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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.11.2024

Nicht mein Fall

Velvet Winter
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Bisher kannte ich Theresa Baumgärtners Bücher nicht und ich sage es lieber gleich, ich bin nicht sehr zuversichtlich, dass ich ein weiteres von ihr haben möchte. Das Thema ist ein klein wenig an den Haaren ...

Bisher kannte ich Theresa Baumgärtners Bücher nicht und ich sage es lieber gleich, ich bin nicht sehr zuversichtlich, dass ich ein weiteres von ihr haben möchte. Das Thema ist ein klein wenig an den Haaren herbeigezogen, zumindest finde ich wenig Zusammenhang zu den Gerichten. Auch kann ich zwar verstehen, dass die aktuelle Generation auf Playlists steht, finde es aber etwas dreist, zu erwarten, dass jeder bei Spotify registriert ist. Nun denn. Es gibt jede Menge Text und Fotos, die nur am Rande mit Samt und Seide zu tun haben und gar nichts mit Rezepten.

Die Rezepte sind wenig überraschend und, wie bereits erwähnt, mir erschließt sich der Zusammenhang mit dem Thema leider so gar nicht. Sehr schnell hatte ich das erste große Fragezeichen über mir schweben. Es geht um Sauerteigbrot und –brötchen, aber da steht doch glatt, dass Hobbybäcker sich den gern weitergeben, aber keine Anleitung für einen eigenen Ansatz. Klar, ich hab das in diversen Büchern stehen, aber will ich die noch rauskramen, bevor ich loslege? Nein. Hab ich Sauerteigansatz, ob selbst gemacht oder von anderen Backbegeisterten, bereits im Kühlschrank? Auch nein.

Die Rezepte folgen dem klassischen Muster mit Zutatenliste und Zubereitungsschritten. Man kann die Anweisungen gut verstehen. Die Zutaten sind nicht sonderlich exotisch, auch wenn man vermutlich nicht immer alles im Vorrat hat, was verarbeitet wird. Auf die Angaben von Nährwerten und Zeitaufwand wurde verzichtet. Ich kann damit gut leben, weiß aber, dass dies von vielen als nicht zeitgemäß angesehen wird, ebenso wie die nicht vorhandenen veganen Varianten.

Insgesamt hat es hier mehr Fotos von Großbritannien und der Autorin, als Rezepte und Fotos zu den Speisen. Es mutet nach Werbung an und für den hohen Preis dieses Buches hätte ich mir doch mehr Fokus auf Rezepte gewünscht. Und mehr Bezug zum Titel. Oder einen anderen Titel für das ganze Buch. Ich wollte keinen England-Bildband, sondern ein Buch mit winterlichen Rezepten. Auch weiß ich nicht, warum in diesem Buch Bastelanleitungen sind. Man merkt es sicher – ich bin kein Fan dieses Buches. Für mich ist es leider nur zwei Sterne wert und das will echt was heißen.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Men’s Tears

Du kennst sie
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Sophie Braam ist Barkeeperin und erlebt dabei Dinge, die sie innerlich immer mehr brodeln lassen. Eines Tages bedient sich Mark Dixon ungefragt an ihrem besten Rotwein. Und nicht nur daran. Am Ende findet ...

Sophie Braam ist Barkeeperin und erlebt dabei Dinge, die sie innerlich immer mehr brodeln lassen. Eines Tages bedient sich Mark Dixon ungefragt an ihrem besten Rotwein. Und nicht nur daran. Am Ende findet man seine Leiche in einem Müllcontainer. Nora Martin ist Polizistin und kämpft gegen Vorurteile und Rassismus. Ausgerechnet sie wird auf den Fall angesetzt. Zwei besondere Frauen umkreisen sich, finden Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Doch es sterben noch mehr Männer!

Die ersten Seiten haben mich absolut in ihren Bann gezogen und mich auf diverse Arten köstlich unterhalten, auch auf morbide Weise. So unfassbar es scheint, so irrwitzig es ist, aber Sophie hatte schnell eine Menge Sympathiepunkte gesammelt. Ihre Darstellung der Männer und wie sie die Frauen sehen, ist vielleicht ein wenig überspannt, aber auch enorm treffend. Doch dann glitt die Story leider schlagartig etwas in eine Schiene, die mir weniger gefiel. Machte die Sache mit Mark noch Punkte und ergab einen, wenn auch schrägen, Sinn, so waren Sophies Gründe bald nur noch banal und nicht mehr logisch, schon gar nicht, um auf ihrer Seite zu sein. Gleichzeitig entwickelte sich Nora nicht so, wie ich es gehofft hatte. So hatte ich etwa in der Mitte des Buches einen echten Lesehänger. Über die eine oder andere Szene musste ich auch lachen, obwohl das höchstwahrscheinlich nicht von der Autorin beabsichtigt war.

Die Figuren sind definitiv außergewöhnlich. Es lässt sich ganz schwer sagen, ob das in diesem Fall gut oder schlecht ist. Die Sprachmelodie ist auffallend, besonders, oft sehr philosophisch, doch in so geballter Form und rund um Mord und Gewalt sehr gewöhnungsbedürftig. Einige Sätze sind überragend. Dumm nur, dass sie dann gleich mehrfach recycelt werden. Das macht sie dann wieder völlig kaputt. Es ist schwer, meine Kritik so zu verfassen, dass ich nicht spoilere. Mich stört an Sophies Verhalten, dass es nicht erkennbar ist, wann sie von der Angst, erwischt zu werden, zu dem Punkt kommt, unbedingt erwischt werden zu wollen. Bei Nora bin ich mir nicht wirklich klar geworden, ob oder wie sehr sie Dan liebt, oder ob es eher eine Zwecklösung ist, nicht allein sein zu müssen. Murph dagegen mochte ich sehr, auch wenn Nora ihn in ein Licht rückt, das nicht sehr vorteilhaft ist. Der Ansatz mit den Frauen ging leider irgendwann unter. Diese Geister hätten mehr Stimme bekommen sollen, das hätte das Buch gerettet.

Möglich, dass ich etwas nicht verstanden habe, aber ich staune nach wie vor, wohin die Story abgedriftet ist. Der Plot fing wirklich super vielversprechend an. Es war abzusehen, dass Sophie in keine Norm passt und morden wird, doch wie weit das dann geht, wer zu ihren Opfern wird, welche Motivation sie hat, was sie tut und nicht tut, das passt für mich nicht zum Anfang und macht aus dem Plot eine Story, die mir nicht gefallen hat. Es bleiben leider nur zwei Sterne.

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Veröffentlicht am 10.07.2024

Völlig anders als erwartet

Agatha Christie
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Dass mich hier keine echte Biographie erwartet, sondern ein Roman, der an die Biographie der Agatha Christie angelehnt ist, wusste ich. Dennoch hat mich das eine oder andere im Text dann doch irritiert, ...

Dass mich hier keine echte Biographie erwartet, sondern ein Roman, der an die Biographie der Agatha Christie angelehnt ist, wusste ich. Dennoch hat mich das eine oder andere im Text dann doch irritiert, da es stark von dem abweicht, was ich von Agatha Christie weiß. Das wurde noch zusätzlich verstärkt durch die mir nicht ganz einleuchtenden Zeitsprünge im Roman. Auch wenn ich irgendwann die immer mal wieder auftauchenden Längen nervig fand, war ich doch erstaunt, dass quasi mittendrin das Ende kam. Christie lebte bis 1976, die Story endet jedoch 1928, also eigentlich genau da, wo es endlich interessant und für sie persönlich schön wird.

Ich weiß nicht, wie es jemandem geht, der ganz ohne Vorkenntnisse an diese Story geht. Für mich ist sie jedenfalls sehr enttäuschend und unbefriedigend. Christies Jugend und die entsprechenden Gedanken bzw. auch Nicht-Gedanken nehmen mir zu viel Raum ein. Die Schriftstellerin kommt zu kurz. Auch wenn ich es unterhaltsam finde, wie sie mit Poirot und Jane Marple diskutiert, wie sie auf ihre Namen kam und wie die Figuren quasi aus dem Nichts langsam Gestalt annehmen, reißt es das Ruder nicht herum. Ich hatte mir Christies Leben als Roman erwartet, bis weit nach 1928, keinen Roman über ihre nicht sehr glückliche Jugend und erste Ehe.

Es mag an mir und meiner Erwartung liegen, doch für mich ist dies ein Roman, den ich lieber nicht genossen hätte. Eva Becker hat das Buch sehr gut eingelesen, konnte es aber ebenfalls nicht retten. Zwei Sterne.

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Veröffentlicht am 10.07.2024

Die Schrecken des Krieges

Columbusstraße
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Die Familie Dahmen lebte in der Columbusstraße in Düsseldorf Oberkassel und darüber erzählt Tobi Dahmen in seiner Graphic Novel. Es geht um die Zeit des zweiten Weltkrieges und all der Gräuel, die in dieser ...

Die Familie Dahmen lebte in der Columbusstraße in Düsseldorf Oberkassel und darüber erzählt Tobi Dahmen in seiner Graphic Novel. Es geht um die Zeit des zweiten Weltkrieges und all der Gräuel, die in dieser Zeit geschehen sind, über die aber nicht gesprochen wurde.

Grundlage dazu sind Gespräche mit seinem Vater Karl-Leo und Briefe seiner Vorfahren. Die Rahmenhandlung stellt der Abschied von Tobias von seinem Vater dar, und zwar der endgültige. Am Ende des Lebens eines Elternteiles möchte man wohl gern dessen Geschichte geradezu festhalten. Ganz besonders dann, wenn sie mit einer solchen Zeit verknüpft ist.

Wie wir es eigentlich alle wissen, wurde alles Schlechte aus der Zeit vor und während des Krieges abgestritten, geleugnet, nicht ausgesprochen. Selbst in den Briefen, die Eberhard Dahmen seiner Familie nach Hause schickt, beschönt er die Zustände. Die Bilder zeigen die Wahrheit, die Briefe nur das, was nicht einer Zensur zum Opfer fallen würde. Man sieht allen Familienmitgliedern an, wie sie immer mehr verzweifeln und abbauen. Das ist gut gelungen dargestellt. Doch insgesamt hat mich das Buch nicht ansatzweise so erreicht, wie ich das angenommen hatte.

Die Zeitsprünge und die Sprünge von einem Ort zum anderen sind zahlreich und verwirrend. Die weit über 500 Seiten lesen sich mühsam. Das liegt leider nicht nur an der bedrückenden Zeit, den Schrecken und Unsäglichkeiten, sondern auch am Stil. Oftmals musste ich zurückblättern, da ich die Gesichter schlecht auseinanderhalten konnte.

Am Ende findet sich noch ein sehr ausführlicher Glossar, der wichtige Punkte noch einmal aufgreift und sehr gut erklärt.

Es fällt mir schwer, ein Buch, das so klar aufzeigt, wie schlimm die Zeit des Nationalsozialismus war und dass dies nie wieder kommen darf, schlecht zu bewerten. Aber ich möchte und muss ehrlich bleiben. Mich hat das Buch nicht ansatzweise so bewegt, wie die Erzählungen meiner Großeltern und anderer Zeitzeugen. Daher kann ich leider nur zwei Sterne geben.

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Veröffentlicht am 19.06.2024

Ein paar Geheimnisse zu viel

Wenn sie lügt
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Die Clique rund um Nora und Goran zerbrach, als die damaligen Teenager mit den Taten von Noras damaligem Freund konfrontiert wurden. Fast zwanzig Jahre später erhält Nora Drohbriefe und ihre Mutter bittet ...

Die Clique rund um Nora und Goran zerbrach, als die damaligen Teenager mit den Taten von Noras damaligem Freund konfrontiert wurden. Fast zwanzig Jahre später erhält Nora Drohbriefe und ihre Mutter bittet Goran, ihr zu helfen. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wer dahinter steckt und welche Motivation den Briefen zugrunde liegt. Dabei kommen immer mehr Dinge zum Vorschein, die bisher ungesagt geblieben waren.

Ich kann es wirklich kaum glauben, dass dieses Buch Linus Geschke geschrieben haben soll. Selbst die Bücher von ihm, die ich weniger toll fand, haben mehr Substanz und sind handwerklich sehr viel besser, als dieses hier. So viele Stellen, an denen ich einfach nur den Kopf schütteln konnte und die Satzbausteinbox deutlich vor Augen hatte. Auch der Gedanke an KI kam mir mehrfach. Die ganze Story wirkt einfach nur, als hätte Geschke die Idee geliefert und ein Teenager hätte daraus dann einen Thriller geschrieben. So schade, denn der Plot hätte echt für Hochspannung sorgen können.

Gleich die ersten Kapitel sind irgendwie schwülstig. Geschke empfinde ich sonst als gelöster, freier, schwungvoller. Die Story bleibt nebulös, tritt auf der Stelle. Immer wieder gibt es geheimnisvolle Anspielungen. So oft, dass der positive Aspekt ausbleibt und es nur noch nervt. Restlos alle haben dunkle Geheimnisse und es wird nur offenbart, was nicht länger verschwiegen werden kann. Das hat schnell ein Gschmäckle von Seitenfüller und hält die Spannung nicht wie erwartet und vermutlich beabsichtigt auf hohem, sondern auf absolut flachem Niveau. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Autor hier den Stil von Stephen King, der ein wahrer Meister von Cliffhangern an Kapitelenden ist, übernehmen möchte. Leider schafft er es nicht ansatzweise in dessen Qualität. Kein Wunder – bei King geht die Story immer voran, hier dreht sie sich ewig im Kreis. Das hat mich so gelangweilt, dass ich mehr als einmal kurz davor war, das Buch einfach abzubrechen.

Ab und an schiebt der Autor Kampf- oder Sexszenen ein, die jedoch sehr gekünstelt und billig sind. Die sporadisch auftauchenden Infokästen sind eine gute Idee. Dabei erfährt man viel über Kriminalität in Form von Zahlen und Erhebungen. Ein paar Szenen ließen mich gequält aufstöhnen. Kleiner Spoiler: Unterhaltung über Waffenlieferung per WhatsApp? Echt jetzt? Spoiler Ende.

Da hat es mich dann nicht gewundert, dass die Auflösung ab einem recht frühen Zeitpunkt absolut vorhersehbar war. Der Showdown ist unfassbar klischeehaft. Geschke wirft mit klassischen abgedroschenen Phrasen hier nur so um sich. Ich kann nur hoffen, dass sein nächstes Buch mindestens die Qualität von Die Verborgenen erreicht. Der Motiv-Farbschnitt ist wohl eine Modesache. Ich persönlich brauche das echt nicht, ich brauche gute, spannende Thriller. Hier und heute für dieses Fiasko leider nur zwei Sterne eines enttäuschten Fans des Autors!

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