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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2024

Fesselnd bis zur letzten Seite

Nur der See war Zeuge
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Nachdem der vorherige Kriminalfall (See ohne Wiederkehr) höchst komplex war und Max Madlener bis aufs Äußerste gefordert hat, damit er seine Kollegin Harriet Holby vom Verdacht eine Mehrfachmörderin zu ...

Nachdem der vorherige Kriminalfall (See ohne Wiederkehr) höchst komplex war und Max Madlener bis aufs Äußerste gefordert hat, damit er seine Kollegin Harriet Holby vom Verdacht eine Mehrfachmörderin zu sein, reinwaschen konnte, scheint der Alltag im Polizeipräsidium Friedrichshafen beinahe wieder normal zu laufen, aber nur beinahe.

Harriet ist nach wie vor von den Ereignissen traumatisiert und dann betritt Miriam Mosacher die Dienststelle. 1,85 m groß (ohne die Stöckelschuhe), in feinem Zwirn und einem Auftreten, als hätte sie schon zwanzig Jahre Polizeidienst auf ihren Schultern und käme nicht frisch von der Polizeihochschule. Während Madlener ein wenig zurückhaltend wirkt, springt Kollege Götze sofort auf die neue Mitarbeiterin an. Gemeinsam, so denkt er, werden sie den nächsten Fall im Handumdrehen lösen und seine längst überfällige Beförderung wäre ihm sicher.

Meistens kommt es anders als man denkt. Denn gleich zwei Fälle brechen über das Polizeipräsidium Friedrichshafen herein. Ein tote Frau auf einer Müllhalde und das schriftliche Geständnis eines jüngst Verstorbenen, dass er vor 33 Jahren gemeinsam mit einem Freund ein Kind entführt hätte, das in seinem Versteckt erstickt ist. Den Namen des Freundes nennt er nicht.

Während sich Götze und Mosacher versuchen den Mord an der jungen Frau aufzuklären, graben Madlehner und Holtby in den Akten rund um das entführte Kind. Noch wissen sie nicht, was ihnen dieser Cold Case abverlangen wird und Kommissar Madlener seinem Spitznamen „Mad Max“ wieder alle Ehre machen wird.

Meine Meinung:

In diesem Krimi zieht Autor Walter Christian Kärger wieder alle Register. Die oft mühevollen Kleinarbeit bei der Aufarbeitung alter, ungelöster Fälle ist oft frustrierend. Wenn es dann, so wie hier, einen neuen Ermittlungsansatz gibt, wird mit neuem Elan und Volldampf versucht, spät aber doch den Täter auszuforschen und der Familie des Opfers wenn schon nicht unbedingt Gerechtigkeit, zumindest Gewissheit zu verschaffen.

Ich konnte den Krimi nicht aus der Hand legen und habe ihn in einer Nacht gelesen. Wir bewegen uns auf zwei Zeitebenen und staunen, mit welcher Kaltblütigkeit zwei junge Männer ein Kind entführen, es sterben lassen und einen Unschuldigen ins Gefängnis bringen. Ein perfektes Verbrechen - das wollten sie Gott und der Welt beweisen - ist möglich.

Auch der andere Kriminalfall rund um die Tote auf der Müllhalde legt Abgründe mancher Menschen offen, die auch davor nicht zurückschrecken, einen Polizisten in ein Verlies zu sperren.

Wie es gelingt, beide Verbrechen aufzuklären, müsst ihr selbst lesen.

Die Charaktere sind wie immer ausgezeichnet dargestellt. Der Schreibstil gefällt mir auch im achten Fall, fliegen doch Wortspielereien wie Tennisbälle zwischen Max und Harriet hin und her und entlocken mir ein Schmunzeln.

Diese Krimi-Reihe zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch sieben Fällen ihren Schwung nicht verliert. Bei Walter Christian Kärger schafft es, den Spannungsbogen nicht nur innerhalb des aktuellen Falles sondern auch in der gesamten Reihe sehr hoch zu halten. . Ja mit jedem überführten Verbrecher, mit jedem gelösten Kriminalfall scheint das Duo Madlener/Holtby besser aufeinander eingespielt zu sein.

Fazit:

Diesem für mich persönlich besten Krimi rund um „Mad“ Max Madlener und Harriet Holtby gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Allerdings rate ich dazu, die Reihe beim ersten Band „Das Flüstern der Fische“ zu beginnen.

Veröffentlicht am 24.07.2024

Ernste Themen einfühlsam vermittelt

Als Anders in mein Leben rollte
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Just an dem Tag als Ronja erfährt, dass sich ihre Eltern trennen wollen, kommt Anders in ihre Klasse und die Klassenlehrerin schiebt ihn neben Ronja. Ja, schiebt, denn Anders braucht auf Grund einer Erkrankung ...

Just an dem Tag als Ronja erfährt, dass sich ihre Eltern trennen wollen, kommt Anders in ihre Klasse und die Klassenlehrerin schiebt ihn neben Ronja. Ja, schiebt, denn Anders braucht auf Grund einer Erkrankung einen Rollstuhl. Ganz in ihre eigenen Probleme verstrickt, nimmt sie Anders‘ Rollstuhl nicht recht wahr und macht kein Gewese um seine Beeinträchtigung. Als die persönliche Situation von Ronja eskaliert, ist Anders zur Stelle und es entwickelt sich eine tolle Freundschaft.

Das Buch hat mir deswegen sehr gut gefallen, weil es Inklusion so nebenbei einfließen lässt. Eigentlich sind ja Ronja und ihre zerfallende Familie die Hauptthemen hier.

Schmunzeln musste ich ein wenig über Ronjas Mutter, die Übergenaue, die im Laufe der Zeit mehrmals mit der Polizei in Konflikt gerät. Überhaupt entpuppen sich die Eltern als Menschen, die hohe Ansprüche, vor allem an andere, stellen, denen sie aber letztlich selbst nicht genügen.

Sehr interessant zu lesen ist, wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene mit Anders umgehen. Die einen bemühen sich recht um ihn, andere übertreiben ihre Fürsorge ihm gegenüber und wieder andere trauen ihm nichts zu. Doch Ronja begegnet ihm ziemlich unbefangen, weil sie mit sich selbst zu tun hat.

Die Geschichte ist aus Ronjas Sicht geschrieben, die natürlich von ihren Eltern, die sich nicht an die von ihnen selbst aufgestellten Regeln halten, enttäuscht ist. Klar muss sie den neuen Freund der Mutter und dessen Kinder ablehnen. Dabei haben die auch nicht so die richtige Freude mit dem Familienzuwachs.

Fazit:

Eine Geschichte wie direkt aus dem Leben gegriffen, sehr emphatisch und liebevoll erzählt. 5 Sterne

Veröffentlicht am 24.07.2024

Ein entzückendes Kinderbuch

Ada und die Künstliche Blödheit – Ein Roboter auf der Flucht
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Hilfe, meine Künstliche Intelligenz ist doof!

Dieses Buch ist der Auftakt zu einer neuen, urkomischen Buchreihe für Kinder ab ca. 10 Jahren von Franziska Gehm.

Mit Spannung wartet Ada auf ihre Lernfroindin, ...

Hilfe, meine Künstliche Intelligenz ist doof!

Dieses Buch ist der Auftakt zu einer neuen, urkomischen Buchreihe für Kinder ab ca. 10 Jahren von Franziska Gehm.

Mit Spannung wartet Ada auf ihre Lernfroindin, einen mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter humanoiden Roboter, der ihr zu noch besseren Noten und vor allem zur Anerkennung ihrer Klassenkameradinnen, den Alpha-Girls, verhelfen soll.

Doch die Enttäuschung ist groß, als statt der Lernfroindin, ein männlicher Lernfroind Adas Haus stürmt, der augenscheinlich aus der KI-Fabrik geflüchtet ist. Ada will ihn sofort umtauschen als sich herausstellt, dass er keine KI ist sondern eine KB - künstliche Blödheit - ist. Doch Adas Opa, der selbst ein etwas schrulliger alter Mann ist, findet ihn recht unterhaltsam. Opa füttert KB mit Sprüchen und Melodien aus den 1980er Jahren, die KB bei jeder möglichen oder vielmehr unmöglichen Gelegenheit von sich gibt. Langsam freundet sich Ada mit KB an und versucht etwas über seine Herkunft herauszufinden, zumal er von einer Frau, die er wegen ihrer eigenartigen Frisur Frau Bienenkorb nennt, gejagt wird.

Meine Meinung:

Vordergründig scheint es sich hier, um eine lustige Geschichte rund um einen humanoiden Roboter zu handeln. Doch wer ein bisschen zwischen den Zeilen liest, kann noch etwas anderes erkennen. Nämlich Adas Sehnsucht nach Anerkennung und Freundschaft. Sie glaubt beides darin zu finden, eine Lernfroindin zu besitzen. Erst mit der Hilfe des tollpatschigen Blöd Bot erkennt Ada, was wirklich wichtig im Leben ist. Da hilft es auch nicht, dass die erwartete Lernfroindin doch noch geliefert wird, aber plötzlich verschwunden ist.

Adas Eltern kümmern sich ausschließlich um Adas zweijährige Schwester und fahren mit ihr von einem Lerntraining zum nächsten, um eine supertolle, hyperintelligente Tochter zu bekommen. Dabei übersehen sie, dass sie mit Ada bereits eine wundervolle Tochter haben.

Schmunzeln musste ich, dass KB des Rasenmähroboter quasi adoptiert und versucht, ihm Kunststücke beizubringen. Die Sprüche, die KB von Opa lernt haben mich manchmal hellauf lachen lassen.

Fazit:

Diesem rasanten und irrwitzigen Reihenauftakt um eine besondere Freundschaft für Kinder ab 10 Jahren gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 20.07.2024

Wettbewerb versus Intervention?

Raus aus der Globalisierungsfalle
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Autor Nikolaus Kowall ist Wirtschaftswissenschaftler und Politiker in Wien. In diesem Buch hat er sich mit der Zukunft der Volkswirtschaft(en) beschäftigt.

In den sieben angeführten Kapiteln stellt er ...

Autor Nikolaus Kowall ist Wirtschaftswissenschaftler und Politiker in Wien. In diesem Buch hat er sich mit der Zukunft der Volkswirtschaft(en) beschäftigt.

In den sieben angeführten Kapiteln stellt er die aktuelle Situation vor, wie es dazukommen konnte und wie die Zukunft aussehen könnte

Das Zeitalter wirtschaftlicher Interventionen
Das Zeitalter der Globalisierung
Der Staat als Wirtschaftsstandort
Wettbewerb versus Intervention
Die Rückkehr der Demokratie in die Ökonomie
Baustein der Nachhaltigkeitswende
Die sozial-ökonomische Transformation Österreichs

Nikolaus Kowall zeigt auf, dass die Privatisierungswelle der schwarz-blauen Regierung unter Wolfgang Schüssel 2002 mit der Ausgliederung zahlreicher Dienststellen bzw. Infrastrukturbetrieben einen Scheineffekt bewirkt haben. Zwar sind dadurch die Maastrichtkriterien knapp, aber doch eingehalten worden, aber zahlreiche gut funktionierende staatliche Strukturen sind zu Gunsten privater Interessen zerstört worden.

Es sei notwendig, dass der Staat, so ferne er demokratische Mittel einsetzt, berechtigt, ja sogar verpflichtet ist, steuernd einzugreifen. Nicht alles wird sofort gelingen. Dazu sind die globalen Verflechtungen zu eng. Auch ein kleines Land wie Österreich kann sich hier emanzipieren. Die Verlängerung des Gasliefervertrages mit Russland lange vor dem Vertragsende wird sicher noch die Gerichte beschäftigen. Ein Schelm, der hier mögliche Korruption oder eventuellen Machtmissbrauch wittert.

Wenn aktuell der Aufschrei über die von China staatlich subventionierte Elektroautos ertönt, so sollte man sich, statt zu jammern und Strafzölle einzuheben, ansehen wie man die lokale Produktion von alternativen Treibstoffen wie Wasserstoff vorantreiben könnte und zumindest den Schwerverkehr mit Wasserstoff betriebenen Motoren auszustatten. Damit könnte man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Innovation und Produktion bliebe in Europa, die Schadstoffemmission könnte rapide gesenkt werden, neue Arbeitsplätze entstünden usw. usw..

Nicht alles kann von heute auf morgen umgesetzt werden. Doch endlich damit anzufangen statt sich in ideologischen Spitzfindigkeiten zu verstricken, wäre schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Kowalls Blick als Wissenschaftler auf einen sozial-ökologischen Umbau von Wirtschaft & Industrie hat mir sehr gut gefallen. Jetzt heißt es „nur“ noch zur Tat zu schreiten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das einige mögliche Ansätze der Globalisierungsfalle zu entkommen, aufzeigt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.07.2024

EIne gelungene Romanbiografie

Madame Mozart. An der Seite eines Genies
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An der Seite eines Genies zu leben, ob es nun Mozart, Einstein, Picasso oder John Lennon heißt, ist selten einfach. Autorin Verena Maatmann erzählt in ihrer vierten musikalische Romanbiografie abermals ...

An der Seite eines Genies zu leben, ob es nun Mozart, Einstein, Picasso oder John Lennon heißt, ist selten einfach. Autorin Verena Maatmann erzählt in ihrer vierten musikalische Romanbiografie abermals von einer Frau, in deren Leben Musik eine große Rolle spielt: Constanze Nissen, geborene Weber, verwitwete Mozart (1762-1842).

Dazu entführt uns die Autorin in das Jahr 1828. Gemeinsam mit ihrem zweiten Mann, Georg Nikolaus Nissen (1761-1826), hat sie eine Biografie ihres ersten Gemahls Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) verfasst, die nun kurz vor der Veröffentlichung steht. Während sie einer Opernprobe lauscht, lässt sie ihre Gedanken in die Vergangenheit schweifen.

Das Buch ist ähnlich wie eine Oper in Overtüre, fünf Akte, die jeweils durch ein Intermezzi unterbrochen sind, um in einem Finale zu enden, gegliedert sind. Darin erfahren wir, nicht nur welchen Konventionen und Zwängen junge Mädchen und Frauen ausgesetzt sind, welche Rolle(n) Constanzes Mutter und ihre Schwestern spielen und welche Abhängigkeiten von Landesfürsten und Mäzenen bestehen, sondern auch vom ersten Kennenlernen Mozarts, der nach dem Verblassen seines Ruhms als Wunderkind, nun ein neue Geldgeber sucht. Geld ist in der Familie Weber wenig vorhanden, doch scheinen die Verbindungen, die Vater Weber unterhält, für Vater Leopold Mozart zunächst viel versprechend erscheinen. Niemand weiß, dass die Familie Weber Zimmer in ihrer Wohnung untervermieten muss, um über die Runden zu kommen, denn das Einkommen des Vaters reicht nicht aus, die vier Töchter standesgemäß zu erziehen.

Daran wird sich auch später, als Constanze und Wolfgang Amadeus verheiratet sind, nichts ändern. Obwohl Constanze versucht, das Geld zusammenzuhalten, gibt es ihr Mann mit vollen Händen wieder aus. Sie ist während der acht Jahre dauernden Ehe sechsmal (!) schwanger, aber nur zwei Kinder überleben die Kindheit.

Als Constanze mit knapp 30 Jahren Witwe wird, steht sie mit zwei kleinen Kindern und einem Berg Schulden da. Gemeinsam mit ihrer Schwester Aloisia, einer bekannten Opernsängerin, gibt sie Benefizkonzerte und beginnt geschickt eine PR-Kampagne, die ihr und den Kindern das Überleben sichert.

Mit ihrem opulenten Schreibstil, der uns vor allem durch die penible Recherche, tauchen wir tief in das 18. Jahrhundert ein. Es ist die Zeit Maria Theresias (1717-1780), ihres Sohnes Joseph II. (1765 - 1790), Louis XV. (1710-1774) sowie den vielen kleinen deutschen Fürstentümern, die oft, wie Salzburg, von einem Erzbischof regiert werden.

Im Nachwort erfahren wir, welche Quellen Verena Maatmann für ihre Romanbiografie verwendet hat und wann es ihr notwendig und opportun erschienen ist, Lücken mit ihrer Fantasie zu füllen. So mag ich das! Ein historischer Roman, der auf Fakten basiert, aber zur leichteren Lesbarkeit bzw. zur Erhöhung von Spannung und Darstellung der einprägsamen Charaktere durch fiktive Dialoge oder zusätzliches Personal aufgewertet wird.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Romanbiografie, die das schwierige Leben an der Seite eines Genies beschreibt, gerne 5 Sterne.