Profilbild von Evy_Heart

Evy_Heart

Lesejury Star
offline

Evy_Heart ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Evy_Heart über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2024

Info-Overload

Eine Geschichte des Römischen Reiches in 21 Frauen
0

Ich hatte das Buch angefordert, weil ich mich seit der Schule nicht mehr mit Rom beschäftigt hatte und den Ansatz, dabei die Frauen zu betrachten, interessant fand. Mein Problem mit dem Buch liegt weniger ...

Ich hatte das Buch angefordert, weil ich mich seit der Schule nicht mehr mit Rom beschäftigt hatte und den Ansatz, dabei die Frauen zu betrachten, interessant fand. Mein Problem mit dem Buch liegt weniger am Schreibstil als an der Materie selbst - denn es gibt nur wenige Informationen über die Frauen. Was die Autorin auch ständig betont.

Worum geht es?

Das Buch beleuchtet die Leben von 21 Frau im alten Rom zwischen Beginn und Untergang. Den Anfang bildet Romulus' Frau, das Ende die Tochter des letzten Kaisers, Placidia Galla.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Die Auswahl ist dabei vielfältig: Wir sehen Rebellinnen in Britanien, Dichterinnen, eine Leiterin eines Vergnügungszentrums bzw. Bades in Pompei und viele Frauen der Oberschicht. Auch das Christentum und die Kritik daran findet im letzten Viertel Platz. Das fand ich gut.

Außerdem habe ich einen guten Einblick bekommen in eine Welt, die so weit weg ist.

Ich hatte aber große Probleme, die Informationen festzuhalten. Das liegt zum einen an der Materie: Die meisten Namen kommen aus einer Sprachregion, die mir nicht vertraut ist - Latein. ES fiel mir schwer, mir die Namen einzuprägen, besonders, wenn Mutter und Tochter ähnliche Namen haben. Oder wenn die Autorin zwei Frauen gegenüber stellt und zwischen beiden wechselt. Außerdem hätte ich mir einen kurzen historischen Abriss pro Abschnitt gewünscht - die Autorin gibt hier nur sehr wenige Informationen. Mein größtes Problem ist aber, dass von all den Frauen nur wenige Informationen existieren. Sie duften nicht selbst schreiben, stattdessen haben Männer ÜBER sie geschrieben, manchmal Jahrzehnte später. Die Autorin beleuchtet gut, wie der jeweilige Autor der Bild auf die Frau verzerrt und hinterfragt, warum. Das wird häufig betont und lenkt vom Geschehen ab. An anderen Stellen füllt die Autorin die Leere mit seitenlangen Umgebungsbeschreibungen oder der Interpretation eines Gedichtes.

Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin sehr, sehr viele Informationen hat und möglichst viele dieser in das Buch einbringen wollte. Ich fühlte mich aber erschlagen von all diesen Fakten. Obwohl vieles davon interessant ist.

Der Schreibstil ist, wie in solchen Büchern typisch, eher locker. An seltenen Stellen verrennt sich die Autorin in ihrem Humor z.B. 31 % "Kaum hatte Caesar Italien hinter sich gelassen, um Pompeius in Mazedonien zu stellen, da carpe-ten Milo und Caellius den diem und versuchten, ganz Italien zu einer Rebellion anzustacheln."

Ein nettes Gimmick in der Danksagung war aber der Verweis auf die Dragqueens Trixie Mattel und Katya.

Fazit

Es gibt Menschen, die all die schillernden Puzzelteilchen dieses Buches mögen, mir war die Informationsflut im Buch aber zuviel. Wer schon mit der Materie vertraut ist, wird hier eine tolle Ergänzung finden. Ich habe als Anfängerin leider nur wenig mitgenommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2024

Ödnis is happening

Hidden Tracks 1. All Your Secret Songs
0


Am Buch hat mich der Journalismus-Aspekt gereizt, weil ich großen Respekt für diese Mischung aus Fakten und Kunst habe. Ich dachte, dass das einer klassischen Liebesgeschichte Würze gibt. Leider sieht ...


Am Buch hat mich der Journalismus-Aspekt gereizt, weil ich großen Respekt für diese Mischung aus Fakten und Kunst habe. Ich dachte, dass das einer klassischen Liebesgeschichte Würze gibt. Leider sieht man von der journalistischen Arbeit wenig, stattdessen schmachen sich die Figuren 75 % des Buches an.

Rezi enthält Spoiler.

Worum geht es?

Ryan ist ein erfolgreicher Teil der aufstrebenden irischen Band "Lovesuckerz", hadert aber damit. Allie ist Musikjournalistin, die von ihrem Vater, der im Bereich Wirtschaftsjournalismus tätig ist, nicht ernst genommen wird. Ihre wahre Liebe ist die Musik. Gleichzeitg lesen wir von Liz, die anonym Songs auf Instagram covert, und Conor, der seine Freunde vermisst und sich in Liz verliebt.


Meine Meinung zum Buch

Für mich war es inhaltlich wenig, es gibt nur wenige Konflikte. Aus dem Dreiecke zwischen Allie, ihrem Vater und dem Bruder, der die Erwartungen des Vaters erfüllen konnte, hätte man viel machen können, das bleibt aber an der Oberfläche. Interessant ist z.B. dass Allie sich tätowieren und piercen ließ, um gegen ihren Vater zu rebellieren - Conor aber diese Äußerlichkeiten anziehend findet. Es wäre interessant gewesen, zu sehen, wie Allie das aufarbeitet und was das mit der Beziehung macht. Der Streit aus "Ryan", der seinen Traum leben darf, und "Conor", der seine alte Band zurücklassen musste, zieht sich durch das Buch, war für mich aber auch wenig prägnant. Bei 75 % kommt plötzlich eine Anschuldigung wegen sexueller Belästigung auf, die vorher kaum angedeutet wurde, und die vom eigentlichen Konflikt ablenkt. Dramaturgisch sinnvoll, weil es die Spannung kurz vor dem Ende erhöht, aber letztlich ein alter Hut.

Vom Alltag der Band, von den Auftritten, von der Leidenschaft und dem Kick sieht man wenig. Ganz im Gegenteil: Oft blendet die Handlung bei Konzerten aus und erst danach wieder ein.

Das Buch hätte auch vor 20 oder 30 Jahren spielen können, nur ohne soziale Medien. Was keinen Unterschied macht. Die Welt ist geprägt von fiesen Journalist:innen und es ist ein Skandal, wenn Mitglieder von Boybands schwul sind oder eine Freundin haben. Nichtmal eine nicht-binäre Figur gibt es.

Die Fronten sind klar: Boybands, deren Songs Massenware sind, auf der einen Seite. Oberflächliche Kunst für konsumierende Teenager-Mädchen. Auf der anderen Seite Indiebands, deren Lieder mit Herz geschrieben sind. Das schillernde, weil ehrliche Leben einer Band, die mit Freude in kleinen Clubs spielt und nebenbei einen oder zwei andere Jobs hat. So einfach ist das aber nicht. Nur, weil Songs in Camps gemeinsam mit anderen geschrieben sind, bedeutet das nicht, dass sie nicht aus einem tiefen Gefühl heraus entstanden sind. Perlen der Musikgeschichte wurden in 10 Minuten heruntergeschrieben, ohne dass der Künstler oder die Künstlerin wusste, was der Sinn des Liedes ist. Und mit Veranstaltern über Gagen verhandeln zu müssen und/oder das Projekt nur in der Freizeit betreiben zu können, weil die Band die Miete nicht bezahlt, wird ausgeblendet.

Die Welt im Buch ist einfach, aber die Autorin schafft es nicht, ihr neue, interessante Aspekte beizufügen

Auch von Allies journalistischen Fähigkeiten sieht man wenig. Dafür, dass sie seit Jahren Musikkritiken schreibt, sind ihre Texte eher blumig. Nett, aber nicht, so knackig, dass sie auf Social Media verkaufen können. Aus meiner Sicht passen sie eher zu Kolumnen oder längeren Reportagen. Sie interviewt die Band, fotografiert usw. - wie sieh das verarbeitet, davon sieht man nichts. Immerhin waren die Kommentare unter den Posts sehr vielfältig und die Menge nicht zu hoch. Sie geben ein gutes Bild davon, wie Menschen auf solche Beiträge reagieren. Mich hätte auch interessiert, wie Allie, die mit einem Wirtschaftsjournalisten und dessen Stil aufgewachsen ist, den Übergang zu eher unterhaltsamen Musikkritiken geschafft hat.

Es geht im Buch viele interessante Figuren, von denen wir nur wenig sehen.

Auch die Spannung war nicht vorhanden, die Geschichte war von Anfang an klar, ich habe mich bis 60 % gefragt, ob etwas Interessantes passiert, dann merkte ich, dass nichts mehr kommt.

Was mich am meisten gestört hat, war das ständige Schwärmen und die fehlenden Emotionen. Conor ist besessen von Allies Piercings und ihrem Duft nach Rosen und den Fuchsialippen und den ebenholz-farbenen Haar. Sie mag seinen Pinienduft. Die beiden wollen sich, ständig. Ihre Gespräche gehen aber nur selten in die Tiefe. Allies Eltern spielen eine Rolle, Conors nicht. Dafür Conors ehemaige Band, irgendwann. Songwriting ist ein Thema, Selbstverwirklichung. Ich habe nicht mitgefühlt, weil ich kaum eine Beziehung zu den Figuren hatte. Gutes Handwerk, aber nicht einzigartig.

Es gibt nur eine Erotikszene, die sehr ausführlich ist, aber weder technisch noch erzählerisch auffällt.

Der Schreibstil ist flüssig und unauffällig, nur manchmal fand ich Worte nicht so stimmig. Und ich mochte die Metapher, dass die beiden als eine Einheit aus Endorphinen und Serotonin funktionieren. Auch Allies Humor gefällt mir, aber er wird durch die Schwärmereien und die fehlende Substanz überdeckt. Ich glaube der Figur nicht, dass sie SO sarkastisch ist.

Fazit

"All your secret Songs" ist solides Handwerk, dem es leider an Inhalt fehlt. Für mich hat das Buch nichts Besonderes. Ich erkenne die Arbeit aller Beteiligten an und ich sehe in Allies Sarkasmus stilistisches Potential, das ich in "erwachsenen" Büchern gern lesen würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.10.2024

Nett, aber wenig Konflikt

Das Wohlbefinden
0

Ich habe das Buch über eine Leserunde gewonnen und ich fand das Thema "Beelitz" interessant. Verglichen mit dem Historien-Roman davor geht das Thema leider unter, stattdessen verstrickt sich die Autorin ...

Ich habe das Buch über eine Leserunde gewonnen und ich fand das Thema "Beelitz" interessant. Verglichen mit dem Historien-Roman davor geht das Thema leider unter, stattdessen verstrickt sich die Autorin in zwei Traumata, die über mehrere Generationen getragen werden.

Rezi enthält Spoiler!

Worum geht es?

Der Text spielt auf drei Ebenen: Im Jahre 1907/08 erleben wir die Schriftstellerin Johanna, die ihren Erfolgsroman schreibt und wir sehen die Vorgänge in Beelitz. Außerdem erleben wir das Medium Anna, das zur Schlüsselfigur wird. Im Jahre 1967 ist Johanna dement und Erinnerungen kommen auf. 2020 findet ihre Urenkelin Vanessa Notizen Johannas, gleichzeitig hadert sie mit ihrem eigenen Leben. Und wieder spielt Beelitz eine Rolle. Über allem schwebt das Thema Okkultismus.

Wie hat mit das Buch gefallen?

Das Cover finde ich toll, es erinnert mich an Wandbilder der 20er Jahre im Jugendstil. Verglichen mit anderen Titelbildern ist es ein bisschen einzigartig - es würde auffallen, aber ich habe das Gefühl, schon ähnliches gesehen zu haben.

Der Inhalt selbst war nett, aber nicht prägnant. Johanna ist eine Frau des Bürgertums, die vom Vater ein Haus geerbt hat und mit einem Arzt verheiratet ist. Dieser verkörpert die Naturwissenschaften im Buch. Im Gegensatz zu Johanna fühlt er sich von Übersinnlichem abgestoßen und sucht ein Heilmittel gegen Tuberkulose. Johanna selbst sieht sich als Autorin, fühlt sich aber von vielem gestört - Geräuschen, ihrem Mann, den Kindern. Umso empfänglicher ist sie für Natur und Übersinnliches. Auf mich wirkte sie hochsensibel. Ihr Problem ist, dass sie es der herrischen Mutter nie recht machen konnte und daher in Anna jemanden findet, der sie unterstützt. Auch in ihre Familie findet sie sich nicht hinein, zu sehr ist sie in der Angst verhaftet "nicht richtig" zu sein.

Anna bleibt bis zum Schluss eine Figur, die man nicht greifen kann, und wahrscheinlich nicht greifen soll. Auch sie hat einen Hang zum Übersinnlichen, sieht Dinge, bevor sie passieren. Sie kommt mit Tuberkulose nach Beelitz und wird gleichermaßen ausgegrenzt und vereehrt. Nach einer Nahtoderfahrung verstärkt sich das Gefühl, dass das Göttliche durch sie spricht, sie wird als Medium, auch missbräulich, erforscht und benutzt. Später dient sie Johanna als Mutterersatz und Muse. Sie schleicht sich aber auch in das Leben der Familie und nutzt ihre Fähigkeiten selbst für Vorführungen. Anhand Annas sehen wir unterschiedliche Strömungen des Okkulten und hinterfragen, welchen Sinn das hat. Viele Figuren im Buch glauben mehr oder weniger daran und es ist nie klar, was fiktiv und was echt ist.

Aus dem Kampf zwischen Übersinnlichem und Naturwissenschaftlichen, verkörpert durch beide Eheleute, entwickelt sich ein Spannungsfeld, das der Roman nur wenig ausnutzt. Stattdessen sehen wir Johanna, die ständig mit sich kämpft, und vom Ehemann sehen wir wenig. Die Auflösung des Konfliktes ist nett, aber nicht überraschend.

Im Roman klingt sovieles an, das man hätte näher ausführen können. Welche gesellschaftliche Funktion das Übersinnliche hatte, wie (vor allem) Frauen ausgenutzt wurden, weil man davon ausgeht, dass sie empfänglicher sind. Wie man mit Menschen umgeht, bei denen das mit einer psychischen Erkrankung einhergeht. Aber auch, dass Beelitz ein fortschrittliches Kurheim war, das aber einen kapitalistischen Hintergrund hatte: Man wollte die Menschen arbeitsfähig machen.

Die anderen Zeitebenen haben für mich die Spannung nur mäßig erhöht. Johannas Demenz zu sehen und zu erkennen, dass sie sich als Schriftstellerin wichtiger empfindet, als sie nach 60 Jahren ist, das war traurig. Vanessa stellt die Verbindung zur Jetzt-Zeit nach und gibt Möglichkeiten für Gesellschaftskritik. Trotzdem hätte ich auf beide Perspektiven verzichten können. Ohnehin hätte ich ganze Absätze überlesen können, ohne, dass ich etwas verpasst hätte.

Die Figuren haben mich emotional nicht gepackt, ich konnte mich mit allen etwas identifizieren, aber ich habe nicht mitgelitten.

Manche Leser:innen haben im Buch einige Verweise an reale Personen gefunden z.B. Rudolf Steiner und Thomas Mann. Wer gern zwischen den Zeilen liest, wird also seine Freude daran haben.

Fazit

Für mich hat das Buch leider nur wenige Spuren hinterlassen. Den Grundkonflikt fand ich auf emotinonaler und gesellschafticher Ebene interessant, es wurde aber zuviel angedeutet, zuviel erzählt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.07.2024

100 Seiten zu lang

Experienced. Die Liebe bietet unbegrenzte Möglichkeiten
0

Ich hatte das Buch angefordert, weil ich die Grundgeschichte interessant fand. Außerdem hatte ich mich auf eine Figur gefreut, die wechselnde Partner genießt, anstatt am Ende reuevoll zur Monogamie zurückzukehrn. ...

Ich hatte das Buch angefordert, weil ich die Grundgeschichte interessant fand. Außerdem hatte ich mich auf eine Figur gefreut, die wechselnde Partner genießt, anstatt am Ende reuevoll zur Monogamie zurückzukehrn. Spoiler: Die Monogamie bleibt gewahrt. Puh!

Worum geht es?

Bette ist seit einem Jahr offiziell lesbisch und das erste Mal verliebt. Doch ihre Partnerin Mei möchte, dass sie sich austobt, damit sie sich sicher in der Beziehung ist. Bette geht widerwillig auf die Suche und findet einige Partnerinnen und noch mehr.

Ein Wort zum Cover

Das Titelbild zeigt eine leicht verfremdete Frau in Ölfarben-Optik. Andere Bücher ähnlicher Thematik vom selben Verlag haben ein ähnliches Design. Durch die Perspektive und Platzierung wirkt das Motiv sehr dynamisch, durch die Farben lebendig. Es hat mich aber eher an ein populärwissenschaftliches Sachbuch erinnert als an einen klassischen Liebesroman. Für sich genommen ein wunderschönes Motiv! Beim englischen Cover hat man sich aber für zwei gezeichnete Frauen entschieden, die normalgewichtig, sogar kurvig sind. Das Cover vermittelt dort eher, dass Figuren nicht schlank sein müssen, um Protagonistinnen zu sein. Im Buch spielt das Gewicht keine Rolle, aber ich finde es wichtig, dass Menschen jedes Gewichts in der Literatur präsent sind.



Wie hat mir das Buch gefallen?

Der Einstieg ins Buch war flott und ab 20 % dachte ich, dass mir die Figur aus der Seele spricht. Nach 50 % habe ich aber ganze Absätze überlesen. Denn Bette ist ein typische Figur in Liebesromanen: Ich-bezogen, fühlt sich für alles verantwortlich, tut aber selbst fast nichts. Muss ständig von Freund:innen aufgebaut und bestätigt werden. Gerät ständig in kleine Schwierigkeiten, aus denen sie aber durch ein Wunder wieder herauskommt. Betrachtet alles im Detail, findet alles sehr, sehr wichtig. Hat ansonsten kaum nennenswerte Charaktereigenschaften.

Bette ist eine Figur, mit der man nicht zusammen sein möchte, weil sie so mit Selbstmitleid beschäftigt ist, dass für einen Partner kein Platz ist. Man möchte sie anschreien.

Auch der Subplot mit der konservativen Familie wird so kurz abgehandelt, dass man ihn hätte weglassen können.

Der Konflikt selbst ist ja interessant: Muss man sich als Mensch austoben oder kann man das auch später machen, wenn man sich bereit fühlt? Ist die Wahrscheinlichkeit jemanden zu verlassen geringer, wenn man sich ausprobiert hat, weil man weiß, was man will?

Und anfangs macht Bette gute Fortschritte: Sie hat mit drei verschiedenen Frauen Sex und erlebt eine freigeistige und technisch tolle, eine anhängliche und eine Frau, die nicht mehr will.

Doch dann kommt das Love-Interest und spätestens nach 30 % ist klar, wie es ausgeht. Das Interest selbst hilft Bette immer, egal, was sie tut. Ist wie ihre beste Freundin, nur in lesbisch und etwas schüchterner. Das Love-Interest hat ein Problem, das sich am Ende aber in Luft auflöst. Obwohl der Konflikt Potential hätte.

Der Grundkonflikt wird sehr erwartbar gelöst, und ich fand sowohl den Höhepunkt als auch dessen Aufklärung schwer nachvollziehbar. Die Figuren wissen alles voneinander. Warum sie dann in Streit geraten, wusste ich nicht. Immerhin fand ich das zentrale Gespräch mit Mei sehr nahbar.

In der fallenden Handlung gibt es auch eine Szene, die auf einem Treffen für queere Frauen spielt, in dem sich vor allem Bi-Frauen befinden. Die Figur wurde nicht müde zu betonen, wie wichtig solche Treffen, auch ohne Männer, sind. War gewollt.

Es gibt ein paar kleinere Erotik-Szenen und eine größere, die aber verkrampft und nicht sinnlich wirkt. Dazu passt, dass die Autorin im Nachwort schreibt, sie hätte sich mit "Mechanik und Choreografie von lesbischem Sex" (99 %) beschäftigt. Es wirkte nicht natürlich.

Nett waren die Nebenfiguren, allen voran Ash, die beste Freundin unserer Hauptfigur. Sie hat für alles Verständnis und eine Lösung. Die Figuren beider Freundeskreise waren vielfältig, mir aber zuviel. Ich habe den Überblick verloren. Schwierig fand ich, dass bei einer nicht-binären Figur das Pronomen "dey" genutzt wird - ich wusste nicht, ob es sich um einen Namen handelt und da es ein englisches Lehnwort ist, fühlte es sich wie ein Fremdkörper an. Eine andere Form des Pronomens hätte ich besser gefunden.

Auch hat mich gestört, dass zwei "Panikattacken" vorkommen, bei denen "Angstzustand" aus meiner Sicht treffender gewesen wäre. Über die Verwendung des Begriffs wird immer wieder gestritten. Die Gründe für die Angst sind in beiden Fällen real, die Attacke kommt nicht aus dem Nichts, sondern es sind Probleme, von denen sich die Figuren überwältigt fühlen. Körperliche Symptome treten auf, die für mich nachvollziehbar waren. Trotzdem war ich nicht glücklich damit.

Nett fand ich aber manche sprachliche Metapher, die ganzen Bilder und Wahrnehmungen. Wem es Spaß macht, all die Puzzelteilchen der Welt zu entdecken, der wird mit Bette Spaß haben.

Fazit

Hinter einen tollen Grundidee verbirgt sich ein klassischer Liebesroman mit einer nervigen Figur und einer vorhersehbaren Dramaturgie. Nett zu lesen, aber eher Flop.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2024

Klischeehaft, aber die Sprache ...

Manhattan Law & Passion - Tiefes Verlangen
0

Ich habe das Buch gelesen, weil es um eine Journalistin geht und ich mich über ein paar Einblicke in ihre Arbeit gefreut hätte. Ein hübscher Anwalt sollte mein Herz höher schlagen lassen. Letztlich ist ...

Ich habe das Buch gelesen, weil es um eine Journalistin geht und ich mich über ein paar Einblicke in ihre Arbeit gefreut hätte. Ein hübscher Anwalt sollte mein Herz höher schlagen lassen. Letztlich ist das Buch ein klischeehafter Roman mit ein paar Abstrichen in der Sprache.

Rezi enthält Spoiler!


Worum geht es?

Madison, kurz Maddie, war als Reporterin im Nahen Osten, schreibt aber seit dem Tod eines Kollegen für ein Frauenmagazin. Anwalt Sam knabbert am problematischen Verhältnis zum Vater und dem Tod seiner Ehefrau. Ein Mord an einem Politiker führt beide zusammen.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Womit der Roman emotional 280 Seiten verbringt, weiß ich leider nicht - Figurenzeichnung war es nicht. Über Maddie als Mensch erfährt man fast nichts, obwohl der Kontrast aus Frauenzeitschrift und einer Arbeit für humanitäre Werte interessant wäre. Am Ende greift der Roman das Thema "Frauen" kurz auf und führt beides zusammen. Aber ich habe nicht verstanden, warum eine Frau, die so viel erlebt hat, so wenig davon in ihrem Denken hat. Es ist einfach nicht spürbar. Der Tod des Kollegen klingt bis zur Hälfte an, danach findet er nicht mehr statt.

Im Zentrum steht Sam als Mann, der mittels neuer Frau therapiert werden muss. Das findet man häufig in solchen Romanen, in diesem Werk wird das noch mal deutlicher, weil Maddie als Gegenstück wenige kleine Probleme hat. Sam als Figur ist liebenswürdig und interessant: Er kommt aus reichem Hause, hat sich aber losgesagt und mit seiner Frau eine Organisation gegründet, die Frauen in Not juristische Unterstützung anbietet. Das zieht sich durch den Roman und ist auch der Auslöser für die Handlung. Im Laufe des Romans verarbeitet er (allein) den Tod der Frau und auch der Vater bekommt seinen Auftritt.

Obwohl das Buch aus beider personaler Perspektive geschrieben ist, steht das Leiden des Mannes im Vordergrund. Das habe ich auch bei den erotischen Szene gemerkt. Es gibt zwei große, explizite Szenen, in denen der Mann die Frau beglückt. Dass sie ihm Gutes tut, lässt er nicht zu. Das ist ok, denn er ist der Held der Handlung, er braucht das einfach und kann wohl keine Kontrolle abgeben, aber andere Bücher machen das besser. Beglückt wird in einer Wohnung und im Wald, gern in Hündchen-Stellung. Die Szene selbst sind nett, aber etwas hölzern geschrieben, der Orgasmus war aber ok.

Der Kriminalfall ist eine der Stärken des Buches. Für erfahrene Leser:innen ist er simple und nicht so spannend, aber die Autorin schafft es gut, den Fall über das ganze Buch zu spannen und die Auflösung hat mich ein bisschen überrascht. Das Motiv wirkte ein bisschen beliebig und es gibt ein paar Logik-Löcher, aber das ist ok. Dass nicht alles erklärt wird, gehört dazu und war für mich in Ordnung. Es wird nicht blutig, ich hatte daran wirklich Spaß.

Auch dramaturgisch kann ich nicht meckern, das Buch ist über die ganze Zeit interessant gewesen, das retardierende Moment am Ende hat mich überrascht, weil es innerhalb von 10 Seite aufgeworfen und aufgeklärt wird. Logisch war es nur bedingt, aber ich spürte, dass sich hier jemand Gedanken gemacht hat.

Die große Schwäche war die Sprache. Sie wirkt etwas hölzern - verglichen mit anderen Büchern, die ich gelesen habe, ist der Text im unteren Mittelfeld. Wortwiederholungen tauchen gern innerhalb eines Absatzes auf z.B. "Der Aufzug erreichte das Erdgeschoss, das sie durchquerten. 'Hallo, Mister Allen', begrüßte Jessica den Mann am Empfang, als sie nebeneinander das Foyer durchquerten." (42 %) Außerdem schwankt die Sprache innerhalb der Erzählpassagen. Abgesehen von ein paar süddeutschen Einschlägen (vor allem Grammatik) ist der Text in Hochdeutsch geschrieben, doch plötzlich taucht Umgangssprache auf z.B. "Über Sams Mandantin schrieb der Verfasser sehr miese Dinge" (22 %) Die Figuren haben kaum eine eigene Sprache. Menschen aus "niederen" Bevölkerungsschichten sprechen mal Umgangssprache, mal nicht. Genervt hat mich auch, dass in Dialogen oft der Tonfall und die Intention klar ist, das aber in den Ausleiteworten nochmal wiederholt wird - wie im obigen Beispiel. Ich verstehe, dass Dialoge schwer zu integrieren sind und dass das wohl eine stilistische Besonderheit der Autorin ist. Ich fand das aber nicht angenehm.

Es gibt im Buch aber Highlights z.B. den Metapher einer Spinne, die am Ende auftaucht. Das war bildlich und das Motiv wurde gut umgesetzt. Auch die Eheringe, die Sam noch trägt, als Fessel zu bezeichnen, fand ich treffend.

Figuren aus den anderen Bänden haben Kurzauftritte; zwei kommen und gehen, einer bleibt als Nebenfigur.

Dass Maddie ihre Artikel gern auf Papier ausdruckt, anstatt sie als Datei zu schicken, wirkt auf mich etwas alt. Es gibt aber Leute, die gern damit arbeiten.

Fazit

Wenn man keinen Wert auf Sprache legt, sondern auf gebrochene Helden steht, die sich finden, und wenn man Kriminalfälle mag, dann wird man daran seine Freude haben. Es ist keine schlechte Wahl, wirkt aber aus der Zeit gefallen und nicht kreativ. Eine nette Lektüre für zwei Stunden, aber ... man hätte mehr rausholen können.



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere