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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2024

Evolution

Die Magie der Gemeinschaft
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Der Mensch steht zwischen dem Tier und der künstlichen Intelligenz. Sie sind quasi seine Vergangenheit und seine Zukunft. Was die drei „Arten“ gemeinsam haben, versucht ein Verhaltensforscher in diesem ...

Der Mensch steht zwischen dem Tier und der künstlichen Intelligenz. Sie sind quasi seine Vergangenheit und seine Zukunft. Was die drei „Arten“ gemeinsam haben, versucht ein Verhaltensforscher in diesem Buch zu klären.
Anhand verschiedener wissenschaftlicher Methoden wird dargelegt, wie viele Ähnlichkeiten wir mit verschiedenen Tieren haben. Unser Steinzeitgehirn tut sein Übriges, damit wir uns ihnen dennoch überlegen fühlen. „Genau da liegt das Problem, die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, dass wir viel tierischer sind, als wir es wahrhaben wollen, und dass uns Tiere viel ähnlicher sind, als wir glauben.“
Was KI angeht, stehen wir noch am Anfang der Entwicklungen. Dementsprechend gibt es zwar Beobachtungen, aus denen Spekulationen entstehen, aber noch keine fundierten Erkenntnisse. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass künstliche Intelligenz stärker als ein Mensch werden und Regeln für das Miteinander vonnöten sein könnten.
Karsten Brensing hat viele interessante Aspekte angeschnitten, es aber nicht geschafft, mich vollends zu überzeugen. Den Großteil des Buchs nehmen die Kapitel zu tierischem Verhalten ein, und als es dann endlich um KI geht, wird es stellenweise recht trocken. Aufgrund der unübersichtlichen Struktur fiel es mir schwer, den Zusammenhang oder die Kernaussagen zu finden. Da mich „Die Magie der Gemeinschaft“ thematisch ansprach, bin ich etwas enttäuscht von der Umsetzung.

Veröffentlicht am 16.08.2024

Mystisches Prag

Der Bezoar
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Zwei Österreicher, die sich im November des Jahres 1594 ihrer Arbeit wegen in Prag aufhalten, werden in eine Mordermittlung verwickelt. Alles scheint sich um einen Bezoar, einen Stein mit besonderen Kräften, ...

Zwei Österreicher, die sich im November des Jahres 1594 ihrer Arbeit wegen in Prag aufhalten, werden in eine Mordermittlung verwickelt. Alles scheint sich um einen Bezoar, einen Stein mit besonderen Kräften, zu drehen. Hier trifft das Vertrauen in Alchemie auf wissenschaftliche Methoden, um den Täter zu enttarnen.
„‚Welch ein Glück‘, dachte der junge Salzamtsgegenschreiber bei sich, ,dass es die Lingua Latina gibt, die alle Gebildeten lesen und sprechen, und die es einem, egal aus welchem Land Europas man kommt, ermöglicht, sich trotz verschiedener Muttersprachen ohne Dolmetscher miteinander zu unterhalten.‘“
Mein Hadern mit diesem Roman betrifft die Sprache. Die häufige Verwendung des Wortes „trotzdem“ als Konjunktion empfand ich als besonders störend. Zudem fehlten mir Erklärungen für spezifische Funktionsbezeichnungen der Figuren für das Verständnis ihrer Aufgaben.
Gut gefallen hat mir hingegen, wie eine mystische Atmosphäre geschaffen wurde. Ich konnte mit der Hauptfigur mitfiebern, da sie sympathisch dargestellt wurde und nicht sicher sein konnte, wem zu trauen war. Die Auflösung des Kriminalfalls war noch dazu so komplex, dass es bis zum Ende spannend blieb.

Veröffentlicht am 14.07.2024

Bunt und gesund

Healing Kitchen - Quick & Easy
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Mit ihrer persönlichen Geschichte über den eigenen Umstieg auf anti-entzündliche Ernährung beginnt Shabnam Rebo ihr Kochbuch „Healing Kitchen - Quick & Easy“. Im Einstiegsteil bietet sie des Weiteren Kombinationsmöglichkeiten ...

Mit ihrer persönlichen Geschichte über den eigenen Umstieg auf anti-entzündliche Ernährung beginnt Shabnam Rebo ihr Kochbuch „Healing Kitchen - Quick & Easy“. Im Einstiegsteil bietet sie des Weiteren Kombinationsmöglichkeiten für die einzelnen Gerichte zur Vorbereitung oder Resteverwertung an.
Die achtzig Rezepte werden eingeteilt nach Basics, Frühstück & Brunch, Für jeden Tag, Comfort Food und Sweets. „Zu jedem Rezept findest du einen Tipp, der den gesundheitlichen Nutzen der Zutaten kurz und knapp erklärt.“ Außerdem gibt als Appetithäppchen immer eine kleine Botschaft der Köchin, die beispielsweise zu Alternativen anregt. Die weitere Formulierung ist dann sachlich gehalten.
Mir gefällt die Vielfalt der veganen Gerichte - da trifft Italien auf Marokko oder Persien, und auch ganz Bodenständiges, wie eine Erbsenstulle, ist dabei. Das Kochbuch ist ansprechend mit ganzseitigen Fotos gestaltet, der Text übersichtlich in Zutaten und Zubereitung aufgeteilt. In der Testküche wurden ein Dattel-Curry-Dip und eine grüne Frühlingsminestrone ausprobiert, was einfach gelang, schmeckte und gut verträglich war.
Aufgefallen ist jedoch, dass den Hinweisen nicht unbedingt intuitiv zu folgen war (Ist nun die rohe oder die gefrorene Variante gemeint, die eine oder die andere Bohnensorte, wenn einfach nur von Bohnen gesprochen wird?). Zudem empfand ich die Mengenangaben als unpraktisch (ich gebrauche ja nicht 80 g Fenchel und lasse den Rest der Knolle übrig); meine Verwendung größerer Mengen und vorwiegend frischer Zutaten hat also zu einem höheren Zeitaufwand geführt als angegeben. Davon lasse ich mich aber nicht abschrecken, denn es lachen mich noch viele Rezepte an, die ausprobiert werden wollen!

Veröffentlicht am 07.07.2024

Schamlos

Schambereich
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„Scham lebt davon, dass wir versuchen, sie weiträumig zu umfahren. Scham ist eine Instanz, deren Macht und Fortbestand von der Angst abhängt, die wir vor ihr haben, von unseren Vermeidungsstrategien, die ...

„Scham lebt davon, dass wir versuchen, sie weiträumig zu umfahren. Scham ist eine Instanz, deren Macht und Fortbestand von der Angst abhängt, die wir vor ihr haben, von unseren Vermeidungsstrategien, die wir pflegen, um uns ihr nicht auszusetzen. Davon zehrt sie.“
Hier soll es um verschiedene Dinge gehen, über die zu reden bei uns ein Schamgefühl verursacht, allen voran um Sex. Und „Frau Koschmieder“, wie sich die Autorin selbst nennt, nimmt kein Blatt vor den Mund, dessen kann man sich gewiss sein.
Das Buch wird mal als Roman, mal als Sachbuch gelistet, je nachdem, wo man schaut. Während sich die Auseinandersetzung mit der Sucht im Vorgänger „Dry“ wie ein Roman las, werden hier zahlreiche Recherche-Ergebnisse und fachliche Referenzen zitiert, die sehr viel mehr nach einem Sachbuch anmuten.
Ebenjene Einschübe verursachten, dass ich mich von der Erzählerin entfernte, während die Entblößung ihres Innersten mich sehr berührte. Dafür musste sie nicht etwa auf sexuelle Spielarten anspielen, sondern nur die alltäglichen Dinge so nachvollziehbar in ihren Bericht einbinden, wie sie es eben tut.
Während das Buch viele Themen beleuchtet, von Pornographie übers Kinderkriegen bis hin zu Feminismus, habe ich mir eigentlich mehr die persönliche Betrachtung gewünscht und bin deshalb ein kleines bisschen enttäuscht von diesem Buch.

Veröffentlicht am 18.06.2024

Der Verlust der Unschuld

Ich stelle mich schlafend
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Yasemin verliebt sich als Teenager in Vito, der auch Jahrzehnte später noch eine große Anziehung auf sie auswirkt. Dazwischen ist sie in Behandlung einer körperlichen Fehlstellung nach einem Sturz vom ...

Yasemin verliebt sich als Teenager in Vito, der auch Jahrzehnte später noch eine große Anziehung auf sie auswirkt. Dazwischen ist sie in Behandlung einer körperlichen Fehlstellung nach einem Sturz vom Pferd und baut sich ihr eigenes Leben auf.
Mir gefiel die Darstellung kindlicher Fantasie, die Yasemin beim Spielen mit der Freundin oder beim Heraufbeschwören des Geliebten an den Tag legt. Und ich habe einige Stellen markiert, die mich durch eine poetische Sprache oder ihre humorvolle Art begeisterten.
Doch in erster Linie geht es in diesem Buch um Scham nach dem Verlust ihrer Unschuld, um ein Minderwertigkeitsgefühl der Protagonistin nach dem Missbrauch durch andere. „War Yasemins Wille gebrochen oder nur gebeugt? Eine Mikrowellenstrahlung, die in ihr Leben hineinragte wie der Nachhall eines Urknalls.“
So wichtig ich dieses Thema empfinde, so unzufrieden macht mich die Umsetzung in diesem Buch. Ich habe mir eine Reaktion gewünscht, zu sehen, wie sich Yasemin in ihrem Leben weiterentwickelt. Stattdessen gibt es unzählige Exkurse, die von den Gefühlen der Hauptfigur ablenken. So fehlt mir der Nachhall, der diesen Roman für mich zu einem besonderen machen würde.