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Veröffentlicht am 11.09.2024

Wenig Thrill, viel Tiefgang

Die Abschaffung des Todes
4

James Windover, Herausgeber einer exklusiven Zeitung für Milliardäre, soll im Auftrag einer Leserin ein ehrgeiziges Forschungsprojekt untersuchen, das angeblich den Tod besiegen soll. Während er den Plänen ...

James Windover, Herausgeber einer exklusiven Zeitung für Milliardäre, soll im Auftrag einer Leserin ein ehrgeiziges Forschungsprojekt untersuchen, das angeblich den Tod besiegen soll. Während er den Plänen der Firma Youvatar nachgeht, stößt er nicht nur auf wissenschaftliche und ethische Herausforderungen, sondern auch auf eine Verschwörung um einen verschwundenen Autor.

Als großer Fan von Andreas Eschbach gefällt mir vor allem sein mitreißender Erzählstil, der durch eine klare und zugleich tiefgründige Sprache überzeugt. In "Die Abschaffung des Todes" beweist Eschbach wieder seine Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche und philosophische Themen spannend und verständlich zu vermitteln. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, ob Unsterblichkeit wirklich erstrebenswert ist und welche Folgen dies für die Gesellschaft haben könnte.

Eschbachs Sprache ist präzise, klar und flüssig zu lesen, und auch der trockene Humor des Protagonisten James Windover bereichert die Geschichte. Ich finde aber, der Begriff Thriller trifft es hier nicht. Zwar gibt es spannende Momente, Verfolgungsjagden und durchaus actionreiche Szenen, aber der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig mehr auf der philosophischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Unsterblichkeit. Die Handlung entwickelt sich eher gemächlich und die Spannungskurve bleibt über weite Strecken niedrig. Wer einen rasanten Thriller erwartet, könnte enttäuscht werden. Aber als jemand, der Eschbachs tiefsinnige Geschichten mag, haben mir das gemächliche Tempo und die detaillierten Ausführungen über Hirnforschung und philosophische Überlegungen sehr gefallen.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, auch wenn einige Nebenfiguren etwas zu kurz kommen. Vor allem Anahit Kevorkian, Windovers Auftraggeberin, bringt frischen Wind in die Handlung und die dynamischen Dialoge zwischen den Figuren machen viel Spaß.

Alles in allem hat mir "Die Abschaffung des Todes" trotz kleiner Schwächen sehr gut gefallen. Es ist weniger ein Thriller als vielmehr ein spannender, gut durchdachter Science-Fiction-Roman mit philosophischen Untertönen. Wer sich auf die Geschichte einlässt und wem Eschbachs Stil zusagt, wird nicht enttäuscht. Die Themen regen zum Nachdenken an und bieten viel Raum für Diskussionen. Auch wenn ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tempo gewünscht hätte, ist es eine spannende und gut erzählte Geschichte, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 03.06.2024

Durchdachter Thriller mit Wendungen

Ihr raffiniertes Spiel
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Eine Frau fällt vom Dach eines Hochhauses. Obwohl es zunächst wie ein Selbstmord aussieht, scheint mehr dahinter zu stecken. Ein paar Tage später wird die Büroassistentin Tate Kinsella wegen Mordes festgenommen. ...

Eine Frau fällt vom Dach eines Hochhauses. Obwohl es zunächst wie ein Selbstmord aussieht, scheint mehr dahinter zu stecken. Ein paar Tage später wird die Büroassistentin Tate Kinsella wegen Mordes festgenommen. Sie beteuert ihre Unschuld, verstrickt sich aber in Lügen.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Tate erzählt, die ihrer Anwältin von den Ereignissen vorher und zum Zeitpunkt des Todes berichtet. Nach und nach entdeckt die Anwältin Lücken und Ungereimtheiten in der Erzählung, sodass Tate gezwungen ist, ihr letztendlich die Wahrheit zu sagen. Immer wieder wendet sich die Handlung und Stück für Stück erfahren die Lesenden, dass viel mehr hinter der Sache steckt als ein einfacher Selbstmord.

Tate ist am Anfang schwer einzuschätzen und wirkt sogar eher unsympathisch. Im Laufe der Handlung ändert sich das und sie wird nahbarer und nachvollziehbarer in ihren Handlungen. Die anderen Figuren ändern sich zum Teil mit der Version der Erzählung, sind insgesamt aber gut konzipiert und dargestellt. Männer sind in diesem Buch eher Randfiguren, die zum Teil sehr klischeehaft agieren.

Die Idee und die Wendungen der Handlung sind toll. Ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen. Der Schreibstil der Autorin liest sich sehr flüssig. Die Geschichte ist am Anfang noch recht spannend, solange Tate die erste Version bei der Polizei schildert. Durch die mehrfachen Änderungen der Erzählung nahm die Spannung für mich merklich ab, weil ich der aktuellen Version irgendwann nicht mehr glauben konnte. Etwa auf der Hälfte des Buches waren mir die Gründe und das Ergebnis klar, der Weg dorthin hat jedoch Spaß gemacht und ich habe das Buch gern gelesen.

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Veröffentlicht am 13.05.2024

Wenn Follower zu Hatern werden

Die Influencerin
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Nach einem tragischen Ereignis hat die erfolgreiche Influencerin Sarah plötzlich jede Menge Hater. Als sie ihre Social Media Kanäle deaktiviert hat und versucht, wieder in ihrem Leben zurecht zu kommen, ...

Nach einem tragischen Ereignis hat die erfolgreiche Influencerin Sarah plötzlich jede Menge Hater. Als sie ihre Social Media Kanäle deaktiviert hat und versucht, wieder in ihrem Leben zurecht zu kommen, wird sie mit Hassbotschaften, gefährlichen Paketen und von einem Stalker belästigt.

Obwohl ich selbst mit den sozialen Medien nichts zu tun habe, hat mich das Buch sehr mitgerissen. Ein Aspekt des Buches stellt dar, wie falsch die Influencer-Welt ist und wie gefährlich es werden kann, wenn sich die bewundernden Follower in Hater verwandeln. Aber auch die Arbeit, die in das scheinbar perfekte Leben investiert werden muss, wird gezeigt. Die Autorin schafft es, allein durch die Social Media-Schilderungen eine beklemmende Stimmung zu vermitteln. Es gibt z.B. über jedem Kapitel ein Zitat aus den sozialen Medien, in denen sich eine Person beleidigend über Sarah äußert. Immer wieder wird deutlich, wie viel völlig fremde Menschen über Sarah und ihr Leben wissen und wie dies genutzt werden kann um ihr zu schaden. Gruselig ist zudem die mysteriöse Person, die Sarah nachstellt und deren Gedanken in die Handlung eingefügt werden. Der Stalker kommt ihr unheimlich nah, beobachtet sie fast ununterbrochen.

Die Handlung selbst ist ein solider Thriller mit einigen Wendungen, die alles in Frage stellen, was Sarah in ihrem Leben für sicher gehalten hat. Die Ereignisse laufen stimmig auf das durchdachte Ende hin. An vielen Stellen deuten sich Zusammenhänge bereits an, völlig überraschend kommt das Ende nicht. Sarah als Figur, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, und ihre Gedanken sind gut ausgearbeitet und lassen sich nachvollziehen. Sie macht Fehler und ist nicht nur sympathisch, was sie menschlich erscheinen lässt. Der Schreibstil ist wegen des Blickwinkels recht emotional und hält die Lesenden eng am Geschehen. Die anderen Figuren sind weniger stark ausgearbeitet. Ihre Motivationen und ihr jeweiliger Anteil an den Ereignissen werden weniger gut dargelegt und erscheinen daher zum Teil sehr konstruiert.

Insgesamt ist es ein solider Thriller mit einem aktuellen Hintergrund, der die Schattenseiten der Sozialen Medien aufzeigt.

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Veröffentlicht am 28.02.2024

Vergänglichkeit des Glücks

Die Halbwertszeit von Glück
6

Die Halbwertszeit von Glück ist ein Buch über drei Frauen, die in unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten leben. Trotzdem verbindet sie mehr als nur das Glück und seine Vergänglichkeit.

Luise ...

Die Halbwertszeit von Glück ist ein Buch über drei Frauen, die in unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten leben. Trotzdem verbindet sie mehr als nur das Glück und seine Vergänglichkeit.

Luise Pelt hat einen überaus angenehmen Schreib- und Erzählstil. Die Seiten fliegen nur so dahin beim Lesen. Die Formulierungen sind gefühlvoll, nachdenklich und oft zitierbar. Sie beschreibt die Figuren und die Handlung so eindringlich, dass ich mir die Szenen bildlich vorstellen konnte. Während die drei Frauen im ersten Drittel des Buches noch als starke Frauen dargestellt werden, die ihren Platz im Leben gefunden haben und wissen, was sie wollen, ändern sich ihre Charaktere nach äußeren Veränderungen. Bei Johanna passiert das langsam, nachvollziehbar und auf eine angenehme, hoffnungsvolle Weise. Mylene und Holly werden so aus der Bahn geworfen, dass sie irrational agieren und denken. Beide Charaktere sind vor allem im zweiten Drittel des Buches schwer zu ertragen und regelrecht nervig. Zum Ende hin offenbart sich die Verbindung zwischen den drei Frauen und Mylene und Holly finden zu ihren angenehmeren Persönlichkeiten zurück. Während im zweiten Drittel noch gängige Klischees aus dem Genre des Liebesromans drohen, findet die Autorin glücklicherweise einen runden Abschluss der Geschichte. Das Ende ist sehr gut gelungen und hat mich mit ein paar Schwächen im Mittelteil versöhnt.

Das Buch bietet viele interessante Aspekte wie das Thema Adoption aus unterschiedlichen Blickwinkeln, der Vergänglichkeit des Glücks und dem Einblick in unterschiedliche Zeiten. Besonders der Zeitstrang in der DDR hat mich von Anfang an interessiert. Hier hätte die Autorin etwas mehr recherchieren und in den Roman einfließen lassen können. An dieser Stelle und auch in der Ausarbeitung der Figuren Mylene und Holly wäre noch mehr möglich gewesen. Die Beantwortung der Frage nach der Vergänglichkeit des Glücks wird der Interpretation der Lesenden überlassen. Die Autorin lässt ihre Figuren aber berührende Gedanken dazu äußern, die zum Nachdenken anregen.

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Veröffentlicht am 24.02.2024

Anders als gedacht

Yellowface
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Ich kann gar nicht genau sagen, was ich erwartet habe als ich mit dem Buch angefangen habe. Trotzdem habe ich das Gefühl, es ist anders als ich dachte. Das Buch ist ohne Zweifel sehr gut geschrieben. Obwohl ...

Ich kann gar nicht genau sagen, was ich erwartet habe als ich mit dem Buch angefangen habe. Trotzdem habe ich das Gefühl, es ist anders als ich dachte. Das Buch ist ohne Zweifel sehr gut geschrieben. Obwohl es wenig laufende Handlung gibt, wird eine Stimmung erzeugt, die dafür sorgt, dass ich das Buch sehr schnell durchgelesen habe. Die Ich-Erzählerin liefert einen Bericht über die Ereignisse, die zum Ideendiebstahl an ihrer toten Freundin geführt haben und den sich daraus ergebenden Folgen. Sehr detailliert erfahren die Lesenden den Weg vom Manuskript zum fertigen Buch inklusive Lektorat, Werbekampagnen und Blick hinter die Kulissen der Verlagswelt. Ein weiterer Aspekt ist der Drang nach Aufmerksamkeit. Die Hauptfigur ist besessen von den sozialen Medien und verbringt einen Großteil ihrer Zeit damit, über sich selbst zu schreiben oder zu lesen. Gut gelungen sind die Schilderung eines sich aufbauenden Shitstorms und wie schnell hochgepeitschte Themen wieder vollständig verschwinden.

Das Hauptthema ist aber der Diebstahl der Ideen ihrer Freundin und der Vorwurf, als weiße Person ein historisches Buch über chinesische Menschen veröffentlicht zu haben. Immer wieder versucht die Protagonistin, sich vor den Lesenden für den Diebstahl zu rechtfertigen und ihre eigene Arbeit hervorzuheben. Sie wird mir im Verlauf des Buches nie sympathisch. Interessanterweise ist das auch gar nicht nötig. Trotz der anhaltenden Distanz zur Hauptfigur ist das Buch sehr fesselnd. Nicht zuletzt, weil die Autorin es schafft, den heutigen Zeitgeist so gut abzubilden und den Lesenden in mehrerlei Hinsicht einen Spiegel vorzuhalten.

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