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Veröffentlicht am 19.08.2024

Gelungener Auftakt einer neuen Schwedenkrimi-Reihe

Tode, die wir sterben
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MEINE MEINUNG
Das erfolgreiche, in Hamburg lebende Autoren-Duo Roman Vossen und Kerstin Signe Danielsson hat mit "Tode, die wir sterben" einen fesselnden Auftakt einer vielversprechenden neuen Schwedenkrimi-Reihe ...

MEINE MEINUNG
Das erfolgreiche, in Hamburg lebende Autoren-Duo Roman Vossen und Kerstin Signe Danielsson hat mit "Tode, die wir sterben" einen fesselnden Auftakt einer vielversprechenden neuen Schwedenkrimi-Reihe vorgelegt, die in Malmö spielt und ein interessantes neuen Ermittlerduo einführt.
Ihr erster gemeinsamer, ziemlich verwickelter Fall entführt uns in die bedrückende Welt der Drogen- und Gangkriminalität sowie der eskalierender Bandenkriege um Macht und die Vorherrschaft im lukrativen Drogengeschäft. Die politisch hochaktuelle Handlung ist vielschichtig und psychologisch raffiniert gestaltet und wird von dem Autorenpaar Vossen und Danielsson äußerst wendungsreich und packend in Szene gesetzt.
Nach dem brutalen Mord an einem dreizehnjährigen Jungen Rashid bei einem Drive-by-Shooting im Brennpunktviertel Hermodsdal liegt der Verdacht nahe, dass es sich um brutale Revierkämpfe zwischen rivalisierenden Drogenbanden handelt. Die mediale Aufmerksamkeit setzt die Polizei von Malmö unter enormen Ermittlungsdruck. Mit der Aufklärung dieses brisanten Falls wird der frisch verwitwete Kommissar Jon Nordh sowie die strafversetzte Polizistin Svea Karhuu aus Nordschweden betraut. Beide sind noch mit ihren persönlichen Problemen beschäftigt und müssen sich erst als Ermittlerteam zusammenraufen. Die Ereignisse überschlagen sich jedoch, Widersprüche tauchen auf und wecken Zweifel an einem Bandenkrieg. Als ein weiteres Mordopfer entdeckt wird, geht die Chefermittlerin Mellander von einem rassistisch motivierten Mord durch einen skrupellosen Serientäter aus. Im Wettlauf gegen die Zeit und gegen manche Widrigkeiten gelingt es den beiden Außenseitern Nordh und Karhuu, ihre Stärken auszuspielen, ihre Ermittlungen zu diesem immer komplexer werdenden Verbrechen unter Hochdruck voranzutreiben und den wahren Hintergründen schließlich auf die Spur zu kommen.
Die Autoren haben sich eine recht verzwickte Geschichte mit schnellen Perspektiv- und Schauplatzwechseln ersonnen, die durch stetig steigernde Spannung und gute Action besticht. Gleichzeitig wird in diesem Auftaktband dem Privatleben und den Vorgeschichten seiner beiden Protagonisten ausgiebig Raum gegeben.
So liegt ein gewisser Schwerpunkt dieses Krimis auf der Einführung des neuen Ermittlerduos, das von Beginn an mit den allmählichen Enthüllungen ihrer dunklen Hintergrundgeschichten, ihrer belastenden Vergangenheit und persönlichen Probleme Interesse weckt und eine subtile Spannung erzeugt. Das Autorenduo hat mit den faszinierenden Ermittlern Nordh und Karhuu komplexe Charaktere mit vielen Ecken und Kanten angelegt, die überaus lebendig, lebensecht und facettenreich wirken, aber etwas unnahbar erscheinen.
Obwohl die beiden sehr unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit und ihren Lebensläufen sind, gelingt es ihnen, Vertrauen aufzubauen, ihre unterschiedlichen Stärken zu kombinieren und zu einem schlagkräftigen Team zusammenzuwachsen. Während Karhuu Erfahrungen aus der verdeckten Ermittlung mitbringt und gerne zu unorthodoxen Methoden neigt, kann Nordh mit seiner soliden Erfahrung und Intuition als erfahrener Kommissar punkten. Besonders gut hat mir die angespannte Dynamik und humorvollen Schlagabtausche zwischen den beiden gefallen. Man darf gespannt sein, welche Entwicklungen ihre Zusammenarbeit als neues Dreamteam und ihre Beziehung in kommenden Fortsetzungen noch nehmen wird
Auch die übrigen Nebenfiguren werden ausreichend vielschichtig, mit interessanten Lebensgeschichten und Eigenheiten gezeichnet und so geschickt zum Leben erweckt.

ZUM HÖRBUCH
Der erfahrene Hörbuch-Sprecher Thomas weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Seine angenehme und vielseitige Stimme führt uns mühelos durch den packenden Krimi. Sowohl den erzählenden Passagen als auch den lebendigen Dialogen folgt man aufmerksam. Es gelingt ihm hervorragend, die verschiedenen komplexen Charaktere zum Leben zu erwecken. Schmuckert überzeugt durch gezielte Betonung und ein der Handlung angepasstes Sprechtempo, der er bisweilen in einigen Szenen gekonnt ein Maximum an Dynamik und Dramatik herauszuholen versteht. Insgesamt ein mitreißendes Hörerlebnis!

FAZIT
Ein vielversprechender Auftakt einer neuen packenden Krimireihe mit einem interessanten Ermittlerduo, einem hochspannenden, verzwickten Fall und authentischer Hintergrundkulisse im schwedischen Malmö!

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Veröffentlicht am 21.07.2024

Ruhiger Kanaren-Krimi mit viel Lokalkolorit

Dunkle Verwicklungen auf La Palma (Calderón und Rodriguez ermitteln 1)
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MEINE MEINUNG
Mit ihrem unterhaltsamen Krimi „Dunkle Verwicklungen auf La Palma“ hat das österreichische Autoren- und ehemalige Buchhändler-Duo Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser, die unter dem spanisch ...

MEINE MEINUNG
Mit ihrem unterhaltsamen Krimi „Dunkle Verwicklungen auf La Palma“ hat das österreichische Autoren- und ehemalige Buchhändler-Duo Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser, die unter dem spanisch klingenden Pseudonym Flores & Santana schreiben, einen interessanten Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe vorgelegt, die rund um die Kanarischen Inseln angesiedelt ist. Im Mittelpunkt des ersten Krimibands stehen die beiden Hauptfiguren Buchhändlerin Naira Calderon und Journalist Ben Rodriguez, die nach einem mysteriösen Mordfall am Strand von Los Guirres beginnen, ihre eigenen Nachforschungen zum Tod des Bauunternehmer Álvaro Martínez anzustellen. Tatkräftig unterstützen sie dabei den befreundeten Kripochef Pedro Fernández bei den hoch brisanten Ermittlungen. Die Spur führt sie bald in ein Geflecht aus Immobilienspekulationen, radikalen Umweltaktivisten, verhängnisvollen Intrigen und erbitterten persönlichen Fehden.Sehr gelungen stimmt bereits das ansprechende Cover mit einem typischen Postkartenmotiv auf den eher ruhigen Regionalkrimi ein. Die Autoren gestalten die Handlung mit ihrem ansprechenden lebendigen Schreibstil und den atmosphärisch dichten Beschreibungen abwechslungsreich und unterhaltsam. Als begeisterte Fans der Kanaren verstehen es die Autoren mit ihren anschaulichen Beschreibungen der pittoresken Landschaft und beeindruckenden Schauplätzen hervorragend, viel Lokalkolorit der bekannten Urlaubsinsel und die spanische Lebensart einzufangen. Darüber hinaus werden immer wieder kleine Ausflüge in die regionale Küche mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten in die Handlung eingewoben, so dass beim Lesen des Krimis ein herrliches Urlaubsfeeling aufkommt. Viel Raum wird nicht nur detaillierten Beschreibungen von Land und Leuten sondern auch den persönlichen Belangen der Hauptfiguren eingeräumt, so dass die eigentlichen Mordermittlungen bisweilen stark in den Hintergrund rücken. Auch wenn die von den unerschrockenen Protagonisten auf eigene Faust betriebenen Nachforschungen insgesamt in eher gemächlichem Tempo voran schreiten und der Plot etwas mehr an Spannungsmomenten vertragen hätte, so macht es dennoch Spaß den beiden über die Schulter zu schauen und mitzurätseln, wer der Täter sein könnte.
Die verschiedenen Verdächtigen mit ihren möglichen Motiven sind überzeugend und facettenreich ausgearbeitet. Jeder einzelne Charakter ist lebendig beschrieben und wurde abhängig von seiner Rolle auch recht vielschichtig mit Ecken und Kanten angelegt. Nach einer Reihe unerwarteter Wendungen nimmt die Spannung schließlich deutlich an Fahrt auf und folgt gebannt den Enthüllungen. Die Auflösung des Falls kam für mich wenig überraschend, ist aber mit den aufgedeckten Hintergründen stimmig und in sich schlüssig.

Ich freue mich schon sehr darauf, Naira und Ben bei ihrem nächsten Fall auf den Kanaren zu begleiten. 

FAZIT
Insgesamt ein ruhiger, aber unterhaltsamer Krimi-Auftakt auf den Kanaren - mit sympathischen Hobby-Ermittlern, einem interessanten Fall, viel Lokalkolorit und tollem kanarischen Flair.
Ein idealer Urlaubskrimi!

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Veröffentlicht am 14.07.2024

Unterhaltsames Porträt der Queen of Crime

Agatha Christie
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MEINE MEINUNG
In ihrer neuen unterhaltsamen Romanbiografie „Agatha Christie - In der Liebe sucht sie nach Hoffnung, mit ihren Krimis erobert sie die Welt“ widmet sich die deutsche Autorin Susanne Lieder ...

MEINE MEINUNG
In ihrer neuen unterhaltsamen Romanbiografie „Agatha Christie - In der Liebe sucht sie nach Hoffnung, mit ihren Krimis erobert sie die Welt“ widmet sich die deutsche Autorin Susanne Lieder dem Leben und Schaffen der weltberühmten englischen Krimiautorin. Hierin zeichnet sie ein vielschichtiges und glaubhaftes Porträt der erfolgreichen "Queen of Crime" und gewährt uns faszinierende Einblicke nicht nur in die frühen Etappen ihrer schriftstellerischen Karriere sondern auch in ihr bewegtes Privatleben.
„Agatha Christie“ fügt sich somit in die lose, im Aufbau Verlag erscheinende Romanreihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe" ein, die sich speziell an alle Fans von bekannten historischen Frauenfiguren richtet.
Basierend auf vielfältigem Quellenmaterial hat die Autorin viele aufschlussreiche Informationen zum spannenden Lebensweg dieser bemerkenswerten Frau zusammengetragen. Geschickt hat Lieder viele biografische Fakten mit fiktionalen Elementen und literarischen Ausschmückungen zu einer unterhaltsamen Handlung verwoben und ein lebendiges Bild von Agatha Christies Persönlichkeit und der damaligen Epoche gezeichnet. Wie die Autorin in ihrem ergänzenden und sehr lesenswerten Nachwort anmerkt, hat sie allerdings bedauerlicher Weise gleich zwei bedeutsame und hinlänglich bekannte Episoden aus Christies Biografie nicht in ihren Roman eingearbeitet.
Dank des mitreißenden und abwechslungsreichen Schreibstils der Autorin lässt sich die Romanbiografie sehr angenehmen lesen.
Sehr eindrucksvoll und kenntnisreich portraitiert die Autorin die verschiedenen Lebensphasen in den Jahren von 1908 bis 1928 und lässt uns Anteil nehmen an Christies schriftstellerischer Entwicklung von ihrer jugendlichen Passion, den ersten ernsthaften Versuchen in der Literaturwelt Fuß zu fassen, den Misserfolgen bis hin zur erfolgreichen Krimiautorin.
Zu Beginn erhalten wir faszinierende Einblicke in ihre recht behütete Jugendzeit, ihre Internatszeit und ursprünglichen Ambitionen Pianistin zu werden, ihre Rolle als bemühte, aber enttäuschte Ehefrau und liebevolle Mutter sowie ihre Reisen in ferne Länder.
Mit viel Feingefühl lässt die Autorin uns auch an Christies Gedanken- und Gefühlswelt teilhaben wie ihrer Suche nach Liebe und Geborgenheit aber auch ihren inneren Konflikten und unterdrückten Emotionen. Gekonnt beleuchtet die Autorin Christies komplexe Persönlichkeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln und zeigt uns auch ihre weniger bekannte Seiten auf.
Fesselnd ist es vor allem mitzuerleben, auf welche Weise persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Umstände Christies schriftstellerische Tätigkeit beeinflussten, als Inspiration dienten und ihr Werk geprägt haben. So widmet Lieder sich auch den faszinierenden Hintergründen der Entstehungsgeschichte von Christies berühmten Ermittlerfiguren Hercule Poirot und Miss Jane Marple, die als treue Begleiter in ihrem Leben lebendig wurden.
Susanne Lieder versteht es hervorragend, Christies Leben und Werk in den historischen Kontext einzubetten, in dem sie bedeutsame historische Ereignisse und auch die vielen alltäglichen Details aus jener Zeit lebendig einfängt. Authentisch und facettenreich zu vermittelt sie uns die damalige Zeit und Stimmung in der britischen Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts sowie die sich wandelnde Rolle der Frau, so dass man sich gut in Christies Lebensalltag hineinversetzen kann. Anschaulich beleuchtet sie die gesellschaftlichen Normen und Erwartungen der spätviktorianischen Ära, in der Christie groß wurde und ihr Lebensbild nachhaltig prägte. Einen harten Einschnitt in ihre eher privilegierte Kindheit und Jugend markierte der Tod ihres Vaters, der deutliche Auswirkungen auf den sozialen Status hatte und die Familie vor finanzielle Schwierigkeiten stellte. Zudem geht die Autorin in weiteren interessanten Episoden nicht nur auf Christies Erlebnisse während des Ersten Weltkriegs ein, als sie sich zur Krankenschwester ausbilden ließ und später als Apothekenhelferin in einem Kriegslazarett arbeitete, sondern gewährt uns auch Einblicke in die harte Kriegszeit und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Fesselnd sind die detailreichen Beschreibungen von Christies Reisen in die britischen Kolonien und Einblicke in die Kolonialzeit zu lesen, die sie nachhaltig inspiriert und vielfach in ihre Werke Eingang gefunden haben.
Allerdings hat mich das abrupte und vage Ende des Romans im Jahr 1928 etwas überrascht und enttäuscht, denn gerne hätte ich auch noch mehr über ihr späteres Leben und Wirken in den weiteren beinahe fünfzig Jahren erfahren.
Der Autorin ist insgesamt aber eine sehr überzeugende und nuancierte Darstellung von einem bedeutsamen Ausschnitt aus Christies Lebensweg gelungen, in dem wir viel über ihre beeindruckende Persönlichkeit erfahren konnten.
FAZIT
Eine unterhaltsame und kenntnisreich verfasste Romanbiografie über eine der einflussreichsten Krimiautorinnen des 20. Jahrhunderts Agatha Christie, die allerdings nicht ihr gesamtes Leben abgedeckt – mit interessanten Einblicken in ihre faszinierende Persönlichkeit, persönliche Entwicklung und die Entstehung ihrer berühmten Werke und Charaktere.
Nicht nur für Christie-Fans sehr lesenswert!

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Veröffentlicht am 07.07.2024

Berührender Roman

Der Wind kennt meinen Namen
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In dem neuesten Roman „Der Wind kennt meinen Namen“ beleuchtet die chilenisch-US-amerikanische Erfolgsautorin Isabel Allende in einer bewegenden, kunstvoll verwobenen historischen Saga die ...

MEINE MEINUNG

In dem neuesten Roman „Der Wind kennt meinen Namen“ beleuchtet die chilenisch-US-amerikanische Erfolgsautorin Isabel Allende in einer bewegenden, kunstvoll verwobenen historischen Saga die vielfältigen menschlichen Schicksale, die durch Verfolgung, Gewalt, Vertreibung und den Verlust der elterlichen Geborgenheit verursacht wurden. Im Mittelpunkt ihres auf verschiedenen Zeitebenen angelegten Romans stehen die beklemmenden Lebenswege von jungen Menschen, die in ihrer Heimat zu verschiedenen Zeiten der Geschichte und auf unterschiedlichen Kontinenten Opfer politischer Willkür wurden. Traumatisiert und entwurzelt sind sie alle auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben in Geborgenheit und Sicherheit. Im ersten Handlungsstrang lernen wir im Wien von 1938 den 5-jährigen jüdischen Violinvirtuosen Samuel Adler und seine Familie kennen. Aufgrund der zunehmenden antisemitischen Repressionen der Nationalsozialisten und der Deportation seines Vaters wird er von seiner verzweifelten Mutter allein im Zuge eines Kindertransports nach England in die vermeintliche Sicherheit geschickt. Seine Eltern wird er niemals wiedersehen. Ein weiterer Handlungsstrang dreht sich um die junge Leticia, die 1981 das grausame Massaker von El Mozote in El Salvador durch Zufall mit ihrem Vater überlebt hat, bei dem die Armee während des Bürgerkriegs rund 900 Menschen ermordete. Gemeinsam mit ihm flüchtet sie in die den Vereinigten Staaten und versucht sich dort ein Leben aufzubauen. In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir schließlich die kleine siebenjährige, sehbehinderte Anita kennen, die 2019 mit ihrer Mutter aus El Salvador vor einem gewaltsamen Mann flieht und in eine bessere Zukunft aufbricht. An der Grenze von den amerikanischen Behörden von ihrer Mutter getrennt muss Anita nun mutterseelenallein in einem Heim zurecht kommen – ein Schicksal, das sie mit zahlloser Migrantenfamilien teilt.

Sehr eindringlich schildert Allende die Ängste und vielfältigen schweren Traumata, welche die Kinder durch politische Unterdrückung, gewaltsame Trennung von ihren Bezugspersonen und dem Verlust ihrer Heimat durchleben und ihr weiteres Leben nachhaltig prägen. Ob nun durch die allgegenwärtigen Repressalien der Nationalsozialisten, rechtsgerichteten Todesschwadronen, Drogenkartelle oder sexuelle Belästigungen – sie alle flüchten in der Hoffnung auf ein sichereres Leben und nicht aus finanziellen Anreizen. Geschickt verknüpft Allende die persönlichen Erlebnisse ihrer Protagonisten mit den historischen und politischen Geschehnissen, und scheut sich auch nicht Fehlentwicklungen in der US-amerikanischen Außenpolitik anzuprangern.

Kunstvoll verwebt Allende die mitreißend erzählten, viele Jahrzehnte auseinander liegenden Handlungsstränge allmählich miteinander, lässt die verschiedenen Lebenswege ihrer Charaktere sich kreuzen und erzählt uns schließlich ihre gemeinsame, höchst bewegende Geschichte in der Gegenwart, die uns zum Ausklang des Romans durchaus hoffnungsvoll stimmt.

Allende ist es gut gelungen, die verschiedenen Protagonisten mit ihren facettenreichen Persönlichkeiten einzufangen und mit ihren psychischen Defiziten sowie ihrer Verzweiflung und Hoffnung auf ein besseres Leben glaubwürdig darzustellen. Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird vor allem mit das erschütternde Schicksal der kleinen Anita bleiben, die sich in ihren Seelenqualen in eine Fantasiewelt flüchtet. Teilweise hätte ich mir bei einigen Charakteren allerdings etwas mehr Tiefgründigkeit gewünscht.

FAZIT
Ein bewegender und fesselnder Roman über die fatalen Auswirkungen politischer Unterdrückung auf die Schwächsten der Gesellschaft!
Nicht ihr bestes, aber ein bedeutsames und lesenswertes Werk der Autorin, das sehr nachdenklich stimmt!

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Veröffentlicht am 07.07.2024

Ein schicksalhafter Sommer

Der Sommer, in dem alles begann
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MEINE MEINUNG
In ihrem atmosphärischen und berührenden Roman „Der Sommer, in dem alles begann” erzählt die französische Autorin Claire Léost eine geheimnisvolle und bewegende Geschichte über Verluste, ...

MEINE MEINUNG
In ihrem atmosphärischen und berührenden Roman „Der Sommer, in dem alles begann” erzählt die französische Autorin Claire Léost eine geheimnisvolle und bewegende Geschichte über Verluste, dunkle Schatten der Vergangenheit und Neuanfang sowie die Suche nach Liebe, Freiheit und Heimat. Der Roman führt uns in ein kleines abgelegenes Dorf Bois d'En Haut im Herzen des herben Finistère, fernab der touristischen Regionen der Bretagne, wo die drei höchst unterschiedlichen Frauen- die exzentrische Französischlehrerin Marguerite aus Paris, die junge Schülerin Hélène und die verbitterte Witwe und Dorfladenbesitzerin Odette - auf schicksalhafte Weise aufeinandertreffen, die gesellschaftliche Ordnung im Dorf allmählich aus den Fugen gerät und die tragischen Geschehnisse schließlich ihren Lauf nehmen. Angesiedelt ist die Handlung auf drei verschiedenen Zeitebenen, die von den 1940ern über die frühen 1990er bis ins Jahr 2015 reichen.
Im Mittelpunkt der Haupthandlung steht die bewegende Coming-of-Age Geschichte der 16-jährigen Teenagerin Hélène, die sich nichts sehnlicher wünscht als ihrem vorgezeichneten Lebensweg als künftige Lehrerin und Yannicks Ehefrau in der Bretagne zu entgehen und in die spannende weite Welt zu entfliehen. Mit der Heimkehr der Protagonistin Hélène in ihre bretonische Heimat nach 20 Jahren ist der Autorin ein packender Einstieg gelungenen, denn gebannt fragt man sich nach den Gründen für ihr Verschwinden nach dem tragischen vom tragischen Tod ihres Vaters und von Marguerite in jenem Sommer.
Durch geschickte Zeitsprünge versteht es die Autorin, die von Beginn an schwelende subtile Spannung immer weiter anzuziehen, denn erst am Ende des Romans erfahren wir die erschütternden Hintergründe und die ganze Tragweite der damaligen Geschehnisse.
Geschickt verwebt die Autorin zudem Hélènes Geschichte der Gegenwart mit dem Handlungsstrang der Vergangenheit, in dem sie sehr eindrücklich über das traurige Schicksal und wichtige Details aus dem Leben der bretonischen Waise Odette im Paris von 1944 erzählt. Sehr überraschen konnte mich die Autorin zum Ende mit einer völlig unerwarteten und etwas konstruiert wirkenden Wendung.
Der sprachlich sehr ansprechende Erzählstil der Autorin ist prägnant und leider bisweilen eher distanziert. Léost gelingt es mit ihren atmosphärisch dichten Beschreibungen hervorragend, uns in den herben Charme der Bretagne eintauchen zu lassen und eine eindringliche, oftmals mystisch-unheilvolle Atmosphäre heraufzubeschwören. Auch das facettenreiche Bild des vermeintlich beschaulichen und friedlichen Dorflebens zwischen Traditionen, Klatsch, Sonntagsmesse, nationalistischen Strömungen und keltischer Folklore ist sehr authentisch und lebendig eingefangen.
Léost zeichnet facettenreiche und weitgehend glaubwürdige Charaktere, die von ihren starken Familiengeschichten und bretonischen Herkunft geprägt sind.
Die charakterliche Entwicklung von Hélène hat Léost sehr einfühlsam und behutsam ausgearbeitet, so dass ich ihre vielfältigen Gefühle und Beweggründe gut nachvollziehen konnte. Besonders die emotionalen Passagen um Hélènes Vater und die Auseinandersetzung mit seinem frühen Tod sorgten für äußerst berührende Momente. Bei den beiden anderen Frauenfiguren hätte ich mir jedoch etwas mehr Nuancen und Tiefgang gewünscht, um mich besser in sie hinein versetzen zu können. Ihre Handlungen blieben für mich leider oft im Dunkeln und wenig plausibel.
FAZIT
Ein fesselnder Roman über drei miteinander verwobene Frauenschicksale - mit interessanten Charakteren und schönem Bretagne-Flair!

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