Platzhalter für Profilbild

Fever

Lesejury Star
offline

Fever ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Fever über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2024

Spannung von der ersten bis zur letzten Seite

The Killer Profile
0

„The Killer Profile“ ist ein Pageturner vom Feinsten, der auf jeder Seite neue, überraschende Wendungen bereithält. In Kombination mit den überzeugenden Figuren und dem flüssigen Schreibstil wird so aus ...

„The Killer Profile“ ist ein Pageturner vom Feinsten, der auf jeder Seite neue, überraschende Wendungen bereithält. In Kombination mit den überzeugenden Figuren und dem flüssigen Schreibstil wird so aus Helen Fields’ neuestem Thriller ein absolutes Lieblingsbuch.

Bereits das Setting des Romans ist originell und bietet reichlich Futter für Spekulationen: ein undurchsichtiger Tech-Konzern, der dank kontinuierlicher Überwachung der Mitarbeitenden und restriktiver Firmenregeln durchaus dystopische Züge trägt. Dort arbeitet Protagonistin Midnight und wertet von morgens bis abends Profile von Menschen aus, die eigentlich bloß einen Studienplatz ergattern oder einen neuen Job finden wollen. In Midnights Realität muss man sich dafür komplett nackig machen, und gerade dieser dystopische, jedoch keinesfalls realitätsferne Aspekt des Settings macht „The Killer Profile“ schon zu einer lohnenswerten Lektüre. Noch spannender wird es allerdings, als Midnight auf das Profil eines Menschen ohne jede Empathie und mit Spaß am Leiden anderer stößt – quasi zum selben Zeitpunkt, als der erste grausame Mord die Stadt erschüttert. Midnight hat das Gefühl, etwas unternehmen zu müssen, aber Eigeninitiative sehen die Firmenregeln nicht vor …

„The Killer Profile“ ist ein gelungener Thriller, der sich stets zwischen Psychothriller und Dystopie bewegt. Beinahe ebenso wichtig wie die Aufklärung der Morde ist nämlich der Blick auf eine nicht besonders ferne Zukunft, in der der gläserne Mensch allmählich zu handfester Realität wird, und zwar ganz ohne Big Brother, sondern indem Menschen, vermeintlich aus freien Stücken, ihr Innerstes vor Großkonzernen offenlegen. Diese beklemmenden Hintergründe verleihen dem Roman eine ganz besondere Wucht. Zugleich ist „The Killer Profile“ ein clever konstruiertes Katz-und-Maus-Spiel mit vielen wirkungsvoll eingesetzten Perspektivwechseln und einem gekonnten Aufbau, in dem erst nach und nach alle wichtigen Details ans Licht kommen. Somit ist das Buch nonstop spannend, selten vorhersehbar und besticht vor allem durch seine glaubwürdigen Figuren.

Absolute Leseempfehlung für Fans von Thrillern mit dem gewissen Etwas.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.08.2024

Ein wirklich großer Wurf

In den Farben des Dunkels
0

Mit „In den Farben des Dunkels“ ist Chris Whitaker ein großer Roman mit phänomenalem Nachhall gelungen, der an die ganz essenziellen Fragen von Menschlichkeit rührt. Die Jahrzehnte umspannende Handlung ...

Mit „In den Farben des Dunkels“ ist Chris Whitaker ein großer Roman mit phänomenalem Nachhall gelungen, der an die ganz essenziellen Fragen von Menschlichkeit rührt. Die Jahrzehnte umspannende Handlung verliert nie an Intensität, und der sprachlichen Wucht des Romans wird sich wohl kaum jemand entziehen können.

Im Kindesalter wird der Außenseiterin Saint ihr einziger Freund entrissen: Patch, aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, wird unverhofft zum Helden, als er die Entführung einer Mitschülerin verhindert, dabei jedoch selbst in die Fänge des Entführers gerät und über Monate hinweg verschollen bleibt. Während Saint alles daransetzt, ihn zu finden und zu befreien, kommt Patch in Gefangenschaft einem Mädchen näher, das das Verlies mit ihm teilt. Als die Befreiung schließlich irgendwann gelingt, bleibt dieses Mädchen zurück, doch Patch wird sie sein Lebtag lang nicht vergessen und sein Leben der Suche nach ihr widmen.

Was „In den Farben der Dunkelheit“ zu einem so außergewöhnlichen Buch macht, ist nicht nur die psychologische Tiefe jeder einzelnen Figur, sondern auch, dass so viele von ihnen zu Wort kommen, ohne dass die Geschichte je an Richtung verlieren und zerfasern würde. Saints Großmutter, der ermittelnde Sheriff, die von Patch gerettete Mitschülerin, der örtliche Kunsthändler … So viele Menschen spielen eine Rolle rund um die Entführung und die Folgen, die sie auch Jahrzehnte später noch nach sich zieht, und ihnen allen wird eine eigene Geschichte zugestanden, mit ihren eigenen Traumata und Sehnsüchten. Dabei bleibt Whitaker gleichwohl stets fokussiert auf das große Ganze, verliert nie Patchs Suche nach seiner Mitgefangenen aus den Augen. Seine Figuren entwickeln sich stetig weiter, selbst wenn sie auf der Stelle zu treten scheinen. Mit wortgewaltiger Sprache malt der Autor ein Bild davon, wie das Schicksal einer einzigen Person Wogen schlagen kann, die nicht nur eine kleine Gemeinschaft, sondern fast ein ganzes Land in Bewegung setzen.

„In den Farben des Dunkels“ ist ein tief berührender Roman, dessen Figuren einen noch lange nach dem Beenden der Lektüre nicht loslassen. Voller Inbrunst wünscht man ihnen das Beste und muss doch zusehen, wie sie einen Fehler nach dem anderen begehen. Mit diesem Roman ist Chris Whitaker wahrhaftig ein Abbild des wahren Lebens gelungen, jedoch angereichert mit Ästhetik und Poesie. Unbedingte Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.06.2024

Ein Thriller-Highlight

Krähentage
0

„Krähentage“ von Benjamin Cors hat einfach alles, was man sich von einem anspruchsvollen Thriller wünscht: eine grausige Mordserie, ein perfides Katz-und-Maus-Spiel, eine kompetente Ermittlungstruppe mit ...

„Krähentage“ von Benjamin Cors hat einfach alles, was man sich von einem anspruchsvollen Thriller wünscht: eine grausige Mordserie, ein perfides Katz-und-Maus-Spiel, eine kompetente Ermittlungstruppe mit Ecken und Kanten und jede Menge Spannung. Mit diesem Buch ist dem Autor wirklich ein großer Wurf gelungen.

Die gerade erst etablierte Gruppe 4 zur Aufklärung von Serienstraftaten hat keinen leichten Start: Direkt am ersten Arbeitstag macht sich ein gewiefter Serienmörder ans Werk, der für kurze Zeit die Identität seiner Opfer annimmt und ihre Leichen ausgehungerten Krähen zum Fraß vorwirft. Die Ermittlungstruppe um Jakob Krogh und Mila Weiss tritt auf der Stelle: Es mangelt an verwertbaren Spuren, der Täter scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein, und zusätzlich sitzt ihnen der Staatsanwalt im Nacken und ihre Ressourcen werden durch eine parallel laufende zweite Ermittlung gebunden. Mit jedem neuen Opfer wächst die Verzweiflung – ist diesem Mann überhaupt beizukommen?

In „Krähentage“ geht es nicht so sehr um die Jagd nach dem Mörder, sondern vielmehr um das Wie: Wie kommt man einem Phantom auf die Schliche? Was sind die Hintergründe seiner Tat? Ab der ersten Seite begleiten wir Lesenden sowohl den Täter als auch die Ermittlungsgruppe – es bestehen keine Zweifel über seine Identität. Bisweilen kommt er Jakob und Mila sogar so nah, dass man die beiden am liebsten durch die Seiten hinweg anbrüllen und auf ihn aufmerksam machen würde. Gerade darin liegt die Stärke des Romans: Benjamin Cors lässt uns den Figuren ganz nahe kommen, und zwar nicht nur Jakob und Mila, sondern auch den anderen Ermittelnden sowie dem Täter selbst. Dabei kommt er weitgehend ohne Klischees aus: Während Jakob und Mila durchaus Anlagen klassischer Figurentypen haben (der Hüter eines dunklen Geheimnisses und die kratzbürstige Supertoughe), durchbrechen sie die stereotypen Verhaltensweisen dieser Figurentypen immer wieder und werden dazu zu echten, nahbaren Menschen, denen man ihre Emotionen wirklich abkauft. Der Autor bedient sich dabei einer Sprache, die für einen Thriller oft ungewohnt poetisch anmutet, gerade dadurch aber eine ganz andere Tiefe entwickelt, als das bei vielen anderen Genrevertretern der Fall ist. Blut und Grausamkeit kommen dabei zwar nicht zu kurz, fügen sich aber organisch in die Handlung ein, ohne voyeuristisch zu wirken.

„Krähentage“ ist blutig und hochspannend, zugleich aber ein Thriller mit echter Tiefe, authentischen Figuren und manch einer wahrhaft originellen Wendung. Unbedingte Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2024

Ein Feuerwerk skurrilen Humors in einer bizarren Welt

Rot
1

Wer den ersten Teil von Jasper Ffordes Farben-Reihe mit dem Titel „Grau“ noch nicht gelesen hat, sollte das schleunigst nachholen, bevor er sich in „Rot“ stürzt. Nicht nur hängen die beiden Teile eng zusammen ...

Wer den ersten Teil von Jasper Ffordes Farben-Reihe mit dem Titel „Grau“ noch nicht gelesen hat, sollte das schleunigst nachholen, bevor er sich in „Rot“ stürzt. Nicht nur hängen die beiden Teile eng zusammen und die Kenntnis von Band 1 hilft dem Verständnis von Band 2, man würde sich auch eines unermesslichen Lesevergnügens berauben, wenn man Band 1 ausließe.

In „Rot“ tauchen wir Lesenden tiefer in die bizarre Welt von Chromatacia ab, die Jasper Fforde in „Grau“ vor uns ausgebreitet hat: eine hierarchische Gesellschaft, aufgeteilt nach der Fähigkeit ihrer Mitglieder, bestimmte Farben zu sehen, und mit einem strengen Regelwerk, das kaum Individualismus zulässt und bedingungslos zu befolgen ist – ganz gleich, wie widersprüchlich und absurd eine Regel auch sein mag. An Absurditäten mangelt es in „Rot“ wahrhaftig nicht: Auf jeder Seite verbirgt sich eine neue Kuriosität. Mal bringen die bizarren Entwicklungen uns Lesende zum Lachen, mal bleibt es im Halse stecken. Denn das Leben in Chromatacia ist für die Hauptfiguren Eddie und Jane wahrhaftig kein Zuckerschlecken. Wild entschlossen, sich der Diktatur zu stellen und das Geheimnis hinter der bizarren Weltordnung zu lüften, stürzen sich die beiden in einen Kampf, der aussichtslos scheint. Und das, ohne je den Humor zu verlieren.

Bizarrer Humor ist das auszeichnende Kriterium von Jasper Ffordes Romanen, und so brilliert auch „Rot“ mit absurden Entwicklungen und wunderbaren Figuren, die selbst im Angesicht des drohenden Todes (der ungefähr einmal pro Kapitel eintritt) noch trockene Kommentare von sich geben können. Dem Fingerspitzengefühl des Autors ist es zu verdanken, dass die Gefahren des Romans trotzdem nie banalisiert werden. Eddie und Jane nehmen die faschistische Gesellschaft von Chromatacia zwar mit Humor, aber sie lassen uns Lesende nie vergessen, dass die Diktatur gestürzt werden muss. Der gekonnte Genre-Mix aus Dystopie, Urban Fantasy und Gesellschaftssatire mit einer Prise Science-Fiction lässt die Welt von Chromatacia in den schillerndsten Farben zum Leben erwachen. Ffordes brillantes Worldbuilding in Kombination mit seiner prägnanten Figurenzeichnung und seinem fabelhaften Humor lassen „Rot“ zu einem Buch werden, dessen Fortsetzung man gar nicht genug entgegenfiebern kann.

„Rot“ ist ein furioser Roman, der vor teils feinsinnigem, teils absurd-komischem Humor nur so sprüht. Nie wurde das Leben in einer Diktatur so lustig dargestellt, ohne ihren Schrecken ins Banale verkommen zu lassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 24.01.2023

Ein fabelhafter wilder Ritt im All

Fern vom Licht des Himmels
0

Schon das Cover von „Fern vom Licht des Himmels“, das der Golkonda-Verlag gezaubert hat, strahlt etwas ganz Besonderes aus: die mysteriöse Ruhe des Alls, verbunden mit einem kleinen Störgefühl. Dieses ...

Schon das Cover von „Fern vom Licht des Himmels“, das der Golkonda-Verlag gezaubert hat, strahlt etwas ganz Besonderes aus: die mysteriöse Ruhe des Alls, verbunden mit einem kleinen Störgefühl. Dieses Versprechen löst Autor Tade Thompson in diesem Science-Fiction-Krimi vollumfänglich ein. Es geht spannend zu, aber auch humorvoll, philosophisch und gesellschaftskritisch. Ein wunderbarer Roman!

Shell, ein vielversprechendes junges Talent, frisch aus der Ausbildung, begleitet ihren ersten interstellaren Flug, der tausend Passagiere in ein anderes System transportieren soll. Eigentlich eine einfache Aufgabe – abgesehen von den zehn Lebensjahren, die sie dadurch verschläft –, denn die KI des Schiffes Ragtime soll eigentlich alles vollautomatisch erledigen. Nur dass die KI kurz nach Shells Erwachen kaum mehr ansprechbar und auf ihre Grundfunktionen heruntergefahren ist. Und damit nicht genug: Die Roboter des Schiffes laufen Amok, ein synthetischer Wolf streift durch die Gänge, und dreißig Passagiere wurden in ihren Schlafkapseln zerstückelt. Das wiederum ruft Ermittler Fin und seinen Androidenkollegen Salvo auf den Plan, die in der Abgeschlossenheit des Raumschiffs nach Verdächtigen suchen. Beim verzweifelten Versuch, das Schiff zugleich unter Kontrolle zu bringen und die übrigen Passagiere zu retten, stolpern Shell und Fin von einer dramatischen Situation in die nächste und begreifen erst nach und nach, womit sie es eigentlich zu tun haben.

„Fern vom Licht des Himmels“ ist zugleich eine spannende und gut durchdachte Zukunftsvision, die Themen wie Kolonialismus, Kapitalismus und Ausbeutung aufgreift, und ein klassisches Locked-room-Mystery. Nur dass beim Ermitteln niemand pfeiferauchend im Sessel sitzen kann, sondern alle Verdächtigen und Ermittelnden auf einem außer Kontrolle geratenen Raumschiff dem sicheren Tod entgegentrudeln. Die lockere und von einem subtilen Humor geprägte Erzählweise konterkariert die dramatische Situation, die immer wieder ethische Entscheidungen von ihren Figuren einfordert, und verleiht dem Roman einen angenehmen Lesefluss. Sämtliche Figuren wachsen einem schnell ans Herz, und vieles ist nicht so schwarz-weiß, wie es zunächst scheint.

Ein zugleich rasantes und nachdenkliches Abenteuer zwischen den Sternen, das wahnsinnig unterhaltsam, manchmal poetisch und immer hochspannend ist. Klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere