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Veröffentlicht am 23.07.2024

Das Recht auf das eigene Leid

Mein drittes Leben
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Die Tochter verunglückt tödlich. Linda fällt in ein tiefes Loch und mietet sich auf einem kleinen Bauernhof ein, um mit sich und ihrer neuen Situation zurechtzukommen.
Wie kann sie diesen Schicksalsschlag ...

Die Tochter verunglückt tödlich. Linda fällt in ein tiefes Loch und mietet sich auf einem kleinen Bauernhof ein, um mit sich und ihrer neuen Situation zurechtzukommen.
Wie kann sie diesen Schicksalsschlag bewältigen?
Sie lässt ihr Leben Revue passieren. Sie hatte ein intakte Familie, eine Tochter, einen liebenden Ehemann, ein schönes Zuhause, war erfolgreich.
Das alte Leben wird aufgerollt und beleuchtet, nicht bewertet. Ihr Verhältnis zur Mutter, zur Tochter, zum Ehemann. Wer sind sie und wer waren sie, wie sind sie verzahnt? Auch ihre Tochter Sonja, die Verunglückte, erscheint bei näherer Betrachtung doch diffiziler als Linda dachte.
Das Nichtbewerten und dem Leser eine Meinung bilden lassen, ist die Kunstfertigkeit von Daniela Krien.
Alle ihre menschlichen Verknüpfungen werden deutlich dargestellt. Jetzt hat Linda sich gänzlich zurückgezogen und fällt und fällt – und sie verändert sich. Doch nicht nur sie als Teil eines ehemaligen Gefüges, auch die damaligen Mitstreiter reagieren auf sie und ziehen ihre Konsequenzen. Linda beobachtet und lässt geschehen.
„Eine gläserne Wand steht zwischen ihr und ihrem alten Leben... und ich werde sie nicht zerbrechen“. Linda lässt durch ihre Bedürfnislosigkeit geschehen, weiß um die Konsequenzen, weiß, dass auch die Geduld ihres Ehemannes begrenzt sein wird.
Der Roman überrascht mit unerwarteten Wendungen, fließt, trotz der traurigen Grundstimmung Lindas dennoch lebendig und sensibel, sucht sich neue Herausforderungen und bietet einiges zum Nachdenken an und macht den Roman zu etwas Besonderem. Sätze wie „Menschen ermüden vom Leid anderer Menschen. Sie verlieren die Lust, Rücksicht zu nehmen, wollen wieder selbst klagen dürfen.“ regen zum Nachdenken an.
Die Situation des Ostens wird dem des Westens Deutschlands gegenübergestellt und betrachtet.
Der Roman zeigt unverhoffte Wendungen auf, nicht das Übliche, sondern so wie das Leben an sich ist, und formt sich sehr individuell. Der Roman ist nie langweilig oder depressiv, immer möchte man wissen wie es weitergeht. Mir hat gefallen, dass Protagonisten und Schauplätze, die in den vorigen Romanen von Daniela Krien auftauchten, auch hier Platz hatten, wie z.B. Brida Lichtblau.
Deutlich gezeichnete stimmige Charaktere, sensibler, fließend schöner Schreibstil, ungewöhnliches Thema, kluge Beobachtungen auf die DDR - Zeit. Der Roman hat mich sehr berührt – große Empfehlung! Ich bin ein Fan von Daniela Krien seit Der Brand und Die Liebe im Ernstfall.

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Veröffentlicht am 12.07.2024

Ein beeindruckendes Nachschlagewerk!

Das große Buch der Infografiken
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Erstaunliche Erkenntnisse, erdgeschichtlicher, menschlicher, tierischer Entwicklungen und Entdeckungen werden in diesem Lexikon vorgestellt und vermittelt.
Infografiken sind weit mehr als Sachbuchillustrationen, ...

Erstaunliche Erkenntnisse, erdgeschichtlicher, menschlicher, tierischer Entwicklungen und Entdeckungen werden in diesem Lexikon vorgestellt und vermittelt.
Infografiken sind weit mehr als Sachbuchillustrationen, sie klären kurz und informativ auf, komplexe Zusammenhänge werden bildlich erklärt.
Bilder prägen unsere Wahrnehmung, Infografiken geben Informationen anhand von Bildern. In diesem Lexikon des Ravensburger Verlags werden diese sehr hochwertig und sehr zeitgemäß dargestellt.

Das große kompakte Buch über 325 Seiten wirkt wie ein Unikat und unglaublich vielversprechend. Die sehr schönen Illustrationen auf dem Cover sind schon sehr einladend und auffordernd, in diesen Wissensspaß einzutauchen,denn Spaß bringt das große Buch allemal für die ganze Familie. Erstaunliche Erkenntnisse werden mit sehr schönen Infografiken dargestellt, mit Zeitachsen, mit Erläuterungen. Visuell großartig und ansprechend dargebracht. Man staunt über die teils ungewöhnlichen Informationen, wie z.B. wieviele Kilometer können Pusteblumensamen fliegen? Wann sind Musikinstrumente erfunden worden, wieviel Nasenschleim produziert unser Körper oder wie schlau ist die KI?
Eine Schnitzeljagd rundet jeden Abschnitt ab und prägt das Wissen ein
Hinten gibt es ein ausführliches Stichwortverzeichnis und einen Abschnitt über Worterklärungen.
Wer noch mehr wissen möchte: „Lust auf mehr“ gibt weiterführende Informationen. Auch diese lassen, das, was man bisher wusste, in neuem Licht erscheinen. Dieses Lexikon ist laut Verlag für das Alter von 8-10 gedacht, ist aber auch für Erwachsene oder eben Eltern, die sich das Buch mit ihren Kindern ansehen, eine große Freude. Mich persönlich hat es an meine Kindheit erinnert und die Faszination von bildnerisch geprägten Büchern, die bis heute nicht nachgelassen hat.
Nicht nur visuell ein Schätzchen sondern auch beeindruckend das Wissen, das schon den Schulanfängern so prägnant und anregend vermittelt wird! Ein Erlebnis! Empfehlenswert für wissbegierige Kinder und Erwachsene, denn auch diese lernen dazu.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Bildgewaltig und fesselnd!

Vor einem großen Walde
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Bürgerkrieg in Georgien, Irakli flieht mit seinen Söhnen Saba und Sandro nach London, die Mutter, aufgrund mangelndes Geldes für Pässe und Flucht, bleibt zurück. Irakli versucht jahrelang sie nach London ...

Bürgerkrieg in Georgien, Irakli flieht mit seinen Söhnen Saba und Sandro nach London, die Mutter, aufgrund mangelndes Geldes für Pässe und Flucht, bleibt zurück. Irakli versucht jahrelang sie nach London zu holen, doch es scheitert, die Mutter stirbt. Irakli kehrt später nach Georgien zurück und verschwindet und ist auf der Flucht. Die besorgten Söhne sind folgen seiner Spur. Eine abenteuerliche Reise beginnt. Brotkrume für Brotkrume wird entschlüsselt, die Suche führt durch das ganze Land Georgien.

Saba, der Protagonist, erinnert sich an das damalige Georgien und wird mit dem heutigen konfrontiert, Stimmen von erinnerten Verwandten begleiten ihn, spornen ihn an, flüstern ihm zu. Ein farbiges Bild Georgiens entsteht. Georgien nach dem Bürgerkrieg mit eigenen Regeln und Gefahren. 1991 hat sich Georgien von der Sowjetunion losgesagt, die Wirtschaft ist zusammengebrochen, es herrscht große Armut. Leo Vardiashvili lässt eine Geschichte entstehen, die einen ungebrochenen Überlebenskampf, Hoffnung und große menschliche Begegnungen verspricht. Eine Odyssee auf der Suche nach dem Vater mit schönen, schrecklichen, aufwühlenden und überraschenden Momenten, man lebt als Leser intensiv mit und erleidet mit die Armut, Korruption, Verrat, aber auch Liebe, Zuversicht und Vertrauen. Der Roman nimmt Fahrt auf; die vielen geschichtlichen Einblicke runden das Bild ab. Für mich war der Höhepunkt in der Mitte des Romans und von da an ging es rasant weiter, bleibt durchgängig spannend. Der Roman ist sehr dicht und sehr überzeugend geschrieben. Zuerst fiel es mir nicht leicht, mich mit Sprache und Kultur anzufreunden, doch der erwirkte Eindruck der Bilder ist sehr gelungen, fast nicht zu glauben, fast märchenhaft! So ist auch die Anlehnung des Buchtitels „Vor einem großen Walde“ an Hänsel und Gretel von den Gebrüdern Grimm (nicht nur in Bezug auf das entscheidende Schlussszenario) passend.
Aus Sicht einer unverdauten Kindheit, und auch mit den sensiblen Empfindungen eines Kindes, das eine zurückgelassene Heimat sucht und Trümmer und Wahrheiten findet. Zum Schluss ist die Heldenreise ganz anders als erwartet.
Märchen erzählen wundersame Begebenheiten. So auch hier: Der Held ist Saba, der sich mit guten und bösen Begegnungen auseinandersetzt bis die letzte Stimme verstummt.
Saba suchte seinen Ursprung, seine Heimat und trotz aller Widrigkeiten und Widersprüchlichkeiten innen und außen ist ihm dies auf dieser Reise wohl zu einem entscheidenden Teil gelungen.
Mit viel Humor und überraschenden Wendungen und Einblicken bekommt man hier beste Unterhaltung zum Mitfiebern und Mitleiden.

Leo Varashvili ist in Tbilissi aufgewachsen und immigrierte mit 12 Jahren nach England, wo er in London Literatur studierte.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Ein überraschender und umfangreicher Ratgeber, der weit über ein Pilzbestimmungsbuch hinausgeht

Mushroom Fever
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Moritz Schmid beschreibt seine Liebe zum Wald und den Pilzen, er vermittelt seine „Formel zum Glück“ und ergänzt diese durch seine Fotos und Flatlays der Pilze.
Das Buch überbringt interessante Erkenntnisse ...

Moritz Schmid beschreibt seine Liebe zum Wald und den Pilzen, er vermittelt seine „Formel zum Glück“ und ergänzt diese durch seine Fotos und Flatlays der Pilze.
Das Buch überbringt interessante Erkenntnisse über Pilze, welchen Einfluss sie auf die Evolution hatten und auf den heutigen biologischen Zusammenhalt haben. Denn über Jahrmillionen haben sich Pilze weiterentwickelt und angepasst. „Bei der Entstehung des Lebens auf der Erde verwandelten Pilze Steine zu Erde – Es gibt 10 x so viele Pilze wie Pflanzen. Pilze sind die heimlichen Herrscher der Welt“. Erkenntnisse über ein Thema, über das ich nie nachgedacht hatte und das mir viel Stoff zum Nachdenken und Anregung gegeben hat. So sagt er: „Wir alle sind in ein Netzwerk des Lebens eingebettet“ und „Es wird Zeit, die Verbindung zur Natur wieder herzustellen“

Es werden die unterschiedlichen Arten und Herangehensweisen und Aufgaben von Pilzen im großen Zusammenhang vorgestellt und konkret für den Sammler 20 ausgewählte Pilze mit viel Wissenswertem auch mit Verwechslungsgefahr.

Moritz Schmid fesselt durch seine sympathischen und klugen Ausführungen sofort.
Viel Lebensphilosophie bekommt man im Eintauchen in diese Entdeckungsreise des Pilzesuchens und -findens. Auch erfährt man von Moritz Schmids persönlichen Erlebnissen beim Sammeln.

Das Buch geht weit über ein normales Pilzbestimmungsbuch hinaus, soll auch kein vollständiges Bestimmungsbuch sein, regt aber vollends an, sich selber auf den Weg zu machen, um eigene Erfahrungen mit sich, dem Wald und dessen Entdeckungen zu machen.

So unscheinbar wie das Cover, für mich persönlich kein Hingucker, erst auf den zweiten Blick, genau so entdeckt man die Pilze, genau hinspüren, sich eins fühlen mit dem Wald, entschleunigen und sich überraschen lassen von den Entdeckungen – die nicht unbedingt immer das sind, was gesucht wurde. Für mich viele überraschende Erkenntnisse über das, was bedeutsam für den natürlichen biologischen Zusammenhalt ist. Seine Liebe zu den Pilzen hat Moritz Schmid mit diesem Buch voll vermitteln können. Für mich ist dieser Ratgeber ein Highlight des Jahres!

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Aufschlussreich und wichtig!

Die kurze Stunde der Frauen
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Miriam Gebhardt schreibt dieses Sachbuch von Anfang an spannend und interessant. Wenn es nicht so dicht mit Informationen zum Verdauen und Reflektieren gewesen wäre, hätte ich es in einem Zug durchgelesen. ...

Miriam Gebhardt schreibt dieses Sachbuch von Anfang an spannend und interessant. Wenn es nicht so dicht mit Informationen zum Verdauen und Reflektieren gewesen wäre, hätte ich es in einem Zug durchgelesen. Sie schreibt gekonnt, selber ist sie Journalistin und Historikerin, eine perfekte Kombination, da diese ausführliche Recherche und Zusammenfassung sehr gut aufgebaut und verständlich dargestellt ist
Anhand von schriftlichen Dokumenten und Tagebucheinträgen von Frauen, die ab 1900 geboren wurden erarbeitet sich M. Gebhardt ihr Fazit. Welche Rolle bekamen die Frauen nach dem 2. Weltkrieg im politischen und sozialen Kontext, welche Möglichkeiten sahen sie daraus und ergriffen Chancen auch im Privaten. Die Erzählungen meiner 1928 geborenen Mutter als Zeitzeugin, mit der ich auch über dieses Buch gesprochen habe, runden mein Bild zu diesen Schlussfolgerungen ab. Jetzt kann ich weitaus besser verstehen, welchen Grenzen der Frau damals gesetzt wurden, was prägend war und welche Chancen und Möglichkeiten überhaupt machbar waren. Verhaltensweisen und Vorstellungen, die mich erzogen haben, ergeben einen größeren Sinn, nämlich nicht nur einen persönlichen sondern einen mit sozialem und politischen Ursprung. Wie wurde der Alltag bewältigt, welche Möglichkeiten gab es, mit den vielfältigen hereingebrochenen Situationen und Schicksalsschlägen umzugehen? Das Leben ging weiter, die Hilfe von posttraumatischen Belastungsstörungen wurde noch nicht angeboten. Frauen, die Protagonisten in diesem Sachbuch, kämpften mit schlechter Startposition, moralisch, psychisch und körperlich vorerst um Existenzielles; schafften sie eine Selbstwirksamkeit? „ die innere Überzeugung zu haben, schwierige oder herausfordernde Situationen gut meistern zu können – und das aus eigener Kraft heraus“. Aus heutiger Sicht erscheinen die Berichte der Frauen teils erschreckend und erwecken Empörung, im damaligen Sozialsystem im Stich gelassen worden zu sein.
Das Buch stellt Vorreiterinnen, die politischen Einfluss erlangten dar, die die heutige Gleichberechtigung auch in der Verfassung maßgeblich durchgesetzt haben, aber auch Heldinnen des Alltags, die ihre Biographie in Tagebüchern aufschrieben. Auch erfährt man die Geschichte der klassischen Aufgabenverteilung von Mann und Frau, die weit vor dem 2. Weltkrieg ihren Anfang nahm und auch die Bedingungen und Möglichkeiten der Frau in der späteren DDR als Gegenüberstellung.
Alles ergibt in diesem Zusammenhang Sinn und Bedeutung und vor allem Verständnis für die Vergangenheit, die uns geprägt hat und das Bewusstsein, dass die heutigen demokratischen Rechte und Möglichkeiten, hart gegen ein Patriarchat erkämpft worden sind und noch vor nicht allzu langer Zeit keineswegs selbstverständlich waren. Miriam Gebhardt hat ein Sachbuch geschrieben, das ein wichtiges Zeitzeugnis ist, mit ihren Schwerpunkten und Schlussfolgerungen, die mich überzeugt haben und mir eine schon lange überfällige Sicht auf einen größeren Zusammenhang aufgezeigt haben. Sehr viele Aha-Erlebnisse machen das Buch durchgängig spannend. Absolute Empfehlung!

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