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Veröffentlicht am 01.09.2024

Thank you for your service

Die Frauen jenseits des Flusses
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ie Vereinigten Staaten und der Vietnamkrieg, nichts, was in der amerikanischen Belletristik sonderlich präsent wäre. Nun hat sich also die Bestsellerautorin Kristin Hannah dieses Themas in ihrem neuen ...

ie Vereinigten Staaten und der Vietnamkrieg, nichts, was in der amerikanischen Belletristik sonderlich präsent wäre. Nun hat sich also die Bestsellerautorin Kristin Hannah dieses Themas in ihrem neuen Roman „Die Frauen jenseits des Flusses“ angenommen und beschreibt die Erfahrungen der jungen „Frankie“ Grace McGrath, die sich als Freiwillige an die Front gemeldet hat, um dort als Krankenschwester zu arbeiten. Und natürlich muss sie auch den Blick auf die Zeit nach dem Einsatz richten – was durchaus legitim ist –, wissen wir doch, dass Kriegsheimkehrer in der Regel mit traumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen haben, weil sie das Gesehene und Erlebte nur schwerlich verkraften können. Was mir allerdings wesentlich wichtiger scheint ist die Frage danach, und die stellt auch Hannah, warum die USA quasi verleugnen, dass auch Frauen in diesem Krieg ihr Leben in die Waagschale geworfen haben und im Einsatz waren. An vorderster Front, aber auch dahinter. Aber dennoch keien offizielle Anerkennung, kein Dank, kein „Thank you for your service“.

Soweit alles im grünen Bereich, was mir aber zunehmend auf die Nerven ging, war die Menge an Klischees, die die Autorin hier verwurstet. Der Vater, der die Leistung seiner Tochter nicht anerkennt. Die Mutter, die offenbar nicht in der Lage ist, Liebe zu geben. Die verzweifelte Suche der Tochter nach Anerkennung. Dazu die sich wiederholenden Beschreibungen der unzumutbaren Zustände und Arbeitsbedingungen. Hallo? Das ist Krieg und kein antiseptischer OP-Raum. Und natürlich dürfen auch die Love Storys nicht fehlen, die alle nach dem Schema „Sie kam, wurde gesehen und Mann entbrannte in tiefer Liebe zu ihr“ ablaufen und natürlich nicht ohne die üblichen dramatischen Wendungen der Seifenopern, samt Wiederauferstehung, auskommen.

So bleibt am Ende ein eher schales Gefühl zurück, hat die Autorin doch die Chancen, die dieses Thema geboten hätte, nur unzureichend genutzt.

Veröffentlicht am 21.08.2024

Innenansichten

Der Ire
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Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Berlin liegt in Trümmern. Unter diesen tauchen zwei Schriftstücke auf, in deren Zentrum der Ire steht.

Frank Pike aka Finn McCool, irischer Doppelagent. Adrian ...

Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Berlin liegt in Trümmern. Unter diesen tauchen zwei Schriftstücke auf, in deren Zentrum der Ire steht.

Frank Pike aka Finn McCool, irischer Doppelagent. Adrian de Groot aka Johann Grotius, deutscher Führungsoffizier. Der Eine ein schillernder Hansdampf in allen Gassen, der Andere ein intellektueller Denker, miteinander verbunden seit der Befreiung des Einen durch den Anderen aus dem spanischen Gefängnis. Doch nichts ist umsonst, vor allem nicht die Freiheit, denn Pike muss sich verpflichten, sich in die Dienste der Nationalsozialisten zu stellen.

Zwei, die sich ähnlich sind, sich anziehen. Pike, der Mutige und süchtig nach Leben, nicht zimperlich in der Wahl seiner Mittel. De Groot, der Grübler, dessen persönliche Geheimnisse ihn seine Reputation, im schlimmsten Fall sogar das Leben kosten könnten. Immer bemüht, den Schein zu wahren, bis er sich entschließt, seinen Freund bei einer waghalsigen Aktion zu unterstützen.

Ein historischer Roman, den ich mangels Spannung nicht wirklich als Thriller bezeichnen möchte, legt der Autor doch mehr Wert auf die Beschreibung des Innenlebens der Protagonisten als auf die der äußeren Umstände. Das führt leider dazu, dass sich die Story stellenweise dann doch sehr in die Länge zieht und ich mehrmals das Buch zur Seite gelegt habe. Dazu dann noch der unzuverlässige Erzähler, ein Kniff, den ich so überhaupt nicht mag. Wer damit kein Problem hat…

Ergo, kann man lesen, muss man aber nicht.

Veröffentlicht am 10.08.2024

Ende gut, alles gut

Süße Tage, bittere Stunden
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Sommerzeit ist Schmökerzeit. Und was eignet sich dafür besser als Petra Durst-Bennings Abschlussband der Köchin-Trilogie „Süße Tage, bittere Stunden“? Bereits der Titel lässt uns ahnen, dass hier zwischen ...

Sommerzeit ist Schmökerzeit. Und was eignet sich dafür besser als Petra Durst-Bennings Abschlussband der Köchin-Trilogie „Süße Tage, bittere Stunden“? Bereits der Titel lässt uns ahnen, dass hier zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt das gesamte Gefühlsspektrum aufgefahren wird. Und natürlich warten alle Leserinnen darauf, dass Fabienne endlich ihren Sohn findet, der als Baby von ihrer eifersüchtigen Freundin Stéphanie entführt wurde. Außerdem steht auch noch die Verwirklichung ihres Lebenstraums aus. Wird sie es wohl jemals schaffen, ein eigenes Restaurant zu betreiben? Aber ja doch, denn wer die Romane dieses Genres kennt, weiß natürlich, dass der Protagonistin zwar immer Steine in den Weg gelegt werden, aber nach einigem Hin und Her sich alles zum Guten wendet.

Was ich an dieser Trilogie mochte, waren die interessanten Hintergrundinformationen aus dem Bereich der Küchenhistorie, die Petra Durst-Benning stimmig in die Handlung eingearbeitet hat. Im ersten Band der Blick auf die Mères Lyonnaises, in Teil 2 die Posten-Einteilung und Organisation der Küchenbrigaden nach Auguste Escoffier. Aber welche Neuerungen, die einen Bezug zur französischen Küche haben, würden zur Handlung des Abschlussbandes passen?

Keine Sorge, die Autorin wurde fündig, auch wenn die zeitliche Einordnung relativ frei ist, wie sie im Nachwort zugibt. Fabienne entschließt sich, ihre Rezepte niederzuschreiben und damit Frauen eine Anleitung an die Hand zu geben, mit der sie zuhause schmackhafte Gerichte zubereiten können. Um diese aber zu erreichen, muss es in Druck gehen, und das gestaltet sich schwierig, zumal ihr wieder einmal Stéphanie in die Parade fährt und den Verleger davon überzeugt, dass ihre Sammlung von Restaurantbewertungen wesentlich erfolgversprechender als ein Kochbuch sein wird. Aber dennoch wird Fabiennes Rezeptsammlung veröffentlicht und ein großer Erfolg. Die Bezüge sind deutlich, stehen doch Stéphanies Restaurantkritiken Pate für den „Guide Michelin“ (ET 1900) und Fabiennes Kochbuch für den „Larousse Gastronomique (ET 1938).

Wer eine Affinität zu Frankreichs Süden hat, sich an der vorhersehbaren Herz-Schmerz-Handlung nicht stört, an der Geschichte der französischen Küche interessiert ist und über sprachliche Schwächen schon mal großzügig hinwegsehen kann, wird mit dieser Reihe gut unterhalten. Und da es zu Beginn des Romans eine Zusammenfassung der beiden Vorgängerbände gibt, muss man diese auch nicht zwangsläufig gelesen haben. Eine nette Urlaubslektüre, nicht nur für Frankreich-Urlauber.

Veröffentlicht am 01.07.2024

Das geht besser, Herr Lindqvist

Signum
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Dass die Rechteinhaber von Stieg Larssons Millennium-Trilogie John Ajvide Lindqvist die Fortsetzung der Reihe nicht zutrauten, dürfte wohl hinreichend bekannt sein, auch dass dieser gegenüber Karin Smirnoff ...

Dass die Rechteinhaber von Stieg Larssons Millennium-Trilogie John Ajvide Lindqvist die Fortsetzung der Reihe nicht zutrauten, dürfte wohl hinreichend bekannt sein, auch dass dieser gegenüber Karin Smirnoff den Kürzeren gezogen hat. Aber offenbar war er von der Qualität seiner Ideen so sehr überzeugt, als dass er diese ad acta legen wollte. Und so wurde bei Lindqvist aus Blomkvist Julia Malmros und aus Salander Kim Ribbing.

Kurz zum Inhalt: Ribbing will sich an seinem Peiniger, dem Psychiater Martin Rudbeck, rächen. Er entführt ihn, hält ihn gefangen und traktiert ihn mit den gleichen Methoden, mit denen dieser den damals wehrlosen Jungen „behandelt“ hat. Malmros steckt in einer Sinnkrise. Ihre Romane sollen verfilmt werden, aber man wirft ihr vor, diese seien unrealistisch. Es muss also ein Thema her, das die gegenwärtigen Probleme der schwedischen Gegenwart aufzeigt, und was liegt da näher als der Rechtsruck in der Gesellschaft, weshalb sie über die Organisation der „Wahren Schweden“ recherchiert.

Der Autor kommt aus dem Horrorgenre, kann mit drastischen Beschreibungen umgehen, was sich explizit in den ausführlichen Schilderungen der Folterszenen zeigt, die einen direkten Bezug zu Lisbeth Salanders Rache an ihrem Vormund Nils Bjurman haben, aber wesentlich plumper daherkommen und auf Schockeffekte ausgelegt sind. Ich bin wahrlich nicht zimperlich, aber mir hätten hier Andeutungen genügt.

Lindqvist zeigt Schwächen. Die Charakterisierung der Protagonisten scheint seit „Refugium“ (Teil 1) abgeschlossen zu sein. Und er ist geschwätzig, hält sich nicht an die Show don’t tell-Regel. Das Vertrauen in die Leser fehlt, also plappert er erstmal drauflos, schiebt aber die entsprechenden Erklärungen meist mit geringer Verzögerung nach. Tja, und das Thema Rechtsradikalismus? Ist ausgelutscht, weil es in skandinavischen Krimis/Thrillern fast schon inflationär präsent ist.

Das geht besser, Herr Lindqvist!

Veröffentlicht am 15.05.2024

Das war's

Verraten
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Die Morde des perfiden Serienkillers aus „Natrium Chlorid“ sind aufgeklärt. Endlich Zeit zum Durchatmen für das eingespielte Ermittlerteam des Sonderdezernats Q, oder? Weit gefehlt, denn aus heiterem Himmel ...

Die Morde des perfiden Serienkillers aus „Natrium Chlorid“ sind aufgeklärt. Endlich Zeit zum Durchatmen für das eingespielte Ermittlerteam des Sonderdezernats Q, oder? Weit gefehlt, denn aus heiterem Himmel wird Carl Mørck verhaftet. Grund dafür ist ein Überbleibsel aus einem weit zurückliegenden Fall, nämlich der Inhalt eines Koffers, der ihm von einen ehemaligen Kollegen (dieser ist mittlerweile einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen) zur Aufbewahrung übergeben wurde. Zu dumm nur, dass der Koffer noch immer auf Mørcks Dachboden steht, voll mit Drogen und einer beträchtlichen Menge Bargeld. Und zu allem Unglück sind die Scheine auch noch mit Mørcks Fingerabdrücken übersät. Er wird festgenommen und inhaftiert, aber seltsamerweise nicht von den anderen Insassen separiert. Und was das für das Schicksal eines Polizisten hinter Gittern bedeutet, kann man sich nur allzu gut vorstellen, zumal auch noch ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist.

Unterstützung von seinen Vorgesetzten? Fehlanzeige. Fast hat es den Anschein, als wolle man ihm etwas anhängen, seine Reputation unwiederbringlich ruinieren, ihn aus dem Weg schaffen. Nur gut, dass gegen alle Anweisungen von oben sein Team, alte Freunde und Menschen, die im Laufe der Jahre seinen Weg gekreuzt haben, fieberhaft daran arbeiten, Mørcks Unschuld zu beweisen und sein Leben zu retten.

Es ist vollbracht. Alles hat ein Ende, so auch die zehnbändige Reihe um Carl Mørck und das Sonderdezernat Q. Und das ist auch gut so, denn gerade ab dem fünften Band nahm die Qualität der behandelten Fälle doch spürbar ab. Waren diese zu Beginn noch vielschichtig und spannend komponiert, wurden sie ab diesem Zeitpunkt zunehmend banal, zäh und spannungsarm erzählt, was leider auch auf den Abschlussband „Verraten“ zutrifft. In erster Linie liegt das an den alten Fällen (plus den jeweiligen Repräsentanten), die in epischer Breite aufgewärmt werden, aber kaum etwas zum Fortgang der Handlung beitragen. Langatmige Beschreibungen der komplexen kriminellen Organisationsstrukturen und das Fehlen zufriedenstellender Auflösungen einiger Handlungsstränge verstärken leider diesen Eindruck.

Kann man lesen, wenn man die Reihe verfolgt bzw. sich durchgekämpft hat, aber als Einstieg bzw. Stand alone eignet sich dieser Band eher nicht.