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Veröffentlicht am 13.02.2018

Mehr Beziehungsdrama als Expeditionsbericht

Euphoria
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Gleich vorab: Lily Kings Schreibstil ist berührend und zeigt tiefe Einblicke in emotionaler und bildhafter Weise von der Beziehung der drei Protagonisten und dem Stammesleben der fremden und faszinierenden ...

Gleich vorab: Lily Kings Schreibstil ist berührend und zeigt tiefe Einblicke in emotionaler und bildhafter Weise von der Beziehung der drei Protagonisten und dem Stammesleben der fremden und faszinierenden Tam in Neu Guinea. Zeitweise fühle ich mich direkt vor diese exotische Kulisse versetzt. Aber leider nur zeitweise! Denn zu sehr erscheint dieser Roman als Beziehungsdrama, bei denen die Akteure mir nicht sonderlich nahe kommen.

Die Geschichte spielt um 1933 und Kings Hauptprotagonistin Nell Stone, lehnt sich an die real existierenden Personen Margaret Mead, Fortune und Bateson an. Mead war eine amerikanische Anthropologin aus den 30er Jahren, die die Salomonen und Neuguinea erforschte und mit ihrem Forschergeist ihrer Zeit weit vor war.

Kings Roman beschreibt einen fiktiven Aufenthalt im Dschungel am Sepik, bei dem das Forschungsziel das Volk der Tam ist, einem weiblich dominierten Stamm.

Die drei Forscher untersuchen die Tam jeder auf seine eigene Art und erkennt man schnell drei völlig verschiedene Charaktere. Sie haben bei ihren Forschungen ganz verschieden Herangehensweisen, was für entsprechend Konfliktpotential sorgt.

Nell versucht, die fremden Kulturen zu verstehen, ihre Sprache zu lernen und ihr Handeln in der Gemeinschaft zu begreifen. Sie beobachtet die Stammesmitglieder und hat als Frau starken Bezug zu den Personen.

Fen, Nells Mann taucht dagegen in das Stammesleben regelrecht ein. Er ist ein profitgetriebener Mensch und hat Probleme mit der Berühmtheit seiner Frau. Zu sehr ist er dem Konkurrenzdruck unterlegen.

Andrew Bankson lebt schon lange als Forscher, ist dementsprechend ausgehungert nach menschlicher Gesellschaft und hat einen gescheiterten Selbstmordversuch hinter sich. Er freundet sich mit Nell und Fen an, verliebt sich in Nell und bewundert ihren Tatendrang.
Lily King schafft die zwischenmenschlichen Verhältnisse mit gerade mal unterschwelligen Andeutungen entstehen zu lassen. Vieles wird gar nicht genau beschrieben und dennoch erhält man ein umfassendes Bild, indem man als Leser sich die Zwischenräume zusammenreimt.
Meines Erachtens nach baut sich die Dreiecksgeschichte als Hauptthema auf und drückt die Forschung und den exotischen Hanflungsort in den Hintergrund. Dabei hätte ich gerade über das Stammesleben mehr erfahren. Was anfangs noch lebendig geschildet wird, gerade das Aufeinandertreffen und die Verständnisprobleme durch Sprachbarrieren, verliert sich schliesslich in Floskeln wie dem Willkommensgruß "Baya Ban".

Die Erzählperspektive springt zwischen den Figuren hin und her. Es werden Briefe und Forschungsergebnisse beschrieben und man bekommt einen vagen Eindruck über das Arbeiten von Ethnologen. Leider sind die erwähnten Stämme nur fiktiv, wie King in ihrem Nachwort erwähnt. Hier hatte ich mehr reale Grundlagen erwartet.

Dabei vermag King interessant zu erzählen und zeigt eine Atmosphäre voller Liebe und Leidenschaften. Eine ausgelebte Euphorie, die jedoch im Untergang endet.

Dieses Buch zeigt vordergründig eine Beziehungsgeschichte, die vor dem Hintergrund der Tropen und ihrer Stämme gezeigt wird. Das allerdings auch so in Bruchstücken, das ein einheitliches Bild fehlt

Veröffentlicht am 05.11.2017

Etwas vorhersehbar und sehr seicht

Versuchung pur
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Edens wohlbehütetes Leben als Society-Girl endet von einem Tag auf den anderen als ihr Vater überraschend verstirbt. Neben der Trauer um ihren Vater, muss sie sich jetzt selbst um ihren Lebensunterhalt ...

Edens wohlbehütetes Leben als Society-Girl endet von einem Tag auf den anderen als ihr Vater überraschend verstirbt. Neben der Trauer um ihren Vater, muss sie sich jetzt selbst um ihren Lebensunterhalt kümmern. Dann macht auch noch ihr Verlobter Eric mit ihr Schluss, er war wohl auf ihr Vermögen aus. Eden gründet mit ihrer Freundin Candy ein Sommercamp für Mädchen. Dort auf dem Land möchte sie ihren Seelenfrieden finden, aber es kommt anders. Sie fällt ihrem attraktiven Nachbarn, dem Apfelbauern Chase Elliot, regelrecht in die Arme. Ihre Gefühle für Chase möchte sie nicht zulassen, sie hat Angst vor Enttäuschungen.


Dieser Roman ist locker geschrieben und sehr kurzweilig, er zeigt das Leben auf einem Pferdehof, das Sommercamp für junge Mädchen mit loderndem Lagerfeuer, Marshmallows und Ausritten aufs Land. Man könnte meinen, dies sei Hanni und Nanni für Erwachsene.
Die Geschichte ist vorhersehbar, die Protagonisten entbrennen in gegenseitiger Liebe, doch Eden geht aus Angst vor weiteren Enttäuschungen nicht auf Chase Verführungskünste ein. Der Apfelplantagenbesitzer ist in diesem Fall die süße Verlockung, der Apfel aus dem Paradies. Aber viel mehr passiert auch nicht.

Auch wenn dieser Roman relativ leichte Unterhaltung bedeutet und eigentlich eine romantische Schnulze ist, so liest man doch immer weiter und wartet gespannt auf die große Liebeserklärung zwischen Eden und Chase.


Doch gerade diese beiden Figuren sind auch meine Kritikpunkte am Buch. Es gibt einige Szenen, bei denen man sich als Leser dann doch mehr intensive Gefühle erhofft. Aber die Protagonisten kreisen umeinander wie zwei Planeten. er Gefühlsmiver entwickeln soll. Eden ist ein wenig wie eine alte Gouvernante und gibt ihren Gefühlen nicht nach. Und Chase könnte auch etwas überzeugender dargestellt werden.


Der Titel "Versuchung pur" ist wohl etwas hoch gegriffen, aber eine leichte romantische Lektüre für entspannte Lesestunden mit viel Gefühl erwartet den Leser auf alle Fälle.

Veröffentlicht am 05.11.2017

Etwas öde Geschichte, gut geschrieben, aber leider mit Längen!

Ein Jahr auf dem Land
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"Hoffnung ist ein seltsames Ding. Ganz anders als die Liebe, Angst oder Hass. H. ist ein Gefühl, von dem man erst merkt, dass es da war, nachdem man es verloren hat." Zitat Seite 215

Rezension enthält ...

"Hoffnung ist ein seltsames Ding. Ganz anders als die Liebe, Angst oder Hass. H. ist ein Gefühl, von dem man erst merkt, dass es da war, nachdem man es verloren hat." Zitat Seite 215

Rezension enthält Spoiler!

Was war das denn? Meine anfängliche Begeisterung ebbte immer mehr dahin. Viele nichtssagende Szenen machten das Buch langweilig und Rebecca habe ich irgendwie nicht näher kennengelernt.

Mit einigen vergnüglichen Erlebnissen zeigt die Autorin anfangs Rebeccas Leben in ihrem einfachen Häuschen, es nistet sich ein Waschbär auf ihrem Dachboden ein, sie kennt den Dachdecker Jim Bates, der eine Lebendfalle aufstellt, das Tier fängt, Rebecca fotografiert das posierliche Tierchen und statt es irgendwo auszusetzen, erschießt Jim es.

Für Rebeccas Leben erweist sich dieser Ortswechsel als positiv, sie findet viele neue Fotomotive und lebt gern auf dem Land. Aber interessiert sie sich wirklich für die Natur oder die Menschen hier? Ich hatte leider nicht das Gefühl. Auch ihre Fotografien kommen mir wie eine einfache Knipserei vor, kaum vorstellbar, dass jemand damit große Erfolge erzielen kann. Das Leben auf dem Land wird anschaulich beschrieben, allerdings auch in einer sehr umständlichen und ausschweifenden Art und Weise.

Anna Quindlen erzählt in einer schönen und treffenden Sprache, ihre Botschaft soll wohl ermutigen und den Neuanfang und das Glück für ältere Menschen hervorheben. Mich hat Rebecca aber eher nicht erreicht. Ich konnte keine Beziehung zu ihr aufbauen und nur von Quindlens Sprache allein, kann ein Roman nicht leben. Er braucht Tiefe, sowie Charaktere, die den Leser mitnehmen und den Funken überspringen lassen. Das hat hier bei mir leider nicht geklappt.


Ermutigend und hoffnungsvoll, so würde ich dieses Buch positiv nennen. Doch richtig ergriffen hat es mich nicht. Müssen denn immer Beziehungen die Leben retten? Ich hatte erwartet, hier mehr über die Fotografie zu lesen.

Veröffentlicht am 26.02.2026

Konnte mich leider nicht fesseln!

Der Tote auf Öland
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Im Gmeiner Verlag erschien 2024 der Kriminalroman Der Tote auf Öland von Agneta Sjöberg.

Touristen finden auf der schwedischen Insel Öland einen grausigen Leichenfund. Die nackte männliche Leiche hat ...

Im Gmeiner Verlag erschien 2024 der Kriminalroman Der Tote auf Öland von Agneta Sjöberg.

Touristen finden auf der schwedischen Insel Öland einen grausigen Leichenfund. Die nackte männliche Leiche hat Schnitte im Gesicht und wurde offensichtlich Opfer eines Gewaltverbrechens. Deshalb übernehmen die Kommissare Luna Bofink und Alban Larsson die Ermittlungen. Als innerhalb weniger Tage vier weitere Menschen sterben, ist klar, dass es sich um einen Serienmörder handeln muss.

Der Erzählstil ist zwar flüssig, aber die kurzen Sätze wirken teilweise wie abgehackt, dafür mochte ich die vielen Dialoge, die für eine stimmige und lebendige Atmosphäre sorgen. Ich finde die Idee mit dem Thema Menschenhandel durchaus passend für einen Thriller und die gezeigten Szenen sind Beispiele für die brutale Kriminalität in diesem Bereich.

Die Handlung enthält sehr viele Protagonisten und wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, das sorgt für Verständnisprobleme und man muss sich sehr konzentrieren, um die verschiedenen Personen richtig einordnen zu können.

Die Hauptfiguren Luna und Alban wirken leider gar nicht wie professionelle Kommissare. Viel mehr sind sie oft ratlos und mit den zahlreichen Leichen einfach überfordert. Als Team wachsen sie trotz vieler Reibereien etwas zusammen, auf mich persönlich machen sie beide keinen sympathischen Eindruck.

Ich habe mich bemüht, den roten Faden im Dickicht der fragwürdigen Rückblenden mit Menschentransporten und den Einblicken in eine Sekte zu finden. Das ist mir leider nicht gelungen und ich habe das Ganze erst bei der Auflösung am Ende verstanden. Vielleicht lag es an der Vielzahl an Nebenfiguren oder an einem für mich sichtbaren Motiv für die Morde. Ein paar Spannungsmomente sind durchaus vorhanden, insgesamt war dieser Krimi für mich eher anstrengend und hat mich nicht gefesselt.

Dieser Schweden-Krimi hat mich leider nicht überzeugen können!

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Sehr oberflächlich und enttäuschend

Die Mitford Schwestern
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In der Reihe "Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte" im Kiepenheuer & Witsch erscheint Marie Benedicts historischer Roman Die Mitford Schwestern.

Zwischen den Weltkriegen sind die sechs Mitford-Schwestern ...

In der Reihe "Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte" im Kiepenheuer & Witsch erscheint Marie Benedicts historischer Roman Die Mitford Schwestern.

Zwischen den Weltkriegen sind die sechs Mitford-Schwestern in der politischen, literarischen und gesellschaftlichen Szene Englands berühmt. Nancy ist Schriftstellerin, Diana geht eine Beziehung mit dem Faschisten Oswald Mosley ein und Unity verehrt Hitler und tut alles, um in seiner Nähe zu sein. Diese Konstellation sorgt für familiäre Probleme, denn Großbritannien zieht gegen Deutschland in den Krieg

Die berühmten Mitfordschwestern waren insgesamt sechs sehr unterschiedliche Frauen, von denen ich bisher noch nichts gehört hatte. Deshalb erhoffte ich mir in diesem Roman nähere Informationen über ihr reales Wirken und habe vorab nachgelesen, dass sie zu einer Gruppe junger Adliger gehörten und mit Winston Churchill verwandt waren. In der Geschichte vertreten sind allerdings nur die drei Schwestern Nancy (Ich-Erzählerin und Schriftstellerin), Diana und Unity. Diana und Unity waren Anhängerinnen des Faschismus in England und Nazideutschland und haben die Ideologie fanatisch unterstützt.

Die Handlung dreht sich neben zahlreichen oberflächlichen Szenen und schwelenden Konflikten zwischen den Schwestern und ihren Zeitgenossen ständig um ihre persönlichen Belange und um die Verklärung des Dritten Reiches. Leider hatte Nancy keinen großen Einfluss auf ihre Schwestern und ihre politischen Ambitionen. Ich muss zugeben, auf Dauer wurde mir die Thematik des Faschismus bzw. seiner Verharmlosung einfach zu viel. Positiv ist der flüssige Erzählstil, aber ich habe mich beim Lesen nicht wohl gefühlt und konnte mich auch nicht gut in die Figuren einfühlen. Dadurch habe ich mich durch einige Kapitel hindurch gequält. Wenn ich für einen Roman sehr lange brauche, ist das immer ein schlechtes Zeichen.

Diese Lektüre hinterlässt einen schalen Geschmack und hat mich insgesamt sehr enttäuscht. Meiner Meinung nach sehen starke Frauen anders aus.

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