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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2018

Kein typischer Urlaubskrimi

Spur der Schatten
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Dies ist bereits der zweite Band um den deutschen Kommissar Leander Lost. Man kann das Buch aber gut ohne Vorkenntnisse lesen oder hören – möchte dann aber unbedingt den Vorgänger kennen lernen!
Leander ...

Dies ist bereits der zweite Band um den deutschen Kommissar Leander Lost. Man kann das Buch aber gut ohne Vorkenntnisse lesen oder hören – möchte dann aber unbedingt den Vorgänger kennen lernen!
Leander Lost arbeitet also nun im portugiesischen Fuseta, wo er von seinen Kollegen so akzeptiert wird, wie er ist. Und Lost ist nicht immer einfach, denn als Asperger-Autist sieht er manches anders als neurotypische Menschen. Obwohl, oder gerade weil der Umgang wertschätzend und fast freundschaftlich ist, birgt es natürlich jede Menge Potential für komische Situationen. So ist der Krimi, der eigentlich einen ernsten Hintergrund hat, stellenweise sehr lustig und herrlich skurril.

Trotz aller Urlaubsstimmung, natürlich gibt es ein Verbrechen. Gleich zu Anfang verschwindet eine ältere Polizistin, die Kollegin Graciana. Sie scheint keine Feinde zu haben, keinen Grund unterzutauchen und es gibt keine Hinweise auf ein Verbrechen. Das ändert sich schnell und die Polizisten aus Fuseta beginnen zu ermitteln. Dabei kommen Verstrickungen zutage die bis in die Kolonialzeit reichen. Interessante geschichtliche Fakten werden eingestreut, nehmen aber nicht übermäßig viel Platz in der Geschichte ein.
Mehr Wert wird auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Hauptfiguren gelegt. Sie sind gut ausgearbeitet, auch wenn sie manchmal etwas stereotyp wirken. Der ewig hungrige Carlos, der arrogante Miguel, der verschrobene Leander… aber im Grunde macht dies einen Regiokrimi auch aus. Genauso wie die landestypischen Gerichte, die immer wieder beschrieben werden.

Gesprochen wird das Hörbuch von Andreas Pietschmann, der die portugiesischen Begriffe wirklich gut ausspricht. Es macht auch über längere Zeit Spaß ihm zuzuhören und gedanklich nach Portugal zu reisen.

Veröffentlicht am 06.05.2018

Dunkle Familiengeheimnisse

Das korsische Begräbnis
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Gleich zu Anfang muss ich sagen, dass sowohl Cover als auch Titel eher gewöhnlich auf mich wirkten. Es wird Sommer und so schießen auch die Urlaubskrimis aus dem Boden. Südfrankreich rangiert sowieso auf ...

Gleich zu Anfang muss ich sagen, dass sowohl Cover als auch Titel eher gewöhnlich auf mich wirkten. Es wird Sommer und so schießen auch die Urlaubskrimis aus dem Boden. Südfrankreich rangiert sowieso auf den oberen Rängen und dann noch ein Cover mit düsteren Wolken und ein Titel der eine bekannte Urlaubsinsel enthält. Eine Mischung die funktioniert, aber nicht unbedingt begeistert. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich im Laufe des Buches merkte, dass das Titelbild einen großen Bezug zum Inhalt hat. Ja, als ich am Ende des Buches angekommen war, hätte es mich kaum gewundert, wenn dies nicht ein Urlaubsfoto des Autors Vitu Falconi ist, dass er auf einer seiner Radtouren auf der Insel geschossen hat.


„Das korsische Begräbnis“ ist Auftakt einer Krimireihe, die auf Korsika spielen. Hauptfigur ist der Autor Eric Marchand, der eigentlich aus einem ärmlichen pariser Vorort stammt und als Hobby Mix-Martial-Arts trainiert. Man erkennt also schnell, das dies kein beschaulicher Urlaubskrimi wird, sondern es auch mal härter zur Sache geht.

Eric reist auf die Insel um sein aktuelles Buch zu beenden, aber es gibt noch einen zweiten Grund. Seine Mutter ist verstorben und hat Tagebücher hinterlassen, aus denen hervorgeht, dass sie auf Korsika aufgewachsen ist. Somit ist Eric also zur Hälfte Korse und es existieren noch Reste vom alten Familienanwesen.


In der Hauptstadt Ajaccio wird ein Anschlag auf den stellvertretenden Bürgermeister verübt. Schnell gerät ein Familienclan unter Verdacht, den auch Eric bald kennenlernt. Aber es ist alles komplizierter als es am Anfang scheint, es gibt mafiöse Strukturen und Zusammenhänge, die nur Einheimische wirklich verstehen.


Zwischen Zufall und Schicksal entwickelt sich eine Geschichte um Erics Vergangenheit, die zurück reicht bis zu einer Zeit lange vor seiner Geburt. Anders als in vielen Frankreich-Krimis geht es hier blutig zu und man erfährt Dinge über die Traditionen Korsikas die so wohl nicht im Geschichtsbuch stehen.


Der Schreibstil ist gut, aber an dieser Stelle muss gesagt werden, dass Vitu Falconi nur ein Pseudonym ist. In Wirklichkeit handelt es sich beim Autor um Thomas Thiemeyer, einem der großen deutschen Erfolgsautoren. Mir war dies vor dem Lesen nicht bewusst und hatte keine hohen Erwartungen. Das ist natürlich schön, aber genau aus diesem Grund wäre mir das Buch in der Masse der Mittelmeerkrimis fast untergegangen. Dabei ist es wirklich lesenswert für alle, die Korsika nicht nur als Urlaubsinsel kennen lernen möchten!

Veröffentlicht am 28.02.2018

Der Teddy und der Drogenboss

Die Rache der Polly McClusky
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Dieses Hörbuch erzählt eine außergewöhnliche Vater-Tochter-Geschichte, die schnell zu einem brutalen Roadmovie wird.
Polly McClusky hat mit ihrem Vater genau zwei Dinge gemeinsamen: Den Nachnamen und ...

Dieses Hörbuch erzählt eine außergewöhnliche Vater-Tochter-Geschichte, die schnell zu einem brutalen Roadmovie wird.
Polly McClusky hat mit ihrem Vater genau zwei Dinge gemeinsamen: Den Nachnamen und die stahlblauen Revolverheldaugen. Pollys Vater Nate sitzt im Gefängnis und gerät auch dort hin und wieder in Schwierigkeiten. Er macht sich die mächtige Gang „Aryan Steel“ zu Feinden und der verrückte Crazy Craig erlässt einen „Hinrichtungsbefehl“ gegen Nate, Polly und Pollys Mutter. Obwohl Craig auch im Gefängnis sitzt besteht kein Zweifel, dass die Aryan Steel die Morde ausführen werden.

Wie durch ein Wunder wird Nate McClusky entlassen und versucht seine Tochter und seine Exfrau zu retten. Während er bei Pollys Mutter zu spät kommt, kann er Polly vor der Schule abfangen. Die schüchterne elfjährige kennt ihren Vater nur aus Erzählungen und fühlt sich bei ihm alles andere als sicher. Schutz und Geborgenheit gibt ihr ein alter Teddy und bisher hat sie nie daran gedacht, sich gegen Unrecht zu wehren. Nach und nach kommen die beiden sich näher, in einer Atmosphäre die brutal und gar nicht kindgerecht ist.

Das Hörbuch wird gelesen von Sascha Rotermund, dessen dunkle und rauhe Stimme auf den ersten Blick nicht zu einer Geschichte um die kleine Polly passen will. Gleich zu Beginn werden aber Szenen geschildert, die so blutig und kriminell sind, dass es kaum einen passenderen Sprecher geben kann.
Trotz der gewaltätigen Story ist die Sprache oft blumig, mit kuriosen Wortschöpfungen (z.B. „Er blickfickte ihn“) und Umschreibungen.

Ein gelungenes Werk, nicht für schwache Nerven aber auch nicht für den typischen Thriller-Liebhaber. Roadmovie zum Hören!

Veröffentlicht am 29.10.2017

Sehr gut geschrieben hat mich betroffen gemacht

SOG
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Die isländische Autorin Yrsa Sigurdardottir ist bekannt für düstere Thriller, nicht selten sind Kinder dabei die wahren Opfer. Auch dieses Buch fängt mit einem schrecklichen Verbrechen an einer Schülerin. ...

Die isländische Autorin Yrsa Sigurdardottir ist bekannt für düstere Thriller, nicht selten sind Kinder dabei die wahren Opfer. Auch dieses Buch fängt mit einem schrecklichen Verbrechen an einer Schülerin.

Die Geschichte im Buch spielt zwölf Jahre nach diesem Ereignis. An einer Schule wird eine Zeitkapsel ausgegraben und neben den Schüleraufsätzen ist auch eine „Todesliste“ darunter. Noch in diesem Jahr sollen die Personen sterben, von denen allerdings nur die Initialen angegeben sind.

Wie im Vorgänger „DNA“ ermitteln Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja gemeinsam und versuchen den Verfasser der Liste zu finden. Diese Arbeit scheint recht unspektakulär und führt zunächst zu keinen nennenswerten Erkenntnissen. Für wirklich wichtige Arbeiten scheint Huldar aber auch nicht mehr herangezogen zu werden, da er seine leitende Position verloren hat und wenig beliebt im Kommissariat ist. Auch Freyja werden von ihrer Chefin Steine in den Weg gelegt.
Aber neben der Ermittlungsarbeit werden in dem Buch die privaten Probleme ausführlich beleuchtet. So sitzt Freyjas Bruder im Gefängnis und Huldar ist unglücklich verliebt. An diesen Stellen wird es manchmal etwas langatmig, für einen Thriller fehlt das Tempo. Mir hat es gefallen, denn hier wird der Alltag vieler Isländer gut beschrieben. Es ist durchaus hilfreich, „DNA“ gelesen zu haben, aber nicht notwendig. Wer Serien gern in der richtigen Reihenfolge liest, sollte dies hier auch tun, denn ich war bislang von allen Büchern der Autorin begeistert.

Im Verlauf des Buches fließt dann aber genug Blut und die Spannung steigt, denn es gibt tatsächlich Tote und auch genug Verdächtige. Am Ende gibt es doch noch einige Überraschungen, die ich so nicht erwartet hätte.

Spannend und sehr gut geschrieben, aber nichts für schwache Nerven.

Veröffentlicht am 24.10.2017

Ein Buch wie ein heißer Kakao mit Sahne

Hygge
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Der Titel spricht für sich: Hygge. Das ist Dänisch und lässt sich nur schwer übersetzen. Wohlbefinden, Gemütlichkeit, Positive Einstellung zum Leben... irgendetwas davon trifft es wohl. In diesem Buch ...

Der Titel spricht für sich: Hygge. Das ist Dänisch und lässt sich nur schwer übersetzen. Wohlbefinden, Gemütlichkeit, Positive Einstellung zum Leben... irgendetwas davon trifft es wohl. In diesem Buch geht es darum, ein wenig Hygge zu vermitteln. Allerdings gibt es keine langen Texte oder gar Erklärungen und Hintergründe. Vor allem gibt es Fotos, die Gemütlichkeit und ein behagliches Zuhause ausstrahlen! Von kleine Dekoideen, Rezepten bis zu Vorschlägen rund ums Entspannend bietet es eine schöne Sammlung kleiner Dinge, die den Alltag schöner machen. Dabei gilt hier: Wen das Cover anspricht, dem wird wohl auch das Buch gefallen. Es lenkt den Blick auf die kleinen Schätze des Lebens – und sei dies nur ein heißer Kakao. Viel neues darf man also nicht erwarten, die meisten von uns wissen, wie man eine Kerze anzündet oder im Schnee spazieren geht. Es ist also kein Buch, aus dem man etwas lernen kann, es ist wie eine Ausstellung bekannter Dinge, von der man sich gern inspirieren lässt.
Von daher ein schönes Geschenkbuch, das Durchblättern macht Spaß und es ist bis ins Detail liebevoll gestaltet.
Eine Kleinigkeit hat mich dann aber doch enttäuscht: Obwohl es ein Kapitel über Handarbeiten gibt und überall Wolle und gestricktes abgebildet ist, gibt es zu diesem Thema eigentlich nichts. Schade, das hätte das Buch noch abgerundet