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Veröffentlicht am 24.06.2024

Da tanzen tatsächlich die Sterne

Sterne, die im Sommer tanzen
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Tarah DeWitt ist auf dem deutschen Buchmarkt ein Neuzugang und ich war sofort von dem Cover hi und weg. Es sticht definitiv wegen der Farbauswahl ins Auge, aber es wirkt auch sehr romantisch. Fake-Dating ...

Tarah DeWitt ist auf dem deutschen Buchmarkt ein Neuzugang und ich war sofort von dem Cover hi und weg. Es sticht definitiv wegen der Farbauswahl ins Auge, aber es wirkt auch sehr romantisch. Fake-Dating ist sowieso als Trope immer wieder gerne gesehen, weswegen ich hier gerne zugegriffen habe.

Ich habe „Sterne, die im Sommer tanzen“ als Hörbuch konsumiert. Corinna Dorenkamp ist als Hörbuchsprecherin mir jetzt schon öfters begegnet und sie funktioniert für mich auch immer wieder sehr gut. Sie hat auch die Persönlichkeit von Sage toll eingefangen, quirlig, durchsetzungsfähig, chaotisch und auch das sehr Romantische, war echt gut. Markus J. Bachmann hat mir von der Stimmfarbe her in jedem Fall auch gut gefallen, aber er ist einer dieser Männerstimmen, die beim Nachmachen von Frauenstimmen schnell was lächerlich klingt. Aber es ist wie so oft, man gewöhnt sich daran und nimmt es irgendwann als gegeben hin. Es ließ sich insgesamt also wirklich gut weghören.

Was ich bei „Sterne, die im Sommer tanzen“ schnell dachte, das war auf jeden Fall, dass es wie einer der Weihnachtsfilme von Hallmark nur im Sommer ist. Ich hatte sofort durch die ganze Atmosphäre ein ganz klares Bild vor Augen. Mit der ganzen Landschaft, nahe am Meer, dazu Sages eigener Bauernhof, die Kleinstadt mit den verschiedenen Läden und Restaurants und natürlich auch dann, wie eng die Einwohner miteinander sind, im Guten wie im Schlechten und natürlich auch der Wettbewerb. Da ich das in der richtigen Stimmung wirklich immer feiere, hatte das Buch echtes Glück, dass es hier mit dem Sommer, der sich gerade endlich näher anfühlt, die ideale Jahreszeit ist, um von den langen Nächten und all den damit verbundenen Gefühlen zu träumen und sich einfach wohlig warm zu fühlen.

Dennoch war ich jetzt nicht rosarot verblendet, denn es gab auch Teile, die ich mir noch etwas besser vorgestellt hätte. Aber nehmen wir erstmal nochmal die Figuren. Bei meiner Bewunderung zu Dorenkamp ist wohl schon durchgeschienen, dass ich Sage als Figur sehr mochte. Sie war auch mit so vielen Details ausgestatte und man hat gleich gemerkt, sie ist eine liebe Person. Zurecht hat sich zwar auch eine Diskussion über die Wahrnehmung des ‚netten Mädchens‘ ergeben, weil nette Menschen gerne schon mal ausgenutzt werden, aber Sage hat für mich so den idealen Mittelweg, denn sie ist ohne Frage nett, aber beispielsweise auch mit so vielen Brüdern aufzuwachsen und so jung die Eltern zu verlieren, das hat sie auch härter auf das Leben vorbereitet und dementsprechend fand ich Sage keinesfalls naiv. Sondern wirklich genau richtig. Fisher ist da der, der mehr Ecken und Kanten hat, was ich nicht schlecht fand, aber ich fand seine Geschichte weniger intuitiv ausgearbeitet. Burnout hin und her, aber es fühlte sich für mich nicht genug greifbar an. Auch im Nachgang, wenn alle Karten offen auf dem Tisch liegen, fehlte mir da der völlige emotionale Zugang.

Was auch etwas schade war, dass das Fake-Dating sich so schnell auflöste. Das habe ich jetzt auch schon öfters beobachtet, ein Buch arbeitet mit dem Motto, aber es wird nur als kleiner Zwischenschritt genutzt und dann schon wieder vorbei. Dabei hat Fake-Dating ganz viele Reize, die so natürlich nicht völlig ausgespielt werden. Andererseits muss ich auch sagen, dass Sage und Fisher als Paar schnell ein Miteinander finden, was auch sehr gut funktioniert. Sich da das halbe Buch einzureden, es sei nur eine Zweckgemeinschaft, das hätte irgendwann nicht mehr gepasst. Mir hat im Miteinander speziell gefallen, wie Fisher für Sage eingestanden ist, indem er auch gegenüber den anderen im Ort klar gemacht hat, was sie für tolle Eigenschaften hat und sie wiederum hat ihn mit ihrer Art, ihrem Garten und dem ganzen Obst und Gemüse, wieder zu seinem Kern als Koch hingeführt. Auch die Dramaebene war genau angemessen. Dass Indy auch für Fisher so eine wichtige Rolle eingeräumt hat, das war sehr nachvollziehbar angesichts der Geschichte. Dementsprechend war es auch für beide Seiten nachvollziehbar, was zwischen ihnen steht, zumal Sage ja quasi selbst eine Indy war und es so besser als jede andere verstehen konnte. Das Ende ist daher genau richtig. Aber eins hätte ich doch gerne ausführlicher gehabt: Den Wettbewerb. Da hatte ich mir echt einige spannende Szenen vorgestellt. Auch wenn es am Ende genau richtig irgendwie war, aber lieber ein paar andere Passagen was kürzer gehalten und dafür mehr Wettbewerb.

Fazit: Tarah DeWitt hat mich mit ihrem Debüt in Deutschland auf jeden Fall zu unterhalten gewusst. Ich hätte mir bei „Sterne, die im Sommer tanzen“ zwar ein paar Aspekte gerne etwas anders ausgemalt, aber es war das perfekte Kleinstadt-Feeling, es passt genau in die Stimmung der Jahreszeit und die beiden als Paar haben tatsächlich ein paar Sterne zum Tanzen gebracht.

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Veröffentlicht am 21.06.2024

Ein typischer zweiter Band mit Tücken und Highlights

Coldhart - Deep & Shallow
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Ich habe wirklich einen großen Gefallen an Lena Kiefer und ihren spannenden Trilogien rund um ein Liebespaar inmitten eines Verbrechens gefunden. Aber natürlich ist auch zu sagen, drei Bücher sind jeweils ...

Ich habe wirklich einen großen Gefallen an Lena Kiefer und ihren spannenden Trilogien rund um ein Liebespaar inmitten eines Verbrechens gefunden. Aber natürlich ist auch zu sagen, drei Bücher sind jeweils eine Hausnummer, da muss man wirklich auch so viel zu erzählen haben. Kiefer hat das mit der „Westwell“-Reihe, wie ich finde, gut hinbekommen, aber der Mittelband ist immer ein wenig der, der über alles entscheidet. Wie also nun bei „Coldhart“?

Für mich ist es ein typischer Zwischenband geworden. Es ist immer noch gut wegzulesen, aber das Geschehen setzt sich im Gegensatz zu Band 1 natürlich mehr. Die Impulse sind nicht mehr so neu und wenn dann die beiden Hauptfiguren auch viel auseinandergehalten werden, dann wird es immer holpriger. Dass Eli und Felicity in Band 1 so gut miteinander funktioniert haben, war natürlich das große Geschenk, denn das ist für so eine Erzählung sooo wichtig. Dementsprechend war es an einigen Stellen schon etwas anstrengend, weil sie soweit auseinandergehalten werden, ehe es sich dann doch langsam ändert und die Interaktionen wieder mehr werden und letztlich auch so innig, dass wieder die Stimmung aus Band 1 da ist. Diese Durstrecke wird natürlich immer wieder durch sehr spannende Momente abgefangen. Das muss ich auch wieder sagen: Das Timing stimmt. Es gibt nicht den großen Höhepunkt, nein, Kiefer baut immer wieder kleine Highlights ein, so dass das Lesen auch echt schnell geht.

Dennoch muss ich auch sagen, dass ich mich an gewissen logischen Aspekten etwas gestört habe. Ich meine damit nicht die Momente, in denen sehr deutlich wurde, dass Eli, aber tendenziell mehr Felicity, völlig aus dem Bauch heraus agiert haben. Da erwarte ich keinen Verstand, weil sonst wäre es keine Bauchentscheidung. Aber es gab Entwicklungen, die nach einem Plan klangen und aber gar nicht so recht zusammenpassen wollten, vor allem wenn man bedenkt, wie oft Eli betont, dass er niemanden in Gefahr bringen will. Sei es Alec zum Flughafen oder generell, dass Themen wie Handyüberwachung etc. nie ein Thema sind. Das bringt schon an manchen Stellen etwas raus. Aber ich lese natürlich auch nicht in der Hauptsache einen Thriller, das ist mir auch klar. Insgesamt gibt es dennoch gewisse Punkte, wenn sie so stark auffallen, dann sind sie auch nicht ideal.

Was mir als Weiterentwicklung aber gut gefallen hat, das ist die Tatsache, dass Elis Schale immer mehr aufbricht. Das war mir wirklich sehr wichtig. Auch wenn ich es mochte, dass es so einen Sprung von dem jungen Elijah zu dem älteren Eli gab, so war immer klar, der Junge von damals steckt noch in ihm drin und ihn jetzt wieder zu erleben, das war echt emotional. Gerade die Beziehung zu Jess war immer so besonders und sie war im ersten Band echt seltsam, wenn man die Vorgeschichte kennt. Umgekehrt hat aber auch Felicity ganz neue Baustellen. Ich finde es an ihr gut dargestellt, dass sie sich schwer damit tut, ihren Platz zwischen den Welten zu finden. Ich bin für die als Figur tatsächlich auch mehr gespannt, wie es in Band 3 ausgeht. Eli hat seinen Weg eigentlich schon gefunden, muss aber den Ballast noch loswerden, aber Felicity hat sich selbst eigentlich noch gar nicht gefunden. Ich war auch überrascht, wie hier in Band 2 ganz schnell alles zu Grant auf den Tisch kam. Im ersten Band fand ich es etwas seltsam, dass so offensiv damit umgegangen wurde, wer Felicitys Vater in Elis Leben ist, aber da es nun ein offenes Geheimnis ist, wurde schon ein gewaltiger Schritt gemacht, der auf der Handlungs- und Figurenebene viel Input beschert.

Fazit: Der zweite Band zu „Coldhart“ hat ein bisschen mit logischen Fehlern und der räumlichen Trennung des Liebespaares zu kämpfen, aber mit dem nun offenen Geheimnis ist inhaltlich schon viel Boden gut gemacht worden und die Figuren entwickeln sich konsequent weiter. Ich bin schon sehr gespannt auf Band 3!

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Veröffentlicht am 18.06.2024

Besticht mit sehr individuellen Persönlichkeiten

Two Wrongs make a Right
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Chloe Liese hat in den USA tatsächlich schon einige Bücher veröffentlicht, aber ihre Reihe rund um die Wilmot-Sisters ist nun tatsächlich die erste, die auch für den deutschen Buchmarkt übersetzt wurde. ...

Chloe Liese hat in den USA tatsächlich schon einige Bücher veröffentlicht, aber ihre Reihe rund um die Wilmot-Sisters ist nun tatsächlich die erste, die auch für den deutschen Buchmarkt übersetzt wurde. Fake-Dating hat mich als Thema dabei sicherlich am meisten angesprochen, aber auch das Cover selbst, weil es das Paar gemeinsam in den Fokus stellt und dabei mit Tattoos und Brille auch auf besondere Merkmale setzt, die mir gleich aufgefallen sind.

Ich habe „Two Wrongs Make a Right“ als Hörbuch konsumiert. Dabei war sicherlich nicht das Argument, dass die beiden Sprecher Christiane Marx und Oliver Kube auch im echten Leben ein Paar sind, auch wenn von Argon zurecht dafür geworben wurde. Aber ich habe inzwischen immer mehr Hörbücher zwischen und weiß das ganz eigene Erlebnis dabei auch immer mehr zu schätzen. Grundsätzlich kann ich auch sofort wieder sagen, dass mir beide Stimmen sehr gut gefallen haben. Bei Kube will ich auch erwähnen, dass er als Hörbuchsprecher sich nicht künstlich abmüht, eine Frauenstimme nachzumachen. Es gibt da ein paar Sprecher, da muss ich mir dann erst einfühlen, um das besser wegfiltern zu können, aber das ist hier überhaupt kein Problem. Kube liest das wirklich sehr respektvoll und ich bin mit beiden Stimmen gut durch die Geschichte geglitten.

Gleich am Anfang des Romans erfolgt eine kurze Erklärung zu neurodivergenten Menschen und dass sich Autorin Chloe Liese um eine authentische Darstellung bemüht hat. Das fand ich gleich sehr interessant, denn ich finde es speziell bei Liebesromanen, New Adult etc. immer spannender, wenn eine Thematik dabei ist, die man nicht schon tausend Mal gelesen hat, sondern neuer Input, ganz einfach Erweiterung des eigenen Horizonts. Deswegen war ich durchaus gespannt, muss aber sagen, dass sich relativ schnell das Gefühl eingestellt hat, dass ich von Bea und Jamie da jeweils mit ihren Eigenarten nicht viel angeboten bekommen habe. Das erste Viertel nehme ich nochmal raus, weil gerade bei der Einführung der beiden Figuren natürlich damit gearbeitet wurde, worin ihre besonderen Seiten bestehen und womit sie sich im Alltag schwerer tun. Auch die ersten Begegnungen sind davon geprägt, ebenso warum die beiden unbedingt verkuppelt werden sollen. Doch danach verliert sich das immer mehr und es gab kaum noch Stellen, in denen ich etwas anderes als eine ganz normale Liebesgeschichte wahrgenommen habe. Da hätte ich mir also tatsächlich etwas mehr gewünscht.

Ansonsten habe ich aber eine überzeugende Liebesgeschichte bekommen, weil gerade Jamie als Figur sehr, sehr liebenswert ist. Dass er Kinder als Kinderarzt sofort um den Finger wickeln kann, das war eindeutig in allen Sequenzen sofort ans Herz gehend, aber auch sonst hat er sich Bea gegenüber stets sehr respektvoll und liebevoll gegenüber verhalten. Bea ist da durchaus etwas schrulliger, aber ich fand ihre Persönlichkeit mit sehr vielen kleinen Details aufgebaut, was mich sehr gut unterhalten hat. Sie ist etwas anstrengender und sie ist auch diejenige, die das Fake Dating viel exzessiver vorantreibt, aber bei beiden Figuren wird schnell klar, dass aus Fake ganz viel Echtes entwächst. Dabei mochte ich auch das Tempo der Annäherung. Erst die große Skepsis, dann über das Handy gleich so eine ehrliche Kommunikation, fernab von allen Einflüssen, dann die Zweckgemeinschaft und über das Körperliche all die Seiten, die sich nicht mehr wegpacken lassen. Spätestens als sie sich emotional mit allen Seiten öffnen, konnte man gegen die beiden als Paar auch nichts mehr haben. Mit dem Teil zu Juliet gibt es auch noch einen recht schweren Teil, den ich aber angemessen fand, auch weil es bei Beas eigener Geschichte einen Bogen geschlagen hat. Generell stimmte die Zusammensetzung auch mit Handlungsentwicklung, Nebenfiguren wirklich sehr gut. Langweilig wurde mir in jedem Fall nicht.

Fazit: Chloe Liese werde ich jetzt auf jeden Fall auf dem Zettel haben. Zwar hätte ich mir zu der Neurodivergenz doch etwas mehr Input gewünscht, aber wenn ich das mal ausklammere, dann habe ich zwei sehr individuelle Figuren bekommen, die eine wirklich schöne Liebesgeschichte geschrieben bekommen habe, die ich mit allen Facetten mochte.

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Veröffentlicht am 08.05.2024

Abwechlsungreiche Hilfestellung für zuhause

Physio @Home
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„Physio @Home“ von Vanessa Lämmle wäre mir wahrscheinlich nichts in Auge gefallen, wenn ich nicht seit einem ¾-Jahr anhaltende Rückenschmerzen hätte. Was die eigene Lebenswelt nämlich nicht betrifft, dafür ...

„Physio @Home“ von Vanessa Lämmle wäre mir wahrscheinlich nichts in Auge gefallen, wenn ich nicht seit einem ¾-Jahr anhaltende Rückenschmerzen hätte. Was die eigene Lebenswelt nämlich nicht betrifft, dafür ist man oft ja leider etwas blind. Aber als ich diesen Ratgeber mit Übungsplan entdeckte, da hatte ich die mir verschriebene Physio schon absolviert und begriffen, es ist wohl dein neuer Alltag, dass du deinen Rücken mit täglichen Übungen stabil halten musst und das ist tatsächlich auch ein guter Tipp, weil ich trotz fehlender Beschwerdefreiheit keine Schmerzmittel nehmen muss.

Ich hatte zunächst mir die Übungen konkret für meinen Beschwerdebereich angeguckt und habe sie schnell in meinen Alltag integriert. Es waren natürlich auch bekannte Übungen dabei (auch weil ich bei Pilates schon mal intensiver dabei war), aber ich habe auch viele Kleinigkeiten (gerade zum Dehnen) entdeckt, die ich fix einbauen und damit meine Routine abwechslungsreicher aufbauen konnte. Erst danach habe ich dann auch mal auf die anderen Körperbereiche geblickt und damit dann zuletzt auch auf den 30-Tage-Übungsplan gestürzt. Solche Übungspläne kenne ich auch von Pilates schon und ich muss immer wieder sagen, dass es eine tolle Anleitung ist, an der man sich gut entlanghangeln kann und die auch eindeutig eine Motivation sein kann. Denn das eigene Training birgt oft auch die Gefahr, einen zu langweilen, so dass Abwechslung wirklich das A und O ist. Dementsprechend habe ich den Übungsplan durchgezogen (neben meiner täglichen Routine für den Rücken) und finde, dass es auf jeden Fall eine gute Sache ist, den ganzen Körper im Blick zu halten. Denn für einen gesunden Rücken ist beispielsweise auch nicht nur der Rücken verantwortlich.

Ansonsten finde ich das Buch auch sehr gut aufgebaut. Es hat klare Aufteilungen. Es gibt immer wieder erklärende Passagen, zum Aufbau des Körpers, Ernährungshinweise etc., die in meiner Einschätzung in einer angemessenen Sprache verfasst sind. Dann gibt es die Einteilung nach Körperpartie und dann wieder Aufteilung nach unterschiedlichen Arten von Übungen. Soforthilfen bis hin zu auf Dauer stärkende Übungen. Zu den jeweiligen Körperpartien hat man auch nochmal ausführliche Erklärungen sowie auch den berechtigten Hinweis, dass nicht alles zuhause zu erledigen ist, weil es manchmal einfach eine Grenze gibt, bei der es einen professionellen Blick durch Arzt/Physiotherapeuten braucht. Die Anleitungen für die einzelnen Übungen sind auf jeden Fall ausführlich, da kann ich nicht meckern. Ich habe aber vermehrt die Erfahrung gemacht, dass es mir leichter gelingt, eine Übung nachzumachen, wenn sie vorher visuell gesehen habe. Da wir immer digitaler werden, wäre für so ein Buch für die Zukunft vielleicht der Ratschlag, ob man nicht durch QR-Codes Videos hinterlegen könnte, wo die Übung ausgeführt wird. Natürlich gibt es unterschiedlichen Typen, wer wie etwas am besten begreift. Aber es gab auch immer schon den Hinweis, wie schnell man auch etwas falsch machen kann und vor dem Hintergrund ist die Mischung aus Sehen und Lesen wahrscheinlich noch idealer.

Dennoch konnte ich natürlich auch ohne Videos durchziehen, auch weil die Routine von anderen Übungen einen schnell lehrt, wie es wohl gemeint ist. Auch die Hinweise auf die Wiederholungen fand ich wichtig, da man so einen guten Rahmen hat. Insgesamt ist der Übungsplan auch nicht überambitioniert, so dass die Hemmschwelle niedrig ist. Es ist eine Animierung, mehr zu machen und oft ist es ja so, dass man durch Routine auch Spaß an etwas entwickelt und für sich selbst flexibler die Übungen steuert. Da greift dieses Buch genau richtig ein, weil es motiviert, mit großer Vielfalt an Übungen und einem letztlich doch die Freiheit lässt, es ganz nach den eigenen Bedürfnissen umzusetzen.

Fazit: „Physio @Home“ ist auf jeden Fall ein toller Ratgeber für Übungen, die man mit wirklich einfachen Mitteln zuhause nachmachen kann. Ich hätte mir noch eine stärkere visuelle Hilfestellung gewünscht, weil mir das persönlich noch mehr hilft, eine Übung exakt auszuführen. Aber der ganze Aufbau ist gelungen, umfangreich, abwechslungsreich und genug Freiheiten lassend, dass sich jeder hiervon angesprochen fühlen kann.

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Veröffentlicht am 02.05.2024

Das Spiel mit den Klischees

Weil ich an dich glaube – Great and Precious Things
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Rebecca Yarros bleibt in aller Munde, was angesichts des Erfolgs ihrer Empyrean-Reihe nur wenig überraschend ist. Der deutsche Buchmarkt jedenfalls nutzt das für sich aus. Nachdem Rowohlt eilig bei „The ...

Rebecca Yarros bleibt in aller Munde, was angesichts des Erfolgs ihrer Empyrean-Reihe nur wenig überraschend ist. Der deutsche Buchmarkt jedenfalls nutzt das für sich aus. Nachdem Rowohlt eilig bei „The Things We Leave Unfinished“ zugeschlagen hat, hat sich dtv die Rechte an den sonstigen Liebesromanen der Autorin gesichert und los ging es da jetzt mit „Weil ich an dich glaube“, der in englischer Sprache schon 2020 geschrieben wurde. Lest hier, wie mir der zweite Liebesroman von Yarros gefallen hat.

In der Geschichte entdecke ich durchaus ein gewisses Muster zu „The Things We Leave Unfinished“. Auch wenn wir diesmal nicht zwei verschiedene Zeitebenen haben, aber thematisch habe ich doch einige Parallelen entdeckt und dabei geht es vor allem ums Militär, um zerrüttete Eltern-Beziehungen und Erbschaftsthemen. Dennoch waren die Geschichten jetzt keinesfalls eine Kopie voneinander. Das Geschehen spielt hier in Colorado und Cam kehrt in seine Heimat zurück, obwohl er sich geschworen hat, dass das nie mehr passieren wird. Auf ihn wartet auch keine angenehme Heimkehr. Ich fand es zunächst etwas irritierend, eine solche Diskrepanz zwischen dem zu erleben, was er mir als Figur gleich vermittelt hat, und was offenbar sein Ruf ist. Das war durchaus herausfordernd, weil ich nicht richtig nachvollziehen konnte, warum sich so viele Figuren auf Cam eingeschossen hatten. Nach und nach kommen dann Erklärungen hinzu und dennoch habe ich bis quasi zum Ende das Gefühl gehabt, dass Cam ein völliger verkannter Charakter ist, der einmal einen Ruf weg hatte und bei dem dann alle borniert sich nicht mehr von etwas anderem überzeugen lassen wollten. Ich jedenfalls fand Cam durchweg gut, denn egal, was er nach seiner Rückkehr nach Alba angefasst hat, es war alles mit Herz und Leidenschaft und sowas hat mich leicht überzeugt.

Willow ist aber ebenfalls eine sympathische Figur, auch weil ich ihre Geschichte gut nachvollziehen konnte. Gebunden an die Heimat, aber nicht durch Zwang, sondern mit Herz, aber dennoch gegen viele Vorurteile ankämpfend. Deswegen haben sie und Cam auch so gut zusammengepasst. Nicht nur, dass anschaulich aufgezeigt wird, dass die beiden sich schon als Kinder unwiderruflich ineinander verliebt haben, sondern auch die gemeinsame Geschichte, ähnliche Erfahrungen und die Überzeugung, dass sie nur einander brauchen, um gegen alles stark angehen zu können. All das hat für mich auf jeden Fall eine gute Liebesgeschichte ausgemacht. Ich hätte sie mir vielleicht manches Mal etwas leidenschaftlicher vorgestellt, aber es wurde auch erklärt, warum sich Cam so lange erwehrt hat. Aber die beiden für sich waren wirklich sehr gut zusammen.

Etwas anders sehe ich die Nebenschauplätze drum herum. Das Buch hat sich oft vor der Herausforderung gesehen, brutal zu übertreiben und dabei die Authentizität aus den Augen zu verlieren und dann manchmal zum Glück doch noch die Kurve zu kriegen. Da kann ich auch nochmal Cam und Willow nennen, weil ich zwischendurch bang daran dachte, was ihnen jetzt wohl noch den Keil raustreibt, aber die beiden haben als Paar wirklich schnell gelernt, Stürme zu umschiffen. Das war positiv, anderes aber war durchaus etwas anstrengend. Dazu gehören manche Figuren an sich, wie Alexander oder Willows Vater, dazu gehören aber auch gewisse Handlungsbögen, wie Cam, der in eine Prügelei gedrängt wird, damit er wieder das Bild erfüllt, was andere von ihm brauchen, oder auch Teile des Gerichtsprozesses. Es war wirklich oft nah dran am Augenrollen, aber es kam immer noch mal ein Schwenk, nach dem ich das schnell vergessen hatte. Ich fand auch, dass es zum Ende hin sehr überraschende Enthüllungen auch noch gab, die aber dann ein rundes Bild ergaben.

Fazit: „Weil ich an dich glaube“ ist auf jeden Fall eine gute Liebesgeschichte, die ich bedenkenlos empfehlen kann, auch weil sie zwei gute Protagonisten an der Spitze hat, mit denen man leicht mitfühlen kann. Dennoch hat Yarros auch eine Art, nah an den Klischees zu schreiben. Mal genau rein, mal geschickt dran vorbei. Das macht die Lektüre aufregend, manchmal aber auch enervierend. Langweilig wird es jedenfalls nicht.

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