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Veröffentlicht am 03.08.2024

Eine Detektivin erforscht sich selbst

Jezebel Files - Wenn der Golem zweimal klingelt
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Ashira Cohen ist Privatdetektivin in Vancouver, Kanada. In dieser Welt können Menschen Magie ausüben oder nicht – Ashira jedenfalls kann es nicht. Doch dann geschehen einige seltsame Dinge und sie darf ...

Ashira Cohen ist Privatdetektivin in Vancouver, Kanada. In dieser Welt können Menschen Magie ausüben oder nicht – Ashira jedenfalls kann es nicht. Doch dann geschehen einige seltsame Dinge und sie darf sich ganz neu entdecken.
Die Protagonistin ist unangepasst, leidenschaftlich und klug. Zielstrebig löst sie ihre Fälle. Sie ist wie eine Bombe, die jeden Augenblick hochgehen kann. Die Geschichte ist ganz aus ihrer Sicht geschrieben. So lernen wir sie mit allen ihren Selbstzweifeln und den Rätseln, die sie um ihre eigene Identität zu lösen hat, gut kennen und kommen ihr sehr nah. Das ist angenehm zu lesen, die Heldin ist bei aller Explosivität sehr sympathisch.
Die Story selbst ist verrückt und spielt in einer verrückten Welt voller seltsamer Magiewesen und einer strengen Organisation derselben. Das Ganze wird immer komplexer, je länger man liest. Es gibt Anleihen an biblische Gestalten und eine Menge heiße Erotik.
Stil und Sprache sind flüssig und leicht zu lesen. Am Ende bleiben einige Fragen offen, für die weiteren Bände der vierteiligen Reihe. Die Idee, für den Showdown dieses ersten Teils einen Escape Room zu benutzen, fand ich allerdings etwas albern.
Wer das Genre „Urban Fantasy‟ mag oder sich mal darauf einlassen möchte, wird hier gut unterhalten. Besonders toll für unangepasste Frauen, die selbst ein bisschen verrückt sind, aber auch für alle anderen.

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Veröffentlicht am 27.07.2024

Für das kleine Kichern zwischendurch

LEBENSMITTEALLERGIE
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Die Autorin trägt seit einigen Jahren ihre Texte auf Berliner Lesebühnen vor. Eine erste Sammlung hat sie bereits unter dem Titel „Ich habe mit Ingwertee gegoogelt‟ veröffentlicht, nun also eine zweite. ...

Die Autorin trägt seit einigen Jahren ihre Texte auf Berliner Lesebühnen vor. Eine erste Sammlung hat sie bereits unter dem Titel „Ich habe mit Ingwertee gegoogelt‟ veröffentlicht, nun also eine zweite. Die Texte sind durchweg kurz, da die Lesezeit auf so einer Bühne nur fünf oder zehn Minuten beträgt.
Inhaltlich steht das ganz normale Leben im Mittelpunkt. Humorvoll und akzentuiert berichtet Riedel aus ihrem Alltag, in dem eine vierköpfige Familie und die Großstadt, in der sie lebt, ihr alles abverlangen. Wie anders ist es doch, mit drei Männern zu leben als für ein paar Tage mit Freundinnen ein Haus zu teilen. Was bedeutet Würde im Alter, wenn man selbst altert? Und welche Freundlichkeiten und Gemeinheiten hält die Welt für eine Frau, die die fünfzig neuerdings überschritten hat, so bereit? Auch Abenteuer mit der deutschen Bahn, einer esoterischen Reha -Einrichtung und mit jahresüblichen Feierlichkeiten fehlen nicht.
Hier wird sich jede Ü50erin leicht wieder erkennen. Riedel hat Sinn für Alltagskomik und zeigt uns, wo man eigentlich einfach loslachen muss. Ihre Wortschöpfungen machen Spaß, ihre Texte sind witzig. Aber sie gehören auf die Bühne. Im stillen Kämmerlein privat gelesen ist das viel weniger lustig, als wenn man sie live hört. Deshalb hier keine volle Punktzahl.

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Veröffentlicht am 10.07.2024

Zeit der Wikinger

Yrsa. Journey of Fate (Yrsa. Eine Wikingerin 1)
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Yrsa lebt im 8. Jahrhundert in der Gegend des heutigen Osteuropa. Nach dem Tod der Mutter ist sie mit ihrem kleinen Bruder Sjalfi allein. Eines Tages ist der Achtjährige plötzlich verschwunden. Yrsa macht ...

Yrsa lebt im 8. Jahrhundert in der Gegend des heutigen Osteuropa. Nach dem Tod der Mutter ist sie mit ihrem kleinen Bruder Sjalfi allein. Eines Tages ist der Achtjährige plötzlich verschwunden. Yrsa macht sich auf die Suche nach ihm. Das ist gar nicht so leicht in einer Welt, in der es praktisch keine gesellschaftliche Organisation gibt.
Doch Yrsa ist hartnäckig und stark, auch wenn wir sie voller Selbstzweifel und Traurigkeit erleben. Um Sjalfi zu finden, muss sie auf Reisen gehen. Da die Autorin Historikerin ist, lernen wir dabei eine Menge darüber, wie Frauen zu jener Zeit lebten. Wikinger, so die Autorin, nannten sich die Leute in dieser Gegend selber nicht.
Yrsa trägt die Geschichte durchaus. Sie ist keine Superheldin, aber sie kann mit dem Bogen schießen, Tiere erlegen und auch mal mit der Axt um sich schlagen. Gegen übergriffige Männer muss sie sich gelegentlich zur Wehr setzen, aber sie verliebt sich auch. Magische Fähigkeiten hat sie nicht, aber Kontakt zur verstorbenen Mutter und zur Göttin Freia findet sie doch.
Sie muss vielen falschen Spuren folgen, mir hätte die Geschichte etwas straffer besser gefallen. Manche Figuren kamen mir etwas seltsam vor, so unklar und unberechenbar. Auch dass nirgends auf die bekannten Mythen um die Wikinger Bezug genommen wird, kam etwas unerwartet. Doch weil man die Hintergründe als einigermaßen gesichert annehmen darf, ist es eben eine Geschichte, wie sie wirklich hätte passieren können, und das macht es interessant und auch wertvoll. Schwer vorstellbar: eine Welt ohne Gesetze und ohne Gerichtsbarkeit.
Das Ganze ist flüssig und leicht zu lesen. Es gibt einen spannenden Schluss und ein positives Ende. Und eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 08.06.2024

Mit Pflanzen die Welt retten

Forgotten Garden
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Luisa ist Landschaftsarchitektin und hat vor vielen Jahren ihren Ehemann verloren. Da wird ihr im Nordwesten Englands an der Küste ein Grundstück angeboten. Das Anlegen eines Gemeinschaftsgartens für Nachbarn ...

Luisa ist Landschaftsarchitektin und hat vor vielen Jahren ihren Ehemann verloren. Da wird ihr im Nordwesten Englands an der Küste ein Grundstück angeboten. Das Anlegen eines Gemeinschaftsgartens für Nachbarn und Freunde, der gemeinsam gepflegt wird, war eine Lieblingsidee, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann ausgearbeitet hatte.
Luisa nimmt die Herausforderung an. Für sie ist das ein großer Schritt, der sie aus ihrer Trauer und Resignation endlich herausholen könnte. Sie trifft auf ein Stück vernachlässigtes Brachland und auf Menschen, die sehr abweisend sind. Aber sie ist nicht Einzige, die hier etwas verändern möchte. Cas ist Lehrer und betreibt eine Boxschule, um Jugendliche von der Straße zu holen. Schülerin Harper hat viele Talente, einen Alkoholiker zum Vater und einen jüngerer Bruder, um den sie sich liebevoll zu kümmern versucht.
Die Geschichte ist vorhersehbar aber angenehm erzählt. Sie ist flüssig zu lesen, harmonisch und unkitschig. Die auftretenden Konflikte sind glaubhaft und die Personen sind es auch. Besonders gefallen hat mir Harper, die ihre Familie ganz alleine managt, ein altes Auto repariert und nebenbei geniale Ideen für die Bewässerung des Gartens und der Welt entwickelt. Auch ihr kleiner Bruder hat es in sich. Aber die Stars, die alles Leben in dieser Geschichte retten, sind die Pflanzen. Sie wachsen. Und wachsen. Auch wenn sie einmal zerstört werden. Sie wachsen immer weiter. Ein schönes Sinnbild für das Leben. Insgesamt ein Wohlfühlbuch.

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Veröffentlicht am 27.05.2024

Plötzlich sechzig

Im wechselnden Licht der Jahre
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Der Autor ist bereits durch mehrere Romane bekannt geworden. Hier schreibt er über das Altern und über seine Generation.
Alexander wächst in Westberlin auf und erlebt dort Schulzeit und Studium. Jahre ...

Der Autor ist bereits durch mehrere Romane bekannt geworden. Hier schreibt er über das Altern und über seine Generation.
Alexander wächst in Westberlin auf und erlebt dort Schulzeit und Studium. Jahre später hat er ein Haus und eine Familie, und er nähert sich seinem sechzigsten Geburtstag.
Der Rückblick in die Zeit von Alexanders Kindheit weckt nolstalgische Gefühle. Auch wer wie dieser in den achtziger Jahren in Westberlin war, kann sich hier gut zurück träumen. Aber Nostalgie ist nicht direkt das Thema des Buches, es geht vielmehr um das Lebensgefühl in unserer heutigen Gesellschaft, in der Mittelschicht.
Die Bilder aus der Gesellschaft, der von heute und der aus den Siebzigern und Achtzigern, sind zutreffend und amüsant gezeichnet. Man hat den Eindruck, die Leute regen sich über Belanglosigkeiten und Irrtümer auf, wenn zum Beispiel eine offensichtlich weiße Frau sich aufgrund einer vermuteten Verwandtschaft als POC bezeichnet – als Person of Colour. Dazu passt, dass das Thema des Alterns nur sehr abstrakt behandelt wird, denn Alexander ist kerngesund. Als er einen gebrechlichen Achtzigjährigen trifft, den er von früher kennt, ahnen wir, dass es vielleicht für den Fast-Sechzigjährigen doch nicht so ein großes Problem ist.
Überhaupt ist Alexander ziemlich naiv. Es fehlt ihm an Energie, und der Aspekt Revolte, der in dieser Generation stark war, fehlt ihm auch. Er hatte eine Menge Glück im Leben, unter anderem seine Ehefrau. Diese bleibt leider etwas blass.
Der Stil ist sehr angenehm zu lesen. Der Autor kann auch mal mit langen Sätzen fesseln. Das macht das Lesen abwechslungsreich. Die Erzählweise ist sonst eher gemächlich, es gibt aber spannende Höhepunkte. Insgesamt ist dies ein recht unterhaltsamer Roman ohne größeren Anspruch, der besondes den lesenden Babyboomern Spaß machen dürfte.

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