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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2018

Ein kriminologisches Highlight

Die Morde von Pye Hall
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In seinem aktuellen Buch hat Anthony Horowitz zwei Krimis geschickt ineinander verwoben. Die Lektorin Susan Ryeland erhält das neue Manuskript des langjährigen Autoren Alan Conway. Das Manuskript beschreibt ...

In seinem aktuellen Buch hat Anthony Horowitz zwei Krimis geschickt ineinander verwoben. Die Lektorin Susan Ryeland erhält das neue Manuskript des langjährigen Autoren Alan Conway. Das Manuskript beschreibt zwei Morde in dem Herrenhaus Pye Hall und die Ermittlungen des Atticus Pünd. Der Krimi ist so anders als die Vorgänger aus der Reihe. Susan wird selbst zur Ermittlerin als Conway und mit ihm das letzte Kapitel seines Krimis verschwunden bleiben.

Die Geschichte beginnt spannend mit einer Warnung der Lektorin. Auf der zweiten Ebene beginnt dann der Krimi des Alan Conway mit den Schilderungen der Morde. Geschickt werden nach und nach die verschiedenen Motive und Lebenswirklichkeiten der Dorfbewohner dargelegt. Die schnellen Wechsel zwischen den Figuren, die alle aus ihrer Sicht erzählen, halten die Spannung aufrecht und lassen ein umfassendes Bild der Situation aufkommen. Gleichzeitig ist es zu Anfang der Geschichte dadurch schwer den Überblick über Personen und Geschehnisse zu behalten. Die ersten 50 Seiten wirken hölzern.

Das Durchhaltevermögen der Lesenden wird dann mit einer lebendigen, berührende und intelligenten Geschichte belohnt, die in ihrer Vielschichtigkeit besonders ist.

Die einzelnen Kapitel lassen sich mit den kurzen Sätzen und der klaren Sprache gut lesen. Auch nach Ende des Buches bleiben einzelne besondere Sprachbilder in Erinnerung. Die Lesenden werden gut mitgenommen und finden sich als nahe Beobachter in Saxby-on-Avon wieder. Dabei sind, anders als in anderen Krimis, die Dorfgemeinschaft und damit auch die vermeintlichen Täter präsenter als der Ermittler Pünd selbst. Dadurch baut sich eine Sympathie auf, die ein Verurteilen verhindert.

Die Dorfbewohner werden umfassend und einfühlsam beschrieben: die Motive und Merkmale der Einzelnen und die Dorfgemeinschaft in ihrer Dynamik. Erstaunlich sind die tiefgründigen Einblicke in die Seelen der Menschen und die spürbaren Emotionen. Vor dieser spannenden Kulisse kommt dann auch eine unheilvolle Stimmung auf. Die Entwicklungen sind immer wieder überraschend, jedoch durchgehend nachvollziehbar und logisch.

Ein Krimi mit psychologischer Tiefe zum Mitfiebern und Staunen. Für die Lesenden eine Reise in das stimmungsvolle englische Dorf Saxby-on-Avon, Ende des 20. Jahrhunderts. Dieses Buch ist ein Highlight.

Veröffentlicht am 19.12.2025

Lehrreich

Freier Kopf statt Mental Load
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In diesem Ratgeber geht es um den Mental Load von Frauen, insbesondere Müttern.

Dass das Buch auf Mütter ausgerichtet ist hat mich sehr angesprochen. Die Autorinnen schaffen es durch Einfühlung Verbindung ...

In diesem Ratgeber geht es um den Mental Load von Frauen, insbesondere Müttern.

Dass das Buch auf Mütter ausgerichtet ist hat mich sehr angesprochen. Die Autorinnen schaffen es durch Einfühlung Verbindung herzustellen. Lesende, die nicht der Zielgruppe angehören könnten sich durch die vielen Übungen und Beispiele zu Sorgearbeit, Partnerschaft und Familie weniger angesprochen fühlen. Für mich kam das Buch allerdings genau richtig.
Die vielen Beispiele und Übungen machen das Thema anschaulich. Ich habe Vieles für mich mitnehmen können, was sich auch auf andere Lebensbereiche, z.B. Arbeit übertragen lässt. Manche Methoden, wie zum Beispiel das Eisenhower-Prinzip waren mir schon bekannt und so konnte ich mein Wissen auffrischen. Das Thema ist sehr umfassend und rund aufgearbeitet worden. Dadurch sollte für Alle was dabei sein.
Teilweise habe ich nachträglich nach Übungen gesucht und sie nicht gefunden. Eine Übersicht bzw. deutlichere Hervorhebung von Tipps wäre schön.
Alles zum Mental Load von Müttern, einfühlsam und lehrreich.

Veröffentlicht am 24.06.2024

Spannende Fortsetzung

Mord stand nicht im Drehbuch
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Wie in den Vorgängerbänden fällt Daniel Hawthorne wieder durch seine exzentrische Art auf, mit der er nicht nur Anthony Horrowitz auflaufen lässt. Diesmal ist Horrowitz, der aus der Ich-Perspektive erzählt, ...

Wie in den Vorgängerbänden fällt Daniel Hawthorne wieder durch seine exzentrische Art auf, mit der er nicht nur Anthony Horrowitz auflaufen lässt. Diesmal ist Horrowitz, der aus der Ich-Perspektive erzählt, ausgerechnet auf Hawthornes Hilfe angewiesen. Eigentlich hatte er gerade die Zusammenarbeit beendet, doch jetzt steht er unter Mordverdacht...

Spannend an diesem Teil der Krimireihe um die Beiden ist, dass Hawthorne sich vermehrt sympathisch zeigt. Das Hin und Her zwischen Ermittler und Autor ist wieder unterhaltsam, diesmal sogar mehr, eben weil sich die Beiden scheinbar annähern.
Die Geschichte entwickelt sich spannend und was den Mord angeht unvorhersehbar. Klar ist, dass Horrowitz entlastet werden wird. Nach vielen Ermittlungsgesprächen und -reisen zieht Hawthorne seine Schlüsse. Ich wäre darauf nie gekommen. Das macht vermutlich einen Teil der Spannung aus.
Zusätzlich sind die Charaktere interessant und erstmal schwer zu durchschauen.

Unterhaltsamer neuer Teil aus der Serie um den exzentrischen Ermittler Hawthorne.

Veröffentlicht am 12.02.2024

Eine Heldinnen-Geschichte

Mayfair House
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Mrs. King wird nach dem Tod des Hausherren Mr. de Vries auf die Straße geworfen. Als Wirtschafterin in der prunkvollsten Villa in Mayfair hatte sie die Geschicke des Hauses geleitet. Nun sinnt sie nach ...

Mrs. King wird nach dem Tod des Hausherren Mr. de Vries auf die Straße geworfen. Als Wirtschafterin in der prunkvollsten Villa in Mayfair hatte sie die Geschicke des Hauses geleitet. Nun sinnt sie nach Rache und plant einen Coup, bei dem sie nicht nur die ganze Villa leer räumen, sondern auch Recht herstellen will.

Anders als es der Untertitel des Romans vermuten lässt, ist die Geschichte alles andere als locker-leicht. Mrs. King und die anderen Frauen sind lange eher unsympathisch und vereinzelt. Es wird deutlich, dass sie das schwere Leben Anfang des 20. Jahrhunderts gezeichnet hat. Die Atmosphäre ist sehr trist, hoffnungslos und bedrohlich. So bleibt es auch durchgehend. Vielleicht ist es dadurch besonders authentisch?
Als Lesende habe ich trotzdem mit den Frauen sympathisiert und mitgefiebert. Der lange Auftakt hat jedoch dafür gesorgt, dass das Lesen eher zäh war. Erst ab der zweiten Hälfte, mit veränderter Dynamik und der zunehmenden Nähe zu den Frauen und ihren Gefühlen steigt die Spannung wieder. Es ist auch interessant, wie sich die Charaktere im Laufe der Geschichte verändern bzw. ihre wahren Beweggründe zunehmend offenliegen.
Neben den zu erwartenden Entwicklungen gibt es Entwicklungen, die die Geschichte etwas überfrachten. Ein bisschen zu viel des Guten. Andererseits unterstützen diese Geschehnisse die Botschaft des Autors, nämlich das Ausgeliefertsein von Frauen in patriarchialen Strukturen, aber vorallem auch die weibliche Kraft.
Am Ende steht die genau die Stärke der Frauen im Vordergrund, ihre Leistungen und ihre Visionen. Alles fügt sich. Es ist zwar nicht alles gut, aber nahe dran.

Dies ist eine Heldinnen-Geschichte, über Frauen ohne Rechte Anfang des 20. Jahrhunderts. Etwas langatmig, aber mit Aussagekraft.

Veröffentlicht am 09.09.2023

Midlifecrisis?

Kleine Probleme
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Nele Pollatschek schreibt sehr einfühlsam aus der Perspektive des fast 50 jährigen Lars, der Ordnung in sein Leben bringen möchte. Man sieht, was es bedeutet sich neu zu finden. Die Kinder sind aus dem ...

Nele Pollatschek schreibt sehr einfühlsam aus der Perspektive des fast 50 jährigen Lars, der Ordnung in sein Leben bringen möchte. Man sieht, was es bedeutet sich neu zu finden. Die Kinder sind aus dem Haus und die Frau auf Reisen.
Lars hadert sehr lange mit seinen Aufgaben. Es wird klar wieviel für ihn an scheinbar leichten Alltagsaufgaben und größeren Lebenswerken hängt, wie er Realität verdrängt, nachdem er alles so lange aufgeschoben hat und wie groß und unerreichbar alles geworden ist. So macht er was er gut kann: hadern, weg schauen, philosophisieren. Und als er dann anfängt zeigt sich wie viele Stolpersteine es allein durch das Aufschieben und Verdrängen gibt. Doch wie soll er mit der Enttäuschung über sich umgehen, seinem Leben, dass er mit wegschauen und verdrängen verbracht hat? Was hat das mit ihm und seinem Umfeld gemacht und wie kann er nun weitermachen? Es wird klar, dass es eine Neuorientierung braucht und auch, dass seine Frau nicht einfach nur auf Reisen ist. Er macht also eine To-Do-Liste und im Abarbeiten dieser Liste zeigt sich, wie er Abschied nimmt, Verstehen versucht und sich Neuzuorientieren versucht. Doch wie kann ihm dies gelingen, nachdem er 50 Jahre so gelebt hat?
Lars' Erzählung hat viel Tragik, dagegen nichts Komisches. Einige Stellen, besonders die sehr phantastischen kamen mir merkwürdig vor. Sein Monolog, denn von den anderen Charakteren hört man nur durch ihn, ist ausufernd. Seine Gefühle deuten sich an. Sein Ringen, Abschweifen und Ausweichen sind schwer erträglich. Seine "Kopfstimme" (die seiner Frau) trifft häufig mein Empfinden: nun mach doch mal! Doch es wird deutlich, dass er nicht so einfach kann, dass es unerreichbar ist. Fast wirkt er depressiv. Denn der Hausputz ist nicht nur Hausputz, sondern Konfrontation mit der Realität und seiner Unfähigkeit.
Bei allem Verständnis für sein Empfinden war das Lesen des Monologs eher anstrengend. Lars ist sympathisch und unsympathisch zugleich. Die Erzählung hatte einige Längen, auch wenn sie dadurch besonders realistisch ist.
Nele Pollatschek ist es gelungen mit besonders großer Aussagekraft über einen Mann in der Midlifecrisis zu schreiben.