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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.05.2018

Der Funke sprang nicht über

Die Lichter von Paris
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Wer meinen Blog folgt weiß, dass ich Romane auf zwei Zeitebenen und Familiengeschichten sehr gerne lese. Deswegen habe ich mir von diesem Roman von Eleanor Brown auch viel versprochen. Leider haben sich ...

Wer meinen Blog folgt weiß, dass ich Romane auf zwei Zeitebenen und Familiengeschichten sehr gerne lese. Deswegen habe ich mir von diesem Roman von Eleanor Brown auch viel versprochen. Leider haben sich meine Erwartungen nicht wirklich erfüllt. Das liegt jedoch weniger an der Geschichte aus den schillernden Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, die mich großteils überzeugte, sondern am Gegenwartsstrang, durch den ich mich zeitweise wirklich quälen musste. Warum das so war wollt wir wissen?
Das beginnt mit Madeleine, der Hauptprotagonistin aus der Gegenwart. Wir schreiben das Jahr 1999. Madeleine ist Mitte 30 und mit dem reichen Geschäftsmann Philipp in Chicago verheiratet. Sie ist jedoch mit dem Leben an der Seite ihres Ehemannes nicht wirklich glücklich, denn dieser verbietet ihr zu arbeiten und sie soll für ihn höchstens repräsentieren. Madeleine, die sich Zeit ihres Lebens immer nur anderen Menschen angepasst hat, fühlt sich mit der Zeit eingeschränkt, kann aber nicht aus ihrer Haut. Zuerst lässt sie sich von ihrer Mutter und dann von ihrem Ehemann unterdrücken. Als ihre Mutter das Elternhaus verkauft und in eine noble Seniorenresidenz ziehen will, ergreift Madeleine die Initiative um über ihr Leben mit Philipp nachzudenken. Während sie ihrer Mutter beim Umzug hilft, findet sie die Tagebücher ihrer Großmutter Margaret. Schon bald erkennt sie, dass sich auch ihre Großmutter mit Zwängen und Verpflichtungen herumschlug......

Hier muss ich nun meine Meinung zum Roman teilen. Denn während ich den Gegenwartsstrang nicht mochte, war der in der Vergangenheit der damaligen Zeit angemessen und interessant zu lesen.
Margaret ist eine schüchterne junge Frau, die Bücher liebt und gerne Schriftstellerin werden möchte. Sie wird jedoch, wie zu dieser Zeit üblich, von ihren Eltern in die Ehe mit einem doppelt so alten Mann gedrängt. Mit ihren 24 Jahren ist sie 1924 bereits eine alte Jungfer. Als sie sich weigert, soll sie ihre lebenshungrige Kusine als Anstandsdame nach Paris begleiten. Doch die Schiffsreise gestaltet sich ganz anders, als sich Margie das vorgestellt hat und als die beiden Frauen in Paris ankommen, nimmt ihre Kusine das restliche Geld und verschwindet. Nun muss Margie die Initiative ergreifen, denn sie hat sich bereits am ersten Abend in die Stadt der Liebe verliebt und möchte bleiben.
Die Rückblenden zu Margaret, die eine schüchterne junge Frau ist und sich nicht aus ihrem Korsett befreien kann, waren interessant zu lesen. Man erhält Einblicke in die "Goldenen 20iger" und spürt die Lebenslust der Menschen nach dem großen Krieg. Die Jungen wollen lieben und sich den schönen Dingen des Lebens widmen. Große Künstler und Dichter kommen aus dieser Epoche und auch Margie lässt sich nach einiger Zeit gerne mitreißen....

Mit Madeleine konnte ich mich allerdings nicht identifizieren und auch nicht anfreunden. Immer wieder musste ich mir vor Augen führen, dass der Roman 1999 spielt und nicht 50-60 Jahre früher. Ich komme nicht aus der oberen Gesellschaftsschicht, aber kann mir trotzden nicht vorstellen, dass sich eine Frau Mitte 30 ihr ganzes Leben vorschreiben lässt und alle ihre Wünsche aufgibt. Ihr Mann bestimmt, was sie essen und anziehen darf. Sie ist unzufrieden, versinkt jedoch eher in Selbstmitleid, als sich zu ändern. Auch ihre Mutter schreibt ihr schon seit ihrer Kindheit vor, wie man sich in ihren Augen zu verhalten hat. Wichtig sind vorallem Anstand und Etikette. Eine Scheidung ist verpönt. Nicht einmal das englische Königshaus war zu dieser Zeit so borniert wie Madeleines Mutter. Die Scheidungen von Charles und Diana, sowie Andrew und Sarah fanden 1996 statt. Das ließ mich wirklich nur den Kopf schütteln...
Außerdem ist Madeleine nicht im Stande sich selbst etwas zu Essen zu kaufen oder zu kochen. Immer wieder wird der leere Kühlschrank im Haus ihrer Mutter erwähnt und wie hungrig Madeleine sei.... Ich erspare mir hier dazu einen Kommentar...! Dieses Frauenbild zur Zeit der Jahrtausendwende ist eine Farce!
Die Parallelen zwischen Großmutter und Enkelin sind offensichtlich, obwohl eine 1924 und eine 1999 lebt. Während jedoch Margaret in Paris endlich zu sich selbst findet und in die Künstlerszene eintaucht, bleibt Madeleine lange Zeit einfach nur passiv und suhlt sich in ihrem Selbstmitleid.

Mir fehlte in diesem Roman die Spannung und ich hatte des öfteren das Bedürfnis das Buch einfach zuzuklappen oder in die Ecke zu pefffern. Was mich aber am meisten gestört hat war, dass die Autorin beide Zeitepochen identisch beschrieben hat. Man hatte permanent das Gefühl beide Frauen würden Anfang der Zwanziger Jahre leben und nicht eine zur Jahrtausendwende!

Schreibstil:
Obwohl ich mit der Erzählweise der Autorin haderte, was den Unterschied des Frauenbildes zwischen 1924 und 1999 betrifft, war der Schreibstil eingängig und gut zu lesen. Trotzdem fehlte es mir an Tiefe.
Die Kapitel sind nummeriert und mit dem jeweiligen Namen der erzählenden Person beschrieben


Fazit:
Leider konnte mich dieser Roman weder fesseln noch überzeugen. Während der Strang aus der Vergangenheit gut zu lesen war, konnte mich der aus der Gegenwart nicht erreichen. Die Frauenbilder von Großmutter und Enkelin wurden im selben Stil geschrieben und man hatte nicht wirklich das Gefühl, dass eine der beiden Frauen 1999 lebt. Leider sprang der Funke nicht auf mich über und ich kann den Roman nur eingeschränkt empfehlen!

Veröffentlicht am 09.04.2018

Der Tod ist ein Wiener

Der Tod ist ein Wiener
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Mein erster Krimi der österreichischen Autorin Edith Kneifl, der mit dem wunderschönen Cover gleich richtiges Wiener Flair vermittelt: ein Fiaker, der durch einen Torbogen fährt. Gefällt mir sehr!
Der ...

Mein erster Krimi der österreichischen Autorin Edith Kneifl, der mit dem wunderschönen Cover gleich richtiges Wiener Flair vermittelt: ein Fiaker, der durch einen Torbogen fährt. Gefällt mir sehr!
Der dritte Fall rund um die "Drei vom Naschmarkt" beginnt mit einem spannenden Prolog im Jahre 1943. Ein Desserteur, der sich in einer Hütte am Rande des Wienerwaldes versteckt hält, wird ermordet. Danach sind wir in der Gegenwart in einer Jugendstil-Villa unweit des damaligen Tatortes am Wilheminenberg. Dort wohnt die betagte Kunsthändlerin Adele, die die Privatdetektivin Magdalena beauftragt die Tochter ihrer verstorbenen Freundin Larissa zu finden. Diese war Künstlerin und wurde in den 1970iger in die Psychatrie am Steinhof eingeliefert. Dort hat sie durch eine Vergewaltigung eine Tochter geboren, die sofort zur Adoption freigegeben wurde. Adele möchte nun die Bilder von Larissa ihrer Tochter vererben bzw. sie als Alleinerbin einsetzen. Die Verwandtschaft ist darüber alles andere als begeistert....

Leider bin ich sehr schwer in die Geschichte hineingekommen. Es mag sein, dass es daran liegt, dass ich die beiden Vorgängerbände nicht gelesen habe, aber mir fehlte es generell an Spannung. Im Klappentext liest man auch von drei Ermittlerinnen, doch in "Der Tod ist ein Wiener" stellt einzig Magdalena Nachforschungen an. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass Sofia und Elvira dicke Freundinnen sind. Die beiden Frauen sind Magdalena weder eine Hilfe, noch fand ich ihr Benehmen generell als freundschaftlich zueinander.
Die Ermittlungen von Magdalena hielten sich meiner Meinung nach in Grenzen. Viel mehr stolperte sie über einige Hinweise und übersah dafür andere. Der im Klappentext beschriebene Mord passierte erst im letzten Drittel des Krimis und war außerdem vorhersehbar.
Einzig der Einblick in die Psychatrie zu dieser Zeit fand ich wirklich interessant. Wie man leider heute weiß, war die Euthanasie zur Zeit des zweiten Weltkrieges allgegenwärtig. Die schlimmen Behandlungsmethoden an behinderten Kindern im Kinderheim Wilhelminenberg wurde bis in die 1980iger Jahre fortgesetzt. Unglaublich!

Aber zurück zum eigentlich Krimi. Mit der Sprache hatte ich als Österreichein natürlich kein Problem und der Wiener Charme kommt immer wieder zwischen den Zeilen durch. Die Gegend rund um Wien und auch in der Stadt selbst, wird sehr bildhaft beschrieben und natürlich kenne auch ich einige Plätze, die die Autorin hier beschreibt.

Die Charaktere blieben mir bis auf Adele leider größtenteils fremd. Anfangs konnte ich die drei Freundinnen kaum auseinanderhalten, was aber auch daran liegen wird, dass ich eben bei Teil 3 eingestiegen bin. Viele Figuren waren äußerst unsymapthisch oder blieben nebulös bzw. wurden auf eine Charaktereigenschaft reduziert. Nur von Adele konnte ich mir ein wunderbares Bild machen, ihre Ängste und Sorgen nachvollziehen. Die Hoffnung, die sie sich durch das Auffinden von Larissa's Tochter machte und der Wunsch an ihr etwas gutzumachen, war verständlich.

Schreibstil:
Edith Kneifl schreibt angenehm flüssig und dialoglastig, der Roman besitzt viel Lokalkolorit.
Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Magdalena geschrieben. Zwischen den Kapiteln gibt es Rückblenden. Manche sind aus der Sicht von Larissa und erzählen von der Zeit am Steinhof, andere Rückblicke gibt es von Adele, die von ihrer Beziehung zu Larissa erzählt.

Fazit:
Mich konnte der Krimi leider weder überzeugen, noch fesseln. Einzig die Rückblenden in die Vergangenheit sind interessant und dem Wiener Flair kann man sich kaum entziehen. Vielleicht war es ein Fehler beim dritten Band einzusteigen, denn mit den drei Freundinnen wurde ich ebenfalls nicht wirklich warm und ermittelt hat einzig und allein Magdalena. Ob ich noch einen weiteren Krimi der Autorin lesen werde, weiß ich noch nicht....
Schade, vorallem, da es eine österreichische Autorin ist und ich diese gerne unterstütze!

Veröffentlicht am 22.03.2018

Weder Fisch noch Fleisch

Idaho
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Der Debütroman von Emily Ruskovich ist mir bereits in der Verlagsvorschau aufgefallen. Auch die Leseprobe, in die ich hineinlesen durfte, überzeugte mich "Idaho" auf meine Wunschliste zu setzen. Deswegen ...

Der Debütroman von Emily Ruskovich ist mir bereits in der Verlagsvorschau aufgefallen. Auch die Leseprobe, in die ich hineinlesen durfte, überzeugte mich "Idaho" auf meine Wunschliste zu setzen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass ich im Rahmen des Literatursalons bei Lovelybooks in der Leserunde mitlesen durfte.

Der Klappentext erzählt bereits den Teil, den ich in der Leseprobe gelesen habe. Vater, Mutter und zwei Töchter sind im Wald und sammeln Brennholz für den Winter. Die beiden Mädchen spielen und die Atmosphäre ist ruhig und gelassen. Doch dann ist die kleine May tot - mit dem Beil erschlagen. Die Mutter wird angeklagt und lebenslang eingesperrt. Der Vater, Wade, leidet an Demenz. Das ist kein Spoiler, denn diese Fakten werden bereits auf den ersten Seiten erzählt. Nur wie es eigentlich dazu gekommen ist, bleibt offen...

Ich bin sehr gut in die Geschichte gestartet, allerdings begannen ungefähr ab der Mitte die Schwierigkeiten. Die Autorin benutzte sehr viele Zeitsprünge. Normaler Weise habe ich damit keine Probleme, da ich sehr oft Romane auf zwei oder mehreren Zeitebenen lese. Ebenso blieb die Handlung übere weitere Abschnitte ohne Höhen und Tiefen.Außerdem hatte ich immer mehr das Gefühl, dass Geschichten und Personen eingeflochten wurden, die überhaupt nichts mit dem weiteren Verlauf der Handlung zu tun haben. Einige Handlungsstränge verliefen komplett ins Leere. Dies erleichtere das Lesen nicht unbedingt. Dabei begann der Roman wirklich sehr spannend und voller Emotionen.

Die Tragödie rund um den Tod der kleinen May war mysteriös und man rätselte bis zum Ende, ob Jenny wirklich ihre kleine Tochter getötet hat. Doch mit dem Voranschreiten des Romans wurde die Handlung immer diffuser. Die Figuren waren großteils unsymapthisch und ich empfand keinerlei Empathie für sie. Einzig Jenny, die sich für schuldig bekannt hatte, empfand ich als gefühlvoll. Ich traute ihr diese schlimme Tat eigentlich nicht zu. Vorallem Ann, Wades zweite Ehefrau und eigentlich Hauptprotaginistin des Romans, blieb mir bis zum Ende einfach nur fremd und rätselhaft. Sie ist Musiklehrerin und heiratet Wade nach nur neun Monaten nach der Tragödie. Ihre Ambitionen für diese Heirat erschlossen sich mir nicht, denn es war weder von einer großen Liebe die Rede, noch lief Ann unwissend "ins Unglück", denn sie wusste von Wades Demenz. Ann begibt sich auf die Spurensuche in die Vergangenheit. Sie versucht sich statt Wade an die Zeit damals zu erinnern. Ihre wirren Gedanken, an denen uns die Autorin teilhaben lässt, sind eine Mischung aus Wahrheit und Fantastereien, die sich Ann selbst zusammenspinnt. Als Leser weiß man bis zum Ende nicht, was Wahrheit ist und welche Rückschlüsse ihrer Fantasie entspringen.
Die planlosen Zeitsprünge zwischen 1970 und 2025 verunsicherten mich sehr und erschienen nicht wirklich logisch.

Im Rahmen der Leserunde haben wir viel diskutiert und die Meinungen waren sehr gespalten. Die zentrale Frage, die die Autorin mit diesem Roman stellen wollte scheint folgende zu sein: "Können wir unserem Gedächtnis jederzeit vertrauen? Sind unsere Erinnerungen Wahrheit oder nur Täuschung?"
Dies versucht sie dem Leser in diesem Roman zu vermitteln. Das ist ihr nur teilweise gelungen, denn sie lässt mich nach dem Beenden des Romans wirklich ratlos zurück. Meine Fragen wurden nicht beantwortet, das Ende bleibt offen. Die Geschichte dreht sich im Kreis und ich blieb ziemlich gefrustet zurück. Ich kann diesen Roman leider nicht wirklich weiterempfehlen.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist sehr detailreich und ausschweifend. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Sprache ist poetisch und die Stimmung wird sehr authentisch eingefangen. Die flirrende Hitze im Sommer, sowie das Haus auf dem Berg, das im Winter durch den vielen Schnee unpassierbar wird, wird von der Autorin sehr lebendig beschrieben. Ich hatte diese Situationen direkt vor meinen Augen. Die Atmosphäre ist teilweise beklemmend und intensiv. Jedoch hatte ich das Gefühl, als hätte die Autorin ab der Mitte den Faden verloren.


Fazit :
Ein interessanter Start, doch im Laufe der Geschichte wird dieser Roman immer verwirrender. Man fühlt sich, als ob man am Ende des Buches wieder am Anfang angelangt wäre und eigentlich keine der Fragen beantwortet wurde, die man sich beim Lesen gestellt hat. Wer gerne über die Aussage der Autorin rätseln möchte, ist hier richtig. Wer offene Ende genauso wenig mag wie ich, sollte die Finger von IDAHO lassen.

Veröffentlicht am 20.12.2017

Wo bleibt der Weihnachtsgedanke?

Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg
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Im dritten Band der Reihe rund um Polly, Huckle und dem Papageientaucher Neil freuen sich die Drei auf ein ruhiges Weihnachtsfest. Doch mit der gewünschten stillen Vorweihnachtszeit ist es bald vorbei, ...

Im dritten Band der Reihe rund um Polly, Huckle und dem Papageientaucher Neil freuen sich die Drei auf ein ruhiges Weihnachtsfest. Doch mit der gewünschten stillen Vorweihnachtszeit ist es bald vorbei, denn in Mount Polbearne wird ein Weihnachtsbazar veranstaltet, bei dem alle Betreiber unentgeltlich ihre Ware verkaufen sollen. Für Polly und Huckle nicht sehr einfach, da sowohl die Bäckerei, als auch das Honiggeschäft viel zu wenig abwirft. Außerdem benötigen die Beiden jeden Cent für die Restaurierung des Leuchtturms. So sagt Polly zögerlich zu, als sie Reuben zu den Weihnachtsfeiertagen für ein Catering benötigt. Außerdem bringt ein folgenschweres Geheimnis rund um Kerensa Polly viel zu viel zum Grübeln. Vorbei ist es mit der erhofften Ruhe....

Die ersten Kapitel der Story konnten mich diesmal nicht sofort fesseln und ich benötigte einige Zeit um mich wieder in Mount Polbearne wohlzufühlen. Die positive Ausstrahlung und der Charme des ersten Bandes fehlte auch diesmal wieder, auch wenn die allgemeine Stimmung nicht ganz so negativ war, wie in Band 2.

Gleich zu Beginn gibt es sehr viele Rückblicke und Wiederholungen, die mir zu viel Raum einnahmen. Auch für alle Erstleser der Reihe erübrigt sich nach dem Lesen von Band 3 ein Kauf der beiden ersten Bücher der Reihe, da viel zu viel verraten wird.
Jenny Colgan's Schreibstil lässt sich wieder schnell und flüssig lesen. Der Fokus dieses dritten Teils liegt eindeutig beim Thema Familie und Pollys nicht intakte Beziehung zu ihrer Mutter.
Als größten Schnitzer sehe ich allerdings, dass sich die Autorin die Freiheit genommen hat Pollys Lebenslauf umzuschreiben! Verliert Polly im ersten Band ihren Vater mit 20 Jahren an einem Herzinfarkt, ist sie diesmal seit ihrer Geburt "vaterlos". Ihre Mutter Doreen hingegen ist eine verbitterte sitzengelassene Frau, die Polly alleine aufgezogen hat und durch die Schande eines unehelichen Kindes vollkommen isoliert lebt. Diese Story benötigte Jenny Colgan anscheindend, um ihre Geschichte rund um Pollys Zweifel gegenüber einer Ehe und Kinder mit Huckle besser darstellen zu können. Dieser Schuss geht hier aber gehörig nach hinten los!

Auch in allen anderen Bereichen kann der 3. Band, wie schon Band 2, nicht mit dem ersten Teil der Reihe mithalten. Nicht nur der fehlende Charme des ersten Buches, als auch der seiner Protagonisten, lassen mich enttäuscht zurück. Polly ist wieder etwas weinerlich gestimmt und Reuben benimmt sich diesmal wie ein echter Kotzbrocken. Sein Verhalten gegenüber der schwangeren Kerensa und seine Aussagen über sie, sind allesamt unter der Gürtellinie. Neil, der Papageientaucher und unser aller Liebling, kommt diesmal leider viel zu wenig vor, genauso wie die titelgebende kleine Bäckerei am Strandweg. Ebenso fehlt es an besinnlichen Momenten, die den Leser in vorweihnachtliche Stimmung versetzen sollte. Die ganze Story erscheint mir viel zu konstruiert und kratzt nur an der Oberfläche.
Einzig das Wiedersehen mit den altbekannten Charakteren und der bezaubernden Gezeiteninsel machen diesen dritten Roman noch lesenswert. Der Rest ist leider eine große Enttäuschung!

Fazit:
Leider kann auch der dritte Band nicht mit dem ersten Buch mithalten. Die weihnachtliche Stimmung fehlt, das Ganze kratzt viel zu sehr an der Oberfläche und auch die meisten Charaktere verlieren zunehmend ihren Charme.
Was jedoch gar nicht geht ist, dass die Autorin anscheinend nicht mehr den Lebenslauf ihrer Protagonistin kennt. Ein absolutes NO-GO! Meine 2 1/2 Sterne gebe ich für das Wiedersehen mit altbekannten Charakteren und dem einmaligen Setting. Leseempfehlung kann ich leider keine abgeben. Schade!

Veröffentlicht am 26.10.2017

Ein Corgi fürs Herz

Und dann kam Mr. Willow
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Ist der kleine Hund auf dem Cover nicht absolut herzig? Er hat mein Herz im Sturm erobert. Die Geschichte selbst leider nicht so wirklich.
Der Ausgangspunkt des Romanes ist nicht wirklich neu. Mirka wird ...

Ist der kleine Hund auf dem Cover nicht absolut herzig? Er hat mein Herz im Sturm erobert. Die Geschichte selbst leider nicht so wirklich.
Der Ausgangspunkt des Romanes ist nicht wirklich neu. Mirka wird von ihrem langjährigen Freund zu einem romantischen Wochenende nach London eingeladen. Sie erhofft sich den langersehnten Heiratsantrag und bekommt den Laufpass. Die Tochter des Chefs ist bereits mit ihm verlobt und auch noch schwanger. Mirka fällt aus allen Wolken und ist zutiefst verstört. Sie flüchtet in den angrenzenden Park, wo sich ihr ein kleiner Corgi anschließt und nicht mehr von ihrer Seite weicht. Mirka entschließt sich nicht ohne Hund, den sie Mr. Willow nennt, nach Haus zu fahren. In Deutschland angekommen steht sie kurz davor alles hinzuschmeißen. Ihr Lehrerjob fühlt sich schon längere Zeit nicht mehr richtig an und eine neue Wohnung wäre doch auch nicht schlecht....

Eine Story, die bereits sehr oft zum Thema gemacht wurde. Hier kommt es letztendlich auf die Ausführung der Geschichte und der Schreibweise der Autorin an. In diesem Genre erwartet ich mir keine hochtrabende Literatur. Trotzdem sollte sie glaubwürdig und humorvoll sein, zu fesseln wissen und ein paar unvorhersehbare Wendungen beinhalten. Ich lasse dabei auch gerne meine Seele baumeln und möchte meine Sorgen ausblenden. Das traf bei diesem Roman leider nur teilweise zu.
Der lockere Schreibstil lässt sich sehr zügig lesen, doch den Charakteren fehlt es an Tiefe. Diese sind teilweise oberflächlich beschrieben und nicht authentisch.
Mirka ist eine sehr naive und gutgläubige Person, deren Emotionen ich nicht immer nachvollziehen konnte. Reuben, ihr Freund, ist ein Ekelpaket sondergleichen. Er ist eindeutig überzeichnet. Auch David konnte micht nicht überzeugen. Die Wandlung des anfangs unfreundlichen und unsympathischen Sonnenbrillenträgers zum liebevollen Typen, fand ich nicht glaubwürdig. Diese kam sehr plötzlich und war mir zu widersprüchlich.
Die Liebesgeschichte konnte mich ebenfalls nicht wirklich überzeugen, denn hier fehlte es eindeutig an Emotionen. Ich fühlte absolut kein romantisches Knistern oder überhaupt irgendwelche Gefühle, außer die anfangs große Abneigung gegeneinander. Auch die Zufälle wurden von der Autorin überstrapaziert! Sicherlich gibt es auch im wahren Leben oft Dinge, die man einfach nicht glauben kann, aber diese wiederholten zufälligen Treffen waren einfach zu viel. Eine gewisse Vorhersehbarkeit erwartet man sich als Leser hier ebenso, aber diese sollte doch im Rahmen bleiben. Die Story ist viel zu stark konstruiert und bleibt leider nicht wirklich lange im Gedächtnis.

Obwohl ich jetzt sehr viel Negatives geschrieben habe, ist der Roman auch sehr kurzweilig und lässt sich zügig lesen. Mr. Willow ist ein süßer kleiner Kerl, dem allerdings ebenfalls ein paar nicht sehr realistische Charakterzüge angedichtet wurden. Welcher Hund bleibt wohl über Stunden (Zugfahrt von England nach Deutschland) ohne zu bellen oder winseln in einer Tasche und rührt sich kaum? Trotzdem konnte der süße und lebhafte Corgi mein Herz rühren und hat der Geschichte etwas Spezielles gegeben.
Unterhaltsam ist der Roman allemal und man verbringt ein paar nette Stunden mit Mira, Mr. Willow, Ruben und David.
Bei Liebesromanen greife ich wohl doch in Zukunft lieber wieder zu realistischen und oft auch ernsteren Themen. Trotzdem mag ich auch zwischendurch lockere Romane aus diesem Genre, die jedoch realistisch bleiben sollten.

Schreibstil:
Anna Saalbach hat einen sehr lockeren und flüssigen Schreibstil, der sich zügig weglesen lässt. Der Humor ist gelungen und die Kapitel haben eine angenehme Länge.

Fazit:
"Und dann kam Mr. Willow" ist leider eine eher lauwarme Geschichte mit zu vielen Zufällen, blassen Charakteren und einer großen Vorherhsehbarkeit. Sie lässt sich aber sehr zügig lesen, ist humorvoll und besonders der kleine Corgi erobert das Herz im Sturm. Für mich leider zu kontruiert und farblos. Eine Geschichte, die nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Kann man lesen, muss man aber nicht.