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Veröffentlicht am 25.07.2024

Durchgängig spannender Psychothriller um ein bösartiges Verwirrspiel zwischen zwei Zwillingsschwestern

Unter Schwestern
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Die beiden Zwillingsschwestern Amelie und Franziska sind wegen eines Vertrauensbruchs zerstritten, als Amelie unerwartet auf ihre Schwester zugeht und sie um einen Gefallen bittet. Sie benötigt dringend ...

Die beiden Zwillingsschwestern Amelie und Franziska sind wegen eines Vertrauensbruchs zerstritten, als Amelie unerwartet auf ihre Schwester zugeht und sie um einen Gefallen bittet. Sie benötigt dringend eine Auszeit und möchte deshalb für eine Woche die Rollen tauschen, schließlich schulde ihr Franziska, die als Single ein unabhängiges Leben führt, etwas. Aus schlechtem Gewissen und da sie schon immer alles für ihre Schwester getan hat, willigt Franziska ein.
Zum vereinbarten Zeitpunkt des Rücktauschs erscheint Amelie nicht und dann wird auch noch die Leiche einer gemeinsamen Freundin gefunden. Während es so aussieht, als habe Amelie Selbstmord begangen, gerät Franziska, die immer noch in Amelies Haut steckt, unter Mordverdacht.

Der Thriller wird überwiegend aus den Perspektiven der beiden Zwillingsschwestern geschrieben, wobei Franziska bald im Mittelpunkt der Handlung steht. Daneben gibt es noch einige wenige Einblicke in zwei Nebenfiguren.


Der Verlauf der Geschichte ist durchgängig spannend, in der sich die Lage für Franziska weiter zuspitzt. Während sie vor Liebe und Solidarität für die Schwester ein wenig verblendet und naiv wirkt, ist für den Leser/in vor vornherein klar, dass Amelies Vorschlag zum Identitätstausch nicht ohne Hintergedanken sein kann. Was sich tatsächlich dahinter verbirgt, lässt sich jedoch lange nicht erahnen. Was als Kinder ein harmloses Spiel war, ist als Erwachsene bitterer Ernst.

Die Anzahl der handelnden Akteure ist überschaubar, die Handlung nicht komplex oder verwirrend. Könnte man denken, dass so ein Identitätstausch abwegig ist, werden doch alle Handlungen und Verhaltensweisen von Haupt- und Nebenfiguren schlüssig erklärt. Das Konstrukt aus Vergangenheit und Gegenwart ist dennoch ein wenig abenteuerlich und wird zu simpel nacherzählt, statt logisch ausermittelt. Wahnsinn und Bösartigkeit zeichnen den Psychothriller aus. Dass am Ende nicht unbedingt Gerechtigkeit herrscht, passt dann wiederum hervorragend.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2024

Lebhafte Geschichte, die ein ernstes Thema humorvoll verpackt und damit für Aufmerksamkeit sorgt

Ein Mann zum Vergraben
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Während des Lockdowns in einer englischen Kleinstadt tötet Sally im Affekt ihren gewalttätigen Ehemann. Nach Jahren des Martyriums verbaler und körperlicher Gewalt liegt Jim erschlagen von Großmutters ...

Während des Lockdowns in einer englischen Kleinstadt tötet Sally im Affekt ihren gewalttätigen Ehemann. Nach Jahren des Martyriums verbaler und körperlicher Gewalt liegt Jim erschlagen von Großmutters Bratpfanne auf dem Küchenboden und Sally weiß nur eins, sie möchte für die Tat nicht ins Gefängnis. Je mehr Zeit vergeht, desto unmöglicher wird es ihr, die Polizei zu verständigen, doch wohin mit der Leiche? Sally ist nicht allein. Neben ihr gibt es in der unmittelbaren Nachbarschaft noch weitere Frauen, die ihre Ehemänner loswerden müssen und eine plausible Erklärung für das Verschwinden ihrer Peiniger brauchen. Aus der Not werden sie zu Komplizinnen und Freundinnen, die nur gemeinsam eine Lösung für ihr Problem finden können. Der Lockdown und die Corona-Beschränkungen sind dabei Fluch und Segen zugleich.

Der Roman beginnt bitterböse, entwickelt sich jedoch weniger ironisch und schwarzhumorig als gedacht, stecken doch hinter den Missetaten ernste und beklemmende Schicksale. Frauen jedes Alters und jeder Kultur sind betroffen. Die Lage jeder einzelnen wird kurz geschildert, so dass unweigerlich Verständnis für ihre Taten entsteht, die sich weniger von langer Hand geplant als vielmehr aus Notwehr, Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ereignet haben.

Auch wenn der Hintergrund ernst ist, ist der weitere Handlungsverlauf um die Lösung des Problems mitunter makaber und unterhaltsam. Die Frauen müssen sich nicht nur gegenseitig Vertrauen, sich vor neugierigen Nachbarn und besorgten Verwandten in acht nehmen, sondern auch innerhalb kürzester die sterblichen Überreste ihrer Männer entsorgen und eine glaubhaft Erklärung für deren Verschwinden finden, die Nachfragen von Familie, Kollegen und den Behörden standhält.

Die Geschichte ist lebhaft und verpackt ein ernstes Thema durch so manch absurde Situation auf unterhaltsame Art, ohne pietätlos zu werden oder die Not ins Lächerliche zu ziehen. Der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor ist der Autorin gut gelungen und ihr sehr auf den Punkt gebrachtes Nachwort macht die schwierige Lage von Frauen wie Sally noch einmal deutlich.

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Veröffentlicht am 14.07.2024

Spannender Kriminalfall mit einem erschreckenden Hintergrund, der nach dynamischer Entwicklung am Ende etwas versandet.

VIEWS
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Die Schülerin Lena ist verschwunden und wenige Tage später geht ein Video viral, das zeigt, wie sie von mehreren dunkelhäutigen Männern vergewaltigt wird. Ausländerfeindliche Hasskommentare kommen auf ...

Die Schülerin Lena ist verschwunden und wenige Tage später geht ein Video viral, das zeigt, wie sie von mehreren dunkelhäutigen Männern vergewaltigt wird. Ausländerfeindliche Hasskommentare kommen auf und eine Organisation "Aktiver Heimatschutz" bildet sich, die das Vertrauen in Politik und Polizei verloren hat, auf Rache und Selbstjustiz aus ist. Dabei rückt auch Hauptkommissarin Yasira Saad aufgrund ihrer Wurzeln in den Fokus.
Die Ermittlungen des BKA gestalten sich äußerst zäh und ohne einen Tatort und die Möglichkeit, Spuren zu sichern und auszuwerten, können rein auf Grundlage des Videos Vermutungen angestellt werden. Die Fahndung nach Lena und den Tätern läuft auf Hochtouren bis Yasira durch einen Zufall die These aufstellt, dass der Fall in eine ganz andere Richtung gehen könnte.

"Views" ist ein spannender Kriminalroman, der vor dem Hintergrund von Gewaltverbrechen von Migranten, die von Rechtspopulisten und Rechtsradikalen für eigene Zwecke in den Fokus gerückt werden, brandaktuell.
In dem Szenario des Romans eskaliert die Gewalt schnell und nimmt erschreckende Ausmaße an, die allerdings nicht unwahrscheinlich erscheinen.

Auch was tatsächlich hinter dem Verbrechen und der vermeintlichen Entführung der 16-Jährigen steckt, ist kaum vorstellbar und mutet wie Science Fiction an.

Der Fall ist fesselnd und regt zum Nachdenken darüber an, was Social Media auslösen kann, ob der KI noch Grenzen gesetzt werden können und wie wir mit unseren persönlichen Daten umzugehen haben.
Der Roman trifft damit sowohl einen Nerv in Bezug auf die Verrohung und Spaltung der Gesellschaft als auch die moderne Technik

Der Fall entwickelt sich dynamisch, ist wendungsreich und auch die Charaktere, von denen vor allem Yasira, aber auch ihr älterer Kollege in den Mittelpunkt rücken, der mit seinen flapsigen Sprüchen für Humor sorgt, können überzeugen.
Die Polizeiarbeit wird hingegen nur fragmentarisch geschildert, so dass es zumal überraschend ist, welche Schlüsse gezogen oder welche nächsten Schritte gemacht werden. Schade ist, dass vieles auf reinen Vermutungen basiert und das interessante Details wie nähere Hintergründe zur Gründung des "Aktiven Heimatschutz" und zu den technischen Raffinessen der Täter sehr kurz kommen. Überhaupt ist der Roman mit 270 Seiten nicht lang, so dass die Geschichte noch weiter hätte ausgeschmückt werden können. Yasiras Alleingang und die offenen Fragen, die in Bezug auf Täter und Opfer zurückbleiben, hinterlassen am Ende einen faden Beigeschmack.

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Veröffentlicht am 07.07.2024

Emotionale, ergreifende Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, Vergangenheitsbewältigung und Abschiednehmen mit einer Prise Humor, die der Geschichte die Schwere nimmt.

Die guten Frauen von Safe Harbour
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Frances Delaney erfährt mit 58 Jahren, dass sie unheilbar an einem Gehirntumor leidet und beschließt, ihr Leben selbstbestimmt zu beenden, nachdem sie als Jugendliche Dinge über sich ergehen lassen musste, ...

Frances Delaney erfährt mit 58 Jahren, dass sie unheilbar an einem Gehirntumor leidet und beschließt, ihr Leben selbstbestimmt zu beenden, nachdem sie als Jugendliche Dinge über sich ergehen lassen musste, die ihr weiteres Leben nachteilig beeinflusst haben.
Am Ende ihres Lebens ist sie einsam, findet jedoch in der 17-jährigen Edie eine Verbündete, die ihr in der letzten Phase ihres Lebens zur Seite steht und sie dabei unterstützt, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen und ihre beste Freundin Annie wieder zu treffen, mit der sie vor 40 Jahren den Kontakt im Streit abgebrochen hatte.

Der Roman wird aus Ich-Perspektive von Frances im Sommer 2019 geschildert. Ein wesentlicher Teil des Buches handelt anfangs von ihrer Vergangenheit, die in einzelnen Rückblenden erzählt wird. Dabei sind es Impulse der Gegenwart, die in Frances etwas auslösen und sie zurückblicken lassen, weshalb die Ereignisse nicht zwingend chronologisch geschildert sind. Nach der Begegnung mit Annie liegt der Fokus auf der Gegenwart und dem Abschiednehmen.

Frances hat als Kind und Jugendliche schwere Verluste erlitten, unter Depressionen gelitten, die nicht behandelt worden sind und hat sich in ein einfaches, einsames Leben zurückgezogen, in der ihr die größte Freude das Putzen und Aufräumen war, das ihr Befriedigung verschaffte. Als Haushälterin war sie begehrt, Freunde hatte sie jedoch nach Annie keine mehr.

Die Geschichte ist nicht nur durch den nahenden Tod von Frances tragisch. Auch ihr gesamtes Leben, das durch frühe Ereignisse, verbunden mit Tod, Trauer und Enttäuschungen beeinflusst wurde, ist deprimierend. Umso schöner ist es, dass die junge, quirlige Edie, für deren Eltern Frances die Haushälterin war und der sie selbst in einer schwierigen Situation beistand, Frances an die Hand nimmt und sie dazu animiert, sich Gutes zu tun und ihre alte Freundin wieder zu treffen, die ihr damals so viel bedeutete. So erlebt Frances viele erste Male, zu denen selbst ein Restaurant- oder Friseurbesuch zählt und bereitet den Weg für ein versöhnliches Ende.

Das Buch ist eine emotionale, ergreifende Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, Vergangenheitsbewältigung und Abschiednehmen. Durch Annies nüchterne Art und Edies unerschütterliches Gemüt hat der Roman trotz aller Dramatik und Tragik auch immer immer wieder humorvolle Elemente, die der Geschichte die Schwere nehmen.
Auch wenn der Plot mit ungewollten Schwangerschaften, Einsiedlertum und Bucket List und die Botschaft, dass das Leben zu kurze für Reue und Streit ist, sicher nicht neuartig ist und sich wenig überraschend entwickelt, ist der Roman durchweg unterhaltsam und lässt mit den Charakteren mitfühlen. Eine bildhafte Beschreibung des kleinen Fischerdorfs Safe Harbour und Neufundland kommt dabei allerdings zu kurz.

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Zwischen Passion und Wahnsinn - eine epische Geschichte über Freundschaft und Liebe und ein komplexer Kriminalfall um unzählige vermisste Mädchen

In den Farben des Dunkels
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Die beiden Außenseiter Joseph "Patch" Macauley und Saint Brown werden als Kinder beste Freunde. Beide kennen bereits die Härte des Lebens - Saints Mutter ist nach ihrer Geburt gestorben, der Vater hat ...

Die beiden Außenseiter Joseph "Patch" Macauley und Saint Brown werden als Kinder beste Freunde. Beide kennen bereits die Härte des Lebens - Saints Mutter ist nach ihrer Geburt gestorben, der Vater hat sie verlassen und Patch wächst bei einer Mutter auf, die vom Leben überfordert ist.
Mit 13 Jahren rettet der kleinkriminelle Patch ein Mädchen von einem Kindesentführer und wird selbst gefangen genommen. Saint gibt die Hoffnung nicht auf, ihren besten Freund wieder zu finden und sucht unermüdlich nach ihm. Nach fast einem Jahr kann Patch tatsächlich durch Saints Mut befreit werden, doch Patch ist nicht mehr derselbe. In dunkler Gefangenschaft in einem Keller war es Grace, die ihn am Leben erhalten hat und die er nun wiederum unbedingt finden muss. Über Jahre hinweg hinweg sucht er nach dem Mädchen, von dem er nicht einmal weiß, wie es aussieht. Während bei anderen Zweifel wachsen, ob es Grace je gegeben hat und sie nur seiner Fantasie entsprungen ist, begibt Patch sich als Erwachsener auf eine Odyssee durch die USA und nimmt Kontakt zu Eltern auf, die ein Kind vermissen. Saint vermisst ihren besten Freund und erste Liebe und wird als junge Polizistin nach Patch fahnden, der auf seiner Suche zu einem Robin Hood mutiert.

"In den Farben des Dunkels" erzählt eine epische Geschichte über Freundschaft, Liebe und einen Kriminalfall um zahlreiche vermisste Mädchen, die sich über 30 Jahre von den 1970ern bis in die frühen 2000er-Jahre erstreckt.

Die Freundschaft von Saint und Patch wird durch ein Verbrechen erschüttert und verändert sie unwiderruflich. Patch kann Grace nicht loslassen und stößt Saint damit vor den Kopf, die so sehr um die Rückkehr ihres Freundes gebeten und alles dafür getan hat. Die Suche nach Grace steht einerseits zwischen ihnen, verbindet sie andererseits aber auch, denn auch Saint sucht nach Patchs Phantom und dem Täter, der hinter den Verbrechen an den vermissten Mädchen steckt. Dabei wirken ihre Ermittlungen, die sich auf Erinnerungen Patchs und Erzählungen eines Mädchens stützen, das es vielleicht nie gegeben hat, unwirklich und mysteriös, entwickeln sich aber zunehmend spannender und erkenntnisreicher.

Traurig sind die Schicksale in dem fiktiven Ort Monta Clare in Missouri, aber der Glaube an Liebe und Freundschaft ist so unerschütterlich wie die unermüdliche Suche nach vermissten Menschen, dass der Roman trotz aller Melancholie, Ungerechtigkeit und Tristesse Hoffnung schenkt.

Anders als bei einem Kriminalroman steht die Aufklärung der Verbrechen nicht im Vordergrund. Es geht vielmehr um die Menschen und die Opfer dahinter, das Leid, das verursacht wird, wie mit Traumata umgegangen wird und erschütternde Ereignisse verarbeitet werden.
Die Geschichte - zwischen Passion und Wahnsinn - ist dramatisch und aus wechselnden Perspektiven von Patch und Saint bewegend und nachvollziehbar geschildert. Es ist mitreißend wie unerschütterlich Patch und Saint an ihren Überzeugungen und Idealen festhalten, auch wenn das ihre Leben keineswegs leichter macht, sondern ganz im Gegenteil noch weitere Probleme bereitet.
Bei aller Originalität, Spannung und Emotionen kommt der Roman aber nicht ganz ohne einzelne Längen bei der Darstellung des komplexen Szenarios aus. Auch wirken die sehr kurzen Kapitel zumal sprunghaft und zwingen zum kurzen innehalten, um welche Person es gerade geht.

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