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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2024

Ein Krimi mit Stil

Morphium
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Es ist ungewöhnlich, dass Hercule Poirots detektivische Dienste angefragt werden, wenn der Mörder schon vor Gericht steht, doch Dr. Lord ist sich so sicher, dass Eleanor unschuldig ist, dass der den Detektiv ...

Es ist ungewöhnlich, dass Hercule Poirots detektivische Dienste angefragt werden, wenn der Mörder schon vor Gericht steht, doch Dr. Lord ist sich so sicher, dass Eleanor unschuldig ist, dass der den Detektiv geradezu bekniet sich der Sache anzunehmen. Poirots Neugier ist geweckt und auch wenn er nicht garantieren kann, die Unschuld Eleanors zu beweisen, geht er dem Fall doch noch mal detailliert nach.

Mit dem Gerichtsdrama ist das Setting dieses Poirot-Krimis mal etwas ungewöhnlicher, aber nicht weniger spannend, überraschend und fesselnd. Schnell vergisst man, dass Eleanor bereits als Angeklagte vor Gericht steht und lässt sich in die geheimnisvollen Ereignisse rund um das düstere, imposante Herrenhaus, das reiche Erbe und die zwischenmenschlichen Verwicklungen reinziehen. Und wen man schon nicht mehr weiß, was man glauben soll, jeder so verdächtig wie unverdächtig ist und das Gericht kurz vor dem Urteil steht – zieht Hercule Poirot die Wahrheit aus dem Hut – und man hält mit Dr. Lord die Luft an: Ist Eleanor schuldig?

Ein toller Hercule Poirot-Roman, der beste Krimi-Unterhaltung bietet.

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Ein großartiges Winnetou-Abenteuer

Apachenland
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Nachdem Winnetou berichtet wurde, dass der Häuptling der Pinaleños Apachenland an Weiße verkauft hat, eilt er sofort hin, um den Häuptling Bikézhooz zur Rede zu stellen und weitere Verkäufe zu verhüten. ...

Nachdem Winnetou berichtet wurde, dass der Häuptling der Pinaleños Apachenland an Weiße verkauft hat, eilt er sofort hin, um den Häuptling Bikézhooz zur Rede zu stellen und weitere Verkäufe zu verhüten. Winnetou muss feststellen, dass Bikézhooz sich völlig dem Alkohol ergeben hat und zu befürchten ist, dass er für Feuerwasser alles tun würde. Während Winnetou versucht dem dubiosen Landkäufer das Handwerk zu legen, trifft Old Shatterhand auf einen Siedlertreck, der vom Dicken Jemmy und dem Langen Davy nach Prescott geleitet wird. Den Siedlern wurde Land versprochen – von einem Landverkäufer, der Winnetou nur allzu bekannt ist.

Ein tolles neues Winnetou-Abenteuer, bei dem man endlich mal nicht lange Warten muss, bis der Apachenhäuptling die Szene betritt. Von der ersten Seite an begleitet man ihn und auch wenn die Begegnung zwischen den Blutsbrüdern erst spät stattfindet, ist man doch in beiden Geschichten gut dabei. Sprachlich ebenfalls super gemacht, sodass ich dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen habe. Für jeden Karl May-Fan, eine Leseempfehlung.

Im Nachwort dreht sich diesmal alles, um die zwischen dubios und verbrecherisch schwankende Landnahme von den amerikanischen Ureinwohnern, von damals bis heute! Ein beschämendes Stück Geschichte und eine nicht zu tolerierende Gegenwart.

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Veröffentlicht am 23.06.2024

Unverhofft kommt oft

Ein blitzsauberer Mord
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Es sollte die Erfüllung ihres großen Traumes werden: Endlich kann Tilly ihrem Dreckskerl von Chef in Köln den Rücken kehren und sich im zauberhaft klingenden Städtchen Untertannbach selbständig machen. ...

Es sollte die Erfüllung ihres großen Traumes werden: Endlich kann Tilly ihrem Dreckskerl von Chef in Köln den Rücken kehren und sich im zauberhaft klingenden Städtchen Untertannbach selbständig machen. Als ihre eigene Chefin, mit motivierten Angestellten und einem bereits bestehenden Kundenstamm. Die Realität sieht weit weniger romantisch aus: Die etablierte Firma entpuppt sich als heruntergekommene Bude inklusive Schwarzarbeitsbüchlein, die motivierten Mitarbeiter sind nicht so ganz freiwillig dabei und das hessische Dörfchen beobachtet sie als Hinzugezogene mehr misstrauisch als wohlwollend. Da hilft es ihr auch nicht, als sie schon am ersten Arbeitstag eine Leiche findet. Dass dies nur der Anfang einer außergewöhnlich turbulenten Zeit ist, ahnt Tilly nicht.

Ein Cosy-Crime vom Feinsten. Ich brauchte ein Weilchen, um mit Tilly selbst warm zu werden, aber die anderen Charaktere haben mein Herz sofort erobert. Man hat sie alle sofort vor Augen: vom frechen Abiturienten Leon, der das Herz auf dem rechten Fleck hat bis zur ältlichen Sekretärin Gerdy, die alle mit Kuchen und Informationen rund ums Dorf versorgt. Der putzige Bassetwelpe Muffin ist der ungeschlagene Held der Geschichte und wirbelt die Geschichte noch einmal ordentlich durcheinander. Wer den Autor kennt, weiß, dass man jederzeit mit einem großartigen Plot-Twist rechnen muss. Dem Genre angemessen fallen sie hier etwas beschaulicher aus ohne dabei ihren Witz und Überraschungseffekt zu verlieren. So ist auch diese Krimigeschichte spannend, lustig und ein einziger Lesegenuss.

4 ½ Sterne für einen wunderbaren Cosy-Crime-Roman, dessen Fortsetzung ich nicht erwarten kann.

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Veröffentlicht am 17.05.2024

Jagd auf Androiden

Blade Runner
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Auf einer von einem Atomkrieg verwüsteten Welt ist Rick Deckard ein Androidenjäger im Polizeidienst. Mit Empathietests versuchen die Menschen abtrünnige Androiden, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen, ...

Auf einer von einem Atomkrieg verwüsteten Welt ist Rick Deckard ein Androidenjäger im Polizeidienst. Mit Empathietests versuchen die Menschen abtrünnige Androiden, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen, zu beseitigen – ein Job, den Rick nie in Frage gestellt hat. Mit den exorbitanten Bezahlungen können er und seine Frau sich die Statussymbole, lebendige Tiere, leisten, die gleichzeitig der Beweis für Menschlichkeit sind. Doch von Androiden-Generation zu Androiden-Generation wird es schwieriger die Andys zu identifizieren und schließlich stellt Rick nicht nur seine eigene Existenz in Frage.

Ein Science Fiction-Klassiker, der so vielschichtig ist, dass eine Lektüre und eine Analyse nicht reichen werden. Was macht den Menschen zum Menschen, wenn Empathietests kaum noch Aussagekraft haben, Stimmungsorgeln die Gefühle manipulieren und eine wahnsinnige Fernsehreligion die restlichen Fragen für sich beansprucht? Was ist dann noch Wahrheit, was das Ziel?

Absolut genial, tiefsinnig und obwohl es eine Dystopie ist nicht deprimierend, sondern eher philosophisch und nachdenklich machend. Bitter schneidet einem die Rolle der Tiere ins Herz. Echte und künstliche, kaum noch voneinander zu unterscheiden und doch so wichtig, um sich seiner selbst zu vergewissern. Dass echte Tiere dabei so gut wie ausgestorben sind, ist ein weiteres nicht zu unterschätzendes Motiv, das vielerlei Interpretation zulässt. Ein Buch, das einem auf viele Ebenen etwas gibt: von guter Unterhaltung bis zu einer Menge Stoff zum Nachdenken. So viel mehr als Science Fiction.

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Veröffentlicht am 23.03.2024

Eines meiner Lieblingsbücher

Eleanor H. Porter, Pollyanna
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Als ihr Vater stirbt, bleibt dem kleinen Mädchen Pollyanna nur noch ihre strenge Tante Polly – die Pollyannas Vater nie vergeben hat, dass er ihre Schwester ehelichte. Doch Polly ist ein Mensch, der seine ...

Als ihr Vater stirbt, bleibt dem kleinen Mädchen Pollyanna nur noch ihre strenge Tante Polly – die Pollyannas Vater nie vergeben hat, dass er ihre Schwester ehelichte. Doch Polly ist ein Mensch, der seine Pflicht kennt. Eine kleine, kahle Kammer in ihrem großen Haus und das Dienstmädchen Nancy würden für das Kind genügen. Doch Pollyanna überrascht sie alle! Einst lehrte ihr Vater sie das „Frohe Spiel“ und damit kann sie nichts erschüttern – in jeder Situation findet das lebhafte Mädchen etwas, das sie glücklich macht. Nichts, aber auch gar nichts, kann ihre Lebensfreude trüben. Bald verändert sich die ganze Stadt – und auch Tante Polly kann sich der Magie nicht entziehen.

Das Buch ist so warmherzig, so positiv und wunderschön, dass ich jedes Mal wieder Tränen in den Augen habe und es nicht aus der Hand legen kann. Gleichgültig wie oft ich es lese, jedes Mal verändert es mich aufs Neue. Immer wieder erfahre ich durch die Lektüre viel Glück. Eine zeitlose Geschichte, die einem in jedem Alter etwas zu sagen hat und das beste Antidepressivum ist, das ich mir vorstellen kann. Dieses Buch macht mir immer bewusst, dass so gut wie jede Lebenssituation zwei Seiten hat und man sich oft dafür entscheiden kann, sich auf die bessere zu konzentrieren.

Anaconda legt dieses Buch legt dieses traumhafte Buch endlich zum ersten Mal ungekürzt in einer deutschen Übersetzung vor. Endlich konnte ich auch das bisher stets fehlende Kapitel genießen. Warum es stets ausgelassen wurde, kann ich mir kaum erklären. Mag es an sich mit der Hauptgeschichte auf den ersten Blick auch nicht viel zu tun haben, so stellt es doch eine Verbindung zu Pollyannas Vater her. Außerdem ist es inhaltlich für jeden Leser ein Gewinn.
Schade bleibt, dass bei Pollyanna viel zwischen den Zeilen erzählt wird. Die teils fast als Einzelgeschichten konzipierten Kapitel lassen der Phantasie des Lesers sehr viel Spielraum. Das stört beim Lesefluss erstmal herzlich wenig, doch wenn es in Schlussphase geht wird dem Leser fast schmerzhaft vor Augen geführt, was alles nicht erzählt wurde. Das bleibt schade, ändert aber nichts an der gewaltigen positiven Kraft, die dieses Buch ausstrahlt.

Mit dem Stil der neuen Übersetzung von Jan Strümpel wurde ich allerdings nicht richtig warm. Sie war mir zu steif. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass ich die Übersetzung von Freya Stephan-Kühn gewohnt bin.

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