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Veröffentlicht am 26.06.2024

Kein typischer Kriminalroman

Das Haus in dem Gudelia stirbt
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Zum Inhalt:
2024 Hochwasser in Unterlingen, alle Dorfbewohner müssen ihre Häuser verlassen, nur eine bleibt und trotzt den Wassermassen, die 81-jährige Gudelia. Aus diesem Haus bekommt sie keiner weg, ...

Zum Inhalt:
2024 Hochwasser in Unterlingen, alle Dorfbewohner müssen ihre Häuser verlassen, nur eine bleibt und trotzt den Wassermassen, die 81-jährige Gudelia. Aus diesem Haus bekommt sie keiner weg, nicht die Wassermassen, nicht die beiden gefesselten Leichen, die an ihrem Haus vorbeischwimmen, nicht das THW und schon gar nicht die Polizei. Denn in diesem Haus hat Gudelia viel erlebt und es verbirgt ihre Sünde und ihr dunkelstes Geheimnis.

Meine Meinung:
Das Cover ist nicht unbedingt für mich ein Blickfang, doch der Klapptext verspricht einen ungewöhnlichen Krimi.
Der Prolog wirkt etwas verstörend, weckt aber die Neugier und bereitet auf ein ungewöhnliches Buch vor. Beginnend bei dem Hochwasser im Jahr 2024, in dem Gudelia sich weigert, ihr Haus zu verlassen, ahnt man schon, dass sie ein großes Geheimnis verbirgt. In Rückblicken erfährt man von dem Tod Ihres 15-jährigen Sohnes bei einem Unfall in 1984. Während Gudelia verzweifelt und schließlich scheinbar ihr Leben geordnet weiterlebt, ertränkt ihr Mann seinen Schmerz im Alkohol. Doch alle Krisen meistert Gudelia in ihrem immerwährenden Kampf, um jeden Preis ihr Haus zu behalten. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Gudelia, überhaupt kommt der Autor Thomas Knüwer mit sehr wenig Protagonisten aus. Man konzentriert sich auf Gudelia, ahnt, dass sie etwas Schlimmes in ihrem Haus verbirgt und kommt doch nicht dahinter. Der Schreibstil punktet mit kurzen Sätzen und wörtlicher Rede, baut so aber geschickt unterschwellig die Spannung auf und würzt das Ganze mit Rückblicken in die Jahre 1984 und 1998. Ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen, zu sehr hat mich Gudelia mit ihrem Einfallsreichtum, den sie an den Tag legt, wenn es um ihr Haus und ihr Geheimnis geht, fasziniert. Thomas Knüwer zeigt, dass man mit einem eigenartigen Kriminalroman den Leser in seinen Bann ziehen kann.

Fazit:
Wer einen ausgefallenen Kriminalroman liebt, der ist hier genau richtig.

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Veröffentlicht am 26.06.2024

Ausnahmezustand

Morden in der Menopause
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Zum Inhalt:
Die 48-jährige Liv wird von den Wechseljahren kalt erwischt und dann muss sie sich auch noch mit ihren 2 pubertierenden Zwillingen herumschlagen. Kein Wunder, dass sie austickt, als ihr Sohn ...

Zum Inhalt:
Die 48-jährige Liv wird von den Wechseljahren kalt erwischt und dann muss sie sich auch noch mit ihren 2 pubertierenden Zwillingen herumschlagen. Kein Wunder, dass sie austickt, als ihr Sohn heimlich Drogen kauft und ihr der Dealer blöd kommt, Nun ja, jetzt muss Liv ihr Organisationstalent unter Beweis stellen, doch jedes gelöste Problem bringt neue Probleme mit sich und so bleibt es nicht bei einer Leiche allein.

Meine Meinung:
Lange habe ich mir überlegt, ob ich dieses Buch lesen soll oder nicht. Die Autorin ist mir bis dahin auch unbekannt und der Klapptext lässt sehr an den Roman Achtsam morden von Karsten Dusse denken.
Die Kapitel fangen mit jeweils einem kurzen Satz, auf witzige Weise, zu der Hormonumstellung in den Wechseljahren an und so erhält man auch noch ein paar Informationen.
In einem lockeren, humorvollen Schreibstil präsentiert die Autorin Tine Dreyer die Protagonistin Liv, die aufgrund ihrer Hormonumstellung, von einem Problem (Mord) in das nächste stolpert. Natürlich sind nicht nur die Hormone daran schuld, sondern auch ihre Familie, der Liv unter allen Umständen verschweigen muss, was sie getan hat. Zum Glück erhält sie Hilfe von der jungen Iza aus dem Rotlichtmilieu und ich konnte die beiden bei ihrem Tun auf amüsante Weise begleiten.

Fazit:
Humorvoller Cosy Crime über die tödlichen Auswirkungen der Wechseljahre

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Veröffentlicht am 02.06.2024

Versteckt unter den augen des Feindes

Der Glashund
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Zum Inhalt:
Berlin, 1936 flirtet Henriette auf Veranlassung ihrer Freundinnen Anneliese und Ruth mit dem Hitlerjungen Rolf Reinhardt, um ihn dann fallen zu lassen. Ein Streich, den die jüdischen Mädchen ...

Zum Inhalt:
Berlin, 1936 flirtet Henriette auf Veranlassung ihrer Freundinnen Anneliese und Ruth mit dem Hitlerjungen Rolf Reinhardt, um ihn dann fallen zu lassen. Ein Streich, den die jüdischen Mädchen sich wegen der Nürnberger Gesetze ausgedacht haben. 6 Jahre später arbeitet Rolf im Dezernat IV, das für die Endlösung der Judenfrage zuständig ist. Da Henriette ein Geheimnis von ihm weiß, setzt er alles daran, sie so schnell wie möglich deportieren zu lassen. Doch Henriette entwischt immer wieder den braunen Schergen, überzeugt davon, dass der Glashund, ein letztes Geschenk ihres Großvaters vor seiner Deportation, ihr Glück bringt.

Meine Meinung:
Das Cover ist schön gestaltet, verrät aber nichts über seinen Inhalt. Der Titel macht neugierig, was es denn mit dem Glashund auf sich hat, der im Klapptext jedoch mit keinem Wort erwähnt wird. Iris Conrad beschreibt in einem flüssigen, authentischen Schreibstil, wie die jüdische Bevölkerung nach und nach entmenschlicht wird. Ich bin der Meinung, solche Bücher kann man nicht oft genug in die Regale der Buchhandlungen stellen, zur Erinnerung und zur Mahnung.
Iris Conrad hat aus Tatsachen und Berichten Überlebender einen fiktionalen Roman geschaffen, der nicht mit großer Dramatik punktet, aber klar und deutlich aufzeigt, wie sehr Hass und Hetze wirken. Mit Henriette erlebt man dies hautnah und doch gibt es die unterschiedlichsten Menschen, die es gut mit ihr meinen und ihr helfen, ob aus Eigennutz, Profit oder Menschlichkeit. Die facettenreichen Figuren sind in ihren Charakteren sehr gut und realistisch ausgearbeitet und dadurch erhält man einen guten Einblick in deren Gedanken. Schon bald ist Henriette gezwungen, unterzutauchen. Ihren ehemaligen Studienkollegen Benjamin aus der jüdischen Kunsthochschule begegnet sie dabei immer wieder und aus Freundschaft wird Zuneigung. Dies ist in diesen Zeiten schwierig, in der Beide um ihr Überleben gegen das Naziregime kämpfen und gleichzeitig Gefahr durch die Bombardierung der Alliierten droht.
Regelrecht spürbar war die Angst von Henriette, aber auch ihr Mut, den sie aufbringen muss, um sich unter den Augen des Feindes in Berlin zu verstecken. Wirklich geärgert hat mich zum Schluss, was aus Rolf Reinhardt geworden ist und nur zu gut kann ich mir das in der Realität vorstellen.

Fazit:
Ein gelungener historischer Roman, der mir neue Einblicke vermittelt hat.

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Veröffentlicht am 01.06.2024

Gefährliche Experimente

Extinction. Wenn das Böse erwacht
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Zum Inhalt:
Der Milliardärs-Sohn Mark und seine Ehefrau Olivia werden in dem gigantischen 400 qm Ferienresort Erebus mitten in den Rocky Mountains entführt und später im Hinterland tot aufgefunden. FBI-Agentin ...

Zum Inhalt:
Der Milliardärs-Sohn Mark und seine Ehefrau Olivia werden in dem gigantischen 400 qm Ferienresort Erebus mitten in den Rocky Mountains entführt und später im Hinterland tot aufgefunden. FBI-Agentin Francis Cash und Sheriff James Colcord sollen den Mord so rasch wie möglich aufklären. Das Ferienresort, in dem dank modernster Technik Mammuts, Riesenhirsche und Riesenfaultiere in ihrem natürlichen Habitat beobachtet werden können, kann sich keine schlechte Publicity leisten. Doch für die beiden Ermittler stellt sich die Frage: Wer hat die beiden getötet? Schon bald gibt es weitere Opfer und Cash und Colcord entdecken, dass es dank der De-Extinktion das gefährlichste Tier auf sie abgesehen hat.

Meine Meinung:
Das Cover suggeriert etwas Falsches, denn es geht nicht um einen Dinosaurier. Douglas Preston besticht den Leser mit einer interessanten Landschaft, in der man prähistorische Tiere beobachten kann. Durch seinen flüssigen Schreibstil und detailreicher Beschreibung hatte ich das Gefühl, vor Ort persönlich die Tiere zu beobachten. Relativ rasch wird die Harmonie dieser fantastischen Welt jedoch gestört und man ist mitten in einer Mordermittlung. Beide Ermittler Cash und Colcord sind sympathisch, konnten mich aber nicht richtig erreichen.
Bedauerlicherweise gibt es nicht die gewünschte Unterstützung der Betreiber von Erebus. Dass die Besitzer und Wissenschaftler des Resorts etwas Entscheidendes verbergen, wird relativ rasch klar, doch dauert es einige Zeit, bis das Böse präsentiert wird und es zu blutigen Auseinandersetzungen kommt. Ich empfand es als erschreckend, wie mit Genen experimentiert wird, aus Neugier und um eine gewisse Klientel zu bedienen. Dies regt zum Nachdenken an, denn ist das, was Douglas Preston hier gekonnt in einer interessanten und zum Ende hin actionreichen Story einbindet, reine Fiktion oder doch schon nahe Zukunft? Hierzu empfehle ich, das Nachwort auf jeden Fall zu lesen.

Fazit:
Ein interessanter und zum Ende hin actionreicher Wissenschaftsthriller.

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Veröffentlicht am 24.04.2024

Eine wahre Geschichte

Wir waren nur Mädchen
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Zum Inhalt:
1940 studiert die schüchterne 20-jährige Johanna Schaft Jura in Amsterdam. Während einer Feier lernt sie ihre Freundinnen Philine und Sophie kennen. Zunächst sind sie noch unbeschwert, doch ...

Zum Inhalt:
1940 studiert die schüchterne 20-jährige Johanna Schaft Jura in Amsterdam. Während einer Feier lernt sie ihre Freundinnen Philine und Sophie kennen. Zunächst sind sie noch unbeschwert, doch dies ändert sich im Mai 1940 mit der Besetzung durch die Nazis. Plötzlich dürfen Philine und Sophie nicht mehr an die Uni und ihr Alltag wird immer schwerer. Hannie, wie sich Johanna jetzt nennt, versucht so gut wie es geht ihren Freundinnen zu helfen. Dabei gerät sie eher zufällig in den Widerstand. Aus dem schüchternen Mädchen entwickelt sich eine couragierte Frau, die ihre ganze Kraft dem Widerstand widmet. Schon bald wird sie zu der meistgesuchten rothaarigen Frau Hollands.

Meine Meinung:
Das Cover zeigt eine junge Frau mit offenem Blick, der Titel verrät nicht, worum es in dem Buch geht und die Autorin ist mir unbekannt. Nun wurde meine Neugier geweckt und ich widmete mich dem Klapptext, der eine Widerstandskämpferin als Femme fatale suggeriert. Dies ist etwas verwirrend, denn das ist Hannie Schaft auf keinen Fall.
Fast schon etwas nüchtern und doch bewegend beschreibt die Autorin Buzzy Jackson in ihren Debütroman den kurzen Werdegang der jungen Hannie Schafft während des Krieges zwischen 1940 und 45. Fast zufällig gerät Hannie in den Widerstand und wächst mit ihren Aufgaben, die sie zwar bejahend und mutig annimmt, doch in ihrem Innern manchmal vor Angst davonlaufen möchte. Bewunderung empfindet sie für die jungen Schwestern Truus und die 14-jährige Freddie, die bereits im Widerstand agieren und bald schon ihre Stütze und Freundinnen werden. Tief bewegt war ich davon, wie jung diese drei Mädchen waren, und dennoch so couragiert gegen die Besatzer und dem Unrecht auf gefährliche Weise stellen und selbst zur Waffe greifen, denn das ist durchaus nicht selbstverständlich. So beschäftigte mich ständig die Frage: „Ob ich so heldenhaft wäre?“ Ich hoffe, dass sich niemand mit dieser Problematik auseinandersetzen muss; und deshalb sind solche Bücher wichtig, gerade in der heutigen Zeit.

Fazit:
„Wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten“ und deshalb kann ich diesen Roman empfehlen, der mich tief bewegt hat.

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