen, dass er eindeutig der stärkste Teil des Buchs war, aber man muss auch sagen, dass der Kreis der Verdächtigen so knapp gehalten worden ist, dass ich schon im Verdacht hatte, dass da noch etwas im Busch ist. Ich bin nicht auf die finale Lösung gekommen, was gut war, aber da hat man schon gemerkt, dass es für Moncomble (noch) nicht das Alltagsgeschäft ist.

Fazit: Bei „A Fall to Forgive“ habe ich doch mehrfach mich gefragt, ob ich vielleicht einen falschen Inhalt zwischen die Buchdeckel bekommen habe. Man macht sich vorher so seine Gedanken, aber ich habe wirklich überhaupt nicht das bekommen, was ich erwartet hatte. Die Geschichte war durch den Detektiv-Anteil auf jeden Fall mit einer guten Idee ausgestattet, aber ansonsten fand ich vieles problematisch. Ich konnte auch mit den Figuren individuell, geschweige denn mit ihnen als Paar etwas anfangen. Deswegen kann ich nur hoffen, dass die anderen drei Geschichten der Reihe ganz anders werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere