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Veröffentlicht am 21.07.2024

Facettenreiche und durch Wendungen spannende Geschichte mit dramatischem Hintergrund - subtil fesselnder Psychothriller mit schlüssigen Motiven

Die perfekte Mutter
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Molly Sanderson hat vor zwei Jahren eine Totgeburt erlitten und ist nach schweren Depressionen wieder mit sich im Einklang. Nach einem Umzug nach Ridgedale, wo ihr Mann eine Anstellung als Professor an ...

Molly Sanderson hat vor zwei Jahren eine Totgeburt erlitten und ist nach schweren Depressionen wieder mit sich im Einklang. Nach einem Umzug nach Ridgedale, wo ihr Mann eine Anstellung als Professor an der Universität erhalten hat, arbeitet Molly für den Kulturteil der örtlichen Zeitung und soll vertretungsweise über einen Leichenfund auf dem Campusgelände berichten. Sie ist erschüttert, als sie erfährt, dass es sich um ein Neugeborenes handelt, bleibt aber trotz aller Emotionen und Bedenken ihres Mannes an der Story dran.
Barbara Carlson ist die Frau des Polizeichefs und hat wie Molly ein Kind im Kindergartenalter. Ihr nach außen perfektes Familienleben gerät ins Wanken, als ihr Sohn Cole verhaltensauffällig wird und etwas Beängstigendes erlebt haben muss.
Sandy Mendelson, die von Barbaras Tochter Hannah Nachhilfeunterricht bekommt, sorgt sich um ihre Mutter, die ohne eine Nachricht verschwunden ist. Zudem muss Sandy etwas Erschütterndes widerfahren sein, denn Hannah macht sich Gedanken um ihr Wohlergehen.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von den beiden Müttern Molly und Barbara, die versuchen, perfekte Mütter zu sein, und Sandy erzählt, die alles andere als eine perfekte Mutter hat.
Ausgangspunkt ist der Fund eines toten Neugeborenen, der die Kleinstadt aufwühlt.
Die Handlung ist spannend und emotional zugleich. Durch die wechselnden Perspektiven erhält man nicht nur Einblicke in die Leben der unterschiedlichen Frauen, sondern auch in deren Gefühlswelt, Sorgen und Probleme.
Die polizeilichen Ermittlungen bleiben im Hintergrund, im Fokus sind die Bewohner der Stadt und ihre persönlichen Dramen.
Zeitungsartikel, Online-Kommentare, Tagebucheinträge und Gesprächsprotokolle aus Psychotherapiesitzungen ergänzen die Handlung in der Gegenwart.

Während sich allmählich Zusammenhänge zwischen den einzelnen Charakteren ergeben, bleibt der Hintergrund des Verbrechens an dem Baby so undurchschaubar wie zu erkennen, was es mit den Problemen der Kinder und den verschwundenen Müttern auf sich hat, denn auch die junge Mutter Rose hat die Stadt fluchtartig verlassen.

Die Geschichte ist durch die Vielzahl der Charaktere komplex, aber nicht verwirrend. Spannend ist es, einen Blick hinter die Fassaden der Familien in Ridgedale zu werfen und die Recherchen von Molly zu verfolgen, die als zugezogene Reporterin einen unvoreingenommenen Blick auf die Bewohner hat und nicht nur Gegenwärtiges sondern auch die Vergangenheit der Einwohner hinterfragt.
Die Handlung ist am Ende wendungsreich und dramatisch und lässt keine Fragen offen. Die Zusammenhänge aus Vergangenheit und Gegenwart, Verdächtigungen, Opfern und Tätern sind authentisch und werden schlüssig aufgeklärt.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

Wendungsreicher Krimi mit Thrillerelementen - bislang bester Teil der charakterstarken Reihe

Tote klagen an
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Als ob Cassie Raven als Sektionsassistentin nicht schon beruflich genug mit toten Menschen beschäftigt wäre, wird eine Leiche an ihr Hausboot herangespült. DS Phyllida Flyte, die frisch in die Abteilung ...

Als ob Cassie Raven als Sektionsassistentin nicht schon beruflich genug mit toten Menschen beschäftigt wäre, wird eine Leiche an ihr Hausboot herangespült. DS Phyllida Flyte, die frisch in die Abteilung für schwerwiegende Verbrechen gewechselt ist, soll die CID bei den Ermittlungen zum Leichenfund unterstützen. Da ihr der Mann bekannt vorkommt, ermittelt sie ohne Zustimmung ihres Vorgesetzten weiter. Auch Cassie führt mehr Untersuchungen durch, als genehmigt sind, als ihr auffällt, dass die Verwesung der Leiche schneller als üblich voranschreitet.
Gemeinsam entwickeln sie den Ehrgeiz das tödliche Geheimnis zu lösen und riskieren dabei beide ihren Arbeitsplatz.

"Tote klagen an" ist nach "Tote schweigen nie" und "Wer mit den Toten spricht" der dritte Band um die eigenwillige Assistentin der Rechtsmedizin im Gothic-Style, die eine ungewöhnliche Verbindung zu ihren Gästen in der Autopsie verspürt, die ihr regelmäßig Hinweise auf die Todesursache geben.
In diesem Fall hadert Cassie mit ihrer Gabe, die sie verloren glaubt. Zu viele persönliche Probleme und verdrängte Sorgen blockieren ihren siebten Sinn. Phyllida hat an ihrem neuen Arbeitsplatz Schwierigkeiten sich unter den dominanten Männern zu behaupten und ist immer noch dabei, ein schlimmen Verlust zu verarbeiten.

Da in dieser Buchreihe ein Schwerpunkt auf den besonderen Charakteren und ihren Eigenschaften liegt und ihr Privatleben einen nicht unwesentlichen Teil der Geschichte ausmacht, ist es empfehlenswert, die Reihe chronologisch zu verfolgen. Die Todesfälle, die es zu lösen gilt, sind hingegen in sich abgeschlossen.

In diesem Fall wirft der Tote eine ganze Reihe an Fragen auf, die mit einer herkömmlichen Autopsie nicht zu beantworten sind. Ungewöhnlich ist, dass niemand den Mann zu vermissen scheint, um den es sich aufgrund seiner teuren Bekleidung unmöglich um einen Obdachlosen handeln kann.
Was Cassie und Phyllida herausfinden, ist erstaunlich und heizt die Spannung weiter an, aus welchem Grund der Mann sterben musste.

Die Reihe ist die ungewöhnlichen Hauptfiguren originell und macht sie durch die wechselnden Perspektiven und Einblicke in ihre Gefühle nahbar. Der Kriminalfall ist undurchschaubar komplex und spannend geschildert. Die Aufklärung wirkt, auch wenn Cassie und Phyllida sich nicht immer streng an die Vorschriften halten, sondern mit Herzblut dabei sind, authentisch. Nervenkitzel bereitet der Fall durch die Zweifel, wem sogar innerhalb des Polizeiapparats zu trauen ist und die Gefahr, in die sich Cassie und Phyllida durch ihre kompromisslose Art begeben.

Liegt gerade zu Beginn der Fokus auf den persönlichen Dramen der Hauptfiguren, nimmt die Aufklärung des Falls später dynamisch an Fahrt auf und macht auch Band 3 wieder zu einem wendungsreichen Krimi mit Thrillerelementen, der von einer aufwändigen Recherche sowohl im Hinblick auf die Forensik als auch Strukturen und Interna der Polizeibehörden zeugt.

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Veröffentlicht am 04.07.2024

Facettenreicher Coming-of-Age-Roman über eine unerschütterliche Freundschaft mit einzigartigen Figuren, der die Irrungen des Erwachsenwerdens bildhaft und erfrischend wild beschreibt.

Die Sache mit Rachel
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Rachel studiert in Cork Anglistik und jobbt nebenbei in einer Buchhandlung, wo sie James kennenlernt. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und ziehen kurzerhand zusammen. Rachel schwärmt heimlich ...

Rachel studiert in Cork Anglistik und jobbt nebenbei in einer Buchhandlung, wo sie James kennenlernt. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und ziehen kurzerhand zusammen. Rachel schwärmt heimlich für ihren Englisch-Professor und unterstützt den Verkauf seines neuen Buches, indem sie eine Lesung in der Buchhandlung organisiert. James und sie haben den Plan, dass sie ihm dadurch näher kommen kann. Doch der Abend entwickelt sich etwas anders als gedacht und setzen Dinge in Gang, die Raches und James Leben durcheinander wirbeln.

Der Roman wird rückblickend elf Jahre später aus der Perspektive von Rachel erzählt, die erfährt, dass ihr ehemaliger Dozent im Koma liegt.

Die Geschichte ist lebendig und unterhaltsam geschrieben. Rachel und James sind mit Anfang 20 unbändig und liebenswert verrückt. Sie führen ein Leben wie im Rausch, machen ihre Erfahrungen in Sachen Beruf, Freundschaft und Liebe und werden in dem Jahr gemeinsam erwachsen.

Die Charaktere wirken ungezwungen und authentisch, unabhängig davon ob man alles gutheißen kann, was sie so tun. Der Roman handelt vordergründig in der Vergangenheit, was für Spannung im Hinblick auf die Zukunft sorgt, von der zu Beginn nur Fragmente bekannt sind. Wie hat sich die Freundschaft von Rachel und James entwickelt? Hat Rachel ihren damaligen Freund Carey geheiratet? Warum liegt ihr Dozent im Koma?

"Die Sache mit Rachel" ist ein Coming-of-Age-Roman mit einem interessanten Spannungsbogen und einzigartigen Figuren, der die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens bildhaft und erfrischend wild darstellt, ohne schwierige Themen auszuklammern oder zu trivialisieren.
Neben der innigen und unerschütterlichen Freundschaft von Rachel und James und den Herausforderungen und Unsicherheiten eines Millennials in Irland im Jahr 2010, handelt der Roman von Rezession, Arbeitslosigkeit, Homophobie, von Moralvorstellungen und den Rechten der Frau, von Einsamkeit und Verzweiflung, aber auch von der Unbeschwertheit Heranwachsender, von Treue, Zukunftsträumen und Selbstfindung.

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Veröffentlicht am 25.06.2024

Spannende und tragische Geschichte über die Komplexität einer Familie, über Schuld und den Wunsch nach Heilung

So ist das nie passiert
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Vor über zwanzig Jahren verschwand Willas Schwester Laika als Dreizehnjährige spurlos. Der Verlust hat Willas Leben geprägt. Sie hofft noch immer, dass Laika am Leben ist und sie sie finden wird. Denn ...

Vor über zwanzig Jahren verschwand Willas Schwester Laika als Dreizehnjährige spurlos. Der Verlust hat Willas Leben geprägt. Sie hofft noch immer, dass Laika am Leben ist und sie sie finden wird. Denn im Gegensatz zur Polizei oder ihrer besten Freundin Robyn, die ihr nach Laikas Verschwinden im Internat Trost spendete, weiß Willa, dass Laika einen Grund gehabt hat, ihr Elternhaus zu verlassen.
Willa sieht Laika in fast jeder dunkelhaarigen, jungen Frau, aber als sie bei einem Dinner mit Freunden der neuen Freundin von Robyns Schwager begegnet, ist sie überzeugt, dass es sich bei ihr tatsächlich um ihre verschwundene Schwester handeln könnte.

Der Roman wird sowohl aus der Perspektive von Willa als auch Robyn erzählt, zwei Frauen von Ende 30, die in ihrem Wesen unterschiedlich sind, unter abweichenden Bedingungen aufgewachsen sind und dennoch beste Freundinnen geworden sind. Dabei erfolgt die Erzählweise nicht stringent, sondern in einem Wechsel aus Gegenwart während des Dinners und vergangenen Ereignissen.
Schwerpunkt bildet dabei die Vergangenheit von Willa, aber auch die gemeinsame Teenagerzeit mit Robyn und die Schilderung der schwierigen Familienverhältnisse Willas, die nicht unschuldig am Verschwinden Laikas sind.

Die Geschichte ist spannend und mit einer feinfühligen Beschreibung der Charaktere geschildert. Der Verlust der geliebten Schwester, die verzweifelte Suche nach ihr als Erwachsene und die Unsicherheit im Umgang mit den gemeinsamen Eltern sind genauso intensiv spürbar wie Willas innige Freundschaft mit Robyn und der Wunsch nach einer eigenen Familie.
Nicht nur die Ungewissheit über Laikas Verbleib auch die wiederkehrenden toxischen Beziehungen sorgen für Spannung, auch wenn beim späteren Einsätzen einer dritten Perspektive deutlich wird, was es mit dem Verschwinden von Laika auf sich hat.

Der Roman liefert ein Porträt einer Familie, das aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich wirkt. Nach und nach blickt man hinter die Fassade unter unter die Oberfläche, unter der es brodelt.

Es ist eine tragische und doch hoffnungsvolle Geschichte über die Komplexität einer Familie, über Schuld und den Wunsch nach Heilung, die durch die wechselnden Perspektiven und unterschiedlichen Zeiten facettenreich geschildert ist. Die Bilder von zerbrochenem Porzellan, von Scherben, die man als Waffe einsetzen mag und von Kingtsugi bringen das Zerbrechen einer Familie und die Sehnsucht danach, Zerbrochenes wieder zusammenzusetzen, passend und eindringlich zum Ausdruck.

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Veröffentlicht am 13.06.2024

Eine lebenskluge, vielschichtige und abwechslungsreiche (Liebes-)geschichte über verpasste und zweite Chancen

Man sieht sich
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Friederika und Robert werden in der 11. Klasse zu Freunden, als Robert neu an Fries Schule wechselt. Beide stammen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen, haben jedoch beide ein problematisches Elternhaus. ...

Friederika und Robert werden in der 11. Klasse zu Freunden, als Robert neu an Fries Schule wechselt. Beide stammen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen, haben jedoch beide ein problematisches Elternhaus. Deshalb möchte Frie nach dem Abitur auch möglichst weit weg und geht als Au-pair nach Sydney - sehr zum Leidwesen von Robert, der ihr kurz zuvor seine Liebe gestehen wollte.
Verletzt, enttäuscht und wütend, beschließt er, seine beste Freundin zu vergessen und zieht nach Hamburg, um später Musik zu studieren. Als Frie nach anderthalb Jahren in Deutschland zurück ist, führen ihre Wege sie in Hamburg zusammen und Frie ist überrascht, zu was für einem coolen Typ sich der zurückhaltende Robert entwickelt hat. Sie spürt, dass auch sie Gefühle für ihren besten Freund hat, aber die Erkenntnis kommt spät.
Der Kontakt bricht über die Jahre nie ganz ab, die beiden können nicht mit, aber auch nicht ohne einander. Sie lieben sich, aber die äußeren Umstände passen nie und lassen sie mehr als einmal auseinanderdriften - bis sie sich mit Anfang 50 zu einem Klassentreffen wieder sehen und eine neue Chance erhalten.

Mit dem Plot einer Liebesgeschichte über verpasste und zweite Chancen erfindet die Autorin das Rad sicher nicht neu, aber der Roman ist trotzdem zu keinem Zeitpunkt langweilig, sondern eine unterhaltsame Geschichte, in der es auch um die Entwicklung der Persönlichkeit, das Erwachsen und das Älterwerden geht.
So handeln Teile des Romans in der Jugend, Schul- und Studienzeit sowie den frühen Erwachsenenjahren, wenn man gesettelt sein sollte bis hin zu den ersten Alterserscheinungen. Dabei wechselt die Perspektive zwischen Frie und Robert hin und her, so dass man sich ihren Gefühlen stets bewusst ist, die sie vor dem jeweils anderen verbergen.

Die Geschichte ist lebendig geschildert und eine nostalgische Zeitreise in die späten 1980er-, frühen 1990er-Jahre und 2000er-Jahre, als Kassetten, Telefonzellen und frühe Ladenschlusszeiten gewohnt waren.
Im Vordergrund stehen die Herausforderungen des Heranwachsens und das Lebensgefühl zu den jeweiligen Lebensabschnitten und über weite Teile weniger die Liebe und Romantik, auch wenn die Gefühle für einander immer greifbar sind.

Die Charaktere machen eine authentische Entwicklung durch, sind vielschichtig mit Ecken und Kanten gezeichnet und machen den Roman zu einer unterhaltsamen, lebensechten und klugen Geschichte auf dem Weg zum (gemeinsamen) Glück.

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